"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Mittwoch, 30. Oktober 2013

[Rezension] Für immer mein (Ellen Dunne)

Ellen Dunne: Für immer mein 

Dass ich auch den zweiten Roman aus der Feder von Ellen Dunne lesen würde, stand außer Frage. Doch als ich erfuhr, worum es darin gehen würde — nämlich um einen Autor auf der Suche nach sich selbst —, war ich umso angetaner. Denn Geschichten, welche das Sein eines Autors tangieren, in welcher Art und Weise auch immer, kann ich nur schwer widerstehen. Hm, warum nur?
Noch eine Schippe wurde dieser Vorfreude aufgesetzt, als Ellen Dunne persönlich anbot, mir eines ihrer unlängst erschienenen E-Books zukommen zu lassen. Was sagt man dazu? Danke schön!!!

Bild: Eire Verlag


~ Rezension ~

Wenn die Antwort auf eine brennende Frage Öl ins Feuer gibt.

Er ist Autor geworden. Doch er schreibt weder Kriminalromane noch Fantasy. Es schreibt Biographien. Weshalb er, Tarek Waldmann, sich entschieden hat, gerade diesen schriftstellerischen Weg zu gehen? Weil er selbst als Adoptivkind seine Wurzeln nicht kennt und daher glaubt, keine eigene Geschichte zu haben. Deshalb erzählt er die der anderen. Doch als er einwilligt, die Lebensgeschichte der in Wien lebenden Helga in Worte zu fassen, ahnt er nicht, wie sehr er damit plötzlich doch der eigenen Vergangenheit, die bisher in diffusen Schatten gehüllt war, nahe kommen würde. Allerdings ist diese Mischung aus Vertrautheit und Unbehagen, die er Helga gegenüber empfindet, nicht sein einziges Problem. Denn auch die Begegnung mit seiner ersten Liebe und das Klammern seiner jetzigen Partnerin drängen Tarek dazu, Entscheidungen zu treffen, denen er sich nicht gewachsen fühlt. Mit einem Mal bringt ihn die Zentrifugalkraft des Lebens heftig ins Schlingern.

Für ihr zweites Werk, Für immer mein, ließ es sich Ellen Dunne nicht nehmen, die Emotionalität eines Menschen aufs Feinste zu sezieren. Sie schreckte nicht davor zurück, eine historische Ära als Leinwand zu nutzen, die ein polarisierendes Gesellschaftsbild prägte. Sie beweist (erneut), dass ihr Herz für die Komplexität schlägt.

Mit Tarek Waldmann erweckte Ellen Dunne eine Hauptfigur zum Leben, auf die wohl die Bezeichnung "harte Schale, weicher Kern" sehr idealtypisch zutrifft. Denn während er sich nach außen als abgeklärt, geläutert und geradlinig entschlossen gibt, brodelt es in ihm und Ungewissheit und Ruhelosigkeit bestimmen seine Berufung. Als Adoptivkind, das aus der ehemaligen DDR stammt, blieb ihm seit jeher seine Herkunft ungeklärt. Eine Tatsache, die ihre Spuren hinterlässt — möge er noch so behütet aufgewachsen sein.

An dieser Stelle spielt die Autorin ihren ersten Trumpf aus: die intensive Auseinandersetzung mit einem Schicksal, das eine Stellvertreterrolle einnimmt, und die tiefgründige Reflexion dessen. Dementsprechend modellierte sie auch das übrige Figurenensemble mit großer Detailschärfe, wodurch dem Leser ein breit gefächertes Spektrum an Sichtweisen und Emotionen aufgezeigt wird.
Um dies zu unterstreichen, wird die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive Tareks, wobei hier ein außenstehender Erzähler ins Bild tritt, und aus dem Blickwinkel Helgas, die als Ich-Erzählerin agiert, wiedergegeben.

Was mich sogar noch mehr als jener erste Schachzug Ellen Dunnes beeindruckt hat, ist ihr zweiter Streich. Dieser besteht in einer umwerfend guten Rhetorik, deren Spitze eine Bildmalerei im 3D-Format darstellt. Ob eine Kälte, die sich wie Scherben in die Fußsohlen bohrt, oder eine Zunge, deren Schärfe der eines Floretts gleichkommt — ich wurde schlicht und ergreifend mitgerissen.

Hinsichtlich der Handlung kann festgehalten werden, dass der Spannungsbogen, der in einem mehr oder minder offenen Ende mündet, mit zunehmender Länge stets überzeugender wurde. Denn bei diesem Roman handelt es sich nicht nur um eine tragische Familiengeschichte, deren Klärung auf Messers Schneide steht, sondern ebenfalls um einen Krimi, der auf leisen, aber umso akribischer geplanten Sohlen daherschleicht. Clever.

In der Summe ein Buch, der von den Bürden des Lebens und den unterschiedlichen Weisen, sich diesen zu stellen, erzählt. Innere Zerrissenheit, Grenzüberschreitung — in mehrfacher Hinsicht — und Endgültigkeit charakterisieren diesen Roman ebenso wie die Bereitschaft zu Neuanfängen. Wer an der Seite markanter Figuren eine Runde auf der Gefühlsachterbahn, deren Ausgang mitunter tödlich sein kann, drehen möchte, dem sei jenes Buch mehr als empfohlen.

FZIT: Explosiv. Ergreifend. Eloquent.


Montag, 28. Oktober 2013

[Live-Erlebnis] Brodelnd (heiß) wie ein Vulkan

Handgemachte Musik, die nach "mehr" klingt, ist etwas Grandioses! Und eben so etwas Grandioses schafft Tom Beck mit seinen Liedern, in denen das Herzblut förmlich pulsiert.

Dass ich nun in einem ausgelassenen Publikum Teil seiner Beck to the Roots Tour sein konnte, mit der er, seine Band, die Horny Honks, und vielversprechende Vorbands im Oktober und November 2013 durch Deutschland touren, war ein riesiges Erlebnis!

Ich mag Tom Becks Musik schon eine ziemliche Weile. Doch den Ausschlag für den Konzertbesuch gab letzten Endes sein Live-Album Americanized Tour 2013, das vor ein paar Wochen erschienen ist. 

