"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Donnerstag, 13. September 2012

[Rezension] Vanishing Acts (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: Vanishing Acts 
[deutscher Titel: Die Wahrheit meines Vaters]

Dieser Roman war der erste, den ich je von Jodi Picoult gelesen habe. Und offensichtlich muss er mich überzeigt haben, schließlich sollte er nicht mein letzter bleiben.
Wie eigentlich immer thematisiert die Autorin eine die Gesellschaft berührende Problematik. 'Kindesentführung' ist der Schwerpunkt dieses Buches, wobei die Geschichte keineswegs einfach oder gar typisch gestrickt ist. Eine vielschichtige Handlung, laute Hilfeschreie und tief bewegende Motive lassen Grübeln und somit das glasklare Urteil eher durch eine Milchglasscheibe sehen.


~ Rezension ~

Heute bist du nicht mehr die, die du noch gestern warst.

Delias geregeltes Leben bricht an dem Tag aus den Fugen, an dem ihr Vater Andrew in Polizeigewahrsam genommen wird. Das ihm vorgeworfene Delikt: Kindesentführung. Delia hält dies für eine schlichte Unmöglichkeit, eine Verwechslung. Doch dann gesteht ihr der eigene Vater, dass sie das entführte Kind ist, dessen Identität früher eine andere war.
Von jetzt auf gleich gerät Delia in den Sturm, der die Wahrheit über sie ans Licht bringt. Doch was kann sie überhaupt noch glauben? Wem kann sie tatsächlich vertrauen? Bisherige Klarheiten verschwimmen vor Delias Augen. 
Die Entscheidung, ihr Leben auf einer fundamentalen Lüge aufzubauen, kann Delia ihrem Vater nicht verzeihen. Außerdem stellt dieser scharfe Einschnitt gleichzeitig Delias Ehe zu ihrer Jugendliebe Eric und die Verbundenheit zu ihrem besten Freund Fitz auf eine harte Zerreißprobe, deren Ausgang nicht alle Beteiligten glücklich machen kann.

Vanishing Acts spiegelt eine dramatische Familiengeschichte wider, deren Komplexität beeindruckt. Zum einen werden dem Leser sämtliche emotionale Höhen und Tiefen der Vater-Tochter-Beziehung vor Augen geführt; zum anderen fühlt man sich von der Delia-Eric-Fitz-Freundschaft mitgerissen. 
Mich berührten vor allem die Ambitionen Andrews, der alles für seine Tochter tun würde; die Beziehung Delias zu den zwei wichtigsten Männern in ihrem Leben; und auch die Stärke der Protagonistin, sich mit den Geistern ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der Hauptfiguren erzählt, sodass der Leser an den wahren Gefühlen, Beweggründen sowie persönlichen Geheimnissen der einzelnen Charaktere teilhat.

Dieser Roman Picoults beweist, wie schwer es für Eltern ist, über das tatsächliche Glück oder Unglück ihrer Kinder zu entscheiden. Sie wollen nur das Beste. Doch wie weit dürfen sie dafür gehen? 

F★ZIT: Komplex. Prekär. Affektiv.


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