"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 7. Oktober 2014

[Rezension] Souvenirs (David Foenkinos)

David Foenkinos: Souvenirs

Der Eindruck, dass es sich bei jenem Buch um eine Liebeserklärung an das Leben mit all seinen leuchtenden und auch tristen Facetten handelt, ergriff mich umgehend und lässt mich auch im Nachhinein nicht los.
Greifbar und dennoch unerreichbar. Erreichbar und dennoch nicht greifbar. Ein sehr spezielles Lebens- und Lesegefühl stellt sich während des Abtauchens in diesen Roman ein. Man muss es selbst entdeckt haben!


~ Rezension ~

Wenn das Nähkästchen zur Schatztruhe wird.

Er, der verträumte, als Nachtportier arbeitende Held dieser Geschichte, hat einen sehnlichen Wunsch: eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller. Doch bevor er seine festen Ambitionen in die Tat umsetzen kann, bringen ihn familiäre Schicksalsschläge vom Kurs ab. Allerdings steckt in jedem Rückschlag eine neue Chance. So führt eine zufällige Begegnung mit einer jungen Frau dazu, seinen Vorstellungen neue Prioritäten zu geben. Allerdings segelt er fortan nicht nur auf den seichten Wogen des Lebens.

Mit Souvenirs brachte David Foenkinos eine Hommage an ein erfülltes, bewegtes und vor allem erinnerungswürdiges Leben zu Papier. Die am längsten überdauernden Souvenirs des Seins  Erinnerungen  hebt er mit diesem Werk auf eine Empore, die im feinsten Glanz erstrahlt.

Die Erzählung umfasst als Grundhandlung das Leben des Protagonisten, wird allerdings immer wieder durch Anekdoten, sprich Erinnerungen, von Menschen, die seinen Weg mehr oder minder geprägt haben, abgerundet. So darf der Leser beispielsweise gern in die Erinnerungen eines Alois Alzheimer oder eines Francis Scott Fitzgerald abtauchen.

Eine Atmosphäre, die ein charakteristisches französisches Lebensgefühl transportiert, schwingt zwischen den Zeilen stets mit. Dazu gehören die Seichtigkeit poetischer Wortmalereien und verhaltene Momente der Bedächtigkeit, pulsierendes Prickeln und gewahrte Kontenance. Eine Mischung, die mir sehr gefallen hat und die sich trotz ihrer durchgängigen Ernsthaftigkeit angenehm schwungvoll zeigte.

Dass sich in diesem Buch individuelle Erinnerungen voller Schmerz, Wonne oder Erkenntnisreichtum als Souvenirs herauskristallisieren und sich gegen jegliches materielle Souvenir behaupten können, ist eine originelle Idee, die vom Autor feinfühlig und analytisch umgesetzt worden ist.

Unser aller Leben verstreicht oft genug, ohne dass wir innehalten und verweilen. David Foenkinos gelingt es, hier ein deutliches Signal zu setzen, welches diesem Trend entgegenwirkt. Momente des Glücks oder auch des Zweifelns haben uns im Augenblick ihrer Gegenwart geprägt, demnach sind sie es würdig, dass wir uns ihrer auch im Nachhinein entsinnen. Die Protagonisten dieses Romans gehen diesbezüglich mit einem guten Beispiel voran. Auf dass ihnen viele Leser folgen mögen!

F★ZIT: Hintergründig. Kraftvoll. Anstiftend. 


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