Ein Fingerzeig, der mir die heißeste Nacht des Jahres bescheren sollte. Denn in der Berliner Location kochte es am vergangenen Wochenende. Gefühlte 300°C im Saal (das ist kein bisschen übertrieben!) UND eine ausgezeichnete Show auf der Bühne sollten, wie es Tom Beck lautstark und folgerichtig nach den ersten drei Stücken anmerkte, den Schweiß von der Decke tropfen lassen.

Für die entsprechende Einstimmung in den Abend sorgten Lisa-Marie Fischer begleitet von sanften Country-Folk-Klängen und Lauter Leben mit ausgeflippten Berliner Charme. Und dann begann die Show, die ebenso als Sauna Deluxe hätte in die Geschichte eingehen können.

Mit einer unglaublichen Vielfalt aus waschechtem Nashville-Flair, Twistnummern, Elvis-Akustik, Jazznuancen, zwirbelnden Klängen der E-Gitarren und unter die Haut gehenden Balladen glänzte Tom Beck samt Band an diesem Abend. 

Ein Vulkan brach auf der Bühne aus!!!

Die Mannigfaltigkeit der immens wandlungsfähigen Stimme des Sängers und die damit einhergehenden Interpretationsvariationen der Stücke wurden durch eine breite Klaviatur an instrumentalen Begleitern bestens untermalt. Bewiesen durch einen fliegenden Wechsel an bedienten Instrumenten. 

Das Sahnehäubchen auf dem dahinschmelzenden Eis war dann noch die unglaublich sympathische Persönlichkeit des Sängers selbst. Im Minutentakt lieferte er vor, während und nach den Liedern humorvolle Anekdoten und ein famoses Mienenspiel, ließ sich — auch dank der "chaotischen Kindsköpfe" seiner Band — zu den ulkigsten Improvisationen hinreißen und schüttelte das Miteinander mit dem Publikum aus dem Ärmel — pardon, aus der Hüfte. Schlichtweg genial! 

Bleibt festzuhalten, dass ein Auftritt von Tom Beck ein erinnerungsträchtiges Erlebnis ist. 
Ein Künstler, dessen Herz für lebensechte Musik schlägt. Ein Gefühl, dessen Funken im Handumdrehen auf das Publikum überspringen und einen Flächenbrand entfachenen, der nicht gelöscht werden will. 
Ein Abend, der als bester Beweis dafür gelten kann, wie viel Spektakuläres auch auf einer kleinen Bühne geschaffen werden kann.

Kurzum: Eine Empfehlung allererster Güte für jeden, der sich sagt: "I'm going with the flow and I'm doing what I want, I'll work hard tomorrow", denn "life's too short to pretend to be someone else when you look in the mirror". ... Ein unvergesslicher Abend! "Love[d] [it] with my eyes closed!"


Sonntag, 27. Oktober 2013

Samstag, 26. Oktober 2013

[Gewinnauslosung] "Zeit für Eisblumen" von Katrin Koppold

Nachdem es einen riesigen Spaß gemacht hat, der Autorin Katrin Koppold so manch interessante Antwort zu ihrer kreativen Sicht der Dinge zu entlocken und ihr die fantastische Möglichkeit hattet, ein signiertes Exemplar ihres neusten Romans Zeit für Eisblumen samt persönlicher Postkarte zu gewinnen, darf ich nun die glückliche Gewinnerin bekanntgeben.

Ein herzlicher Glückwunsch UND der wunderbare Preis gehen an ...


... Hannah!


Viel Freude mit und an dem Buch wünsche ich dir!


[Bild: www.katrinkoppold.de]


Bitte melde dich bis spätestens einschließlich dem 30.10.2013 per E-Mail an mail.at.creativity.first@gmail.com und lass mir deine Adresse zukommen, sodass sich der Gewinn schon sehr bald auf den Weg zu dir machen kann. Sollte jene Rückmeldefrist überschritten werden, steht eine erneute Auslosung ins Haus.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal Katrin Koppold sowie allen, die ihre Freude an unserem Kreativplausch samt Überraschungsbonbon hatten, vielen Dank sagen! Möglichkeiten und Aktionen wie diese, sind das Sahnehäubchen des Bloggerlebens.


Mittwoch, 23. Oktober 2013

[Buchpost] Zwei auf einen Streich

Ein Buch, das mich, als ich darauf gestoßen bin, sofort angesprochen hat, ist Wunder muss man selber machen von Sina Trinkwalder. Dabei handelt es sich keinesfalls um einen wohlklingenden Roman, sondern um den ehrlichen Erfahrungsbericht einer Frau, die mit ihren Idealen und viel Energie ein Unternehmen, Manomama, führt, das in Zeiten der Nachhaltigkeitsdebatte eine echte Vorreiterrolle einnimmt. Ein Gesamtpaket, für das mein Herz schlägt und auf das ich sehr gespannt bin.

Neben dem oben genannten trudelte ein zweites Buch aus dem Droemer Knaur Verlag bei mir ein. Und zwar das neuste Werk von Tommy Krappweiss, welches er in Zusammenarbeit mit Heinz J. Bründl geschrieben hat. Ganz im Stile der Autoren ahne ich, dass Vier Fäuste für ein blaues Auge wieder einmal ein Erfahrungsbericht der etwas anderen, sprich der ulkigen und mit dem entsprechenden Schalk versehenen Art wird. Und irgendwie werde ich die Assoziation zu Vier Fäuste für ein Halleluja nicht los ...


Montag, 21. Oktober 2013

[Rezension] Das Buch YOLO (Y-Titty)

Y-Titty: Das Buch YOLO

Wer eine Schwäche für Lektüre hat, deren Level an abstrusem Witz und ausgelebten Übertreibungen in hohen Sphären rangiert, für den könnte das neuste Buch der YouTuber Y-Titty etwas sein. 
Ohne Umschweife sprechen sie wohl (einem Teil) der Was-kostet-die-Welt-Generation aus der Seele und sorgen dafür, dass ein wenig Ernsthaftigkeit aus unserem sowieso viel zu oft streng strukturiertem Alltag genommen wird.
Dem Carlsen Verlag möchte ich auf diesem Wege natürlich auch danke schön für das Rezensionsexemplar sagen!

