"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
Posts mit dem Label Bendzko werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bendzko werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 22. November 2016

[Rezension] {♫♫} Immer noch Mensch (Tim Bendzko)

Tim Bendzko: Immer noch Mensch 

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich seltenst der Veröffentlichung eines Musikalbums derartig entgegengefiebert habe wie der von Immer noch Mensch. Nachdem Tim Bendzkos ersten beiden Alben, Wenn Worte meine Sprache wären und Am seidenen Faden, mit Leichtigkeit die meistgehörtesten meiner Sammlung sind, konnte ich diesen musikalischen Nachschub in Form der signierten Special Edition (die, nebenbei gesagt, doch wahrlich hübsch daherkommt) daher kaum bis gar nicht erwarten...

Was kann ich sagen? Nun, ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Album auf Anhieb vielleicht sogar noch ein bisschen mehr in den Bann würde ziehen können als seine Vorgänger. (So ziemlich ein Ding der Unmöglichkeit!) Das über eineinhalb Jahre lange Warten nach dem vorerst letzten Konzertbesuch hat sich definitiv gelohnt. 

Ich weiß gar nicht so recht, was mich am meisten beeindruckt? Aber für mich als ultimativer Fan von Sprache und Wortmalereien und ambitionierter Gedankenjongleur ganz vorn mit von der Partie ist zweifellos die für meinen Geschmack geniale Kombination der aussagekräftigen Texte mit Melodien, die unter die Haut gehen. 

P.S.: Nicht oft hatte ich bereits im Vorfeld einer Tour einer derartig klare Überzeugung davon, wie wunderbar die Interpretationen auf der Bühne wirken werden...


~ Rezension ~

Ein Resonanzkörper menschlicher Empfindungen

Es gibt Musik, die sich gern hören lässt. Und es gibt Musik, die wir fühlen — durch und durch und bei jedem Hören aufs Neue und ein wenig mehr. Zu zweiter Gruppe gehört Immer noch Mensch. Ein Album, das eine Auswahl an Liedern vereint, die Tim Bendzko als Singer/Songwriter und Produzent selbst als Pralinen bezeichnet und den Hörern dementsprechend kredenzt. Beinahe scheint es, als bringe Beste Version, so der erste Titel auf dem Album, das mögliche Resümee zum Gesamtwerk bereits ausdrucksstark auf den Punkt. 

Tim Bendzkos drittes Album Immer noch Mensch steckt voller unaufdringlicher Aufrichtigkeit und emotionalem Mehrwert. Es schlägt Saiten an, von denen sich du und ich angesprochen, verstanden und beflügelt fühlen.

Eine Stärke Tim Bendzkos ist es seit jeher, seinen Stücken eine vom ersten Ton an verständliche, aber dennoch tiefenwirksame Bedeutung zu geben. Dieses Vermögen verfeinert er auf Immer noch Mensch. Präzise Eloquenz, die hohe Intensität an gefühlsbetonten Werten und lebensechte Dynamik charakterisieren das Album. Teils gerade heraus, zeitweise clever zwischen den Zeilen verpackt spiegeln die Texte ein einnehmendes Kaleidoskop nur allzu menschlicher Befindlichkeiten, Einsichten und Möglichkeiten wider.

Die einen mögen die deutliche Nachdenklichkeit des Albums vielleicht als durchaus schwermütig einstufen. Ich hingegen empfinde die aufgefächerte Analytik und Beobachtungsgabe vielmehr als absolut auf den Kopf getroffenen Nagel. 

Ob angegraute Melancholie oder wabernder Weltschmerz, ob offensive Zuversicht oder beharrliche Leichtfüßigkeit — jedes einzelne Lied gleicht gewissermaßen einer Offenbarung, deren Identifikationspotenzial (mich) sehr berührt. Die Harmonie zwischen den mit großem Wahrheitsgehalt ausstaffierten Textzeilen und deren musikalischer Untermalung ist mehr als nur gelungen. Eine Liebe zum Detail, die beim Hören spürbar wird. Ganz ehrlich: Für mich persönlich gibt es nur sehr, sehr wenige Künstler, die es schaffen, mich in diesem großartigen Umfang mit ihrer Musik zu begeistern.

