"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Freitag, 4. Juli 2014

[Rezension] Love, Ellen (Betty DeGeneres)

Betty DeGeneres: Love, Ellen

Als die US-amerikanische Entertainerin Ellen DeGeneres 1997 den mutigen und endgültigen Schritt ging, sich öffentlich als homosexuell zu outen, lagen hinter ihr und ihrer Familie bereits Jahrzehnte des Versteckspiels. Eine zermürbende Zeit, welche zugleich insbesondere das Band zwischen Ellen und ihrer Mutter Betty unvergleichlich festigte.
In ihrem Buch beschreibt Betty DeGeneres die gemeinsame Reise aus ihrer Sicht. Dabei gesteht sie, wie verletzend und egoistisch ihre Gedanken ihrer Tochter gegenüber anfangs waren. Eine beeindruckende Offenheit, wie ich finde. Überhaupt glänzt dieses Buch für mich durch seine uneingeschränkte Ehrlichkeit. Dass Betty DeGeneres unzähligen Menschen ganz gleich, wen sie lieben — aus der Seele spricht, ist für mich unverkennbar. Und trotz des Erscheinens dieses Buches in den späten 1990er Jahren hat die Botschaft an Dringlichkeit und Signifikanz nichts verloren.


~ Rezension ~

Bedingungslose Aufrichtigkeit ist das größte Geschenk.

Betty DeGeneres wächst konservativ in den 1930er Jahren in einem behüteten und gleichermaßen verschwiegenen Elternhaus auf. Die Familie ist füreinander da, allerdings wird sich emotionalen Kontroversen eher mit Stillschweigen gewidmet. Als Betty, inzwischen selbst stolze Mutter zweier Kinder, eines Nachmittags mit ihrer Tochter Ellen zu einem Strandspaziergang aufbricht, ahnt sie nicht, dass die kommende halbe Stunde ihr Weltbild und damit ihre Einstellung zu gesellschaftlichen Normen und Menschenrechten vollkommen verändern wird. Denn Ellen gesteht ihrer Mutter, dass sie Frauen liebt. Ein Schock für Betty. Nichtsdestotrotz zögert sie keine Sekunde, ihrer Tochter für ihr Vertrauen und ihre Aufrichtigkeit zu danken und ihr ihre unerschütterliche Mutterliebe entgegenzubringen. Dass Ellen in den nachfolgenden Jahrzehnten zu einer der angesehensten Entertainerinnen der USA mit einzigartiger Vorbildrolle und Betty zur engagierten Aktivistin für die Rechte Homosexueller werden soll, weiß 1978 noch niemand.

In ihrem Buch Love, Ellen blickt Betty DeGeneres auf ihr Leben als Ehefrau und Mutter zurück. Dabei reflektiert sie unumwunden eigene Schwächen und erzählt voller Stolz, wie sehr sie dank ihrer Tochter Ellen DeGeneres zu einem toleranteren Menschen mit einer Herzensangelegenheit geworden ist.

Die von Betty DeGeneres beschriebene Achterbahn des Lebens könnte turbulenter kaum sein. Von der jungen Frau auf der Suche nach der familiären Erfüllung über die Schockstarre nach dem Comingout ihrer Tochter bis hin zur international beliebten Repräsentantin einer Gesellschaft, die akzeptiert, anstatt verurteilt.
Offen und direkt spricht die Autorin nicht nur die Missstände einer modernen Gesellschaft an, sondern sie gesteht nicht weniger ihre eigene Unwissenheit, Angst und Unsicherheit. Betty DeGeneres lässt Nähe zu und gewährt damit Einblicke, die bewegen. Bewegen, etwas verändern zu wollen. Für mich eine unglaubliche Stärke dieses Buches.

Mit ihrer Geschichte möchte die Autorin und Mutter einer homosexueller Tochter zeigen, wie schwer und gleichzeitig unheimlich befreiend es ist, sich selbst einzugestehen, dass Liebe etwas Grenzenloses ist.
Ihr persönlicher Hintergrund macht sie zu einer der besten Botschafterinnen dieser Mission. Denn Betty DeGeneres wirft stets einen Blick auf das Ganze. Sie kann das Hadern und den Schreck absolut nachvollziehen, doch erhebt dabei ihre Stimme vehement gegen Ignoranz und Ablehnung.

Mit einer Vielzahl von berührenden Geschichten, die ihr Menschen im Laufe ihrer Tätigkeit als Mitglied von P-FLAG (Parents, Friends and Family of Lesbians and Gays) erzählt haben, unterstreicht sie die Wichtigkeit einer für Gleichberechtigung stehenden Gesellschaft. Eine Mission, die sie unermüdlich verfolgt. Sie räumt mit gängigen Vorurteilen auf und macht Mut — sowohl den Homosexuellen selbst als auch deren Familien und Freunden. In einer Welt zwischen Selbstverständlichkeit und rigoroser Religiosität eine nach wie vor notwendige Aufgabe. Eines ist sicher: Die großherzige Philanthropie, welche in jedem einzelnen Kapitel mitschwingt, setzt Ausrufezeichen und ergreift während des Lesens. 

In der Summe ein Buch, dessen Botschaft ausdrücklicher, persönlicher und aufrichtiger nicht sein könnte: Die Liebe zwischen Eltern und Kindern ist etwas Bedingungsloses, das als unerschütterlicher Fels in der Brandung gesellschaftlicher Spannungsfelder stehen muss. Nichts ist kostbarer als Familie und Freunde, die einen akzeptieren, wie man ist.

FZIT: Lebensnah. Konsequent. Aufrichtig. 


Mittwoch, 4. Juni 2014

[Neu im Regal] Aufrichtige Worte einer Mutter

Dass ich ein Fan von Ellen DeGeneres bin, dürfte nun nicht die Neuigkeit schlechthin sein. Daher überrascht es bestimmt auch weniger, dass es für mich eine logische Schlussfolgerung ist, meine heimische Buchsammlung mit Love, Ellen aus der Feder von Betty DeGeneres zu ergänzen. 

