"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Montag, 31. März 2014

[Rezension] Juli. Eine Sommerliebe (Tania Kjeldset)

Tania Kjeldset: Juli. Eine Sommerliebe 

Ein Stückchen nordischen Sommer bringt dieses Jugendbuch in die heimischen Bücherregale. Das Cover darf durchaus als Sinnbild für die gesamte Geschichte gesehen werden und steht als guter visueller Stellvertreter. Denn sowohl Nähe, Zusammenhalt und Loyalität als auch Zerbrechlichkeit, Ungewissheit, Halbwahrheiten spielen eine eindringliche Rolle. Die Autorin beweist, dass auch die leisen Tönen eingängig sein können.
Dem Verlag an dieser Stelle ein Dankeschön für dieses Exemplar aus dem Frühlingsprogramm 2014!

[Bildquelle: Oetinger Verlag]


~ Rezension ~

Ein Sommer, der dich verändert.

Elin verbringt ihre Sommer gern mit ihren Freunden am Meer, allen voran mit ihrer besten Ferienfreundin Sara. Doch in diesem Jahr liegt eine seltsame Anspannung zwischen den Mädchen. Diese liegt nicht zuletzt an einem Geheimnis, welches die beiden Teenager teilen. Ein Geheimnis des letzten Sommers, das noch immer dunkle Schatten wirft. Elin distanziert sich bewusst von Sara und würde die unbeschwerten Tage viel lieber mit dem interessanten Kato, dem fremden Jungen aus dem Bus, verbringen. Allerdings umgibt auch ihn eine Aura, die trotz aller Sympathie eine tiefsitzende Unsicherheit ausmacht. Was hat er zu verbergen?

Tania Kjeldsets Juli. Eine Sommerliebe erzählt die Geschichte einer ersten vorsichtigen Liebe, die zum Scheitern verurteilt scheint, bevor das herzerwärmende Glück sich überhaupt einstellen kann.

Inmitten eines auf den ersten Blick als Ferienidyll zu bezeichnenden skandinavischen Flairs findet sich eine Reihe heranwachsender Protagonisten wieder, die trotz ihrer Jugend bereits Bekanntschaft mit der harten Brandung des Lebens gemacht hat.
Hierbei reicht die Bandbreite von Selbstdarstellung, Rebellion und Neid über Vertrauensbruch und Verrat bis hin zu zerrütteten Familienbanden, deren Last (zu) schwer wiegt.

Die Figuren staffierte Tania Kjeldset dabei mit Charakterzügen aus, die entgegengesetzter kaum sein könnten. Es treffen biestige Garstigkeit und fieses Intrigieren auf Großherzigkeit und Sanftmut. 
Neben der zarten und nicht weniger fragilen Beziehung der beiden Hauptfiguren fokussiert die Handlung mit ähnlicher Bedeutsamkeit Normen und Wertigkeiten des Lebens. In diesem Zusammenhang lenkt die Autorin die Aufmerksamkeit anschaulich und altersgerecht auf Problematiken, denen wir uns als Gesellschaft fernab der Buchseiten zu stellen haben. Hierzu gehören die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Inklusion und Integration sowie Vernachlässigung elterlicher Pflichten.

Besonders hat mir der Ton gefallen, den Tania Kjeldset anschlägt. Das rhetorische Strickmuster der Geschichte ist leicht verständlich, eingängig und kurzweilig zugleich. Insgesamt dominierten die subtilen Untertöne, deren Echo nicht weniger nachhallt. Die Handlung ist ferner geprägt von beanspruchenden Gefühlen und inneren Konflikten. Diese werden allerdings nicht immer bis in tiefere Schichten beleuchtet, sondern angerissen und der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Eine Stilistik, die zum Gesamtpaket passt.

In der der Summe ein Buch für Leser ab 12 Jahren, welches den Spagat zwischen willkommen wohligem Feriengefühl und den Ecken und Kanten des Heranwachsens widerspiegelt. Gleichermaßen auf leisen Sohlen daherkommend wie diffizil.

FZIT: Bedacht. Einladend. Hoffnungsvoll.


Sonntag, 30. März 2014

Freitag, 28. März 2014

[Buchpost] Einladung eines bloggenden (Bald-) Teenies

Mit Tatsächlich 13 veröffentlicht der Pink Verlag in diesem Frühling das zweite Jugendbuch aus der Feder der Heike Abidi

Ganz im Stile der Autorin erwartet ihre jungen Leser einmal mehr ein Buch, welches das Gefühlspendel des Teenagerseins mit der notwendigen Prise Humor beleuchtet. Auf ein eifriges Hin und Her sowie spritzige Anekdoten aus dem (nicht immer einfachen) Leben eines Bald-Teenies bin jetzt ich äußert gespannt. Zu welchen bahnbrechenden Erkenntnissen wird Hauptfigur Henriette bis zu ihrem 13. Geburtstag wohl kommen?



Sonntag, 23. März 2014

Freitag, 21. März 2014

[Buchpost] Ein Hauch von Juli im März

Mit dem begonnenen Frühling hält nun auch Jugendlektüre mit einem wahrlich sonnigen Feriengemüt Einzug bei mir.

Tania Kjeldsets Juli. Eine Sommerliebe verspricht eine schöne und zugleich geheimnisvolle Zeit im skandinavischen Sommer. 
Eine Zeit, die einen bedeutungsvollen Umbruch mit sich bringt. Denn an der Seite der jungen Protagonisten geht's auf Reisen. Sonne, Meeresbrise und Gefühlsachterbahn all inclusive.


Mittwoch, 19. März 2014

[Live-Erlebnis] Großer Heimsieg beim musikalischen Torwandschießen

Wie vielleicht mittlerweile bekannt sein dürfte, bin ich Fan von Worten, die auf ansprechende Weise in die Tiefe gehen — in jeder erdenklichen Hülle verpackt: Buch, Postkarte, Zitat oder eben Musik. Einer meiner persönlichen Favoriten ist in Hinblick auf Letztere der Berliner Sänger und Texter Tim Bendzko. Da gibt's jetzt kein Wenn und Aber. Ist einfach eine unumstößliche Tatsache. Punkt. Ausrufezeichen!

Daher freute es mich ungemein, dass Tim Bendzko auf seiner aktuellen Ich steh nicht mehr still Tour nicht nur im vergangenen Sommer in der Waldbühne Berlin spielte, sondern nun abermals in der Hauptstadt zum Konzert einlud. Klare Sache: ein Muss (für mich).

