"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Donnerstag, 15. Januar 2015

[Kiwiana] Klassiker, der Kiwiküche: Bon appétit!

Natürlich ist die kulinarische Facette des Kiwilands ebenfalls eine kleine Berichterstattung wert. Diese macht dann bestenfalls gleich in doppelter Hinsicht Appetit auf eine Reise nach und durch NZ. Klarer Fall.

Was zeichnet die neuseeländische Esskultur aus Sicht eines westeuropäisch geprägten Gaumens denn nun so aus?

Heute lenken wir den Blick erst einmal auf ein paar grundlegende Traditionen, Zutaten und Kompositionen der neuseeländischen Schmankerl, okay? [Dem Bonus, der süßen Seite des Lebens/Essens, widme ich später noch einen ganz eigenen Beitrag. Das muss sein!]

Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Kiwis echte Fans von Fastfood sind. Die Dichte der hiesigen Restaurants diversester Fastfood-Ketten ist beträchtlich. Beinahe einschüchternd groß. Ebenso ist eine Vorliebe für den Pizzaservice sowie für indische Restaurants nicht vom Tellerrand zu schieben. Selbstverständlich stehen nicht weniger die klassischen Fish'n'Chips oder eine deftige Meat Pie hoch im Kurs. Auch, gerade durch die Nähe zu Süß- und Salzwassergefilden begünstigt, landet Fisch nicht selten auf dem Speiseplan und dann bevorzugt auf dem Grill, sprich dem Barbcue.

Apropos Barbecue, die Neuseeländer lieben das Grillen. Zu jeder Jahreszeit, an nahezu jedem nur denkbaren Plätzchen  ob im heimischen Garten, im Schwimmbad oder im Stadtpark. Grillen scheint manchmal zu so etwas wie einem Volkssport zu avancieren. Nicht weniger beliebt sind Picknicks. Wann immer es sich anbietet, wird ein Picknickkorb gepackt und losgestiefelt. Fand ich persönlich richtig, richtig angenehm und familiär. Hach ja, die Kiwis sind ein wahrlich geselliges (Wein trinkendes) Völkchen. Cheers!

Ein weiteres Grundnahrungsmittel, auf das wir Deutschen nichts kommen lassen und worauf wir schwerlich verzichten können  (also, ich schon, alle anderen nicht), müsste sein ganz eigenes Kapitel bekommen: das Brot.
Denn wie im Ausland nicht unüblich, herrscht auch in NZ Misch-, Vollkorn- und sowieso Schwarzbrotmangel. Ich habe, um ehrlich zu sein, unseren deutschen Brotstandard so gar nicht vermisst. Allerdings kann ich gut nachvollziehen, weshalb viele deutsche Reisenden oder gar Auswanderer dies tun und daraufhin selbst zum Bäcker werden. Toastbrot ziert in jeglichem nur ansatzweise denkbaren Weichheits- und Weißegrad reihenweise und bis unter die Decke gestapelt ganze Gänge in den Supermärkten. Schließlich gibt's zum Lunch für gewöhnlich gut belegte Sandwichs und der Bedarf ist dementsprechend groß. Nur eben herbes oder gar krustiges Brot sucht man zu weiten Teilen eher vergebens. Sei es drum.

Um noch einmal auf die Sandwiches zurückzukommen: Der beliebteste Aufstrich überhaupt ist Marmite. Es wird seit Generationen von Groß und Klein schlichtweg geliebt und somit unmissverständlich in den Ritterstand der in der Küche zu findenden Zutaten erhoben. Und das wohl unmöglich nur aufgrund der vielen B-Vitamine, ist zu vermuten. 
Nun, geschätzte 99% aller Nicht-Neuseeländer werden sich fragen, was die Kiwis an dieser zähen schwarzen, würzigen Masse, die auf einem Hefeextrakt basiert, um Himmels willen nur finden können. Denn, ich gebe zu, für unsere Gaumen ist Marmite recht bis ziemlich gewöhnungsbedürftig. Doch ich mag's. Vor allem eben auf Toastbrot. Denn diesbezüglich bin ich mittlerweile ziemlich "kiwi": Marmite auf Toast schmeckt (mir) um Längen besser als Marmite auf Vollkornbrot.
Als Tipp sei eventuell noch hinzugefügt: Marmite (beim Erstkontakt) keinesfalls, niemals (!) genussvoll mit dem Löffel aus dem Glas spachteln und in den Mund schieben, wie man es möglicherweise von anderen süßen, schokobraunen Brotaufstrichen gewohnt ist. Das könnte ein langes bis ewiges Trauma nach sich ziehen.

