"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 22. November 2016

[Rezension] {♫♫} Immer noch Mensch (Tim Bendzko)

Tim Bendzko: Immer noch Mensch 

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich seltenst der Veröffentlichung eines Musikalbums derartig entgegengefiebert habe wie der von Immer noch Mensch. Nachdem Tim Bendzkos ersten beiden Alben, Wenn Worte meine Sprache wären und Am seidenen Faden, mit Leichtigkeit die meistgehörtesten meiner Sammlung sind, konnte ich diesen musikalischen Nachschub in Form der signierten Special Edition (die, nebenbei gesagt, doch wahrlich hübsch daherkommt) daher kaum bis gar nicht erwarten...

Was kann ich sagen? Nun, ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Album auf Anhieb vielleicht sogar noch ein bisschen mehr in den Bann würde ziehen können als seine Vorgänger. (So ziemlich ein Ding der Unmöglichkeit!) Das über eineinhalb Jahre lange Warten nach dem vorerst letzten Konzertbesuch hat sich definitiv gelohnt. 

Ich weiß gar nicht so recht, was mich am meisten beeindruckt? Aber für mich als ultimativer Fan von Sprache und Wortmalereien und ambitionierter Gedankenjongleur ganz vorn mit von der Partie ist zweifellos die für meinen Geschmack geniale Kombination der aussagekräftigen Texte mit Melodien, die unter die Haut gehen. 

P.S.: Nicht oft hatte ich bereits im Vorfeld einer Tour einer derartig klare Überzeugung davon, wie wunderbar die Interpretationen auf der Bühne wirken werden...


~ Rezension ~

Ein Resonanzkörper menschlicher Empfindungen

Es gibt Musik, die sich gern hören lässt. Und es gibt Musik, die wir fühlen — durch und durch und bei jedem Hören aufs Neue und ein wenig mehr. Zu zweiter Gruppe gehört Immer noch Mensch. Ein Album, das eine Auswahl an Liedern vereint, die Tim Bendzko als Singer/Songwriter und Produzent selbst als Pralinen bezeichnet und den Hörern dementsprechend kredenzt. Beinahe scheint es, als bringe Beste Version, so der erste Titel auf dem Album, das mögliche Resümee zum Gesamtwerk bereits ausdrucksstark auf den Punkt. 

Tim Bendzkos drittes Album Immer noch Mensch steckt voller unaufdringlicher Aufrichtigkeit und emotionalem Mehrwert. Es schlägt Saiten an, von denen sich du und ich angesprochen, verstanden und beflügelt fühlen.

Eine Stärke Tim Bendzkos ist es seit jeher, seinen Stücken eine vom ersten Ton an verständliche, aber dennoch tiefenwirksame Bedeutung zu geben. Dieses Vermögen verfeinert er auf Immer noch Mensch. Präzise Eloquenz, die hohe Intensität an gefühlsbetonten Werten und lebensechte Dynamik charakterisieren das Album. Teils gerade heraus, zeitweise clever zwischen den Zeilen verpackt spiegeln die Texte ein einnehmendes Kaleidoskop nur allzu menschlicher Befindlichkeiten, Einsichten und Möglichkeiten wider.

Die einen mögen die deutliche Nachdenklichkeit des Albums vielleicht als durchaus schwermütig einstufen. Ich hingegen empfinde die aufgefächerte Analytik und Beobachtungsgabe vielmehr als absolut auf den Kopf getroffenen Nagel. 

Ob angegraute Melancholie oder wabernder Weltschmerz, ob offensive Zuversicht oder beharrliche Leichtfüßigkeit — jedes einzelne Lied gleicht gewissermaßen einer Offenbarung, deren Identifikationspotenzial (mich) sehr berührt. Die Harmonie zwischen den mit großem Wahrheitsgehalt ausstaffierten Textzeilen und deren musikalischer Untermalung ist mehr als nur gelungen. Eine Liebe zum Detail, die beim Hören spürbar wird. Ganz ehrlich: Für mich persönlich gibt es nur sehr, sehr wenige Künstler, die es schaffen, mich in diesem großartigen Umfang mit ihrer Musik zu begeistern.

Leise, authentische Töne, die laut nachhallen, einfühlsame Reflexion und munterer Enthusiasmus für ein Leben mit all seinen Etappen machen die Mischung aus, mit der Tim Bendzko "Lebensweisheiten" teilt, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil. Mit Zeilen wie Kann man das noch reparieren?, Was du jetzt bräuchtest, ist'n bisschen Phantasie und der Schleier fällt und Ich sing' nicht für den Applaus, gehört zu werden, reicht mir aus spricht der Berliner vermutlich tausenden Menschen aus der Seele. Denn bei all dem Tohuwabohu, das uns täglich umgibt, ist und bleibt es essentiell (wenngleich nicht immer einfach) sich selbst treu zu bleiben.

Immer noch Mensch ist viel mehr als eine gekonnt arrangierte Zusammenstellung von 11 Liedern mit Charakter, die in einem Keller auf dem Land eingespielt worden sind. Es ist Sprachrohr, Katalysator und Spiegelbild in einem und vom Feinsten!

F★ZIT: Glaubwürdig. Menschlich. Zeitlos.


Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] {♫♫} The Woman I Am (Kellie Pickler)

Kellie Pickler: The Woman I Am 

Zugegeben, in Deutschland ist Musik, die angehaucht oder gar geprägt von Countryschmiss ist, nicht unbedingt massenkompatibel. Eine Tatsache, die Nashville, die Wiege der Countrymusik, manchmal noch ein kleines Stückchen weiter in die Ferne rücken lässt ...

Wie gut, dass die musikalischen Werke von Künstlern wie Kellie Pickler nun dennoch nicht "aus der Welt" sind. Seit geraumer Zeit läuft bei mir in guter Regelmäßigkeit eben auch ein komplettes Album der Singer-Songwriterin rauf und runter. Und das gebe ich aus Überzeugung nicht mehr her. (It's a Little Bit Gypsy, and Buzzin' too.)