Nichts wie los also: Ich will das jetzt hier alles ...

Für die sympathische und gleichsam stimm- bzw. wortgewaltige Eröffnung des Abends sorgten Sänger/Songwriter Tom Klose in Begleitung von Celloklängen sowie Poetry-Slammerin Julia Engelmann mit ihrer den Nagel auf den Kopf treffenden Dichtung. 

Anschließend betrat die Band Tim Bendzkos auf leisen Sohlen die Bühne und nahm vor ausverkauftem Haus Position ein. Vor gelb erleuchtetem Hintergrund waren die schwarzen Silhouetten der Musiker und Sänger schon einmal ein erster Hingucker: dezent, unaufdringlich und vor allem aber markant wirkungsvoll.
Dann begann die Show mit einem Sänger, der mit Mein Leben ist dein Leben ins Scheinwerferlicht trat. Im Hintergrund auf die Leinwand projiziert wurden derweil seine überlebensgroßen Hände, die der Refrain des Lieds zierte. Eine gesungene Botschaft, die somit dank visueller Effekte noch einmal originell unterstrichen wurde.

Apropos Botschaft, der Grundtenor dieser zog sich durch den gesamten Abend: Schlichtheit mit fundiertem aussagekräftigen Kern kann im Rennen gegen Pomp und Knalleffekt noch immer die Nase vorn haben. Sehr angenehm. 

Für meinen Geschmack stimmten sämtliche Details des Gesamtpakets und passten damit vollkommen in eine Welt, die es nur noch kurz zu retten gilt. 
Die Bühne wurde mit farblichen Akzenten ausgeleuchtet. Das variantenreiche Zusammenspiel der Instrumente mit der Stimme von Sänger und Background-Sängern war eine abwechslungsreiche Mischung aus Ruhepol und rockigem Gitarrensound. Die Musikstücke wurden teilweise in erfrischend abgewandelten Live-Versionen dargeboten. 

Hinzu kam ein minimalistisches Bühnenbild, das mich persönlich auf Anhieb überzeugte, weil es gleichermaßen schlicht wie clever ausgestaltet und einfallsreich auf die Inhalte der Liedtexte abgestimmt war: An Comic, Cartoon und ein mit Kreide gezeichnetes Tafelbild angelehnte Bilder entstanden während des musikalischen Vortrags im Hintergrund und vervollkommneten damit visuell den Gesamteindruck. Ergänzt wurde dieser in weiten Teilen des Konzerts insbesondere durch besagte Lichteffekte, die großzügig eingesetzt wurden.

Was neben dem ausgelassenen Miteinander von Sänger und Band sowie Sänger und Publikum ebenfalls einem der Glanzpunkte des Konzerts entsprach, war wohl der gemeinsame Auftritt von Tim Bendzko und Cassandra Steen. Laut eignen Aussagen, war es (wieder einmal) eine spontane Idee des Sängers, seine Duettpartnerin für Unter die Haut vor Ort wissen zu wollen. Um 13 Uhr traf die SMS bei der Sängerin in Stuttgart ein. Wenige Stunden später stand sie in der Max-Schmeling-Halle auf der Bühne ... und das Publikum quittierte diese Stippvisite lauthals mit großer Freude.

Nicht weniger schlugen natürlich all die anderen Darbietungen des Sängers ein. Immer wieder fungierte die gefüllte Halle als zuverlässiger Chor, der konsequente Textsicherheit ebenso bewies wie ein wippendes Tanzbein. Das Motto des Abends Ich steh nicht mehr still stets vor Augen. Mit zackiger Euphorie wurde im Übrigen auch die Bendzko-Interpretation von Herbert Grönemeyers Was soll das aufgenommen. Nur ein weiterer Beweis für die Lockerheit und Leichtfüßigkeit in der Halle.

Insgesamt mochte ich als Zuschauer unter anderem besonders den Fakt, dass Tim Bendzko selbst die Bühne ziemlich offensichtlich überhaupt nicht mehr verlassen wollte. Gewohnt bescheiden und umso begeisterungsfähiger versenkte der fußballaffine Sänger Treffer um Treffer bei seinem Heimspiel — sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der tosenden Verlängerung. Eine Interaktion und Lebendigkeit, die in einem Augenblick die leisen, nachdenklichen und vieldeutig interpretierbaren Töne traf und im nächsten Moment für fulminante Feierlaune sorgte. Atmosphäre zum Eintauchen!

Das (wenig überraschende) Stimmungsbild meinerseits nach diesem großartigen Abend lässt sich recht eindeutig und natürlich mit einem Tim-Bendzko-Zitat auf den Punkt bringen: Ich will viel mehr davon!


Montag, 17. März 2014

[Kreativplausch] Mit Ally und Carrie am Pier von Oceanside

Dass das Schreiben von Büchern längst nicht mehr nur im stillen Kämmerlein erfolgt, beweist das Autorenduo Ally Taylor und Carrie Price in absolut bestechender Art und Weise. 

Zwei Frauen, die der "Szene" bisher zweifelsohne gefehlt haben. Zwei starke Persönlichkeiten, die einen Hang zu Kaffeespezialitäten haben. Zwei Schriftstellerinnen, die den meisten von uns bisher (noch) besser bekannt sein dürften als Anne Freytag und Adriana Popescu. 

Beide werden zu Recht jeweils für ihre eloquente Gegenwartslektüre geschätzt und haben mit ihren bisherigen Werken die Gunst der Leser nahezu spielerisch für sich gewinnen können. 
Sowohl Adriana Popescu als auch Anne Freytag haben ihre Leserschar, die stetig wächst, bis dato durch Romane überzeugen können, deren Kombination aus markigen Charakteren, Charisma und Geschichten voller Ausdruckskraft überaus bezeichnend ist.


         
Anne Freytag aka Ally Taylor

+

Adriana Popescu aka Carrie Price
                                       __________________________________________________________________________________

= make it count

                                                                             
Kürzlich, genauer gesagt zu Jahresbeginn, gaben die beiden nun ihren nächsten Coup bekannt und entfachten damit einen wahren (Begeisterungs-) Sturm auf ihren Fanseiten: Als Ally Taylor und Carrie Price würden sie sich einem gemeinsamen Projekt widmen. 
Dieses steht unter dem bedeutungsvollen Titel Make It Count (kurz mic) und umfasst separat voneinander erzählte Geschichten der heranwachsenden Generation im einladenden Oceanside an der amerikanischen Westküste. Dass Liebe und Leid dabei wie Pech und Schwefel aneinanderkleben, gilt als unverzichtbare Voraussetzung, nicht wahr?!

