"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 7. Juli 2015

[Rezension] The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society (M.A.Shaffer & A. Barrows)

Mary Ann Shaffer & Annie Barrows: The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society 

The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society gehört zu den Romanen, die mir von meinem Freundeskreis ans Herz gelegt worden sind. Ich verbuche das an dieser Stelle gern einmal als Glücksfall. Denn die Prophezeiung, mir würde dieses Buch bestimmt gefallen, trat zweifellos ein.

Ich formuliere es so: Die Aufmerksamkeit, welche der pfiffige Titel weckt, wird durch den gleichermaßen berührenden wie humorvoll aufgefächerten Inhalt sofort aufgefangen und in neue Höhen katapultiert. 


~ Rezension ~

Eine Hommage an die Brieffreundschaft

England, 1946: Autorin Juliet Ashton hat sich während der Kriegsjahre unter dem Pseudonym Izzy  Bickerstaff einen Namen gemacht, weil sie trotz all der Widrigkeiten Esprit und Witz nie verloren hat. Doch nun möchte Juliet nicht länger als Izzy schreiben. Sie möchte ganz und gar sie selbst sein dürfen. Wie es der Zufall will, entwickelt sich genau zur rechten Zeit ein eloquenter Briefwechsel zwischen Juliet und den ihr bis dato völlig fremden Mitgliedern des Buchclubs Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society. Juliet spürt, dass diese Verbindung etwas Einzigartiges in sich birgt. Kann dieses neu geknüpfte Band einer Brieffreundschaft vielleicht sogar die Antwort auf Juliets Suche nach sich selbst sein?

The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society von Mary Ann Shaffer und Annie Barrows ist ein feiner Roman, der den Leser zu umarmen weiß.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass die Handlung einzig durch den kurzweiligen Briefwechsel zwischen den verschiedenen Protagonisten erzählt wird. Eine Vielfalt an kleinen persönlichen Episoden, die sich zu einem illustren Mosaik lückenlos zusammenfügen, entsteht.

Mary Ann Shaffer selbst stieß durch glücklichen Zufall auf ihre Faszination für die kleine Insel Guernsey. Ein Gefühl, welches sie Jahre später in ihrem einzigen Roman — die Autorin verstarb noch vor der endgültigen Publikation ihres Buches  einfangen sollte. Jene persönliche Verbundenheit zu Guernsey kommt auf sehr angenehm-filigrane Weise in der Geschichte Juliets zur Geltung. Eine, wie ich finde, absolute Stärke des Romanes.

Protagonistin Juliet Ashton ist eine fortschrittliche, eigenständige und kreative Frau, die ihrer rerufung als Schriftstellerin einfühlsam, aber bestimmt nachkommt. Flankiert wird diese sympathische Persönlichkeit von einer Gruppe gleichsam einprägsamer Charaktere, die jeweils ihre Sicht der Dinge auf die Besatzungszeit Guernseys durch Deutschland beizusteuern haben. Womit wir bei einem weiteren gelungenen Element des Buches wären: Mary Ann Shaffer gelingt es, ein Stück traurige Historie respektvoll, aber mit einer stimmigen Prise Gewieftheit versehen zum Eckpfeiler ihrer Handlung zu machen. Dass die Menschen selbst in den bitteren Kriegswirren nie gänzlich den Silberstreif am Horizont aus den Augen verloren haben und Zusammenhalt und Erfindungsreichtum ihnen Rückgrat verliehen, ist eine unmissverständliche Botschaft des Werkes.

Ein Wechsel zwischen Leichtigkeit, (Galgen-) Humor und Ernsthaftigkeit charakterisiert die Tonalität der Erzählung. Bittere Erinnerungen gehen Hand in Hand mit der verheißungsvollen Süße des Neuanfangs. Während des Lesens hatte ich das Empfinden, das Vergangene gemeinsam mit Juliet und ihren Freunden zu verarbeiten. Der Leser wird sozusagen selbst zu einem Mitglied des verschroben-liebenswürdigen Buchclubs auf Guernsey.

Insgesamt ein geschliffener Roman, der als Hommage an die Wertigkeit der Brieffreundschaft ein Plätzchen in vielen Buchregalen verdient hat. Ein Muss für all diejenigen, deren Herz auch im digitalen Zeitalter für Briefbogen und Füllfederhalter schlägt.

FZIT: Persönlich. Redegewandt. Positiv. 


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