[Bildquelle: Carlsen Verlag]


~ Rezension ~

Mach was draus, aus diesem einen Leben!

„YOLO – You Only Live Once“, das ist die Devise, die Y-Titty den Lesern ihres Buches ans Herz legen. Bevor die Reise des ausgekosteten Lebens so richtig beginnen kann, darf sich der Leser zuerst einmal dem Wie-YOLO-bist-du-Test unterziehen. Ist dieser absolviert, werden Schlag auf Schlag schräge Episoden in alphabetischer Reihenfolge – von A wie Action über P wie Party bis hin zu Y wie YOLO und Z wie Zitate – präsentiert, die ohne Kompromisse zeigen, wie die echte unverfälschte YOLO-Philosophie zu leben ist.

Y-Titty, ihres Zeichens erfolgreiche YouTuber mit der Lizenz zu YOLO-Predigern, haben mit Das Buch YOLO ein Nachschlagewerk der besonderen Art kreiert. Selbstverständlich keineswegs wissenschaftlich, dafür umso mehr vom Leben (der jungen Generationen) und in bekannter Y-Titty-Manier geschrieben.

Offensichtlich und permanent überspitzt lassen es sich die drei Autoren nicht nehmen, typische Klischees der sogenannten Spaßgesellschaft samt Digital Natives auszumalen. Vieles von dem, was uns selbst beim mehr oder weniger genaueren Beobachten unserer Umwelt auffallen dürfte, verpacken Y-Titty in unterhaltende Kapitel. Hierbei macht vor allem der ironische und wenig schüchterne Ton die Musik macht.

Besonders männlichen Lesern dürfte dieses Buch zusagen, da dem Sprachstil durchaus ein gewisser Hau-drauf-Humor zugeschrieben werden kann – subtil ist anders. Und aus diesem Grund empfinde ich die Altersempfehlung von "ab 11 Jahren" in gewisser Hinsicht auch als leicht überdenkenswert.
Am meisten hat mir die eingeflochtene Ironie zugesagt, welche den überspannten Bogen der geschilderten Ausführungen wie ein neonfarbener Marker unterstreicht.

Das Design des Buches entspricht dementsprechend ebenso weniger dem eines klassischen Nachschlagewerks, dafür umso mehr dem eines chaotisch-ausgeflippten Poesiealbums. Zahlreiche Bilder, Cartoons und mit Hashtags ausgestattete Paragraphen sprechen eine deutlich jugendliche, einfach nachzuvollziehende und eingängige Sprache.

Unter dem Strich ein kurzweiliges Buch, das sich durch Lässigkeit, verrücktem Einfallsreichtum und einem recht speziellen YOLO-istischen Sinn für Humor auszeichnet. Inwieweit an der einen oder anderen Stelle Identifikationspotential gegeben ist, hängt wohl von der Lebensphase, der Experimentierfreude oder dem Blutalkoholspiegel des einzelnen Lesers ab.

F★ZIT: Abgedreht. Experimentell. YOLO.


Sonntag, 20. Oktober 2013

Freitag, 18. Oktober 2013

[Kreativplausch] Wenn Sternschnuppen in Serie gehen

Ich mag Autoren, die über ihre Werke hinaus mitreißen. Ich mag Geschichten, die Charakter haben. Ich mag es, wenn offensiv Wortwitz und rhetorische Bildhaftigkeit an den Tag gelegt werden.

All jene Charakteristika treffen auf sie zu: Sie ist eine Autorin mit Profil. Sie reflektiert und entwickelt sich weiter. Ihre Passion wird zur Mission. Ihre Verbundenheit zum geschriebenen Wort gleicht einem Schauer von Sternschnuppen — sie glüht, sie sorgt für leuchtende Augen, sie bleibt in Erinnerung.

Schon als ich das erste Mal die Website von Katrin Koppold besucht hatte, wusste ich: Das ist eine (Indie-) Autorin, die mit ihrem rundum herzlichen, absolut unverstellten und teilweise sehr situationskomischen Schreibstil überzeugen und begeistern kann. So sollte es sein! 

Mit ihrem Debüt Aussicht auf Sternschnuppen gelang ihr auf Anhieb der Einstieg in die Liga der Lieblingsautorinnen vieler Leser(innen). Denn mittels einer gehörigen Portion Humor und ausdrucksstarken Charakteren katapultierte sie den Auftakt ihrer Sternschnuppen-Reihe mit Leichtigkeit in eine himmelsgleiche Sphäre, von der zahlreiche andere Indie-Autoren nur träumen können.

Nicht minder kraftvoll, obgleich mit einem deutlich ernsteren Fokus kommt Band 2 der Reihe, Zeit für Eisblumen, daher. Das Ensemble der Protagonisten wechselt, bleibt dabei dennoch in der Familie Baum. Der Ton wird melancholischer, nachdenklicher, beklemmender. Die Kulisse wird nordischer. Doch bei all jenen Szenenwechseln bleibt Katrin Koppold, das ist deutlich zu spüren, sich selbst und ihrer Rolle als Botschafterin guter, nachdrücklich in Erinnerung bleibender Lektüre treu.

Ich freue mich riesig, an dieser Stelle den Kreativplausch mit Katrin Koppold mit euch teilen zu dürfen. Lehnt euch zurück und genießt die Aussicht auf ein Frage-Antwort-Spiel, das das Potential hat, Eisblumen zum Schmelzen zu bringen!

(!) Achtung (!): Ein sehr exquisites Schmankerl halten wir nach dem Interview noch für euch parat. Schaut's euch an und seid eingeladen zum Mitmachen!




~ Kreativplausch ~


Dass du, liebe Katrin, ohne Wenn und Aber flugs der Einladung zu einem Kreativplausch mit mir gefolgt bist, freut mich außerordentlich! Denn immerhin erlebst du zurzeit einiges Spannendes, das deine volle Aufmerksamkeit als Autorin verdient und damit auch die Herzen deiner Leser und Fans höher schlagen lässt. In diesem Sinne: Lass uns mit dem kreativen Philosophieren beginnen!

