"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 12. März 2013

[Rezension] Das Sonnenblumenfeld (Andrej Longo)

Andrej Longo: Das Sonnenblumenfeld

Ein Stück italienisches Flair samt Verve, Sinnlichkeit und Wärme hält man mit diesem Werk in Händen. Doch nicht weniger verbirgt sich hinter dem sonnenblumengelben Umschlag eine Geschichte gespickt von Verzweiflung und erschütternder Kurzschlussreaktion. Bildlhaft gesprochen würde ich sagen, dass Emotionen in sämtlichen Farben des Regenbogens komprimiert und dennoch transparent verpackt die Stärke dieser Geschichte sind. Und davon kann ich nahezu nie genug bekommen. 
Eine persönliche Affinität zu Sonnenblumen tat wahrscheinlich ihr Übriges, um dieses Buch im Nachhinein mit einer aufschlussreichen Reise nach Italien zu verbinden.  


~ Rezension ~

Zwischen strahlender Liebe und grollendem Zorn

Die hübsche, willenstarke Caterina und der schüchterne, herzensgute Schusterjunge Lorenzo sind füreinander bestimmt. Das wissen sie seit dem ersten tiefen Blickkontakt auf dem Fest des Bürgermeisters. Doch aufgrund der Missgunst des eigenen Vaters und des aufdringlichen Verehrers Fellone halten die beiden ihre Gefühle geheim.
Als die Beziehung eines Tages dennoch publik wird, schäumt Fellones Eifersucht über und er fasst einen Entschluss. Ein niederträchtiger Plan wird geschmiedet und lässt die Beteiligten einen hohen Preis zahlen.

Das Sonnenblumenfeld ist ein klassisches Drama um eine aufblühende Liebe. Ich fühlte mich unweigerlich an Shakespeares Romeo und Julia erinnert. Der Grundtenor ist der Gleiche, wobei sich Andrej Longo sehr gut darin versteht, die mitreißende Lebenslust aber auch die gesellschaftlichen Tücken des modernen Italiens in die Geschichte einzuflechten.
Aufflammende Zuneigung und melodische Harmonie kommen ebenso zur Geltung wie aufwühlende Zweifel und untrügliche Gewalt. Eine Melange an Emotionen, welche durch die Bandbreite an individuellen Charakteren getragen wird.

Ein besonderes Merkmal dieses Romans, das mir wie ein warmer Hauch entgegenwehte, ist die Wortmalerei, mit derer Longo nicht nur ein unvergleichbares Lebensgefühl einfängt oder mit dem Schicksal hadert, sondern ebenso geschickt auf Missstände aufmerksam macht. Jener komprimierten Bildhaftigkeit steht der Schreibstil, der generell einfach und bündig gehalten ist, gegenüber. Dies verleiht der Rhetorik alles in allem eine angenehme Leichtfüßigkeit.

Die Komposition aus unterschiedlichen Handlungsebenen, Zeitsprüngen und Schicksalen, die sich früher oder später kreuzen, lassen zum einen in die Gedanken und Gefühle der Figuren eintauchen, verraten zum anderen jedoch nicht endgültig alle Details. Daher ist es am Leser selbst, ein abschließendes Resümee über Moral und Gerechtigkeit zu ziehen. Denn auch das offen gehaltene Ende erlaubt Spekulationen.

Insgesamt ist dies ein Roman, der einerseits die Klischees einer italienischen Romanze aufleben lässt, anderseits eine große Eigenständigkeit, Intensität und Symbolik ausstrahlt – ganz wie die Sonnenblume. Ein modernes Drama, welches berührt, schockiert und zum Lächeln bringt.

F★ZITSinnbildlich. Energisch. Schlicht.


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