Bei den ersten Auskopplungen handelt es sich nun um Gefühlsgewitter (Ally Taylor) und Gefühlsbeben (Carrie Price). Diese leben von Charakteren, die zum einen vom konsequenten Erwachsensein noch ein Stück weit entfernt sind und zum anderen aufgrund persönlicher Schicksale teilweise viel zu schnell erwachsen werden mussten. Konfliktpotential ist demnach für Katie und Dillen sowie Lynn und Jared auf ganzer Linie vorprogrammiert.

Ally und Carrie kreieren mit mic nicht nur eine Achterbahn der Gefühle, sondern einen allumfassenden Rummelplatz inmitten des Oceanside-Stadions, der uns Leser willkommen heißt. 
Bildlich gesprochen erwartet die Figuren wie auch die Leser: Traute Zweisamkeit im Riesenrad und aufbrausende Fahrten in der Wildwasserbahn, Vertrauensbeweise am Free Fall Tower und Krawalle an der Schießbude ... 



© Freytag Literatur

(Hat Freytag Literatur mit diesem exklusiven Design nicht ganze Arbeit geleistet? 
Großartig, oder?!)


Und jetzt kommt schnell mit!

Seht die folgende Notiz als stilechte Einladung:


Hi y'all!

Let's meet down by the waterfront. We'll bring some coffee and snacks.

Don't miss out on this Oceanside experience! 
We'll count on you!


A & C
xx



Nicht's wie los, Anne und Adriana samt Alter Egos erwarten uns (so ultimativ kurz vor der Veröffentlichung ihrer Romane) mit Popcorn, Hot Dog und Zuckerwatte am Pier zu einem netten Gespräch! Es wird quirlig ... 




~ Kreativplausch ~

Liebe Adriana, liebe Anne,

viele bis so ziemlich alle eure Fans dürften seit Anfang des Jahres noch einmal mächtig die Ohren gespitzt haben. Denn da habt ihr bekannt gegeben, euch als Autorinnen ein brandneues, nicht weniger bequemes Gewand überzuwerfen. Kurzum: anderes Genre, neue Namen, erweiterte Zielgruppe, neue Dramen.
Dass ihr euch mitten im absoluten Endspurt – und das ist partout keine Übertreibung (!) – eures gemeinsamen Projekts Make It Count (mic) jetzt sofort die Zeit für einen exklusiven Kreativplausch nehmt, ist fabelhaft und mit Sicherheit ein riesiges Geschenk an eure Leser. Danke schön!


Dass ihr Romane schreibt, die es in sich haben und die den Fans im Nu ans Herz wachsen, dafür seid ihr bekannt – um nicht zu sagen berühmt berüchtigt. Das Genre New Adult Literatur ist nun allerdings bewusst gewähltes Neuland für euch. Wie Kolumbus habt ihr den amerikanischen Kontinent für euch entdeckt. Dort steht New Adult längst hoch im Kurs. Was macht für euch persönlich den besonderen Reiz aus, sich in diesem Genre auszuprobieren? Welche eurer (bisher vielleicht) verborgenen Seiten erwarten uns?

Adriana: Wer meine Bücher kennt, der weiß wohl wie ich mich in Stuttgart fühle und wie gerne ich meine Figuren in meiner Wahlheimat ins turbulente Gefühlschaos schubse. Allerdings sind mir da natürlich Grenzen gesteckt. Ich weiß, was man in Stuttgart erleben kann, was im Bereich des Möglichen ist. In Oceanside haben wir diese Grenzen nicht. Wir können uns etwas weiter in die Fiktion trauen, die Stadt und ihre Möglichkeiten unserer Fantasie anpassen. Das bietet eine sehr große Spielwiese auf der wir uns austoben können. Das empfand ich zur Abwechslung als sehr befreiend. Das Genre lässt ebenfalls mehr Luft für große Gefühle, das Kribbeln. Einfach mal ein bisschen larger than life. Die Jungs können ein bisschen perfekter sein, die Mädchen ein bisschen hübscher, die Abenteuer ein bisschen aufregender sein.

Anne: Ganz genauso sehe ich es auch. Mehr Freiheiten und neue Perspektiven. Und ich liiiiebe es einfach, knisternde Geschichten zu schreiben. Vor allem, wenn die Erotik dabei etwas bedeutet. Also, wenn es zum Beispiel die erste Liebe ist, oder dieser EINE Mensch, der einen besser macht, der einen besser versteht als alle anderen. Zu dem man sich nicht nur körperlich hingezogen fühlt, sondern zu dessen gesamtem Wesen, seinen Gedanken, den Blicken, der Art, wie er spricht und sich bewegt. Ich glaube, das ist besonders einfach, wenn man über junge Menschen schreibt, weil da alles so absolut ist. Der Glaube an die eine wahre große Liebe und dass die wahre Liebe alles überwinden kann. Vielleicht, weil man ihnen noch nicht wehgetan hat. Na jedenfalls, bedeutet der Sex etwas. Er ist mal schüchtern und mal fordernd, aber er ist nie leer. Das gefällt mir bei New Adult Literatur ganz besonders. Die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Heimat der cineastischen und schönsten Liebesgeschichten schien dabei der perfekte Schauplatz für die MIC-Romane.


Mit Ally Taylor (Anne Freytag) und Carrie Price (Adriana Popescu) erscheinen zwei neue, sehr US-amerikanische Autorinnen auf der Bühne der New Adult Schriftsteller. Pseudonyme, die unter anderem für Authentizität stehen. Dabei spielt ihr unverblümt mit Klischeehaftigkeiten. Welches sind wohl die größten Stereotype, die die beiden in ihren Charakteren vereinen?

Adriana: Ich stelle mir Carrie wie eine junge Sarah Jessica Parker vor. Vermutlich lebt sie in NY und schreibt auf ihrem Laptop im Starbucks am Times Square oder so. Sie trinkt Crazy Candy Choca Mocha decaf extra large mit doppelt Schaum mit Schikane und Beleuchtung und liebt ihre Marc Jacobs Tasche mehr als ihr Leben. Schaut gerne Serien auf DVD und ist verliebt in Joe Bennett aus Lipstick Jungle. Komisch, so unähnlich sind wir uns wohl doch nicht.