Leise, authentische Töne, die laut nachhallen, einfühlsame Reflexion und munterer Enthusiasmus für ein Leben mit all seinen Etappen machen die Mischung aus, mit der Tim Bendzko "Lebensweisheiten" teilt, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil. Mit Zeilen wie Kann man das noch reparieren?, Was du jetzt bräuchtest, ist'n bisschen Phantasie und der Schleier fällt und Ich sing' nicht für den Applaus, gehört zu werden, reicht mir aus spricht der Berliner vermutlich tausenden Menschen aus der Seele. Denn bei all dem Tohuwabohu, das uns täglich umgibt, ist und bleibt es essentiell (wenngleich nicht immer einfach) sich selbst treu zu bleiben.

Immer noch Mensch ist viel mehr als eine gekonnt arrangierte Zusammenstellung von 11 Liedern mit Charakter, die in einem Keller auf dem Land eingespielt worden sind. Es ist Sprachrohr, Katalysator und Spiegelbild in einem und vom Feinsten!

F★ZIT: Glaubwürdig. Menschlich. Zeitlos.


Dienstag, 25. Oktober 2016

[Neu im Regal] Auf die beste Version lohnt sich das Warten!

Huuuiii! Weshalb sich der 21. Oktober in diesem Jahr für mich angefühlt hat, als wären Weihnachten, mein Geburtstag und sämtliche Feiertage auf diesen einen Termin gefallen, hat einen ganz plausiblen Grund: die Veröffentlichung von Tim Bendzkos drittem Album Immer noch Mensch. 

Wer mich ein klein wenig näher kennt, weiß, dass ich großer Fan der inhaltsvollem Musik Tim Bendzkos bin. Ich liebe einfach gute Texte mit Tiefgang und raffinierte Wortspiele. Und für meinen Geschmack findet der Singer-Songwriter aus Berlin eben immer die richtigen Worte. 

Dass nun die handsignierte Special-Edition von Immer Noch Mensch inklusive Fotobuch und Poster vorbestellt werden musste, erklärt sich folglich von selbst, nicht wahr?! Hach ja, und wie hübsch sie ist. Nicht nur ihre Optik, sondern auch ihre inneren Werte sind sowas von entzückend.


Mittwoch, 19. März 2014

[Live-Erlebnis] Großer Heimsieg beim musikalischen Torwandschießen

Wie vielleicht mittlerweile bekannt sein dürfte, bin ich Fan von Worten, die auf ansprechende Weise in die Tiefe gehen — in jeder erdenklichen Hülle verpackt: Buch, Postkarte, Zitat oder eben Musik. Einer meiner persönlichen Favoriten ist in Hinblick auf Letztere der Berliner Sänger und Texter Tim Bendzko. Da gibt's jetzt kein Wenn und Aber. Ist einfach eine unumstößliche Tatsache. Punkt. Ausrufezeichen!

Daher freute es mich ungemein, dass Tim Bendzko auf seiner aktuellen Ich steh nicht mehr still Tour nicht nur im vergangenen Sommer in der Waldbühne Berlin spielte, sondern nun abermals in der Hauptstadt zum Konzert einlud. Klare Sache: ein Muss (für mich).

Nichts wie los also: Ich will das jetzt hier alles ...

Für die sympathische und gleichsam stimm- bzw. wortgewaltige Eröffnung des Abends sorgten Sänger/Songwriter Tom Klose in Begleitung von Celloklängen sowie Poetry-Slammerin Julia Engelmann mit ihrer den Nagel auf den Kopf treffenden Dichtung. 

Anschließend betrat die Band Tim Bendzkos auf leisen Sohlen die Bühne und nahm vor ausverkauftem Haus Position ein. Vor gelb erleuchtetem Hintergrund waren die schwarzen Silhouetten der Musiker und Sänger schon einmal ein erster Hingucker: dezent, unaufdringlich und vor allem aber markant wirkungsvoll.
Dann begann die Show mit einem Sänger, der mit Mein Leben ist dein Leben ins Scheinwerferlicht trat. Im Hintergrund auf die Leinwand projiziert wurden derweil seine überlebensgroßen Hände, die der Refrain des Lieds zierte. Eine gesungene Botschaft, die somit dank visueller Effekte noch einmal originell unterstrichen wurde.

Apropos Botschaft, der Grundtenor dieser zog sich durch den gesamten Abend: Schlichtheit mit fundiertem aussagekräftigen Kern kann im Rennen gegen Pomp und Knalleffekt noch immer die Nase vorn haben. Sehr angenehm. 