Und weil ich gerade vom Toast gesprochen habe: Andere, auf den ersten Blick für uns nicht alltägliche Kombinationen sind im Übrigen "baked beans on toast" (gebackene, in Soße eingelegte Bohnen auf Toast) und "spaghetti on toast" (Spaghetti in Tomatensoße auf Toast). Ja, genau, richtig gelesen. Hört sich ein wenig nach Bud Spencer und Terence Hill an, aber hat so seine Daseinsberechtigung. Ich weiß nicht, inwieweit diese Kreationen Anklang unter den Gourmets finden, aber auch hierfür konnte ich persönlich mich erwärmen. Außerdem ist's das perfekte Babysitting-Essen, denn die Kleinen begeistert's nicht weniger.

Wie sich unschwer bemerken lässt, könnte ich Romane allein über die neuseeländische Ess- und Genusskultur, die mir durchaus ans Herz gewachsen ist, schreiben. Und dementsprechend wird dies, wenn ihr mögt, auch nur der erste Post zu dieser Rubrik gewesen sein ... Doch jetzt heißt's: Pause. Eine Stärkung muss her!


Dienstag, 13. Januar 2015

[Rezension] In den Augen der anderen (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: In der Augen der anderen 

Autismus. Eine Diagnose, die alles verändert. Ein Schicksal, das viele Familien teilen. Dennoch ist eine gesellschaftliche Akzeptanz, ein gemeinschaftliches Miteinander vielerorts noch keine Selbstverständlichkeit. Ein Aspekt, an dem Jodi Picoult ansetzt. Doch, wie so häufig, geht die Autorin darüber hinaus.
Wieder einmal rüttelt sie fulminant an den Grundfesten unserer Lebenseinstellung. Nicht ohne Grund und mit beständiger Vehemenz.


~ Rezension ~

Der schmale Grat zwischen Anderssein und Tätersein

Emma und ihre beiden Söhne Jacob und Theo führen ein Leben, das ihnen über die Jahre hinweg vor allem eines eingebracht hat: Blicke, die von Mitleid bis Entsetzen reichen. Denn Jacob leidet am Asperger-Syndrom, das eine Art des Autismus’ ist. Er ist hochintelligent, besessen von forensischem Wissen und hat einen Humor, der trockener nicht sein könnte. Doch ebenso reagiert er auf emotionale Signale überhaupt nicht und auf die kleinsten Veränderungen in seinem Umfeld hingegen hypersensitiv. Dies macht ihn für Außenstehende zu einer tickenden Zeitbombe. Als eines Tages Jacobs Erzieherin Jess, eine der wenigen Bezugspersonen des Teenagers, ermordet aufgefunden wird, gerät die Welt aus den Fugen. Für Jacob. Für Emma. Für Theo. Denn die Anklage gegen Jacob scheint ein fataler Irrtum. Doch Beweise lügen nicht. Jacob allerdings ebenso wenig. Denn stets die absolute Wahrheit sagen zu müssen, ist Teil seines Krankheitsbilds. Ein Kampf David gegen Goliath beginnt.

Mit In den Augen der anderen setzt Jodi Picoult ein ausdrucksvolles Ausrufezeichen hinter die wichtigen, uns alle betreffenden Thematiken „Integration und Inklusion“. Anhand eines fiktiv kreierten Schicksals betont sie beispielhaft, dass es auch und vor allem in der Realität keinen reinen Schwarz- oder Weißton gibt.

