"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Mittwoch, 19. März 2014

[Live-Erlebnis] Großer Heimsieg beim musikalischen Torwandschießen

Wie vielleicht mittlerweile bekannt sein dürfte, bin ich Fan von Worten, die auf ansprechende Weise in die Tiefe gehen — in jeder erdenklichen Hülle verpackt: Buch, Postkarte, Zitat oder eben Musik. Einer meiner persönlichen Favoriten ist in Hinblick auf Letztere der Berliner Sänger und Texter Tim Bendzko. Da gibt's jetzt kein Wenn und Aber. Ist einfach eine unumstößliche Tatsache. Punkt. Ausrufezeichen!

Daher freute es mich ungemein, dass Tim Bendzko auf seiner aktuellen Ich steh nicht mehr still Tour nicht nur im vergangenen Sommer in der Waldbühne Berlin spielte, sondern nun abermals in der Hauptstadt zum Konzert einlud. Klare Sache: ein Muss (für mich).

Nichts wie los also: Ich will das jetzt hier alles ...

Für die sympathische und gleichsam stimm- bzw. wortgewaltige Eröffnung des Abends sorgten Sänger/Songwriter Tom Klose in Begleitung von Celloklängen sowie Poetry-Slammerin Julia Engelmann mit ihrer den Nagel auf den Kopf treffenden Dichtung. 

Anschließend betrat die Band Tim Bendzkos auf leisen Sohlen die Bühne und nahm vor ausverkauftem Haus Position ein. Vor gelb erleuchtetem Hintergrund waren die schwarzen Silhouetten der Musiker und Sänger schon einmal ein erster Hingucker: dezent, unaufdringlich und vor allem aber markant wirkungsvoll.
Dann begann die Show mit einem Sänger, der mit Mein Leben ist dein Leben ins Scheinwerferlicht trat. Im Hintergrund auf die Leinwand projiziert wurden derweil seine überlebensgroßen Hände, die der Refrain des Lieds zierte. Eine gesungene Botschaft, die somit dank visueller Effekte noch einmal originell unterstrichen wurde.

Apropos Botschaft, der Grundtenor dieser zog sich durch den gesamten Abend: Schlichtheit mit fundiertem aussagekräftigen Kern kann im Rennen gegen Pomp und Knalleffekt noch immer die Nase vorn haben. Sehr angenehm. 

Für meinen Geschmack stimmten sämtliche Details des Gesamtpakets und passten damit vollkommen in eine Welt, die es nur noch kurz zu retten gilt. 
Die Bühne wurde mit farblichen Akzenten ausgeleuchtet. Das variantenreiche Zusammenspiel der Instrumente mit der Stimme von Sänger und Background-Sängern war eine abwechslungsreiche Mischung aus Ruhepol und rockigem Gitarrensound. Die Musikstücke wurden teilweise in erfrischend abgewandelten Live-Versionen dargeboten. 

Hinzu kam ein minimalistisches Bühnenbild, das mich persönlich auf Anhieb überzeugte, weil es gleichermaßen schlicht wie clever ausgestaltet und einfallsreich auf die Inhalte der Liedtexte abgestimmt war: An Comic, Cartoon und ein mit Kreide gezeichnetes Tafelbild angelehnte Bilder entstanden während des musikalischen Vortrags im Hintergrund und vervollkommneten damit visuell den Gesamteindruck. Ergänzt wurde dieser in weiten Teilen des Konzerts insbesondere durch besagte Lichteffekte, die großzügig eingesetzt wurden.

Was neben dem ausgelassenen Miteinander von Sänger und Band sowie Sänger und Publikum ebenfalls einem der Glanzpunkte des Konzerts entsprach, war wohl der gemeinsame Auftritt von Tim Bendzko und Cassandra Steen. Laut eignen Aussagen, war es (wieder einmal) eine spontane Idee des Sängers, seine Duettpartnerin für Unter die Haut vor Ort wissen zu wollen. Um 13 Uhr traf die SMS bei der Sängerin in Stuttgart ein. Wenige Stunden später stand sie in der Max-Schmeling-Halle auf der Bühne ... und das Publikum quittierte diese Stippvisite lauthals mit großer Freude.

Nicht weniger schlugen natürlich all die anderen Darbietungen des Sängers ein. Immer wieder fungierte die gefüllte Halle als zuverlässiger Chor, der konsequente Textsicherheit ebenso bewies wie ein wippendes Tanzbein. Das Motto des Abends Ich steh nicht mehr still stets vor Augen. Mit zackiger Euphorie wurde im Übrigen auch die Bendzko-Interpretation von Herbert Grönemeyers Was soll das aufgenommen. Nur ein weiterer Beweis für die Lockerheit und Leichtfüßigkeit in der Halle.

Insgesamt mochte ich als Zuschauer unter anderem besonders den Fakt, dass Tim Bendzko selbst die Bühne ziemlich offensichtlich überhaupt nicht mehr verlassen wollte. Gewohnt bescheiden und umso begeisterungsfähiger versenkte der fußballaffine Sänger Treffer um Treffer bei seinem Heimspiel — sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der tosenden Verlängerung. Eine Interaktion und Lebendigkeit, die in einem Augenblick die leisen, nachdenklichen und vieldeutig interpretierbaren Töne traf und im nächsten Moment für fulminante Feierlaune sorgte. Atmosphäre zum Eintauchen!

Das (wenig überraschende) Stimmungsbild meinerseits nach diesem großartigen Abend lässt sich recht eindeutig und natürlich mit einem Tim-Bendzko-Zitat auf den Punkt bringen: Ich will viel mehr davon!


Mittwoch, 7. August 2013

[Live-Erlebnis] Eine Mission, die zum Strahlen brachte!!!

