"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 29. März 2016

[Rezension] A Place to Remember ~ Chloe & Hugh (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: A Place to Remember ~ Chloe & Hugh 

A Place to Remember ist, wie ich finde, schon einmal ein wunderbarer Titel für eine Buchreihe. Er strahlt etwas Vertrautes, etwas Warmherziges und auch etwas Unvorhersehbares aus. Ideale Voraussetzungen und absolut genug, um mich aufhorchen zu lassen und neugierig zu machen. 

Danke schön, liebe Sarah Saxx, für das mir zum Lesen angebotene und zur Verfügung gestellte E-Book!

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Ein bisschen modernes Märchenflair

Das Antiquitätengeschäft A Place to Remember ist Chloes Lieblingsort im turbulenten London. Hier kann sie ihrer Leidenschaft fürs Durchstöbern und Entdecken längst vergessener Schätzchen nachkommen, ohne schief angesehen zu werden. Denn Besitzer Nate Ward hat Verständnis dafür, dass die junge Studentin meist nur stöbert, ohne wirklich etwas zu kaufen. Als Chloe eines Mittwochs inmitten all der Antiquitäten nun in die Arme eines charismatischen Fremden stolpert, scheint es wie ein Traum. Denn mit nur einem Blick hebt sich ihre Welt aus den Angeln. Es liegt eine beinahe magnetische Anziehung in der Luft, aber schon eine Sekunde später bereut Chloe ihre ihr bis dato vollkommen unbekannte Courage. Dass jedoch mehr hinter dieser magischen Begegnung steckt, kann sie nicht leugnen.

Sarah Saxx steuert mit A Place to Remember ~ Chloe & Hugh ihren eigenen gefühlvollen Teil zu einer neuen Romanreihe voller Herz bei, die sie gemeinsam mit Ihren Kolleginnen Anna Faye, Lea Pearl, Karola Löwenstein und Michelle Schrenk kreiert hat. Jeder Roman kann gut und gern unabhängig voneinander gelesen werden, obwohl dies für die "Seienjunkies" unter den Fans wohl kaum eine Option sein dürfte.

Ohne unnötige Schnörkel macht Sarah Saxx ihren Lesern klar, zwischen Chloe und Hugh gibt es dieses besondere Band, das sie miteinander verbindet. Gleichermaßen unterstreicht ihre gemeinsame Geschichte aber auch, dass die Welten der beiden verschiedener nicht sein könnten. Sie, die zurückhaltende Antiquitätenliebhaberin. Er, der erfolgsverwöhnte Womanizer. Da ist ein knirschendes Spannungsfeld doch vorprogrammiert! Ebenjenes staffiert die Autorin mit einer liebevoll gewählten Mischung aus entstaubten Klischees und verträumter Raffinesse aus.

Mit dem A Place to Remember wird ein origineller, bei weitem nicht alltäglicher Handlungsort in Szene gesetzt, der als Schlüssel zu den Welten beider Protagonisten fungiert. Zwischen geheimnisvoll graviertem Schmuck und alten Holzmöbeln entsteht eine kleine, aber feine Magie. Eine Atmosphäre in einem Setting, die bei mir nicht nur einmal aus irgendeinem Grund eine Gilmore-Girls-Assoziation aufblitzen ließ. Nicht die übelste Querverbindung, wie ich finde. 

Obgleich mir die eine oder andere Entwicklung der Handlung recht unumwunden an Fahrt aufnimmt beziehungsweise sich auch wahrlich flauschig zeigt, spricht dieses einem beim Lesen umarmende Nach-Hause-kommen-Gefühl absolut für sich. Auch das Gesamtkonzept der Buchreihe, welches leichte Crossover aus den anderen Romanen der Serie beinhaltet, ist rundum gewinnend. Dass zudem sowohl abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren erzählt wird, sorgt für eine zusätzliche Portion Herzschmerz aus erster Hand. Wenn das nicht echten Wert für hoffnungslose Romantiker verheißt? 

Ein Roman, der zum einen relativ komprimiert, zum anderen angenehm verträumt daherkommt. Damit hat er untrüglich den Charakter einer guten Folge unserer Lieblingsserie, deren Fortsetzung mit einem leicht verklärten Lächeln erwartet wird.

FZIT: Romantisch. Kurzweilig. Warm.


Freitag, 26. Juni 2015

[Rezension] Racherausch (Michael Linnemann)

Michael Linnemann: Racherausch 

Da ich größter Fan von Zauberkunst, Illusionen & Co. bin, erklärt es sich von selbst, dass ich gar nicht lange überlegen musste, als Indie-Autor Michael Linnemann von seinem neusten Werk berichtete.

Die Magie im Zusammenspiel mit nebulösen kriminellen Machenschaften stellt natürlich noch einmal eine ganz eigene Büchse der Pandora dar. Daher war ich auf die Umsetzung wirklich gespannt, keine Frage.

Besten Dank an dieser Stelle an Michael Linnemann für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Cover: Michael Linnemann


~ Rezension ~

Tödliche Magie

Die Hauptkommissare Nora und Tommy stehen vor einem Rätsel: Ein junger Mann wurde in einer Göttinger Gasse erschossen aufgefunden. Dass es sich hierbei um einen Mord handelt, steht schnell fest. Denn der Täter hat ein deutliches und gleichermaßen makaberes Statement hinterlassen. Den Ermittlern schwant Böses. Aber noch ehe sie den Tathergang ansatzweise rekonstruieren können, geschieht bereits der nächste grausige Mord. Wieder hinterlässt der Mörder seine Handschrift, hat sich selbst jedoch wie in Luft aufgelöst. Welches perfide Spiel ist hier im Gange? Nora und Tommy läuft die Zeit davon ...

Michael Linnemanns Roman Racherausch ist ein Krimi, der die Magie dieses Genres im wahrsten Sinne in Szene setzt.

Sie, Nora, ist die sich einfühlende Analytikerin. Er, Tommy, orientiert sich am liebsten an den Fakten, die seine Logik untermauern. So gut sich die beiden Hauptkommissare auch ergänzen mögen, in ihrem neusten Fall beißen sie gemeinsam auf Granit. Damit schafft Michael Linnemann eine Sackgasse inmitten laufender Ermittlungen, die peu à peu zu einer Belastungsprobe für die beiden Protagonisten wird. Wie kühl die beiden Köpfe bis zum Showdown tatsächlich bleiben, ist für den Leser eine Komponente des sich steigerndes Rausches.

Der Fortlauf der Handlung wird zum einen aus Sicht der Polizei dargelegt, während der Autor zum anderen dem Mörder selbst auch kapitelweise immer wieder eine Stimme gibt. Ein clevere Schachzug, welcher dem Spannungsaufbau zuträglich ist.