Filigran, behutsam und nichtsdestotrotz schmerzhaft ehrlich portraitiert Jodi Picoult die Figuren ihres Romans: Die liebende Mutter, die vor den Scherben ihres Lebens steht und dennoch kämpft wie eine Löwin. Der an Autismus leidende Junge, der die Welt nicht so wahrnimmt wie die Menschen um ihn herum. Der jüngere Bruder, den Pflichterfüllung und Erwartungsdruck zermürben.

Fundierteste Recherchen und eine empathischen Art schicksalshafte Dramen auszugestalten, die den Atem anhalten lassen, führen dazu, dass die Autorin mit diesem Buch ins Mark trifft. Sie schaut hin, wo andere wegsehen – in vielerlei Hinsicht. Sie taucht die Hintergründe eines Krankheitsbilds, von dem viele Familien betroffen sind, in die größtmögliche Bandbreite an Schattierungen. Dadurch wird beinahe investigativ ein Gesamtbild geschaffen, das berührt.

Jodi Picoult fokussiert die Tatsache, dass nicht nur der Asperger-Patient selbst Betroffener ist, sondern dessen gesamte Familie. Diesen Radius zu ziehen, finde ich ausgesprochen wichtig. Denn während sich der Betroffene mit seiner Krankheit arrangiert haben mag, ist es sein unmittelbares Umfeld, das das entgegengebrachte Unverständnis emotional verarbeiten muss.

Als wäre die Thematik des Asperger-Sydroms allein nicht schwere Kost genug, ergänzt die Autorin diese um den Fall einer Mordanklage. Ein Gerichtsprozess, dessen Für und Wider allen Beteiligten in den Knochen steckt und den Leser auffordert, das eigene Verständnis hinsichtlich Recht und Unrecht zu beleuchten.

In der Summe ein Roman, der mit brachialer Schwere Einzug in die Bücherregale der Leser hält. Manchmal genügt ein kleiner Perspektivwechsel und schon verstehen wir einander besser. Eine Botschaft, der Jodi Picoult Nachdruck verleiht.

F★ZIT: Ganzheitlich. Präzise. Eindringlich.


Donnerstag, 8. Januar 2015

[Kreativplausch] Schneeweißchen & Rosenrot schreiben jetzt selbst

Zu sehen und zu erleben, wie es Indie-Autoren gelingt, mit ihren Werken zu begeistern, ist für mich stets eine besondere Freude. Denn sie sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass pfiffige Ideen und/oder feinste Wortakrobatik und/oder liebgewonnene Publikumsnähe nicht einzig von einem den Rücken stärkenden Verlag abhängen.

Dieses Mal habe ich Rose Snow zu einem Kreativplausch ins Boot holen können. Gemeinsam schipperten wir also ein wenig über den Teich der blühenden Fantasie. Doch bevor ich euch unseren Dialog wiedergeben möchte, erst noch ein paar Worte zur Autorin. 

Rose Snow ist das Alter Ego der aus Österreich stammenden Freundinnen Carmen und Ulli, die ihre Passion fürs Schreiben seit jeher miteinander teilen. Schon während der gemeinsamen Schulzeit schlummerte die bunte Vorstellung, die Schriftstellerei für sich zu erobern, in den beiden.

Nun hat sich ein lang gehegter Traum für die zwei wahrhaftig erfüllt: Als Indie-Autorin(nen) veröffentlichten sie im vergangenen Sommer ihren Debütroman, Was sich liebt, das rächt sich nicht, dessen Fortsetzung, Racheengel küsst man nicht, bereits Ende 2014 auf dem Fuß folgte. Und das soll erst der Anfang gewesen sein. Chapeau!


Cover: © Rose Snow

Rose Snows Werke sind ihres Zeichens Liebesromane, die Kuriosität, etwaige emotionale Schräglagen und schillernde Charaktere miteinander in Einklang bringen. Hört sich nach einem spannenden Unterfangen, oder? Und überhaupt: Wie sieht das kreative Schaffen Rose Snows hinter den Kulissen aus? Hmmm, da muss ich doch gleich einmal etwas genauer nachhaken ...

Viel Spaß beim Eintauchen in die ulkigste und sympathischste Rachehölle, die das Bücherregal momentan zu bieten hat! 




