"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
Posts mit dem Label Bastei Lübbe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bastei Lübbe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 11. April 2017

[Rezension] Zerbrechlich (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: Zerbrechlich 

Wie fühlt es sich an, wenn wir glauben, das Richtige zu tun und dafür aber ein Trümmerfeld in Kauf nehmen müssen? Heiligt der Zweck wirklich um jeden Preis die Mittel? Und: Weshalb kann die Medizin einen gebrochenen Knochen heilen, einem gebrochenen Herzen hingegen wird diese Möglichkeit verwährt? All jene schattierten Fragen machen diesen Roman aus. Ein Buch, das mir einmal mehr vor Augen führt, weshalb Jodi Picoults Werke stets unter die Haut gehen.


~ Rezension ~

Wenn das Richtige falsch und das Falsche richtig scheint...

Als Charlotte und Sean O'Keefe ihre kleine Willow nach der Geburt das erste Mal sehen, steht die Welt still. In diesem Augenblick fühlen sie das größte Glück. Und stechendsten Schmerz. Denn ihr sehnlichst gewünschtes Baby wurde mit gebrochenen Knochen geboren. Willow hat Osteogensis imperfecta, die Glasknochenkrankheit. Die kleinste Erschütterung kann sie schwer verletzen. Fortan macht es sich Charlotte zur Lebensaufgabe, ihre Tochter vor allem Unheil dieser Welt zu beschützen. In einem Prozess gegen ihre Gynäkologin —ihre beste Freundin Piper— sieht Charlotte die Möglichkeit, für eine klein wenig Gerechtigkeit. Denn hätte Piper Willows Krankheit eher diagnostiziert, hätte Charlotte eine Wahl gehabt. Doch vor Gericht zu behaupten, ihre Tochter wäre besser nie geboren worden, lässt nicht nur Charlottes Herz brechen...

Jodi Picoults Roman Zerbrechlich kommt einem feinsinnigen Rammbock gleich. Einerseits berührt er zutiefst. Andererseits erschüttert er Grundfeste.

Fulminante Energien, bittere Abgründe und verwurzelte Schicksalshaftigkeit klopfen wie ein Herzschlag zwischen den Zeilen. Was geschieht, wenn eine Mutter und Vater nur das Beste für ihr geliebtes (schwer krankes) Kind wollen? Und vor allem: Was geschieht, wenn dieses "Beste" nicht ein und dieselbe Sache ist? Tränen fließen, Vertrauen wird auf die Probe gestellt und es bricht so viel mehr entzwei als die Knochen eines Mädchens, das einen mit ihrer durchdringenden Intelligenz und Tapferkeit schier beeindruckt.

Einmal mehr hebt Jodi Picoult eine emotional aufwühlende und zugleich kleinteilig recherchierte Kompetenz unter ihre Erzählung. Zum einen gewährt sie einfühlsam und ohne Berührungsangst Einblick die Krankenakte eines von Osteogensis imperfecta Betroffenen. Zum anderen zieht sie den Radius weiter: Was bedeutet diese Krankheit für die gesamte Familie des Erkrankten? Welche Verantwortungen gehen mit der Diagnose einher? Welche Pflichten obliegen dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft?

Gänzlich gelungen ist das von Jodi Picoult heraufbeschworene Für und Wider. Sie (ver-)urteilt nicht. Doch sie legt den Finger in die Wunde und öffnet Augen. Während des Lesens konnte ich förmlich spüren, wie mich die Argumentationsketten der verschiedenen Protagonisten grübeln lassen. Ein Gefühl, das Verständnis dafür schafft, dass es im Leben kein einfaches Sein oder Nichtsein gibt. Schon gar nicht, wenn es darum geht, dass Eltern für das Wohl ihrer Kinder kämpfen.

Während die Gerichtsverhandlung im Mittelpunkt des Geschehens steht, gelingt es der Autorin, einen nicht weniger brenzlichen Nebenschauplatz zu kreieren. Denn auch Amelia, Willows Schwester, leidet. Auf ihre eigene, bedrohliche Weise. Amelia fällt die Rolle der Rebellin zu. Im Herzen wünscht sie sich jedoch nichts mehr als das, was ihre Mom für Willow erkämpfen möchte: Unterstützung und Sicherheit. Vor allem auf emotionaler Ebene.

In der Summe entspricht dieser Roman einem Kaleidoskop des Lebens. Manchmal sind wir es, denen wehgetan wird. Manchmal sind wir es, die anderen (unbewusst) wehtun. Manchmal gewinnen wir und verlieren trotzdem. Manchmal verlieren wir —vordergründig; und gewinnen dennoch— hintergründig.

FZIT: Bewegend. Filigran. Gewaltig.


Montag, 27. Februar 2017

[Neu im Bücherregal] Leserglück³

Es gibt Bücher, an denen komme ich schlichtweg nicht vorbei. Aus überaus triftigen, aber mitunter durchaus verschiedenen Gründen... 

...mag sein, dass es der kuschelige Gemütlichkeitsfaktor ist, nachdem wir besonders während der Wintermonate Ausschau halten, der mich nicht hat zögern lassen, The Little Book of Hygge von Meik Wiking in mein heimisches Bücherregal zu holen. Die liebevollen Buchbeschreibungen einiger meiner geschätzten Bloggerkollegen taten diesbezüglich ihr Übriges. Ich war also leichte Beute.