Anne: Ally ist natürlich Carries allerbeste Freundin. Sie arbeitet bei einem angesagten Magazin und scheucht Praktikanten durch die Gegend. Sie hat Stil und eine eigene Meinung, trägt immer Nagellack und steht totaaaal auf Kenzo-Stoffe. Gerade hat sie sich wieder drei Kissenbezüge daraus machen lassen. Am liebsten mag sie Unikate und für die gibt sie gut und gerne auch einige Dollar aus. Sie liebt Filme und Serien, trinkt ihren Espresso schwarz und bitter (so wie das Leben ;-) ) und ist mit einem Kerl zusammen, der ihre gepflegten Füße liebt und jeden Abend massiert. Sarkasmus ist ihr zweiter Name und Klischees sind nur Teil ihrer fiktionalen Welt.


Wer sind für euch Persönlichkeiten aus Literatur, Film und/oder Fernsehen, die ihr mit der amerikanischen Unterhaltungskultur unmittelbar in Verbindung bringt? Was macht sie für euch zu den Glanzlichtern der Branche?

Adriana: Ich war und bin ein großer TV-Junkie, wie alle wissen dürften. Ich habe von den großen 80er-Jahre-Soaps bis zu den aktuellen Serien wohl alles gesehen. Joan Collins im Denver Clan als Alexis ist die wohl schillerndste Figur der TV-Ära. Ich habe es geliebt, sie als Biest in stylischen Klamotten erleben zu dürfen. Natürlich habe ich alle Folgen gesehen, habe Charaktere verflucht, andere geliebt und war traurig, als alles vorbei war. Später dann Beverly Hills 90210, das Traumpaar Dylan und Brenda, die West Beverly High, das Peach Pit. Ich mag sowas ja ausgesprochen gerne. Sex and the City, Carrie Bradshaw, die natürlich aus als Namenspatin für mein Pseudonym herhalten musste. Lipstick Jungle, der großartige Joe Bennett ... die Liste ist endlos! Wenn ich mich aber für eine Figur entscheiden müsste: es wäre Aaron Spelling, der so viele wunderbare TV-Serien geprägt hat. Vielleicht hätten wir ihn zu einer Serie von Make it count überreden können.

Anne: Puh. Ich liebe Filme und Serien und bin keine Leseratte – was viele komisch finden, da ich gerne scheibe. Aber meine Leseliste 2013 umfasste vielleicht 5 Bücher. Ich nutze meine Zeit lieber zum Schreiben. Die Liste meiner Lieblingsfilme ist dafür echt laaaaaang. Zu lang. Bei Serien ist es nicht viel besser. Sex and the City. Damages. 24. Game of Thrones. Aber auch Beverly Hills 90210, Grey’s Anatomy und Vampire Diaries. Breaking Bad. Homeland...UND UND UND. Ich bin den Drehbuchautoren und den Schauspielern unheimlich dankbar. Aber die ersteren kenne ich oft gar nicht. Sie bleiben im Verborgenen. Meine Helden sind tatsächlich andere... (Ich liebe ja Georg Schramm, aber das ist ein anderes Thema. ;-) )


Die Titel eurer Romane lassen mit Gefühlsgewitter und Gefühlsbeben bereits im Vorfeld einige Schlüsse zu. Doch neben emotionalen Höhen und Untiefen der heranwachsenden Generation spiegelt sich auch die entschlossene Botschaft Make It Count in den Handlungen wider. Worin bestand für euch die größte Herausforderung, den Spagat zwischen juvenilem Erfahrungsschatz und der Nuance an Lebensweisheit zu vollführen?

Adriana: Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass vor allem junge und junggebliebene Leser auf solche Lebensweisheiten stehen. Wenn man jung ist, fällt es leichter ein „Carpe Diem“ oder „Make it count“ aufzunehmen. Ich mag mich irren, aber mein Ordner in der Schule war vollgekritzelt mit solchen Zitaten, die mich angespornt und motiviert haben. Make it count sollte natürlich für alle Generationen gelten, weil es sich immer lohnt einen Lieblingsmoment einzufangen. Ich glaube nicht, dass man ein jüngeres Zielpublikum anders behandeln sollte, damit begeht man den großen Fehler und unterschätzt die Leser. Mein 17-jähriges Ich hätte sich den Spruch Make it count auf jeden Fall in den Ordner geschrieben.

Anne: Ja, meines auch. Und ich denke, dass die Grundprobleme des Lebens dieselben bleiben. Die Inhalte sind nur anders. Ich denke, das was uns Menschen bewegt, sind immer dieselben Dinge: Liebe, Familie, Freundschaft, Zweifel, Angst..... die Liste ist endlos. Bei den Jüngeren ist das vielleicht ‚naiver’ oder ‚absoluter’, weil alles schwarz oder weiß ist, aber Liebe bleibt Liebe, Verletzungen tun weh und Missverständnisse zerstören Dinge, die hätten klappen können, wenn nicht Angst und Stolz im Weg gestanden hätten. Das alles ist doch altersunabhängig. Und wer erinnert sich nicht an die großen Gefühle, die erste Liebe? Gefühle sind eine Sprache, die Menschen instinktiv verstehen. Tränen, den Knoten im Magen, den Kloß im Hals. Außerdem bekomme ich oft die weisesten Einsichten durch meine beiden Nichten (4 und 6), weil die ungefiltert zeigen, was sie empfinden. Ich denke nicht wirklich, dass Erwachsensein und Lebensweisheit immer Hand in Hand gehen. Zumindest nicht zwangsläufig.


Mit Oceanside kreiert ihr eine fiktive Kulisse, die euren Geschichten den wohl idealen Rahmen gibt: eine beschauliche Nachbarschaft nebst rauer See und vor allem nicht wenige knisternde Geheimnisse. Wie müssen wir uns den Aufbau dieses Städtchens vorstellen, wenn sozusagen zwei Bürgermeisterinnen das Zepter in der Hand halten? Worauf seid ihr hinsichtlich der geschaffenen Szenerie besonders stolz?