~ Kreativplausch ~


Hallo liebe Rose Snow,

herzlich willkommen zum heutigen Kreativplausch sage ich! Ebenso wie ein Danke für die sofortige Zusage, mit von der Partie zu sein. Große Freude meinerseits. Das sei festgehalten.

Liebe Kora, wir sagen danke und freuen uns riesig, hier zu sein. 




Rose Snow ist ein durchaus märchenhaft klingendes Pseudonym, das den Einfallsreichtum gleich zweier sich seit der Kindheit kennender Autorinnen miteinander verknüpft. Mich erinnerte der Name von Beginn an ein wenig an die Mischung aus Schneewittchen und Schneeweißchen und Rosenrot. Ist diese (naheliegende) Assoziation zur Welt der Gebrüder Grimm bei der Namenswahl tatsächlich beabsichtigt gewesen oder hattet ihr jene Anlehnung eher überhaupt nicht im Sinn?

Oh doch, die Anlehnung ist durchaus beabsichtigt!  Allerdings würden wir uns mit fremden Federn schmücken, wenn wir behaupteten, die Idee stamme von uns. Die Wahrheit ist, dass uns zwei Teilnehmerinnen eines Autoren-Workshops unabhängig voneinander als „Schneeweißchen und Rosenrot“ betitelt haben – was sicherlich dem Umstand geschuldet war, dass Ulli an dem Tag eine weiße Bluse und Carmen ein rotes Oberteil trug. Das passte wie die Faust aufs Auge und wir fanden die Bezeichnung so sympathisch und treffend, dass daraus wenig später unser Pseudonym entstand.




Apropos Märchen, für welche zwei Märchenfiguren, schließlich seid ihr zu zweit, schlägt Rose Snows Herz besonders – ganz gleich ob dem Volksmärchen oder Disney entspringend?

Als hoffnungslose Romantikerinnen lieben wir beide Cinderella und freuen uns schon wie die kleinen Kinder auf die diesjährige Neuverfilmung von Disney. Passend zum „Schnee“ in unserem Namen haben wir aber auch Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna in unser Herz geschlossen ... nicht nur weil Elsa ein paar wirklich coole Zaubertricks auf Lager hat, sondern weil sie beide liebenswerte und starke junge Frauen sind – so wie wir uns selbst auch gerne sehen würden. 




Wer die Rose-Snow-Romane kennt, weiß, dass sie sich wie aus einem Guss modelliert lesen. Wie gelingt jene Nahtlosigkeit, obwohl die Geschichte nicht einmal kapitelweise aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt wird? (Was die Arbeitsaufteilung vermutlich erleichtern würde.) Wie dürfen wir uns das gemeinsame Feilen an einem Buch vorstellen?

Erstmal freut es uns sehr, dass wir die angesprochene Nahtlosigkeit anscheinend gut hinbekommen. Das liegt sicherlich an unserer inneren Einstellung: In den Jahren unserer Zusammenarbeit haben wir gelernt, unsere ... nennen wir es mal „Eitelkeiten“ gegenüber einem von uns geschriebenen Text komplett über Bord zu werfen. In unseren Köpfen gibt es nicht mehr „deinen Teil“ und „meinen Teil“ – alles was wir schreiben wird zu „unserer Geschichte“.
Viele Schriftsteller empfinden es ja so, dass die meiste Arbeit am Schreiben in die Überarbeitung fließt. Und dem können wir durchaus zustimmen.  Am Anfang wird gemeinsam geplottet, das macht Spaß, hier werden Ideen geboren und verworfen, Charaktere ersonnen und viele, viele Wendungen in den Handlungsbogen eingebaut. Sobald der Plot steht, gehen wir tiefer in die Szenen, erstellen eine Szenenliste, umreißen grob, was darin vorkommen soll – und dann geht es schon los. Jeder schreibt die Szenen, zu denen er sich am meisten hingezogen fühlt – und hierbei haben wir echt Glück. Wir sind uns schon wegen so mancher Dinge in die Haare gekommen, aber wir haben uns noch nie um eine Szene gestritten.  In der Überarbeitungsphase wird dann alles endgültig miteinander „vermanscht“ wie man in Österreich so schön sagt. Spätestens dann können wir selbst kaum noch sagen, welcher Satz vom wem stammt. Was zu dem schönen Ergebnis führt, dass wir ganz am Ende beide die Mami vom selben Kind sind. 




