"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 25. April 2017

[Rezension] Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 werden (Heike Abidi)

Heike Abidi: Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 werden 

Ein Buch, mit dem Heike Abidi so etwas wie eine quirlig-sympathische Handreichung für die Teenager von morgen, also den ganz bald 13-Jährigen, verfasst hat. 

Temperamentvoll, aber auch mit deutlichen Worten der Selbstbestimmtheit geht die Autorin zu Werke und trifft damit den Zahn der Zeit.


~ Rezension ~

Jetzt also mal Butter bei die Fische!

Henriette hat eine große Leidenschaft: das Bloggen. Doch im Gegensatz zu vielen ihrer Altersgenossinnen gibt Henriette weder Beautytipps noch kommentiert sie die Lebensläufe der gerade angesagten Stars und Sternchen. Nein, der Teenager hat eine andere Mission, die einen klaren wissenschaftlichen Fokus hat. Sie nimmt nämlich das Erwachsenwerden genaustens unter die Lupe. Denn das erachtet sie als weitaus sinnvoller als ihre Meinung zum neusten Modetrend abzugeben, dessen Halbwertzeit ohnehin äußerst mager ausfällt.

In Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 werden vereint Autorin Heike Abidi auf bewährt unterhaltsame Art die Genres Jugendbuch und Ratgeber. Humor- und verständnisvoll spricht sie dabei nicht nur jungen Mädchen, sondern auch deren Eltern aus der Seele. 

Die Protagonistin und angehende Wissenschaftsjournalistin Henriette gewährt Einblicke in das Alltagsleben von Mädchen, denen sich die Tür des Teenagerseins gerade öffnet. Dass Henriette hierbei auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, versteht sich doch von selbst, oder? Ob lästiger Zoff mit den Geschwistern, Schmetterlinge im Bauch oder gekonntes Ins-Fettnäpfchen-Treten  Heike Abidi verleiht ihrer Hauptfigur eine Stimme, mit der sie reflektiert und aufschlussreich, aber nicht minder fidel aus dem Nähkästchen plaudert.

Einen absoluten Mehrwert erfährt das Buch meiner Meinung nach von dem raffiniert geschlagenen Bogen zwischen Fiktion und Realität. Denn die von Henriette aufgegriffenen Episoden und getroffenen Aussagen schaffen nicht nur Identifikationspotenzial, sondern sind wertvolle Wegweiser fürs reale Leben. Immer wieder streut die Autorin beispielsweise Links zu Internetseiten ein, die Aufklärung- und Informationsplattformen zu Themen wie Mobbing oder Berufsberatung bieten. 


Beschwingt und herrlich bildhaft spricht Heike Abidi ihr Leserpublikum direkt an und kreiert damit eine generationsübergreifende Nähe. Denn zum einen fühlen sich die Teenies absolut verstanden, zum anderen bleiben auch die Eltern nicht außen vor. Im Gegenteil. Gemeinsam wird der Weg der Selbstfindung der nun gar nicht mehr so Kleinen beschritten.

Henriette wird zu einem Charakter mit authentischen "Best Friend Forever"-Facetten. Die Botschaft des Buchs: "Erwachsen wird niemand von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, der manchmal ein Hürdenlauf ist; der einen aber ebenso über sich hinauswachsen lässt."

FZIT: Aufschlussreich. Heiter. Dokumentarisch.


Dienstag, 11. April 2017

[Rezension] Zerbrechlich (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: Zerbrechlich 

Wie fühlt es sich an, wenn wir glauben, das Richtige zu tun und dafür aber ein Trümmerfeld in Kauf nehmen müssen? Heiligt der Zweck wirklich um jeden Preis die Mittel? Und: Weshalb kann die Medizin einen gebrochenen Knochen heilen, einem gebrochenen Herzen hingegen wird diese Möglichkeit verwährt? All jene schattierten Fragen machen diesen Roman aus. Ein Buch, das mir einmal mehr vor Augen führt, weshalb Jodi Picoults Werke stets unter die Haut gehen.


~ Rezension ~

Wenn das Richtige falsch und das Falsche richtig scheint...

Als Charlotte und Sean O'Keefe ihre kleine Willow nach der Geburt das erste Mal sehen, steht die Welt still. In diesem Augenblick fühlen sie das größte Glück. Und stechendsten Schmerz. Denn ihr sehnlichst gewünschtes Baby wurde mit gebrochenen Knochen geboren. Willow hat Osteogensis imperfecta, die Glasknochenkrankheit. Die kleinste Erschütterung kann sie schwer verletzen. Fortan macht es sich Charlotte zur Lebensaufgabe, ihre Tochter vor allem Unheil dieser Welt zu beschützen. In einem Prozess gegen ihre Gynäkologin —ihre beste Freundin Piper— sieht Charlotte die Möglichkeit, für eine klein wenig Gerechtigkeit. Denn hätte Piper Willows Krankheit eher diagnostiziert, hätte Charlotte eine Wahl gehabt. Doch vor Gericht zu behaupten, ihre Tochter wäre besser nie geboren worden, lässt nicht nur Charlottes Herz brechen...

Jodi Picoults Roman Zerbrechlich kommt einem feinsinnigen Rammbock gleich. Einerseits berührt er zutiefst. Andererseits erschüttert er Grundfeste.

Fulminante Energien, bittere Abgründe und verwurzelte Schicksalshaftigkeit klopfen wie ein Herzschlag zwischen den Zeilen. Was geschieht, wenn eine Mutter und Vater nur das Beste für ihr geliebtes (schwer krankes) Kind wollen? Und vor allem: Was geschieht, wenn dieses "Beste" nicht ein und dieselbe Sache ist? Tränen fließen, Vertrauen wird auf die Probe gestellt und es bricht so viel mehr entzwei als die Knochen eines Mädchens, das einen mit ihrer durchdringenden Intelligenz und Tapferkeit schier beeindruckt.