~ Rezension ~

Charisma à la Country

Vom gebrochenen Herzen, dem selbstbewusst und trinkfest getrotzt wird, über die Hommage an die resolute Urgroßmutter, Selma Drye, bis hin zu Liebeserklärungen für die Ewigkeit reicht das Repertoire, mit dem Kellie Pickler auf ihrem aktuellen Album glänzt. Damit bleibt sie nicht nur dem Genre der Countrymusik, sondern vor allem sich selbst treu. Denn sowohl die Texte als auch deren Interpretationen stecken voller Pickler'scher Persönlichkeit, die eben genauso übermütig wie nachdenklich und gleichermaßen witzig wie reflektiert ist.

Mit ihrem vierten Album The Woman I Am unterstreicht Kellie Pickler ihre Klasse als unverfälschte Countrystimme, die ihre Fans zu begeistern weiß.

Kellie Pickler ist eine Künstlerin, die Authentizität ausstrahlt. Countrymusik ist ihr Genre und das stellt sie mit diesem abwechslungsreichen Album unmissverständlich unter Beweis. Mal ausgelassen flippig, mal introvertiert und verletzlich zeigt sich die Sängerin. Eine Bandbreite, die sowohl künstlerisch als auch emotional überzeugt.

Unüberhörbar ist, dass Kellie Picklers Stimme wie die Faust aufs Auge zu ausgefeilten Countryklängen, die Explosivität und Bedächtigkeit vereinen, passt. Zweifellos markant. Ob freche kraftvolle Uptempo-Nummer oder weiche melancholische Ballade — der ehemaligen American Idol Teilnehmerin steht alles hervorragend zu Gesicht. Erfrischend sympathisch und das mag ich. Sehr.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Kyle Jacobs, schrieb die Sängerin The Woman I am und Bonnie And Clyde. Zwei Lieder, die stellvertretend für die Vielfalt und Präsenz Kellie Picklers stehen. Denn neben Verspieltheit und Überschwang, zählen gleichsam das Verarbeiten von Enttäuschung und heilende Wunden zum Ich der Künstlerin. Und genau das bringt sie zum Ausdruck.

Keine Frage, das Album greift verstärkt den klassischen Grundtenor handgemachter Countrymusik auf. Unverkennbar. Und ebenjenes Gefühl ist es, was Kellie Pickler liebt und lebt und daher auch an ihre Fans weitergeben möchte. Eine Intention, die gelingt. Gleichzeitig fügt sie den zwölf Tracks zeitlos modernes Flair und, was noch viel bedeutsamer ist, Herz und Seele bei. 

In der Summe ein rundum gelungenes, dynamisches Musikalbum, das zum einen dem Image der Countryklänge im besten Nashville-Stil gerecht wird; und das zum anderen Kellie Pickler ungekünstelt porträtiert. Absolut empfehlenswert für Fans dieses Genres. Eine Zugabe muss unbedingt her!

F★ZIT: Elanvoll. Kernig. Echt. 


Dienstag, 19. April 2016

[Rezension] {♫♫} Kehr Wieder (Bec Lavelle)

Bec Lavelle: Kehr Wieder 

Keine Frage, als ich hörte, Bec Lavelle würde nach sechs Jahren Pause ein neues Album herausbringen, wusste ich, es würde großartig werden. Nicht ohne Grund hatte die Sängerin (mich) u.a. bereits damals als "Stimme" der beliebten TV-Serie McLeod's Daughters und später als Teilnehmerin bei The Voice of Germany begeistern können. 

Doch es wurde mehr als großartig. Es ist schlichtweg ein Dauerbrenner. Und das ist ruhig wörtlich zu nehmen. Denn habe ich erst einmal "Play" gedrückt, ist die Dauerschleife vorprogrammiert. Okay, einmal höre ich's noch ... und noch einmal ... 
(Damit reiht sich dieses Album mit Leichtigkeit in die Kollektion meiner absoluten Lieblingsalben ein und ist neben Tim Bendzkos Am seidenen Faden und Nick Howards Stay Who You Are in exquisiter Gesellschaft.)

Vielleicht kennt ihr das auch: Es gibt Musik, die kann man immer und immer und immer wieder hören, ohne derer überdrüssig zu werden. Kehr Wieder ist zweifellos eines dieser Werke. Prädikat "Besonders wertvoll!"


~ Rezension ~

Musik, der ein Zauber innewohnt 

Entschlossenheit, Melancholie, Besonnenheit, Schmerz — das sind nur einige der Gefühle, die Bec Lavelle in den 11 Tracks ihres dritten Albums transportiert. Während der deutsche Titel "Kehr Wieder" eine Ode an Bec Lavelles Wahlheimat Deutschland ist, singt das Stimmwunder aus Australien ihre zu weiten Teilen balladisch gehaltenen Lieder in Englisch. Neben einer Vielzahl gekonnt in Szene gesetzten selbst geschriebenen Solostücken finden sich auf dem Album ebenfalls ein Cover des Klassikers River sowie zwei wunderbare Duette mit den Robertson Brothers bzw. mit James Blundell wieder. 

Mit Kehr Wieder unterstreicht Bec Lavelle ihre Klasse Singer/Songwriterin und sorgt für ein Potpourri an eingängigen Pop/Folk-Tönen, die voller Sanftmut und Kraft zugleich stecken. Für Fans, die Textlastigkeit und Emotionalität von Musikstücken schätzen, wie geschrieben. Was ich darüber hinaus ebenfalls hervorragend gelungen finde, ist die Gesamtkomposition aus (einmaliger) stimmlicher Wärme, inhaltlicher Präsenz und melodiöser Harmonie. Ein (Akustik-) Album, das in vielerlei Hinsicht voller Souveränität und Zerbrechlichkeit steckt.

Bec Lavelle berührt mit ihrer handgeschriebenen Musik, ohne aufdringlich oder überdimensional zu wirken. Im Gegenteil. Gerade eine gewisse Zurückgenommenheit und ein angenehmes Verhältnis zwischen Gesang und instrumentaler Begleitung sorgen für eine besondere, sehr eingängige Atmosphäre. Mit diesem Album beweist die Sängerin, dass auch ruhige, hier und da nachdenklich anmutende Töne absolutes Ohrwurmpozential haben. Wehmut und Beharrlichkeit, Reflexion und Dynamik schließen einander nicht gegenseitig aus. Sie machen das Leben und die Musik schlichtweg facettenreicher.