Dass dieser Roman etwas überdurchschnittlich Magisches an sich hat, lässt sich nicht leugnen. Spielt doch die Zauber- und Illusionskunst die entscheidende Rolle. Ein Aspekt, den das Buch für mich, abgesehen vom ohnehin fesselnden Genre, besonders reizvoll macht.

Temporeich und gespickt mit Szenenwechseln wird der Roman erzählt. So darf ein Krimi daherkommen. Hier und dort blinzeln Vorahnungen durch, gerade was das persönliche Miteinander der Figuren anbelangt. Allerdings bleiben auch auf diesem Terrain (Fall-) Türen für potentielle Fortsetzungen offen.

In der Summe ein Krimi, der ein rundes Gesamtpaket für lesende Ermittler bietet. Während die einzelnen Charaktere nicht bis in letzte Detail scharf gezeichnet erscheinen, entfaltet sich der Kontext, auf dem die Handlung beruht, überaus markant.

FZIT: Makaber. Temporeich. Illusionsgeladen.


Dienstag, 9. Juni 2015

[Rezension] Auf das Leben! (Annika Bühnemann)

Annika Bühnemann: Auf das Leben!

Nach Auf die Freundschaft! folgt nun der zweite Band, in dem Claudia und ihre Mädels das Leben samt Leiden und Lieben für sich entdecken. Und auch dieses Mal heißt's: Unkompliziert ist anders.
Gewohnt kurzweilig und zugleich mit einem, wie ich finde, größerem Tiefgang denn je, spricht die Autorin ihre Leser an. Der eine oder andere von euch wird vielleicht ähnlich empfinden.

Auf diesem Wege schicke ich ein Dankeschön an Annika Bühnemann, die mir großzügig eines ihrer Buchbabys anvertraut hat!

Cover: Annika Bühnemann


~ Rezension ~

Ein Quartett, das auf das Ass im Ärmel des Lebens setzt.

Hinter den Freundinnen Claudia, Karin, Hannah und Maria liegen einige Turbulenzen. Doch auch die Gegenwart hat es in sich: angeknackste Herzen, fehlende Selbstverwirklichung, unvollendete Familienplanung — jede der vier Frauen hat ihr Päckchen zu tragen. Und dass das Roulette des Lebens sogar ihre innige Freundschaft auf eine harte Probe stellt, macht es nicht einfacher, die richtige Entscheidung zu treffen. Kopf oder Herz? Vernunft oder Risiko? Gemeinsam oder Alleingang? Ganz gleich, was kommen mag, am Ende zählt nur eines: Auf das Leben!

Auf das Leben! von Annika Bühnemann ist ein überaus kurzweiliger Roman, der positive Quirligkeit mit tiefschichtiger Komplexität vereint. Eine Gratwanderung, die unterhält.

Die bereits aus dem Vorgängerband, Auf die Freundschaft!, bekannten Charaktere dürfen abermals die Glanzmomente des Lebens auskosten, werden aber im nächsten Atemzug mit Gewissensfragen geradezu bombardiert. Die Mischung aus Ausgelassenheit und Ernsthaftigkeit modelliert Annika Bühnemann äußerst ansprechend. Die Protagonistinnen dürfen sich einerseits den Gedanken hingeben, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen; müssen aber anderseits auf die harte Tour lernen, dass es grobe Schnitzer gibt, die höchstwahrscheinlich alles verändern dauerhaft.

Als besonders polarisierend ist wohl Marias Entscheidungsweg einzuschätzen. Ihr unerfüllter Kinderwunsch führt zu einer Persönlichkeitsveränderung, die nicht unwesentlich ist. Mit Sicherheit hat die Autorin hier einen Handlungsstrang geschaffen, der zum Nachdenken anregt. Ein Faktor, der dem Buch weiteren Auftrieb gibt. Inwieweit Maria als Figur Sympathieträger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich empfand ihre chronische Kurzsichtigkeit mitunter als relativ zermürbend.


Dass das Leben kein Wunschkonzert ist, bringt Annika Bühnemann im Verlaufe ihres Werkes sehr erkennbar auf den Punkt. Dass es sich aber dennoch lohnt, nach vorne zu schauen, in sich zu vertrauen und eigene Passionen ernst zu nehmen, unterstreicht sie gleichermaßen. Sie selbst geht als Autorin eines selbst verlegten Buchs diesbezüglich auch gleich mit bestem Beispiel voran. Sehr authentisch!


Die Handlung wird kapitelweise aus den vier verschiedenen Blickwinkeln der Freundinnen wiedergegeben, was für eine stimmungsvolle Abwechslung und ein dynamisches Voranschreiten der Geschichte sorgt. Feine stereotype Spitzen, die konsequent gesetzt sind, gehören ebenso zum Repertoire des Romans wie die universelle Botschaft, hin und wieder mutig(er) zu sein.


Alles in allem ein Buch, das phasenweise durchaus an die eine oder andere kultige Fernsehserie erinnern mag und dennoch mit ganz eigenen Nuancen aufzuwarten weiß.

FZIT: Unterhaltend. Hinterfragend. Erlebend.


Dienstag, 26. Mai 2015

[Rezension] Tiefschwarze Melodie (Catherine Shepherd)

Catherine Shepherd: Tiefschwarze Melodie 

Nachdem mich bereits der Vorgänger dieses historischen Thrillers, Auf den Flügeln der Angst, auf Anhieb von sich überzeugen konnte, war ich selbstverständlich sofort ganz Ohr, als Catherine Shepherd mir von ihrem neusten Werk berichtete.

Was kann ich sagen? Auch dieses Mal ziehe ich den Hut vor der Autorin, der es offensichtlich nicht die kleinste Mühe bereitet, ihre Leser auf eine Zeitreise der besonders packenden Art zu schicken. Denn selbst wer (wie ich) für gewöhnlich nicht der allereifrigste Leser von historischen Romane ist, wird förmlich zum "Genrehopping" animiert. Liebe Catherine Shepherd, danke schön dafür und für das großzügig zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Cover: Kafel Verlag 


~ Rezension ~

Klänge der Vergangenheit werfen Schatten in die Gegenwart

Zons im Mittelalter: Die Stadt, allen voran Stadtsoldat Bastian Mühlenberg, verfolgt die mysteriöse Spur eines Frauenmörders, dessen Taten von Gewissenlosigkeit getränkt sind.
Zons heute: Polizist Oliver Bergmann und sein Team jagen einem brutalen Mörder, der seine weiblichen Opfer in blindem Wahn hinzurichten scheint. Der einzige verwertbare Anhaltspunkt lässt Oliver Bergmann schaudern. Denn jede der getöteten Frauen hält ein kleines Stück Papier in der Hand, auf dem der Auszug einer Komposition zu erkennen ist. Ein Musikstück aus dem Jahr 1497, dessen Finale noch längst nicht erreicht ist. 