...mag sein, dass New York Diaries — Sarah aus der Feder von Carrie Price genau diesen Ich-war-noch-niemals-in-New-York "Blues" aufs Schönste zum Klingen bringt, den ich so liebe, sodass ich unmöglich hätte widerstehen können. Bin ich durchschaubar? Macht in diesem speziellen Fall ganz und gar nichts.

...mag sein, dass Uwe Haucks Depression abzugeben eine jener eloquenten, unverfälschten und vor allem inhaltsreichen Lebensgeschichten ist, die uns die Scheuklappen vor dem Krankheitsbild "Depression" nimmt und ich bereits die Leseprobe beeindruckend fand.

Trotz ihrer großen Unterschiedlichkeit wie Tag und Nacht haben diese drei Werke eines gemeinsam: Ich entwickle ihnen gegenüber einen konsequenten Muss-ich-lesen-Drang. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin dann mal weg...


Dienstag, 3. November 2015

[Rezension] Schmitz' Häuschen (Ralf Schmitz)

Ralf Schmitz: Schmitz' Häuschen  Wer Handwerker hat, braucht keine Feinde 

Nachdem meine Schwester bereits die komplette Riege an Lektüre aus dem Hause Schmitz begeistert konsumiert hatte und sie mir sein neustes Buch nun nicht weniger empfohlen hat, ließ ich mich natürlich gern auf dieses Leseerlebnis der amüsanten Art ein. 

Ja, ich kann sie gut verstehen: Denn Ralf Schmitz weiß einfach quirlig zu unterhalten! Und sei es in diesem Falle mit seinen Erfahrungen als unfreiwilliger Schirmherr einer Bauarbeiter-WG, der er nicht zu entkommen schien.


~ Rezension ~

Über die Zerstörungsakribie, pardon, den Enthusiasmus von Handwerkern ...

Unverhofft kommt oft. So auch für Ralf Schmitz. Denn ziemlich überraschend erfährt er, dass er das Haus seiner kürzlich verstorbenen Tante Helga geerbt hat. Ein Häuschen, an dem viele fantastische Kindheitserinnerungen hängen. Aber ebenso ein Domizil, dem über die Jahre hinweg etwas Glanz abhanden gekommen ist. Kein Thema, denkt sich Ralf Schmitz und sieht die Vision des bald schon wieder strahlenden Chateau Schmitz bereits deutlich vor sich. Nur hier und dort etwas professionelle Hand angelegt und es passt. Bloß irgendwie hatte er dabei die Rechnung ohne seine Baubrigade gemacht ...

Schmitz' Häuschen ist das dritte Buch, mit dem Comedian Ralf Schmitz seinen Leser vorzügliche Unterhaltung bietet. Beschwingt geht er dabei zu Werke und trifft dabei nicht selten den Nagel auf den Kopf.

Als Ralf Schmitz sich entschloss, sein geerbtes Häuschen zu renovieren, war er zuversichtlich, gespannt ... und viel zu naiv. Wochen, Monate, ja, im Endeffekt eineinhalb Jahre später war er nur noch eines: am Rande des Wahnsinns. Denn obwohl es dort draußen gewiss kompetente und überaus agile Handwerker gibt, geriet er an Exemplare, die keine Scheu davor hatten, ihm den letzten Nerv zu rauben.Da stellt sich doch glatt die Frage: Wer (oder was) hat hier den Sprung in der Schüssel? Tatsächlich das zum fünften Mal ausgetauschte Waschbecken oder doch der Insta—? Ach, lassen wir das lieber!

Mit eifriger Spritzigkeit berichtet Ralf Schmitz gewohnt wort- und witzgewandt von jeglicher nur denkbaren Unmöglichkeit, die ihm während der Odyssee als Bauherr widerfahren ist. Die Anekdoten seines Bautagebuchs reichen vom überfluteten Wohnzimmer über einen zehn Mal ausgewechselten Wasserhahn bis zur in der falschen Etage hochgezogenen Wand. Neben all der Ulkigkeit, die diese Fauxpas mit sich bringen, kann sich der Leser dank einer herrlich lebhaften Erzählung gleichermaßen in die Verzweiflung hineinversetzen, die mehr und mehr Schmitz'schen Besitz ergriff. Eine humorvolle Echtheit, die mir bestens gefällt.

Größte Kuriositäten und Katastrophen bestätigen eine Vielzahl bunt gemischter Stereotype, die sich in der Baubranche wiederfinden. Jene "Eigenheiten" werden durch die (galgen-) humorige Darstellung Ralf Schmitz' zu absurden Schenkelklopfern. Hinzu gesellt sich das Porträt eines Bauherrn, dem die Sinne und damit der Glaube an ein Happy End schwinden. Ferner fügt sich eine originelle Ausgestaltung wie Spachtelmasse in die einzelnen Kapitel ein, die immer wieder für frischen Wind (weil noch immer das Dach undicht ist?) sorgt.

Authentisch und zugleich mit einem Augenzwinkern versehen, schildert Ralf Schmitz groteske Absurditäten, die vielen Häuslebauern und Hobbyheimwerkern, die sich professionelle Unterstützung erhoffen, keinesfalls fremd sein dürfen.