Für meinen Geschmack stimmten sämtliche Details des Gesamtpakets und passten damit vollkommen in eine Welt, die es nur noch kurz zu retten gilt. 
Die Bühne wurde mit farblichen Akzenten ausgeleuchtet. Das variantenreiche Zusammenspiel der Instrumente mit der Stimme von Sänger und Background-Sängern war eine abwechslungsreiche Mischung aus Ruhepol und rockigem Gitarrensound. Die Musikstücke wurden teilweise in erfrischend abgewandelten Live-Versionen dargeboten. 

Hinzu kam ein minimalistisches Bühnenbild, das mich persönlich auf Anhieb überzeugte, weil es gleichermaßen schlicht wie clever ausgestaltet und einfallsreich auf die Inhalte der Liedtexte abgestimmt war: An Comic, Cartoon und ein mit Kreide gezeichnetes Tafelbild angelehnte Bilder entstanden während des musikalischen Vortrags im Hintergrund und vervollkommneten damit visuell den Gesamteindruck. Ergänzt wurde dieser in weiten Teilen des Konzerts insbesondere durch besagte Lichteffekte, die großzügig eingesetzt wurden.

Was neben dem ausgelassenen Miteinander von Sänger und Band sowie Sänger und Publikum ebenfalls einem der Glanzpunkte des Konzerts entsprach, war wohl der gemeinsame Auftritt von Tim Bendzko und Cassandra Steen. Laut eignen Aussagen, war es (wieder einmal) eine spontane Idee des Sängers, seine Duettpartnerin für Unter die Haut vor Ort wissen zu wollen. Um 13 Uhr traf die SMS bei der Sängerin in Stuttgart ein. Wenige Stunden später stand sie in der Max-Schmeling-Halle auf der Bühne ... und das Publikum quittierte diese Stippvisite lauthals mit großer Freude.

Nicht weniger schlugen natürlich all die anderen Darbietungen des Sängers ein. Immer wieder fungierte die gefüllte Halle als zuverlässiger Chor, der konsequente Textsicherheit ebenso bewies wie ein wippendes Tanzbein. Das Motto des Abends Ich steh nicht mehr still stets vor Augen. Mit zackiger Euphorie wurde im Übrigen auch die Bendzko-Interpretation von Herbert Grönemeyers Was soll das aufgenommen. Nur ein weiterer Beweis für die Lockerheit und Leichtfüßigkeit in der Halle.

Insgesamt mochte ich als Zuschauer unter anderem besonders den Fakt, dass Tim Bendzko selbst die Bühne ziemlich offensichtlich überhaupt nicht mehr verlassen wollte. Gewohnt bescheiden und umso begeisterungsfähiger versenkte der fußballaffine Sänger Treffer um Treffer bei seinem Heimspiel — sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der tosenden Verlängerung. Eine Interaktion und Lebendigkeit, die in einem Augenblick die leisen, nachdenklichen und vieldeutig interpretierbaren Töne traf und im nächsten Moment für fulminante Feierlaune sorgte. Atmosphäre zum Eintauchen!

Das (wenig überraschende) Stimmungsbild meinerseits nach diesem großartigen Abend lässt sich recht eindeutig und natürlich mit einem Tim-Bendzko-Zitat auf den Punkt bringen: Ich will viel mehr davon!


Montag, 30. Dezember 2013

[Jahresrückblick] 2 0 1 3

Es lässt sich jetzt (selbst mit aller Fantasie) nicht mehr anders sagen als: "Das Jahr 2013 neigt sich zielsicher dem Ende entgegen." Der ideale Zeitpunkt also, für einen kleinen Jahresrückblick meinerseits. 

2013, ich darf es hier unterstreichen, war ein wahrlich tolles, vielseitiges und bereicherndes Buchbloggerjahr für meine Wenigkeit.

Dankbar bin ich in diesem Zusammenhang für all die schönen, neuen und zum Teil unerwarteten Möglichkeiten, welche die Tätigkeit als bloggender Bücherwurm für mich in petto hielt. 
Dazu gehören eine Vielzahl an Rezensionsexemplaren von Autoren und Verlagen, gleich mehrere Blogtouren zu Büchern, die ihr Publikum (mich eingeschlossen) entzückt haben, die Berufung zum Betaleser sowie großartige Interviews in Form des blogeigenen Kreativplauschs mit Adriana Popescu, C. M. Singer, Ellen Dunne, Katrin Koppold und Katharina Gröger von Textverliebt.

