"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Mittwoch, 23. Juli 2014

[Rezension] The Funny Thing Is ... (Ellen DeGeneres)

Ellen DeGeneres: The Funny Thing Is ... 

Weil ich Ellen DeGeneres und ihre Art Witz und Wichtigkeit in ganz Alltägliches zu bringen, über alle Maßen mag, durfte ich mir nach ihrem ersten Buch, My Point Is ... And I Do Have One, selbstverständlich auch The Funny Thing Is ... nicht entgehen lassen. Denn gegen einen Bataillon aus originell platziertem Humor und anderen drolligen Angelegenheiten ist letztlich rein gar nichts einzuwenden. 

Welch gute Entscheidung! Denn erneut wurde mir bewusst, aus welch triftigen Gründen diese Entertainerin dort steht, wo sie eben steht und das genau so, wie sie dort eben steht: aufrecht, auf Augenhöhe mit dem Lauf der Welt und somit vor allem nie über den Dingen.
Wenngleich die Erstauflage des Buchs bereits 10+ Jahre her ist, hat das Gesamtpaket nichts an Persönlichkeit verloren, da das Unikat Ellen auf mich irgendwie doch beeindruckend zeitlos wirkt. 


~ Rezension ~

Auf der humorvollen Seite des Lebens

Dass das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken ist, das weiß Ellen DeGeneres. Doch dieses Wissen hindert sie keinesfalls daran, eine genüssliche Portion Humor ins Spiel zu bringen. Schließlich hat eine Medaille stets zwei Seiten. Und die humorige glänzt eben viel schöner. Daher zögert Ellen DeGeneres keinen Moment, auch in ihrem zweiten Buch ihre Mitmenschen an der unberechenbar bunten Wundertüte ihres Lebens teilhaben zulassen. Ob Ellen beim Brunch mit (imaginären) Freunden, Ellen in psychologischer Zwickmühle oder Ellen auf ihrer Here and Now Tour  das Tolle ist, gute Gründe für bizarre Gedankengänge gibt es genügend. 

Ellen DeGeneres' The Funny Thing Is ... bietet einmal mehr reichlich Raum für herrlich abstruse Ideen und Szenarien, die unterstreichen, dass dem Leben eine Dreingabe an Unbeschwertheit und Witz recht gut zu Gesicht steht.

Für kompakte, leicht mehr als 170 Seiten darf der Leser Zeuge eines sehr besonderen und gleichzeitig inspirierenden Phänomens werden: Der gesunden Lebenseinstellung einer Entertainerin, die stets aufs Neue Mittel und Wege findet, über sich und die Unwegsamkeiten des Lebens zu lachen.
Mittels blühender Fantasie, leuchtender Überspitzungen und der Fähigkeit, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, weiß Ellen DeGeneres zu bestechen. Wer ihre Persönlichkeit und ihren markanten Humor mag, wird in diesem Buch ein Füllhorn an amüsanten Lesemomenten finden.

Aus der Schlichtheit einer Alltagssituation ein Spektakel zu machen, dessen Bildhaftigkeit bühnenreif ist, darin liegt das Talent der Autorin. Eine Fertigkeit, mit der sie mich auch dieses Mal sehr gut unterhalten hat.
Nicht weniger mag ich (nach wie vor) die Botschafterrolle, welche Ellen DeGeneres einnimmt. Denn neben einem mitreißenden Unterhaltungswert, verliert sie nie die kleine ernst gemeinte und auf ehrlicher Beobachtungsgabe basierende Nuance aus den Augen. Scheinbar beiläufig werden aussagekräftige Statements eingestreut, die im drolligen Kontexts nicht untergehen. Vielmehr gleichen sie Leuchtsignalen, die den Weg weisen. Besonderer Fokus liegt hier auf Menschenrechten und der Obhut von Tieren. Belange, für die sich eines der beliebtesten Gesichter der US-amerikanischen TV-Landschaft auch abseits der Bühne mit großem Herzen einsetzt.

Der Stil des Buches ist, es lässt sich kaum treffender beschreiben, "typisch Ellen eben". Präzise und im Grunde genommen schlicht und dabei nicht weniger (selbst-) ironisch. Unkompliziert und mit einem gewohnt überdimensional großen Augenzwinkern versehen schildert die Autorin lose angeordnete Anekdoten aus ihrem fantasievollen und ereignisreichen Leben.

