"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Montag, 10. September 2012

[Rezension] Verwesung (Simon Beckett)

Simon Beckett: Verwesung 

Auch diesem Fall des Dr. Hunter musste ich mich einfach widmen. Dieses Mal wird dem Leser die Vergangenheit der Hauptfigur vor Augen geführt, wobei menschliche Schwächen, Schuldgefühle und Versagensängste zutage gefördert werden. 
Das etwas Andere an diesem Buch war für mich, dass Simon Beckett seinen Protagonisten noch nie derart verletzlich dargestellt hat. Jene gewisse Fassade aus Sicherheit und Distanz bröckelt arg und offenbart eine Facette, die nicht minder schmerzvoll ist, das jedoch eher auf psychischer Ebene.


~ Rezension ~

Wenn dich die Vergangenheit einholt …

… gibt es selten ein Entkommen. Dies bekommt auch Dr. Hunter zu spüren, der zehn Jahre nach dem Überführen des skrupellosen Frauenmörders Jerome Monk auf dessen Racheliste zu stehen scheint. Aus dem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen taucht Monk im Dartmoor unter und bereitet offenbar grausige Revanche vor.
David Hunter muss sich allerdings nicht nur mit dem Gedanken an einen Mörder in unmittelbarer Nähe gewöhnen, sondern fühlt sich auch privat tiefen Schuldgefühlen ausgesetzt. Als er damals Monk dingfest machen wollte, verlor er Frau und Tochter bei einem Unfall. Zusätzlich spürt Hunter, dass auch seitens der neuerlichen Ermittlungen einiges im Argen liegt.

Wie bei den Vorgängerwerken baut Beckett einen verblüffend intensiven Spannungsbogen auf. Das Element des Überraschungseffektes wird der Leser auch hier mit Sicherheit nicht vermissen. 
Präzise werden gruslige Details geschildert, wobei ebenso an emotionalen Einblicken in das Seelenleben des Protagonisten nicht gespart wird. Hunter ist eben nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein Mensch mit Herz und Schwächen.
Die Mischung aus Düsternis der Handlung und Eintauchen in die Vergangenheit der Hauptfigur, was auch die Konfrontation mit dem noch Ungewissen beinhaltet, hat mich ohne Zweifel überzeugt.

Verwesung spiegelt den brillanten Stil Becketts wider, auf unnachahmliche Art eine ergreifend spektakuläre Leseunterhaltung zu schaffen.

F★ZIT: Dunkel. Aufbrausend. Bebend.



Sonntag, 9. September 2012

[Rezension] The Death and Life of Charlie St. Cloud (Ben Sherwood)

Ben Sherwood: The Death and Life of Charlie St. Cloud 
[deutscher Titel: Wie durch ein Wunder]

Dieses Buch ist wie gemacht, um über den Tellerrand des Rationalen hinauszuschauen. Eine unheimlich starke und vor allem besondere Geschwisterbeziehung (über den Tod hinaus) wird in den Mittelpunkt gestellt, womit der Autor zeigt, dass es mehr zwischen Himmel und Erde geben kann, als wir uns auf den ersten Blick erklären können.
Auch wenn die Geschichte rein fiktiv ist, aus welchem Grund sollte ein gewisser Wunschglaube mancher Begebenheit unseres realen Lebens nicht ab und an nahe kommen dürfen? Das wäre mit Sicherheit belebend wie die frische, nach Salz schmeckende Brise des Meeres ...


~ Rezension ~

In der Schwebe zwischen Leben und Tod

Seitdem Charlie als Jugendlicher einen Autounfall verursachte, den sein jüngerer Bruder Sam nicht überlebte, führt er ein zurückgezogenes, von Schuldgefühlen geplagtes Leben. Noch täglich zieht es ihn kurz vor Sonnenuntergang in den nahe gelegenen Wald, wo ihm Sam als wahrhaft lebendiger Geist erscheint, um eine gemeinsame Partie Baseball zu spielen. Dies ist das Einzige, was den Brüdern geblieben ist. Niemals würde Charlie auch nur eines jener abendlichen Treffen verpassen.
Durch die Begegnung mit der lebenslustigen Seglerin Tess, die auf unerklärliche Weise Sam ebenfalls als reale Person wahrnimmt, wird Charlies Leben ein zweites Mal aus der Bahn geworfen. Denn hinter Tess’ Fähigkeiten steckt ein Schicksal, das den Wettlauf um Überleben und Tod in sich birgt. Bald muss Charlie sich entscheiden: Sam oder Tess?! Er fühlt sich zerrütteter denn je.

