"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Montag, 21. Juli 2014

[Schreibzeugkiste] Das "Schwarze Loch" der Bloggersphäre

Für (Literatur-) Blogger und Autoren versteht es sich von selbst, gern und viel zu schreiben. Daher wird in häufigen Fällen nicht nur eifrig auf dem eigenen Blog gepostet oder am nächsten Manuskript getüftelt. Es wird gleichsam äußerst aktiv und engagiert über die sich bietende Vielfalt der sozialen Netzwerke mit Lesern, Fans und Followern kommuniziert. Das bringt Begeisterung!

Das ist Teil einer großen, beinahe schon ein wenig zelebrierten Digital-Native-Kultur, von der sich eben auch die bloggenden Zeitgenossen umgeben und eingenommen sehen. Es hat wirklich etwas faszinierend Praktisches (nahezu) in Echtzeit einem Gedankenaustausch nachkommen zu können. Nie gestaltete sich Kommunikation bequemer. Ein "Gefällt mir" auf einer Fanseite oder das Abo eines Blogs genügt, und schon erwarten einen wöchentlich, täglich oder gar stündlich Updates zu jeglichen Lieblingsthemen.

Doch kann es passieren, dass sich beispielsweise ein Blogger, dem das Schreiben, Posten und Vernetztsein für gewöhnlich viel Freude bereitet, plötzlich in Zugzwang gebracht sieht?

Durchaus.

Denn frische Posts auf allen Brettern, die die virtuelle Welt bedeuten, werden von den treuen Lesern förmlich erwartet. Erwartet im Sinne von "gewünscht". Im Laufe eines Bloggerjahres im Grunde kein Problem, denn es gibt genügend zu erzählen und demzufolge auch zu lesen, liken und teilen. Allerdings — und das soll tatsächlich vorkommen — verabschieden sich auch die eifrigsten Schreiberlinge gelegentlich in eine kleine oder gar mittelgroße Auszeit. So weit, so gut.

Jedoch kann das als erholsam ausgemalte "Willkommen im Off" auch schnell zur kritischen Größe eines Bloggers werden und damit die Regeneration erheblich stören. Weshalb? Weil sich das Leben abseits des WWW unerwartet anfühlen kann wie ein Schwarzes Loch: Zwei, drei Tage nichts gepostet, schon darin verschwunden. Schließlich gibt es eine Menge Blogs, die sich nicht nur als souveräne "Urlaubsvertretung" gut machen ... Die Vorhersage Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen würde dem einen oder anderen vielleicht noch schmecken, aber dieses fiese Schwarze Loch vor Augen. Welch Szenario! 

Dieses schlechte Gewissen, welches das vermeintliche Nichtstun verursacht, kann schon an einem Blogger nagen. Sollte es aber nicht! Denn trotz der gewissen Verantwortung des Leser gegenüber, spricht längst nichts gegen eine Auszeit, ein Durchatmen. Im Gegenteil. Selbst die angenehmsten Dinge unserer täglichen Beschäftigung dürfen ab und an durch andere schöne Dinge  sprich durch das echte Leben —  abgefangen werden. 
Außerdem kann eine kleine Distanz zu Blog, Social Media & Co. neuen Wind in Form frischer Ideen und Projekte bringen. Und diese sind in den meisten Fällen dann recht willkommene Souvenirs für die Leser. Von einem kleinen "Ich bin dann mal weg" hat demzufolge jeder etwas. So soll das sein.

Und wenn hierbei etwas im Schwarzen Loch verschwinden sollte, dann die Befürchtung des Leser- bzw. Fanschwunds, denke ich. Denn diejenigen unter den Lesern, die einem Blogger um dessen Beiträge und Originalität willen folgen und nicht wegen der reinen Frequenz an Posts, freuen sich immer über Nachschub — ob nach zwei Tagen oder zwei Wochen ... oder gar zwei Monaten. 

Denn, wenngleich das Kreative viel Spaß bereitet und sich sowohl Verfasser als auch Leser stets an neuen Einfällen erfreuen, zeichnet es sich vor allem durch Individualität aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies, kreative Köpfe liefern eben keine Ware, bei der die Module in der Mentalität eines Fließbandmassenprodukts zusammengesetzt werden. Auszeit ist daher inklusive. Denn, wie gesagt, wir Blogger haben eine Verantwortung — ebenso uns selbst gegenüber.



Kommentare:

  1. Klar Regelmäßigkeit ist gut - so sticht man etwas hervor. Aber die Qualität ist wichtiger. Es gibt Leute, die täglich bloggen, beidenen es mir aber spotan schwerfällt, sie zu benennen. Blogs, die im Gedächtnis bleiben, bieten einen einzigartigen Stil und keine täglichen Post. Ich versuche min 1 x pro Woche etwas on zu stellen, gleichzeitig will ich meine Leser nicht überlasten - deswegen poste ich auch, wenn viel ansteht, nicht jeden Tag.

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    1. Einen eigenen Blog-Rhythmus zu finden, kann recht hilfreich sein. Ganz gleich, wie dieser sich genau gestaltet. Aber der ist eben für mich als Leser keine ausschlaggebende Notwendigkeit. Denn ich schau selbst auch eher auf die Inhalte.

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Herzlichen Dank für deine Worte.