FZIT: Gewitzt. Schwungvoll. Verschmitzt.


Freitag, 17. Juli 2015

[Rezension] Flucht aus Oxford (Veronica Stallwood)

Veronica Stallwood: Flucht aus Oxford 

Da ich Kriminalfälle à la Sherlock Holmes und Miss Marple schon immer gern gelesen habe, bleibt mir nach dem Lesen dieses Romans kaum etwas anderes übrig, als gewisse Parallelen festzustellen. Auch erinnerte mich die Geschichte ein wenig an die Serie Mord ist ihr Hobby. Will heißen, vor allem die beherzte Manier des Hobbyermittelns ist ein markantes Merkmal dieses Buches. Daher natürlich klein blutiger Reißer, sondern vielmehr ein patent in Szene gesetztes Rätselraten.


~ Rezension ~

Der Mörder ist dieses Mal ... nicht der Gärtner.

Schriftstellerin Kate Ivory hat Oxford vorübergehend der Rücken zugekehrt und bewohnt nun ein Cottage im beschaulichen Gatt's Hill. Bald schon muss Kate allerdings feststellen, dass es hier weitaus weniger idyllisch zugeht als vermutet. Zuerst taucht überraschend ihre weltgewandte Mutter Roz auf. Dann wird Kates Gärtnerin Donna tot aufgefunden. Kate und Roz sind bestürzt und beschließen, den mysteriösen Tod näher unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit dem Dorfpfarrer Tim sind sie bald die Einzigen, die ein Verbrechen hinter dem plötzlichen Ableben der jungen Frau vermuten. Welches brisante Geheimnis versucht die feine Gesellschaft von Gatt's Hill zu hüten?

Flucht aus Oxford von Veronica Stallwood ist ein Krimi aus der Kate-Ivory-Reihe, der in einem angenehmen und irgendwie charakteristisch britischem Stille-Wasser-sind-tief-Gewand daherkommt.

Neben Kate, die als Protagonistin ihr eigenes persönliches Päckchen zu tragen hat, treten vor allem ihre Mutter und Pfarrer Tim aus dem Figurenensemble heraus. Das Trio ergänzt sich trotz oder gerade wegen charakteristischer Unterschiede sehr ansehnlich. Während Kate stets eine Nuance distanziert wirkt, ist Roz die Energische und Tim repräsentiert den verständnisvollen, Vorurteile schluckende Freund.

Veronica Sallwood gelingt es, eine Atmosphäre zu kreieren, die dem Leser unaufdringlich, aber dennoch bestimmt mit den Gepflogenheiten eines englischen Kriminalfalls bekannt macht. Weder rabiate Action noch atemlos machende Spannung werden heraufbeschworen. Dafür wird ein kniffliges Rätsel mit Bedacht und beherzter Eigeninitiative gelöst. Mal mit cleverem Charme, mal mit ambitionierter Waghalsigkeit gehen die drei Amateurermittler dabei zu Werke. Eine Mischung, die ich, in Kombination mit der vorwiegend gewählten Ausdrucksweise und einer nicht selten aufgegriffenen britischen Etikette, mochte. Allerdings werden in Zuge dessen die individuellen Profile der Figuren vorrangig nur skizziert, nicht jedoch vollends ausmodelliert.

Der Spannungsbogen zeichnet sich durch kleine Raffinessen aus und wird im Großen und Ganzen auf Augenhöhe des Lesers gezogen. Das heißt, einige Vermutungen scheinen offensichtlich, während die Autorin hier und da ein Überraschungsmoment eingebettet hat.

Insgesamt ein Krimi, der in solider englischer Manier unterhält und dabei die Schwächen einer auf den ersten Blick gefestigten Gesellschaft feinsinnig reflektiert.

FZIT: Gediegen. Subtil. Geflissentlich. 


Dienstag, 23. Juni 2015

[Rezension] Pandablues (Britta Sabbag)

Britta Sabbag: Pandablues

Britta Sabbag gehört zweifelsohne zu den Autoren, deren Werke für beste Laune sorgen. Mittels einzigartiger Nahbarkeit und quirliger Witzigkeit schafft sie es immer wieder, mich anzusprechen. Mehr als das: mich zu überzeugen. So geschehen auch jetzt, als ich mich nun endlich (!) einmal der Fortsetzung ihres hitverdächtigen Erstlingswerks gewidmet habe.

P.S.: Britta Sabbag schafft es sogar, dem Phänomen der Augenringe einen niedlichen Touch zu verleihen. Anders kann man es dank des beigefügten Panda-Daumenkinos nicht sagen.


~ Rezension ~

Das Leben — ein Zoo der bunten Skurrilitäten

Das Leben wirft momentan einiges in die Waagschale für Charlotte: Ihr Chef, der Zoodirektor mit unaussprechlichem Namen, befördert sie zu ihrem Traumjob. Zu gerne würde Charlotte außerdem mit ihrem Freund Eric in eine komfortablere Wohnung ziehen, doch dieser sieht diesbezüglich überhaupt keine Notwendigkeit. Und dann wären da noch die "Verpflichtungen" als Patentante, die Charlotte so ziemlich alles abverlangen. Ist doch klar, dass der große Knall da nicht lange auf sich warten lässt. Doch mit dem, was sie dann tatsächlich ereilt, hätte Charlotte im Leben nicht gerechnet.

