"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Mittwoch, 30. Juli 2014

[Neu im Regal] Einen Lektüre-Cocktail bitte! ... Cheers!

Da ich sowohl hoffnungslos romantische Romane als auch für Gänsehaut sorgende Thriller mag, ist der Lektüre-Cocktail, an dem heute genippt wird, nicht weiter verwunderlich.

Das Herz höher schlagen lassen demnächst Aus Versehen verliebt von Susan Elizabeth Phillips und Zwei an einem Tag von David Nicholls, während der Puls im besten Falle von Simon Becketts Obsession in die Höhe schießen wird. Werke sehr verschiedener Genres, die da reichlich Zündstoff mit sich bringen.

Ob gefühlsbetont oder obskur bis aufwühlend, jedes der Bücher verspricht ein ganz eigenes Lesegefühl, dem ich entgegensehe. Denn wie war das doch gleich mit den sich anziehenden Gegensätzen?


Montag, 28. Juli 2014

[Rezension] Sturz in die Zeit (Julie Cross)

Julie Cross: Sturz in die Zeit 

Als mir als Fan des einen oder anderen gepflegten Fantasyabenteuers der erste Band der Zeitreise-Reihe aus der Feder von Julie Cross in die Hände fiel, war ich guter Dinge.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich sagen, dass es sich um eine Geschichte handelt, deren temporeiche Dynamik auweckt, sprich ohne Netz und doppelten Boden in die Zeit stürzen lässt. Inwieweit der Aufprall durch anderweitige Fähigkeiten eines sich in der Ausbildung befindlichen Agenten abgefedert werden kann, bleibt offen bzw. liegt bei jedem Leser selbst ...


~ Rezension ~

Das Pendel zwischen Raum und Zeit

Als Jackson Meyer eines Tages eine Entdeckung macht, die unglaublich scheint, ändert sich sein gesamtes Leben. Denn seine Fähigkeit durch die Zeit zu reisen, stellt nicht nur den Teenager, sondern auch die Beziehung zu seiner Freundin Holly und seinem Dad auf eine herbe Probe. Plötzlich lauern überall Risiken und Gefahren. Das Risiko, enttarnt zu werden. Die Gefahr, in einer fremden Dimension stecken zu bleiben. Als dann ein Attentat auf Holly verübt wird, blickt Jackson einer mächtigen Entscheidung ins Gesicht. Er hofft, damit die Bedrohung abwenden zu können. Allerdings muss es dafür schmerzhaften Erinnerungen noch einmal durchleben und bittere Wahrheiten akzeptieren. Wird er daran wachsen oder zerbrechen?

Mit Sturz in die Zeit verfasste Autorin Julie Cross den ersten Teil ihrer Zeitreise-Trilogie, die nicht nur feine Fantasyfacetten aufgreift, sondern ebenso einen lebhaften "Was wäre, wenn Zeitreisen  tatsächlich möglich wäre"-Gedanken weckt.

Reichlich Zeitsprünge — nicht selten im Kapiteltakt — sorgen für den gebührenden Rahmen des Abenteuers, in welches sich Protagonist Jackson ungeahnt begibt. Die Achterbahn der Gefühle, die er durchlebt, wirkt rundum greifbar. Eine Hin- und Hergerissenheit zwischen Neugier und Unglaube, Überwältigung und Entsetzen wird geschaffen, die durchaus auf den Leser überspringt. 
Doch auch das Jackson zur Seite gestellte Figurenensemble tut sein Übriges, um die unterschiedlichsten Rollenbilder auszufüllen. Beste Voraussetzungen für den geheimnisvollen und gleichermaßen grenzüberschreitenden Wettlauf zwischen dem als solches definierten Gut und den mächtigen unbekannten Größen.

Als mehr als ansprechend wirkten sämtliche Details der von Julie Cross kreierten Welt auf mich. Insbesondere die stellenweise hohe Emotionalität und die nett dosierte Nuance jugendlicher Unbefangenheit, die sich gut ergänzen, mochte ich. Denn manchmal wird der Wunsch nach Normalität zum Nonplusultra, das heilsam erscheint. Nichtsdestotrotz lebt das Buch von reichhaltig Action und Schnelllebigkeit. Hinzu kommt eine Vielzahl an Gedanken- und Handlungsentwicklungen, die nicht immer auf den ersten Blick zu erfassen sind. So mein Eindruck.
Es werden zahlreiche Fragen aufgeworfen. Einige davon werden beantwortet, andere bleiben (vorerst) zwischen Zeit und Raum oder gar in einer anderen Zeitleiste hängen. Ein Fundament, das genügend Zündstoff für die Nachfolgebände liefert.

Stilistisch entspricht dieser Fantasyroman dem Genre — und damit seinen Protagonisten und Lesern. Ergänzend kommt ein Bataillon an spezifischen Feinheiten hinzu, welche reale Begebenheiten und Institutionen den Touch eines Fantasyprofils verleihen. Die Organisation der CIA ist weder im realen Leben noch im Roman ein leicht zu durchdringendes Konstrukt.

Insgesamt der Auftakt einer Buchreihe, deren besonderer Reiz darin liegt, dass die Handlungsstränge nicht nur nicht vorhersehbar sind, weil der Einfalssreichtum der Autorin zugrunde liegt, sondern vor allem auch, weil die Dimension von Raum und Zeit neu und mit dynamischen Blickwinkeln versehen betrachtet wird.

FZIT: Ungebremst. Grenzenlos. Unberechenbar. 


Freitag, 25. Juli 2014

[Rezension] {♫♫} Stay Who You Are (Nick Howard)

Nick Howard: Stay Who You Are

Ich kann es jetzt schwerlich anders oder präziser sagen als: 

Dieses Musikalbum war "Liebe auf den ersten Ton"! 

Zugeschnittener auf mich könnte ein gutes Bündel eingängiger, eindrucksvoller Musik kaum sein. Die Gesamtkomposition stimmt einfach durchweg. Definitiv ein Album, das zusätzlichen Glanz in meine Musiksammlung bringt. Ich bin — und werde es mit Sicherheit lange Zeit bleiben — in höchstem Maße begeistert!