Dass Bec Lavelle als Indie-Künstlerin längst nicht nur in Down Under überzeugt, freut mich persönlich riesig. Denn ihre Stimme muss einfach weltweit gehört werden! Kehr Wieder mag ein Album sein, das nicht von einem großen Label unterstützt wird. Aber es ist ein Werk, das von einer bemerkenswerten Künstlerin geschrieben und eingesungen worden ist. 

Musik, die, wie selbstverständlich, unter die Haut und zu Herzen geht. Eine Sogwirkung, die beeindruckt. Für mich ganz klar eine der musikalischen Neuerscheinungen des Jahres 2016.

F★ZIT: Unwiderstehlich. Tiefenwirksam. Umarmend.


Dienstag, 16. September 2014

[Rezension] {♫♫} Living In Stereo (Nick Howard)

Nick Howard: Living In Stereo 

Nachdem Nick Howards Album Stay Who You Are vor einiger Zeit binnen eines einzigen Durchlaufs zu einem meiner Dauerfavoriten geworden ist, wollte [nein, konnte (!!!)] ich mir dessen Nachfolger selbstverständlich keinesfalls entgehen lassen.
Obgleich die von mir sehr gemochten Folkeinflüsse auf diesem Album zugunsten erfrischender Popkultur deutlich dezimiert worden sind, kann ich nur Gutes — anderes, aber rundum Positives — über diese Platte sagen. 
Ein Album, dessen leger-temperamentvoll ausgestaltetes Gesamtpaket ein Geschenk ist und bei mir nicht selten im Repeat-Modus spielt.


~ Rezension ~

Ein Gitarrenkoffer voller Charme

Den Eindrücken und dem Esprit langer Reisen widmet Nick Howard auf seinem 2014 erschienenen Album 12 Lieder, die sich durch kernige Lebensphilosophie ebenso auszeichnen wie durch angenehme Leichtfüßigkeit. Ganz den Erlebnissen als Musiker auf Tour entsprechend. Hierbei wird das gebrochenen Herz mit Galgenhumor genommen, von der Liebe zum Leben gesungen oder Seelenverwandtschaft mit dem Bildnis des Klebestifts gleichgesetzt. Die Unbeschwertheit eines aus dem (Gitarren-) Koffer lebenden Künstlers fängt der britische Musiker geradezu demonstrativ behände ein.

Mit Living In Stereo erfüllt sich Nick Howard einen gehegten Wunsch: Er möchte eine neue, aufgewecktere und einfach nur entspannte Seite von sich als Singer/Songwriter zeigen. Ein Anliegen, das mit diesem dynamisch daherkommenden Album gelungen sein dürfte.

Obwohl oder gerade weil Nick Howard sich deutlich hörbar aus seinen bisher abgesteckten musikalischen Terrain herauslehnt, bleibt er sich auch auf seinem vierten Album treu. Denn bei aller Experimentierfreude mit selbst geschriebenem Text und Ton werden gewohnte stimmliche Qualitäten und inhaltliche Steckenpferde aufs Neue solide herausgestellt.

Wenngleich sich unter die 12 Tracks eine Mehrheit aus quirligen Uptempo-Nummern mischt, bleibt ein ausdrucksvoller Grundtenor, der Nick Howard und sein Können charakterisiert. Denn auch die (zahlenmäßig reduzierteren) Titel im Balladenformat sprechen für sich. Ein clever und sympathisch in Szene gesetztes Gesamtpaket, wie ich finde. 

Eine Intention, die dem Sänger wichtig ist, liegt darin, mit dieser Zusammenstellung an Musikstücken eine Wundertüte gefüllt mit Lebensfreude an den Hörer heranzutragen. Und ziemlich genau so gestaltet es sich, wenn das Album eingelegt und auf Play gedrückt wird. Dank einer Vielzahl bezeichnender Kleinigkeiten und eines durchaus "britischem" Sounds, bringt die Musik auf diesem Album Abwechslung und Spritzigkeit mit sich. Es hat den Eindruck, als würde die Musik stets ein Stück über dem Boden schweben, ohne dabei die grundlegende Bodenhaftung zu verlieren. Für meinen Geschmack sehr ansprechend.

In der Summe ein Album, dessen Beschwingtheit und gute Laune ansteckend sind. Musikalische Behändigkeit, die ins Ohr geht und dort auch bleibt.

F★ZIT: Positiv. Mannigfaltig. Aufgeweckt.


Freitag, 25. Juli 2014

[Rezension] {♫♫} Stay Who You Are (Nick Howard)

Nick Howard: Stay Who You Are

Ich kann es jetzt schwerlich anders oder präziser sagen als: 

Dieses Musikalbum war "Liebe auf den ersten Ton"! 

Zugeschnittener auf mich könnte ein gutes Bündel eingängiger, eindrucksvoller Musik kaum sein. Die Gesamtkomposition stimmt einfach durchweg. Definitiv ein Album, das zusätzlichen Glanz in meine Musiksammlung bringt. Ich bin — und werde es mit Sicherheit lange Zeit bleiben — in höchstem Maße begeistert!


~ Rezension ~

Ein musikalisches Schmuckstück

Die Botschaft Stay Who You Are (Bleib, wie du bist) könnte schöner und betonter kaum verpackt sein. Ein Dutzend Mal singt Nick Howard auf diesem Album davon, den eigenen Weg zu finden. Dabei klingt der Charme eines Neuanfangs ebenso an wie die Unbezwingbarkeit von Willensstärke und das Festhalten an dem, was wirklich wichtig ist. In die Zukunft kann niemand schauen, aber mit etwas Überzeugung, Hartnäckigkeit und Übermut können wir einiges erreichen. Nicht zuletzt ist der in Brighton geborene Singer/Songwriter, der lange an der Verwirklichung seines Traums gearbeitet hat, selbst das beste Beispiel dafür.

Nick Howards Stay Who You Are ist ein Album, dessen Inhalt schwer wiegt. Denn nicht nur die Kunst des Musikmachens wird hervorragend präsentiert, sondern es wird Atmosphäre der besonderen Art geschaffen — mal flirrend unbedarft, oft gesetzt bis nachdenklich. 

Ich persönlich bin großer Fan der ruhigen, tiefgängigen Töne. Außerdem mag ich es, wenn die Stimme eines Sängers aus der instrumentalen Begleitung heraussticht. Weniger ist für ich mehr, Akustikgitarre genügt vollkommen.
Dass mich Nick Howards Album also voll und ganz für sich einnehmen konnte, ist letzten Endes keine allzu riesige Überraschung. Denn der Sänger überzeugt genau durch diese Dinge.

