"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Freitag, 17. Juli 2015

[Rezension] Flucht aus Oxford (Veronica Stallwood)

Veronica Stallwood: Flucht aus Oxford 

Da ich Kriminalfälle à la Sherlock Holmes und Miss Marple schon immer gern gelesen habe, bleibt mir nach dem Lesen dieses Romans kaum etwas anderes übrig, als gewisse Parallelen festzustellen. Auch erinnerte mich die Geschichte ein wenig an die Serie Mord ist ihr Hobby. Will heißen, vor allem die beherzte Manier des Hobbyermittelns ist ein markantes Merkmal dieses Buches. Daher natürlich klein blutiger Reißer, sondern vielmehr ein patent in Szene gesetztes Rätselraten.


~ Rezension ~

Der Mörder ist dieses Mal ... nicht der Gärtner.

Schriftstellerin Kate Ivory hat Oxford vorübergehend der Rücken zugekehrt und bewohnt nun ein Cottage im beschaulichen Gatt's Hill. Bald schon muss Kate allerdings feststellen, dass es hier weitaus weniger idyllisch zugeht als vermutet. Zuerst taucht überraschend ihre weltgewandte Mutter Roz auf. Dann wird Kates Gärtnerin Donna tot aufgefunden. Kate und Roz sind bestürzt und beschließen, den mysteriösen Tod näher unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit dem Dorfpfarrer Tim sind sie bald die Einzigen, die ein Verbrechen hinter dem plötzlichen Ableben der jungen Frau vermuten. Welches brisante Geheimnis versucht die feine Gesellschaft von Gatt's Hill zu hüten?

Flucht aus Oxford von Veronica Stallwood ist ein Krimi aus der Kate-Ivory-Reihe, der in einem angenehmen und irgendwie charakteristisch britischem Stille-Wasser-sind-tief-Gewand daherkommt.

Neben Kate, die als Protagonistin ihr eigenes persönliches Päckchen zu tragen hat, treten vor allem ihre Mutter und Pfarrer Tim aus dem Figurenensemble heraus. Das Trio ergänzt sich trotz oder gerade wegen charakteristischer Unterschiede sehr ansehnlich. Während Kate stets eine Nuance distanziert wirkt, ist Roz die Energische und Tim repräsentiert den verständnisvollen, Vorurteile schluckende Freund.

Veronica Sallwood gelingt es, eine Atmosphäre zu kreieren, die dem Leser unaufdringlich, aber dennoch bestimmt mit den Gepflogenheiten eines englischen Kriminalfalls bekannt macht. Weder rabiate Action noch atemlos machende Spannung werden heraufbeschworen. Dafür wird ein kniffliges Rätsel mit Bedacht und beherzter Eigeninitiative gelöst. Mal mit cleverem Charme, mal mit ambitionierter Waghalsigkeit gehen die drei Amateurermittler dabei zu Werke. Eine Mischung, die ich, in Kombination mit der vorwiegend gewählten Ausdrucksweise und einer nicht selten aufgegriffenen britischen Etikette, mochte. Allerdings werden in Zuge dessen die individuellen Profile der Figuren vorrangig nur skizziert, nicht jedoch vollends ausmodelliert.

Der Spannungsbogen zeichnet sich durch kleine Raffinessen aus und wird im Großen und Ganzen auf Augenhöhe des Lesers gezogen. Das heißt, einige Vermutungen scheinen offensichtlich, während die Autorin hier und da ein Überraschungsmoment eingebettet hat.

Insgesamt ein Krimi, der in solider englischer Manier unterhält und dabei die Schwächen einer auf den ersten Blick gefestigten Gesellschaft feinsinnig reflektiert.

FZIT: Gediegen. Subtil. Geflissentlich. 


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