Tiefschwarze Melodie heißt Catherine Shepherds mittlerweile fünfter Zons-Krimi, mit dem die Autorin die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufs Fesselndste zu schlagen weiß.

Die beiden ermittelnden Protagonisten, Bastian Mühlenberg und Oliver Bergmann, sind wieder einmal gezwungen, bis an die Grenzen ihrer Fähigkeiten zu dringen. Ein wahnsinniger Mörder scheint Katz und Maus mit ihnen zu spielen. Eine Unerträglichkeit, die Catherine Shepherd packend herausarbeitet. Auf diese Weise wird für den Leser — bei aller Professionalität der Gesetzeshüter — die Menschlichkeit zu einer greifbaren Komponente. 

Abermals verknüpft die Autorin auf Haupt- und Nebenschauplätzen ein Stück Historie Zons mit einer ausgeklügelten Fiktion, die nicht unreal anmutet. Ein Geschick, das mich besonders fasziniert. Ohne Langatmigkeiten und dennoch im richtigen Maße betont beinhaltet dieser Roman Spannung, die Jahrhunderte überdauert. Die Recherchearbeit, die dieses Buch beinhaltet, kann man nur erahnen. Zahlreiche fundierte Kleinigkeiten, bei denen der Teufel im wahrsten Sinne des Wortes im Detail steckt, eröffnen einen Blick auf Zons, der nicht alltäglich ist.

Mittels einer wechselnden Perspektive sieht der Leser die Geschehnisse einerseits aus Sicht des entschlossenen Ermittler und andererseits durch die kranken Augen eines lange Zeit aalglatten Täters. Hierbei polarisiert insbesondere Letzterer.

Ein Thriller, der zweifelsohne an die Intensität, Dynamik und Begeisterung für (Stadt-) Geschichte seiner Vorgänger anschließt. Gut und Böse, Gerechtigkeit und Vergeltung bäumen sich zu einem Crescendo auf, das nur allmählich verhallt.

FZIT: Filigran. Erschütternd. Verknotet.


Dienstag, 17. März 2015

[Rezension] Märchenprinzen gibt es nicht!? (Constanze Budde)

Constanze Budde: Märchenprinzen gibt es nicht!?

Wer auf der Suche nach einer pfiffigen kleinen Liebesgeschichte ist, könnte seine Freude an diesem Roman haben.

Als mir Autorin Constanze Budde anbot, ihr Buch zu lesen, habe ich nicht lange gezögert. Denn ab und an ein klein wenig in moderne Märchen abzutauchen, ist schließlich recht willkommen. Außerdem unterstütze ich liebend gern das Wirken von Schriftstellern, die ihren Weg auch abseits der größtmöglichen Aufmerksamkeit gehen. Ein weiterer Pluspunkt also.

Nochmals: Danke schön an Constanze Budde für das großzügig zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Cover: Forever


~ Rezension ~

Herzklopfen royale

Lene hat genug. Wie konnte Uli ihr nur derartig vor den Kopf stoßen? Es fühlte sich doch alles so einladend rosarot ein. Darüber, das ihre Freundinnen Lene versichern, dass auch sie noch ihrem Prinzen begegnen wird, kann sie nur müde lächeln. So ein Quatsch, Märchenprinzen gibt es nicht. Punkt. Doch dann wird Lene eines Abends in der Studentenbar, in der sie jobbt, auf einen jungen Mann aufmerksam, der so ganz anders auftritt, als all die Männer, denen sie bisher begegnet ist. Und weshalb bitte nennen ihn seine Freunde eigentlich "Prinz Poldi"?

Der Roman Märchenprinzen gibt es nicht!? von Constanze Budde erzählt auf königlich kurzweilige Weise von den Irrungen und Wirrungen einer großen Herzensangelegenheit.

Lene hat das Herz am rechten Fleck. Was sie allerdings nicht davor bewahrt, das ihr selbiges eben erst wieder gebrochen worden ist. Ihre Skepsis Prinz Poldi gegenüber ist demnach schon begründet. Dennoch, seine charmante, zuvorkommende und gewählte Art und Weise lassen ihr Herz schneller schlagen. Was Lene nicht ahnt: Auch Julius, wie Poldi richtig heißt, hat noch nicht gefunden, wonach er sich sehnt. 
Die Autorin hat zwei Protagonisten geschaffen, die sich angenehm ergänzen. Denn beide sind auf der Suche. Auf der Suche nach einem Anker, der bleibt. Beide Charaktere entwickeln sich im Laufe des Buchs. Und obgleich mich Lenes Misstrauen gelegentlich schon hat mit den Zähnen knirschen lassen, spült sie genau jener emotionale Wellengang letztlich in die Bucht, die Geborgenheit bietet. Nur an Land gehen, das muss sie selbst ...

Natürlich, ganz ohne watteweiche Klischees kommt dieser Liebesroman nicht aus. Wäre in diesem Genre auch irgendwie schade, nicht wahr? Aber die Autorin findet ein liebliches Maß, das filmreife Romantik mit lebensechter Selbstfindung verbindet. Denn neben Schmetterlinge-im-Bauch-Momenten spielt eine andere, wie ich finde, nicht unwesentliche Komponente eine wichtige Rolle: die Dankbarkeit dem Leben gegenüber. Einem Leben, das wir mitunter ohne die Menschen führen müssen, die uns am nähsten stehen. Was in einem Augenblick unermesslicher Ungerechtigkeit entspricht, ist im nächsten Wimpernschlag womöglich die größte Chance.

Der Stil, mit dem Constanze Budde ihre Geschichte erzählt, spiegelt einen erfrischenden, unkomplizierten und beflügelnden Unterhaltungswert wider. Mal hat der Leser das Gefühl, direkt mit Lene im Vorlesungssaal zu sitzen; dann wiederum bestechen die dänischen Wurzeln der Protagonistin. Neckische Applikationen, die das Gesamtbild gekonnt abrunden. Dazu zählt beispielsweise auch der überaus originell gestaltete Titel eines jeden Kapitels.

In der Summe ein Roman mit Chick-Lit-Charakter, der unbeschwerte Lesefreude bereitet und zugleich gewisse Ecken und Kanten des Lebens reflektiert. Nicht alles ist Gold, was glänzt. Aber das zu erwarten, wäre wohl wiederum auch äußerst eintönig, oder? 

FZIT: Apart. Lebhaft. Grübelnd.


Dienstag, 3. Februar 2015

[Rezension] Auf Irrwegen zu Dir (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Auf Irrwegen zu Dir 

Alles hat einmal ein Ende. Auch die Auf-Umwegen-Trilogie aus der Feder der österreichischen Autorin Sarah Saxx. Nachdem ich Teil eins und zwei bereits gelesen hatte, musste sich nun natürlich auch die Geschichte rund um das dritte Paar der sechs Linzer Freunde in mein (elektronisches) Bücherregal einreihen. Und sagen wir mal so: Eitel Sonnenschein ist anders. Da brauen sich mächtige Gewitterwolken am Himmel über dem Café Au Lait zusammen ...