Denn sosehr ich den Humor und die Leichtigkeit Ellen DeGeneres' schätze, ebenso sollte nicht vergessen sein, dass ebenfalls eine der zurzeit populärsten US-amerikanischen Entertainerinnen und ihre Familie massive persönliche Hürden zu überwinden und mit herber Konfrontation zu kämpfen hatten. Insbesondere nach Ellens öffentlichem Comingout 1997. 
Die Geschichte aus der Sicht einer Mutter zu lesen, für die sich mit dem (Ein-) Geständnis ihrer Tochter eine grundlegende Lebenssicht änderte, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Achterbahn der Gefühle.

Ein Werk, dessen aufrichtige Botschafterfunktion auch 15 Jahre nach Erscheinen nichts an Bedeutung verloren hat. Ein Ausrufezeichen, das meiner Meinung nach auch gegenwärtig noch für Gleichberechtigung und Vertrauen, Rückhalt und Familienbande steht! 
Eines wird für mich bereits vorm Lesen des Buches einmal mehr deutlich: die Philanthropie, für welche die DeGeneres' stehen.



Montag, 12. Mai 2014

[Neuzugänge] Zweimal die Aussicht auf Gold?

Diese zwei Neuzugänge für mein Bücherregal haben jeweils doch eine etwas größere Bedeutung für mich. 

Wieso?

Das kann ich gar nicht ganz genau sagen. Ich habe nur das Gefühl, dass mich mit This Is Not A Love Story von Holly Bourne und mit Shawn Johnsons Winning Balance über die bevorstehenden Lesestunden etwas Besonderes verbinden wird.

Erst genanntes Buch bekam ich von der lieben Katharina von Textverliebt. zugeschickt. Denn im Zuge der diesjährigen Aktion Blogger schenken Lesefreude hatte Katha sich entschlossen, dieses Buch zu verlosen, weil es sie selbst enorm begeistert hat. Für mich ein sehr gutes Zeichen, denn wir beide haben nicht selten einen ähnlichen Buchgeschmack. Dass ich nun tatsächlich ebenjenen Roman gewinnen würde, hätte ich nie geglaubt ... Textverliebtheit, nimm deinen Lauf! Katha, ich sage nochmals DANKE SCHÖN!!!

Darüber hinaus fand das von der (ehemaligen) Ausnahmeturnerin, Olympiasiegerin und Lebenskünstlerin Shawn Johnson geschriebene Buch seinen Weg zu mir. Aus welchem Grund? Weil ich zurzeit eine Schwäche für Werke mit biographischen Hintergrund, die eine beeindruckende und zugleich inspirierende Geschichte von den Hochs und Tiefs des Lebens erzählen, entwickle. Zugegeben, der Fan von "reinen" Biographien bin ich bisher (noch) nicht allzu sehr. ABER: Wenn eine Lebensgeschichte, die nicht wirklich als Biographie formuliert ist, jedoch das gewisse Etwas hat, dann liebend gern her damit! Da mich die sympathische Lebenseinstellung Shawn Johnsons direkt angesprochen hat, kam ich nicht umhin, mir nun auch ihr Buch zuzulegen. So einfach ist's.

Auf beide Bücher bin ich ziemlich gespannt. Ob ich sie nach dem Lesen wohl mit etwas Goldstaub versehen ins Bücherregal zurückstellen kann? 



Montag, 2. Dezember 2013

[Rezension] Nothing Is Impossibe (Dynamo)

Dynamo: Nothing Is Impossible 

Neben der Welt der Bücher übt die unergründliche Welt der Magie schon lange eine UNEINGESCHRÄNKTE FASZINATION auf mich aus. Ich liebe Illusionen und das präzise Handwerk, mit welchem diese ausgeübt werden. Ich lasse mich gern überraschen, verblüffen, begeistern — ohne Wenn und Aber.
Einer der für mich ganz Großen ist Dynamo, dessen Serie "Magician Impossible" im britischen Fernsehen sämtliche Normen gesprengt und vollkommen neue Maßstäbe gesetzt hat. Talent, Leistung und der Faktor des Unfassbaren Dynamos sind kaum in passende Worte zu fassen. Er und seine Kunst der Unterhaltung sind einzigartig. 
Ihr solltet es euch NICHT nehmen lassen, Dynamo einmal bei YouTube anzuschauen!


~ Rezension ~

Die Magie des Lebens macht es möglich

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass Steven Frayne nicht die unbeschwerteste Kindheit hatte. Er nahm in seinem Umfeld schnell eine Außenseiterrolle ein. Er wurde Opfer von Mobbingübergriffen in der Schule. Er musste sich mit der Diagnose einer sein Leben verändernden Krankheit auseinandersetzen. Dennoch verlor Steven nie endgültig den Mut. Er entdeckte dank seines Gramps eines Tages eine Leidenschaft, die ihn vollkommen vereinnahmte, mental stärkte und weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt machen sollte: Steven wurde Magier. Inzwischen gehört er als Dynamo zu der absoluten A-Liga seiner Zunft. Der Weg dorthin war gepflastert von Widrigkeiten und Rückschlägen, doch wann immer Dynamo als Straßenmagier sein Publikum verblüffen kann, weiß er, wofür es sich lohnt, zu kämpfen.

Jede einzelne Faser seines Körpers, viele tausende Stunden des Trainings, all seine Kraft steckt Steven Frayne, den die meisten heute nur als Magician Impossible kennen, in die Zauberei. In Nothing Is Impossible beschreibt Dynamo mit großer Hingabe seinen Weg vom Kind unterer sozialer Schicht zu einem der talentiertesten und bekanntesten Magier der Gegenwart.

Dynamo macht es möglich: das Zeitreisen. Mit diesem Buch fasst er den Leser bei der Hand und nimmt ihn mit zu den Anfängen seiner Liebe zur Zauberei, von wo aus der steinige Pfad begann. Diese Reise machte ihn schließlich zu dem Mann, der über die Themse lief, der die Ergebnisse der Fußballeuropameisterschaft 2012 vorhersagte und der das Times Gebäude in L.A. hinunterlief.