Das Jahr 2013 hat dir als Autorin bisher richtig viel Aufwind samt der gebührenden Anerkennung seitens der Leser und auch der kritischen Stimmen der Branche beschert. Ehre wem Ehre gebührt, definitiv! Gerade als Indie-Autorin ist dieser „offizielle“ Zuspruch ungemein wichtig, wenngleich das Schreiben stets eine Herzensangelegenheit ist und bleibt. Eine Einstellung, die deine Arbeit umso wertvoller macht, wie ich finde. 
Was macht für dich das Spiel mit den Worten, das für viele Menschen heutzutage größtenteils nur noch im Tippen von Kurznachrichten ausgeschmückt mit reichlich Smileys oder dem Notieren von Einkaufslisten besteht, zu dem, was es für dich ist? Und zwar: ein erfüllender Lebensinhalt. 

In meinen Geschichten steckt unheimlich viel von mir selbst. Das heißt nicht, dass ich autobiographisch schreibe oder eine meiner Figuren 1:1 an mich anlehne. Aber Erlebnisse und Erfahrungen fließen ebenso in meine Geschichten ein wie Menschen, denen ich begegnet bin, und Anekdoten, die mich in irgendeiner Form beeindruckt haben. Durch das Schreiben kann ich all diese Dinge konservieren. 
Und meine Tätigkeit als Autorin bringt mich dazu, mit offenen Augen durch den Tag zu gehen, meinen Mitmenschen zuzuhören, neugierig zu sein. Das Schreiben im Speziellen und die Kunst im Allgemeinen macht mein Leben aus diesem Grund viel bunter. 
Außerdem ist es wundervoll, wenn mir Leser mitteilen, dass meine Geschichten etwas in ihnen bewirkt oder dass sie schlicht und einfach schöne Stunden mit meinen Figuren verbracht haben. 


Die deutsche Sprache und ihre Wurzeln werden nicht selten mit dem Begriff „Poesie“ assoziiert. Wie definierst du ebenjene Poesie für dich – egal, ob am Schreibtisch im Speziellen oder im „ganz gewöhnlichen“ Alltag im Allgemeinen?

Poesie ist für mich ganz persönlich, im Alltäglichen das Wunderbare zu entdecken. Und gerade diese Momente versuche ich, auch immer wieder in meinen Büchern einzufangen. 


Apropos Poesie: Die Buchtitel deiner Romane – bisher erschienen sind „Aussicht auf Sternschnuppen“ und „Zeit für Eisblumen“ – kommen ebenfalls sehr klangvoll und gleichermaßen vielsagend wie akzentuiert daher. Wie gestaltet sich der Prozess deiner Titelfindung? Hast ganz persönliche Kriterien, denen ein Titel entsprechen muss? Feilst du lange, bis die Sache rund ist, oder folgst du eher Bauchentscheidungen?

Ich muss gestehen, bei allen Prozessen rund um des Schreibens bin ich eher eine Herumfeilerin. Ich gebe mich selten mit der ersten Version zufrieden. Die Titel meiner vierbändigen Sternschnuppen-Reihe kamen aber alle, bis auf den dritten (den habe ich meiner Mutter zu verdanken), mehr oder weniger zu mir herangeflogen. Dennoch gab es ganz klare Kriterien: 

1. Alle Titel sollen nicht mehr und nicht weniger als drei Wörter beinhalten.

2. Diese Wörter sollen eine positive Assoziation im Leser auslösen.

3. Die Titel haben alle eine metaphorische Bedeutung. 

„Aussicht auf Sternschnuppen“ – Die Sternschnuppen stehen für Wünsche, die wahr werden können, wenn wir nur fest genug daran glauben und bereit sind, etwas dafür zu tun.

„Zeit für Eisblumen“ – Die Eisblumen stehen stellvertretend für das Wunderbare im Leben, das oftmals in Kleinigkeiten liegt, denen wir im Stress und der Hektik viel zu wenig Beachtung schenken (s. Frage 2)

„Sehnsucht nach Zimtsternen“ – Die Zimtsterne stehen für Kindheit und Geborgenheit, einem Zustand, nach dem wir uns als Erwachsene oft sehnen. An dieser Geschichte arbeite ich gerade: Lilly muss in diesem Band lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und zeigen, dass sie mehr ist als das süße Nesthäkchen der Familie.

„Kirschblüten im Winter“  Ein alter Brauch besagt, wenn am Barbaratag kahle Kirschzweige ins Wasser gestellt werden, dann beginnen diese zu treiben und blühen zu Weihnachten. Die Kirschblüten sind hier ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens in einer ansonsten für Mia recht kalten und grauen Zeit.


In „Aussicht auf Sternschnuppen“ formulierst du den Zauber von Sternschnuppen wohlig romantisch aus. Konntest du dich im realen Leben schon einmal selbst von der Wunscherfüllungskraft der strahlenden Himmelskörper überzeugen? Wäre doch nur zu schön.

Nein, Kora. Ist das nicht schrecklich! Ich habe noch niemals eine Sternschnuppe gesehen. Auch nicht in Nächten, in denen es von diesen Dingern angeblich nur so gewimmelt hat. Die Sternschnuppennacht am Gardasee ist eine der wenigen Szenen im Roman, die ich wirklich von vorne bis hinten erfunden habe und mich gängigen Klischees bedienen musste. Aber wenn ich wirklich einmal eine Sternschnuppe sehen würde, wäre ich wohl genauso hektisch und überfordert wie Helga in diesem Moment. Es gibt nicht den einen Herzenswunsch von mir und ich bin niemand, der lange im Voraus etwas plant, ich folge eher meiner Intuition. 


Deine Leidenschaft fürs Schreiben und Veröffentlichen fordert nicht nur dich heraus, sondern bildet sozusagen das tolle Fundament einer Familienkooperation, die ihre Kreise zieht und keine Selbstverständlichkeit ist. Inwieweit denkst du, macht es einen Unterschied, nicht nur moralische Unterstützung seitens der Familie zu erfahren, sondern sie als aktiven Teil der eigenen Projekte zu wissen?

