"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Mittwoch, 28. August 2013

[Schreibzeugkiste] Ist ER der Richtige?

Er muss das gewisse Etwas haben. Klar! Es muss Aussagekraft besitzen. Sicher doch! Er muss verblüffen, neugierig machen, polarisieren. Wäre passend! Er muss Identifikationspotential bieten. Warum nicht?! Er muss auf der Zunge zergehen. Her damit!

Wer, er?

Na, er, der doch das Aushängeschild eines jeden Buches ist: der TITEL!

Die Suche nach einem adäquaten Buchtitel stellt für den Autor eine Herausforderung dar, die Verantwortung und Authentizität, Publikumsnähe und Einfallsreichtum verlangt. Eine Herkules-Aufgabe? In manchen Fällen ist das durchaus nicht von der Hand zu weisen.

Der Buchtitel spielt eine sehr, sehr markante Rolle in Hinblick auf den Erfolg eines Buches. Ein Werk kann inhaltlich noch so gut sein, doch bevor sich die Leser davon selbst ein Bild machen können, muss der Buchtitel sie überzeugen. Doch wie lässt sich eine derartige Liebe auf den ersten Blick kreieren, ohne eine Zwangsehe zwischen Buch und Leser heraufzubeschwören?

Jeder Autor steckt eine Menge Herzblut, Engagement und Zeit in die eigenen Zeilen. Und ebenjene Bindung spiegelt sich oftmals   und zu Recht  im Titel des Buches wider. 
Darüber hinaus ist es ratsam, Folgendem ebenfalls Beachtung zu schenken: Der Blickwinkel des (hoffentlich zugreifenden) Lesers sollte eingenommen werden. Möchte heißen: Für welche Zielgruppe ist mein Buch gedacht? Welchen Blick auf den Inhalt möchte ich preisgeben? Welches ist der Aufhänger, der für mein Publikum am interessantesten erscheint?

Welcher Autor erhebt nicht den eigenen Anspruch, einen originellen, ansprechenden und griffigen Titel für sein Werk finden zu wollen? Eben. Manches Mal braucht gut Ding Weile ... und einiges an Recherchearbeit, um letzten Endes ein für den Schreibenden und den Lesenden ein zufriedenstellendes Ergebnis zutage zu fördern.

Gut macht sich (meiner Meinung nach) in diesem Fall wohl eine Vorgehensweise, die folgenden Komponenten miteinander in Einklang bringt:

Worin liegt die offensichtliche Hauptbotschaft meines Buches?

Was liegt mir als Autor am Herzen, meinen Lesern mit auf den Weg zu geben?

Welche erste Wirkung möchte ich bei meinem Publikum hinterlassen? Neugierig machen, schockieren, aufklären, bewegen, amüsieren, polarisieren, ...!

Was finde ich selbst an Buchtiteln ansprechend? Könnten meine Leser eine ähnliche Präferenz haben?

Damit einhergehend ergibt sich für mich als Autor (abseits der Rubrik Sachbuch) die Möglichkeit  u.a. zwischen Titelvarianten zu wählen, welche folgendermaßen daherkommen: 

als "wortverspielter und rhetorisch bühnenreifen Blickfang, der unmittelbare Assoziationen weckt" wie Versehentlich verliebt (Adriana Popescu),  Pinguinwetter (Britta Sabbag) oder Das Mädchen mit den gläsernen Füßen (Ali Shaw)

als "Charakterbesetzung von der ersten Sekunde an"  à la Harry Potter (J. K. Rowling), Percy Jackson (Rick Riordan) und Carlotta (Dagmar Hoßfeld)

als "eigenständige Kurzgeschichte" im Stile von Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert (Joël Dicker) und Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick (Jennifer Smith)

als "schlichte Punktlandung" wie Souvenirs (David Foenkinos), Die Wunschmaschine (Alexander Rothe) und Abgeschnitten (Sebastian Fitzek und Michael Tsokos)

Wie auch immer die Titelwahl nach zum Teil endlosen und weiß Gott nicht auf die leichte Schulter genommenen Grübeleien ausfällt, zu beachten ist das Titelschutzgesetz, welches besagt, bereits existierende Titel dürfen keinesfalls nochmals Verwendung finden. Dies im Hinterkopf empfiehlt durchaus einen Blick in die deutsche Nationalbibliothek, um Steine des Anstoßes negativer Natur von Vornherein zu vermeiden.

So weit, so gut. Nun kann die Suche nach dem Heiligen Gral, der in diesem Fall dem wohlgesonnenen Titel meines Buches gleichkommt, beginnen. In diesem Sinne: Sämtliche Register offerieren sich und wollen somit gezogen werden!


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