"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Freitag, 9. Mai 2014

[Schreibzeugkiste] Schnorchel oder Sauerstoffflasche?

Das ist ein Buch, das mich die Nacht zum Tag hat machen lassen. 

Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen.

Wann wird es die Fortsetzung geben? Im nächsten halben Jahr noch, nicht wahr?

Solche und sehr ähnliche Lesermeinungen sind wohl die allerschönsten Komplimente für die Arbeit eines Autors. Eine Anerkennung, die unbezahlbar wertvoll ist. Resümees, die Bestätigung und Ansporn zugleich sind.

Doch da jede Medaille bekanntlich zwei Seiten hat, kommt auch im Zuge jener lobenden Begeisterungsstürme eine Gefühlsregung auf, die es nicht zu unterschätzen gilt:

Denn sosehr nach wenigen Stunden verschlungene Bücher (in den meisten Fälle) wohl für das Talent des Autors sprechen, stellt sich nicht weniger die Frage, ob dies gleichzusetzen ist, mit dem umfassenden Genuss eines literarischen Werkes?

Mich überkommt diesbezüglich manches Mal ein gewisser innerer Zwiespalt, der sich wie folgt abzeichnet:

Ich lese ein Buch, bei dem schlichtweg alles stimmt. Und dementsprechend schmilzt die Zahl der zu lesenden Seiten wie Limonenparfait im Sonnenschein. Nur noch ein Kapitel! Okay, eins noch! Jetzt aber! Halt, nur noch zehn Seiten bis zum Ende?! Das kann nicht sein!

Anderseits drängt sich der Gedanke dran auf, wie viele unzählige Stunden der Recherche, Tage des Plottens, Wochen des Schreibens und Monate der täglichen/nächtlichen Treffen mit seinen Protagonisten ein Autor in diese Seiten zwischen den Buchdeckeln gesteckt hat. 
Arbeit, die vom Leser und der Öffentlichkeit als solche oftmals gar nicht erkannt und deklariert, geschweige denn gebührend wertgeschätzt wird. Das geschieht nicht zwangsläufig mit Vorsatz. Es ist vielleicht vielmehr eine Selbstverständlichkeit, ins Bücherregal zu greifen und sich ein absolutes Juwelchen zu angeln. Doch denken wir kurz darüber nach, gelangen wir zu der Erkenntnis: So selbstverständlich ist das gar nicht.

Dass sich das Medium Buch in gewissen Kreisen noch immer hartnäckig gegen all seine zusehends wachsenden digitalen Konkurrenten und medialen Gegenspieler behaupten kann, sollte Grund genug sein, vor Autoren, die uns mit ihren Werken begeistern, ansprechen, mitreißen, den Hut zu ziehen!
Dass mache ich natürlich, indem ich den Autoren wissen lasse, wie sehr ich einem weiteren Werk aus seiner Feder entgegenfiebere. (Und dass er sich doch bitte mit einer nächsten Veröffentlichung sputen möge!) Klar, das ist absolut verständlich. Sehr menschlich. Und Zeugnis großer Fanbekundung. 
Allerdings sollten wir Leser hierbei eben nicht erfolgreich verdrängen, dass sich Bücher — aller wachsenden Möglichkeiten zum Trotz nicht über Nacht schreiben und verlegen lassen. Nur weil mein Lieblingsautor von Superhelden und deren Power schreibt, verfügt er selbst (höchstwahrscheinlich) nicht über entsprechende Superkräfte. Soll heißen, auch ein kreativer Kopf qualmt gelegentlich und braucht eine Regeneration. Bei aller Liebe zum geschriebenen Wort und zu den vor Euphorie strotzenden Lesern.

Vermutlich gibt es wohl kaum ein einziges Richtig, was unser Leseverhalten betrifft. Was Genusslesen für jeden Einzelnen bedeutet, dafür gibt es mit Sicherheit mehr als eine Handvoll individueller Definitionen. Gut so! Richtig soJeder muss für sich selbst entscheiden: Bin ich Gourmet oder "Fastfoodfan"?

Nichtsdestotrotz sollten wir uns eventuell von Zeit zu Zeit selbst fragen, wie wir persönlich der schriftstellerischen Leistung hinter einem Buch, das uns richtig gut gefällt, gerecht werden können. 

Ab und an lohnt es sich gegebenenfalls, ein Buch, von dem es mich wehmütig stimmt, die letzte Seite zu beenden, noch ein wenig Revue passieren zu lassen. Denn zwischen Schnorcheln und Tauchen gibt es schon gehörige Unterschiede. Und während ich auf Tauchstation gehe, kann der Autor ein klitzekleines Weilchen auf seiner Luftmatratze die kreative Seele baumeln lassen, bevor erneut der Turbo umso überzeugender gezündet wird.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Herzlichen Dank für deine Worte.