Adriana: Ich hoffe Ally stimmt mir zu, wenn ich sage der Pier bildet das Herzstück des Städtchens. Ich könnte Stunden dort verbringen, auf den Ozean schauen und träumen. Ich mag auch die schönen Herrenhäuser, die an Südstaaten-Sagen erinnern. Das Stadion ist ebenfalls unser großer Stolz. Obwohl Oceanside beschaulich ist, gibt es auch Viertel, die nicht so schön sind. Wir sammeln Spenden um diese aufzubessern ... ;)

Anne: Da stimme ich Carrie unumwunden zu. Wir teilen das Zepter gerne, teilen die ganze Verantwortung und feiern jeden Erfolg gemeinsam mit einem frischen Eistee am Pier. Wir versuchen wirklich alles, um den weniger gut gestellten Mitgliedern unserer Gemeinde zu helfen, aber die Mittel sind begrenzt. Alles, was in unserer Macht steht geschieht. Aber diese Korruption... ;-) Ich jogge morgens am Strand und genieße das Rauschen der Wellen. Am liebsten bin ich am Steg meines Herrenhauses oder gehe auf meinem Anwesen spazieren. Diese Ruhe fernab der Hektik und des Alltags ist unbezahlbar. Abends betrachte ich gerne den schier endlosen Horizont. Aber am meisten bewegt es mich in Oceanside die Sommergewitter anrollen zu sehen. Dieser Anblick ist gigantisch. Wie ein Beben, das meinen Körper erschüttert.


Die Make-It-Count-Reihe erinnert (mich) in manchen Zügen an die guten alten TV-Zeiten von Dawson’s Creek, O.C. California & Co. Wie sehr prägte euch das Bild solcher Kultserien zu ihren damaligen Spitzenzeiten? Und nehmen wir an, eure Romane würden verfilmt werden. Unter uns, welcher Cast an Schauspielern würde euer Herz erwärmen?

Adriana: Ich glaube meine Teenie-Zeit war sehr von eben solchen Serien geprägt. Beverly Hills 90210, Party of five, Willkommen im Leben, Dawson’s Creek ... ich habe sie alle geliebt! Wenn ich meine beiden Figuren besetzen dürfte: es wäre wohl der junge Jared Leto, allerdings mit einem Kurzhaarschnitt. Lynn könnte ich mir eine junge Natalie Portman vorstellen – natürlich weiß ich, dass sie nie in Serien mitgespielt hat. Aber man darf ja träumen!

Anne: O ja, diese Kultserien habe ich auch alle angesehen und geliebt. Schon ne Weile her. Hm. Was den Cast angeht, das ist fast albern. Es sind tatsächlich die beiden, die auf meinem Cover zu sehen sind. Anna hat mir das Bild gezeigt und da war es klar. DAS sind die beiden. Und ich habe keine Ahnung wer sie sind. In meiner Welt sind es Katie und Dillen.


Stellt euch vor, ihr hättet als Teenie und junger Erwachsener in einem Ort wie Oceanside gelebt. Welche Rolle hättet ihr wohl in der Gemeinschaft eingenommen? Ambitionierte Cheerleaderin, ehrgeizige Schülersprecherin, toughe Surferin, … Wir sind ganz Ohr!

Adriana: Ich wäre in Oceanside vermutlich die Ulknudel gewesen. So wie auch während meiner Schulzeit in Speyer. Natürlich hätte ich einen schöneren Teint vom ganzen Rumhängen am Strand und am Pier. In der Schule wäre ich der Klassenclown. Cheerleader? Ich? Niemals!

Anne: Ich denke ich wäre eine Mischung aus Misfit und Ms. Sarcasm gewesen. Immer einen Spruch auf den Lippen, heimlich (und unsterblich) verliebt in den intelligenten Jungen mit dem undurchdringlichen Blick. Viel zu uncool, um echt cool zu sein, aber auch zu aufgedreht für die Mauerblümchen-Rolle. So eine Midi-Rebellin? Eine Lynn vielleicht?


Was ich äußerst beeindruckend finde, ist das eng gesteckte Zeitfenster, in dem ihr an den Romanen gearbeitet habt. Das zeugt von äußerster Disziplin, immenser Motivation und einem enormen Input an Ideen auf Abruf. Worin liegen für euch in einem derartigen Hochleistungsschreiben die ärgsten Knackpunkte? Welche Variablen sind dabei die verlässlichsten Konstanten, welche die unberechenbaren Unsicherheiten?

Adriana: Wir hatten schon etwas früher mit dem Grundgerüst begonnen, haben ein paar Infos, Ideen und Charaktere gesammelt. Somit ist die Zeit, mit der wir uns mit Make it count beschäftigen gar nicht so kurz, wie man vermuten könnte. Dennoch war klar, wir müssen am Ball bleiben. Ally – ich meine Anne – war mir eine große Hilfe, meine Konstante, hat mich motiviert nicht vom Pier ins Meer zu hüpfen, sondern Lynn und Jared ihre Geschichte zu schenken. Ein Geschichte, die auch qualitativ auf einem guten Niveau liegt. Das war uns beiden wichtig. Wir wollten nicht einfach etwas hinschmieren, es war immer Zeit für Überarbeitungen, Testleser und Lektorat. Das war uns wichtig.
Und die unberechenbaren Unsicherheiten waren meine Figuren. Oft wollten sie nicht so wie ich, haben sich quer gestellt und manchmal musste ich mit dem Teppichmesser drohen! Aber es ist ja zum Glück alles gut gegangen!

Anne: Außerdem darf man nicht vergessen, dass es zu zweit echt viel einfacher ist/ sein kann, weil wir beide drin sind, beide wissen, worum es geht, wie wir und gegenseitig helfen und motivieren können. Wir konnten gegenseitig lesen (und das schon während des Schreibens). Wir haben stundenlang (und damit meine ich wirklich ganz echt STUNDENLANG) telefoniert und geplottet und gegrübelt. Aber mit zwei Hirnen denkt es sich eben besser. Carrie hatte oft den zündenden Gedanken, der mich dann wieder zurück auf in die Bahn geworfen hat. Ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis. Unberechenbare Unsicherheiten? Viele neue Ideen für viele weitere MIC-Plots, die so spannend waren, dass ich immer mal wieder dachte: ‚Mensch, ich will jetzt mit der neuen Geschichte anfangen...’ (Habe ich aber nicht. Mayors Ally und Carrie haben es unter Strafe gestellt. Und mit denen ist nicht zu spaßen...) Alles in allem muss ich sagen, dass Ally sich in Oceanside und im New Adult Genre tatsächlich sehr sehr wohlfühlt... Sex & Drama en masse. Was will man mehr? :-)


Ihr seid beide Autorinnen, die eine unheimlich starke Präsenz zeigen. Ihr mischt euch sozusagen direkt unter eure Leser. Schon im laufenden Schreibprozess wendet ihr euch mit Vorschauen, Nachfragen und Beiträgen an die Fans. Ihr kommuniziert sehr sympathisch auf Augenhöhe. Was bedeutet euch jener unmittelbare Austausch mit euren Lesern? Bestätigt er? Erhöht er den Druck? Bringt er gar neue Ideen?