Einmal mehr hebt Jodi Picoult eine emotional aufwühlende und zugleich kleinteilig recherchierte Kompetenz unter ihre Erzählung. Zum einen gewährt sie einfühlsam und ohne Berührungsangst Einblick die Krankenakte eines von Osteogensis imperfecta Betroffenen. Zum anderen zieht sie den Radius weiter: Was bedeutet diese Krankheit für die gesamte Familie des Erkrankten? Welche Verantwortungen gehen mit der Diagnose einher? Welche Pflichten obliegen dem Gesundheitssystem und der Gesellschaft?

Gänzlich gelungen ist das von Jodi Picoult heraufbeschworene Für und Wider. Sie (ver-)urteilt nicht. Doch sie legt den Finger in die Wunde und öffnet Augen. Während des Lesens konnte ich förmlich spüren, wie mich die Argumentationsketten der verschiedenen Protagonisten grübeln lassen. Ein Gefühl, das Verständnis dafür schafft, dass es im Leben kein einfaches Sein oder Nichtsein gibt. Schon gar nicht, wenn es darum geht, dass Eltern für das Wohl ihrer Kinder kämpfen.

Während die Gerichtsverhandlung im Mittelpunkt des Geschehens steht, gelingt es der Autorin, einen nicht weniger brenzlichen Nebenschauplatz zu kreieren. Denn auch Amelia, Willows Schwester, leidet. Auf ihre eigene, bedrohliche Weise. Amelia fällt die Rolle der Rebellin zu. Im Herzen wünscht sie sich jedoch nichts mehr als das, was ihre Mom für Willow erkämpfen möchte: Unterstützung und Sicherheit. Vor allem auf emotionaler Ebene.

In der Summe entspricht dieser Roman einem Kaleidoskop des Lebens. Manchmal sind wir es, denen wehgetan wird. Manchmal sind wir es, die anderen (unbewusst) wehtun. Manchmal gewinnen wir und verlieren trotzdem. Manchmal verlieren wir —vordergründig; und gewinnen dennoch— hintergründig.

FZIT: Bewegend. Filigran. Gewaltig.


Dienstag, 28. März 2017

[Rezension] Küssen verboten, lieben erlaubt (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Küssen verboten, liebe erlaubt 

Mit ihrem nunmehr fünften in Greenwater Hill spielenden Roman sieht Sarah Saxx eine neue Seite für die Hauptfiguren vor. Denn dieses Mal stehen die Protagonisten sich und ihrem Glück nicht selbst im Weg, sondern werden von äußeren Umständen dazu gezwungen, eine Entscheidung zu treffen. Eine Entwicklung, die den Spannungsbogen und damit den Ausgang der Geschichte maßgeblich lenken könnte...

Liebe Sarah Saxx, ein herzliches Dankeschön dafür, dass du mir abermals eines deiner Werke auf direktem Wege anvertraut hast.

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~ 

Von unerreichbarer Nähe...

Nach Jahren der Abwesenheit kehrt Phoebe Harris in ihr Heimtstädtchen Greenwater Hill zurück. Das kanadische Vancouver und ihren Exfreund hat sie hinter sich gelassen. Nun möchte sie einfach erst einmal ankommen und dann Schritt für Schritt schauen, wohin ihr neuer Weg sie führt. Aber plötzlich überrollt sie das Leben wie ein Bulldozer: Da ist die eher unheimliche Begegnung mit ihrem ersten Schwarm. Dann versetzt sie das Wiedersehen mit Dean Hunter, seines Zeichens pflichtbewusster Officer, in vollkommene Verzückung und die beiden fühlen sich schnell sehr wohl miteinander. Zu wohl? Denn mit einem Schlag werden Phoebe und Dean zur Zielscheibe völlig absurder Angriffe. Rasch kommt es zu einem Ringen zwischen Angst und Anziehungskraft.

Mit Küssen verboten, lieben erlaubt nimmt Sarah Saxx ihre erwartungsvollen Leser einmal mehr an die Hand und macht sie mit zwei Charakteren bekannt, denen Greenwater Hill ihre ganz eigene Liebesgeschichte zugedacht hat. 

Der hübsch gewählte Titel des Romans lässt ahnen, dass dieses Mal nicht das Finden der Liebe infrage gestellt wird. Denn dass ihre Herzen füreinander schlagen, daraus machen die beiden sich in ansteckend erfrischender Flirtlaune befindenden Protagonisten kein Geheimnis. Vielmehr haben sie damit zu kämpfen, dass es da jemanden zu geben scheint, der mit allen Mitteln verhindern will, dass ihr Glück Zukunft hat. 

Sarah Saxx kreiert eine ansprechende Atmosphäre, die romantische Gesten und das Gefühl, stets vor einem unangenehmen Schatten in Deckung gehen zu müssen, ohne Langatmigkeit miteinander vereint. Doch gerade, weil ich die sympathische Art der Autorin, mit der sie liebenswerte Klischees im beschaulichen Greenwater Hill zum Leben erweckt, sehr schätze, hätten manchen Szenen noch ein klein wenig in die emotionale Tiefe gehen können.

Als überaus gelungen dürften es Fans der Buchreihe empfinden, dass neben Phoebe und Dean auch die während der vorhergehenden Romane in den Vordergrund gestellten Figuren eine nicht unwichtige Rolle spielen. Dadurch wird eine besondere Verbundenheit der Charaktere untereinander, aber auch zwischen Autorin, Protagonisten und Lesern unterstrichen, die ein warmes Gefühl von "nach Hause kommen" schürt. 

Die unterhaltenden Stärken dieser Greenwater Hill Lovestory liegen in einer Melange aus quirliger Koketterie, attraktiver Loyalität und missgünstiger Eifersucht im Verborgenen. Bleibt die Frage: Wessen Atem ist länger?

FZIT: Dynamisch. Charmant. Knirschend.


Dienstag, 14. März 2017

[Rezension] New York Diaries — Sarah (Carrie Price)

Carrie Price: New York Diaries — Sarah 

Was kann ich sagen?

