"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Montag, 16. September 2013

[Rezension] Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert (Joël Dicker)

Joël Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Wow, was für ein Roman! Ich bin noch immer vollkommen hin und weg. Ein Zustand, der zum einen natürlich auf die an Wandlungsfähigkeit und Detailreichtum nur so strotzende Handlung an sich zurückzuführen ist. Zum anderen jedoch der Meisterleistung des Autors, ein für derartig umfangreiche Verblüffung sorgendes Werk zu schreiben, geschuldet ist. Was für ein Coup! 
Dass ich auf eine solch sehr besondere und es in sich habende Verbrecherjagd gehen durfte, war ein wahres Leseerlebnis. Ein Gang durchs Labyrinth sozusagen, bei dem mir (als selbst Schreibender) eine Bemerkung besonders in Erinnerung bleib, die sich letzten Endes doch tatsächlich als nicht unwichtig herausstellte. Da hat die Miss Marple in mir wohl gut aufgehorcht, wobei ich gewiss nie selbst einen derart bizarren Strick hätte drehen können wie Joël Dicker. Chapeau! Doch lest das Buch einfach selbst! Es lohnt sich.
Besten Dank natürlich ebenfalls an den Piper Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

[Bildquelle: Piper Verlag]


~ Rezension ~

All das, was auf den ersten Blick übersehen wird …

Marcus Goldman lag die Welt der Literatur zu Füßen, als er mit seinem Debüt sofort einen Bestseller landete. Doch nur wenig später fällt er in eine schwere Schaffenskrise und weiß sich kaum einen Rat. Bis im Sommer 2008 eine Entdeckung die USA erschüttert, die Marcus unweigerlich berührt: Im Garten seines ehemaligen Mentors, dem hochkarätigen Schriftsteller Harry Quebert, wurde eine Leiche gefunden, die das Originalmanuskript dessen legendären Romans bei sich trug. Marcus kann und will nicht glauben, dass Harry der Mörder der seit über dreißig Jahren vermissten Nola sein soll. Ohne ein Zögern macht er sich auf den Weg, um selbst in diesem mysteriösen Fall zu ermitteln. Dabei muss er sich nicht nur den gierigen Ambitionen seines Verlegers erwehren, sondern wird gleichfalls zu erschütternden Rückschlüssen kommen, die sein Weltbild verändern.

Joël Dicker ist mit Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert gelungen, ein packendes Stück Literatur zu verfassen, das aufrichtige Lebensweisheiten mit den größten Unglaublichkeiten aus Liebe und Verrat, Selbstinszenierung und Gerechtigkeit in Einklang bringt.

Ich müsste lange grübeln, um mich an ein Werk zu erinnern, dessen Komplexität an die dieses Romans heranreicht. Joël Dicker hat ein Füllhorn literarischer Finessen geschaffen, mit dem er das Leserpublikum zu begeistern weiß. Die perfekte Mischung aus Liebesgeschichte, Kriminalroman und Autorenratgeber.

Äußerst beeindruckend fand ich die unzähligen Ebenen, zwischen denen die Handlung des Romans pendelt. Denn nicht nur, dass die Erzählung sich durch regelmäßige Zeitsprünge von über 30 Jahren auszeichnet, auch die Vielfalt an persönlichen Geschichten der einzelnen Charaktere sowie die emotionalen Achterbahnfahrten faszinieren schlichtweg.

Das Figurenensemble wartet mit einer Bandbreite an Charakteren auf, die nahezu überwältigt. Dabei werden menschliche Stärken und Schwächen filigran aufgegriffen und lebensecht wiedergegeben. Ob glorreicher Blender, unglücklich Verliebte oder burschikose Matriarchin – sie alle spielen eine nicht unwesentliche Rolle in einem Mordfall, der unergründlich scheint.

Joël Dicker beherrscht die Kunst des Verwirrspiels exzellent, sodass ein Überraschungsmoment das nächste jagt. Kleine und große Wendungen schlagen unglaublich scheinende Bögen, die überaus bezeichnend für diesen Roman sind und mich begeisterten.