Ben Sherwood schrieb mit The Death and Life of Charlie St. Cloud eine einmalig einfühlsame Geschichte über Seelenverwandtschaft und Selbstaufgabe, Leben und das Leben nach dem Tod. Das Schicksal des Protagonisten zieht den Leser unmittelbar in den Bann. 
Der einzigartige Bund zwischen den Brüdern hat mich genauso berührt wie die Beziehung vom melancholischen Charlie zur abenteuerlustigen Tess. 
Witz und Esprit wird durch Sam versprüht, während Charlie eher Vernunft und Ernsthaftigkeit verkörpert.

Die Handlung ließ mich samt ergreifender Wendepunkte mehr als einmal schlucken. Eine warme Geschichte über ein Versprechen, die Liebe und eine nicht mehr rückgängig zu machende Entscheidung.

F★ZIT: Kämpferisch. Liebevoll. Wundersam.


Samstag, 8. September 2012

[Rezension] Der unsichtbare Wink (Emily Jenkins)


Emily Jenkins: Der unsichtbare Wink 

Durch die Buchbotschafter wurde ich auf dieses Kinderbuch aufmerksam und schließlich auch zum Testlesen eingeladen.
Jenes Anfang September 2012 im CARLSEN Verlag erschienen Buch ist eine goldig ausgestaltete Geschichte, die einen unsichtbaren Freund ins rechte Licht rückt. Eine Freundschaft, die im Leben vieler Kinder eine Rolle spielt. 
Wenn wir einmal genau nachdenken, fällt uns vielleicht auch wieder ein, früher einmal einen solch besonderen Kameraden gehabt zu haben.


~ Rezension ~

Ich sehe was, was du nicht siehst.

Die Sommerferien verbringt Hank in der Eisdiele seiner Familie, die Der große runde Kürbis heißt. Am liebsten beobachtet er die Kunden und versucht deren Vorlieben für bestimmte Eissorten zu erraten. Doch eines Tages geschieht etwas äußerst Sonderbares. Hank begegnet einem flauschigen Wesen, das zwar sprechen kann, allerdings absolut unsichtbar ist.
Dieses Wesen stellt sich als Bandapat vor, der Wink heiße. Hank weiß nicht, was er davon halten soll. Zum einen traut er seinen Sinnen nicht und ist völlig erstaunt; zum anderen glaubt er von Herzen, Wink wäre genau der Freund, der ihm beistehen könnte, um dem fiesen Bruno einen Denkzettel zu erteilen.

Derunsichtbare Wink ist ein Kinderbuch, in dem die Thematik des unsichtbaren Freundes auf verständnisvolle, unterhaltsame und sehr treffend illustrierte Weise (Zeichnungen von Joelle Tourlonias) beschrieben wird. Schließlich ist dies ein Phänomen, das eine Vielzahl von Kindern lebhaft bewegt und begleitet.
Die von Emily Jenkins liebevoll geschaffenen Figuren eröffnen dem jungen Leser eine Welt, mit der er sich durchaus identifizieren kann. Kindliche Fantasien, Interessen und auch Sorgen werden Ernst genommen. Die Autorin beweist sowohl Fingerspitzengefühl als auch Witz.
Der Ich-Erzähler Hank Wolowitz berichtet von Freud und Leid des Viertklässlerseins. Dabei wird das Vertrauen, das er in seinen unsichtbaren Freund setzt, besonders unterstrichen. Einen wahren Freund an der Seite – sichtbar oder nicht – zu haben, wirkt Wunder.