Sarah Saxx, lieben Dank für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Eine Herzensangelegenheit auf Messers Schneide

Nach eineinhalb Jahren hat sich die glückliche Beziehung zu seiner Freundin Lena gefestigt, denkt Marco. Während ihre Freunde der Familienplanung entgegensehen, genießen sie die Freiheiten ihrer Zweisamkeit. Doch plötzlich verliert Lena zusehends an Leichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Stattdessen zieht sie sich — aus für Marco unerklärlichen Gründen — immer mehr zurück. Und seit er um die Existenz von Reitlehrer Lukas und dessen ungenierte Nähe zu seiner Freundin weiß, schmeckt Marco die wachsende Kluft zwischen ihm und Lena noch viel weniger. Mit einem Mal scheint seine heile Welt unaufhaltsam auseinanderzubrechen. 

Auf Irrwegen zu Dir ist der dritte Roman, der zu Sarah Saxx' gefühlsbetonter Auf-Umwegen-Reihe gehört und mit dem sie dem Finale ihrer Trilogie eine aufwühlende Note verleiht.

Während Lena und Marco in den ersten beiden Bänden der Buchreihe noch zu den Nebenfiguren gehörten, steht ihre ins Wanken geratende Liebe im Mittelpunkt dieses Romans. Lebhafte Quirligkeit und große Zukunftspläne gehen dabei Hand in Hand mit Verlustangst und beißender Eifersucht. Eine Mischung, welche die beiden Protagonisten nicht nur Kopf und Kragen, sondern vor allem ihr Herz kosten könnte. Auf jeden Fall eine solide Grundlage für einen Spannungsbogen, dessen Emotionalität Sarah Saxx bis zum letzten Kapitel brodeln lässt.

Wenngleich mir persönlich die eine oder andere Verhaltensweise seitens der Charaktere recht überspitzt und klischeehaft erscheint, so sorgt hingegen die in diesem Roman gewählte männliche Darlegung der Geschehnisse für eine andere, mitunter erfrischende Nuance. Authentisch angepasst hat die Autorin dementsprechend auch die Erzählweise, wodurch der Geschichte ein paar unverblümte Kanten verliehen werden.

Trotz eines kontinuierlichen Tanzes auf dem Vulkan von Lena und Marco und den zwei auf der Bildfläche erscheinenden Rivalen in Liebensdingen, bleibt der beständige Fokus auf dem Vertrauen in ein gemeinsames Bis-ans-Ende-unserer-Tage bestehen. Ein abgestimmter Tenor, der den willkommenen Gegenpart zu siedend heißen Eifersuchtsdramen bildet.

Was mit einem kleinen Funken beginnt, kann sich rasch zu einem Flächenbrand entwickeln. Das gilt für die Liebe ebenso wie für das Misstrauen. Dies ist der konsequente rote Faden dieses Romans, der wiederum Sarah Saxx' Vorliebe für pikante Herzensangelegenheiten umgarnt.

Insgesamt entspricht dieses Werk dem schlussendlich alles auf eine Karte setzenden, finalen Paukenschlag einer Trilogie, die sowohl für klopfende Herzen als auch für pochende Halsschlagadern sorgt. 

FZIT: Bebend. Katapultierend. Gebend. 


Dienstag, 6. Januar 2015

[Rezension] Mit Verzögerung ins Glück (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Mit Verzögerung ins Glück 

Als eigenständige Fortsetzung ihres Debüts lädt auch der zweite Roman von Sarah Saxx dazu ein, sich auf die Gratwanderung zwischen Liebe und Leid zu begeben. Bereits dem Leserpublikum bekannte Charaktere werden auf neue Pfade geschickt, die alles andere als geradlinig sind. Doch sollte das Glück nicht immer das Risiko wert sein? Diese Frage macht die Autorin zur Basis ihrer mit flirrendem Herzklopfen und bitterer Ernüchterung versehenen Erzählung.

Ein herzliches Dankeschön geht an Sarah Saxx für die Großzügigkeit des eBook-Rezensionsexemplars!

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Der Kopf sagt das eine, das Herz etwas anderes.

Isa hat ihren eigenen Lebenswandel satt. Plötzlich fühlt sich das eigene Tun und Handeln nur noch oberflächlich, armselig und fremd an. Partys bis zum Abwinken und Bettgeschichten ohne Bedeutung sollen der Vergangenheit angehören. Schließlich sehnt sich Isa im Eigentlichen nach mehr. Aber bei wem findet sie Geborgenheit, Vertrauen und Liebe? Um Abstand zu gewinnen und einen klaren Kopf zu bekommen, nimmt sich Isa kurz entschlossen eine Auszeit von ihren täglichen Verpflichtungen. Wellnessurlaub ist angesagt. Doch kaum ist sie dabei, sich einfach einmal fallen zu lassen, bringt ihr Zimmernachbar Sebastian sie schon auf die Palme ... und ihr Herz aus dem Takt.

Mit Verzögerung ins Glück ist Sarah Saxx' zweiter Roman, in dem die Suche nach der fortwährenden Liebe zu einem Parcours wird, der Herzen zum Stolpern bringen kann.

Protagonistin Isa hat sehr klare Vorstellungen von ihrem Leben. Oder zumindest glaubte sie dies. Denn ein sie seit Langem zermürbender Unmut zwingt sie zum Überdenken ihrer Prioritäten. Ein bedeutungsvoller Prozess, den die Autorin gleichsam impulsiv wie sehnsüchtig ausgestaltet. Die emotionale Hin- und Hergerissenheit Isas stellt das Fundament des Romans, erschüttert sich regelmäßig aber auch durch Überspitzung selbst. Denn irgendwie ist es Teil von Isas Persönlichkeit, sich in Situationen zu verrennen und dem eigenen Glück damit selbst ein Bein zu stellen. So macht es jedenfalls den Anschein.

Das Suchen, Finden und Festhalten der überlebensgroßen Liebe bettet Sarah Saxx in eine wendige Handlung ein, die dennoch insbesondere durch Momente des (selbst gemachten) Kummers geprägt wird. Damit zeichnet die Autorin einen eher steinigen Weg des Glücklichseins, bleibt allerdings ihrem typischen Grundtenor des Geschichtenerzählens auf angenehme Weise treu.

Eine dynamische Entwicklung des Handlungsverlaufs und eine Stilistik, die von einer durchaus lässigen Tonalität geprägt ist, untermauern den behände unterhaltenden Charakter des Romans. Wenngleich sich gewisse Wendungen und Schlussfolgerungen vermuten lassen, erhalten gelegentlich eingestreute vage Andeutungen und kleine Geheimnisse einen adäquaten Spannungsbogen.