~ Rezension ~

Ein musikalisches Schmuckstück

Die Botschaft Stay Who You Are (Bleib, wie du bist) könnte schöner und betonter kaum verpackt sein. Ein Dutzend Mal singt Nick Howard auf diesem Album davon, den eigenen Weg zu finden. Dabei klingt der Charme eines Neuanfangs ebenso an wie die Unbezwingbarkeit von Willensstärke und das Festhalten an dem, was wirklich wichtig ist. In die Zukunft kann niemand schauen, aber mit etwas Überzeugung, Hartnäckigkeit und Übermut können wir einiges erreichen. Nicht zuletzt ist der in Brighton geborene Singer/Songwriter, der lange an der Verwirklichung seines Traums gearbeitet hat, selbst das beste Beispiel dafür.

Nick Howards Stay Who You Are ist ein Album, dessen Inhalt schwer wiegt. Denn nicht nur die Kunst des Musikmachens wird hervorragend präsentiert, sondern es wird Atmosphäre der besonderen Art geschaffen — mal flirrend unbedarft, oft gesetzt bis nachdenklich. 

Ich persönlich bin großer Fan der ruhigen, tiefgängigen Töne. Außerdem mag ich es, wenn die Stimme eines Sängers aus der instrumentalen Begleitung heraussticht. Weniger ist für ich mehr, Akustikgitarre genügt vollkommen.
Dass mich Nick Howards Album also voll und ganz für sich einnehmen konnte, ist letzten Endes keine allzu riesige Überraschung. Denn der Sänger überzeugt genau durch diese Dinge.

Das Charisma, das in seiner Stimme liegt, ist einfach unüberhörbar. Eine  besondere Stimmfarbe, aber auch das intensive Gefühl, welches Nick Howard in seinen Gesang legt, sind nicht alltäglich. Sehr geerdet und animierend zugleich.

Die Lieder des Albums hat der Sänger selbst zu überwiegenden Teilen (mit-) geschrieben, sodass sie ein Stück weit eine sehr persönliche Intention transportieren. Leise, ausdrucksvolle und gar einen Hauch von Melancholie in sich tragende Passagen zeichnen sich als klares Steckenpferd Nick Howards aus. Stete Begleiter hierbei sind Piano, Violine und die von ihm selbst gespielte Akustikgitarre. Allerdings kommt trotz der Gediegenheit kein Schwermut auf, vielmehr Inspiration zum In-sich-Gehen. Doch auch das Unkomplizierte, das Tanzbare hat der Musiker in petto.

Auffällig ist, und das macht das Album für mich umso hörenswerter, der leicht anklingende Stil- und Epochenmix, der sich in der Musik wiederfindet. Denn dass sowohl die Beatles als auch John Mayer und Coldplay zu Nick Howards Inspirationen zählen, wird auf eine eigene sympathische und kreative Weise deutlich. Abwechslungsreich und unverkennbar mischen sich Chic und Lebensgefühl sehr verschiedener Lebensphasen, Orte und Jahrzehnte in die Tracks.

Insgesamt ein Album, dessen Titel Programm ist und dessen Künstler dank warmer Stimme und beständiger Liebe zur Musik für Lieder sorgt, die mal Ohrwurmcharakter haben und mal zum Sinnieren einladen. 

FZIT: Ausdrucksstark. Natürlich. Hochwertig. 


Mittwoch, 23. Juli 2014

[Rezension] The Funny Thing Is ... (Ellen DeGeneres)

Ellen DeGeneres: The Funny Thing Is ... 

Weil ich Ellen DeGeneres und ihre Art Witz und Wichtigkeit in ganz Alltägliches zu bringen, über alle Maßen mag, durfte ich mir nach ihrem ersten Buch, My Point Is ... And I Do Have One, selbstverständlich auch The Funny Thing Is ... nicht entgehen lassen. Denn gegen einen Bataillon aus originell platziertem Humor und anderen drolligen Angelegenheiten ist letztlich rein gar nichts einzuwenden. 

Welch gute Entscheidung! Denn erneut wurde mir bewusst, aus welch triftigen Gründen diese Entertainerin dort steht, wo sie eben steht und das genau so, wie sie dort eben steht: aufrecht, auf Augenhöhe mit dem Lauf der Welt und somit vor allem nie über den Dingen.
Wenngleich die Erstauflage des Buchs bereits 10+ Jahre her ist, hat das Gesamtpaket nichts an Persönlichkeit verloren, da das Unikat Ellen auf mich irgendwie doch beeindruckend zeitlos wirkt. 


~ Rezension ~

Auf der humorvollen Seite des Lebens

Dass das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken ist, das weiß Ellen DeGeneres. Doch dieses Wissen hindert sie keinesfalls daran, eine genüssliche Portion Humor ins Spiel zu bringen. Schließlich hat eine Medaille stets zwei Seiten. Und die humorige glänzt eben viel schöner. Daher zögert Ellen DeGeneres keinen Moment, auch in ihrem zweiten Buch ihre Mitmenschen an der unberechenbar bunten Wundertüte ihres Lebens teilhaben zulassen. Ob Ellen beim Brunch mit (imaginären) Freunden, Ellen in psychologischer Zwickmühle oder Ellen auf ihrer Here and Now Tour  das Tolle ist, gute Gründe für bizarre Gedankengänge gibt es genügend. 

Ellen DeGeneres' The Funny Thing Is ... bietet einmal mehr reichlich Raum für herrlich abstruse Ideen und Szenarien, die unterstreichen, dass dem Leben eine Dreingabe an Unbeschwertheit und Witz recht gut zu Gesicht steht.

Für kompakte, leicht mehr als 170 Seiten darf der Leser Zeuge eines sehr besonderen und gleichzeitig inspirierenden Phänomens werden: Der gesunden Lebenseinstellung einer Entertainerin, die stets aufs Neue Mittel und Wege findet, über sich und die Unwegsamkeiten des Lebens zu lachen.
Mittels blühender Fantasie, leuchtender Überspitzungen und der Fähigkeit, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, weiß Ellen DeGeneres zu bestechen. Wer ihre Persönlichkeit und ihren markanten Humor mag, wird in diesem Buch ein Füllhorn an amüsanten Lesemomenten finden.