Das Charisma, das in seiner Stimme liegt, ist einfach unüberhörbar. Eine  besondere Stimmfarbe, aber auch das intensive Gefühl, welches Nick Howard in seinen Gesang legt, sind nicht alltäglich. Sehr geerdet und animierend zugleich.

Die Lieder des Albums hat der Sänger selbst zu überwiegenden Teilen (mit-) geschrieben, sodass sie ein Stück weit eine sehr persönliche Intention transportieren. Leise, ausdrucksvolle und gar einen Hauch von Melancholie in sich tragende Passagen zeichnen sich als klares Steckenpferd Nick Howards aus. Stete Begleiter hierbei sind Piano, Violine und die von ihm selbst gespielte Akustikgitarre. Allerdings kommt trotz der Gediegenheit kein Schwermut auf, vielmehr Inspiration zum In-sich-Gehen. Doch auch das Unkomplizierte, das Tanzbare hat der Musiker in petto.

Auffällig ist, und das macht das Album für mich umso hörenswerter, der leicht anklingende Stil- und Epochenmix, der sich in der Musik wiederfindet. Denn dass sowohl die Beatles als auch John Mayer und Coldplay zu Nick Howards Inspirationen zählen, wird auf eine eigene sympathische und kreative Weise deutlich. Abwechslungsreich und unverkennbar mischen sich Chic und Lebensgefühl sehr verschiedener Lebensphasen, Orte und Jahrzehnte in die Tracks.

Insgesamt ein Album, dessen Titel Programm ist und dessen Künstler dank warmer Stimme und beständiger Liebe zur Musik für Lieder sorgt, die mal Ohrwurmcharakter haben und mal zum Sinnieren einladen. 

F★ZIT: Ausdrucksstark. Natürlich. Hochwertig. 


Freitag, 27. Juni 2014

[Rezension] {♫♫} Storyline (Hunter Hayes)

Hunter Hayes: Storyline 

Nachdem mich das erste Album aus der musikalischen Feder von Hunter Hayes auf Anhieb rundum begeistert hatte, blickte ich der Veröffentlichung des Nachfolgers umso gespannter entgegen. Allein der Titel lässt schließlich schlussfolgern, dass es wie für mich gemacht sein könnte.
Und tatsächlich! Storyline möchte ich keinesfalls mehr missen wollen. Denn es strahlt jene ziemlich einmalige Atmosphäre aus, die ich schwerlich in Worte fassen kann. Heruntergebrochen würde ich es so sagen: Man glaubt dem Sänger jede einzelne Zeile. Eine triftige Emotionalität, die ich bisher bei nur wenigen Künstlern allein beim Hören ihrer Alben wahrgenommen habe. Beeindruckend!


~ Rezension ~

Geschichten, die das Leben komponiert.

Vom Suchen und Finden singt Hunter Hayes, ebenso vom Verlieren und Gewinnen. Aber besonders auch vom Anderssein und der Erkenntnis, das dies eine Bereicherung ist. Das Leben ist eine vielschichtige und unvorhersehbare Geschichte, in der wir die Protagonisten sind. Zwischen Hochgefühl und emotionalem Desaster, zwischen Intuition und rationaler Kopfentscheidung gibt es allerhand Nuancen, die uns prägen, stärken und wachsen lassen.

Mit Storyline, seinem zweiten Erfolgsalbum, hat Hunter Hayes einen markanten Soundtrack passend zur Achterbahn des Lebens veröffentlicht. Seine Botschaft könnte dabei deutlicher und persönlicher kaum sein: "You're not invisible."

In jedem einzelnen der 14 Tracks steckt eine Menge Herz und Seele. Dabei gelingt es dem jungen Singer/Songwriter den richtigen Ton zu treffen, wenn es darum geht, die Balance zwischen erfrischenden Gute-Laune-Nummern und nachdenklich stimmenden Passagen zu finden.

Welch eine Herzensangelegenheit die Musik für Hunter Hayes ist, wird spätestens mit dem Titel Invisible deutlich. Ein Lied, das nicht nur zum Aushängeschild einer Anti-Mobbing-Kampagne, sondern ebenfalls Pate der We Are Not Invisible Tour wurde. Da ihn seine eigene Liebe zur Musik selbst zu einem Außenseiter machte, weiß der heute laut umjubelte Künstler, wovon er singt. Eine Authentizität, die seiner Musik insgesamt eine feine Note verleiht, die das Besondere spüren lässt.

Großartig finde ich an diesem Album, dass jedes Lied auf sehr eigene Weise berührt. Das Zusammenwirken von Inhalt, instrumentaler Ausgestaltung und gefühlsechter Aufrichtigkeit sprüht nur so an Intensität. Die Mischung des rockigen Country-Pop ist äußerst gelungen und unterstreicht die immense Musikalität Hunter Hayes'.

Ob Endgültigkeit oder Neubeginn, Ernüchterung oder Entschlossenheit — die auf dem Album tangierten Empfindungen sprechen an. Mal melancholisch, mal risikobereit, doch vor allem höchst passioniert kommt dieses Musikalbum daher. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl wird kreiert, das berührt!

F★ZIT: Betonend. Ehrlich. Bestärkend.


Mittwoch, 21. Mai 2014

[Neuzugänge] Von einer bunten Botschaft & gesungenen Geschichten ...

Passend zur Jahreszeit durfte ich nun ein hübsches Kinderbuch, das voller herrlicher Illustrationen steckt, in Empfang nehmen: Tigsto und die Helden des Gartens von Birgit Stocker.
Doch nicht nur die niedliche Geschichte allein ist einen Blick wert. Besonders erwähnenswert ist vor allem das Druckverfahren, in welchem dieses Buch entstanden ist: das Cradle-to-Cradle-Verfahren. Hierbei werden einzig Komponenten zusammengefügt, die umweltfreundlich und ökologisch abbaubar sind. Dazu zählt auch die Verwendung nicht giftiger Tinten. Ein Aspekt, der bei dem Produkt "bunt illustriertes Kinderbuch" stets einen besonderen Stellenwert haben sollte.
Ich freue mich wirklich sehr, dass sich der Tigsto Verlag dazu entschlossen hat, nicht nur Geschichten für Kinder zu veröffentlichen, sondern sich dabei ebenso der ganzheitlichen Verantwortung bewusst ist. Für mich etwas, das selbstverständlich sein bzw. werden sollte.