Abermals stellt Sarah Saxx unter Beweis, dass Leidenschaft nicht selten Leiden schafft. Damit widmet sich die Autorin einem weiten Feld, in welchem sich ihre Leser an der einen oder anderen Stelle möglicherweise selbst wiederfinden können. 

Ein Roman, in dem Stereotype und klassische Missverständnis-Szenarien Teil einer Herzensangelegenheit werden, die es in sich hat.

FZIT: Klassisch. Wogend. Suchend.


Donnerstag, 27. November 2014

[Rezension] Auf Umwegen ins Herz (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Auf Umwegen ins Herz 

Eines ist gewiss: Sarah Saxx weiß, wie sich Herzen zum Stolpern bringen lassen. Bereits mit ihrem ersten Roman hat die österreichische Autorin das uneingeschränkt unter Beweis gestellt.

Ein herzliches Dankeschön an Sarah Saxx, die auf mich zukam und mir ihr Debüt in eBook-Format großzügig als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Kennt das Herz ein Aber?

Aus Jana und Julian hätten eines dieser Paare werden können, dessen gemeinsame Zukunft aus der einen großen Jugendliebe erwachsen ist. Aber dann machte Julian vor fünfzehn Jahren einen folgenschweren Fehler, der Jana zutiefst verletzt zurückließ. Bis heute. Denn als Julian noch einmal den Kontakt zu ihr sucht, ist sie nicht nur überrascht, sondern fühlt sich der Situation schlichtweg (noch immer) nicht gewachsen. Was erhofft sich Julian nach all der Zeit? Was erwartet er von Jana? Mit einer Last an unbeantworteten Fragen im Gepäck und klopfendem Herzen willigt sie schließlich zu einem einzigen letzen Treffen ein. Doch was sie dort erwartet, kommt mehr als unerwartet ...

Sarah Saxx' Roman Auf Umwegen ins Herz erzählt die Geschichte einer Liebe, die nie eine faire Chance hatte, der Welt zu zeigen, wie stark sie möglicherweise hätte sein können.

Jana und Julian sind ein Protagonistenduo, das ein Dauerticket für die Achterbahn der Gefühle gelöst hat. Mal nähern sie sich einander sensibel an, dann wieder reißt sie ein unerwarteter Looping aus der Bahn und der Zweifel, ob der Sicherheitsgurt in Gestalt neu gewonnen Vertrauens tatsächlich hält, nagt an ihnen — vor allem an Jana. 
Während ich die Grundidee des Romans, nämlich das unvorhersehbare Wiedersehen einer längst vergangenen, aber nie vergessen Liebe, durchweg als vorzüglichen Aufhänger empfand, war Janas nicht selten überdurchschnittlich präsente Theatralik doch leicht gewöhnungsbedürftig. Jedoch sind es vielleicht gerade ebenjene Akzente, die das innere und äußere Konfliktpotential schärfen und damit den sich entwickelnden Spannungsbogen entscheidend aufwerten.

Sehr angenehm liest sich das Buch auch, weil es der Autorin gelungen ist, ihre Charaktere und deren Werdegang weniger pompös, dafür umso natürlicher auszugestalten. Möchte heißen, kein exzentrisches Getöse, sondern vielmehr ein geerdetes Abziehbild realer Möglichkeiten wird dem Leser aufgezeigt.

Obgleich es sich bei dem Roman eher um eine leichte und behaglich zu lesenden Unterhaltungslektüre handelt, so ist die zwischen den Kapiteln versteckte Grundaussage keineswegs zu unterschätzen. Diese reflektiert den Umgang mit verlorenem Stolz und gebrochenem Herzen ebenso wie die Bereitschaft, eine zweite Chance zu geben. Das Bewusstsein, dass das Ende der eigenen Geschichte nicht immer dem Happy End aus dem Märchenbuch gleichen muss, um bekömmlich zu sein, wird hierbei gestärkt.

Insgesamt ein Roman, dessen Gefühlsbetontheit einer Stange Dynamit gleicht. Die Frage, ob nun Glücksfeuerwerk oder eher Rauchwolken inmitten eines tristen Schutthaufens, beschäftigt bis zur letzten Seite. 

FZIT: Brodelnd. Wankend. Bewegt.



P.S.:
Hier für euch der Trailer zum Buch





Dienstag, 14. Oktober 2014

[Rezension] Scheinwelt (Michael Linnemann)

Michael Linnemann: Scheinwelt

Nachdem mich Michael Linnemann selbst auf das Erscheinen seines neusten Buchs aufmerksam gemacht hatte (ein Dankeschön dafür!), blieb mir — schon allein rein genretechnisch — kaum etwas anderes übrig, als mich in eine kriminalistische Scheinwelt zu begeben. Mit der sich wieder einmal bestätigten Erkenntnis, dass nicht alles, was glänzt, Gold ist. Denn dem Autor ist ein Krimi am Puls der Zeit gelungen, der aufhorchen lässt. 

Cover: M. Linnemam


~ Rezension ~

Heiliger Schein oder scheinheilig?

Gestern übertrafen sich die aufstrebende BKA-Beamtin Jennifer Dachs und ihr Kollege Lukas Moll noch gegenseitig mit nicht ernst gemeinten Spitzen. Heute sieht sich Jennifer mit der gewaltsamen Entführung Lukas' konfrontiert. Als neuer Partner wird ihr Arnold Schleiser zugewiesen. Ein Kollege, dessen Steckenpferd Täterprofile sind, der sich aber selbst kaum in die Karten schauen lässt. Schnell steht das Team vor einem großen Rätsel. Denn die mehr als offensichtliche Spur deutet auf einen verurteilten Raubmörder hin. Kann es tatsächlich sein, dass die Polizei bei dessen Festnahme die Wahrscheinlichkeit eines Komplizen zu rigoros ausgeschlossen hat? Jennifer und Arnold begeben sich auf erneute Spurensuche, wobei der dreiste Entführer ihnen stets einen Schritt vorauszueilen scheint. Bald schon heißt es schließlich: Alles oder nichts!

Michael Linnemanns Krimi Scheinwelt bildet den Beginn einer neuen einschneidenden Krimi-Reihe des Autors. Dabei werden Fährten zu geschickt gelegten Fallstricken und Fallstricke zu unerwartet viel versprechenden Fährten.

Mit Jennifer Dachs und Arnold Schleiser erweckt der Autor ein Ermittlerduo zum Leben, das sich durch seine Gegensätze ergänzt und dem dennoch nie eine vollkommene Überwindung vorhandener Distanzen gelingt. Denn neben der beruflichen Höchstleistung, die in jener bisher brenzligsten Situation in Jennifers Karriere gefordert wird, sorgen jeweilige persönliche Ballaste dafür, eine professionelle Abgeklärtheit aufrechtzuerhalten.