Adriana: Es erhöht den Druck. Und spornt enorm an. Der rege Austausch mit den Lesern zeigt mir ziemlich deutlich, was gut ankam, wo man vielleicht noch etwas verbessern kann. Aber man will sie natürlich nicht enttäuschen. Natürlich kenne ich nicht alle Leser persönlich, aber manchmal fühlt es sich so an. Deswegen würde ich nichts abgeben, nichts veröffentlichen hinter dem ich nicht stehe. Und wann immer ich gedacht habe: Das packst du nie! war zum Glück immer Ally da.

Anne: Das ging mir ganz genauso. Wenn Carrie geschrieben hat: Die neue Stelle ist klasse, dann ist mir ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Wir haben einander bestätigt und kritisiert, an Texten gefeilt und einander geholfen. Was die Leser angeht: Ich bin immer wieder baff, wie viel Rückmeldung kommt. Es ist so toll, wenn man nicht in einen leeren Raum schreit, sondern, wenn ein Echo kommt. Und wenn das Echo dann auch noch gut ist, dann ist das wie... hm... wie ein Drogentrip? (So stelle ich mir das zumindest vor, ich bin da der Anti-Experte. Ich finde Apfelmost schon ziemlich stark.) Auf jeden Fall ist es genauso wie Adriana/Carrie sagt. Es ist herrlich und man möchte auf keinen Fall enttäuschen.


Euer beider Schreibstil ist von filigraner Leichtigkeit und einem beeindruckenden Gewicht an Bildhaftigkeit gekennzeichnet. Wie leicht oder schwer fiel euch die Zeitreise zurück ins Erwachsenwerden? Mit welchem Hintergedanken seid ihr ans Werk gegangen: Habt ihr euch einen lang gehegten Traum erfüllt? Wart ihr auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? Handelte es sich um die Verkettung glücklicher Blitzideen? Lasst hören!

Adriana: Ich denke Anne und ich haben sehr viel miteinander gesprochen, wir haben Ideen ausgetauscht, über Figuren gesprochen und haben schnell gemerkt, dass wir auf der gleichen Welle surfen. Und da wir junggeblieben sind – wie man wohl auch bei unseren zahlreichen Posts merkt – war der Schritt zurück ans College oder die Highschool gar nicht so schrecklich schwer. Ich muss schließlich immer noch meinen Ausweis vorzeigen, wenn ich Alkohol kaufe. Der einzige Hintergedanke für mich war: dann schreiben wir zusammen mal was!

Anne: HAHAHAHAHA. Ja, so auch hier. Ich denke, wir haben etwas ziemlich Alters- und Zeitloses in uns. Bei Renate Hoffmann hat ein Leser in einer Rezension geschrieben, dass er vermutet, dass es sich um viele autobiografische Elemente handelt. Ein anderer meinte, ich wäre alt. Und auch bei 434 Tage vermutete manch ein Leser Parallelen zum eigenen Leben. Aber ich versichere, das ist alles nur Fantasie. Ich hatte noch nie den Wunsch zu sterben, noch war ich verheiratet, und habe folglich auch nie meinen Mann betrogen (nein, auch nicht den Freund!!). Ich würde sagen, es ist (einer der wunderbarsten) Bestandteile unseres Berufs, abdriften zu können... in neue Welten. Und das Driften zu Katie und Dillen war nicht allzu schwierig. Die Chemie hat gestimmt. Und Carrie und ich sind ja jung(geblieben).


Wenngleich wir dieses Gespräch liebend gern noch auf eine unbestimmte Anzahl an Fragen ausdehnen könnten, nun vorerst eine letzte: Unabhängig voneinander schreibt ihr Romane, die im mic-Kosmos spielen. Ein Gedanke der mir dabei sofort in den Sinn kam, als ich davon hörte, ist der des Crossovers. Wie steht ihr dieser Option – vollkommen unverbindlich natürlich – gegenüber?

Adriana: Du meinst, dass ihre Charaktere auch mal bei mir vorkommen und vice versa? Ausgeschlossen ist nichts. Aber Ally kennt ihre Figuren so viel besser als ich das tun könnte. Es soll kein Mischmasch werden, die Figuren sollen sich treu bleiben. In Szenen als Nebenfiguren aufzutauchen ist aber gewünscht, geplant und bereits geschehen. Make it count bietet sich für ein Crossover ja geradezu an!

Anne: Und manche unserer Nebenfiguren werden vielleicht einmal zu Hauptfiguren und die sind mit Figuren der anderen Geschichten befreundet. Wie im Leben eben. Da steht bei Facebook ja auch: 3 gemeinsame Freunde. Make it count und die Charaktere sind aus dem Leben gegriffen. Gut, sie leben in den USA und sie sind nicht real. Zumindest im herkömmlichen Sinne. Denn in unseren Köpfen wurden sie lebendig.


Ihr glaubt gar nicht, was es für ein Vergnügen war, mit euch zu plaudern. Es hat mich ungemein gefreut, dass ihr mir und damit uns allen Rede und Antwort zu ein paar brennenden – seien wir ehrlich: ein paar essentiellen – Fragen gestanden habt. Ein großes Dankeschön dafür!

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch, euch für euer New Adult Debüt alles Gute zu wünschen. Ally & Carrie, make it count!!!