Des Weiteren möchte ich für die herzlichen Austausche und (Blog-) Freundschaften, die sich dank des Bloggens ergeben haben, danke sagen! Ohne die lebhaften und engagierten Wortwechsel zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten wäre mein virtuelles Jahr nur halb so vergnüglich gewesen. Denn jede einzelne Nachricht — ob Zweizeiler als Kommentar oder Kurzgeschichte als E-Mail — war ein Beweis dafür, dass die Liebe zum geschriebenen Wort (über das reine Bloggen hinaus) verbindet. Ein schönes Gefühl!

Außerdem gab es so viele unterhaltsame Bücher, spannende Themen und Erlebnisse wie die Leipziger Buchmesse und Konzertabende, dass ich eine Menge kreatives Schreiben an den Tag legen konnte und durfte. Denn solche Highlights müssen schließlich geteilt werden!

Aus all jenen Beiträgen meine persönlichen Favoriten zu wählen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen, versteht sich. Dennoch möchte ich (neben den oben bereits verlinkten) ein paar Artikel benennen, die mir aus verschiedensten Hinter- und Beweggründen besonders viel Freude bereitet haben. 

Jene Aufzählung steht als würdiger Stellvertreter für all die tollen Dinge, über die ich berichtet habe:

Rezensionen zu Büchern, die ich schlichtweg empfehlen muss:

Aussicht auf Sternschnuppen (Katrin Koppold)
Einfach Freunde (Abdel Sellou)
Der Tintenschnüffler und die Weltenweber (Iris Deitermann)
Lieblingsmomente (Adriana Popescu)
The Fault in Our Stars [Das Schicksal ist ein mieser Verräter] (John Green)
Wunder muss man selber machen (Sina Trinkwalder)

Live-Erlebnisse, die Eindruck hinterlassen haben:

Leipziger Buchmesse 2013
Tim Bendzkos "Mission Waldbühne"
Tom Beck macht auf seiner "To The Roots Tour" Halt in Berlin


Und um diesen Jahresrückblick gebührend abzurunden, möchte ich euch natürlich auch die Top 10 der Publikumslieblinge unter den Blogposts nicht vorenthalten. Denn sie zeigen, wie sehr IHR als Leser (m)einen Blog zu dem macht, was er ist. 

Welche Posts wurden nun also von EUCH in diesem Jahr am häufigsten aufgerufen?

Seht ihr, ich sag doch, ihr seid klasse Leser und beweist das ganze Jahr über echt Geschmack. Sehr schön bunt gemischte Beiträge haben in eurer Gunst ganz weit oben gelegen. Ich bin begeistert!


Mit einem herzlichen Dankeschön an euch alle versehen, die ihr Creativity First mit zu einer Herzensangelegenheit macht, möchte ich euch ein funkensprühendes Silvester sowie ein glückliches, gesundes und buchstabenreiches Jahr 2014 wünschen! Wir lesen uns bestimmt.


Montag, 9. Dezember 2013

[Rezension] {♫♫} Am seidenen Faden — Unter die Haut (Tim Bendzko)

Tim Bendzko: Am seidenen Faden — Unter die Haut 

Was richtig gute Musik konkret ausmacht, davon hat vermutlich jeder so seine eigene Auffassung, die er mehr oder weniger vehement verteidigt. 
Für mich macht ebenjene in häufigen Fällen vor allem eine tiefgründige Textlastigkeit, die dennoch wenig aufdringlich wirkt, aus. Wen wundert es daher, dass auch die neuste Veröffentlichung aus der Hitschmiede Bendzko auf Anhieb meine allumfassende Zustimmung erfährt? 
Ob in sich ruhend, aufgewühlt oder wild entschlossen — für mich stimmen nicht nur die Intentionen dieses Künstlers, sondern auch die Art, mit welcher er sie zu vermitteln weiß. Ohne enormes Getöse, dafür umso eindringlicher. In CD-Format UND live auf der Bühne.