Doch neben all diesen fulminanten Beweisen seines Könnens hinterlässt Dynamo vor allem auch durch seine Illusionen, mit denen er Passanten auf der Straße sprichwörtlich die Schuhe auszieht, Eindruck. Er liebt die Reaktionen der Menschen auf seine Vorführungen mehr als alles andere. Das betont er immer wieder und man glaubt es ihm aufs Wort. Denn Dynamo ist ein Mensch, der seinem Publikum ein Stück Glauben an die Möglichkeit des Unmöglichen schenken möchte. Ebenso wie die Magie ihn aufgefangen hat, als er am Boden lag.

In den Kapiteln seines Buches, das er seinem Gramps, der Inspiration seines Wirkens, gewidmet hat, greift der Autor einzelne schicksalsbehaftete Momente, Begegnungen und Entscheidungen seines Lebens auf. Dabei erzählt er von Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gleichermaßen wie von Glückseligkeit, Wundern und dem verbissenen Streben nach Perfektion.

Obwohl Dynamo der Mann ist, der vor den Augen seines Publikums in die Luft abhebt, hat er andererseits niemals die Bodenhaftung verloren. Er, und das liest sich besonders sympathisch, ist jemand, der dem Leben und dem Sein als Magier und Lebenskünstler eine große Portion Dankbarkeit und Demut entgegenbringt. Etwas zu kreieren, das unglaublich scheint, ist für ihn ein absolutes Privileg und Lebenselexir zugleich.

Auch der Erzählstil des Buches spiegelt dies wider. Dynamo schreibt für dich und mich. Er stellt nicht sich, sondern eine unnachahmliche Hingabe dar. Er erläutert, seine Intention des Einzigartigen ebenso wie die Tatsache, das Magie ohne Netz und doppelten Boden sehr wohl keine Garantie für ein Gelingen einschließt. Wer sein Buch liest, wird dazu eingeladen, die Welt mit etwas anderen Augen zu sehen, wenngleich man glaubt, diesen nicht zu trauen. Verblüffend!

Auf ganzer Linie ein Buch mit enorm viel Persönlichkeit, das beweist, wohin Entschlossenheit, Talent und Wertschätzung führen können. Ob kleine Illusion oder große Magie – ein Zauberkasten zwischen zwei Buchdeckeln, der Fans jener Kunst zweifelsohne in einen Bann zieht.

FZIT: Inspirierend. (Be-) Staunenswert. Zauberhaft.


Mittwoch, 20. November 2013

[Rezension] Slow Food Genussführer Deutschland 2014

Slow Food Deutschland: Slow Food Genussführer 2014 

Tiefkühlpizza, Hamburger, Kaffee zum Mitnehmen — all diese Raffinessen suggerieren Bequemlichkeit. Das klein wenig Bequemlichkeit, das uns gerade recht zu kommen scheint, da wir doch sonst stets die Siebenmeilenstiefel geschnürt haben und auf dem Sprung sind. 
Doch macht es wirklich Spaß, in steter Eile und hektischer Anonymität zu essen und zu trinken? Wäre es nicht viel angenehmer, viel gesünder, viel erstrebenswerter mit etwas mehr Wertschätzung, ein wenig mehr Zeit und einer Prise Überzeugung einen Gang zurückzuschalten und sich mit dem Genuss gleichzeitig ein Stück Lebensqualität zurückzuerobern? 
Darin besteht der wahre Luxus. Nicht im Sich-zwischen-Tür-und-Angel-Gönnen-könnenden Stehimbiss!
Es ist wunderbar, dass uns mit dem Genussführer von Slow Food Deutschland ein Navigationssystem durch die variantenreiche, einheimische Küche gegeben wird. Anderseits ist es schon ein wenig traurig, dass uns in vielen Fällen Werte wie Genuss, Sinnlichkeit und Qualitätstbewusstsein auf dem Weg hin zur weltgewandten Gesellschaft verloren gegangen sind. Zeit, für etwas köstliche und bewusst gelebte Entschleunigung!
Besten dank auch dem Oekom Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar des Genussführers!

[Bildquelle: Oekom Verlag]


~ Rezension ~

Über den Tellerrand hinaus

Als Ende der 1980er Jahre in Italien eine Gruppe leidenschaftlicher und überzeugter Gourmets rund um Carlo Petrini als Gegenkraft zur verstärkt gelebten Fast-Food-Philosophie für einen Genuss, der Traditionsbewusstsein und Finesse verkörperte, plädierten, sollte dies der Grundstein einer Bewegung sein, die 25 Jahre später mehr denn je im Fokus stehen würde: Slow Food.
Eine Kochkultur, welche Wertschätzung der Ressourcen, den unverfälschten Eigengeschmack der Zutaten, die Saisonalität und Regionalität zubereiteter Gerichte sowie eine Passion für geselliges Miteinander betont, spiegelt die Slow-Food-Eckpfeiler wider, die auch in diesem Genussführer appetitlich aufgegriffen werden. Ein Gasthausführer, dem das Sprichwort "Wieso in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah" wie auf den Leib geschrieben ist.

Der Slow Food Genussführer Deutschland 2014 ist ein Handbuch, das wie gemacht ist für Menschen, die gern gesund, köstlich und gut Essen gehen. In Zeiten der Internationalisierung und Globalisierung entspricht dieses Buch einem Fingerzeig, der auf die Rückbesinnung unserer kulinarischen Wurzeln hinweist.

Auf mehr als 300 Seiten werden in diesem Genussführer bundesländerweise Gasthäuser und Restaurants aufgeführt, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, die Denke der Slow-Food-Bewegung zu leben und an den Gast weiterzugeben. Die kulinarischen Wertigkeiten der vor Ort servierten Speisen wurden in übersichtlicher Kompaktheit aufbereitet und dem Leser nun sozusagen auf dem Silbertablett serviert.

Absolut bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass sämtliche Daten und Erfahrungen in filigraner Kleinstarbeit durch zahlreiche bundesweit ehrenamtlich engagierte Slow-Food-Vertreter zusammengetragen worden sind. Aus Überzeugung. Als Beitrag für eine bewusster handelnde, essende und schlussendlich genießende Gesellschaft. 