Ferner ist vor Kurzem ein Musikalbum erschienen, auf das die Vorfreude meinerseits ungemein groß war: Storyline von Hunter Hayes. Offen gesagt gab es bisher nur wenige Künstler, deren nächsten Album ich mit derartiger Spannung entgegengesehen habe, weil es mir der erste Streich bereits rundum angetan hatte.
Jetzt steht dem Vorhaben nichts mehr im Wege, die 14 neuen Lieder voller Persönlichkeit (alias 14 gesungene Geschichten) rauf und runter zu hören. Denn, ja, manche Musik kann ich tatsächlich immer und vor allem immer wieder hören!


Montag, 28. April 2014

[Rezension] {♫♫} Hunter Hayes (Encore) (Hunter Hayes)

Hunter Hayes: Hunter Hayes (Encore) 

Da mir Musik, die nicht unbedingt den Anspruch haben muss, (hierzulande) mainstream zu sein, besonders zusagt, kam mir Singer/Songwriter Hunter Hayes mit seinem ersten groß produzierten Album sehr gelegen.
Viel spricht für ein Lied, das einen nach dem ersten Hören nicht mehr loslässt. Dann kommt eins zum anderen und schon hat einen der Strudel mitgerissen. Ziemlich genau so erging es mir mit der Musik von Hunter Hayes. Ein Zufall hier, ein Klick dort und schon wusste ich, dass seine Musik bei mir genau den Zahn der Zeit trifft. 
Hunter Hayes ist wohl das, was wir landläufig als Vollblutmusiker mit Herz und Seele bezeichnen. Ebenjenes Gefühl der verschworenen Einheit zwischen Mensch und Metier materialisiert der in Louisiana geborene Sänger, dessen Liebe zur Musik bereits im Alter von zwei Jahren begann. Eine Hingabe, die ihn nicht immer zum beliebtesten Jungen in der Schule machte, die er aber bis heute als das definiert, was ihn zu dem macht, der er sein darf.
(Hatte ich erwähnt, dass ich Künstler mit Profil mag? Na, spätestens jetzt wisst ihr's.)


~ Rezension ~

Eine Zugabe mit Charakter

Er singt von Sturmwarnungen. Er intoniert den Wunsch, derjenige zu sein, dem das Herz gebrochen wird. Er bestätigt die kleinen Unvollkommenheiten, die einen Menschen ausmachen. Er  singt davon, dass den leichten Weg jeder gehen kann. Verrückt ist angesagt. 
Auf seinem Album, das nicht ohne Grund den Untertitel (Encore), also Zugabe, trägt, gewährt Hunter Hayes Einblick in die verschiedenen emotionalen und divers interpretierten Seiten seiner Welt. Im Vergleich zur Erstveröffentlichung enthält dieses 2013 erschienene Album eine Reihe zusätzlicher Tracks, die weitere Kapitel eines musikalischen Tagebuchs öffnen. 

Hunter Hayes trumpft mit seinem Album Hunter Hayes (Encore) mit dem auf, was er richtig gut kann: Musik machen. Doch nicht irgendwie, sondern mit Passion, Inhalt und enormer Instrumentalität. Jede einzelne Komponente für sich, wäre allein schon ein Geschenk. Doch hier stimmt das Gesamtpaket, das sich hören lassen kann.

Dem Genre der Countrymusik kann man gegenüberstehen, wie man möchte, solange man Musikern wie Hunter Hayes dabei eine faire Chance gibt. Denn er beweist, dass sich teils poetische, teils beschwingte Lagerfeueratmosphäre, raspelnde Rockklänge und tanzbare Popmusik keinesfalls ausschließen. Vielmehr ergänzen sie sich perfekt, wenn man das Händchen dafür hat.

Es gibt zwei Dinge, die mich an dem Album besonders beeindruckt haben. 

Zum einen ist es die Tatsache, dass Hunter Hayes nicht nur die Lieder der gesamten Trackliste (mit-) geschrieben, sondern ebenso sämtliche 30+ Instrumente, die zu hören sind, selbst eingespielt hat. Hierbei kamen Akustik- und E-Gitarre ebenso zum Einsatz wie Schlagzeug, Mandoline und Banjo — um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Damit ist es ihm definitiv gelungen, zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man den Willen hat, seinen Traum zu leben.

Zum anderen ist es eben das Talent, (persönliche) Geschichten zu erzählen, die dennoch eine Allgemeingültigkeit haben, dass sich eine Vielzahl der Hörer selbst an irgendeiner Stelle wiederfindet. Jene Intention wirkt dabei alles andere als künstlich gezwungen. Das ist wohl in erster Linie der Liebe des Künstlers zur Musik zuzuschreiben. Ihm gelingt es, Botschaft und Emotion derart miteinander zu vereinen, dass ein "Wie-du-und-ich-Gefühl" transportiert wird.
Jedes Lied nimmt auf eine ganz eigene Kurzreise mit. Ob ein drei Minuten andauernder Roadtrip entlang der Küste, bei dem man das Radio laut aufdrehen möchte, oder der Eindruck, einen Moment allein in einer Bar mit Piano zu versacken — das Stück (typisch amerikanisches) Lebensgefühl, das ankommt, macht dieses Album zu dem, was es ist. Und zwar zu einem Soundtrack des Lebens.

Von griffigem Uptempo bis zur berührenden Ballade reicht das Repertoire, mit welchem Hunter Hayes aufwartet. Damit stellt er abermals und in jeder Hinsicht sein Fingerspitzengefühl fürs Treffen der richtigen Töne unter Beweis.

Alles in allem ein Musikalbum, das sowohl alltagstauglich als auch für besondere Augenblicke gemacht ist, von einem Sänger/Songwriter, dessen Herz und Können in jeder Strophe hörbar sind. Definitiv mehr als Countrymusik im herkömmlichen Sinne und zweifellos nicht mein letztes Album von Hunter Hayes.

F★ZIT: Griffig. Echt. Gekonnt.