Mit Pandablues gelingt Britta Sabbag eine fulminant amüsante Fortsetzung ihres Debüts Pinguinwetter. Wer nicht genug von wohl dosierter Absurdität bekommen kann, dem wird dieser Roman ans Herz wachsen.

Gewohnt zielsicher navigiert sich Protagonistin Charlotte Sander in die ulkigsten Situationen und Fettnäpfchen. Eine Eigenschaft, die sie gleichermaßen liebenswert wie unterhaltsam machen. Dass sie überdies einen Reigen aus ungemein eigentümlichen Charakteren förmlich magnetisch anzieht, ist ein echtes Geschenk für jeden Leser. Denn eine illustere Runde hätte Autorin Britta Sabbag kaum zum Leben erwecken können. Köstlich.

Das Geheimnis des Lesevergnügens liegt eindeutig in der Aneinanderreihung abwegigster Episoden sowie Britta Sabbags Geschick, konsequent amüsante Manöver zu fahren. Unter uns, wer könnte besser Geburtshilfe bei Nacktmullen leisten als die chronisch verschrobene Charlotte? Wer könnte sich kompetenter in das Teebeuteldasein seines Patenkindes hineinfühlen als Kinderschreck Charlotte? Wer, wenn nicht ein kreativer Freigeist wie Charlotte, könnte selbst das absurdeste Merchandisingprodukt an den Mann bringen? Einen echt exquisiten Unterhaltungswert muss ich diesem Buch schlichtweg bescheinigen. Denn gerade auch die gelegentlich überspitzt wirkenden Darstellungen und eine, wie ich finde, zeitweise hyperbestimmende Freundin Trine passen sich nur zu gut in das Gesamtbild ein.

Schwungvolle Dialoge, präzise herausgefeilte Stereotype sowie klassische Missverständnisse, welche mit der Sabbag'schen Note versehen werden, manifestieren sich in jedem Kapitel. Dieser Roman hat von so manchen Feinheiten, die das Leben ausmachen, stets etwas mehr: Humor, Charisma und Überschwang. Alles in der XL-Portion.

Nach dem Lesen dieser Buchs darf aus voller Überzeugung angemerkt werden, dass Britta Sabbag die Patenschaft für möglichst viele Werke in unser aller Büchersammlungen übernehmen sollte. 

FZIT: Heiter. Skurril. Kuschelig. 


Donnerstag, 11. Juni 2015

[Neu im Regal] Es musste sein! Mal wieder.

Ehrlich. Buchläden sind wie Treibsand, in dem ich hoffnungslos versinke. Aber wem sage ich das? 

Wie gut, dass Abenteurer und Outdoorexperte Bear Grylls gleich zur Stelle ist, um mir eine Rettungsleine (in Gestalt seiner Autobiografie Schlamm, Schweiß und Tränen) zuzuwerfen. Wie uneigennützig von ihm.

Dass sich Britta Sabbag mit ihrem humorig geschriebenen Panda Blues und Peter Littger mit seinem Fremdsprachenführer der etwas anderen Art, The devil lies in the detail, gleich ans andere Ende der Rettungsleine einreihen, war so selbstverständlich nicht abgesprochen. Aber nett von ihnen ist's allemal. Kann ich jetzt nicht anders sagen. Good on you, guys!

Buchläden sind ein echter Auftrieb für mich als Buchnarr. In diesem Sinne: Auf das "Laster", das Flügel verleiht!


Dienstag, 13. Januar 2015

[Rezension] In den Augen der anderen (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: In der Augen der anderen 

Autismus. Eine Diagnose, die alles verändert. Ein Schicksal, das viele Familien teilen. Dennoch ist eine gesellschaftliche Akzeptanz, ein gemeinschaftliches Miteinander vielerorts noch keine Selbstverständlichkeit. Ein Aspekt, an dem Jodi Picoult ansetzt. Doch, wie so häufig, geht die Autorin darüber hinaus.
Wieder einmal rüttelt sie fulminant an den Grundfesten unserer Lebenseinstellung. Nicht ohne Grund und mit beständiger Vehemenz.


~ Rezension ~

Der schmale Grat zwischen Anderssein und Tätersein

Emma und ihre beiden Söhne Jacob und Theo führen ein Leben, das ihnen über die Jahre hinweg vor allem eines eingebracht hat: Blicke, die von Mitleid bis Entsetzen reichen. Denn Jacob leidet am Asperger-Syndrom, das eine Art des Autismus’ ist. Er ist hochintelligent, besessen von forensischem Wissen und hat einen Humor, der trockener nicht sein könnte. Doch ebenso reagiert er auf emotionale Signale überhaupt nicht und auf die kleinsten Veränderungen in seinem Umfeld hingegen hypersensitiv. Dies macht ihn für Außenstehende zu einer tickenden Zeitbombe. Als eines Tages Jacobs Erzieherin Jess, eine der wenigen Bezugspersonen des Teenagers, ermordet aufgefunden wird, gerät die Welt aus den Fugen. Für Jacob. Für Emma. Für Theo. Denn die Anklage gegen Jacob scheint ein fataler Irrtum. Doch Beweise lügen nicht. Jacob allerdings ebenso wenig. Denn stets die absolute Wahrheit sagen zu müssen, ist Teil seines Krankheitsbilds. Ein Kampf David gegen Goliath beginnt.