Beim Lesen dieses Romans habe ich mich direkt in eine meine Lieblingsserien versetzt gefühlt, in der sich auch alles rund um die Passion für Musik und deren Tücken dreht. Möchte heißen, Carrie Price gelingt es, ihre Charaktere und deren Entwicklungen mit enormer Plastizität zu versehen, sodass es sich anfühlt, als würde sich das geschrieben Wort bei Umblättern der Seiten in ein Daumenkino aus bewegten Bildern verwandeln. 

Also, was kann ich sagen?

Zugabe. Zugabe!


~ Rezension ~

Welcher ist der (Noten-)Schlüssel, der dein Herz öffnet?

Seit sie in New York angekommen ist, verfolgt Sarah Hawks, deren größte Leidenschaft die Musik ist, nur ein Ziel: Sie möchte ihren Traum, sich als Musikjournalistin zu etablieren, leben. Sie ist stets auf der Suche nach dem ganz besonderen Sound, dessen Hitpotenzial in Hingabe und Aufrichtigkeit zu finden ist. Als sie eines Abends durch einen glücklichen Zufall die Stimme von Will Brown hört, spürt Sarah es sofort: Dieser Mann strahlt auf besonderste Weise, wenn er singt. Doch irgendwie scheint er sich dessen selbst nicht so recht bewusst zu sein. Als Sarah wenig später auf den charismatischen Musikproduzenten Charlie trifft, eröffnet sich ihr die Chance, als Musikscout der Welt Talente wie Will zu präsentieren. Allerdings muss Sarah auch realisieren, dass nicht jeder die Musik fühlt wie sie. Ihr Herz bricht —und das nicht nur aufgrund dieser Erkenntnis.

Mit New York Diaries — Sarah steuert Carrie Price ihren ersten Roman zu einer Buchreihe bei, die mittels Lebendigkeit, Launen und Liebenswürdigkeit zu bestechen weiß. Sarahs Geschichte kommt dabei wie ein Lieblingslied daher, dessen Dauerschleife uns nie langweilig wird.

Die Mischung macht's. Das ist im Leben wie in der Musik so. Da sind die leisen Töne und ehrlichen Worte, die unter die Haut gehen; die frechen Crescendos, die uns gute Laune bescheren; die ziependen Disharmonien, die aus der Reihe tanzen und uns aus dem Tritt bringen. Genau ein solch facettenreiches Arrangement bringt Carrie Price zu Papier, indem sie Sarah, Charlie und Will eine Stimme gibt. Was die drei liebevoll gezeichneten Protagonisten vereint, ist die Musik. Was das Trio sprengt, ist die Musik.

Inmitten des großen New Yorks, in dem auf der einen Seite der Avenue Glanz und Erfolg, auf deren anderen zerschmetterte Träume und gerissenen Gitarrensaiten warten, versuchen die drei Hauptcharaktere zu bestehen. Dabei wollen sie Erwartungen gerecht werden, ihrem Herzen folgen, unter Beweis stellen, dass es sich für das große Ganze zu kämpfen lohnt. Dafür werfen sie —allen voran Sarah— alles in die Waagschale, was sie haben: Leidenschaft, Überzeugung, Leichtsinn. Manchmal ist genau dieser Enthusiasmus unser Anker; manchmal wird er zu Treibsand, in dem wir untergehen.

Ohne aufgesetzt zu wirken, gibt die Autorin mit ihrem Buch gleich mehreren glaubwürdigen Liebesgeschichten eine Bühne. Denn neben den zwischenmenschlichen Beziehungen, die jede auf ihre Art berührt, wären da noch die formidabel herausgestellte Liebe zur Musik und natürlich die durch wundervolle Details zum Leben erweckte Verbundenheit zu New York. Die Absorptionskraft von Carrie Prices Erzählstil, dessen unumstrittener Fan ich bin, ist einmal mehr ein großartiger Hauptact.

Wer diesen Roman liest, wird sich fühlen, als hätte er einen Backstage-Pass für die Welt hinter dem Scheinwerferlicht geschenkt bekommen. Hier lichtet sich der Schleier der Nebelmaschine und es werden Saiten angeschlagen, die echt sind.

FZIT: Ausdrucksvoll. Emotional. Charmant.


Dienstag, 14. Februar 2017

[Rezension] BFG. Big Friendly Giant (Roald Dahl)

Roald Dahl: BFG. Big Friendly Giant (Das Buch zum Kinofilm) 

Wer fantasiereiche Geschichten mit Herz und Wortwitz mag, der darf sich mit gutem Gewissen und ganz gleich in welchem Alter diesem Buch widmen.

Am besten sogar in Familie. 

Mit Kuscheldecke und Karamellpopcorn.

Denn einmal mehr hat Roald Dahl eine Welt geschaffen, in der Realität und Fiktion auf spritzig erzählte Weise untrennbar miteinander verschmelzen.


~ Rezension ~

Das Herz am rechten Fleck

Sophiechen fährt ein gewaltiger Schrecken durch Bein und Mark, als sie eines Nachts von einem Riesen gepackt und ins Riesenland getragen wird. Doch schnell lernt sie, dass GuRie, der gute Riese, seinem Namen alle Ehre macht und eines der gutmütigsten Geschöpfe ist, dessen Bekanntschaft sie jemals gemacht hat. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen wunderbare Träume zu schenken. Ganz anders gestaltet es sich hingegen mit den fiesen Riesen, die sonst so ihr Unwesen im Riesenland treiben. Das sind brutale Menschenfresser, denen das Handwerk gelegt werden muss. Schnell schmieden GuRie und Sophiechen einen Plan, der funktionieren könnte, wenn, ja ,wenn sie die Hilfe einer ganz bestimmten Person bekommen...  

Roald Dahls BFG. Big Friendly Giant ist vermutlich eines der Bücher, von denen bereits Generationen an jungen Lesern in den Bann gezogen worden sind. Es  ist eine Geschichte, welche die ganze Familie gemeinsam in ein (Riesen)Land zwischen den Zeilen abtauchen lässt.