Darüber hinaus ist der Aufbau des Buches absolut gelungen und sehr originell ausgestaltet. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen raffiniert. Denn schon bald bekommt der Leser das Gefühl, nicht Dicker, sondern Goldman hätte das Buch geschrieben. Außerdem empfand ich die umgekehrte Kapitelreihenfolge – den Einstieg bildet das Kapitel 31 – als mehr als scharfsinningen Weg hin zu einem Showdown, der es in sich hat. Dem setzten für mich nur noch die auf den Punkt gebrachten Ratschläge fürs Schriftsteller- und Menschsein des großen Harry Queberts, die jedem Kapitel vorangestellt sind, die Krone auf.

Insgesamt ein Roman, der einen mächtigen Eindruck hinterlässt – und dass nicht nur aufgrund seiner Überlänge von mehr als 700 Seiten. Ein rundum bemerkenswertes Buch, dessen Perspektivenreichtum für Aha-Momente ohne Unterlass sorgt.

F★ZIT: Ausgeklügelt. Originell. Überraschend.


Montag, 19. November 2012

[Rezension] Da war'n es nur noch drei (Ina Bruhn)


Ina Bruhn: Disconnected 1 … Da war’n es nur noch drei 

Zu diesem Jugendbuch, das den Anfang einer (interaktiven) Reihe darstellt, kam ich durch eine Leserunde bei LovelyBooks.
Ein dänischer Jugendkrimi, dessen Ausgang noch vollends ungewiss ist, wird dem Leser präsentiert. Neben all der Brisanz fällt vor allem die Lässigkeit der Teenager ins Auge, die allerdings auch als Lebensunerfahrenheit gewertet werden kann. Hinzu kommen eine Portion Hightech, typischer Jungenhumor und das unerklärliche Verschwinden eines der Protagonisten.


~ Rezension ~

Zwischen Realität und World Wide Web

Nach den Sommerferien erkennen Mateus und Nick ihren besten Freund Jonathan kaum wieder. Aus dem einstigen Musterschüler und verantwortungsbewussten Freund ist ein desinteressierter, arroganter Junge geworden, der nichts und niemanden mehr für schätzenswert hält.
Als Matheus und Nick dann eines Tages dubiose Nachrichten eines ihnen fremden Ikarus’ via Facebook erhalten, die auf das neue Doppelleben ihres Freundes anspielen, wird die Lage immer mysteriöser. Sind die Zeitungsartikel, an denen Jonathan arbeitet, doch nur Fassade und es steckt viel mehr dahinter? Jonathans spurloses Verschwinden ist wohl der beste Beweis dafür.

Da war’n es nur noch drei (erschienen im KOSMOS Verlag) ist der Beginn einer sechsteiligen Jugendbuchreihe, die das plötzliche Verschwinden Jonathans und die dunklen Verstrickungen um seine Suche thematisieren.
In diesem ersten Buch, das von der dänischen Autorin Ina Bruhn geschrieben wurde, werden die undurchsichtigen Geschehnisse durch den Ich-Erzähler Matheus zum Leben erweckt.
Die Problematik, die in diesem Teil besonders herausgestellt wird, ist die des Drogenkonsums. Die Definition „Genussmittel“ wird von den jugendlichen Charakteren weit interpretiert und dementsprechend gelebt.
Der Schreibstil ist durch Kürze und Übersichtlichkeit geprägt, wobei eine Vielzahl von Dialogen die Handlung voranbringt.
Das komplett offene Ende des Buches empfand ich als sehr gelungen, betrachtet man die Tatsache, dass noch fünf weitere Bücher erscheinen, bis das Geheimnis um Jonathan, Ikarus & Co. endgültig gelüftet wird.

Alles in allem spiegelt das Buch für mich eine Art Wolf im Schafspelz wider: Eine undurchdringliche Handlung, die Bedrohung und Ungewissheit in sich birgt, umhüllt von der leichten Naivität jugendlicher Spürnasen. Die Neugier ist geweckt und die Suche beginnt …

F★ZIT: Undurchsichtig. Jugendlich. Herb.