P.S.:

Für diejenigen, die eine Hörprobe samt Storm Warning mögen 






Montag, 20. Januar 2014

[Rezension] {♫♫} Immer in Bewegung (Revolverheld)

Revolverheld: Immer in Bewegung 

Einen meiner persönlichen Garanten für die "Play"-Dauerschleife stellt das jüngste Album der Band Revolverheld dar.
Gepflegter deutschsprachiger Pop-Rock mit einem kräftigen Schuss Textlastigkeit und Emotionalität versehen erklingt, sobald der erste Track zu spielen beginnt. Eine Intensivität, die gehalten wird, und die für meinen Geschmack einen sehr guten und vor allem auch glaubwürdigen, lebensnahen Ton trifft.


~ Rezension ~

Eine Zeitreise, die rockt.

Ganz und gar dem Titel des Albums entsprechend nehmen Revolverheld mit auf eine musikalische Reise, auf der bewegte Zeiten im Melodien gekleidet werden. Einem eingesungenen Geschichtsbuch gleicht dieses Album: Von jugendlicher Unbeschwertheit über Freundschaften, die sich verändert haben und dabei gewachsen sind, bis hin zum schmerzlichen Schlussstrich reicht das Repertoire. Das Vergängliche wie der „Sommer in Schweden“ und das Beständige, nämlich die „Worte die bleiben“, stellen während jener Reise stete Begleiter einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Mit ihrem aktuellen Album Immer in Bewegung gelingt der norddeutschen Band Revolverheld ein hitverdächtiger Wurf. Denn in einem exzellenten Zusammenspiel werden mal die rauen Rockerherzen, mal die poetischen Feinfühler angesprochen.

Die von der Band selbst geschriebenen Liedtexte sind punktgenau abgeschmeckt. Sie zeugen dabei sowohl von ehrlicher Beobachtungsgabe als auch vom allzu menschlichen Sehnen nach dem lebendigen Gleichgewicht.
Einer Aufforderung gleich kommt dieses Album daher. Denn Revolverheld fordern mit ihren Texten dazu auf, sein Leben zu leben – samt der schönsten, berührendsten Momente und der Melancholie des Verflossenen. Schließlich machen diese Augenblicke das Leben zu dem, was es ist.

Johannes Strate verleit den Worten der Band eine kraftvolle Stimme, die über einen deutlichen Wiedererkennungswert verfügt. Von nordischer Unterkühltheit keine Spur. Im Gegenteil, souveräne Wärme mit den notwendigen Ecken und Kanten versehen wird zu Gehör gebracht.

Die instrumentalen Seiten der 12 Tracks reichen von robustem Gitarrenrock bis zur durch Percussionrhythmen hervorgerufenen Leichtigkeit. Der charakteristische Klang typischer „Küstenmelodien“ schimmert unaufdringlich kontinuierlich durch und sorgt für einen angenehmen Nordwind zwischen den Noten.

Revolverheld schaffen es, poetischen und nachdrücklichen Tiefgang in ein Gewand aus Offensive, Nachdenklichkeit und Ausgeglichenheit zu hüllen. Die aufrichtigen und kreativen Texte kommen an. Bei mir als Fan von Wortspielen und deutschsprachiger Vielseitigkeit sowieso.

Ihrem dynamisch-markanten Pop-Rock-Stil bleibt die Band treu, wobei ihre Musik kein bisschen angestaubt wirkt. Vielmehr tosen Aufbruch und Fernweh, Romantik und Erkenntnis, Unendlichkeit und Endgültigkeit hochwertig aufbereitet durch die Gehörgänge eines jeden, der sich für das vierte Revolverheldalbum entscheidet.

F★ZIT: Handgemacht. Bodenständig. Überzeugend.  


P.S.: Wer das Video zur aktuellen Singleauskopplung Ich lass für dich das Licht an noch nicht gesehen hat oder nicht genug davon bekommen kann, der klicke augenblicklich HIER.


Montag, 9. Dezember 2013

[Rezension] {♫♫} Am seidenen Faden — Unter die Haut (Tim Bendzko)

Tim Bendzko: Am seidenen Faden — Unter die Haut 

Was richtig gute Musik konkret ausmacht, davon hat vermutlich jeder so seine eigene Auffassung, die er mehr oder weniger vehement verteidigt. 
Für mich macht ebenjene in häufigen Fällen vor allem eine tiefgründige Textlastigkeit, die dennoch wenig aufdringlich wirkt, aus. Wen wundert es daher, dass auch die neuste Veröffentlichung aus der Hitschmiede Bendzko auf Anhieb meine allumfassende Zustimmung erfährt? 
Ob in sich ruhend, aufgewühlt oder wild entschlossen — für mich stimmen nicht nur die Intentionen dieses Künstlers, sondern auch die Art, mit welcher er sie zu vermitteln weiß. Ohne enormes Getöse, dafür umso eindringlicher. In CD-Format UND live auf der Bühne.


~ Rezension ~

Musikalische Präzision, die poetisch daherkommt

Es gibt Lieder, die erzählen Geschichten. Geschichten, die das Leben schreibt. Geschichten, die gleichermaßen individuell wie universell anmuten und genau dadurch berühren, innehalten oder sich dankbar fühlen lassen. Ebenjene zeitlose und ausdrucksvolle Melange an mit Herz und Verstand versehenen Emotionen ist der Trumpf dieses Doppelalbums Tim Bendzkos, das uns, wenn wir es zulassen, in einen Spiegel schauen lässt. Hinhören ist das eine. Doch viel wertgebender ist das Reflektieren. Träume, die sich erfüllen. Träume, die zerschellen. Jeder kennt diese Momente. Allerdings bringen wohl die wenigsten sie derart feinsinnig, unmissverständlich und nichtsdestotrotz vielfältig deutbar auf den Punkt wie der Berliner Singer-Songwriter.

Mit Am seidenen Faden — Unter die Haut beweist Tim Bendzko einmal mehr, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. Denn in den insgesamt 26 Tracks der beiden CDs überzeugt er durch ehrliche Persönlichkeit, die er in einen Mantel aus Allgemeingültigkeit kleidet. Wohl jeder Hörer wird sich in der einen oder anderen Passage der Musik wiederfinden und Parallelen zu eigenen Beobachtungen, Erfahrungen, Prämissen ziehen können. 