~ Rezension ~

Musikalische Präzision, die poetisch daherkommt

Es gibt Lieder, die erzählen Geschichten. Geschichten, die das Leben schreibt. Geschichten, die gleichermaßen individuell wie universell anmuten und genau dadurch berühren, innehalten oder sich dankbar fühlen lassen. Ebenjene zeitlose und ausdrucksvolle Melange an mit Herz und Verstand versehenen Emotionen ist der Trumpf dieses Doppelalbums Tim Bendzkos, das uns, wenn wir es zulassen, in einen Spiegel schauen lässt. Hinhören ist das eine. Doch viel wertgebender ist das Reflektieren. Träume, die sich erfüllen. Träume, die zerschellen. Jeder kennt diese Momente. Allerdings bringen wohl die wenigsten sie derart feinsinnig, unmissverständlich und nichtsdestotrotz vielfältig deutbar auf den Punkt wie der Berliner Singer-Songwriter.

Mit Am seidenen Faden — Unter die Haut beweist Tim Bendzko einmal mehr, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. Denn in den insgesamt 26 Tracks der beiden CDs überzeugt er durch ehrliche Persönlichkeit, die er in einen Mantel aus Allgemeingültigkeit kleidet. Wohl jeder Hörer wird sich in der einen oder anderen Passage der Musik wiederfinden und Parallelen zu eigenen Beobachtungen, Erfahrungen, Prämissen ziehen können. 

In gewohnter Manier setzt Tim Bendzko mit seinen klaren Texten Akzente, die tatsächlich unter die Haut gehen. Es gelingt ihm, Erkenntnisse und Emotionen wie ein Damokles Schwert am seidenen Faden über einem kreisen zu lassen.

Es bedarf keiner großartigen Schnörkel und Applikationen, um sich Gehör zu verschaffen. Für mich ist es, im Gegenteil, sehr beeindruckend, wie es dem Sänger stets aufs Neue gelingt, Botschaft und Mehrwert mit derartiger Präzision zu versehen. Die Worte, die er wählt, sitzen und treffen ins Schwarze. Ob er nun von kreisenden Geiern, dem Schmerz verblassender Erinnerungen oder der einsamen Zweisamkeit singt, nachdrückliche Bilder im Kopf entstehen unwillkürlich.

Während Tim Bendzko auf CD 1 als reiner Solokünstler nicht mehr still steht, beinhaltet die zweite Hälfte des Albums eine Reihe von Duetten mit namhaften Künstlern. Allen voran die gleichnamige Single Unter die Haut, die in Zusammenarbeit mit der großen Stimme Cassandra Steen entstand.

Die eingängigen instrumentalen Arrangements des Doppelalbums schlagen die unterschiedlichsten Töne an. Filigrane Streicher kommen ebenso zum Einsatz wie das Piano oder Gitarre und E-Gitarre. Markant an dieser Zusammenstellung ist, dass hierbei den charakteristischen seichten Klängen nicht selten ein zackiger Beat beigemischt wurde, der dem Stimmungsbild einen etwas extravaganteren Anstrich gibt.

Wie gewohnt verleiht Tim Bendzko, aller persönlichen Bodenständigkeit zum Trotz, Worten und Emotionen Flügel. Dabei spielen Nachdenklichkeit und Melancholie eine ähnlich imposante Rolle wie das Hoffnungsvolle eines Perspektivenreichtums. Ein Kaleidoskop aus zu Herzen gehenden (zwischen-) menschlichen Werten, Stärken und Schwächen wird musikalisch aufs Feinste aufbereitet.

In der Summe ein Album, das ein doppeltes Ausrufezeichen hinter die Textakrobatik, die Musikalität und das Gespür für gelebten Scharfsinn seines Interpreten setzt. Sozusagen ein gesungenes Dankeschön an die Gefühlsachterbahn des Lebens und die Chancen, welche diese bietet.

F★ZIT: Intensiv. Real. Wegweisend.


Freitag, 23. August 2013

[Neu im Regal] Sternschnuppen sind (vor-) programmiert

Seit geraumer Zeit hege ich den starken Wunsch, mir genau das Buch zuzulegen, das es jetzt - Zeit wird's! - in meinen Besitz geschafft hat. 
Dabei handelt es sich um Katrin Koppolds viel gelobten Roman Aussicht auf Sternschnuppen. Weshalb genau es nun eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis ich jenes Werk in Händen halten durfte, ist mir selbst leicht schleierhaft. Mit umso größerer Vorfreude blicke ich nun ein paar exquisiten Lesestunden entgegen. Himmlisch! Ich hab ein gutes Gefühl.