Das von Michael Linnemann kreierte Verbrechen besticht durch eine Reichhaltigkeit an ausgeklügelten Details, gewiefter Doppeldeutigkeit und nicht selten vorhandenen Wirrungen. Ich als Leser fühlte mich mehr als angesprochen, mich selbst auf Spurensuche zu begeben.
Die Entwicklung der Handlung gleicht einem Hindernislauf, während dem sich einige unerwartete Falltüren ebenso auftun wie ein paar Strickleitern, die unverhofften Aufstieg ermöglichen. Der gezogene Spannungsbogen unterstreicht die Dringlichkeit des zu lösenden Falls und gipfelt in einer Offenbarung, die zum einen schockiert, zum anderen nachdenklich stimmt.

Der Stil der erzählten Geschichte spiegelt die Dynamik und das Ping-Pong-Match der einander (mehr oder wenig zielkonkret) zugespielten Informationen gut wider. Ohne großartige rhetorische Schnörkel, stattdessen mit inhaltlicher Raffinesse, die weite Bögen schlägt, begegnet der Autor seinem Leser.

In der Summe ein Krimi, der durch die besondere Formatierung einer kompakten Wahrscheinlichkeitsrechnung charakterisiert wird. Zündstoff bilden dabei sowohl die gelösten als auch die ungelösten Fragen, die schnurstracks auf eine Fortsetzung zusteuern.

FZIT: Ausgetüftelt. Komplex. Beängstigend.


Donnerstag, 11. September 2014

[Rezension] Auf den Flügeln der Angst (Catherine Shepherd)

Catherine Shepherd: Auf den Flügeln der Angst 

Krimis stehen zweifelsohne auf meiner Leseliste. Historische Romane, um ehrlich zu sein, eher weniger. Doch nachdem mich Catherine Shepherd auf ihren neusten Zons-Krimi aufmerksam gemacht hatte, ließ ich die Kombination aus beiden Genres einfach einmal auf mich wirken ... Was kann ich sagen?
Ich bin absolut positiv überrascht! Nicht von der Qualität des Geschriebenen, sondern vielmehr von der Tatsache, dass ich während des Lesens der Gegenwartskapitel mit wachsender Begeisterung auf die Kapitel mit der Handlung des Jahres 1497 zusteuerte. 
Catherine Shepherd versteht es, der Schwere von Historie einen Rahmen zu geben, der einfängt. Vielen Dank für diese "Lesereise"!

Cover: Kafel Verlag


~ Rezension ~

Der schmale Grat zwischen Sinnestäuschung und Realität.

Zons im 15. Jahrhundert: Eine unter mysteriösen Umständen ermordete Frau wird im Burggraben aufgefunden. Bastian Mühlenberg von der Stadtwache nimmt sich des Falls an. Schnell wird ihm klar, dass hinter dem Verbrechen ein noch viel größeres, giftigeres Geheimnis stecken muss. Dann holt ihn ein Dämon seiner eigenen Vergangenheit ein und weist überraschend einen Weg, der zum Täter führen könnte.
Zons im 21. Jahrhundert: Kommissar Oliver Bergmann wird in die Wohnung des Zonser Stadtrats gerufen. Dort wurde die Leiche des Mannes, der durch ertrinken starb, gefunden. Außerdem hatte das Opfer einen bizarren Drogencocktail im Blut. Nur der erste Tatort einer unerklärlichen Mordserie. Unterdessen bekämpft eine junge Mutter ihre Angstzustände mit einem dem Markt unbekannten Medikament und beginnt zu halluzinieren. Nebenwirkungen, die in doppelter Hinsicht tödlich sein können und die die Aufmerksamkeit des Kommissars auf sich ziehen.

Mit ihrem Krimi Auf den Flügeln der Angst lädt Catherine Shepherd ihre Leser bereits ein viertes Mal nach Zons ein, um auf Verbrecherjagd zu gehen. Der Startschuss für einen packenden Wettlauf um Leben und Tod hallt durch die Zeit.

Das Figurenensemble, welchem Catherine Shepherd in ihrem neusten Werk eine Bühne schenkt, besteht aus Charakteren mit deutlichem Profil. Die Gier nach Profilierung wird dabei ebenso zu einem zeitlosen Charakterzug wie die Sehnsucht nach innerem Frieden. Bastian Mühlenberg und Oliver Bergmann verleihen dem Streben nach Gerechtigkeit abermals ihre Stimme, während die Autorin ein neues Opfer-Täter-Netz spannt, dessen Elastizität dramaturgisch gekonnt ausgereizt wird.

Als Kulisse dient, wie bei den Vorgängern der Reihe, die niederrheinische Stadt Zons. Mit bestechender Wirksamkeit fühlt sich der Leser in die nebulösen Geschehnisse des Mittelalters versetzt. Nicht minder gelingt es Catherine Shepherd das Zons der Gegenwart zu einem Schauplatz menschlicher Abgründe, skrupelloser Dominanz und lähmender Angst zu machen.
Die Autorin verknüpft auf lebhafte Weise brisante Handlungsstränge der Historie mit denen der heutigen Zeit. Scharfsinnige Leichtigkeit und hintergründige Schwere gehen nahtlos ineinander über und ergänzen sich glänzend. Eine Ganzheitlichkeit, die mich beeindruckt hat. Die präzise recherchierte Realität wird durch die Hinzugabe von ambitionierter Fiktion zu einem wirksamen Elixier.

Der stete Wechsel zwischen den Jahrhunderten sorgt für einen kontinuierlich wachsenden Spannungsbogen. Und trotz der verhältnismäßig übersichtlichen Variablen, gelingt es der Autorin mithilfe des einen oder anderen Überraschungsmoments für ein gebührendes Finale zu sorgen.

Summa summarum ein Roman, der Krimifans und Geschichtsliebhaber sich ein und dieselbe Lektüre teilen lässt. Nicht nur die Grenzen zwischen den Zeiten, sondern auch die zwischen menschlichen Beziehungen verschwimmen zu einem triftigen Mosaik.

FZIT: Historisch. Wirkungsvoll. Abgründig.


Donnerstag, 4. September 2014

[Rezension] Sehnsucht nach Zimtsternen (Katrin Koppold)

Katrin Koppold: Sehnsucht nach Zimsternen 

Sehnsucht nach Zimtsternen - EBookNachdem ich bereits Helgas und Fees Geschichte kenne, durfte ich mir nun natürlich keinesfalls den dritten Band der Sternschnuppen-Reihe und damit Lillys Porträt entgehen lassen. Denn inzwischen fühle ich mich beinahe schon selbst ein klein wenig wie ein Mitglied der liebenswert-chaotischen Familie Baum.
Bisher bestach die Autorin durch zwei Vorgängerbände, die mich trotz oder gerade wegen variierender Grundstimmungen jeweils für sich gewinnen konnten. Umso gespannter war ich auf die Begegnung mit Lilly.
Nicht vergessen möchte ich das Dankeschön an Katrin Koppold für die nette Bereitstellung einer eBook-Ausgabe ihres Buchs!