In gewohnter Manier setzt Tim Bendzko mit seinen klaren Texten Akzente, die tatsächlich unter die Haut gehen. Es gelingt ihm, Erkenntnisse und Emotionen wie ein Damokles Schwert am seidenen Faden über einem kreisen zu lassen.

Es bedarf keiner großartigen Schnörkel und Applikationen, um sich Gehör zu verschaffen. Für mich ist es, im Gegenteil, sehr beeindruckend, wie es dem Sänger stets aufs Neue gelingt, Botschaft und Mehrwert mit derartiger Präzision zu versehen. Die Worte, die er wählt, sitzen und treffen ins Schwarze. Ob er nun von kreisenden Geiern, dem Schmerz verblassender Erinnerungen oder der einsamen Zweisamkeit singt, nachdrückliche Bilder im Kopf entstehen unwillkürlich.

Während Tim Bendzko auf CD 1 als reiner Solokünstler nicht mehr still steht, beinhaltet die zweite Hälfte des Albums eine Reihe von Duetten mit namhaften Künstlern. Allen voran die gleichnamige Single Unter die Haut, die in Zusammenarbeit mit der großen Stimme Cassandra Steen entstand.

Die eingängigen instrumentalen Arrangements des Doppelalbums schlagen die unterschiedlichsten Töne an. Filigrane Streicher kommen ebenso zum Einsatz wie das Piano oder Gitarre und E-Gitarre. Markant an dieser Zusammenstellung ist, dass hierbei den charakteristischen seichten Klängen nicht selten ein zackiger Beat beigemischt wurde, der dem Stimmungsbild einen etwas extravaganteren Anstrich gibt.

Wie gewohnt verleiht Tim Bendzko, aller persönlichen Bodenständigkeit zum Trotz, Worten und Emotionen Flügel. Dabei spielen Nachdenklichkeit und Melancholie eine ähnlich imposante Rolle wie das Hoffnungsvolle eines Perspektivenreichtums. Ein Kaleidoskop aus zu Herzen gehenden (zwischen-) menschlichen Werten, Stärken und Schwächen wird musikalisch aufs Feinste aufbereitet.

In der Summe ein Album, das ein doppeltes Ausrufezeichen hinter die Textakrobatik, die Musikalität und das Gespür für gelebten Scharfsinn seines Interpreten setzt. Sozusagen ein gesungenes Dankeschön an die Gefühlsachterbahn des Lebens und die Chancen, welche diese bietet.

F★ZIT: Intensiv. Real. Wegweisend.


Freitag, 29. November 2013

[Rezension] {♫♫} Sugar & Salt (Lisa-Marie Fischer)

Lisa-Marie Fischer: Sugar & Salt 

Sie ist blond. Sie spielt Gitarre. Sie schreibt und singt Country-Folk-Lieder. Und sie ist NICHT Taylor Swift ...

Durch einen mehr oder weniger bedeutsamen und sehr glücklichen Zufall bin ich auf die Musik von Lisa-Marie Fischer gestoßen und war sofort mehr als angetan. Denn ich mag diesen Countrystyle — sowohl musikalisch als auch modisch. Noch begeisterter war ich folglich, als ich die passionierte Sängerin im Vorprogramm der "To The Roots Tour" von Tom Beck live erleben durfte. Richtig schön war's! Unbedingt mehr davon!

Im internationalen Geschäft prägen zuhauf preisgekrönte Musiker und Stimmen wie Lady Antebellum, Keith Urban, Dolly Parton und eben Taylor Swift dieses Genre des Country-Pops/Country-Folks. Weshalb also nicht auch dem hiesigen Publikum die Möglichkeit geben, ihren Musikgeschmack mit einer Prise Lebensgefühl à la John Wayne abzuschmecken? Eben.


~ Rezension ~

Eine Reise in die Weiten der musikalischen Prärie

Den besten Beweis dafür, dass die Zahl 13 eine Glückszahl ist, liefert dieses Musikalbum. Wenn mit diesem Coup nicht ein — um es mit einem gleichnamigen Titel des Albums zu unterlegen —, Lucky Streak, also eine Glückssträhne, für die und von der Sängerin eingeläutet wurde? 
In bester Countrymanier zieht Lisa-Marie Fischer den musikalischen Colt und trifft bei Freunden gepflegter handgemachter Musik zielsicher ins Schwarze. Denn mit einer Bandbreite an angeschlagenen Emotionen und eingängigen Rhythmen wurde dieses wohlklingende Album, das in Zusammenarbeit mit echten Kennern und Könnern der Branche entstand und den Hörer zu einer Reise in den Wilden Westen einlädt, ausstaffiert.

Sugar & Salt  nannte die junge Singer-Songwriterin Lisa-Marie Fischer aus Marburg ihr zweites Album und beweist damit, dass es auch hierzulande Talente gibt, die dem Genre der Country-Folk-Musik gehörig Würze verleihen können. Zugegebenermaßen schlägt sie einen Ton an, der dem deutschen Musikmarkt (noch) nicht allzu vertraut scheint. 
Doch dank einer wunderbar markanten und weichen Stimme, aufrichtigen und gelegentlich verspielten Texten sowie Melodien, die Ohrwurmcharakter haben, verschafft sich Lisa-Marie Fischer Gehör wie eine Große.

Das Album prägt ein Potpourri aus gefühlsbetonten, zeitweilig bedächtig, zum Teil gar melancholisch wirkenden Ballanden und jugendlich-frechen Stücken gehüllt in ein unverhohlenes Nashville-Flair. Musik, die durch eine glorreiche Vielschichtigkeit anspricht. Und überzeugt. Denn der Sängerin gelingt es, mit einer sympathischen Bodenständigkeit Geschichten, die ein roter Faden durchzieht, zu erzählen. Es ist, als würde mit dem Hörer am Lagerfeuer ein Füllhorn an Anekdoten, untermalt von leichten Gitarrenklängen, geteilt.

Die sanfte und warme, bisweilen verträumte und zugleich ausdrucksstarke Stimme der Sängerin transportiert dabei Persönlichkeit und ein Gefühl von erfrischender Jugendlichkeit. Ein ausgewogener Gegenpol zur ausgeklügelten Musikalität und der tief verwurzelten Liebe zum Genre der Country-Musik.

Unterstrichen wird der charakteristische Countrystil durch die vielseitig eingesetzten instrumentalen Begleiter wie eben Gitarren und Banjo, Harmonika und Perkussioninstrumenten. Eine Harmonie zwischen Gesang und Instrumenten blüht auf und nimmt vollends ein.