Des Weiteren kam ich nicht umhin mir Programmiert, die zweite Singleauskopplung von Tim Bendzkos Album Am seidenen Faden, zu sichern. Neben diversen Versionen der eingängigen Single selbst befinden sich vier markante, kraftvolle Tracks, die in Zusammenarbeit mit großen Stimmen entstanden sind, auf der CD. Eine Tatsache, die dem Ganzen wohl das offizielle Siegel Premium aufsetzt. Nun ja, und das für meinen Geschmack umwerfend gute Open-Air-Konzert zu Anfang des Monats tat dann das Übrige, um mich zu überzeugen, dieser Musik nicht widerstehen zu können. Was muss, das muss.


Musikvideo zu "Programmiert"





"Programmiert" live auf der Waldbühne Berlin 





Mittwoch, 7. August 2013

[Live-Erlebnis] Eine Mission, die zum Strahlen brachte!!!

Dass ich große Stücke für gute (= textintensive, ausdrucksstarke, wortverspielte) deutschsprachige Musik übrig habe, ist eine Tatsache, die ich bereits früher mit euch geteilt habe. Denn immerhin berichtete ich vor gar nicht allzu langer Zeit schon einmal – im Grunde zweimal, um genauer zu sein –, dass ich wahre Begeisterung für die Arbeiten des Berliner Singer/Songwriters Tim Bendzko hege. 
Sowohl sein erstes Album Wenn Worte meine Sprache wären (2011) als auch dessen Nachfolger Am seidenen Faden (2013) gehören zum festen, zum felsenfesten Repertoire meiner CD-Sammlung. Besonders mag ich den Mix aus Einmal-gehört-nie-mehr-vergessen-Liedern und Lass-Text-und-Takt-erst-einmal-auf-dich-wirken-und-fühl-dich-anschließend-in-einer-Dauerschleife-gefangen-Liedern.

Als ich im zurückliegenden Frühjahr nun davon erfuhr, dass Tim Bendzko 2013/14 erneut auf Tour gehen würde, die dieses Mal den vielsagenden Titel Ich steh nicht mehr still tragen sollte, die dann auch noch mit der großartigen Mission Waldbühne in Berlin im August 2013 eröffnet werden würde, war eines SOFORT klar: Ich möchte (= muss) zu diesem Konzert!!!

Am vergangenen Wochenende war es nun so weit: Mit Pauken und Trompeten – oder besser: mit Cello und Akkordeon – läutete Tim Bendzko in seiner Heimatstadt vor einer prächtigen Freilichtkulisse gefüllt mit etwa 20.000 Menschen seine aktuelle Tour ein.

Es war schlichtweg ein gigantisches Erlebnis, das sowohl für das begeisterte Publikum als auch für die Sänger und Musiker auf der Bühne etwas sehr Besonderes war. Die Sänger, weil Tim Bendzko es sich nicht nehmen ließ, gemeinsam den fabelhaften Überraschungsgästen Chima, F.R., Cassandra Steen, Henning Wehland und Tino Oac sowie Klimas von Die Söhne Mannheims den Abend auszuschmücken.

Die Atmosphäre im Kessel der Waldbühne kochte – nicht nur, weil eine sich eine sommerliche Dunstglocke, die durch einen ebenso unerwarteten wie angenehmen Sommerregen aufgelockert wurde, wie ein Vakuum über den Veranstaltungsort legte. Sondern im Besonderen, weil ein sympathischer, lockerer und vollkommen nahbarer Tim Bendzko samt toller Crew mit Schwung und Passion durch den Abend führte. Bestens aufgelegt sang er für das bunt gemischte und Laola-Wellen inszenierende Publikum und gleichermaßen mit ihm. 
Der Funke sprang von der ersten Sekunde an vollkommen über … entfachte ein Feuer (Achtung: Waldbrandgefahr!) … und büßte bis zum letzten Paukenschlag, der in diesem Falle durch den beherzten Griff in die Gitarrensaite ersetzt worden ist, rein gar nichts an Intensität ein. Im Gegenteil!

Ein bezeichnendes Beispiel für die famose Stimmung ist gewiss folgendes Bild: Eine Reihe vor mir stand ein etwa acht Jahre altes Mädchen im Gang neben dem eigentlichen Sitzplatz, tanzte euphorisch zu den Klängen und sang aus Leibeskräften (!) die Zeilen, die durch die Arena hallten, mit. Neben ihr stehend hatte es den Großvater der Kleinen auch vom Platz gerissen und die beiden waren völlig in ihrem Element. Genial!