Freitag, 14. März 2014

[Rezension] Renate Hoffmann (Anne Freytag)

Anne Freytag: Renate Hoffmann 

Ein Buch, zu dem mir  so mein Gefühl  die zutreffenden Worte fehlen ... Das ist kein Scherz ... Aber ich muss und vor allem möchte dennoch etwas zu meiner Begegnung mir Frau Hoffmann sagen. Denn sie war einmalig!
Selten habe ich ein Buch gelesen, dass in diesem Maße auf seine sehr eigene, im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibliche Art einnimmt.
Die inhaltliche Thematik kombiniert mit einer recht eigenwilligen, aber zugleich gebrochenen Protagonistin ist eine vorzügliche Mischung. Doch umrahmt und getragen wird das Ganze durch den außergewöhnlich charakteristischen Ton einer Anne Freytag, die Worte für jede Lebens- und Gemütslage in petto zu haben scheint.
Kurzum: Ein Roman, der gelesen werden muss! Das ist ebenso wenig ein Scherz.


~ Rezension ~

Wenn ein Augenblick zur Schnittkante zwischen dem Vorher und dem Danach wird …

Renate Hoffmann war eine junge Frau voller Lebenslust und Zukunftspläne. Sie hatte das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Sie glaubte, die Welt gehöre ihr. Endlich. Nach einem steinigen Weg. Doch dann änderte sich an einem Novembertag vor sieben Jahren alles. Seither führt eine zurückgezogene, lethargische Frau Hoffmann ein Leben voller Trostlosigkeit. Bis eben diese Frau Hoffmann beschließt, vom Balkon in den Tod zu springen. Doch plötzlich überkommen Frau Hoffmann leise Zweifel und sie fasst erneut einen Entschluss, der ihr Leben auf den Kopf stellen soll. Doch ist es das, was Frau Hoffmann wirklich möchte? Oder hat sie zu hoch gepokert und verliert sich dabei endgültig?

Anne Freytags Renate Hoffmann ist ein Roman, der das Leben einfängt – an einem Punkt, an dem es wehtut. Doch genau dieser Schmerz ist es, der spüren lässt, am Leben zu sein; besser noch: lebendig zu sein.

Frau Hoffmann ist eine Protagonistin, deren Konturen markante Ecken und Kanten in Form von zermürbendem Kummer und tieftraurigen Erinnerungen prägen. Nach außen hin wird jene scharfkantige Unnahbarkeit durch neurotische Akkuratesse und ausufernde Pedanterie abgepolstert. Doch im Inneren schwelt unter den Trümmern zerbrochener Lebendigkeit noch immer die Sehnsucht nach mehr.
Frau Hoffmann ist ein Charakter, der mir persönlich binnen weniger Seiten ans Herz gewachsen ist – trotz oder gerade wegen ihrer Sicht der Dinge.

Was beim Lesen dieses Romans neben der filigranen Erörterung menschlicher Stärken, Schwächen und Abgründe ins Gewicht fällt, ist der Stil der Autorin, die Geschichte zu erzählen. Ich möchte ihn tatsächlich als einzigartig bezeichnen – ohne mich dabei allzu weit über die besagte Balkonbrüstung zu lehnen. Denn ich kann mich nicht erinnern, Ähnliches in dieser Art und Weise umgesetzt schon einmal gelesen zu haben.
Anne Freytag balanciert eine hohe Emotionalität und eine angenehme Schlichtheit bestens aus. Sie legt jenes gewisse Etwas in ihre Erzählungen, das unter die Haut geht. Damit gelingt es ihr, das abstrakt Scheinende greifbar zu machen. Sie materialisiert Gefühle. Eine Fähigkeit, die das Lesen des Buches trotz seiner brisanten Geschichte zu einem Vergnügen macht.

Allen Unwegsamkeiten zum Trotz umgibt das Schicksal der Frau Hoffmann stets ein Schein des Hoffnungsvollen. Eine Stimme, die anfangs wie eine Souffleuse flüstert, später mit vehementer Hartnäckigkeit den Ton angibt. Soll heißen: Die Botschaft Gib (dich) niemals auf! gewinnt die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Summa summarum ein Roman, der mit seinen Zeilen und zwischen selbigen zu fesseln weiß. Anne Freytag versteht ihr Handwerk. Sie ist verantwortlich für höher schlagende Herzen und solche, die zerbersten. Sie gibt Hoffnung und schenkt bittere Erkenntnis ein. Doch sie schubst niemanden leichtfertig vom Balkon. Schon gar nicht, wenn dieser Jemand eine Geschichte zu erzählen hat. Eine Geschichte, die vieles bewegt.

F★ZIT: Facettenreich. Fragil. Formvollendet.


Mittwoch, 12. März 2014

[Rezension] Love to Go (Anja Fröhlich)

Anja Fröhlich: Love to Go 

Auf diesem Buch steht nicht nur Fröhlich drauf und das Cover mutet bunt und munter an, auch die Geschichte selbst glänzt durch eine Bandbreite an Schattierungen. Wenngleich jugendliche Unbeschwertheit und Leichtigkeit das Gerüst bilden, schimmert stets ein bedeutungsvoller Hauch an Verantwortungsgefühl und Konsequenz hindurch. 
Ein Dank gilt in diesem Zusammenhang dem Pink Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

[Buchcover: Pink Verlag]


~ Rezension ~

Die Realität, die anders ist, als die virtuelle Welt es vermuten lässt

Mel ist Autorin ihres eigenen Blogs Girlaxis. Auf dem nimmt sie vor allem den allseits beliebten Mike Hoffmann ins Visier, der in ihren Augen nichts weiter ist, als ein Mädchenherzen sammelnder Egoist. Ihre Ansicht ändert sich erst, als sie Mike durch eine zufällige Begegnung besser und vor allem von einer anderen Seite kennenlernt. Doch bevor Mel das Konzept und den Inhalt ihres Blogs gänzlich überdenken kann, verselbstständigt sich ihr selbst ernanntes "Forschungsprojekt". Mel könnte dabei in Teufelsküche landen, wenn sie nicht allen Mut zusammennimmt und ihre Verbindung zu Girlaxis gesteht. Allerdings riskiert sie dann nicht nur ihren Ruf, sondern die mittlerweile sehr besondere Verbindung mit Mike. Schließlich setzt der Teenager alles auf eine Karte.

Love to Go von Anja Fröhlich ist ein munter ausgestaltetes Buch, das vor allem Mädchen ab 12 Jahren ein pfiffiges Lesevergnügen bescheren dürfte.

Die Protagonistin Mel schreibt für ihr Leben gern. Ihr ganzer Stolz ist dabei der Erfolg ihres Blogs Girlaxis. Die Autorin zeichnet Mel als investigative Bloggerin, die sich allerdings auch mit Kritiken an ihrem Wirken auseinandersetzen muss. Hiermit schlägt Anja Fröhlich gekonnt den Bogen zwischen unterhaltender Fiktion und realem Verantwortungsbewusstsein. Ein Anliegen, das Substanz hat und altersgruppengerecht ausformuliert wird.