Der Informations- und Detailreichtum dieses Handbuchs ist beachtlich und reicht weit über den Tellerrand am Mittagstisch hinaus. Es werden die Menükarten samt geschmacklicher Umsetzung der einzelnen Lokale bildhaft, aber im präzisen Schlagwortstil beschrieben. Doch ebenso wird auf eine Ganzheitlichkeit der Berichterstattung geachtet, indem beispielsweise Liefer- und Produktionsketten beleuchtet, erreichte Zertifizierungen erwähnt und Optimierungspotentiale hervorgehoben werden.

Alles in allem ein mit gelebter Passion für exzellente regionale Küche ausformuliertes Handbuch, dessen Botschaft von hoher Aktualität und Wichtigkeit ist. Denn um exquisite Speisen und hervorragende Hausmannskost zu kreieren, bedarf es oft gar nicht viel mehr als ein wenig mit Herz und Verstand genommene Zeit und Bereitschaft, sich etwas tatsächlich und in allen Facetten auf der Zunge zergehen zu lassen.

FZIT: Appetitlich. Inspirierend. Wegweisend. 


Montag, 11. November 2013

[Rezension] Das Versprechen (Nadine Ahr)

Nadine Ahr: Das Versprechen

Das Leben schreibt Geschichten, von denen wir uns manchmal wünschen, sie unendlich lang festhalten zu können. Es schreibt jedoch auch Geschichten, die sich wie ein Alptraum anfühlen, aus dem wir augenblicklich erwachen wollen. 
Nadine Ahr, ZEIT-Autorin, schrieb in ihrem Anfang November 2013 erschienenen Buch, das sie ihrem Fels in der Brandung, ihrem Großvater Edwin gewidmet hat, die Geschichte ihrer Großeltern nieder, die eben sowohl das größte Glück auf Erden als auch das Scherbenmeer aus zerbrochenen Lebensträumen zum Ausdruck bringt. Zeilen, die unter die Haut gehen, weil sie ehrlich, energisch und echt sind.
Vielen Dank an Droemer für das angebotene Rezensionsexemplar!

[Bildquelle: Droemer]


~ Rezension ~

Wenn das Vergessen sich zwischen zwei Menschen stellt.

Der Sommer 1945 soll für Ria und Edwin alles verändern. Ihr gesamtes Leben. Denn in diesen Monaten, kurz nach dem Kriegsende, entflammt zwischen den beiden eine Seelenverwandtschaft, die Halt, Kraft und Liebe gibt. Doch Edwin hat das Eheversprechen vor seinem Kriegsdienst einer anderen gegeben und kann sein Wort nicht brechen. Jahre der Sehnsucht, des Schmerzes und der Reue beginnen  für Edwin und für Ria. Dann, Dekaden später, führt sie das Schicksal erneut zusammen. Dieses Mal gibt Edwin seinem Mädchen sein Versprechen, sie niemals mehr zu verlassen. Ihr Glück scheint vollkommen. Bis Ria an Demenz erkrankt. Eine Diagnose, die sich als schleichendes Gift herausstellt und die Verbindung zwischen ihr und Edwin bis an einen Abgrund drängt, dessen Tiefen verbittert, kalt und unergründlich sind.

In Das Versprechen erzählt die Journalistin Nadine Ahr die ergreifende Lebensgeschichte ihrer geliebten Großeltern. Dabei sprechen aus den Zeilen neben unendlicher Zuneigung und tiefem Ehrgefühl auch bittere Tragik und eine qualvolle Endlichkeit. 

Mit großem Einfühlungsvermögen und imposanter Persönlichkeit fasste die Autorin wertvolle Erinnerungen und Erkenntnisse, die auf ewig verändern, in Worte. Dabei stehen die Erzählungen und Erlebnisse Edwins, die er mit seiner Enkelin seit jeher teilte, im Mittelpunkt. Eine Lebensgeschichte, die voller Entschlossenheit und Beklommenheit zugleich steckt. Hinzu kommen Nadine Ahrs eigene Erinnerungen an die glücklichen Momente, die ihr von ihren Großeltern geschenkt wurden, sowie ehrliche aufwühlende Gedanken über das Leben, die Liebe und das Vergessen.

Allein die schicksalsträchtige Lebensgeschichte bewegt. Doch eine unüberhörbare Botschafterfunktion erhält das Buch durch seine aufrichtige, schonungslos-mutige Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild Demenz
Eine Krankheit, die Ria, Edwin und ihre Angehörigen wie ein kalter Schauer erfasst, das Miteinander zu einer messerscharfen Zerreißprobe macht und mit unumgänglichen Gewissensfragen konfrontiert. 
Damit nimmt diese Erzählung von Nadine Ahr eine wichtige Stellvertreterrolle inmitten unserer Gesellschaft ein. Denn die geschilderte Hilflosigkeit, Verzweiflung und Willenskraft, von der man nach und nach erkennen muss, dass sie wie von Treibsand verschluckt wird, sind Empfindungen, die jedem, der direkt oder indirekt von dieser Diagnose betroffen ist, aus der Seele sprechen.

Zweifellos, die von Höhen und Tiefen geprägte Liebes- und Lebensgeschichte berührt. Doch der Schicksalsschlag, denen sich Ria und Edwin an ihrem Lebensabend stellen müssen, verursachte einen Kloß in meinem Hals, den ich einfach nicht runterschlucken konnte. 
Dass am Ende einer endlich wiedergefundenen Liebe längst kein Happy End à la Hollywood stehen muss, unterstreicht dieses Buch. Unberechenbar spielt das wahre Leben. Was jedoch bleibt, ist das Bild zweier Menschen, die — solange es in ihrer Macht stand — füreinander gekämpft haben.

Eine Geschichte, die persönlicher kaum sein könnte, deren Aussage unermesslichen Symbolcharakter hat, deren Autorin eine Hommage an das Leben zweier außergewöhnlich starker Menschen geschaffen hat. 

FZIT: Mutig. Wegweisend. Zerbrechlich.


Mittwoch, 6. November 2013

[Buchpost] V wie Versprechen. V wie vergessen.