Aus der Schlichtheit einer Alltagssituation ein Spektakel zu machen, dessen Bildhaftigkeit bühnenreif ist, darin liegt das Talent der Autorin. Eine Fertigkeit, mit der sie mich auch dieses Mal sehr gut unterhalten hat.
Nicht weniger mag ich (nach wie vor) die Botschafterrolle, welche Ellen DeGeneres einnimmt. Denn neben einem mitreißenden Unterhaltungswert, verliert sie nie die kleine ernst gemeinte und auf ehrlicher Beobachtungsgabe basierende Nuance aus den Augen. Scheinbar beiläufig werden aussagekräftige Statements eingestreut, die im drolligen Kontexts nicht untergehen. Vielmehr gleichen sie Leuchtsignalen, die den Weg weisen. Besonderer Fokus liegt hier auf Menschenrechten und der Obhut von Tieren. Belange, für die sich eines der beliebtesten Gesichter der US-amerikanischen TV-Landschaft auch abseits der Bühne mit großem Herzen einsetzt.

Der Stil des Buches ist, es lässt sich kaum treffender beschreiben, "typisch Ellen eben". Präzise und im Grunde genommen schlicht und dabei nicht weniger (selbst-) ironisch. Unkompliziert und mit einem gewohnt überdimensional großen Augenzwinkern versehen schildert die Autorin lose angeordnete Anekdoten aus ihrem fantasievollen und ereignisreichen Leben.

Im Draufblick ein Buch, das ein Stück schräge Unterhaltung à la Ellen DeGeneres in das heimische Buchregal bringt. Wer ihrem Humor und einer Lebensphilosophie nicht abgewandt ist, die gleichsam leger wie profund daherkommt, der darf beherzt zu diesem kleinen Werk greifen.

FZIT: Kurios. Clever. Kompakt. 


Montag, 21. Juli 2014

[Schreibzeugkiste] Das "Schwarze Loch" der Bloggersphäre

Für (Literatur-) Blogger und Autoren versteht es sich von selbst, gern und viel zu schreiben. Daher wird in häufigen Fällen nicht nur eifrig auf dem eigenen Blog gepostet oder am nächsten Manuskript getüftelt. Es wird gleichsam äußerst aktiv und engagiert über die sich bietende Vielfalt der sozialen Netzwerke mit Lesern, Fans und Followern kommuniziert. Das bringt Begeisterung!

Das ist Teil einer großen, beinahe schon ein wenig zelebrierten Digital-Native-Kultur, von der sich eben auch die bloggenden Zeitgenossen umgeben und eingenommen sehen. Es hat wirklich etwas faszinierend Praktisches (nahezu) in Echtzeit einem Gedankenaustausch nachkommen zu können. Nie gestaltete sich Kommunikation bequemer. Ein "Gefällt mir" auf einer Fanseite oder das Abo eines Blogs genügt, und schon erwarten einen wöchentlich, täglich oder gar stündlich Updates zu jeglichen Lieblingsthemen.

Doch kann es passieren, dass sich beispielsweise ein Blogger, dem das Schreiben, Posten und Vernetztsein für gewöhnlich viel Freude bereitet, plötzlich in Zugzwang gebracht sieht?

Durchaus.

Denn frische Posts auf allen Brettern, die die virtuelle Welt bedeuten, werden von den treuen Lesern förmlich erwartet. Erwartet im Sinne von "gewünscht". Im Laufe eines Bloggerjahres im Grunde kein Problem, denn es gibt genügend zu erzählen und demzufolge auch zu lesen, liken und teilen. Allerdings — und das soll tatsächlich vorkommen — verabschieden sich auch die eifrigsten Schreiberlinge gelegentlich in eine kleine oder gar mittelgroße Auszeit. So weit, so gut.

Jedoch kann das als erholsam ausgemalte "Willkommen im Off" auch schnell zur kritischen Größe eines Bloggers werden und damit die Regeneration erheblich stören. Weshalb? Weil sich das Leben abseits des WWW unerwartet anfühlen kann wie ein Schwarzes Loch: Zwei, drei Tage nichts gepostet, schon darin verschwunden. Schließlich gibt es eine Menge Blogs, die sich nicht nur als souveräne "Urlaubsvertretung" gut machen ... Die Vorhersage Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen würde dem einen oder anderen vielleicht noch schmecken, aber dieses fiese Schwarze Loch vor Augen. Welch Szenario! 

Dieses schlechte Gewissen, welches das vermeintliche Nichtstun verursacht, kann schon an einem Blogger nagen. Sollte es aber nicht! Denn trotz der gewissen Verantwortung des Leser gegenüber, spricht längst nichts gegen eine Auszeit, ein Durchatmen. Im Gegenteil. Selbst die angenehmsten Dinge unserer täglichen Beschäftigung dürfen ab und an durch andere schöne Dinge  sprich durch das echte Leben —  abgefangen werden. 
Außerdem kann eine kleine Distanz zu Blog, Social Media & Co. neuen Wind in Form frischer Ideen und Projekte bringen. Und diese sind in den meisten Fällen dann recht willkommene Souvenirs für die Leser. Von einem kleinen "Ich bin dann mal weg" hat demzufolge jeder etwas. So soll das sein.

Und wenn hierbei etwas im Schwarzen Loch verschwinden sollte, dann die Befürchtung des Leser- bzw. Fanschwunds, denke ich. Denn diejenigen unter den Lesern, die einem Blogger um dessen Beiträge und Originalität willen folgen und nicht wegen der reinen Frequenz an Posts, freuen sich immer über Nachschub — ob nach zwei Tagen oder zwei Wochen ... oder gar zwei Monaten. 

Denn, wenngleich das Kreative viel Spaß bereitet und sich sowohl Verfasser als auch Leser stets an neuen Einfällen erfreuen, zeichnet es sich vor allem durch Individualität aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies, kreative Köpfe liefern eben keine Ware, bei der die Module in der Mentalität eines Fließbandmassenprodukts zusammengesetzt werden. Auszeit ist daher inklusive. Denn, wie gesagt, wir Blogger haben eine Verantwortung — ebenso uns selbst gegenüber.