Es ist bestimmt übertrieben zu behaupten, dass meine Familie mir all meine künstlerischen Verschrobenheiten, die ich zum Teil an den Tag lege, vorbehaltlos durchgehen lässt. Vor allem für meine Tochter war es anfangs schwer zu akzeptieren, dass ich zwar zu Hause bin, aber arbeiten muss und nicht immer Zeit habe. Doch seitdem ich ihr erzählt habe, dass ich ihr das dritte Buch meiner Sternschnuppen-Reihe widme (meine Tochter heißt ja auch Lilly), habe ich das Gefühl, dass sie meine Schreiberei zunehmend akzeptiert, ja, sogar stolz darauf ist. Zumindest erzählt sie jedem davon, dass ihre Mama eine Autorin ist.
Mein Mann ist mir wirklich eine ganz große Hilfe. Zwar ist auch er manchmal genervt, wenn ich stundenlang in meinem Arbeitszimmer verschwinde und nicht ansprechbar bin, aber er hilft mir doch, wo immer er kann. Ihm habe ich meine wunderschöne Homepage zu verdanken, er macht meine Buchführung und ihm gebe ich auch meine Bücher stets als erstes zu lesen. Er steht absolut hinter mir. Wobei ich mir nicht sicher wäre, ob er den immensen Zeiteinsatz, den meine Schreiberei verlangt, auch so relativ klaglos akzeptieren würde, wenn meine Bücher vollkommen unerfolgreich wären. Denn sie fordert von der ganzen Familie definitiv einige Opfer.


In deinem Debütroman schlägst du überwiegend einen vor drolligen Klischees und Situationskomik sprühenden Ton, der mit einer Prise Sehnsuchtsmomenten passend abgeschmeckt ist, an. Dein zweites Buch hingegen fokussiert den nachdenklichen, melancholischen Klang zwischen den Zeilen. Wie leicht oder schwer ist dir dieser Umbruch gefallen? Wie kamst du dazu, das Scheinwerferlicht vom aufgeweckt Quirligen zum eher reflektierend Ernsthaften zu lenken?

Wenn ich es erst einmal geschafft habe, eine Beziehung zu meinen Figuren aufzubauen, dann ergibt sich der Ton der Erzählung fast von selbst. Aber dieses Kennenlernen erfordert bei mir viel Zeit und der Prozess, bis ich in eine Geschichte eingetaucht bin, ist immer recht quälend und hat mehr mit Disziplin als mit lustvollem Schreiben zu tun. Deshalb beneide ich auch immer ein bisschen die Autoren, die anscheinend so mühelos mehrere Romane im Jahr herausbringen. Allein meine Handlungs- und Figurenplanung dauert meist mehrere Monate, wobei ich natürlich in dieser Zeit nicht jeden Tag schreibe, sondern meist nur skizziere und herumüberlege. 
Warum ich mich dazu entschlossen habe, in „Zeit für Eisblumen“ den Witz etwas herauszunehmen, liegt sowohl am ernsthafteren Thema, wo mir slapstickhafte Einlagen einfach deplatziert erscheinen würden, als auch an der Hauptfigur. Mir war nämlich von Anfang an klar, dass eine Figur wie Fee, die blond, dünn, gutaussehend ist und zudem auch noch einen vermeintlich glamourösen Job hat, nur die Sympathien meiner Leser erringen kann, wenn sie vom Schicksal gehörig eins auf die Mütze bekommt. Außerdem behandele ich in diesem Roman ja das Thema Depressionen. Als ich meinem damaligen Schreiblehrer erzählte, dass ich dafür Fee als Hauptperson ausgewählt habe, meinte der: „Das passt nicht. So jemand wie Fee würde niemals so etwas bekommen.“ Da ich aber zeigen wollte, dass diese Krankheit vor niemandem Halt macht und dass es den typischen Depressiven nicht gibt, hat er mich mit dieser Aussage nur bestätigt. 


Auch die Hauptkulissen deiner zwei bisher veröffentlichten Bücher unterscheiden sich sehr und gleichen sich auf den ersten Blick nur im Anfangsbuchstaben: Italien und Irland. Welche persönliche Verbindung hegst du zu den beiden Ländern? Hast du darüber hinaus ein Traumland, das du unbedingt noch erleben möchtest? Könntest du dir vorstellen – wie Fee –, für eine Weile im Ausland zu leben? Wenn ja, welches Ziel würde dich aus welchen Gründen reizen?

In Italien war ich unzählige Male mit meinen Eltern und auch die Abschlussfahrt meines Abiturjahrgangs führte mich in die Toskana. Mir war von Anfang an klar, dass ich die Schauplätze des Romans mit eigenen Augen gesehen haben muss. Mein Lieblingsland Italien hatte genau die richtige Entfernung, um diese Recherchereise auf ein paar Tage zu beschränken und mehr ist mit einem Brotberuf und zwei kleinen Kindern einfach nicht drin. Außerdem erschien mir das Klima des Landes, die wunderschöne Landschaft und das Lebensgefühl der Italiener genau richtig, um auch etwas Leichtigkeit in das durchgeplante Leben meiner konservativen Hauptfigur zu bringen. 
In Irland habe ich kurz nach dem Studium für einige Wochen in den Monaten Februar und März gelebt. Ich habe so viele wundervolle Orte in dieser Zeit bereist, dass mir schon damals klar war, dass ich sie irgendwann einmal in einem Roman festhalten will. Und was bietet sich besser für eine Selbstfindungsreise an, als Irland im Winter?
Ich denke, mit eines der schlimmsten Dinge im Leben sind verpasste Chancen, das Thema behandele ich ja auch in "Aussicht auf Sternschnuppen". Es gibt nicht viel, was ich bedauere, aber eine Sache ist definitiv, dass ich nie längere Zeit im Ausland verbracht habe. Das möchte ich auf jeden Fall irgendwann nachholen. Die Vernunft sagt, ich solle es wie Marah Woolf machen und ein Jahr in ein englischsprachiges Land gehen, mein Herz sagt, es wäre schön, mal ein Jahr im Süden gewohnt zu haben, auf den Kanaren, Balearen, Sardinien, der Provence  die Liste meiner Wunschorte ist ellenlang. Aber egal, wer letztendlich siegt und auch wenn ich allein beim Gedanken daran, hier für kurze Zeit alles abzubrechen schlottrige Knie bekomme: Diesen Traum verwirkliche ich irgendwann! 