Der von Roald Dahl erzählten Geschichte liegt eine gar nicht allzu verstrickte Idee zugrunde. Was absolut Teil des Zaubers ist. Denn damit schafft der Autor bereits den jüngsten Lesern Zugang zu seinem Werk. Das Wundervolle an dieser Geschichte sind zum einen die charmanten Details wie die originellen Wortschöpfungen des GuRie oder die unerschrockene Entschlossenheit Sophiechens. Zum anderen machen die echten zwischenmenschlichen Werte, für welche die beiden liebenswerten Protagonisten (ein)stehen, das Buch zu einem fortwährend modernen Kinderbuch.

Der Einsatz für Gerechtigkeit, Loyalität und Wagemut prägen nicht nur die Freundschaft zwischen dem cleveren Sophiechen und dem herzensguten GuRie, sondern sind Empfindungen, die uns als Menschen ausmachen. Was mir besonders gut gefällt? Das Buch gibt ohne den Zeigefinger zu erheben, dafür mit reichlich filigraner Fantasie versehen— den Lesern Botschaften mit auf dem Weg, die essentiell sind. Es sind mitunter wirklich selbstverständliche Lehren, die aber viel zu leicht in Vergessenheit geraten: Urteile nicht vorschnell! Schau hinter die Fassade! Verlass dich auf die Stärken deiner Freunde!

Ein Kinderbuch, das Klein und Groß nicht nur anspricht, sondern uns allen auch aus dem Herzen spricht. Die inneren Werte des Abenteuers von Sophiechen und GuRie hinterlassen XXL-Spuren, die bleiben.

FZIT: Fantasievoll. Warmherzig. Bedeutsam. 



P.S.: Wer gar nicht genug vom BFG. bekommen kann, dem sei die Buchverfilmung aus dem Jahr 2016 ans Herz gelegt.




Dienstag, 31. Januar 2017

[Rezension] King of Chicago: Verliebt in einen Millionär (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: King of Chicago: Verliebt in einen Millionär 

Einen relativ deutlichen Vorgeschmack auf das, was Sarah Saxx für ihre Leser in diesem Roman bereithält, gibt bereits das Buchcover. Zurückhaltung ist hier fehl am Platz, und zwar in verschiedenster Hinsicht. Da ich nun bekanntlich eher Freund des Subtilen bin, durfte ich gespannt sein...

Danke schön, liebe Sarah Saxx, für das E-Book, mit dem du mich bedacht hast!

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Herzschlag ins Verderben?

Travis King ist jemand, für den Geld die Liebe seines Lebens ist. Von großen Gefühlen hält er nichts, immerhin müsste er sich dann festlegen. Er gehört zu den reichsten Männern Chicagos und weiß um seine Wirkung auf Geschäftspartner, Paparazzi und vor allem auf Frauen. Und genau diesen Ruf kostet er nahezu diabolisch aus. Bis er eines Tages der Immobilienfotografin Ashley Crown begegnet. Ihre geradlinige und wiederum schüchterne Art lässt Travis aufhorchen. Entgegen jeder Gewohnheit und Vernunft wirft er jegliche konsequente Regel über Bord, um hinter Ashleys Schutzwall schauen zu können.

In King of Chicago: Verliebt in einen Millionär hält Sarah Saxx für ihre Leser eine dieser beinahe schon klassischen "junge Frau trifft Millionär"-Turbulenzen bereit, in welchen der Reiz des Unbekannten mit den absehbaren Konsequenzen ringt. 

Die beiden Protagonisten besetzt Sarah Saxx mit überaus stereotypen Rollenbildern, in deren Brust jeweils zwei Herzen schlagen. Eine Ambivalenz, auf welcher der gesamte Spannungsbogen aufgebaut ist. Die skeptische Ashley wird mutiger, was vielleicht auch an der rosaroten Brille liegt, die sie so gern tragen möchte. Der hormongesteuerte Travis zeigt mehr Herz. Doch das macht ihn für mich bedauerlicherweise noch nicht zu einem Gentleman. Was die zwei Charaktere verbindet ist zweifellos ihre körperliche Anziehungskraft zueinander. Diese weiß die Autorin wiederholend ausgiebig in Szene zu setzen. Pillow Talk wird großgeschrieben. 

Während zwischen Ashley und Travis die Funken sprühen, kann ich diesen Schwingungen eher weniger abgewinnen. Das liegt nicht an der Geschichte selbst, sondern vielmehr daran, dass es wirkt, als müssten sich beide zu sehr anstrengen, um in der Welt des jeweils anderen Fuß zu fassen. Ein Kraftaufwand, der sich für mich nicht wie ein selbstverständliches Aufeinanderzugehen anfühlt. Wiederum sind es unbestreitbar gerade diese Ecken und Kanten, von denen das Buch bis zum letzten Kapitel lebt. 

Ein Roman, der zum einen mit seinen Reizen keinesfalls geizt und den Leser in einen Strudel der Leidenschaft entführt; der zum anderen aber auch grundsätzlich nicht allzu weit über die Bettkante hinausgeht.

FZIT: Pikant. Opulent. Impulsiv.


Dienstag, 10. Januar 2017

[Rezension] New York Diaries — Claire (Ally Taylor)

Ally Taylor: New York Diaries  Claire 

Übersprudelnd und umarmend, kokett und überwältigend. Einfach ein bisschen mehr von allem vereint nicht nur die Stadt, die niemals schläft, sondern eben auch die neue von Knaur veröffentlichte Romanreihe von Ally Taylor und Carrie Price. Vielversprechend! Denn wann immer Geschichten der beiden Autorinnen "in Serie gehen", ist eloquente Popcornunterhaltung garniert mit Herzschmerz ziemlich wahrscheinlich. So auch dieses Mal?

P.S.: Dass NEW YORK nun dank der beiden Bühne des großen Geschehens wird, macht das Entzücken für mich persönlich bereits zu so etwas wie einem Selbstläufer. Die Hälfte der (in NY zugegeben teuren) Miete ist also so gut wie drin...


~ Rezension ~

If you can make it here...