Nachdem Was sich liebt, das rächt sich nicht im Sommer 2014 mit viel Wohlwollen von den Lesern aufgenommen wurde, erschien – ebenfalls im Selbstverlag – nur wenige Monate später Racheengel küsst man nicht. Wer die Protagonisten für diesen zweiten Roman werden würden, entschieden die Leser. Mit wie viel Spannung, Erwartung und Vorahnung habt ihr dem Voting entgegengesehen? Immerhin hat Rose Snow an dieser nicht unbedeutenden Stelle, das Zepter aus der Hand gegeben.

Es war irre spannend. Natürlich war dieser Schritt gründlich überlegt, und wir hätten es nicht gemacht, wenn wir uns nicht sicher gewesen wären, dass wir mit JEDEM Ergebnis leben (und arbeiten) können. Die Geschichte von Maya und Holger bot noch so viel Potential, ebenso wie das weitere Leben jedes unserer Nebendarsteller. Allerdings hatten wir die kleine Hoffnung, mit Gérard und Rachel weitermachen zu dürfen. Und aus irgendeinem verrückten Grund ging es der Mehrheit unserer Leser offenbar ähnlich. 
Im dritten Band der Reihe wollen wir nun genau da weiterschreiben, wo wir in Band 2 aufgehört haben - zusätzlich aber auch die Charaktere von Band 1 wieder ins Boot holen. Schon allein darüber nachzudenken erfüllt uns mit einer prickelnden Vorfreude. 




Weil wir schon einmal beim Thema sind: Wie viel bedeutet euch der direkte Austausch mit und Kontakt zu euren Lesern? Gibt es vielleicht sogar so etwas wie einen Rose-Snow-und-ihre-Leser-Moment, der auf ewig ins Autoren-Poesiealbum gehört?

Ja, den gibt es. Oder besser gesagt: Ja, DIE gibt es. Oft merken die Leser ja gar nicht, dass sie uns so einen besonderen Moment geschenkt haben, weil sie nicht sehen können, wie wir mit glänzenden Augen und einem dümmlichen Dauergrinsen vor dem Laptop sitzen. Eine Leserin hat sich mal so unbändig über ihre Teilnahme an unserer Leserunde gefreut, dass wir ihre E-Mail gleich mehrmals hintereinander lesen mussten. Eine andere Leserin (sie ist ein Fan der allerersten Stunde und kannte schon unseren Racheplan-Blog als wir noch nicht mal Rose Snow hießen) nahm gemeinsam mit ihrer Freundin eine 6-stündige Busfahrt quer durch Deutschland auf sich, nur um uns auf der Frankfurter Buchmesse zu treffen. Das sind Momente, die einfach unbezahlbar sind. Und die wir uns nie hätten träumen lassen.




Das polarisierende Motto, unter dem eure (momentan erschienen) Werke stehen, lautet Rache trifft Liebe. Dies im Hinterkopf habend, was ist die skurrilste Racheengel-Mission, auf die ihr (während der Recherche zu den Büchern) bisher gestoßen seid?

Da fallen uns spontan gleich drei Missionen ein. Die skurrilste davon ist so verrückt, dass sie uns keiner glauben will, wenn wir sie erzählen. Dabei spielt einen Packung Pralinen eine tragende Rolle. Die rachsüchtige Person verkochte die gekaufte Schokolade mit allerlei Widerwärtigkeiten (wie bspw. faulen Eiern, ranzigem Fisch, Schamhaaren und Zehennägeln – um nur einige zu nennen), füllte die Kreation des Grauens in Pralinenförmchen, arrangierte die abgekühlten Pralinen wieder hübsch in der Verpackung, ließ das ganze neu verschweißen und schickte es an die verhasste Person. Wir bezweifeln, dass irgendjemand so eine Behandlung verdient hat, aber Rachel wäre von der kriminellen Kreativität definitiv beeindruckt.