Mittwoch, 16. Juli 2014

[Rezension] The Grimm Legacy (Polly Shulman)

Polly Shulman: The Grimm Legacy 
[deutscher Titel: Die geheime Sammlung]

Fantasy ist eines der Genres, die ich immer wieder gern und wohl dosiert in meine Lektüre einstreue. Daher musste ich auch gar nicht lang überlegen, als Polly Shulmans Buch meinen Weg kreuzte. 
Eine Geschichte, die sich sofort nach dem anhörte, was ich persönlich unter einladender Fantasy verstehe. Außerdem tat nicht weniger die entsprechende Prise an Affinität zu den uns allen bekannten Märchen ihr Übriges. Plus die Tatsache, dass es sich hierbei um ein englischsprachiges Original handelt. Endlich mal wieder. Diverse Punkte also, die dafür sprachen, dieses Buch aus dem Regal zu nehmen.


~ Rezension ~

Einst lebte Elizabeth glücklich mit ihren Eltern. Dann starb ihre Mutter viel zu früh. Heute bestimmen Stiefmutter und Stiefschwestern das Leben des Teenagers und dessen Vaters. Die Parallelen zwischen Elizabeth und Aschenputtel sind verblüffend. Nur handelt es sich hier um das wahre Leben, nicht um ein Märchen.
Elizabeth hat sich mit ihrer Außenseiterrolle arrangiert, bis ihr Weg sie eines Tages zum New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze führt. Hier begegnen ihr nicht nur echte Freunde, sondern auch unglaubliche Wahrheiten und magische Phänomene, die dem Mädchen zeigen, dass die Brüder Grimm ihren Sprung in die Gegenwart geschafft haben. Doch ebenso wie das Fantastische wird auch eine dunkle Bedrohung plötzlich sehr real.

The Grimm Legacy von Polly Shulman nimmt auf eine fantasiereiche Reise, die dem Leben etwas Märchenhaftes verleiht und ein ungewöhnliches Abenteuer mit einem großen Rätsel versieht.

Polly Shulman schickt mit ihren Protagonisten, allen voran Elizabeth, eine Reihe cleverer, mutiger und gleichermaßen dickköpfiger Charaktere in eine Welt, in der Magie verzaubert. Entschlossenheit zeichnet die Figuren hierbei ebenso aus wie das Quäntchen Misstrauen. Denn trotz der wachsenden Bande zwischen Elizabeth und Aaaron, Anjali und Marc schwelt diese nagende Ungewissheit im Hinterkopf. Im Repositorium geht nämlich viel zu viel Unerklärliches vor sich. In diesem Zusammenhang gelingt es der Autorin, die Szenen sowohl mit drolligem Humor als auch mit allzu menschlichen Unsicherheiten zu untermalen.

Als einmalig einladend empfand ich die Kulisse dieses Buches: das Repositorium. Mit großer Liebe zum Detail und dem Händchen für magische Nuancen ging die Autorin hier ans Werk. Dabei verknüpft sie das Moderne mit dem längst Vergangenen. Die Geschichten der Brüder Grimm finden auf diese Weise Eingang in einen Kontext, der zum ausgiebigen Eintauchen einlädt.

Im Mittelpunkt steht das große Rätsel und die Lösung dessen. Dieser Fokus wird durch eine Vielzahl origineller Sequenzen und geschickt gestrickter Irrungen und Wirrungen unterstrichen. Hierbei dienen die mehr oder weniger durchsichtigen Hintergründe und Absichten der einzelnen Figuren als gelungene Sprungschanze. Aufgrund einer mitreißenden und durchaus adäquaten Dynamik der Geschichte, ist eine stringente Tiefenschärfe allerdings zweitrangig. In Hinblick auf die lesende Zielgruppe — 10 Jahre + als Altersempfehlung — absolut in Ordnung.

Der gewählte Erzähstil ist gekennzeichnet durch Lockerheit. Ebenso präzise bis zackig kommt die Dialogführung daher. Eine Rhetorik, die bei besagter Zielgruppe schnell Anklang finden dürfte und die von Zeit zu Zeit mit klassischen Komponenten der Märchenerzählung versehen worden ist.

In der Summe ein Buch, das Freunde von Fantasy gut unterhält. Während einige Geheimnisse gelüftet werden, schimmern andere über die letzte Buchseite hinaus. Ferner stellen Freundschaft, Vertrauen und Loyalität Eckpfeiler der Geschichte dar, deren Aussagekraft einen besonderen Stellenwert hat. Eine wirklich willkommene Botschaft obendrein.

FZIT: Abenteuerlich. Prüfend. Verzaubernd. 


Montag, 14. Juli 2014

[Rezension] Marrakesh Nights (Heike Abidi)

Heike Abidi: Marrakesh Nights 

Allein das markante Cover des neusten Buchs von Heike Abidi zieht die Blicke magisch an und lädt unverzüglich zu einem kühlen Glas Granatapfellimonade ein. Ein Hingucker reinster Prägung.
Die Ornamente und Sterne des Buchdeckels werden dann auch adäquat und im übertragenen Sinne in den Zeilen dieses Jugendbuchs aufgegriffen und verzieren Momente, die es durchaus in sich haben. 

Ein Dankeschön an Heike Abidi sowie den Coppenrath Verlag für das Zusenden eines Rezensionsexemplars!


~ Rezension ~

Ein Sommer im Gewand von 1001 Nacht

Die Sommerferien stehen vor der Tür und versprechen für Leonie einiges in petto zu haben. Denn unverhofft wird sie von ihrem Schwarm Daniel gefragt, ob sie mit nach Spanien reisen möchte. Ein Traum so nah. Doch dann machen ihre Eltern Leonie einen gehörigen Strich durch die Rechnung, indem sie jene ausgemachte Partysause nicht dulden. Warum kann sie nicht nur schon volljährig sein? Es kommt allerdings noch schlimmer. Denn als Alternative bieten sie Leonie einen Flug nach Marokko, wo sie die liebe Verwandtschaft besuchen darf. Ein Albtraum. Dann springt jedoch Leonies beste Freundin Maja als begeisterte Reisebegleitung ein. Wenigstens eine kleine Besänftigung. Bis, ja, bis die Mädchen bei ihrer Ankunft im zauberhaften Marokko ausgerechnet von Jamil, Leonies streitlustigem Cousin, in Empfang genommen werden.