Mit Das Versprechen von Nadine Ahr veröffentlicht Droemer eine bewegende Lebensgeschichte, in der die unwiderruflichen Diagnose Demenz eine einschneidende Rolle spielt. Ein Krankheitsbild, das nicht nur den Betroffenen selbst, sondern gleichermaßen seine gesamtes soziales Umfeld verändert. Fordert. Allen voran die engsten Vertrauten, die einem heute so nah sind und morgen vielleicht schon wie Fremde erscheinen mögen. 

Ein Buch, das durchaus eine Botschafterfunktion innerhalb unserer Gesellschaft erfüllt und daher gelesen werden sollte. Letzteres werde ich mit großer Aufmerksamkeit tun.



Montag, 4. November 2013

[Rezension] Wunder muss man selber machen (Sina Trinkwalder)

Sina Trinkwalder: Wunder muss man selber machen 

Als ich zum ersten Mal von Sina Trinkwalders "manomama" und ihrem Buch "Wunder muss man selber machen" gelesen habe, war mir eines SOFORT klar: Ein MUSS für mich!!! 
Wir leben in Zeiten, in denen der Begriff der Nachhaltigkeit zwar in aller Munde ist, dennoch oftmals nur als Trend gesehen wird, auf dessen fahrenden Zug man aufspringen muss, weil es zum guten Ton gehört. Doch Nachhaltigkeit ist viel mehr als ein Aushängeschild für das grüne Image und das gute Gewissen. Sie ist eine allumfassende Lebenseinstellung, die tiefer wurzelt. Sie ist eine Dringlichkeit, die uns alle betrifft. Sie ist der Motor, für uns, unsere Kinder und Kindeskinder eine (Um-) Welt zu schaffen und zu erhalten, die Perspektiven bietet, Suffizienz wieder salonfähig macht und Raum für das Ursprüngliche lässt. 
Wie oft ich mich in den Zeilen Sina Trinkwalders wiedergefunden habe, vermag ich kaum zu zählen. Möchte ich auch gar nicht. Denn sie sprach mir schlicht und ergreifend aus dem Herzen. Danke!
Ebenso geht ein Dankeschön an den Droemer Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar des Buchs!

[Bild: Doemer Knaur]


~ Rezension ~

Ein gemeinsamer Griff in die Wundertüte der Wirtschaft

Sie hat eine Vision, mit der sie zu einer Mission aufbricht, die verblüfft, inspiriert und vor allem verändert! Sina Trinkwalder war über Jahre hinweg in der Werbebranche tätig. Hat Ideen verwirklicht und verkauft. Doch tief in ihrem Herzen wusste sie, das ist nicht das, womit ihr das gelingen kann, was sie möchte: Etwas bewegen  mit Verstand, Know-how und dem Wunsch, die Welt für die Generationen von heute und morgen ein kleines bisschen besser zu gestalten.
Mit großer Ambition, riesigem Ehrgeiz, der nötigen Risikobereitschaft gelingt es Sina Trinkwalder ein Unternehmen förmlich aus dem Boden zu stampfen, dessen Existenz Spuren hinterlassen sollte. Denn manomama ist längst keine kleine Textilmanufaktur mehr, die beweist, dass Qualität, Fairness und Engagement in allen Bereichen der Nachhaltigkeit im Haifischbecken der Wirtschaft tatsächlich möglich sind. manomama nimmt mittlerweile die Rolle eines waschechten Vorreiters ein. Doch dass dieser Weg alles andere als ein gerader Schnitt war und es zahlreiche Nähte an allen Ecken und Enden zu flicken gab, davon erzählt die Autorin in ihrem Buch.

Wunder muss man selber machen von und mit Sina Trinkwalder ist ein Buch, das zeigt, dass es sich lohnt, den eigenen Werten und Zielen konsequent treu zu bleiben. Eine (Erfolgs-) Geschichte, deren Finesse mit der eines guten Krimis locker mithalten kann und deren Botschaft eine sehr ähnliche ist: "Nicht in eine (Schock-) Starre verfallen, sondern handeln!"

Die Geschichte, die Sina Trinkwalder zu erzählen hat, liest sich mit großer Faszination: In einer Welt, in der Wachstum, Globalisierung und Monopolisierung unser Denken und Handeln prägen, scheint manomama als Textilunternehmen, das auf Nähe zum Menschen und seiner gesunden Umwelt setzt, entweder ein schillernder Paradiesvogel oder aber eine explosive Dynamitstange zu sein. Beides ist gut. Beides ist richtig. Beides ist absolut nötig.

Die Autorin beschreibt auf sehr unterhaltsame, eingängige und durchweg nachvollziehbare Weise die Geschichte ihres Unternehmens, das sich — allen kritischen, stirnrunzelnden und achselzuckenden Stimmen zum Trotz — auf dem deutschen Textilmarkt etabliert hat. Dabei wird der Leser magnetisch hineingezogen in die Erzählungen Sina Trinkwalders. Denn es bewahrheitet sich die Devise "Das Leben schreibt die besten Geschichten." Spannender und emotional aufwühlender, Grenzen überschreitender und Perspektiven setzender könnte kein fiktiv erdachter Roman sein.

Abgesehen von der Tatsache, dass ich mit Feuereifer hinter solchen — wie es im Fachjargon heißt — Best-Practice-Beispielen aus dem realen Leben stehe, begeistert mich (nach wie vor) die energiegeladene, sympathische und bis ans Limit gehende Vehemenz, mit der Sina Trinkwalder ihren Traum einer sozial verantwortbaren, ökologisch vertretbaren und ökonomisch rentablen Unternehmensstruktur verwirklicht.

Die Erlebnisse der vergangenen Jahre schildert die Autorin mit beeindruckend nahbarer Authentizität. Die rosarote Brille wird gegen einen fokussierenden Röntgenblick getauscht. Während der Sinn für (Galgen-) Humor die beschriebenen Extremsituationen in der Gründungs- und Aufbauphase manomamas verfeinert, wird das ernsthafte Anliegen, das für Sina Trinkwalder und ihre Mitarbeiter und Fürsprecher eine Herzensangelegenheit darstellt, stets in den Mittelpunkt gerückt.

