"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 4. August 2015

[Rezension] Ein Sommer und vier Tage (Adriana Popescu)

Adriana Popescu: Ein Sommer und vier Tage 

Ganz zu Beginn muss ich anmerken, dass es sich bei diesem Roman um DAS BUCH handelt, dem ich in diesem Sommer am meisten entgegengefiebert habe. Es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich hypereuphorisch Vorbestellungen ins Bücheruniversum verschicke. Doch Ausnahmen gibt es bekanntlich immer wieder.

Und? Was soll ich nun zu dieser Geschichte, in der Hermine Granger und Zac Efron gemeinsam und entschlossen wie zwei Gladiatoren ihrem ganz persönlichen Sommerglück Richtung Rom auf der Spur sind, sagen?

Es gibt wohl nur schwerlich eine enthusiastischere, warmherzigere Einladung, (endlich einmal wieder) selbst zu einer Lieblingsreise auszubrechen als dieses Sommerbuch.  

PERFETTO. Mille grazie, Adriana!!! 

🍦 🎧 +❤️ + 📷 + 🍕 + 💦 = per sempre.


~ Rezension ~

Einen Salto hinein ins Leben. Weil es dir gehört!

Als Lewis (mit W) in Paulas Leben tritt, stehen die beiden gerade am Bus, der sie nach Amalfi ins Sommercamp bringen soll. Für Paula die Gelegenheit, sich noch gewissenhafter aufs Abi vorzubereiten. Für Lewis der eher wenig verlockende letzte Strohhalm, seinen schulischen Leistungen Auftrieb zu verleihen. Auch wenn Amalfi einen Sommer in Italien verspricht, so jedoch keinen, der nach Abenteuer, Zitroneneis und Dolce Vita schmeckt. Was würde die stets planvolle Paula nun wohl tun, wenn sie sehr unvorbereitet die Chance bekäme, ihr strebsames Ich an einer norditalienischen Raststätte zurückzulassen und stattdessen mit dem umwerfend süßen und schlagfertigen Lewis durchzubrennen? Was hätte sie zu verlieren? Vermutlich ihr Herz. Doch darauf muss sie es jetzt einfach ankommen lassen.

Mit Ein Sommer und vier Tage beschreitet Adriana Popescu erstmals die Bühne der Jugendliteratur. Und dies tut sie, das lässt sich bei aller Bescheidenheit sagen, mit einer nachdrücklichen Imposanz, die zu Herzen geht.

Paula und Lewis ergänzen sich prächtig — nicht nur, weil der eine das W hat, das dem anderen "fehlt". Während Paula als liebes, unscheinbares Mädchen von nebenan mit großen Träumen im Gepäck daherkommt, geht Lewis gänzlich in der Rolle des charmanten Musikkenners und Abenteurers auf. Die zwei Teenager finden sich, ohne wirklich nacheinander gesucht zu haben. Aber gerade das macht ihre Verbundenheit derartig besonders: Sie ist zutiefst aufrichtig. Einfach, weil sie ohne Make-up und saloppe Machosprüche auskommt, um cool, mutig und originell zu sein.

Adriana Popescus Vorliebe für Geschichten, die dem Leben ein wenig mehr Herzklopfen, Feenstaub und Verrücktheit verleihen, kommt in diesem Jugendroman perfekt zur Geltung. Gemeinsam mit ihren zwei Protagonisten schickt sie die Leser auf einen Roadtrip Richtung Verona, Florenz und Rom, der die Welt um einen herum vergessen macht. Denn wer sich einmal zu Paula und Lewis gesellt hat, wird schnell merken, dass ihre Reise das sehr gewisse, unvergessliche Etwas hat. Die beiden werden zu Symbolfiguren, die — nicht nur Lesern im Teenageralter — vor Augen führen, was es bedeutet, sich ins Leben fallen zu lassen.

Als bekennender Fan des Popescu'schen Stils darf ich feststellen, dass die Autorin wieder einmal zur Höchstform aufgelaufen ist. Jugendliche Unbekümmertheit mischt sich mit poetischer Ernsthaftigkeit, wachsender Lebensweisheit und flirrender Verliebtheit. Der hohe Grad an liebevoll und lebhaft gezeichneter Detailschärfe geht Hand in Hand mit turbulenter Lebensfreude. Allein deshalb schmilzt die zu lesende Seitenzahl wie Gelato in der Sonne des Südens. Es liest sich allerliebst, wie den Wünschen und Träumen der Teenagerzeit mit großer Sympathie, einem Glitzern in den Augen und einem verschmitzten Lächeln Flügel verliehen werden.

An diesem Buch verzaubert (mich) das hübsch geschnürte Gesamtpaket: Mutige Momente, quietschvergnügte Stereotype, aufgeregt flatternde Schmetterlinge im Bauch, ungelüftete Geheimnisse, Bilderbuchkulisse. Jene Komponenten sind denkbar klassisch. Aber auf die genau richtige Zusammensetzung kommt es an — und diesbezüglich hat Adriana Popescu ihre und meine Lieblingsrezeptur gefunden. Damit tut sie es dem besten Gelatiere gleich. 

Ein Sommerbuch wie echte italienische Tortellini aus Bologna: ein kleines Kunstwerk. Ein Roman, der für ein bleibendes Lächeln sorgt. Ebenso wie die Erinnerung an die erste große Liebe.

Um es auf den Punkt zu bringen: Adriana Popescus Jugendbuchdebüt ist süß und kribbelnd wie eine gekühlte Cola; temperatmentvoll wie das Mittelmeer; hitverdächtig wie die Musik von One Direction. Jawohl. Daher am besten schnellstens selbst auf die Vespa schwingen und auf Reisen gehen!

FZIT: Lebenshungrig. Leuchtend. Liebenswert.


Kommentare:

  1. Wow eine wunderschöne Rezension!
    Ich liebe es, wie du mit Worten umgehen kannst und wie du die Rezensionen damit zu etwas besonderem Machst.
    "Ein Sommer und vier Tage" war für mich auch ein atemberaubendes Jugendbuch von Adriana. Eine Reise nach Italien, die selbst im Winter Sommergefühle hervorbringt.
    Liebe Grüße
    Franzi

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    1. Tausend Dank für deine unglaublich herzlichen Worte. Ich bin gerührt, liebe Franzi, und freue mich natürlich mächtig. Ich stimme dir zu, dieses Buch muss/kann/darf man schlichtweg zu jeder Tages- und Nacht- bzw. Jahreszeit lesen.

      Liebe Grüße zurück,
      Kora

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Herzlichen Dank für deine Worte.