Heike Abidis Marrakesh Nights ist die wohlklingende Einladung, sich in ein eigenes modernes Aladdin-Outfit zu hüllen und auf diese Weise ein paar vergnügliche Lesestunden zu verbringen. Ein Jugendbuch wie eine Wunderlampe — es macht neugierig.

Die Kulisse für eine Geschichte, die voller Bilderbuchdetails steckt, hätte nicht hübscher gewählt sein können: Marokko. Eine Reiseziel, das fasziniert und ebenso desillusioniert. Protagonistin Leonie darf genau dies erleben. Und mit ihr die (vorwiegend jungen) Leser.

Die Figuren, welche die Autorin auf Reisen nach Nordafrika schickt, stecken voller Lebhaftigkeit und Kontraste. Eine total verliebte und in vielen Lebenslagen äußerst rosarot bebrillt wirkende Leonie, eine geerdete und liebenswerte Maja oder ein zielstrebiger Alleswisser Jamil treffen hierbei aufeinander. Nicht zu vergessen Daniel, der Beau der Schule und Leonies Traumprinz. Eine Konstellation, die sowohl für geheimnisvolles Knistern als auch für dunkles Donnergrollen sorgt.

Wenngleich der Handlungsverlauf in gewisser Weise abzuschätzen ist und vor allem Leonies Naivität in meinen Augen manchmal schon überdurchschnittlich heraussticht, bleiben ein, zwei Überraschungsmomente nicht aus.

Als besonderes Highlight überzeugte mich während des Lesens die von A wie Atlasgebirge bis Z wie Zimtgebäck stimmig ausgefeilten Accessoires, mit denen Heike Abidi ihre Geschichte reichhaltig und authentisch ausgeschmückt hat. Immer wieder zaubert die Autorin damit  eine hübsche Wunderlampen-Atmosphäre und bleibt ihrem bildhaften Erzählstil treu.
Auch gefiel mir die stete Gegenüberstellung von Weltbildern, welche die arabische Welt vermittelt. Auf der einen Seite wird mit Charme bestochen, auf der anderen Seite werden Augen geöffnet — und all das im Kontext eines Jugendbuchs, dessen Ferienstimmung einnimmt.

Im Gesamtblick ein Werk, das mal unbeschwert und quirlig bunt, mal realistisch rau daherkommt. Darüber hinaus führt Heike Abidi als Reiseleiterin ihre Leser an Orte, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Marrakesch als Perle des Südens erwartet uns.

FZIT: Unterhaltend. Aufgeweckt. Schimmernd.


Freitag, 11. Juli 2014

[Rezension] Liebesschmarrn und Erdbeerblues (A. Schwarzhuber)

Angelika Schwarzhuber: Liebesschmarrn und Erdbeerblues

Für Fans von kaiserlichem Schmarrn und Drolligkeit, die ein Dirndl ohne Mühe ausfüllt, dürfte dieser heitere Roman gerade gelegen kommen. Angelika Schwarzhuber beleuchtet das Unikat der bairischen Lebenskultur auf hübsch verzierte Weise. Lokalpatriotismus der besonderen Art wird uns Lesern beschwingt ans Herz gelegt.
Ein Roman, der diesseits und jenseits des Weißwurstäquators für ein wenig liebenswerte Völkerverständigung sorgen dürfte. 


~ Rezension ~

Die Herausforderung: das richtige Wort im richtigen Augenblick

Lene glaubte sich in einer zufriedenen Beziehung mit ihrem Michi. Doch dieses Empfinden wird jäh zerstört, als der vermeintliche Traumprinz ihr eines Tages gesteht: I hob mi fei sakrisch in di valiabt. Lene ist geschockt. Weshalb kann Michi ihr nicht einfach Ich liebe dich sagen? Oder liegt es letztlich gar nicht an Michi speziell, sondern an der bairischen Sprache im Allgemeinen, die schlichtweg nicht ohne Umschweife zu Herzen gehen kann? Lene trennt sich sich kurzerhand von Michi und widmet sich ihrer neuen Theorie. Dass sie sich damit nicht nur Freunde macht, erfährt Lene schnell. An vorderster Front ihrer Widersacher: der Sprachwissenschaftler Karl Huber. Was für ein Grantler. Doch auch vor potentiellen Herzbuben, die ihr das Gegenteil ihrer Theorie beweisen wollen, kann Lene sich plötzlich kaum retten. Allmählich ist guter Rat teuer.

Angelika Schwarzhubers Liebesschmarrn und Erdbeerblues ist ein illustrer blau-weißer Kompass auf der Suche nach dem greifbaren und vor allem dem für alle verständlich zum Ausdruck gebrachten Glück.

Im Grunde kommt Protagonistin Lene resolut und beherzt daher. Allerdings lassen sie kürzlich erlebte (Sprach-) Eskapaden zweifeln. An der Männerwelt, der bairischen Empathie, an sich selbst. Die Autorin zeigt eine Figur, die Irrungen und Wirrungen des Lebens versucht zu meistern, wobei allerdings köstlich verpackte Zwickmühlen stets aufs Neue für Umwege oder Sackgassen sorgen. Nicht ganz unschuldig daran ist das behände in die Handlung eingeflochtene Potpourri an markanten Charakteren. Figuren, die zu Lenes mehr oder minder amüsierten Wegbegleitern werden.

Mit ihrer Geschichte gelingt es Angelika Schwarzhuber auf schmackhafte Weise in die bairische Lebenskultur einzutauchen. Mit einem Augenzwinkern verbindet die Autorin Tradition mit (linguistischer) Eigenheit und einem guten Schuss Stereotypenhaftigkeit. Geschickt agiert sie auf dem Schachbrett aus weiß-blauen Rauten und versäumt es nicht, den Leser Zug um Zug zu unterhalten. Wohl dosierte Überspitzungen gehören hier schlichtweg zum guten Ton.

Wenngleich sich die Entwicklungen mancher Handlungsstränge für mich als "mit dem Zeitraffer versehen" lasen, tat dies dem spritzigen Gesamtpaket keinen großen Abbruch. Vielmehr sorgten hier die Reihe feiner bairisches Details für Applikationen, die im Verlaufe des Romans zu nicht missen wollenden Gefährten wurden.

