"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 14. August 2012

[Rezension] Perfect Match (Jodi Picoult)


Jodi Picoult: Perfect Match 
[deutscher Titel: "Die Macht des Zweifels"]

In diesem Buch greift Jodi Picoult das Thema des sexuellen Missbrauchs (innerhalb der Familie) auf. Höchst sensibel und zugleich kraftvoll gestaltet sich eine Handlung, die von plötzlichen und erschreckenden Wendungen geprägt ist.
Mich hat die heikle Brisanz dieses Werks sehr berührt, womit mich die Autorin ein weiteres Mal vollkommen überzeugt hat.


~ Rezension ~

Die Hölle auf Erden durchleben – das ist mehr als nur ein Sprichwort

Als Anwältin hat sich Nina Frost den jüngsten Opfern der Gesellschaft verschrieben. Sie ist die Stimme der Kinder, die durch Missbrauch grausam gepeinigt wurden. Sie ist ehrgeizig, dynamisch, erfolgreich und sie ist Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Als ihr kleiner Nathaniel scheinbar plötzlich seine Stimme verliert, wandelt sich das Blatt von heute auf morgen. Nina und ihr Ehemann Caleb erkennen, dass das Unfassbare der Welt auch vor der eigenen Familie keinen Halt gemacht hat - Nathaniel wurde missbraucht. 
Nina kennt das Gesetz wie keine andere und mit einem Schlag scheint es, das einzig Richtige zu sein, nicht mehr auf die Justiz zu vertrauen. Nina setzt mithilfe ihres besten Freundes, dem Polizisten Patrick Ducharme, das Puzzle zusammen - alles ergibt einen eindeutigen Sinn. Daraufhin entscheidet sich Nina zu einem gewaltigen Schritt. Ein zweites Mal wird damit ihre Familie an den Rand des Abgrunds gedrängt, doch für Nina steht das Wohl ihres Sohnes über allem. Koste es, was es wolle. 

Jodi Picoult beschreibt in Perfect Match eines der grauenvollsten Schicksale, welches eine Familie ereilen kann: Kindesmissbrauch. Eine Schockstarre gefolgt von rasender Wut und dem tiefen Wunsch nach Vergeltung - eine Gefühlsachterbahn, die mich schnell mit in den Bann gezogen hat. Rationale Entscheidungen stehen nicht mehr zur Debatte. Doch wie steht eine durch Gesetze und Recht geregelte Gesellschaft zu Selbstjustiz?
Mit Nina Frost schafft Picoult eine Protagonistin, deren heile Welt aus den Fugen gerät, die sich jedoch auch den Fehler ihres Lebens eingestehen muss. Des Weiteren wird durch Einblicke in die Gedanken des kleinen Nathaniels die ganze Zerbrechlichkeit einer Kinderseele gezeigt. Da muss man als Leser unwillkürlich kräftig schlucken.
Für mich ist dies ein sehr sensibel und zugleich aufwühlend geschriebener Roman, der besonders auch durch eine unzertrennliche Mutter-Kind-Beziehung berührt.

F★ZIT: Schonungslos. Bewegend. Erschreckend.