Das Buch strahlt eine Lebhaftigkeit aus, die ansteckend ist. Ich als Leser hatte unvermittelt das Gefühl, ja, das Bedürfnis, auch etwas bewegen zu wollen. Kurzum, eine wertvollere Handlungsanleitung, die uns zeigt, dass wir mit einem Mit- und Füreinander weitaus mehr erreichen als mit einem ständigen Gegeneinander, das eher zu einem Durcheinander führt, hätte uns die Autorin nicht an die Hand geben können.

Eine Erzählung, die unterstreicht, dass ein Wertewandel nicht nur nötig, sondern auch möglich ist. Ein Buch, dass zum Nach- und Mitdenken anregt. Ein Erfahrungsbericht, voller Intelligenz, Akzente und Dynamik. Ein Katalysator zwischen zwei Buchdeckeln. 

FZIT: Inspirierend. Motivierend. Wertschätzend.


Mittwoch, 23. Oktober 2013

[Buchpost] Zwei auf einen Streich

Ein Buch, das mich, als ich darauf gestoßen bin, sofort angesprochen hat, ist Wunder muss man selber machen von Sina Trinkwalder. Dabei handelt es sich keinesfalls um einen wohlklingenden Roman, sondern um den ehrlichen Erfahrungsbericht einer Frau, die mit ihren Idealen und viel Energie ein Unternehmen, Manomama, führt, das in Zeiten der Nachhaltigkeitsdebatte eine echte Vorreiterrolle einnimmt. Ein Gesamtpaket, für das mein Herz schlägt und auf das ich sehr gespannt bin.

Neben dem oben genannten trudelte ein zweites Buch aus dem Droemer Knaur Verlag bei mir ein. Und zwar das neuste Werk von Tommy Krappweiss, welches er in Zusammenarbeit mit Heinz J. Bründl geschrieben hat. Ganz im Stile der Autoren ahne ich, dass Vier Fäuste für ein blaues Auge wieder einmal ein Erfahrungsbericht der etwas anderen, sprich der ulkigen und mit dem entsprechenden Schalk versehenen Art wird. Und irgendwie werde ich die Assoziation zu Vier Fäuste für ein Halleluja nicht los ...


Montag, 7. Oktober 2013

[Rezension] Hilfe, ich habe Teenitus! (C. & V. Hagen)


Clemens & Valerie Hagen: Hilfe, ich habe Teenitus! 

Ehrliche Be- und Erkenntnisse eines Vater-Tochter-Duos, das gemeinsam durch Dick und Dünn der Teenagerzeit geht, verspricht dieses Buch. 
Ein munterer, ausgeflippter Ratgeber für eine ausgewogene generationsübergreifende Kommunikation.
Typische Klischees und außergewöhnliche Erlebnisse dürften für Kopfnicken und Augenrollen bei Groß und Klein (respektive jenen, die groß werden wollen) sorgen.


~ Rezension ~

Inmitten des jugendlichen Wahnsinns

Auch wenn er sich längst seelisch und moralisch darauf hatte vorbereiten können, so fühlt sich Clemens Hagen dennoch nicht gewappnet, um seiner Teenagertochter Valerie die Stirn zu bieten.
Mit den Erinnerungen an seine eigene Jugend hat die im Hause Hagen herrschende Situation wohl nichts mehr zu tun, muss Clemens feststellen. Valeries Experimente und Tatendrang lassen ihrem Vater nicht selten die Haare zu Berge stehen, während der übervorsichtige (oder auch über breitere Lebenserfahrung verfügende) Papa beim Töchterchen mächtiges Stirnkräuseln hervorruft. Doch trotz häufig konträrer Meinungen, sind die beiden im Grunde unzertrennlich.

Clemens Hagen stellt eines Tages fest: Hilfe, ich habe Teenitus! Ohne Zweifel fühlt er sich als Vater einer nicht mehr nur niedlichen Tochter überfordert. Doch auch Valerie hadert nicht selten mit den „altmodischen“ Ansichten ihres Vaters.

Ihr Miteinander als ungleiches Duo schildern die beiden auf ehrliche, amüsante und ungezwungene Art und Weise. Ob peinliche Eskapade oder emotionaler Wendepunkt – schonungslos und lebensnah werden 50 Episoden in diesem Buch verpackt.
Sowohl Vater als auch Tochter erzählen die kurzweiligen Anekdoten, wobei die persönliche Note stets eine mit Augenzwinkern zu sehenden Subjektivität vermittelt.

Dieser „Ratgeber“ für alle von der Pubertät heimgesuchten Familien kommt spritzig und reichlich bebildert daher, sodass für dauerhaftes Schmunzeln beim Leser gesorgt wird. Die Realitätsnähe kombiniert mit einer gewissen Kuriosität hat für mich den Funken überspringen lassen.
Einzig die für meinen Geschmack manchmal zu freche Ausdrucksweise Valeries, behagte mir nicht immer. Klar, die Jugend hat ihre eigene Rhetorik, doch der angeschlagene Ton macht noch immer die Musik.

Insgesamt bietet dieser schwungvolle Erfahrungsbericht glänzende Unterhaltung für die gesamte Familie – gemeinsam sieht man das Chaos aus Partymarathon, Schulwahnsinn und Liebeskummer durch ein buntes Kaleidoskop aus Freud und Leid.

F★ZITEhrlich. Herzlich. Lebendig.


Freitag, 5. Juli 2013

[Rezension] Das Vorzelt zur Hölle (Tommy Krappweis)

Tommy Krappweis: Das Vorzelt zur Hölle 

Nachdem ich ein Interview mit Tommy Krappweis gesehen hatte, in dem er von seinem Buch berichtet hat, kam mir die glasklare Erleuchtung: Das würde ich lesen müssen!

Der Humor dieser in buntes Zelttuch gepackten Zeitkapsel – das ist die Assoziation, welche ich mit dem Buch sofort verbinde entspricht genau meinem Geschmack. Nicht weniger tun dies die skurrilen Anekdoten aus Sicht eines Kindes, das nichts lieber täte, als die Sommerferien abseits von Schotterpisten, den so genannten Bergstraßen, und der tosenden Brandung des Meeres im brütend heißen VW-Bus der Familie zu verbringen. Wahrhaft erfrischend!