Nachdem Claire Gershwin wieder einmal das Herz gebrochen wurde, kehrt sie mit ins Kellergeschoss gerutschtem Stolz zurück nach New York. Dort findet sie Unterschlupf im Kleiderschrank ihrer besten Freundin June — und das mit Anfang dreißig. Was ist nur aus ihren Visionen geworden? Und als hätte Claire nicht schon genug mit den Scherben ihrer Gegenwart zu kämpfen, treten da auch noch Jamie, Claires erste große Liebe, und Danny, ihr bester Freund aus Kindertagen, unerwartet zurück in ihr Leben. Katastrophe oder Segen? Schließlich gab es triftige Gründe, weshalb seit Jahren Funkstille herrschte. Aber wurden die eigentlich jemals tatsächlich offen angesprochen? 

New York Diaries — Claire aus der Feder von Ally Taylor bildet den Auftakt der New York Diaries. Dies ist eine Romanreihe, die in das prächtige Kaleidoskop aus Alltagswahnsinn, Liebe und der Suche nach dem angekommen Ich in eine Weltstadt entführt.

Vertraut gewandt, bildsprachlich ausgeklügelt und emotional ansprechend wirft Ally Taylor ihre Leser/innen unmittelbar ins Geschehen. Bei diesem handelt es sich um das verworrene und gerade unbeschreiblich aufgewühlte Leben Claires. Die Autorin porträtiert eine junge Frau, die zum einen liebenswert chaotisch und witzig, zum anderen von Emotionen überwältigt daherkommt. Sie möchte endlich einen Haken hinter eine ihrer Meinung nach verkorkste Vergangenheit machen und übersieht dabei allerdings das Wesentliche: Dass sie ohne ebenjene Erfahrungen nicht die mutige, loyale Persönlichkeit geworden wäre, die nie aufgehört hat, ein wenig an den Zauber von Disney zu glauben.

Dass sich Claire nun abermals in einem Netz aus verdrängten Gefühlen, ungeahnten Ängsten und unausgesprochenen Worten zu verheddern droht, gehört einfach zu ihrem Schicksal wie die Freiheitsstatue zu New York. Natürlich sind knisternde und bittersüße Klischees und hyperventilierende Überspitzungen da nicht weit. Hallo? Das sind immerhin maßgebliche Klassiker des von der Autorin geprägten Genres! Meiner Meinung nach wird der Bogen aber nie überspannt. Denn das hohe Maß an packender Emotionalität und innerer Zerrissenheit sorgt dafür, dass die Fiktion in einen Mantel lebensnaher Glaubwürdigkeit und Tiefenwirksamkeit gehüllt wird.

Was mich an diesem Roman zudem besonders begeistert, ist die große Liebe zum Detail, mit der New York den Leser förmlich in den Bann zieht. Die Stadt wird nicht nur als Setting lebhaft in Szene gesetzt, sondern wird mit ihrer Ausstrahlung und Sogkraft zu einer weiteren Protagonistin. Ally Taylor gelingt es, uns den New Yorker "way of life" zu kredenzen wie ein köstliches Stück Apple Pie mit Sahne. Chapeau... und Nachschlag, bitte!

Ein Roman, der es seiner gewählten Kulisse gleich macht und Herzen springen, brechen und heilen lässt. Seine Botschaft? Manchmal sehen wir das Zuhause unseres Seelenheils vor lauter Wolkenkratzern nicht. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht da ist.

FZIT: Aufmüpfig. Attraktiv. Aufwühlend.


Dienstag, 13. Dezember 2016

[Rezension] Weihnachten mit den Padderborns (Sandra Pulletz)

Sandra Pulletz: Weihnachten mit den Padderborns

Ui, ui, ui. Ihr ahnt es womöglich: Für mich als waschechter Freund der Weihnachtszeit ein, wie heißt es so schön, gefundenes Fressen. Eine Geschichte, der es gelingt, die Augen nicht vor dem "wahren Gesicht" der Festtage zu verschließen und dabei aber auch keineswegs den Zauber dieser funkelnden und von klingelnden Glöckchen begleiteten Zeit zu nehmen.

Ein Dankeschön an Sandra Pulletz für die freundliche Anfrage, ob ich denn Lust hätte, ihren neusten Streich zu lesen!

Cover: Sandra Pulletz


~ Rezension ~

Chaotische Weihnachtsharmonie

In der Familie Padderborn soll das Weihnachtsfest in diesem Jahr besonders perfekt werden. Dieses hohe Ziel hat sich Nadine gesteckt. Vom Weihnachtsschmuck über das Festessen bis hin zu den Geschenken soll einfach alles stimmen. Allerdings hat die ambitionierte Köchin und Planerin da die Rechnung ohne ihre reizende Familie, allen voran ihre stets mokierende Mutter, gemacht. Die guten Vorzeichen für besinnliche Feiertage geraten daher rasch in arge Bedrängnis. Kein Wunder also, dass ihr mit immer näher rückender Bescherung ganz mulmig wird...

Weihnachten mit den Padderborns von Sandra Pulletz zeichnet das aufgeweckte Porträt einer Familie nach, bei der die Festtage anstelle von Lametta mit reichlich glitzerndem Pannenpotenzial geschmückt zu sein scheinen.

Voller weihnachtlicher Vorfreude, ein wenig schräg und irgendwie doch vollkommen normal kommt Familie Padderborn daher. Der Wunsch, ein paar harmonische und einfach nur gemütliche Feiertage zu verleben, dürfte uns allen nicht fremd sein. Doch meist ist das mit der Besinnlichkeit so eine Sache. Eine Erkenntnis, welche die Autorin auch ihren lebhaften Figuren zugesteht. Damit zaubert sie eine quirlige Weihnachtsgeschichte, die ohne lange Umschweife ein Weihnachten am Abgrund des Familienwahnsinns kreiert. Ein verhunzter Weihnachtsbaum, Geschenkverfehlungen, Notarzteinsatz — und als ob das noch nicht genug wäre, muss plötzlich auch die am Herd alles andere als versierte Bettina den Kochlöffel in die Hand nehmen, weil Nadine ausfällt. Halleluja!