Dass ich große Stücke für gute (= textintensive, ausdrucksstarke, wortverspielte) deutschsprachige Musik übrig habe, ist eine Tatsache, die ich bereits früher mit euch geteilt habe. Denn immerhin berichtete ich vor gar nicht allzu langer Zeit schon einmal – im Grunde zweimal, um genauer zu sein , dass ich wahre Begeisterung für die Arbeiten des Berliner Singer/Songwriters Tim Bendzko hege. 
Sowohl sein erstes Album Wenn Worte meine Sprache wären (2011) als auch dessen Nachfolger Am seidenen Faden (2013) gehören zum festen, zum felsenfesten Repertoire meiner CD-Sammlung. Besonders mag ich den Mix aus Einmal-gehört-nie-mehr-vergessen-Liedern und Lass-Text-und-Takt-erst-einmal-auf-dich-wirken-und-fühl-dich-anschließend-in-einer-Dauerschleife-gefangen-Liedern.

Als ich im zurückliegenden Frühjahr nun davon erfuhr, dass Tim Bendzko 2013/14 erneut auf Tour gehen würde, die dieses Mal den vielsagenden Titel Ich steh nicht mehr still tragen sollte, die dann auch noch mit der großartigen Mission Waldbühne in Berlin im August 2013 eröffnet werden würde, war eines SOFORT klar: Ich möchte (= muss) zu diesem Konzert!!!

Am vergangenen Wochenende war es nun so weit: Mit Pauken und Trompeten – oder besser: mit Cello und Akkordeon – läutete Tim Bendzko in seiner Heimatstadt vor einer prächtigen Freilichtkulisse gefüllt mit etwa 20.000 Menschen seine aktuelle Tour ein.

Es war schlichtweg ein gigantisches Erlebnis, das sowohl für das begeisterte Publikum als auch für die Sänger und Musiker auf der Bühne etwas sehr Besonderes war. Die Sänger, weil Tim Bendzko es sich nicht nehmen ließ, gemeinsam den fabelhaften Überraschungsgästen Chima, F.R.Cassandra Steen, Henning Wehland und Tino Oac sowie Klimas von Die Söhne Mannheims den Abend auszuschmücken.

Die Atmosphäre im Kessel der Waldbühne kochte – nicht nur, weil eine sich eine sommerliche Dunstglocke, die durch einen ebenso unerwarteten wie angenehmen Sommerregen aufgelockert wurde, wie ein Vakuum über den Veranstaltungsort legte. Sondern im Besonderen, weil ein sympathischer, lockerer und vollkommen nahbarer Tim Bendzko samt toller Crew mit Schwung und Passion durch den Abend führte. Bestens aufgelegt sang er für das bunt gemischte und Laola-Wellen inszenierende Publikum und gleichermaßen mit ihm. 
Der Funke sprang von der ersten Sekunde an vollkommen über … entfachte ein Feuer (Achtung: Waldbrandgefahr!) … und büßte bis zum letzten Paukenschlag, der in diesem Falle durch den beherzten Griff in die Gitarrensaite ersetzt worden ist, rein gar nichts an Intensität ein. Im Gegenteil!

Ein bezeichnendes Beispiel für die famose Stimmung ist gewiss folgendes Bild: Eine Reihe vor mir stand ein etwa acht Jahre altes Mädchen im Gang neben dem eigentlichen Sitzplatz, tanzte euphorisch zu den Klängen und sang aus Leibeskräften (!) die Zeilen, die durch die Arena hallten, mit. Neben ihr stehend hatte es den Großvater der Kleinen auch vom Platz gerissen und die beiden waren völlig in ihrem Element. Genial!

Sicher, dass es ein unglaubliches Konzert werden würde, wäre (beinahe) zu erwarten gewesen. Doch dass es dermaßen „reinhaut“ und mit jedem besungenen Herzschlag wie programmiert die Welt rettet und daher gern zurücksehen lässt, war ein Erfolg der aller ersten Güte. Künstler und Publikum blieben sichtlich gerührt zurück und hatten gemeinsam 'nen langen Tag

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich möchte sagen, dass ihr  solltet ihr entweder handgemachtes deutschsprachiges Liedgut, in dem Herz und Seele und eine Menge mehr stecken (im Allgemeinen) mögen oder gar Tim Bendzkos Musik (im Engeren) für euch entdeckt haben  wann immer sich die Gelegenheit ergibt, ein Konzert von diesem Künstler unbedingt miterleben. Sehr, sehr, sehr empfehlenswert!

Unbändige Lebensfreude wird ohne unnötig verschnörkeltes Beiwerk und dafür mit umso mehr Überzeugung, Esprit und Strahlkraft transportiert. Mit spürbarer Dankbarkeit und Bescheidenheit trat Tim Bendzko seinem Publikum gegenüber – eine Attitüde, die übrigens nicht nur bei mir sehr gut ankommt. 

Bleibt unter dem Strich dieser etwas anderen „Rezension“, die ich mir nicht nehmen lassen konnte/wollte, festzuhalten: Mission Waldbühne mehr als erfolgreich erfüllt! Ich steh nicht mehr still und das war gewiss nicht das letzte Mal, das letzte Lied, denn getreu der Aufforderung: „Sag einfach Ja“ bin ich liebend gern wieder einmal mit dabei, wenn ein Tim Bendzko samt famoser Band zur Hochform aufläuft. Ich will viel mehr davon!

FZIT: Umwerfend. Ansteckend. Beeindruckend.


P.S.: Manch einer von euch mag es vielleicht erkannt/geahnt haben, es greifen einige Formulierungen mehr oder weniger direkt Passagen auf, die für gewöhnlich mit Noten versehen sind. Musste einfach sein. ♫♫