Das Buch greift bildlich beschreibend eine ganz besondere Freundschaft auf. Des Weiteren werden auf sensible und lehrreiche Art Themen wie gewaltfreie Konfliktlösungen, Anerkennung anderer Meinungen und Mobbing dargelegt. Eine Mischung, die trotz des komplexen Kerns altersgerecht verpackt wird.

Insgesamt eine Geschichte, die, wie ich finde, unbedingt zum gemeinsamen (Vor-) Lesen innerhalb der Familie empfohlen ist. Fantasie und Vertrauen würden somit gefördert und gestärkt werden.

F★ZIT: Fantasievoll. Überraschend. Bestärkend.


Freitag, 7. September 2012

[Buchpost] Die Qual der Wahl

Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich das große Glück im Rahmen der Gewinnspielwochen zum Blog-Geburtstag des famosen Blogs BookLover einen der wunderbaren Preise absahnen. Und dieser Preis ist wahrlich allererste Sahne, das sei gesagt. Ganz lieben Dank, Katy!

*Trommelwirbel*

Ich durfte doch tatsächlich einen BücherScheck im Wert von 20,00 €, der zu Recht als perfektes Geschenk für Buchfans vom Bücherschenkservice angepriesen wird, in Empfang nehmen. Herrlich und Buchpost der besonderen Art!

Doch nun stehe ich vor der Qual der Wahl und überlege hin und her und vor und zurück, in welche Lektüre ich investiere. Es gibt unzählige Bücher, die locken. Oh ja, ein waschechtes Luxusproblem tut sich da wohl auf.
An Ideen mangelt es nicht, im Gegenteil. Falls ihr nun noch eine unbedingte Empfehlung habt, immer her damit. Dann ergänze ich meine (Wunsch-) Liste. Ist doch gar kein Problem.


[Rezension] Das Truthuhnparadies (Stephan Sarek)


Stephan Sarek: Das Truthuhnparadies 

Das Leseexemplar dieses Romans wurde mir freundlicherweise vom fhl Verlag im Rahmen einer auf LovelyBooks veranstalteten Leserunde zur Verfügung gestellt
Die Handlung könnte skurriler kaum sein und hat mich auf beste Weise unterhalten. Am meisten mochte ich die absurden Verwirrungen, die beinahe parodistisch betonten Klischees und den trockenen (bis makaberen) Humor. Ein Buch, das dem heiteren Lesevergnügen sehr zuträglich ist.


~ Rezension ~

Aneinander vorbei und doch nicht ohne einander.

Maria ist soeben erst nach Berlin in ihre erste eigene Wohnung gezogen. Doch schon scheint es ihr im Zölibat lebender Nachbar Björn auf sie abgesehen zu haben. Jedenfalls wartet er im Hausflur verschwörerisch auf sie und überfällt sie mit absurden Theorien zu Truthühnern, die in Wahrheit Außerirdische wären. Als hätte Marias Mutter sie vor ihrer Abreise aus Paderborn nicht vor den Verrücktheiten der Großstadt gewarnt.
Nichtsdestotrotz lässt sich Maria auf Björns Gespinste ein, denn schnell merkt sie, dass er ein verträumter Tierschützer ist. Doch weshalb möchte er dann eine Bank überfallen? Und was hat es mit der dieser geplanten Befreiungsaktion von 75 Truthühnern auf sich? Als hätte Maria selbst nicht ein eigenes Problem, für das dringend eine Erklärung und Lösung her müssen.

DasTruthuhnparadies ist ein Roman, der sich durch Kuriosität, Witz und charmantes Chaos auszeichnet und dabei die ernsthafte Problematik der Massentierhaltung zur Nahrungsmittelerzeugung tangiert.
Liebenswürdig verschroben gestaltete Charaktere treffen aufeinander. Stephan Sarek kombiniert auf gelungene Weise ehrliche Ambitionen, neue Perspektiven und spontane Bauchentscheidungen miteinander, woraus ein vielschichtiges und vor allem amüsantes Potpourri aus Anekdoten entsteht.
Akzentuiert werden Politik und Tierschutz, Pseudowissenschaft und Großstadtflair mit dem gewissen Augenzwinkern zu einer dynamischen Handlung verwoben.
Der lockere Sprachstil, die Gutgläubigkeit und Ahnungslosigkeit der Figuren sowie eine ausgeprägte Situationskomik sorgen für beste Unterhaltung beim Lesen.