Sicher, dass es ein unglaubliches Konzert werden würde, wäre (beinahe) zu erwarten gewesen. Doch dass es dermaßen „reinhaut“ und mit jedem besungenen Herzschlag wie programmiert die Welt rettet und daher gern zurücksehen lässt, war ein Erfolg der aller ersten Güte. Künstler und Publikum blieben sichtlich gerührt zurück und hatten gemeinsam 'nen langen Tag! 

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich möchte sagen, dass ihr – solltet ihr entweder handgemachtes deutschsprachiges Liedgut, in dem Herz und Seele und eine Menge mehr stecken (im Allgemeinen) mögen oder gar Tim Bendzkos Musik (im Engeren) für euch entdeckt haben – wann immer sich die Gelegenheit ergibt, ein Konzert von diesem Künstler unbedingt miterleben. Sehr, sehr, sehr empfehlenswert!

Unbändige Lebensfreude wird ohne unnötig verschnörkeltes Beiwerk und dafür mit umso mehr Überzeugung, Esprit und Strahlkraft transportiert. Mit spürbarer Dankbarkeit und Bescheidenheit trat Tim Bendzko seinem Publikum gegenüber – eine Attitüde, die übrigens nicht nur bei mir sehr gut ankommt. 

Bleibt unter dem Strich dieser etwas anderen „Rezension“, die ich mir nicht nehmen lassen konnte/wollte, festzuhalten: Mission Waldbühne mehr als erfolgreich erfüllt! Ich steh nicht mehr still und das war gewiss nicht das letzte Mal, das letzte Lied, denn getreu der Aufforderung: „Sag einfach Ja“ bin ich liebend gern wieder einmal mit dabei, wenn ein Tim Bendzko samt famoser Band zur Hochform aufläuft. Ich will viel mehr davon!

F★ZIT: Umwerfend. Ansteckend. Beeindruckend.


P.S.: Manch einer von euch mag es vielleicht erkannt/geahnt haben, es greifen einige Formulierungen mehr oder weniger direkt Passagen auf, die für gewöhnlich mit Noten versehen sind. Musste einfach sein. ♫♫


Mittwoch, 29. Mai 2013

[Neu im Regal] Worte + Melodien = poetische Stärke

Wie sehr ich eine Schwäche für die geballte Kraft gut gewählter Worte, poetischer Wortspiele und kluger Lebensweisheiten in Form formvollendeter Wortjonglage habe, brauche ich, glaube ich, nicht mehr explizit zu betonen, oder?

Neben wundervoll packenden Büchern gibt es auch originelle, individuelle, aussagekräftige Musik, der ich mich schlichtweg nicht entziehen kann und möchte. Wäre auch echt schade drum.
 
Um ebenjene Musiksammlung zu erweitern, traf jetzt Am seidenen Faden [akuter Dauerschleifenalarm!] von Tim Bendzko, einem Menschen mit immenser Beobachtungsgabe und großem Erkenntnisreichtum, der es wahrhaftig drauf hat, (mich) zu überzeugen, ein. 
Allen, die sympathische Musik mögen, die von Herzen kommt und zu Herzen geht, sei jenes Album mehr als empfohlen.


Freitag, 26. April 2013

[Neu im Regal] Über die Wirkung von Worten

Keine Frage, Worte sind die essentiellen Bestandteile von Büchern im Allgemeinen. Doch, ich habe das Gefühl, dass Worte in Falle meiner neusten Errungenschaften von Vornherein eine noch etwas tiefsinnigere Bedeutung mit sich bringen.

Aufgrund so mancher Positivberichterstattung zu Ich blogg dich weg von Agnes Hammer durfte ich mir jenes starke Jugendbuch, das zeitgemäßer wohl kaum sein könnte, keinesfalls entgehen lassen. 

Außerdem bin ich riesiger Fan von Musik, die zum einen bedeutungsvoll, zum anderen von Herzen daherkommt. Wer, wenn nicht Tim Bendzko mit seinem Album Wenn Worte meine Sprache wären würde nun besser in dieses "Beuteschema" passen?! Allein den Titel finde ich derart auf den Punkt gebracht, dass ich gänzlich hin und weg war. 


... Worte bewegen. Worte verletzen. Worte heilen. Worte erfreuen. Worte strafen. Worte amüsieren. Worte verzaubern. Worte rühren zu Tränen. Worte betonen. Worte versiegen. ...
Worte können so vieles, wenn wir sie gefunden haben.