Herzensangelegenheiten, wenn auch nicht in reinstem Rosarot, sind ganz euer Metier. Wenn nun die Möglichkeit bestünde, Racheengel küsst man nicht mit einem Titellied zu versehen, welches würdet ihr aus welchem Grund wählen?

Hach, wir wissen genau, was Gérard sagen würde, wenn wir ihn das nun fragen würden: Eindeutig Elvis Presley – „Devil in Disguise“. Rachel sieht aus wie ein Engel, bewegt sich wie ein Engel, spricht wie ein Engel – aber wer sie näher kennenlernt, weiß: Sie kann ganz schön teuflisch sein 




Wenn ihr selbst die Chance hättet, in die Rolle eines Buch- oder Filmcharakters zu schlüpfen, welche Figur wäre das?

Puh, das ist eine ganz schön knifflige Frage. Die meisten Charaktere aus Buch und Film haben ja ein ziemlich aufreibendes Leben, das meist von großem Herzschmerz, wendungsreicher Dramatik oder lebensbedrohender Gefahr begleitet wird. Da gefällt uns unser „langweiliges“ Autorenleben bisher eigentlich ganz gut.  Zeitreisen in die eigene Vergangenheit wären allerdings sicher cool (wie aus dem Film: „Alles eine Frage der Zeit“), und sei es nur, um endlich mal so schlagfertig zu sein, wie unsere eigenen Charaktere. *g* Und was uns auch richtig gut gefallen würde: die Macht über unsere eigenen Träume zu haben (wie Liv aus „Silber“ von Kerstin Gier).




Was macht das Schreiben für euch so spannend? Was brachte euch letztlich dazu, nicht mehr nur für euch selbst, sondern als Rose Snow für ein breites öffentliches Publikum Ideen in Romane zu verwandeln?

Wenn wir so nachdenken, haben wir das letzte Mal während des Chemieunterrichts in der Schule „nur für uns“ geschrieben, um der Langeweile zu entgehen. Seit wir erwachsen sind und uns gegenseitig mit der Idee ein Buch zu schreiben infiziert haben, treibt uns der Wunsch an, gelesen zu werden. Einer unserer schönsten Tagträume sieht so aus: Wir sitzen im Park oder im Bus und neben uns liest jemand eines UNSERER Bücher, versunken in einer Welt, die wir erschaffen haben. Andere Menschen mit unseren Gedanken zu erreichen, sie zum Lachen oder zum Weinen zu bringen, dass ist es, was wir wollen und was uns glücklich macht.




Ihr stammt beide aus Österreich. Wohin und mit welchem originellen Rahmenprogramm versehen würdet ihr am liebsten einmal zu einer Lesung in eure Heimat einladen?

Unseren ersten schriftstellerischen Erfolg durften wir 2010 in München feiern: Damals wurde unsere Kurzgeschichte „Frauenfußball“ (übrigens die Grundlage für unseren ersten Roman) bei der Münchner Menülesung prämiert und von dem Sprecher und Schauspieler Johannes Steck gelesen. Untermalt wurde das ganze mit lateinamerikanischer Musik von der Band „Cesar’s Salad“ - und war insgesamt eine ziemlich coole Angelegenheit. Unsere Traumlesung sollte ebenfalls all das beinhalten, was wir an dem Abend so toll fanden: Gutes Essen, tolle Musik, ein Johannes Steck als Gérard gemeinsam mit uns auf der Bühne. Wenn dann noch Kerstin Gier als Überraschungsgast dazukäme, wäre es perfekt – und dürfte von uns aus gerne an jedem Ort der Welt stattfinden.




Stellt euch vor, ihr bekämt die Aufgabe, eine Zeitkapsel zu füllen. Welche drei Dinge dürften keinesfalls fehlen, weil ihr euch wünscht, dass sie auch, nachdem Jahrzehnte verstrichen sind, noch immer mehr als eine bloße Erinnerung sind?