Gleichzeitig tragen ein ungezwungener Erzählstil, den ein gepflegter Bayrisch-Crashkurs garniert, und die eine oder andere Lebensweisheit ihren Teil dazu bei, dass  Angelika Schwarzhuber zur Ehrenbotschafterin bairischer Lebensfreude wird.

Insgesamt ein Roman, der, wie es der Titel bereits anklingen lässt, ein wenig von allem parat hält: Herzklopfen und Unsinn, Gaumenfreuden und die knifflige Suche nach der großen Erfüllung. Mit Situationskomik und Selbstreflektion staffiert die Autorin einen Weg aus, der weder rosarot noch mausgrau anmutet, sondern durch weiß-blaue Originalität punktet.

FZIT: Lieblich. Forschend. Verspielt. 



Mittwoch, 9. Juli 2014

[Rezension] Sein oder Nichtsein (Alexander Maksik)

Alexander Maksik: Sein oder Nichtsein 

Mit einem Titel, bei dem sofort und auf direktem Wege die Assoziation „Shakespeare“ vor dem geistigen Auge auftaucht, wird unmittelbar deutlich, wie tiefgründig dieser Roman sich offenbart. 
Über Gott und die Welt wird gleichsam diskutiert wie die Frage und der Wunsch nach Selbstbestimmung und Integration als Teil eines Ganzen an uns Leser herangetragen werden. Eine Kost, die kein literarischer Schnellimbiss ist.


~ Rezension ~

Fragen an das Gewissen

An der internationalen Highschool in Paris, an der er als Lehrer arbeitet, erfreut sich Will Silver großer Beliebtheit. Denn er versprüht Esprit und Enthusiasmus. Ihm gelingt es spielerisch, das Interesse für die Philosophien der großen Denker und Dichter bei seinen Schülern zu wecken. Dafür wird er geschätzt. Doch als Will sich eines Tages den wahren Gefühlen für seine Schülerin Marie bewusst wird und zwischen den beiden ein Feuer entbrennt, das gefährlicher nicht sein könnte, beginnt die heile Fassade zu bröckeln und eine emotionale und moralische Detonation droht.

Mit Sein oder Nichtsein präsentiert Alexander Maksik einen Debütroman, der die Leichtigkeit des Seins und Lebensfreuden mit brisanten Gratwanderungen zwischen Recht und Unrecht, Moral und Pflicht in sich vereint.

Die Geschichte entspricht einem Mosaik aus vielschichtigen Einzelerzählungen. Es werden dem Leser die verschiedenen Schicksale, Lebenseinstellungen und Wertvorstellungen der Protagonisten aus der jeweiligen Perspektive nahe gebracht. In diesem Zusammenhang fand ich es interessant, mit wie viel Geschick der Autor die unterschiedlichen Charaktere mittels ihrer Rhetorik herauszuarbeiten verstand. Hier werden Ernüchterung und Resignation gleichermaßen deutlich wie andererseits glasklare Analytik und große Ambitionen.

Um die philosophische Tiefe des Werkes zu unterstreichen, wurden passend zum Kontext der Literaturseminare regelmäßig Gedanken und Arbeiten bedeutender Vorreiter jener Zunft – beispielsweise Sartre und Shakespeare – implementiert.

Die Konfliktträchtigkeit und Zerrissenheit, welche der Handlung zu Grunde liegen und Potential zum Reflektieren bieten, empfand ich als gelungen verpackt. Der Fall und die Fragwürdigkeit eines Idols, zeigt zum einen Menschlichkeit, zum anderen lässt sie berechtigte Zweifel an getroffenen Entscheidungen zu. Eindrücke, die wirken.

Ein Roman, der das Streben nach Vollkommenheit ebenso beschreibt wie menschliche Abgründe. Wunsch und Wirklichkeit liegen in einem Moment eng beieinander und schon im nächsten Augenblick schmerzvoll weit voneinander entfernt. Für Leser, die eine fühlbare Schwere zwischen den Zeilen mögen, sofort zu empfehlen.

FZIT: Brisant. Tragend. Intensiv.

  

Montag, 7. Juli 2014

[Schreibzeugkiste] Leserherzen gewinnen

* Nachfolgende Eindrücke basieren auf subjektiven Beobachtungen und gelten keinem expliziten Beispiel

Perspektive #1:

Leser gewinnen 

Aber natürlich. Jeder Blogger möchte, dass seine Zeilen möglichst auf (viele) wache Augen und offene Ohren treffen. Schließlich ist geteilte Freude nach wie vor doppelte Freude und der Austausch zwischen (Blog-) Autor und Leser ein essentieller Bestandteil der bestehenden Bloggerspähre. 
Doch wie gelingt es — neben erfrischenden Inhalten verpackt in lesenswerten Beiträgen, die mit einem hübschen Zuckerguss an Persönlichkeit abgerundet werden — Leser anzusprechen, zu überzeugen, sprich: für sich zu gewinnen?

Womit auch schon das Zauberwort, um das es sich heute einmal drehen soll, genannt worden wäre. Auf den ersten Blick wirkt es recht beiläufig. Auf den zweiten prangt es wie eine Leuchtreklame weit oben über allem: Gewinnen.

Perspektive #2:

Leser gewinnen

Denn wenn etwas die Blicke nahezu magnetisch auf sich zieht, dann ist es die Einladung zu einem Gewinnspiel. (Buchblog-) Leser gewinnen nämlich für ihr Leben gern. So ziemlich die meisten von uns gewinnen gern, oder? Ein unverbindliches Glücksspiel, bei dem am Ende ein neues Buch fürs heimische Bücherregal winkt, das doch schon viel zu lange und mit einem sehnlichen Ausrufezeichen versehen auf der eigenen Wunschliste steht, macht etwas her.

So weit, so gut. Denn gegen ein nettes kleines (oder etwas größeres), den Einfallsreichtum der Teilnehmer kitzelndes Gewinnspiel hat wohl niemand etwas einzuwenden. Ein Dankeschön an die Leser. Stets willkommen, keine Frage. Denn, wie bereits erwähnt, auch bei Verlosungen jeder Art wird beiderseitig für Freude gesorgt.