Im Draufblick ein Buch, das ein Stück schräge Unterhaltung à la Ellen DeGeneres in das heimische Buchregal bringt. Wer ihrem Humor und einer Lebensphilosophie nicht abgewandt ist, die gleichsam leger wie profund daherkommt, der darf beherzt zu diesem kleinen Werk greifen.

FZIT: Kurios. Clever. Kompakt. 


Mittwoch, 4. Juni 2014

[Neu im Regal] Aufrichtige Worte einer Mutter

Dass ich ein Fan von Ellen DeGeneres bin, dürfte nun nicht die Neuigkeit schlechthin sein. Daher überrascht es bestimmt auch weniger, dass es für mich eine logische Schlussfolgerung ist, meine heimische Buchsammlung mit Love, Ellen aus der Feder von Betty DeGeneres zu ergänzen. 

Denn sosehr ich den Humor und die Leichtigkeit Ellen DeGeneres' schätze, ebenso sollte nicht vergessen sein, dass ebenfalls eine der zurzeit populärsten US-amerikanischen Entertainerinnen und ihre Familie massive persönliche Hürden zu überwinden und mit herber Konfrontation zu kämpfen hatten. Insbesondere nach Ellens öffentlichem Comingout 1997. 
Die Geschichte aus der Sicht einer Mutter zu lesen, für die sich mit dem (Ein-) Geständnis ihrer Tochter eine grundlegende Lebenssicht änderte, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Achterbahn der Gefühle.

Ein Werk, dessen aufrichtige Botschafterfunktion auch 15 Jahre nach Erscheinen nichts an Bedeutung verloren hat. Ein Ausrufezeichen, das meiner Meinung nach auch gegenwärtig noch für Gleichberechtigung und Vertrauen, Rückhalt und Familienbande steht! 
Eines wird für mich bereits vorm Lesen des Buches einmal mehr deutlich: die Philanthropie, für welche die DeGeneres' stehen.



Montag, 12. Mai 2014

[Neuzugänge] Zweimal die Aussicht auf Gold?

Diese zwei Neuzugänge für mein Bücherregal haben jeweils doch eine etwas größere Bedeutung für mich. 

Wieso?

Das kann ich gar nicht ganz genau sagen. Ich habe nur das Gefühl, dass mich mit This Is Not A Love Story von Holly Bourne und mit Shawn Johnsons Winning Balance über die bevorstehenden Lesestunden etwas Besonderes verbinden wird.

Erst genanntes Buch bekam ich von der lieben Katharina von Textverliebt. zugeschickt. Denn im Zuge der diesjährigen Aktion Blogger schenken Lesefreude hatte Katha sich entschlossen, dieses Buch zu verlosen, weil es sie selbst enorm begeistert hat. Für mich ein sehr gutes Zeichen, denn wir beide haben nicht selten einen ähnlichen Buchgeschmack. Dass ich nun tatsächlich ebenjenen Roman gewinnen würde, hätte ich nie geglaubt ... Textverliebtheit, nimm deinen Lauf! Katha, ich sage nochmals DANKE SCHÖN!!!

Darüber hinaus fand das von der (ehemaligen) Ausnahmeturnerin, Olympiasiegerin und Lebenskünstlerin Shawn Johnson geschriebene Buch seinen Weg zu mir. Aus welchem Grund? Weil ich zurzeit eine Schwäche für Werke mit biographischen Hintergrund, die eine beeindruckende und zugleich inspirierende Geschichte von den Hochs und Tiefs des Lebens erzählen, entwickle. Zugegeben, der Fan von "reinen" Biographien bin ich bisher (noch) nicht allzu sehr. ABER: Wenn eine Lebensgeschichte, die nicht wirklich als Biographie formuliert ist, jedoch das gewisse Etwas hat, dann liebend gern her damit! Da mich die sympathische Lebenseinstellung Shawn Johnsons direkt angesprochen hat, kam ich nicht umhin, mir nun auch ihr Buch zuzulegen. So einfach ist's.

Auf beide Bücher bin ich ziemlich gespannt. Ob ich sie nach dem Lesen wohl mit etwas Goldstaub versehen ins Bücherregal zurückstellen kann? 



Freitag, 25. April 2014

[Rezension] 434 Tage (Anne Freytag)

Anne Freytag: 434 Tage 

Wie es sich wohl anfühlt, wenn dich eine Entscheidung, die du vor Jahren mit dem Kopf, aber nicht mit dem Herzen getroffen hast, unerbittlich einholt? Bekommst du eine zweite Chance oder hat die Zeit alles dir Vertraute zur Unkenntlichkeit verzerrt?
Fragen, denen sich Anne Freytag in einem brisanten Kontext stellt, der Verlangen und Vernunft zu zwei immerwährenden Kontrahenten macht.
Danke schön für ein Buch, welches mit Liebe geschrieben über die Irrungen und Wirrungen selbiger erzählt!