~ Rezension ~

Urig – ein dehnbarer Begriff

Der kleine Tommy ist begeisterter Stubenhocker. Ihm genügen ein paar Bücher und seine Sammlung Legosteine. Alles könnte so herrlich unbeschwert sein, wenn, ja, wenn er nicht der Spross zweier Eltern wäre, die mit größter aller Leidenschaften die gesamte Familie jedes Jahr in ein neues Campingabenteuer stürzen würden. Besonders Vater Krappweis verblüffte seinen Sohn stets durch einen Tatendrang, der den Junior nicht selten in Schrecken versetzte. Jeglicher Widrigkeit – ob einer drohenden Gasexplosion an Bord des VW-Busses oder einem von Seeigel akupunktierten Fuß – wurde mit breiter und Sonnenbrand versehener Brust getrotzt: Das entsprach sozusagen Tommys Freifahrtschein in das Vorzelt zur Hölle.

Tommy Krappweis, der vielseitig engagierte Erfinder von Bernd das Brot, hat in Zusammenarbeit mit seinem Vater Werner Krappweis ein Stück Literatur geschaffen, das zu einer überaus humorigen Zeitreise in die 1970er Jahre einlädt.

Mit einer gehörigen Portion Witz schildert Tommy Krappweis die einprägsamsten Kuriositäten seiner Kindheit in einer campingverrückten Familie. Die Anekdoten allein sind einer Erwähnung wert und unterhalten, doch in Kombination mit einer humorvollen, (selbst-) ironischen und pointierten Rhetorik entsteht eine Finesse, die zum Kopfschütteln, Augenrollen oder wahlweise Schenkelklopfen animiert.

Dass während jener Expeditionen zu den urigsten Campingplätzen Europas die Welten von Vater und Sohn aufeinander prallten, erzählt der Autor eindrucksvoll bildhaft und spritzig. Dabei wird er stolz von seinem Vater unterstützt, der seine Erinnerungen ebenfalls gewieft zum Besten gibt. Dadurch entsteht ein nostalgisches Potpourri einzigartiger Familiengeschichten gespickt von allerhand Merkwürdigem.

Während des Lesens entstanden vor meinem geistigen Auge die drolligsten Bilder, die das Maschinengewehr der Eloquenz im Seitentakt abschoss. Als besonders angenehm empfand ich die Nähe zum Leserpublikum, mittels welcher Tommy Krappweis auf unkomplizierte, direkte und reflektierende Weise seine (durch manch einen Sonnenstich verklärten) Erinnerungen aus dem Reisetagebuch zutage förderte.

Bei Das Vorzelt zur Hölle handelt es sich um eine ultimativ leichtfüßige Urlaubslektüre, die sowohl Campingfreunde als auch desillusionierte Zeltstangenstolperer anspricht und mit einem unübersehbaren Augenzwinkern die Mission „Familienurlaub“ unter die Lupe nimmt.

F★ZIT: Entschlossen. Humorvoll. Erkenntnisreich.


Samstag, 15. Juni 2013

[Neu im Regal] In ein heiteres Blau getaucht ...

Nachdem das Hörbuch zu Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg einen nachdrücklichen Eindruck bei mir hinterlassen hat, musste ich mir diese Erzählung nun endlich einmal auch im handfesten Hardcoverbuchformat zulegen. Gesagt, getan.

Darüber hinaus ergab es sich, dass mir Sie da oben, er da unten aus der Feder von Cordula Stratmann, einer vielseitigen Kabarettistin, die ich wirklich gern sehe und höre, in die Hände fiel. Gespannt bin ich nun allemal und erhoffe mir dabei ein vergnügliches Leseerlebnis.

Eines steht fest: Amüsant und originell dürfte es in beiden der oben genannten Fälle zugehen.


Montag, 10. Juni 2013

[Rezension] Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt (Ulrike Sterblich)

Ulrike Sterblich: Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt 

Die Jahre des geteilten Deutschlands bieten einfach reichhaltigen Stoff für gute Bücher. Die Variation an Eindrücken und Erinnerungen ist schließlich kaum einzugrenzen - im Gegenteil zum Leben in der früheren DDR bzw. dem in ihr liegenden West-Berlin. Nahezu jede Familie verbindet Emotionen und Geschichten mit der Ost-West-Trennung. Da ergänzt dieses Buch von Ulrike Sterblich dieses Repertoire sehr zutreffend.
Für mich war der Abstecher in die Vergangenheit an der Seite der jugendlichen Ulrike und ihrer Freunde eine (Lese-) Erfahrung der besonderen Art. Eine Erfahrung, deren Quintessenz es ist, dass es - egal, ob Ost oder West - wert ist, den Nostalgiegedanken durchaus aufrecht zu erhalten. Immerhin macht uns diese Vergangenheit ein Stück weit aus!


~ Rezension ~

Eine unterhaltsame Zeitreise ins längst vergangene Berlin

Ulrike Sterblich, Schriftstellerin und Rundfunkmoderatorin, verbrachte ihre Kindheit und Jugend vor der deutschen Wiedervereinigung in West-Berlin. Dort gab es – dem politischen Regime zum Trotz – eine Menge lebendiger, unvergesslich bunter und kurioser Eigenheiten zu erleben, die der Autorin in bester Erinnerung geblieben sind. Und ebendiese bringt Sterblich in diesem Werk auf den Punkt. Schildert sie in erfrischendem Stil unter anderem die illustren Nachmittage mit Freunden, das Abenteuer S-Bahn-Fahren und ihren Plan, als Austauschschülerin in die USA zu gehen.

Die Autorin katapultiert den Leser in eine Zeit der Gegensätze. Dabei vermischen sich wahre Begebenheiten mit flippiger Fantasie und ergeben einen unterhaltsamen Cocktail aus Historie, Charme und Nostalgie.