Bild: katrinkoppold.de


~ Rezension ~

Die herbe Süße des eigenen Traums

Lilly liebt Märchen, solange sie denken kann. Die schönsten Kindheitserinnerungen verbindet sie mit den gemeinsamen Märchenstunden in Familie. Doch mittlerweile steht Lilly mitten im Leben. In einem Leben, das es momentan alles andere als märchenhaft mit ihr meint: Zuerst trennt sich ihr Mann Torsten überraschend von ihr. Dann muss sie sich der unbequemen Wahrheit stellen, dass ihr Vater längst nicht über die Trennung von ihrer Mutter hinweggekommen ist. Und schließlich steht auch noch das Wiedersehen mit Anton, ihrer unglücklichen Jugendliebe, bevor. Lilly fühlt sich vollends überfordert. Einziger Lichtblick: der attraktive neue Nachbar. Kaum sieht Lilly allerdings Licht am Ende des Tunnels, bricht die Welt erneut über ihr zusammen. Der Moment für den Ritter in schimmernder Rüstung ist endgültig gekommen! Ein Ritter, der Lilly die geliebten Zimststerne backt.

Bei Sehnsucht nach Zimtsternen von Katrin Koppold handelt es sich um den dritten Teil der Sternschnuppen-Reihe. Dieser kommt im Gewand eines liebevoll geschriebenen Romans, dessen Zuckerguss der Hauch von Märchen ist, daher.

In diesem Teil wird die Geschichte der dritten Schwester aus dem Hause Baum erzählt. Lilly ist eine Protagonistin, die, ungeachtet aller Unebenheiten des Lebens, den Mädchentraum vom Happy End à la Brüder Grimm partout nicht loslassen möchte. Sie hat es perfektioniert, sich von Unannehmlichkeiten zu distanzieren. Zugleich ist sie nach wie vor die nette, nicht rebellierende Tochter, Schwester und Frau. Bis sich die Schatten der Vergangenheit nicht mehr aussperren lassen und Lilly wie einen Fluch einhüllen. Eine gefühlsbetonte Zuspitzung der Ereignisse und Verkettung verschiedener Schicksalsstränge werden von Katrin Koppold in gewohnt nahbarer Weise kreiert.
Lilly zur Seite gestellt wird ein Reigen prägnanter Charaktere: Vom nerdig-legeren Nachbarn über die berechnende Schwiegermutter bis hin zum Womanizer-Mitbewohner erfüllt jede der Figuren ihr Rollenbild — mal mit köstlichen Klischees, mal mit würzigem Überraschungsmoment verziert.

Was mich einmal mehr begeistert hat, ist die Atmosphäre, die Katrin Koppold mit dem von ihr angeschlagenen Ton geschaffen hat. Ihr gelingt es, eine glaubwürdige Balance zwischen lieblichen "Und wenn sie nicht gestorben sind, ..." und der ernsthaften Seite des Strebens nach Glück zu schildern. Selbstverwirklichung, Schicksalsschläge und Selbstreflektion werden zu den Strähnen, aus denen die Autorin einen ansehnlichen Rapunzelzopf flicht. 

Dynamisch und zugleich mit Bedacht wurde der Handlungsverlauf gestaltet. Während die Nuancen Blauäugigkeit und Selbstmitleid Lillys in den einen Passagen überwiegen, werden sie an anderer Stelle durch Entschlossenheit und Wagemut der Protagonistin ersetzt. Hinzu kommt der ganz normale Wahnsinn in der Familie Baum, der für reichlich Zündstoff sorgt und dem charakteristischen Zimt in den Zimtsternen entspricht.

Die Emotionalität der Geschichte ergibt sich aus der Summe vieler einzelner einschneidender Erlebnisse und Lebensphasen. Eine gewisse Hin- und Hergerissenheit wird geschaffen. Distanz und Nähe, Schockstarre und Lebenshunger, Vergangenheit und Zukunft — ein Potpourri aus Gegenspielern, die den Weg Lillys und ihrer Begleiter prägen.

Alles in allem ein Werk, das es versteht, das Märchenhafte in die Realität zu überliefern. Mit Fingerspitzengefühl und Know-how hat Katrin Koppold das Rezept für einen gelungenen Roman abgeschmeckt.

FZIT: Verspielt. Bittersüß. Hellwach.


Dienstag, 2. September 2014

[Rezension] Was sich liebt, das rächt sich nicht (Rose Snow)

Rose Snow: Was sich liebt, das rächt sich nicht 

Da ich nicht nur Bücher großer Namen, sondern vor allem auch die ambitionierter Self-Publisher gern lese, fiel die Buchvorstellung Rose Snows in einer E-Mail an mich direkt auf offene Ohren. Denn die "Kleinen" haben meiner Meinung nach nicht weniger Aufmerksamkeit verdient als unsere bereits etablierten Bestseller-Lieblinge.
Rose Snow ist das Pseudonym, unter dem ein schreibendes Duo aus Österreich seine Geschichten in unsere Bücherregale katapultieren möchte. Die Daumen für dieses Vorhaben sind gedrückt!
Danke an Rose Snow für diesen Fingerzeig, der mich erreichte!

Buchcover: Rose Snow


~ Rezension ~

Auf höllisch gute Nachbarschaft!

Maya ist fest entschlossen, die jüngste Vergangenheit hinter sich zu lassen. Damit schwört sie, nach der Enttäuschung mit Ex-Freund Jan, auch der Männerwelt ab. Bis, ja, bis sie im Hausflur ihres neuen Domizils Holger begegnet. Seine blaublauen Augen haben etwas Hypnotisierendes. Wäre da nur nicht diese alberne Hausordnung der peniblen Vermieterin, die jegliche Herzensangelegenheiten zwischen den Bewohnern des Hauses untersagt. Eine bittere Pille, die Maya allerdings schlucken muss, um die Probezeit für ihre Traumwohnung zu überstehen. Leichter gesagt als getan. Denn absurd abgedrehte, sie Spießruten laufen lassende Mitmieter, unter ihnen die mysteriöse Lady Grazie, und ein Geheimnis Holgers stellen Mayas Geduld auf eine herbe Probe. Doch Revanche ist bekanntlich süß. Dumm nur, dass die akribisch geplante Rache ohne Vorwarnung aus dem Ruder läuft ...

Bei Was sich liebt, das rächt sich nicht handelt es sich um den für Gute-Laune-Leseunterhaltung sorgenden Debütroman Rose Snows

Kennzeichnend für diese quirlige Zwischen-Liebe-und-Rache-Geschichte sind eindeutig die Charaktere. Diese kommen alles andere als Otto Normal von nebenan daher. Vielmehr verkörpern sie Skurrilität und Aberwitz, während sie ihre jeweilige Rolle in der kuriosen Verwechslungsgeschichte passgenau erfüllen. Die Mischung aus Exzentrik, Blauäugigkeit (in jeglicher Hinsicht) sowie eigenwilliger Entschlossenheit wurde von der Autorin gut abgeschmeckt und sorgt für die Inszenierung eines illustren Figurenensembles.