[Buchcover: Freytag Literatur]


~ Rezension ~

Der Punkt, an dem du dich entscheiden musst ...

Anja ist glücklich. Allerdings nur in Julians Gegenwart. Die beiden verbindet ein sehr besonderes Band aus Höhen und Tiefen. Dass Anja seit Jahren mit Tobias verheiratet ist und sich mit ihm eine sichere Existenz aufgebaut hat, versucht sie in den Nächten mit Julian zu verdrängen. Ebenso wie die Tatsache, dass ihr Tobias als betrogener Ehemann zwar leid tut, der Fakt, dass sie ihren sie bedingungslos liebenden Mann hintergeht, jedoch keine Schuldgefühle in ihr weckt. Anja steckt in einer Krise, obwohl ihre Erfüllung so nah liegt. Sie muss endlich einen Schritt vorwärts gehen. Daher trifft sie eines Abends eine folgenschwere Entscheidung, welche die Narben der Vergangenheit aufreißt und im gleichen Atemzug neue Wunden zum Brennen bringt. Ein hoher Preis als Einsatz in einem Spiel mit dem Feuer.

Mit 434 Tage erzählt Anne Freytag eine Liebesgeschichte, die resolut vom Weg der Tugend abweicht und nichtsdestotrotz dabei die Nuancen der Zwischenmenschlichkeit in vollem Facettenreichtum zum Klingen und Nachhallen bringt.

Offensiv und unverblümt zieht die Autorin ihre Figuren in einen emotional aufwühlenden Strudel aus unbändiger Anziehungskraft und Seelenverwandtschaft, aus moralischer Unanständigkeit und Aufrichtigkeit auf Raten.
Während es ein Leichtes wäre, die Protagonistin Anja als undankbare Übeltäterin abzustempeln, umrahmt Anne Freytag das Porträt dieser mit menschlichen Schwächen und Eingeständnissen, die schlussendlich für Schattierungen aller Gefühlsebenen sorgen. Nicht minder kontrastreich werden die beiden männlichen Rollen, Julian und Tobias, ausgestaltet. Die Verteilung von Sympathie und Antipathie scheint rasch geklärt. Doch auch hier weiß Anne Freytag gekonnt Fäden zu spinnen, die eine klare Sicht der Dinge zu verhindern wissen.

Als beeindruckend empfinde ich (wieder einmal) Anne Freytags prägnante Stilistik und die entschlossene Ausführung dieser. Die Quintessenz des Romans ließe sich auf eine pointierte Kernaussage herunterbrechen. Doch dass es weder ein blütenreines Weiß noch ein gestochen scharfes Pechschwarz gibt, stellt die Autorin mit ihren Ausführungen unter Beweis. Vielmehr jongliert sie mit Gewissensfragen, Moralvorstellungen und unter die Haut gehenden Empfindungen. Dabei entstehen von Kapitel zu Kapitel neue Mosaike, die durch Intensität bestechen.

Sowohl der Moralapostel als auch der erhobene Zeigefinger fallen in diesem Roman unter den Tisch. Stattdessen wird eine Vielseitigkeit dargeboten, die Fassaden zum Einsturz und Perspektiven zum Blühen bringt. Indem Anne Freytag Thematiken wie Vertrauensbruch, Betrug und Verrat bei der Wurzel packt, berührt sie auf polarisierende Art und Weise und bringt somit Gedanken ins Rollen.

Alles in allem ein Roman, dessen Liebesgeschichte das Überraschungsmoment ausgefeilt darzustellen weiß und dessen kribbelnde Ungewissheit packt. Kopf oder Herz? Vernunft oder Sehnsucht? Anne Freytag initiiert Stimmen, deren Echo kakofonisch oder eben harmonisch klingt. Warum sich festlegen, wenn Konformität in einem Falle wie diesem eher einengt?

FZIT: Nah. Ballastreich. Pikant.