Sehr sympathisch ist im Übrigen auch dein Wunsch für eine Rollenbesetzung des potentiellen Leinwandhelden Nils Schöneberger in Person von Florian David Fitz. Wie kamst du zu diesem felsenfesten Entschluss, der wohl jegliches Vorsprechen anderer Kandidaten überflüssig macht? Und, noch viel wichtiger, hast du ihn bei eurem Treffen, von dem du vor Kurzem begeistert berichtet hast, schon gleich einmal das Rollenangebot unterbreitet?

Ach ja, das Treffen mit Florian David Fitz. Das war schon ein ganz besonderes Ereignis für mich. Vor allem, weil mein Mann es für mich eingefädelt hatte. Er wusste, dass er mir damit eine ganz besondere Freude machen würde. Er ist wirklich ein ganz liebenswürdiger, bescheidener Mensch, der Florian, und dass er sich beim Schreiben seiner Drehbücher genau wie ich beim Schreiben meiner Romane sehr stark von Bildern leiten lässt, hat ihn mir noch viel sympathischer gemacht. Er war für mich immer die Idealbesetzung, da ich mich bei „Aussicht auf Sternschnuppen“ ein gutes Stück von seinem Film „Vincent will meer“ inspirieren ließ und beim Schreiben auch stets ihn vor Augen hatte. Wobei mein Nils vielleicht doch einen Tick männlich-kantiger ist. 
Ein Rollenangebot habe ich ihm nicht unterbreitet. Das hätte ich bestimmt, zumindest zum Spaß, wenn wir uns beide allein getroffen hätten, aber es war im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung, bei der auch sehr viel Presse anwesend war. Aber sobald mir ein Angebot zur Verfilmung vorliegt, schreibe ich ihm ;). Da ich den Stoff nicht verkaufen würden, ohne auf das Drehbuch Einfluss zu haben (eine Einstellung, die mich wahrscheinlich für potentielle Interessenten sowieso ins Aus katapultiert), könnte ich ihm die Rolle ja auch ein bisschen auf den Leib schreiben. 


Auffällig ist nicht nur dein Schreibstil, der hohen Unterhaltungswert hat, sondern auch deine Nähe zu Lesern, Fans und Bloggern. Was bedeutet dieser unmittelbare Austausch für dich?

Das Schreiben im stillen Kämmerlein ist das eine. Natürlich habe ich auch meinen Spaß daran, wenn mir eine Figur, eine Szene gut gelungen erscheint. Aber letztendlich ist es doch das Feedback der Leser, dass einem das maximale Vergnügen an der eigenen Geschichte beschert. 
Ich freue mich über jedes Feedback nach wie vor unglaublich und ich hoffe, dass sich dieses Gefühl auch niemals abnutzen wird und ich stets Zeit dazu finden werde, auf Kommentare einzugehen, Nachrichten zu beantworten. Gerade sehr erfolgreiche Verlagsautoren nehmen Feedback, jedenfalls das, das von mir kommt, häufig kommentarlos hin. Vielleicht lassen Ihnen Ihre ganzen Verpflichtungen ja wirklich keine Zeit mehr dafür, jedem zu antworten, wenn es bei mir aber einmal so weit kommen würde, hätte das Schreiben für mich einen ganz gewaltigen Reiz verloren. Außerdem finde ich es eine Sache des Anstands, Lob oder konstruktive Kritik nicht einfach stumpfsinnig hinzunehmen, sondern sich dafür zu bedanken und auf Fragen zu antworten. Darüber hinaus schließt man ja durch diesen Kontakt auch viele interessante Bekanntschaften. Ohne meine Leser oder Autorenkollegen würde ich auf Buchmessen weiterhin genauso allein herumwandeln wie noch ein paar Jahre zuvor. 


Auch interessant zu wissen: Gibt es Künstler – ganz gleich, welchen Hintergrund sie haben –, deren Wirken wiederum für dich eine zuverlässige, stets sprudelnde Quelle der Inspiration darstellt? Wenn das der Fall ist, hast du eine Ahnung, wie sich dieses Phänomen erklären ließe?

Eine Autorin, die mich mit ihrem Werk beeinflusst hat, ist mit Sicherheit die irische Schriftstellerin Marian Keyes. Ich kann nicht sagen, dass mich jedes ihrer Bücher gleichermaßen überzeugt hat, aber weit über 50 Prozent davon finde ich einfach nur unglaublich. Ihren bissigen Wortwitz, ihre überraschenden Plots, in denen sie es schafft, jedem noch so ernsten Thema etwas Komisches abzugewinnen, das beeindruckt mich schon sehr. Außerdem ist sie selbst durch die Dunkelheit gegangen, über die sie schreibt, bzw. geht sie in Abschnitten ihres Lebens immer noch durch sie hindurch. Sie leidet nämlich schon seit Jahren an Depressionen. Mit ihren Romanen macht sie Hoffnung, dass das Leben immer irgendwie weitergeht. Manchmal sogar besser als zuvor. Und genau dieses Ziel verfolge ich – zumindest mit meiner Sternschnuppen-Reihe – auch. 
Ansonsten gibt es immer wieder Musiker, deren Musik mich beim Schreiben inspiriert hat. Das waren bei „Aussicht auf Sternschnuppen“ Chris de Burghs „Lady in Red“, bei „Zeit für Eisblumen“ „Here Without You“ von 3DoorsDown und bei meinem aktuellen Buch ist es „Ich laufe“ von Tim Bendzko, ein Künstler, den du, liebe Kora, ja auch sehr bewunderst. 


Um das Ganze jetzt mit einer Gaumenfreude abzurunden, immerhin ist Kreativität etwas für alle Sinne, bleibt (neben vielem anderen) noch Folgendes: Lilly, eine deiner Figuren, beschreibst du im Kurzportrait auf deiner Homepage sehr bildhaft als „süß wie ein Erdbeertörtchen mit Schlagsahne“. 
Das soll das Stichwort sein: Auf welche Nervennahrung – ob süß oder herzhaft – würdest du nie verzichten wollen, weil sie dir die Energie gibt, selbst knifflige Klippen des Autorinseins zu umschiffen? 