Hmmm ... also ganz sicher einpacken würden wir einen USB-Stick mit ganz vielen Fotos und Videos unserer Familien. Und natürlich unser allerallererstes Manuskript (ein noch unveröffentlichter Fantasyroman, in dem sehr viel Herzblut von uns beiden drinsteckt), das uns immer daran erinnern wird, woher wir kommen und wie alles begonnen hat. Als dritten und letzten Teil vielleicht noch einen Brief an uns selbst, in dem wir festhalten, wie wir uns heute fühlen, wofür wir dankbar sind und welche Ziele wir im Leben noch erreichen wollen. Da gibt es noch so viele Träume ... es wäre sicher spannend zu sehen, welche davon in Erfüllung gegangen sind, wohin sie uns geführt haben und welche wir noch als wichtig erachten nach all der langen Zeit.




Danke schön für das Lüften des einen oder anderen Rose-Snow-Geheimnisses! Es war mir ein Vergnügen. Für all eure kommenden Projekte wünsche ich euch eine große Portion Schaffenskraft und Freude!

Wir wünschen Dir dasselbe, liebe Kora und danken Dir herzlich für die tollen Fragen!





Ich hoffe, euch hat diese kleine Stippvisite in Rose Snows Kreativeschmiede ebenso viel Spaß gemacht wie mir. Die Liebe zum Wort verbindet. Ich glaube, das wurde einmal mehr deutlich. Was meint ihr?


Dienstag, 6. Januar 2015

[Rezension] Mit Verzögerung ins Glück (Sarah Saxx)

Sarah Saxx: Mit Verzögerung ins Glück 

Als eigenständige Fortsetzung ihres Debüts lädt auch der zweite Roman von Sarah Saxx dazu ein, sich auf die Gratwanderung zwischen Liebe und Leid zu begeben. Bereits dem Leserpublikum bekannte Charaktere werden auf neue Pfade geschickt, die alles andere als geradlinig sind. Doch sollte das Glück nicht immer das Risiko wert sein? Diese Frage macht die Autorin zur Basis ihrer mit flirrendem Herzklopfen und bitterer Ernüchterung versehenen Erzählung.

Ein herzliches Dankeschön geht an Sarah Saxx für die Großzügigkeit des eBook-Rezensionsexemplars!

Cover: Sarah Saxx


~ Rezension ~

Der Kopf sagt das eine, das Herz etwas anderes.

Isa hat ihren eigenen Lebenswandel satt. Plötzlich fühlt sich das eigene Tun und Handeln nur noch oberflächlich, armselig und fremd an. Partys bis zum Abwinken und Bettgeschichten ohne Bedeutung sollen der Vergangenheit angehören. Schließlich sehnt sich Isa im Eigentlichen nach mehr. Aber bei wem findet sie Geborgenheit, Vertrauen und Liebe? Um Abstand zu gewinnen und einen klaren Kopf zu bekommen, nimmt sich Isa kurz entschlossen eine Auszeit von ihren täglichen Verpflichtungen. Wellnessurlaub ist angesagt. Doch kaum ist sie dabei, sich einfach einmal fallen zu lassen, bringt ihr Zimmernachbar Sebastian sie schon auf die Palme ... und ihr Herz aus dem Takt.

Mit Verzögerung ins Glück ist Sarah Saxx' zweiter Roman, in dem die Suche nach der fortwährenden Liebe zu einem Parcours wird, der Herzen zum Stolpern bringen kann.

Protagonistin Isa hat sehr klare Vorstellungen von ihrem Leben. Oder zumindest glaubte sie dies. Denn ein sie seit Langem zermürbender Unmut zwingt sie zum Überdenken ihrer Prioritäten. Ein bedeutungsvoller Prozess, den die Autorin gleichsam impulsiv wie sehnsüchtig ausgestaltet. Die emotionale Hin- und Hergerissenheit Isas stellt das Fundament des Romans, erschüttert sich regelmäßig aber auch durch Überspitzung selbst. Denn irgendwie ist es Teil von Isas Persönlichkeit, sich in Situationen zu verrennen und dem eigenen Glück damit selbst ein Bein zu stellen. So macht es jedenfalls den Anschein.

