"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Mittwoch, 30. Januar 2013

[Schreibzeugkiste] In der Ideenschmiede

Eine Frage, die doch schon zum Standardrepertoire beim jeder Frage-Antwort-Runde mit einem Autoren gehört - gleich nach der beliebten Frage des Deutschlehrers "Was hat sich der Autor hierbei möglicherweise gedacht?" und dreiviertel der Klasse die Augen bis zum Himmel rollt, wenn's ans Interpretieren und Analysieren geht - lautet "Woher nehmen Sie nur immer die Ideen für Ihre Geschichten?" Ein Klassiker! Und eine Frage, deren Antwort uns Leser wirklich brennend interessiert. 

Ich betrachte diese Frage nun aus beiden PerspektivenAls Leserin finde ich es spannend, zu erfahren, in welchen Gründen Schriftsteller fischen, um stets aufs Neue sprudelnde Ideen zutage zu fördern, um diese dann mit größter Präzision in die Handlung ihrer Werke einzubinden. Als den Worten mit Passion zugetaner Schreiberling selbst, ist es faszinierend zu erkennen, dass es anderen Autoren oftmals sehr ähnlich geht wie mir. Doch wie genau ergeht es mir denn? Okay, okay, ich sag's euch:

Es ist nicht so, dass ich immerzu - sprich 24/7 - damit zubringe nach Einfällen zu suchen. Nein! Im Gegenteil, die wirkungsvollsten Geistesblitze, seien sie auch noch so klein, "erleuchten" meist spontan, unerwartet und nicht selten in ganz banalen Situationen. Klingt etwas verstaubt und eher unspektakulär, gebe ich zu. Doch ebendies ist es nicht. Es kommt immer darauf an, was man aus einem solchen Geschenk macht, richtig?! Daher muss man in  genau solchen Momenten den Kescher griffbereit haben! Um Himmels willen nichts erzwingen
Bei mir ist es so, dass ich zumeist von der Idee gefunden werden muss, nicht andersherum. Nicht ohne Grund verteilt die viel zitierte und gern zurate gezogene Muße - in welcher Erscheinung ihr sie euch nun auch ausmalen mögt - manchmal mehr, manchmal weniger großzügig ihre Küsse. Es scheint demnach anderen Schreibenden seit Generationen ähnlich zu gehen. Sehr beruhigend!

So weit, so gut. Doch woher weiß ich nun, dass es sich um DIE Eingebung handelt? Sehr berechtigte Frage. Nur habe ich dazu keine Antwort auf Patentrezept. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich es einfach spüre. Dieses Gefühl, dass schlichtweg alle Variablen der Gleichung stimmen, ergreift einen aus dem Inneren heraus. Es ist da und fühlt sich einfach dementsprechend vertraut und allumfassend an. Ich weiß, das klingt nun vielleicht ein wenig pathetisch, ist aber nicht zu ändern.

Derartige Geistesblitze sind nicht nur der (unerwarteten) Entwicklung einer Geschichte zuträglich, sondern dienen uns Autoren insgeheim auch als Zeitkapsel. Das als Randnotiz unter uns. Es wäre als würden wir eine Art Tagebuch schreiben, dessen Inhalt wir zwar mit allen teilen und dennoch die kleinen Geheimnisse zwischen den Zeilen für uns ganz allein haben. Recht gewieft, was? 
Ich finde es zu schön, die fertigen Ausformulierungen im Nachhinein zu lesen und mich dabei an die kleinen Momentaufnahmen zu erinnern, die ich als Teil der Handlung für immer in einer sehr besonderen Kulisse konserviert habe. Seien dies nun Gesprächsfetzen aus geführten Telefonaten oder die Beobachtung an der Bushaltestelle, eine beiläufige Geste, die letzten Endes gar nicht allzu beiläufig war, oder die Szene aus einem Lieblingsfilm. Herrlich ... und zugegebenermaßen undurchschaubar! Die Zunft der Schreibenden hat doch irgendwie die Geheimniskrämerei perfektioniert, denkt ihr nicht?!

Als Leser wiederum bleibt uns der Genuss des Abtauchen in ein Buch, das wir als Ganzes genießen können, dessen Ingredienzien wir erahnen, allerdings nie mit Gewissheit bestimmen können. Diese wie Brausepulver blubbernden Rätselhaftigkeit, Inspiration, Unterhaltung - je nach Blickwinkel - mag ich nur zu sehr. Das ist eine der unbezahlbaren Magien, die ich am Schreiben und Lesen liebe! 

Wie geht es euch denn beim Lesen und/ oder Schreiben? Ein zweiter Blick auf das Buch, das gerade euren Nachttisch ziert oder sich in der Handtasche wiederfindet, kann ungeheuer erquickend sein. Und überhaupt, das eigene Umfeld einmal etwas bedachter und genauer wahrzunehmen kommt nicht nur Leseeulen und Wortakrobaten zugute, sondern unser aller Wohlbefinden, Urteilsfähigkeit und Menschenkenntnis. Viel Spaß beim Entdecken neuer Welten und alt bekannter Sphären, die mit einem Mal in einem neuen Glanz erstrahlen! 


Kommentare:

  1. Wenn ich etwas schreibe, beruht das eigentlich immer auf wahren Begebenheiten oder Spekulationen, die zu solchen Begebenheiten wohl geführt haben. Schreiben ist auch irgendwie eine Art mit Sinneseindrücke umzugehen, damit sie nicht verloren gehen.
    Mittlerweile habe ich jedoch so viele tolle und interessante Menschen kennengelernt, dass ich wohl nie mit dem Schreiben hinterherkomme und ihnen auch nicht gerecht werden kann mit Fiktion, was "ganz Echtes" wäre da besser, und andererseits dann wiederum die Frage nach der Verantwortung gegenüber diesen Menschen, die meist eher nicht gesellschaftskonform handeln, um das mal nett auszudrücken. Enthüllungen könnten also auch Probleme mit sich bringen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich stimme dir zu, in erster Linie tut das Schreiben einem selbst gut. Wenn es dann noch andere Leser mitreißt, umso besser.
      Die Verantwortung, die man hat, sollte man sich unbedingt bewusst machen und daher beim Recherchieren und Schreiben das nötige Fingerspitzengefühl und das Quäntchen Kreativität an den Tag legen.
      Ist doch wunderbar, dass du dich von so vielen inspirierenden Charakteren umgeben fühlst - ganz egal, ob du nun schreibst oder nicht, ein Geschenk ist es allemal.

      Löschen
    2. Aber irgendwie ist es immer Schade, wenn diese Geschichten/ Schicksale dann untergehn, ungenutzt, wo es doch soviel zu erzählen gibt.
      Lg.

      Löschen

Herzlichen Dank für deine Worte.