Mit In den Augen der anderen setzt Jodi Picoult ein ausdrucksvolles Ausrufezeichen hinter die wichtigen, uns alle betreffenden Thematiken „Integration und Inklusion“. Anhand eines fiktiv kreierten Schicksals betont sie beispielhaft, dass es auch und vor allem in der Realität keinen reinen Schwarz- oder Weißton gibt.

Filigran, behutsam und nichtsdestotrotz schmerzhaft ehrlich portraitiert Jodi Picoult die Figuren ihres Romans: Die liebende Mutter, die vor den Scherben ihres Lebens steht und dennoch kämpft wie eine Löwin. Der an Autismus leidende Junge, der die Welt nicht so wahrnimmt wie die Menschen um ihn herum. Der jüngere Bruder, den Pflichterfüllung und Erwartungsdruck zermürben.

Fundierteste Recherchen und eine empathischen Art schicksalshafte Dramen auszugestalten, die den Atem anhalten lassen, führen dazu, dass die Autorin mit diesem Buch ins Mark trifft. Sie schaut hin, wo andere wegsehen – in vielerlei Hinsicht. Sie taucht die Hintergründe eines Krankheitsbilds, von dem viele Familien betroffen sind, in die größtmögliche Bandbreite an Schattierungen. Dadurch wird beinahe investigativ ein Gesamtbild geschaffen, das berührt.

Jodi Picoult fokussiert die Tatsache, dass nicht nur der Asperger-Patient selbst Betroffener ist, sondern dessen gesamte Familie. Diesen Radius zu ziehen, finde ich ausgesprochen wichtig. Denn während sich der Betroffene mit seiner Krankheit arrangiert haben mag, ist es sein unmittelbares Umfeld, das das entgegengebrachte Unverständnis emotional verarbeiten muss.

Als wäre die Thematik des Asperger-Sydroms allein nicht schwere Kost genug, ergänzt die Autorin diese um den Fall einer Mordanklage. Ein Gerichtsprozess, dessen Für und Wider allen Beteiligten in den Knochen steckt und den Leser auffordert, das eigene Verständnis hinsichtlich Recht und Unrecht zu beleuchten.

In der Summe ein Roman, der mit brachialer Schwere Einzug in die Bücherregale der Leser hält. Manchmal genügt ein kleiner Perspektivwechsel und schon verstehen wir einander besser. Eine Botschaft, der Jodi Picoult Nachdruck verleiht.

F★ZIT: Ganzheitlich. Präzise. Eindringlich.


Mittwoch, 29. Januar 2014

[Rezension] Und dennoch ist es Liebe (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: Und dennoch ist es Liebe 

Sie, Jodi Picoult, beherrscht die Klaviatur der großen Gefühle unnachahmlich gut. Würde dieses Buch musikalisch vertont werden, käme es einem Rondo gleich. Denn emotional hochwertige Motive geben sich sozusagen wiederkehrend die Klinke in die Hand.
Eine Familiengeschichte, welche die Facetten des Miteinanders in jeglicher Schattierung ausleuchtet, wobei die dunklen Ecken besonders düster scheinen. Anderseits schüren jene Abgründe einen außergewöhnlichen Kampfgeist, dessen Färbung beispielhaft wirkt.


~ Rezension ~

Wenn deine Vergangenheit deine Zukunft zu zerstören droht.

Als sie fünf Jahre alt ist, wird Paige von ihrer Mutter verlassen. Mit achtzehn Jahren bricht ihr Herz entzwei. Acht Jahre später steht die junge Frau erneut vor den Trümmern ihrer familiären Existenz. Wie viel Leid kann sie ertragen, bevor sie endgültig zusammenbricht? 
Viele beneiden Paige um ihren erfolgreichen Ehemann Nicholas, ihr niedliches Baby und ihr eigenes Talent, tiefe Emotionen in ihren eigenen Zeichnungen einzufangen. Doch Paige selbst fühlt sich weder ihrer Mutterrolle noch den Anforderungen an eine Arztgattin gewachsen. Immer häufiger wird sie vom Gedanken getrieben, ihre eigene Mutter endlich finden zu müssen. Denn nur dann, so glaubt sie, könne sie selbst die fehlende innere Balance finden. Allerdings müsste sie dafür die Liebe ihres Lebens und ihren kleinen Sohn zurücklassen. Ist dieser Preis nicht zu hoch?

In Und dennoch ist es Liebe greift Jodi Picoult eine hohe Emotionalität auf. Vertrauen, das verloren gegangen ist, Zerrissenheit, die zu schmerzhaft scheint, Absolution, die hart erkämpft werden muss – mit der gewohnten Empathie und dem nötigen Auge für Scharfsinn ist jener Roman ausstaffiert.

Mit Paige charakterisiert Jodi Picoult eine Protagonistin, deren Leben einer wahren Achterbahnfahrt gleicht: von der Mutter ohne Abschied zurückgelassen, aufgefangen von der großen Liebe, heimgesucht von postnatalen Depressionen.
Wie sehr die Vergangenheit unser Sein oder eben Nichtsein in der Gegenwart und Zukunft prägt, zeigt die Autorin mit großer Präzision. Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann letzten Endes seinen Platz in dieser Welt finden.