Der Leser darf sich einer Stadtführung der besonderen Art anschließen. Sind doch die einzelnen Kapitel überschrieben mit markanten Punkten und Sehenswürdigkeiten der Stadt und unterlegt mit einem Auszug aus dem Stadtplan. Des Weiteren begegnen einem Berliner Originale, die dem Esprit der Stadt und der wohl bekannten Berliner Mundart à la jottwede (j.w.d. = janz weit draußen) alle Ehre erweisen. Hinzu kommen die von der Autorin eingefügten interessanten und nicht selten witzigen Informationen und Fakten zur Stadt, ihrer Geschichte und ihren Menschen.

Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt – Eine Kindheit in Berlin (West) kann meines Erachtens nach als Ode an eine Stadt, die so heute nicht mehr existiert, verstanden werden. Mich haben sowohl die von der Ulrike Sterblich kreativ und ausführlich beschriebene Lebensfreude als auch der jugendliche Leichtsinn mancher Situation direkt erreicht. Die überspitzte Darstellung der einen oder anderen Begebenheit machte die Geschichte für mich nur noch spritziger. Allerdings hat es ein wenig gedauert, bis ich mich in den Schwung der Handlung eingefunden hatte, was zumeist der geballten Anhäufung von Straßennamen, S-Bahn-Linien und sehenswerten Haltepunkten geschuldet war.

Wer gern einmal in die eigene Vergangenheit abhauchen möchte oder ein Berlin, welches er in dieser Art nie wahrgenommen hat, kennen lernen möchte, der kann guten Gewissens zu diesem Erfahrungsbericht inklusive Augenzwinkerns greifen. Ohne die Widrigkeiten des geteilten Deutschlands infrage zu stellen, entführt Ulrike Sterblich auf unbeschwerte Weise in das turbulente (Jugend-) Leben West-Berlins.

F★ZITÜbermütig. Gewandt. Historisch.


Sonntag, 5. Mai 2013

[Auslosung] Geschenkte Lesefreude (Klappe, die Zweite!)

Ding-dang-dong ... Achtung, Achtung, eine Eilmeldung! 

Für einen kurzen Moment bitte ich um eure Aufmerksamkeit, denn das literarische Ticket nach Neuseeland in Form von Mein Leben im Kreise der Kiwis wird an dieser Stelle neu verlost. Auf dieses Weise kann einem eifrigen Teilnehmer vielleicht noch etwas nachträglich Lesefreude im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude gemacht werden. 

Nun dann, alle Anwärter, die sich an der Welttag-des-Buches-Verlosung beteiligt hatten, hüpfen erneut in den Lostopf, um unter sich denjenigen auszumachen, der die Möglichkeit hat, mit an Bord zu gehen.

Mittels random.org wurde der glückliche Gewinner ermittelt.
[Dabei entspricht die Nummerierung der Kommentarreihenfolge unter dem Originalblogartikel.]


Jetzt heißt es: Rien ne va plus



Herzlichen Glückwunsch "Charlyne"!

Auf dass hiermit nun ein wenig Faszination und Begeisterung
für das Land am anderen Ende der Erde bei dir einziehen möge!


Du hast nun bis einschließlich zum 08. Mai 2013 Gelegenheit, auf diese Bekanntgabe zu reagieren und mir per E-Mail an mail.at.creativity.first@gmail.com deine Adresse zukommen zu lassen, sodass sich dein Gewinn ganz demnächst auf die Reise begeben kann. 

[Im Falle einer ausstehenden Rückmeldung deinerseits findet eine Neuauslosung statt.]


Dienstag, 23. April 2013

[Aktion] Geschenkte Lesefreude zum Welttag des Buches

Nun ist er da, also lasst ihn uns gebührend begehen, den Welttag des Buches 2013

Ein Grund zum Jubilieren und mit einem guten Buch - ob dicker Wälzer oder federleicht unterhaltende Lektüre - im Arm eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen.

Diesen grandiosen Tag haben sich viele Blogger zum Anlass genommen, um sich an der famosen Aktion Blogger schenken Lesefreude zu beteiligen.

Wie es sich für ein rauschendes Jahrestagsfest gehört, gibt es natürlich auch Geschenke. Von wem? Von uns Bloggern! Denn viele von uns möchten diesen Tag nutzen, um ihre Begeisterung fürs Lesen zu teilen. Denn geteilte Freude ist nach wie vor doppelte Freude! Achtet ab heute für die kommende Woche einfach einmal darauf und ich wette, euch schwirren so einige verlockende Bücher über den Weg, die ihr gewinnen könnt.

Auch ich lass es mir nicht nehmen und möchte herzlich gern ein Exemplar meines Mein Leben im Kreise der Kiwis einem meiner Blogleser bzw. Postkommentatoren zukommen lassen. Zum einen als Beitrag zu dieser gigantisch ins Rollen gekommenen Aktion; zum anderen, weil ich es liebe meine eigene Begeisterung für Neuseeland weiterzugeben.

Seid ihr ebenso reiselustig und/ oder lesebegeistert wie ich, dann fühlt ihr euch jetzt vielleicht angesprochen. Sollte dies der Fall sein, habt ihr bis einschließlich zum 30. April 2013 Zeit, euch mit einem Kommentar unter diesem Post die Chance auf die von mir geschriebenen Zeilen zu sichern. Anschließend wird ausgelost. 

Welche Assoziation habt ihr sofort im Kopf, wenn ihr "Neuseeland" hört? 
Ich bin neugierig.



Habt einen schönen und buchstabengefüllten Welttag des Buches und viel Glück sowie heiteres Stöbern den teilnehmenden Buchliebhabern unter euch!



Zu den Teilnahmebedingungen:

Mitmachen kann jeder mit Wohnsitz in Deutschland. Außerdem müsst ihr entweder mindestens 18 Jahre alt sein oder eine Erlaubnisbestätigung der Eltern schriftlich an mail.at.creativity.first[at]gmail.com senden. 

Eure im Fall des Gewinns angegebene Adresse wird ausschließlich für dieses Gewinnspiel verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, bei Verlust der Sendung übernehme ich keine Haftung und es besteht auch keinerlei Anspruch auf Ersatz des Gewinns. Eine Barauszahlung anstelle des Buches ist ebenso ausgeschlossen.