Ergänzend wird Mel von einer Riege an Charakteren umgeben, die zum einen zwar mit gewissen Stereotypen ausstaffiert wurden, zum anderen in ihrer jeweiligen Schlüsselrolle überzeugen. Neben Mike rückte für mich nicht minder Mels jüngere, bisweilen äußerst trotzige Schwester Peps in den Mittelpunkt. Eine Geschwisterliebe, in der die Fetzen fliegen.

Obgleich Mel die Rolle der verantwortungsvollen großen Schwester zugedacht wurde, schwingt in meinen Augen manches Mal ein arger Hauch Naivität mit  gerade als Bloggerin. Allerdings reflektiert wohl diese Mischung, diese Selbstfindung genau den Entwicklungsprozess der angesprochenen Generation.

Der Grundtenor aus Unbedarftheit und Pflichtbewusstsein den Mitmenschen gegenüber zieht sich als roter Faden durch das Werk. Anja Fröhlich kreierte damit eine Quirligkeit, die versehen ist mit einem ersten Herzklopfen, der Angst vor der Ungewissheit sowie dem Tragen von Konsequenzen einer Entscheidung. Die Mission der Botschafterin, die von der Autorin (indirekt) eingenommen wird, gestaltet sich im Draufblick als erfüllt.

Alles in allem ein Buch, welches das Lebensgefühl junger Teenager mit der medialen Funktion des Bloggens geschickt verknüpft. Dabei wird sowohl auf der emotionalen Ebene angesprochen, als auch die Wichtigkeit gesellschaftlicher Konventionen altersgerecht unterstrichen.

FZIT: Aufgeweckt. Knifflig. Lehrend.


Montag, 10. März 2014

[Rezension] My Point Is ... And I Do Have One (Ellen DeGeneres)

Ellen DeGeneres: My Point Is ... And I Do Have One

Dass ich Fan von Ellen DeGeneres' Humor bin, ist inzwischen wahrscheinlich kein Staatsgeheimnis mehr. Demnach musste ich selbstverständlich auch ihr Debüt von anno 1995 lesen.
Ein Buch, in dem so herrlich kurzweilig und unterhaltsam um den sprichwörtlichen heißen Brei (oder in diesem Falle den zubereiteten French Toast) herumgeredet wird, dass es schlicht und ergreifend amüsiert. Die Autorin macht hierbei dem Buchtitel alle Ehre. 
Es geht in diesem Werk um etwas ... Bloß um was genau? Das, liebe Leserinnen und Leser, kommt ganz auf die Perspektive an ...


~ Rezension ~

Du musst kein Küchechef sein, um mit einer Prise Humor zu würzen!

Es gibt vieles, worüber eine der lustigsten Frauen Amerikas ihr erstes Buch hätte schreiben können. Sie, Ellen DeGeneres, entschied sich schlussendlich dafür, unter anderem ihr unglaublich gutes Rezept für French Toast mit ihren Lesern zu teilen. Ebenso schildert sie die einzigartigen Vorzüge des Prominentseins und macht erst recht nicht Halt vor der gruseligsten Begegnung ihres Lebens. (Ihr Telefonat mit Gott, welches als Stand-up-Comedian ein Muss in ihrem Repertoire war, findet sich nur in Auszügen im Buch wieder. Aus zweierlei Gründen: Zum einen lebt dieses Stück in der Ausführung von Mimik, Gestik und exzellentem Timing. Zum anderen bekam Ellen vor dem Druck des Buches einen Brief von Gott höchstpersönlich, der im Falle einer Veröffentlichung mit juristischen Konsequenzen drohte.)

My Point Is … And I Do Have One von Ellen DeGeneres lebt von einem Humor, dessen größte Selbstverständlichkeit zugleich einer großen Selbstlosigkeit entspricht: Nuancierte Unterhaltung, die zeitlos ist.

Großzügig gehen in diesem Buch drollige Anekdoten Hand in Hand, die vor gewitzter Übertreibung nur so sprühen. Hinzu kommt die Fähigkeit der Autorin zum Tragen, Nichtigkeiten mit grotesken Details zu versehen und ihnen auf diese Weise rundum konkurrenzfähigen Unterhaltungswert zu verleihen.

Ellen DeGeneres' Geschichten haben ihre Stärken in energischer Leichtfüßigkeit. Was auf den ersten Blick nach einem Widerspruch klingt, erscheint bei näherem Hinsehen vollends logisch: Energisch, weil konsequent unterhaltend. Leichtfüßig, weil die unbeschwerte, pointiert ironische Facette stets präsent ist.

Irrungen und Wirrungen kreiert Ellen DeGeneres der Unterhaltung wegen: Ausgeschmückte Umwege werden gern genommen. Augenscheinlich Lapidares wird pfiffige Wichtigkeit beigemessen. Menschliche Schwächen (und Verfehlungen) werden zur Ironie des Schicksals … und für diese können wir nun weiß Gott nicht.

Das schier unerschöpfliche Reservoir der Autorin an Ulk kombiniert mit Beobachtungen des ganz Alltäglichen ist unglaublich und nur einer der Gründe, weshalb ich ihr Unterhaltungstalent so mag.
Den erzählten Geschichten liegt oftmals ein recht unscheinbarer Ausgangspunkt zugrunde. Doch Ellen DeGeneres schafft es, ein Geflecht aus schrägen und gleichzeitig nachvollziehbaren Gedankengängen zu verweben, dass der Spannungsbogen unweigerlich gestrafft wird. Für mich der beste Beweis dafür, dass es beim Erzählen nicht nur auf das Was, sondern vor allem auf das Wie ankommt. Das Vermögen, eine Pointe transportieren zu können, ist Gold wert.

Insgesamt  um es auf den Punkt zu bringen  ein Buch, das hervorragend humorige Kost für zwischendurch serviert. Ein Stimmungsaufheller, der Weisheiten und Unsinnigkeiten für jede Lebenslage zu bieten hat. Ein Füllhorn an Absurditäten des Alltags, von denen man plötzlich glaubt: Ja, so könnten sich die Dinge tatsächlich zugetragen haben.

F★ZIT: Quietschfiedel. Mitnehmend. Kurios.