Doch dann gibt es dieses kleine schwergewichtige Aber, das mich immer wieder ins Grübeln bringt. Wer weiß? Vielleicht geht es dem einen oder anderen ganz ähnlich.

Dieses Aber bezieht sich auf ausgerichtete Gewinnspiele, die wie längst erwartete Sommerregengüsse auf uns (potentielle) Blogleser niederprasseln. Verlosungen, deren Intention in einer Wenn-dann-Schleife wurzelt. Ohne Zweifel, es ist legitim, Leser maßvoll und geschickt "zu ihrem Glück zu zwingen" und ihre Aufmerksamkeit und Gunst durch Gewinnspiele & Co. zu erobern. Vermutlich ist es sogar äußerst clever ... 

Für mich stellt sich dabei jedoch die kleine Frage nach der tatsächlichen und langfristigen Ambition des Lesers (alias Abonnenten). 
Wird mein Blog nun gemocht und gelesen, regelmäßig besucht, kommentiert und bestenfalls gar weiterempfohlen, weil ich Gewinnspiele zu meinem Aushängeschild mache? Oder weil meine geteilten Inhalte interessant, wissenswert, unterhaltsam (und gelegentlich mit der Aussicht auf einen Gewinn verziert) sind?

Jeder Blogger hat da eine eigene Devise. Diese sollte ihm zugestanden werden. Letzten Endes ist es mit Blogs wohl ähnlich wie mit Büchern, Filmen oder Musik. Die einen sprechen die Masse an. Die anderen sind für "Insider" gemacht. Weder das eine noch das andere sollte dabei allerdings automatisch auf Qualität und Herzblut im Fundament der Arbeit schließen lassen. Einzelfallbetrachtungen sind empfehlenswert.


Wenn Blogger nun also Leser gewinnen, weil Leser gern gewinnen, dann ist das in Ordnung. 

Nichtsdestotrotz bleibe ich einem Weg treu, der eben nur sehr gelegentlich Gewinnspiele einschließt. Mit ziemlicher Sicherheit schlage ich mit jener Entscheidung bewusst eine größere Reichweite und damit auch eine schnell wachsende Leserschar aus. Für die einen mag das verdammt unklug sein. Für mich ist es so etwas wie ein persönliches Credo, mit dem ich meine Vorsätze — als Blogger und ebenso als Leser — einfach nur unterstreiche. Wie gesagt: Jedem das Seine.


Freitag, 4. Juli 2014

[Rezension] Love, Ellen (Betty DeGeneres)

Betty DeGeneres: Love, Ellen

Als die US-amerikanische Entertainerin Ellen DeGeneres 1997 den mutigen und endgültigen Schritt ging, sich öffentlich als homosexuell zu outen, lagen hinter ihr und ihrer Familie bereits Jahrzehnte des Versteckspiels. Eine zermürbende Zeit, welche zugleich insbesondere das Band zwischen Ellen und ihrer Mutter Betty unvergleichlich festigte.
In ihrem Buch beschreibt Betty DeGeneres die gemeinsame Reise aus ihrer Sicht. Dabei gesteht sie, wie verletzend und egoistisch ihre Gedanken ihrer Tochter gegenüber anfangs waren. Eine beeindruckende Offenheit, wie ich finde. Überhaupt glänzt dieses Buch für mich durch seine uneingeschränkte Ehrlichkeit. Dass Betty DeGeneres unzähligen Menschen ganz gleich, wen sie lieben — aus der Seele spricht, ist für mich unverkennbar. Und trotz des Erscheinens dieses Buches in den späten 1990er Jahren hat die Botschaft an Dringlichkeit und Signifikanz nichts verloren.


~ Rezension ~

Bedingungslose Aufrichtigkeit ist das größte Geschenk.

Betty DeGeneres wächst konservativ in den 1930er Jahren in einem behüteten und gleichermaßen verschwiegenen Elternhaus auf. Die Familie ist füreinander da, allerdings wird sich emotionalen Kontroversen eher mit Stillschweigen gewidmet. Als Betty, inzwischen selbst stolze Mutter zweier Kinder, eines Nachmittags mit ihrer Tochter Ellen zu einem Strandspaziergang aufbricht, ahnt sie nicht, dass die kommende halbe Stunde ihr Weltbild und damit ihre Einstellung zu gesellschaftlichen Normen und Menschenrechten vollkommen verändern wird. Denn Ellen gesteht ihrer Mutter, dass sie Frauen liebt. Ein Schock für Betty. Nichtsdestotrotz zögert sie keine Sekunde, ihrer Tochter für ihr Vertrauen und ihre Aufrichtigkeit zu danken und ihr ihre unerschütterliche Mutterliebe entgegenzubringen. Dass Ellen in den nachfolgenden Jahrzehnten zu einer der angesehensten Entertainerinnen der USA mit einzigartiger Vorbildrolle und Betty zur engagierten Aktivistin für die Rechte Homosexueller werden soll, weiß 1978 noch niemand.

In ihrem Buch Love, Ellen blickt Betty DeGeneres auf ihr Leben als Ehefrau und Mutter zurück. Dabei reflektiert sie unumwunden eigene Schwächen und erzählt voller Stolz, wie sehr sie dank ihrer Tochter Ellen DeGeneres zu einem toleranteren Menschen mit einer Herzensangelegenheit geworden ist.

Die von Betty DeGeneres beschriebene Achterbahn des Lebens könnte turbulenter kaum sein. Von der jungen Frau auf der Suche nach der familiären Erfüllung über die Schockstarre nach dem Comingout ihrer Tochter bis hin zur international beliebten Repräsentantin einer Gesellschaft, die akzeptiert, anstatt verurteilt.
Offen und direkt spricht die Autorin nicht nur die Missstände einer modernen Gesellschaft an, sondern sie gesteht nicht weniger ihre eigene Unwissenheit, Angst und Unsicherheit. Betty DeGeneres lässt Nähe zu und gewährt damit Einblicke, die bewegen. Bewegen, etwas verändern zu wollen. Für mich eine unglaubliche Stärke dieses Buches.