Freitag, 14. März 2014

[Rezension] Renate Hoffmann (Anne Freytag)

Anne Freytag: Renate Hoffmann 

Ein Buch, zu dem mir  so mein Gefühl  die zutreffenden Worte fehlen ... Das ist kein Scherz ... Aber ich muss und vor allem möchte dennoch etwas zu meiner Begegnung mir Frau Hoffmann sagen. Denn sie war einmalig!
Selten habe ich ein Buch gelesen, dass in diesem Maße auf seine sehr eigene, im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreibliche Art einnimmt.
Die inhaltliche Thematik kombiniert mit einer recht eigenwilligen, aber zugleich gebrochenen Protagonistin ist eine vorzügliche Mischung. Doch umrahmt und getragen wird das Ganze durch den außergewöhnlich charakteristischen Ton einer Anne Freytag, die Worte für jede Lebens- und Gemütslage in petto zu haben scheint.
Kurzum: Ein Roman, der gelesen werden muss! Das ist ebenso wenig ein Scherz.


~ Rezension ~

Wenn ein Augenblick zur Schnittkante zwischen dem Vorher und dem Danach wird …

Renate Hoffmann war eine junge Frau voller Lebenslust und Zukunftspläne. Sie hatte das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Sie glaubte, die Welt gehöre ihr. Endlich. Nach einem steinigen Weg. Doch dann änderte sich an einem Novembertag vor sieben Jahren alles. Seither führt eine zurückgezogene, lethargische Frau Hoffmann ein Leben voller Trostlosigkeit. Bis eben diese Frau Hoffmann beschließt, vom Balkon in den Tod zu springen. Doch plötzlich überkommen Frau Hoffmann leise Zweifel und sie fasst erneut einen Entschluss, der ihr Leben auf den Kopf stellen soll. Doch ist es das, was Frau Hoffmann wirklich möchte? Oder hat sie zu hoch gepokert und verliert sich dabei endgültig?

Anne Freytags Renate Hoffmann ist ein Roman, der das Leben einfängt – an einem Punkt, an dem es wehtut. Doch genau dieser Schmerz ist es, der spüren lässt, am Leben zu sein; besser noch: lebendig zu sein.

Frau Hoffmann ist eine Protagonistin, deren Konturen markante Ecken und Kanten in Form von zermürbendem Kummer und tieftraurigen Erinnerungen prägen. Nach außen hin wird jene scharfkantige Unnahbarkeit durch neurotische Akkuratesse und ausufernde Pedanterie abgepolstert. Doch im Inneren schwelt unter den Trümmern zerbrochener Lebendigkeit noch immer die Sehnsucht nach mehr.
Frau Hoffmann ist ein Charakter, der mir persönlich binnen weniger Seiten ans Herz gewachsen ist – trotz oder gerade wegen ihrer Sicht der Dinge.

Was beim Lesen dieses Romans neben der filigranen Erörterung menschlicher Stärken, Schwächen und Abgründe ins Gewicht fällt, ist der Stil der Autorin, die Geschichte zu erzählen. Ich möchte ihn tatsächlich als einzigartig bezeichnen – ohne mich dabei allzu weit über die besagte Balkonbrüstung zu lehnen. Denn ich kann mich nicht erinnern, Ähnliches in dieser Art und Weise umgesetzt schon einmal gelesen zu haben.
Anne Freytag balanciert eine hohe Emotionalität und eine angenehme Schlichtheit bestens aus. Sie legt jenes gewisse Etwas in ihre Erzählungen, das unter die Haut geht. Damit gelingt es ihr, das abstrakt Scheinende greifbar zu machen. Sie materialisiert Gefühle. Eine Fähigkeit, die das Lesen des Buches trotz seiner brisanten Geschichte zu einem Vergnügen macht.

Allen Unwegsamkeiten zum Trotz umgibt das Schicksal der Frau Hoffmann stets ein Schein des Hoffnungsvollen. Eine Stimme, die anfangs wie eine Souffleuse flüstert, später mit vehementer Hartnäckigkeit den Ton angibt. Soll heißen: Die Botschaft Gib (dich) niemals auf! gewinnt die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Summa summarum ein Roman, der mit seinen Zeilen und zwischen selbigen zu fesseln weiß. Anne Freytag versteht ihr Handwerk. Sie ist verantwortlich für höher schlagende Herzen und solche, die zerbersten. Sie gibt Hoffnung und schenkt bittere Erkenntnis ein. Doch sie schubst niemanden leichtfertig vom Balkon. Schon gar nicht, wenn dieser Jemand eine Geschichte zu erzählen hat. Eine Geschichte, die vieles bewegt.

F★ZIT: Facettenreich. Fragil. Formvollendet.