Der Unterhaltungswert des Romans liegt in der Kombination aus Alltäglichem — sei es ein Umzug, Spitzfindigkeiten unter Nachbarn oder Eifersucht — und Überspitzung, die mit gängiger Klischeehaftigkeit aufpoliert worden ist. Die feine Komplexität der Missverständnisse, mit welcher die Autorin zu Werke geht, hat mir besonders zugesagt. Ein kurzweiliges Konstrukt, das von drolligen Fallstricken zusammengehalten wird, entsteht. Jenes Geflecht kann allerdings hin und wieder auch für kleine Irritationen sorgen und fordert somit die Aufmerksamkeit der Leser.

Den humorigen Grundtenor ausfüllend, kommt die Geschichte im Ganzen angenehm locker, dynamisch und leichtfüßig daher. Rapide Stimmungswechsel der Figuren sorgen gleichermaßen für Amüsement wie die Verquickung von Umständen und Begegnungen, die den Leser erst schmunzeln, dann über ein Wie-hätte-ich-wohl-reagiert grübeln lassen.

Die von Rose Snow ausgefeilte Idee der Racheagentur bildet den Kern einer Handlung, deren Fäden sich auf den unterschiedlichsten Ebene miteinander verknoten. Ein Hauch von Romantik wird mit einem humorvollen Quäntchen Nervenkitzel versehen. Eine beschwingte Liebeskomödie mit kleinen Nuancen individuell empfundenen Desasters entwickelt sich. Was sich liebt, das hätte ein Happy End verdient. Doch der Weg dorthin führt über die glühenden Kohlen der Hölle, an denen es sich leicht verbrennen lässt ...

In der Summe eine Debütgeschichte, die durch herzliche Verrücktheit auf sich aufmerksam macht. Mal lieblich roasrot, mal teuflisch feuerrot. 

FZIT: Spaßig. Agil. Unverzagt.


Mittwoch, 6. August 2014

[Rezension] Angstruf (Elke Rouger u.a.)

Elke Rouger (Hrsg.): Angstruf 

Die erste Assoziation die ich beim Lesen dieses Buchs hatte, war: "ein bisschen wie X-Faktor: Das Unfassbare". Ich weiß nicht, wer von euch dieses TV-Format (noch) kennt? Aber, ja, in etwa an jene undurchsichtigen, mitunter absurden Geschichten fühlte ich mich erinnert.
Mit all den Kriminalfällen des Buchs im Hinterkopf stellt sich allmählich tatsächlich die Frage: "Wie ratsam ist es, ein gefundenes Handy überhaupt anzufassen?" ... Aber malen wir den Teufel jetzt nicht an die Wand ... Wenn nun doch? ... Ach was, wird schon nicht ... Oder doch?

Ein Dankeschön auch an Elke Rouger, die Herausgeberin des Buchs, die mich auf dieses Projekt einer engagierten Autorengurppe aufmerksam gemacht hat!

Buchcover: Elke Rouger


~ Rezension ~

Eine Anruf, eine SMS und alles ändert sich ...

Ob ein harmloses Handy, das verlassen auf dem Tresen der Bar liegt; ob ein schrilles Klingeln, das die nächtliche Stille zerreißt; ob eine unerwartete Textnachricht, die Schauderhaftes offenbart — das unsichtbare Grauen erreicht seinen unfreiwilligen, aber von Neugier oder Hilfsbereitschaft getriebenen Empfänger und konfrontiert diesen mit krimineller Energie, die wie eine Eisdusche über ihn hereinbricht. Plötzlich wird Alltägliches zum Horror, raubt Schlaf, Verstand und — piep piep — Leben.

Angstruf ist eine Sammlung an Krimi- und Thrillerkurzgeschichten, die falsche Fährten ebenso legt wie die sich immer enger ziehende Schlinge. Eine Köder auslegende Kollaboration von Elke Rouger und einem Team an Autoren, bestehend aus Thomas Sillmann, Heike Judy, Mareike Holm, René Jansen sowie Catrin Knußmann.

Mit ihrer Reihe an Kurzgeschichten liefern die Autoren dieses Werks reichlich (möglicherweise halsbrechenden) Aufhänger, welche das Dunkle, das Mysteriöse und das Tödliche gekonnt in Szene setzt.
Dem Genre entsprechend entfallen große Verschnörkelungen. Vielmehr lassen sich Dynamik, Absurdität und Spannungsbogen auf den ersten Blick und ganz ohne den Einsatz von Luminol erkennen.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist jeweils das Handy sowie menschliche Schwächen wie Neugierde, schlechtes Gewissen oder Gutgläubigkeit.
Als Rahmen wird sich zumeist gängigen Klassikern wie der Halloweennacht oder dem verlassenen Park bei Nacht bedient. Allerdings dauert es nicht lang und der jeweilige Autor trumpft durch ganz eigene makabere, clever inszenierte oder gar perfide Handlungsverläufe auf. Der hierbei an den Tag gelegte Einfallsreichtum hat mich teilweise sehr beeindruckt und dabei nicht weniger erschüttert. Insbesondere "Gefangen" empfand ich als markant und emotional aufwühlend. Eine Geschichte, die mich sehr schlucken ließ.

Den Autoren gelingt es, mit ihren Kriminalfällen und Schauerszenarien die Spürnase im Leser zu wecken. Manches Mal wird eine Ahnung auf Motiv und Täter geweckt, der eine Klärung folgt. Manches Mal bleibt der arglose Lese ohne die angestrebte Bestätigung. Während Ersteres über Moral, Gerechtigkeit und (Selbst-) Justiz nachdenken lässt, kurbelt Letzteres die Fantasie des Lesers an.

Stilistisch werden die Geschichten von überschaubaren Strukturen geprägt, die jeder Autor für sich zu nutzen weiß. Das Verhältnis zwischen schlicht gehaltenem Schreibstil und brisanter Handlung ergänzt sich dabei vorteilig.
Wahrlich gut gewählt finde ich im Übrigen auch den Titel des Buchs sowie dessen Illustration auf dem Cover: Ein Anruf plus unterschwellige oder gar allzu offensichtliche Angst und schon ist der verzweifelte Angstruf perfekt.

Im Draufblick ein eBook, das durch seinen Pool an Einfallsreichtum und der Fähigkeit der Autoren, diesen auf den Punkt hin auszuschöpfen, anspricht. Hinzu kommt der äußerst löbliche Gedanke eines Gemeinschaftsprojekts, welches sein Genre bereichern soll.

FZIT: Schlagkräftig. Dubios. Überlegt.