Aufgrund der wechselnden Erzählperspektive zwischen Paige und Nicholas wird dem Leser ein umfassender, profunder Einblick in das sich zusammenbrauende Gefühlschaos gegeben. Hierbei beeindruckte mich insbesondere die kraftvolle Präsenz jener inneren Konflikte.

Über Recht oder Unrecht kann wohl kaum geurteilt werden. Vielmehr lässt sich vielleicht in Ansätzen über ein Was-wäre-wenn-Szenario grübeln. Einen Fingerzeig, den die Autorin mit detailreicher und unerschütterlicher Gabe des Geschichtenerzählens gibt.

Der Spannungsbogen der Handlung wird stringent aufgebaut und beibehalten. Kleine Hoffnungsschimmer, bittersüße Erkenntnisse und aufbrausende Entschlossenheit wechseln sich im Takt der Kapitel ab und überlassen den finalen Abschluss der Vorstellung der Leser.

Vertrauen und Verrat, Einfühlungsvermögen und Selbstaufgabe, immerwährende Liebe und brodelnder Zorn – sie liegen oftmals nur einen Herzschlag voneinander entfernt. Die Außergewöhnlichkeit einer Eltern-Kind-Beziehung wird in ähnlich prägnanten Zügen dargestellt wie der Weg zur Selbstfindung. Ein Roman voller Aussagekraft.

F★ZIT: Gefühlsbetont. Unaufhaltsam. Nachklingend.


P.S.: Als winziger Schönheitsfehler sei die Schreibung des Namens der Protagonistin im Klappentext erwähnt. Denn sie heißt Paige, nicht Page.


Montag, 18. März 2013

[Rezension] Am schönsten Arsch der Welt (B. Hoëcker & T. Zimmermann)

Bernhard Hoëcker & Tobias Zimmermann: Am schönsten Arsch der Welt 

Ich selbst bin RIESIGER Neuseelandfan und wurde seiner Zeit von einem Freund, der nicht weniger vom Kiwiland begeistert ist, auf die Aktion Bernhard Hoëckers, die Reize des Landes zu entdecken, aufmerksam gemacht. Fortan verfolgte ich interessiert die einzelnen Episoden und fühlte mich häufig sofort an meine eigenen Neuseelanderlebnisse erinnert und an Orte zurückversetzt, die ich mit ebenso großer Faszination wahrgenommen hab, wie im Buch beschrieben.
Dieses Sachbuch ist geeignet, um Reiselustige magnetisch ins Land der langen weißen Wolke zu ziehen. Doch noch mehr ist es gemacht, so finde ich, für Menschen, die sich bereits in Land und Leute verliebt haben. 
Denn dem ganzheitlichen Leseerlebnis wird vor allem durch das in Bezugsetzen mit eigens gesammelten Impressionen die Krone aufgesetzt. Daher auch gleich einmal ein Bild passend zu denen im Buch eine tragende Rolle zugedachten "Vier Schwestern" im Waipoua Forest.


~ Rezension ~

Auf Tuchfühlung mit dem Paradies

Die (Dienst-) Reise, die Bernhard Hoëcker 2011 Richtung Neuseeland antrat, stand unter einem besonderen Stern. Sollte er im Rahmen einer Online-Werbekampagne die Vorzüge des Landes der Kiwis, Schafe und Actionsportarten präsentieren und damit eine offene Einladung in das jüngste Land der Erde aussprechen. Nichts leichter als das, schließlich entspricht Neuseeland einem fein geschliffenen Diamanten, der auf dem Silbertablett daherkommt. Doch für Hoëcker und sein Team stand mehr als Sightseeing auf dem Plan, immerhin galt es täglich eine von der Internetgemeinde gestellte Herausforderung mehr oder weniger bravourös zu meistern – ein Bungeesprung ins Ungewisse?!

Ganz im Stile des Bernhard Hoëckers stellt diese literarische Zusammenarbeit mit Co-Autor Tobias Zimmermann eine Mischung aus witziger Drolligkeit, charmantem Werbetrommelrühren und wissensdurststillenden Einblicken hinter die Kulissen eines Landes, das durch Gastfreundschaft, sagenumwobener Legenden und faszinierenden Landschaftsidyllen besticht, dar.

Die Kapitel spiegeln jeweils eines „Tagesaufgabe“ wider, wobei hier jegliche Facetten des Vor- und Nachbereitens sowie die von Bernhard Hoëcker gesammelten Eindrücke detailliert und gewohnt amüsant – mit einer Prise (Selbst-) Ironie abgeschmeckt – zum Besten gegeben werden.

Nebenher findet ein stetiger verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden Autoren statt, der nicht selten durch Anekdoten aus der gemeinsamen Vergangenheit beziehungsweise durch wissenswerte (und gelegentlich sympathisch vom Kernthema abschweifende) Informationen gespickt ist.
Ein Stil, der anfangs für fragende Blicke seitens des Lesers sorgen kann, dann allerdings zum nicht missen wollenden Markenzeichen avanciert.