Diese Frage passt hervorragend zu Lillys Geschichte, zu „Sehnsucht nach Zimtsternen“. Der vorläufige Klappentext endet nämlich mit dem Satz „Ein Roman über die Magie von Märchen, den langen Abschied von der Kindheit und der trostspendenden Kraft von Süßigkeiten und Gebäck.“ 
Ich zumindest glaube an die Macht von Gummibärchen und Schokolade. Ich denke, das liegt daran, dass ich wie die meisten Menschen – was jetzt bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss ist – mit diesen Leckereien als Kind immer getröstet wurde, wenn ich hingefallen bin oder mir das Leben in einer anderen Hinsicht nicht gewogen war. Ich selbst neige leider auch dazu, die Probleme meiner Kinder mit einem Stück Schokolade zu lindern. 


Liebe Katrin, habe an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für dein sofortiges Interesse an einem Pläuschchen mit mir. Er war rundum ein Vergnügen! Das kann ich meinerseits mit Fug und Recht behaupten.








Post von Katrin Koppold

DU kannst ein signiertes Exemplar von Zeit für Eisblumen gewinnen*

Wenn das kein Grund zum Feiern ist?!


Was ihr für diese fantastische Chance tun müsst?

Nun, nachdem Katrin Koppold uns so bildhaft von der Kraft der Symbolik, die hinter ihren Buchtiteln steckt, berichtet hat, seid ihr an der Reihe.

Beantwortet einfach bis einschließlich zum 25.10.2013 in einem Kommentar unter diesem Blogbeitrag folgende Frage und schon landet ihr im Lostopf und erhaltet mit etwas Glück bald eine Postkarte samt signiertem Buch ganz im Zeichen der Eisblumen von Katrin Koppold persönlich:

Welche Symbolik liegt euch besonders am Herzen? 
Habt ihr vielleicht seit Kindertagen einen Talisman in Form eines speziellen Symbols? Welche Symbolsprache berührt euch ohne viele Worte?

Viel Erfolg jedem Einzelnen von euch!

Und ein herzliches Dankeschön an Katrin Koppold für dieses Sahnehäubchen auf einem ohnehin bereits tollen Kreativplausch!





* Kleingedrucktes:

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Versand des Buches erfolgt durch die Autorin Katrin Koppold. Der Gewinner/die Gewinnerin wird offiziell hier auf dem Blog bekanntgegeben und hat im Anschluss fünf Tage Zeit, sich zu melden. Sollte diese Frist überschritten werden, erfolgt eine Neuauslosung. Eure Adresse, die ich in Erfahrung bringe und anschließend an Katrin Koppold weiterleiten werde, wird zu keinem anderen Zweck verwendet als dem Versand des Gewinns. Ihr müsst mindestens 18 Jahre alt sein, um an der Verlosung teilnehmen zu können, andernfalls benötige ich eine Einverständniserklärung eurer Eltern per E-Mail. Um an dem Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr nicht unbedingt Leser meines Blogs sein, allerdings wünsche ich mir ein aufrichtiges Interesse an dem Buch.


Mittwoch, 16. Oktober 2013

[Rezension] Es klopft bei Wanja in der Nacht (T. Michels & R. Michl)

Tilde Michels & Reinhard Michl: Es klopft bei Wanja in der Nacht 

Kinderbücher stellen einen besonderen Schatz in unseren Bücherregalen dar. Denn sie erlauben uns, auch im Erwachsenenalter hin und wieder die Welt mit Kinderaugen zu sehen. Ein wahrlich schönes Geschenk, denke ich. Eine eben solche Einladung spricht auch das Büchlein der Autorin Tilde Michels aus, das in diesem Oktober im Oetinger Verlag erschienen ist. 
Danke schön an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars im Rahmen des aktuellen Herbstprogramms.

[Bildquelle: Oetinger]


~ Rezension ~

Es ist eine bitterkalte Winternacht. Vor der Tür faucht ein gewaltiger Schneesturm. Wanja kann diese eisige Nacht allerdings nichts anhaben, da er in seinem wohlig warmen Bett schläft. Plötzlich klopft es an seiner Haustür und ein verfrorener Hase bittet um Einlass. Wanja lädt ihn ein, sich bei ihm aufzuwärmen und geht erneut zu Bett. Wenig später klopft es abermals. Nun ist es ein Fuchs, der ins Warme möchte. Dem Hasen wird flau im Magen, doch Wanja traut dem Versprechen des Fuchs', dem Hasen kein Haar zu krümmen und lässt ihn in die warme Stube hinein. Kaum hat Wanja wieder in den Schlaf gefunden, klopft es ein drittes Mal. Dieser Gast sorgt nun wiederum beim Fuchs für ein ängstliches Zittern, aber Wanja ist guten Mutes ...

Es klopft bei Wanja in der Nacht aus der Feder von Tilde Michels und abgerundet durch liebevolle Illustrationen von Reinhard Michl ist ein kleines, aber sehr feines Kinderbuch für Kinder ab 4 Jahren, das seit Generationen entzückt. Denn seine Ersterscheinung erfolgte bereits im Jahr 1985.

Die Geschichte Wanjas, der in einer klirrenden Winternacht überraschenden Besuch von drei Waldbewohnern erhält, die sich für gewöhnlich eher als Räuber und Beute begegnen, wird in eingängigen kurzen Versen erzählt. Auf diesem Wege wird den kleinen Lesern das Genre der Lyrik auf wunderbar possierliche Weise näher gebracht.

Des Weiteren bringt die Geschichte zum Ausdruck, dass Herzenswärme, Gastfreundschaft und Vertrauen jedes Eis brechen können. Da entschließen sich Kontrahenten zur friedlichen Co-Existenz und sobald sich die Zeit genommen wird, in sich zu gehen, blitzt das (schlechte) Gewissen hervor und besänftigt. Meiner Meinung nach ist es Tilde Michels gelungen, den genau treffenden und blitzgescheiten Ton anzuschlagen, um sowohl zu unterhalten, als auch zu lehren.

Hinzu kommen die wunderhübsch filigranen Zeichnungen, mit denen Reinhard Michl die Geschichte zu einem wahren Hingucker macht. Sie verleihen der Worten der Autorin die dazugehörige Wärme und lassen das Feuer, das Wanja anheizt, aufflammen.