Ihren Figuren verleiht Sandra Pulletz einen sympathisch "normalen" Anstrich. Sie wirken weder gezwungen noch unnahbar. Sie haben vielmehr eine "Wie du und ich"-Ausstrahlung. Und, seien wir ehrlich, wenngleich niemand wirklich gern eine ewig krittelnde Mutter Padderborn an der Festtagstafel zu sitzen haben mag, ist sie ein markanter Charakter, ohne den die Geschichte (und vermutlich auch das Leben) einfach unvollständig wäre.

Übrigens: Als köstliches Schmankerl gewährt die Autorin obendrein am Ende ihrer Novelle noch besondere Einblicke in die Küche der Padderborns. Denn wir Leser werden mittels einer Reihe von Rezeptideen zum Nachkreieren der in der Geschichte kredenzten Leckereien animiert. An die Pfannen, fertig, los!

Locker-flockig wie eine Kokosmakrone. In der Summe eine kleine, aber feine Geschichte, die mit einem verschmitzten Augenzwinkern des Weihnachtsmanns unterstreicht, dass manchmal auch schon das perfekte Weihnachtschaos glücklich macht. Das fröhliche Fest ohne weitere Zwischenfälle verschieben wir einfach aufs nächste Jahr... oder aufs übernächste.

FZIT: Festlich. Heiter. Unverfälscht.


Dienstag, 6. Dezember 2016

[Rezension] Big Magic (Elizabeth Gilbert)

Elizabeth Gilbert: Big Magic — Creative Living Beyond Fear 

Mit ihrem Buch Big Magic hat Elizabeth Gilbert eine flammende Huldigung der Mannigfaltigkeit von Einfallreichtum und Originalität verfasst. 

Dazu gehören, na klar, die überglücklichen Nächte, in denen sie all ihr Herzblut in eine Geschichte gepackt hat, und die leuchtenden Sternstunden nach dem Überraschungserfolg von Eat Pray Love. Aber eine genauso bedeutsame und prägende Rolle spielen hierbei auch die verzweifelte Suche nach dem zündenden Funken und die anfangs bittere, später dankbare Erkenntnis, dass manche mühsam erarbeiteten Manuskripte einfach losgelassen werden müssen. Schmerzhaft? Ja. Das Ende der Welt? Nein.

Cut!

Mit großer Sogwirkung, aber nichtsdestotrotz Freiraum gebend hält Elizabeth Gilbert ihre Leser dazu an, stets mit unbeirrter Neugierde und wachsamen Blick für all das (Un-)Mögliche durchs Leben zu gehen.


~ Rezension ~

Der Zauber der kleinen kreativen Schritte

Elizabeth Gilbert ist eine weltbekannte und von Millionen Menschen geschätzte Bestsellerautorin. Doch auch sie schüttelt ihre Werke nicht aus dem Ärmel, obgleich sie sich seit Jahrzehnten mit größter Hingabe dem Erfinden und Erzählen von Geschichten verschrieben hat. Im Gegenteil. Sie kennt beide Seiten der Medaille nur zu gut: das Für-Genialität-gefeiert-Werden und die beängstigende Leere während des endlosen Wartens auf die Muse — eben die "Big Magic", wie Elizabeth Gilbert diese Initialzündung nennt. 

Elizabeth Gilberts Buch Big Magic — Creative Living Beyond Fear ist eine enthusiastische Hommage an all die (un-)geduldigen, sich (miss-)verstanden fühlenden Künstler dieser Welt. Die Autorin wird dank ihrer teils philosophisch, teils erfrischend unbekümmert geteilten Facetten eigener Lebenserfahrung zu einer Mentorin, die ihr Herz auf der Zunge trägt.

Kreativität ist ein uns (temporär) zuteilwerdendes Geschenk. Wir können sie weder erzwingen, noch garantieren. Wir können schlichtweg dankbar dafür sein, wenn wir mittels unserer eigenen Weltoffenheit, Neugier und Beharrlichkeit einer Idee begegnen, die von uns geformt und geteilt werden möchte. Elizabeth Gilbert unterstreicht konsequent, dass die von ihr beschriebene Big Magic eine Kraft ist, die sich uns aussucht — nicht umgekehrt.

Anhand ihres eigenen Werdegangs, der von jubelnden Hochs und nicht minder verlässlichen Tiefs gezeichnet ist, nimmt die Autorin ihren Lesern Illusionen. Wer nun allerdings glaubt, das mache sie zu einer Spielverderberin, der irrt. Denn obwohl sie vehement die Wunschvorstellung vom leichten, dauerhaft währenden Erfolg als kreativer Kopf demontiert, wird sie zur absoluten Mutmacherin. Weshalb? Weil Elizabeth Gilbert mit ebenso großem Nachdruck den Trugschluss beseitigt, eine kreative Blockade oder ein Scheitern wären das Ende unserer Berufung. Von wegen! Es sind gerade jene gefürchteten Rückschläge, die unserem Schaffen Profil, Wertigkeit und nicht zuletzt Glanz geben. 

Eine Vielzahl von Anekdoten aus dem Leben geistreicher Weggefährten und/oder Leidensgenossen, die unbeirrte Reflexion menschlicher Ecken und Kanten sowie ein Streifzug durch das schier unergründliche Universum der Schöpferkraft ermöglichen dem Leser einen weiteren aufschlussreichen Blick über den Tellerrand des eigenen Flows bzw. des eigenen Haderns hinaus.

Was mich an dieser wunderbaren Lektüre neben der Dichte an inhaltlichen "Weisheiten" besonders in den Bann zieht, ist zweifelsohne die Persönlichkeit Elizabeth Gilberts. Ihre Worte sind scharfsinnig und absolut beflügelnd. Ihr Humor und ihre Selbstironie sind bestechend. Ihre Fähigkeit, Verständnis für Fürsprecher und Querulanten aufzubringen, ist beispielhaft. Die betonte Daseinsberechtigung von gebührendem Erfolg und totaler Pleite, die Dankbarkeit für ihr gegebene Möglichkeiten, die blühende Überzeugung der Sinnhaftigkeit des großen, uns alle überdauernden Ganzen sind schlichtweg ansteckend.