Am schönsten Arsch der Welt bringt das Graziöse, das Unwiderstehliche, das Zauberhafte des Landes trotz oder wegen einem Titel, der aufmerksam macht, sehr geschickt auf den Punkt. Empfehlungen für das Neuseelanderlebnis der Extraklasse werden ebenso gegeben wie unterhaltsame Blicke in die Produktionsarbeit beim Film und Fernsehen. Für mich als Leser eine unterhaltsame Angelegenheit, welche Erinnerungen weckt oder aber wünschen lässt, ebenjene selbst einmal sein Eigen nenne zu dürfen.

F★ZITEinladend. Markant. Gewitzt.


Dienstag, 29. Januar 2013

[Rezension] Honigmann (Elisabeth Karamat)

Elisabeth Karamat: Honigmann 

Zu diesem Buch hatte ich von Beginn eine sehr besondere Beziehung. Weshalb? Weil mich eines Abends eine E-Mail der Autorin erreichte, in der sie sich vorsichtig erkundigte, ob ich nicht vielleicht Lust hätte, ihr neu bei Bastei Lübbe erschienenes Werk zu lesen.  Da ich sofort ein gutes Gefühl hatte und von dem Hintergrund dieser imposanten Geschichte in Windeseile angetan war, sagte ich gern zu.
Bereits wenige Tage später hielt ich das Buch in Händen und eine berauschende, die Augen öffnende und packende Reise konnte beginnen. Ein Erlebnis, das ich jedem, der erfrischende Erlebnisberichte mag, unbedingt ans Herz legen möchte.
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Elisabeth Karamat für diese vertrauensvolle Anfrage und dem Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar bedanken! 


~ Rezension ~

Spüre, dass du lebst!

Seit Jahren verweilt Elisabeth Karamat, die Mutter dreier flügge werdender Kinder, in Brüssel, wo sie an der österreichischen Botschaft arbeitet. Doch die Trennung von ihrem Ehemann, das straffe Arbeitspensum und eine innere Unzufriedenheit, lassen Elisabeth zweifeln. Sie zweifelt daran, ihren Sinn des Lebens wirklich bereits gefunden zu haben. Dank einer Arbeitskollegin verschlägt es sie für zwei Wochen wohl verdienten Urlaub auf die Karibikinsel St. Kitt's, wo sie in eine Welt eintaucht, die ihr neues Leben einhaucht. Kurz vor ihrer Abreise trifft sich ihr in die Ferne schweifender Blick mit dem eines Mannes, den Einheimische nur den Honigmann nennen. Ein kurzer Moment, der Elisabeths ganzes Leben peu à peu auf den Kopf stellen soll.

Der Honigmann ist ein Erfahrungsbericht, der Stärke und Lebenshunger, Bedacht und Faszination ausstrahlt. Komplette Kontraste treffen in der Lebensgeschichte der Elisabeth Karamat aufeinander. Gegensätze, die zum einen der äußeren Gegebenheiten geschuldet sind und zum anderen auf den herben inneren Konflikten der Autorin beruhen.

Ehrlich und ungeschminkt erzählt Elisabeth Karamat von ihrer einmaligen Reise in die Karibik, die sich als Reise zu sich selbst und als Reise in ein Leben, das glücklicher und ausgefüllter denn je ist, entpuppte. Dabei teilt sie mit dem Leser die empfundene Tristesse des Hamsterrades unserer europäischen, pragmatischen Denk- und Lebensweise, aber umso aufgeweckter und pulsierender schildert die Autorin auch ihre Erlebnisse auf St. Kitt's - das Prickeln dieser Euphorie ist absolut spürbar.

Die durchlebte Metamorphose von einer kränkelnden Frau, die sich für andere aufopferte, zur selbstbewussten und zielstrebigen, risikobereiten Persönlichkeit, die die Liebe neu entdeckt, beschreibt Elisabeth Karamat schonungslos und fesselnd. Die Liebe zu ihrer neuen Heimat und die einzigartige Leidenschaft, die sie mit Kwando, dem Honigmann, verbindet, schwingt zwischen den Zeilen mit - mal wie eine sanfte Brise, mal wie ein Hurrikan.

Sehr berührend fand ich die Erzählweise der Autorin. Sie zog mich augenblicklich in einen Bann, was vermutlich an der entwaffneten Authentizität der Geschichte kombiniert mit einer harmonischen, ungestelzten und eingängigen Wortwahl und -melodie lag.

Dass sie auch in der Karibik kämpfen muss(te), verhehlt Elisabeth Karamat nicht. Vielleicht war es sogar der Kampf ihres Lebens, denn der großen Liebe standen kulturelle und spirituelle Unterschiede ebenso im Weg wie tiefe seelische Verletzungen und die Sehnsucht nach Freiheit. Doch St. Kitt's ist nicht der weniger der Ort, an dem Karamat inneren Frieden, tiefe Freundschaften und berufliche Bestimmung fand. 

Honigmann berührt, inspiriert, ermutigt! Ein Buch, welches uns in einen Spiegel schauen und dabei Fehler entdecken und Wünsche erkennen lässt. Ein Werk, das einer fulminanten Liebeserklärung an die heilende Liebe, den unbändigen Glauben und das bittersüße Leben selbst gleicht. Eine Geschichte, die beweist, dass es sich lohnt, mutig zu sein.

FZIT: Inspirierend. Kraftvoll. Erhellend.