Überaus faszinierend wirkt beim Hören der CD das Lebensgefühl auf mich, welches Lisa-Marie Fischer mit natürlicher Leichtigkeit weitergibt. Sie nimmt sozusagen unaufdringlich und gleichermaßen bestechend unwiderstehlich mit auf einen Besuch in den Saloon zu den rauen Cowboys. Oder in die Weite der Prärie, in der Träume wahr werden, Herzen brechen und sich Freiheiten erfüllen.

Sugar & Salt repräsentiert ein Gesamtpaket, dessen Arrangement stimmig und einladend, abwechslungsreich und mit Präzision aufwartend daherkommt. Mit Lisa-Marie Fischer meldet sich hier eine Sängerin zu Wort, die ohne Weiteres die deutsche Antwort auf eine im internationalen Business omnipräsente Taylor Swift sein könnte. Dabei jedoch ihren sehr eigenen Weg geht.

F★ZIT: Ausdrucksvoll. Einnehmend. Lebendig.




Als Vorgeschmack auf Sugar & Salt hier Done is Done:






Montag, 18. November 2013

[Rezension] {♫♫} Americanized Tour 2013 (Tom Beck)

Tom Beck: Americanized Tour 2013 

Die Musik Tom Becks ist für mich schon lange kein Geheimtipp mehr. Dies sei nur einmal dem Folgenden vorangestellt:

Doch nachdem das neu erschienene Live-Album von Tom Beck nun sozusagen den endgültigen Ausschlag gegeben hat, seinem Berlin-Konzert der aktuellen "To the Roots Tour" beizuwohnen, meinten die Köpfe hinter der sehr engagierten Fanseite Tom Beck Support - BeckPort, ich dürfe es mir jetzt nicht nehmen lassen, ebenfalls ein paar Worte zu jenem auf CD gebrannten musikalischen Schlüsselerlebnis zu schreiben. Okay, in Ordnung. Wenn ihr meint, aber ihr seid echt verrückt ... 

Daher nun hier die Premiere der Rezension eines Musikalbums. Ein Musikalbum, das zeitweise in arg strapazierter Dauerschleife läuft und damit ein sehr besonderes Flair in mein Wohnzimmer bringt ... und immer bringen wird. Unbezahlbar gut!


~ Rezension ~

Musik als pures Lebensgefühl

Ein Musikalbum, das eine Geschichte erzählt. Die Geschichte eines Konzertabends, bei dem der charismatische Tom Beck mit seiner Band, den formidabel spielenden Horny Honks, nicht nur die Bühne stürmt und diese für sich einnimmt, sondern eine gesamte Location elektrifiziert und die Herzen eines mitgerissenen Publikums für sich gewinnt. Ein Doppelalbum, dessen 20 Tracks mit einer exquisiten und live mitgeschnittenen Mischung aus rasant interpretierter, sehr tanzbarer Musik und hingebungsvoll eingesungenen sanften Tönen, die durchaus für Gänsehaut sorgen, aufwartet. Stimme, Emotionen, instrumentale Untermalung und schlichtweg das gewisse Etwas.

Mit seinem im Oktober 2013 erschienen Doppelalbum Americanized Tour 2013 konservierte Tom Beck die Erinnerungen an die gleichnamige Live-Tour in perfekter Ausführung und bringt damit nun ein echtes Lebensgefühl in die heimischen vier Wände.

Das Album serviert den perfekten Cocktail aus unmissverständlich nach Rock klingenden Tracks, taktvollem Countryflair und samtweichen Balladen mit Hintergrund auf dem Silbertablett.

Getragen werden die Interpretationen, an deren Entstehung der Singer/Songwriter Beck zum überwiegenden Teil selbst mitwirkte, natürlich von der wandelbaren Stimme des Sängers. Seine Klangfarbe reicht hierbei von intensiver Rauheit über einnehmende Rauchigkeit bis hin zu einem weichen Schmelz. Ganz nach Belieben spielt Tom Beck mit seiner Stimme und verleiht seinen Liedern damit eine Lebendigkeit, die sich nicht nur gut anhört, sondern eben auch gut anfühlt.

Volle Unterstützung erfährt der Gesang dank einer breit aufgestellten und mit spürbarem Enthusiasmus in Erscheinung tretenden Band. Die Horny Honks ziehen an (E-) Gitarren, Schlagzeug, Bass, Keyboard und Akkordeon sämtliche Register, sodass für ein Feuerwerk an instrumentaler Stimmigkeit gesorgt ist. Eine passende Atmosphäre wird somit entsprechend dem Grundtenor eines jeden Liedes kreiert.

Da es sich um einen Livemitschnitt handelt, transportiert das Album zusätzlich den Bonus des tatsächlichen Konzertbesuchs. Denn sowohl Tom Becks unterhaltsam-humorvolle "Pausenfüller" als auch das Mitwirken und die verdiente Reaktion des Publikums werden dem Hörer nicht vorenthalten. 

Wenn Musik dieses Etwas hat, das sich nicht unbedingt in Worte fassen lässt, von dem aber jeder sofort weiß, was gemeint ist, wenn man es ansatzweise versucht zu beschreiben, dann muss ich bedingungslos mehr davon haben. 
Ebendies trifft auf Tom Becks Arbeit hinterm Mikrofon, an den Instrumenten und mit Stift und Papier in der Hand beim Texten zu: Seine Lieder erzählen von der Ironie des Lebens und dem Sich-selbst-treu-Bleibens, von (un)erfüllten Männerträumen und gebrochenen Herzen. Mal verschmitzt, mal sehnsuchtsvoll, mal entschlossen — auch diesbezüglich stimmt die Mischung.

Insgesamt ein Album, dessen Cover zwar in minimalistischem Schwarzweiß gehalten ist, dessen Inhalt allerdings alles andere als überschaubar daherkommt. Vielmehr kommt eine musikalische Mannigfaltigkeit zum Vorschein, die manch einen verblüffen, viele andere vollends erfüllen mag. 

F★ZIT: Unverfälscht. Intensiv. Unterhaltend. 





P.S.: 
Für all diejenigen, die eine Kostprobe auf die Ohren bekommen möchten,
gibt's hier Nice Guys zu hören.