Mit diesem Buch macht Elizabeth Gilbert die vielgestaltige, an sich nicht zu greifende Kreativität doch ein klein wenig (be-)greifbar. Gleichgesinnte werden sich von den gut 270 Seiten umarmt fühlen.

FZIT: Unverblümt. Loyal. Anspornend.


Dienstag, 22. November 2016

[Rezension] {♫♫} Immer noch Mensch (Tim Bendzko)

Tim Bendzko: Immer noch Mensch 

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich seltenst der Veröffentlichung eines Musikalbums derartig entgegengefiebert habe wie der von Immer noch Mensch. Nachdem Tim Bendzkos ersten beiden Alben, Wenn Worte meine Sprache wären und Am seidenen Faden, mit Leichtigkeit die meistgehörtesten meiner Sammlung sind, konnte ich diesen musikalischen Nachschub in Form der signierten Special Edition (die, nebenbei gesagt, doch wahrlich hübsch daherkommt) daher kaum bis gar nicht erwarten...

Was kann ich sagen? Nun, ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Album auf Anhieb vielleicht sogar noch ein bisschen mehr in den Bann würde ziehen können als seine Vorgänger. (So ziemlich ein Ding der Unmöglichkeit!) Das über eineinhalb Jahre lange Warten nach dem vorerst letzten Konzertbesuch hat sich definitiv gelohnt. 

Ich weiß gar nicht so recht, was mich am meisten beeindruckt? Aber für mich als ultimativer Fan von Sprache und Wortmalereien und ambitionierter Gedankenjongleur ganz vorn mit von der Partie ist zweifellos die für meinen Geschmack geniale Kombination der aussagekräftigen Texte mit Melodien, die unter die Haut gehen. 

P.S.: Nicht oft hatte ich bereits im Vorfeld einer Tour einer derartig klare Überzeugung davon, wie wunderbar die Interpretationen auf der Bühne wirken werden...


~ Rezension ~

Ein Resonanzkörper menschlicher Empfindungen

Es gibt Musik, die sich gern hören lässt. Und es gibt Musik, die wir fühlen — durch und durch und bei jedem Hören aufs Neue und ein wenig mehr. Zu zweiter Gruppe gehört Immer noch Mensch. Ein Album, das eine Auswahl an Liedern vereint, die Tim Bendzko als Singer/Songwriter und Produzent selbst als Pralinen bezeichnet und den Hörern dementsprechend kredenzt. Beinahe scheint es, als bringe Beste Version, so der erste Titel auf dem Album, das mögliche Resümee zum Gesamtwerk bereits ausdrucksstark auf den Punkt. 

Tim Bendzkos drittes Album Immer noch Mensch steckt voller unaufdringlicher Aufrichtigkeit und emotionalem Mehrwert. Es schlägt Saiten an, von denen sich du und ich angesprochen, verstanden und beflügelt fühlen.

Eine Stärke Tim Bendzkos ist es seit jeher, seinen Stücken eine vom ersten Ton an verständliche, aber dennoch tiefenwirksame Bedeutung zu geben. Dieses Vermögen verfeinert er auf Immer noch Mensch. Präzise Eloquenz, die hohe Intensität an gefühlsbetonten Werten und lebensechte Dynamik charakterisieren das Album. Teils gerade heraus, zeitweise clever zwischen den Zeilen verpackt spiegeln die Texte ein einnehmendes Kaleidoskop nur allzu menschlicher Befindlichkeiten, Einsichten und Möglichkeiten wider.

Die einen mögen die deutliche Nachdenklichkeit des Albums vielleicht als durchaus schwermütig einstufen. Ich hingegen empfinde die aufgefächerte Analytik und Beobachtungsgabe vielmehr als absolut auf den Kopf getroffenen Nagel. 

Ob angegraute Melancholie oder wabernder Weltschmerz, ob offensive Zuversicht oder beharrliche Leichtfüßigkeit — jedes einzelne Lied gleicht gewissermaßen einer Offenbarung, deren Identifikationspotenzial (mich) sehr berührt. Die Harmonie zwischen den mit großem Wahrheitsgehalt ausstaffierten Textzeilen und deren musikalischer Untermalung ist mehr als nur gelungen. Eine Liebe zum Detail, die beim Hören spürbar wird. Ganz ehrlich: Für mich persönlich gibt es nur sehr, sehr wenige Künstler, die es schaffen, mich in diesem großartigen Umfang mit ihrer Musik zu begeistern.

Leise, authentische Töne, die laut nachhallen, einfühlsame Reflexion und munterer Enthusiasmus für ein Leben mit all seinen Etappen machen die Mischung aus, mit der Tim Bendzko "Lebensweisheiten" teilt, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil. Mit Zeilen wie Kann man das noch reparieren?, Was du jetzt bräuchtest, ist'n bisschen Phantasie und der Schleier fällt und Ich sing' nicht für den Applaus, gehört zu werden, reicht mir aus spricht der Berliner vermutlich tausenden Menschen aus der Seele. Denn bei all dem Tohuwabohu, das uns täglich umgibt, ist und bleibt es essentiell (wenngleich nicht immer einfach) sich selbst treu zu bleiben.

Immer noch Mensch ist viel mehr als eine gekonnt arrangierte Zusammenstellung von 11 Liedern mit Charakter, die in einem Keller auf dem Land eingespielt worden sind. Es ist Sprachrohr, Katalysator und Spiegelbild in einem und vom Feinsten!

FZIT: Glaubwürdig. Menschlich. Zeitlos.


Dienstag, 15. November 2016

[Rezension] Außergewöhnlich verliebt (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Außergewöhnlich verliebt 

Im Oktober 2016 veröffentlichte die österreichische Autorin Sarah Saxx einen weiteren Teil ihrer stetig wachsenden Reihe der Greenwater Hill Love Storys

Sollte hier der Titel, Außergewöhnlich verliebt, bereits ein Fingerzeig dafür sein, dass dieser Roman in anderen Bahnen verlaufen würde als vermutet? Würde das Überraschungsmoment auf die Überholspur ausscheren und uns Leser staunend zurücklassen?