Ein niedliches Kinderbuch, dass sich hervorragend als gemütliche Gutenachtgeschichte eignet und die Winterzeit ein klein wenig heller macht.

FZIT: Wohlig. Reimend. Freundschaftlich.


Montag, 14. Oktober 2013

[Rezension] Zeit für Eisblumen (Katrin Koppold)

Katrin Koppold: Zeit für Eisblumen 

Sozusagen seit der ersten Zeile bin ich begeisterte Katrin-Koppold-Leserin und konnte es daher kaum abwarten, nachdem ich bereits Band 1 ihrer Sternschnuppen-Reihe (wie viele andere Leser auch) verschlungen hatte, die Fortsetzung zu lesen.
Als ich dann von der Autorin selbst im Rahmen einer ihrer Facebook-Fan-Actionen eine E-Book-Ausgabe von "Zeit für Eisblumen" erhalten habe, gab es natürlich kaum ein Halten mehr. Schnell wurde aus einem kleinen Hineinlesen ein Nicht-mehr-Loskommen. Als hätte ich es nicht geahnt ... Danke schön Katrin Koppold für diesen erneuten Lesegenuss, der sich dieses Mal in einem bittersüßen Gewand zeigte. 

[Bildquelle: www.katrinkoppold.de]


~ Rezension ~

Wenn plötzlich jeder Atemzug Kraft kostet, anstatt sie dir zu geben ...

Fee Baum hatte all das, was ihr lieb und teuer schien: einen Freund, für den sie beglückwünscht und um den sie beneidet wurde; einen Karriere, die reibungslos lief; eine makellose Erscheinung, die ihr die Blicke ihrer Mitmenschen zuhauf einbrachte. Doch mit dem Tag, an dem Paul, ihr kleiner Sohn, in ihr Leben trat, waren all jene heißgeliebten Annehmlichkeiten Geschichte und Fee wurde gefordert wie noch nie in ihrem Leben. Eine Tatsache, die sie schnell überforderte. Ein Einschnitt, der sie aus der gewohnten Balance brachte und an einen emotionalen Abgrund drängte. Eine Situation, in der eine Unpässlichkeit im Nu zu einem Eklat und der Wunsch nach Konformität zu etwas Unerreichbaren wurde. Fee wurde klar, dass es nur einen Ausweg gab: Sie musste zu einer Reise aufbrechen, die sie viel zu lang vor sich hergeschoben hatte. Eine Reise, bei der sie alles auf eine Karte setzen würde. Eine Reise, die ihr den Zauber Irlands nahe bringen sollte. Doch würde Felicitas zu ihren Wurzeln zurückfinden und endlich wieder — wie es die Bedeutung ihres Namens zum Ausdruck bringt — glücklich sein können?

Nach einem Debüt, dass durch Humor und Schmissigkeit glänzte, überzeugt Katrin Koppold mit Zeit für Eisblumen durch Gedankentiefe und Selbstreflektion. Die Autorin stellt damit Wandlungsfähigkeit und Kontrastreichtum unter Beweis, womit sie abermals entzückt.

Mit Fee Baum rückt Katrin Koppold eine Hauptfigur ins Rampenlicht, die es gewohnt war und die es genoss, sich in eben jenem zu sonnen. Nach der Geburt ihres Sohnes ist von diesem Glanz jedoch wenig übrig und Lethargie, Selbstzweifel und Gefühlschaos übermannen die einst strahlende Frau. Damit gestaltet die Autorin ein Schicksal aus, das in unserer Gesellschaft leider keinen Seltenheitswert hat. 
Katrin Koppold fasst sich ein Herz und macht das Thema Depression zum tragenden Fundament ihres Romans. Mit Einfühlungsvermögen und (schmerzlicher) Ehrlichkeit zeichnet sie den Pfad ihrer Protagonistin, an dessen Wegesrand die kleinen, aber umso wichtigeren Hoffnungsschimmer aufglimmen, vor. Dabei gelingt es ihr, den Leser an die Hand zu nehmen und direkt in die ausgeleuchtete Gefühlsachterbahn Fees, die den steinigen Weg vieler Betroffener symbolisiert, zu katapultieren.

Mir hat dabei besonders gefallen, dass trotz all der Melancholie und lähmenden Beklemmung, welche die Erzählung prägen, auch das Quäntchen Galgenhumor stets zwischen den Seiten hindurchschimmerte. Auf diese Weise gelang der Autorin, die zwei Seiten einer Medaille, die auf den ersten Blick noch so aussichtslos trist und ungewollt ist, aufzuführen. Der Spagat als Seelentröster zwischen Angst zum Eingeständnis und Vertrauen in die eigene Stärke, die sich gerade erst durch das Akzeptieren von Makeln auszeichnet, ist zweifelsohne gelungen.

Darüber hinaus spielt Katrin Koppold auch in diesem Buch ihren Trumpf, mit aufrichtigen Worten auf den (sensiblen, gegebenenfalls gar wunden) Punkt zu kommen, vollkommen aus. Geschickt werden kleine Bilder vor dem geistigen Auge der Leser gemalt, deren Wirkung umso größer ist.

Außerdem lädt dieser Roman erneut dazu ein, auf Reisen zu gehen. Dieses Mal entflammt zwischen den Zeilen ein Feuer für das bildschöne und zugleich raue Irland. Traumhaft und elfengleich kommt es einerseits daher, als kompromissloser Augenöffner gibt es sich andererseits. Ein Kontrast, der den Reiz schlicht und ergreifend ausmacht.

Insgesamt ein Buch, das durch seine deutliche Sprache und seine klaren Bilder zu einem Sprachrohr über das Bücherregal hinaus wird. Eine Geschichte, die uns auffordert, mehr Aufmerksamkeit unseren Mitmenschen gegenüber walten zu lassen. Ein Roman, der appelliert, ein Stück weit das Allgegenwärtige nicht als selbstverständlich, das Selbstverständliche auch als vergänglich und das Vergängliche als wegweisend anzusehen.

FZIT: Expressiv. Zerbrechlich. Entschlossen.