Mit ihrer Geschichte möchte die Autorin und Mutter einer homosexueller Tochter zeigen, wie schwer und gleichzeitig unheimlich befreiend es ist, sich selbst einzugestehen, dass Liebe etwas Grenzenloses ist.
Ihr persönlicher Hintergrund macht sie zu einer der besten Botschafterinnen dieser Mission. Denn Betty DeGeneres wirft stets einen Blick auf das Ganze. Sie kann das Hadern und den Schreck absolut nachvollziehen, doch erhebt dabei ihre Stimme vehement gegen Ignoranz und Ablehnung.

Mit einer Vielzahl von berührenden Geschichten, die ihr Menschen im Laufe ihrer Tätigkeit als Mitglied von P-FLAG (Parents, Friends and Family of Lesbians and Gays) erzählt haben, unterstreicht sie die Wichtigkeit einer für Gleichberechtigung stehenden Gesellschaft. Eine Mission, die sie unermüdlich verfolgt. Sie räumt mit gängigen Vorurteilen auf und macht Mut — sowohl den Homosexuellen selbst als auch deren Familien und Freunden. In einer Welt zwischen Selbstverständlichkeit und rigoroser Religiosität eine nach wie vor notwendige Aufgabe. Eines ist sicher: Die großherzige Philanthropie, welche in jedem einzelnen Kapitel mitschwingt, setzt Ausrufezeichen und ergreift während des Lesens. 

In der Summe ein Buch, dessen Botschaft ausdrücklicher, persönlicher und aufrichtiger nicht sein könnte: Die Liebe zwischen Eltern und Kindern ist etwas Bedingungsloses, das als unerschütterlicher Fels in der Brandung gesellschaftlicher Spannungsfelder stehen muss. Nichts ist kostbarer als Familie und Freunde, die einen akzeptieren, wie man ist.

FZIT: Lebensnah. Konsequent. Aufrichtig. 


Mittwoch, 2. Juli 2014

[Rezension] Vermiss mein nicht (Cecelia Ahern)

Cecelia Ahern: Vermiss mein nicht 

Bisher habe ich einige Bücher von Cecelia Ahern gelesen. Genau aus diesem Grund würde ich sagen, dass dieser Roman nicht zwangsläufig als "Typisch Ahern" deklariert werden kann. Denn, auch wenn die Autorin die Karte des großen Einfühlungsvermögens ausspielt, so handelt es sich nicht um eine klassische Liebesgeschichte. 
Vielmehr steht die Hommage an das Leben und die Suche nach Erfüllung im Vordergrund, wobei menschliche Schwächen nicht ausgespart, sondern die größtenteils weichen Facetten mit kleinen scharfen Kanten versehen werden.


~ Rezension ~

Wenn die Erinnerung zur Kompassnadel wird ...

Als Sandy Shortt zehn Jahre alt war, musste sie miterleben, wie ihr gesamter Heimatort nach Jenny-May Butler aus dem Haus gegenüber suchte. Denn das Mädchen war von jetzt auf gleich spurlos verschwunden — und blieb es auch. Seit jenem verhängnisvollen Tag hat sich Sandy der Suche nach verloren gegangenen Dingen und vor allem vermissten Menschen verschrieben. Während ihre Familie und Freunde mit Sandys Akribie längst nicht mehr Schritt halten können, gibt ihr die Arbeit vollste Erfüllung. Bis sie eines Tages, vertieft in einen neuen Fall, selbst verschwindet. Plötzlich ist Sandy damit den Antworten auf eine Vielzahl ihrer Fragen erschreckend nah. Allerdings tun sich mindestens genauso viele neue Fragezeichen auf.

Cecelia Aherns Vermiss mein nicht ist ein Roman, der vom Suchen und Finden erzählt. Dabei konzentriert sich die Autorin nicht  — wie für sie charakteristisch — auf die Liebe, sondern vielmehr auf das Leben.

Die porträtierte Protagonistin Sandy Shortt hat ihr Leben im Griff. Allerdings nur dann, wenn sie sich uneingeschränkt dem Suchen widmen darf. Was früher verloren gegangene Socken und Teddybären waren, sind inzwischen vermisste Menschen. Für Sandy ist es ein inneres Bedürfnis, unermüdlich zu suchen. Für jeden anderen ist es eine ausgewachsene Neurose. Ein zweischneidiges Schwert, welches die Autorin sowohl mit realem Fingerspitzengefühl als auch mit der entsprechenden Portion Fantasie präzisiert.

Dass die Kulisse der Geschichte über zwei Ebenen hinweg reicht, lässt den Grundgedanken der Handlung sehr angenehm plastisch erscheinen. Obgleich der Ort Hier einem sehr harmonisierten Ideal entspricht, so stellt er den friedvollen Ruhepol in einem recht aufgewühlten Kontext dar.

Eine Wiedergabe der Geschehnisse erfolgt ebenso aus zwei verschiedenen Perspektiven heraus. Zum einen nimmt Sandy mit ins Hier, zum anderen repräsentiert Jack, Sandys neuster Klient, das Jetzt. Parallelwelten, die sich sehr nah und dennoch meilenweit voneinander entfernt sind, entstehen.

In diesem Roman erwarten den Leser weder großartige Spannungsfelder noch die obligatorische Liebesgeschichte. Vielmehr rücken Werte wie Familienbande und Loyalität in den Mittelpunkt. Es geht darum, sich den Wunsch nach Gewissheit im Leben zu erfüllen — schmerzliche Wahrheiten und Kraft erfordernde Vergebung eingeschlossen. Ein Ansatzpunkt, der mir äußerst zugesagt hat und der ohne ein extravagantes Rüschenkleid auskommt. Dennoch wäre die eine oder andere Tiefenschärfe vielleicht eine mögliche Dreingabe gewesen.

Insgesamt ein Roman, der auf liebenswert einfallsreiche Weise eine Frage in den Raum stellt, die uns alle schon das eine oder andere Mal beschäftigt hat: Wonach suchen wir im Leben? Die Antwort(en), die Cecelia Ahern darauf gibt, schwingen zwischen den Zeilen mit und gewähren  dem Leser genügend Platz für eine eigene Auslegung.

FZIT: Mehrschichtig. Subtil. Hoffnungsvoll.