Danke vielmals, liebe Sarah, für das Zusenden eines Rezensionsexemplars in Form eines E-Books.

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Harte Schale, weicher Kern?

Dass sich die toughe Automechanikerin Sam und der gutherzige Tierarzt Ted ausgerechnet aufgrund einer Autopanne das erste Mal über den Weg laufen, ist wohl eine Fügung des Schicksals. Denn so verschieden beide sein mögen, irgendwie sind sie sofort auf einer sehr besonderen Wellenlänge. Wenn es allerdings nach Sam geht, soll dies auch das letzte Aufeinandertreffen mit Ted gewesen sein. Denn mit einem Mal fürchtet sie, dass ihr größtes Geheimnis ans Licht kommen könnte und genau das sie ihre hart erkämpfte Freiheit kosten würde. Sie muss die Notbremse ziehen, bevor sich das Blatt wendet!

In ihrer neusten Greenwater Hill Love Story, Außergewöhnlich verliebt, nimmt Sarah Saxx sich der Herzensangelegenheit zweier Charaktere an, die Feuer und Wasser gleichen. Ist es ihnen daher unmöglich, zu einer Einheit zu werden?

Was bereits nach den ersten Seiten dieses Romans deutlich wird, ist, dass die zwei Protagonisten zum einen zwar sehr wohl eine Schnittmenge haben, dass das potenzielle "Mehr" allerdings erst einmal gegen eine emotionale Rauheit anzukommen hat. Dies ist vor allem der bissigen Art Sams zuzuschreiben. Diese Ecken und Kanten bilden das Pendant zu Teds Freundlichkeit und machen für uns Leser den Reiz aus, die sich entwickelnden Bande zwischen den beiden zu verfolgen.

Die von der Autorin kreierten Gegensätzlichkeiten — Sehnsucht nach Geborgenheit versus antrainierter Fluchtreflex, Vertrauen kontra Misstrauen, Herz versus Vernunft — bestimmen die Handlung auf sehr prägnante Weise. Die inneren Konflikte, hemmenden Unsicherheiten und prickelnden Zuneigungen, denen Sam und Ted ausgesetzt sind, wirken glaubwürdig und sind von Sarah Saxx zudem in angenehmer Dosis mit dem einen oder anderen Klischee bedacht worden. Sie hat eben den Dreh (mit dem Schraubenschlüssel) raus! Das Repertoire reicht hierbei von eher grob geschnitzter Wortführung über raffiniert fokussiertes Freiheitsgefühl bis hin zu elektrisierender Anziehungskraft.

Für mich hat dieses Buch etwas von Zartbitterschokolade: herbe Note und dennoch ein feiner, obgleich leicht verzögerter Schmelz.

Alles hat seine Zeit und geschieht aus einem bestimmten Grund. Doch ist das Hier und Jetzt tatsächlich die Zeit für Sam und Ted? Sarah Saxx bietet ihren Lesern eine Liebesgeschichte mit einem etwas scharfkantigeren Profil, das vielleicht oder vielleicht auch nicht geschliffen werden kann.

FZIT: Resolut. Rasant. Rau.


Dienstag, 8. November 2016

[Rezension] Highschool Halloween (Sandra Pulletz)

Sandra Pulletz: Highschool Halloween 

Da Jugendliteratur eines meiner (gegenwärtig) bevorzugt gelesenen Genres ist, habe ich mich über die E-Mail von Autorin Sandra Pulletz und die damit verbundene Anfrage, ob ich vielleicht ihre neuste Kurzgeschichte lesen mag, gefreut und natürlich kurzerhand zugesagt. Mein Eindruck zu dem 35 Seiten umfassenden Werk? Nun, lest am besten selbst...

An dieser Stelle selbstverständlich noch einmal ein kürbisorange schimmerndes Dankeschön an die Autorin für die Übermittlung des E-Books!

Cover: Sandra Pulletz


~ Rezension ~

Eine schaurig-schöne Episode

Die lang herbeigesehnte Halloweennacht versetzt die Teenager an Avas Highschool in eine ganz besondere Aufregung. Denn nicht jeder darf zur exklusiven Halloweenparty in gruseliger Abgeschiedenheit kommen. Auch Ava selbst wünscht sich nichts sehnlicher, als die Einladung zur Nacht der Nächte endlich in Händen zu halten. Das allerdings aus einem vollkommen anderen Grund als all ihre Mitschüler...

Mit Highschool Halloween veröffentlicht Sandra Pulletz ihre erste Kurzgeschichte, die losgelöst von jeder Anthologie besteht und deren Worte rund um Halloween kreisen wie die Fledermäuse um die Turmspitzen auf dem Cover des Buchs. 

Aufgrund des von der Autorin gewählten Genres ist eine präzise Komprimierung von Charakter- und Kulissenbeschreibung, Handlung und Wortmalerei stilistische Grundlage des Geschehens. Jene Voraussetzung weiß Sandra Pulletz in ihrer Kurzgeschichte für sich zu kostümieren. Ohne tiefschürfende Umschweife, dafür mit den unverkennbaren Halloweenklischees und einem Hauch Magie hübsch verziert ist die Geschichte rund um Ava und ihre geheimnisvolle Mission ausstaffiert.

Die jugendlichen Figuren erfüllen ihre Rollen und fallen bisweilen fantasievoll aus selbigen. Das Setting lädt dazu ein, bei einem Blutorangenpunsch zu verweilen. Den aufgebauten Spannungsbogen und dessen Enthüllung könnte ich mir nur zu gut als Auftakt einer unterhaltsamen Jugendbuchreihe vorstellen.

Summa summarum eine Kurzgeschichte, die wohl für Halloweenfans wie gemacht ist und durchaus "Blut nach mehr lecken lässt".

FZIT: Findig. Atmosphärisch. Spritzig.