Alles in allem ein Buch, das die Liebe zu Truthühnern auf eine besonders spritzige Weise hervorhebt und durch liebenswerte Charaktere glänzt. Auf die Fortsetzung Das Truthuhnparadies II: African Tango kann sich der Leser jetzt schon freuen.

F★ZIT: Abgedreht. Bekennend. Eigentümlich. 


Donnerstag, 6. September 2012

[Buchpost] Zeitreise dank der KiBuLos

Zu meiner freudigen Überraschung überreichte mir der Postbote dieses Mal eine Büchersendung, die von den Kinderbuchlotsen versandt worden war. 
Ein Päckchen von den KiBuLos erreicht einen zumeist aus heiterem Himmel, was stets für ein breites Lächeln sorgt. Dankeschön dafür!

Als ich das Päckchen öffnete fiel mir eines der neusten Abenteuer der 4 durch die Zeit, und  zwar Erfinder in Gefahr, in die Arme. 
Gemeinsam kann es nun also auf Forschungsreise gehen, wobei die ein oder andere Herausforderung wohl auf die Kids (und Leser) warten wird. Auf geht's!




[Rezension] Die falsche Frau (Wolfgang Burger)

Wolfgang Burger: Die falsche Frau 

Durch eine Leserunde bei LovelyBooks bin ich auf diesen deutschen Krimi gestoßen, dessen Fall brisante Historie mit aktuellem Weltgeschehen und persönlichen Konflikten vereint. Eine Mischung, die mir als Leser sehr entgegengekommen ist. 
Ein Wechsel zwischen Offensichtlichem und Undurchsichtigen ist gegeben und bringt die Geschichte voran, bis eine Entscheidung unausweichlich ist.


~ Rezension ~

Der Wettlauf gegen ein Phantom?

Der Chef der Kriminalpolizei Alexander Gerlach und sein Team haben alle Hände voll zu tun, die nahende Wirtschaftstagung in Heidelberg vorzubereiten. Besonders die Anwesenheit des US-amerikanischen Wirtschaftsministers bereitet ihnen Bauchschmerzen, denn eine absolute Sicherheit muss gewährt werden. Da kommt es Gerlach äußerst ungelegen, dass ihm ausgerechnet jetzt die auswärtige Kollegin Guballa in sein Büro gesetzt wird, die als Zielfahnderin besessen eine RAF-Terroristin jagt.
Als es jedoch erste Tote durch einen Brandanschlag gibt, scheinen sich die Interessen der beiden Polizisten zu kreuzen, gar zu verflechten. Welches Anliegen hat nun Priorität? Oder gibt es im Grunde nur noch einen gemeinsamen Fall?

Die falsche Frau ist der neuste Roman rund um den Protagonisten Alexander Gerlach. Aktuelle Probleme und Konflikte der Weltwirschaft, die Frage nach Moral und Gerechtigkeit sowie der Zwiespalt zwischen persönlichem Empfinden und beruflicher Pflicht werden gekonnt in den fiktiven Handlungsrahmen eingewoben. 
Mich überzeugte Wolfgang Burger besonders durch seinen authentisch ungezwungenen Schreibstil, der ein durchgängig fließendes Lesevergnügen gewährte.
Auch wenn die Handlung auf nur wenigen Seiten absolute Brisanz aufzeigt und sich stellende Fragen gegen Ende recht schnell auflösen, so bietet der gesamte Krimi Gelegenheit zum Mitermitteln gemeinsam mit den lebensecht beschriebenen Charakteren.
Insgesamt ein solider Krimi, der seine Wurzeln in Deutschland, genauer in Heidelberg, hat.

F★ZIT: Zielsicher. Verschlossen. Diffizil.