Montag, 21. Januar 2013

[Rezension] Das fremde Haus (Sophie Hannah)

Sophie Hannah: Das fremde Haus 

Diesen im Januar 2013 erschienenen Thriller durfte ich im Rahmen der Teilnahme an der Lesejury von Bastei Lübbe bereits als gebundenes Skript (allerdings noch ohne endgültiges Format) im Dezember 2012/ Januar 2013 testlesen. An dieser Stelle geht ein Dank an den Verlag!
Die Geschichte ist keinesfalls leichte Kost und vor allem die Wandelbarkeit oder, besser gesagt, die Unberechenbarkeit der Figuren verlieh dem als Psychothriller ausgewiesenen Werk die Aura von Zweifelhaftem und unterschwellig Bedrohlichem. Das Buch so bei Nacht und Nebel zu lesen, ist alles andere als behaglich.


~ Rezension ~

Der Schein trügt

Die Ehe von Connie und Kit Bowskill ist trotz der äußeren harmonisch scheinenden Fassade alles andere als idyllisch. Doch das Brodeln unter der Oberfläche konnten die beiden bisher recht gut kaschieren. Bis zu jener verhängnisvollen Nacht, in der Connie bei einem virtuellen Hausrundgang für ein paar Sekunden eine blutüberstömte, leblose Frau entdeckt, die anschließend von der Bildfläche verschwunden ist. Auf der Suche nach der Wahrheit und vor allem nach dem Täter offenbart sich ein tiefer Schlund aus Misstrauen, Besessenheit und Groll.

Die britische Autorin Sophie Hannah erweckt mit Das fremde Haus eine Kulisse zum Leben, die voller Geheimnisse, Abgründe und Wirrungen steckt.
Die Zutaten für einen Psychothriller sind gegeben und ziehen in einen Kreislauf aus Irrungen, Scheinheiligkeiten und bizarren Handlungssträngen.

Die angespannte, undurchdringliche Stimmung unter den Protagonisten überträgt sich mit fortlaufender Geschichte zunehmend auf den Leser. Zwischen Wahrheit, Fiktion und Hirngespinst lässt sich immer schwieriger unterscheiden. Ein Gefühl, welches den Grundtenor eines Werkes des Genres Psychothriller bestens widerspiegelt.

Die Figuren selbst umfassen ein breites Ensemble aus neurotischen, intriganten und auch schwer zu interpretierenden Charakteren. Ihre Wandelbarkeit stellt sich im Laufe der Handlung heraus und führt entsprechend der Ermittlungen zu stets neuen Erkenntnissen.
Peu à peu setzt sich ein Bild zusammen, welches anfangs nur durch eine Milchglasscheibe zu sehen war.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und komplex, wenngleich die Sprünge in Ort und Zeit der Handlung sowie die Gedankengängen der Protagonisten kombiniert mit den verstrickten persönlichen Geschichten jeder einzelnen Figur durchaus für ein Knäul aus Fragezeichen sorgen können. 
Diese Verstrickung kann einerseits den Lesefluss etwas holprig gestalten, anderseits unterstreicht sie in diesem Falle die absurden Entwicklungen innerhalb der Geschichte recht treffend. Bei mir wechselten sich genau jene Empfindungen während des Lesens regelmäßig ab. 
Ein Gefühl der Zerrissenheit, weil die Zahnrädchen nicht reibungslos ineinandergriffen. Was also den Lesekomfort nicht zwangsläufig fördert, betont dagegen die inhaltliche Beklommenheit. Dessen sollte sich der Leser bewusst sein.

Alles in allem ein Buch mit Potential, das nicht alltäglich daherkommt und auf die Wachsamkeit des Lesers setzt.

F★ZIT: Konträr. Undurchsichtig. Analytisch.


Donnerstag, 6. Dezember 2012

[Buchpost] Aus dem Himmel in ein fremdes Haus fallend?

Zwei sehr besondere Postsendungen durfte ich in den letzten Tagen in Empfang nehmen. Habe mich über beide enorm gefreut!

Zum ersten flog Fallender Himmel von Marie Lu bei mir ein. Diese gefeierte Dystopie habe ich doch tatsächlich und wahrhaftig - hätte ich nie gedacht - im Rahmen des Blog-Geburtstags von Beauty Books gewonnen. Welch glückliche Fügung. 
Liebe Steffi, hab herzlichen Dank fürs Vergolden meiner Vorweihnachtszeit! Nun bin ich mächtig gespannt und hoffe, mich selbst bald von der Originalität und Schlagkraft dieses Buches überzeugen zu können.
[Nur die entsprechende Ausbeute an Zeit muss ich mir ganz demnächst noch wünschen]



Zum zweiten darf ich für Bastei Lübbe als Mitglied der Lesejury einen (potentiellen) Liebling von  morgen heute bereits lesen und meine Meinung in Form einer (Vorab-) Rezension kundtun. Hatte ich so auch noch nicht, sodass diese Art der Leseerfahrung für mich auch etwas Neues und Spezielles hat. Ein Dank geht an den Verlag!
Dafür wurde mir das mit Ringbindung fein säuberlich zusammengebundene Skript zu Das fremde Haus von Sophie Hannah zugeschickt. Offiziell erscheint der Psychothriller dann im Januar 2013. 
Wenn das kein explosiver und den-Herzschlag-beschleunigender Weihnachtslesestoff ist, weiß ich auch nicht?