Das Suchen, Finden und Festhalten der überlebensgroßen Liebe bettet Sarah Saxx in eine wendige Handlung ein, die dennoch insbesondere durch Momente des (selbst gemachten) Kummers geprägt wird. Damit zeichnet die Autorin einen eher steinigen Weg des Glücklichseins, bleibt allerdings ihrem typischen Grundtenor des Geschichtenerzählens auf angenehme Weise treu.

Eine dynamische Entwicklung des Handlungsverlaufs und eine Stilistik, die von einer durchaus lässigen Tonalität geprägt ist, untermauern den behände unterhaltenden Charakter des Romans. Wenngleich sich gewisse Wendungen und Schlussfolgerungen vermuten lassen, erhalten gelegentlich eingestreute vage Andeutungen und kleine Geheimnisse einen adäquaten Spannungsbogen.

Abermals stellt Sarah Saxx unter Beweis, dass Leidenschaft nicht selten Leiden schafft. Damit widmet sich die Autorin einem weiten Feld, in welchem sich ihre Leser an der einen oder anderen Stelle möglicherweise selbst wiederfinden können. 

Ein Roman, in dem Stereotype und klassische Missverständnis-Szenarien Teil einer Herzensangelegenheit werden, die es in sich hat.

FZIT: Klassisch. Wogend. Suchend.


Dienstag, 30. Dezember 2014

[Jahresrückblick] 2•0•1•4 en bloc

Mit dem vor der Tür stehenden Jahreswechsel wird es schleunigst einmal Zeit, auf mein Buchblogjahr 2014 zurückzusehen, oder? 
Genau das möchte ich an dieser Stelle auch tun, weil ich denke, dass es nie verkehrt sein kann, schöne Erinnerungen noch einmal lebendig werden zu lassen.

Selbstredend, die zurückliegenden 12 Blogmonate hatten so manches in petto für mich, dem ich entweder schon mit eifriger Vorfreude entgegengefiebert hatte oder von dem ich nie gedacht hätte, dass ich Teil solch toller und mich positiv einnehmender Projekte hätte werden können.

Da ich in der komfortablen Lage bin, die Wahl der Qual gehabt zu haben, kann ich natürlich nur einige der Highlights anschneiden. Ansonsten würde es den Rahmen womöglich sprengen und wie säßen nächstes Jahr noch an diesem einen Blogpost ...

Besonders gefreut habe ich mich beispielsweise auf sehr bereichernde und unterhaltsame Weise in die Arbeit der beiden Autorinnen Adriana Popescu (Carrie Price) und Anne Freytag (Ally Taylor und auch Anne Sonntag) involviert zu sein. Zwei quirlige und herzlich-verschrobene Persönlichkeiten, die nicht ohne Grund von ihren Lesern mit Jubel, Trubel, Heiterkeit überall empfangen werden, wo sie aufschlagen. Die Lieblingsgefühle-Blogtour war daher ebenso ein Vergnügen wie das Verfassen der Pressestimmen zu den "Make it count"-Romanen und das leibhaftige Treffen mit den beiden auf der diesjährigen LoveLetter Convention in Berlin.

Apropos Adriana Popescu. Habe ich es als Pressestimme doch tatsächlich auf den Buchrücken ihrer italienischen Version von Lieblingsmomente, Stanotte il cielo ci appartiene, geschafft. Wie krass ist das denn bitte??? Schon ziemlich. Und eine echte Ehre obendrein.

Außerdem durfte ich im Verlaufe des Jahres mehrfach erleben, wie freundschaftlich es zwischen Bloggern, die als Menschen auf gleicher Wellenlänge agieren, zugehen kann. Ob Urlaubspost (im abgestempelten Briefumschlag), Überraschungspäckchen oder beständig enthusiastische Worte der Bestärkung — all das gab's reichlich von verschiedenen Seiten und ich bin mehr als dankbar dafür. Besonders möchte ich stellvertretend als prädikat-wertvoll-verdienende Wegbegleiter Katha, Ellen und Bröselchen anführen. Und auch Hannah über den virtuellen Weg gelaufen zu sein, ist eine stete Freude.
Überhaupt ist es irgendwie erstaunlich (und dann auch irgendwie doch so gar nicht), in welche kleinen und großen Netzwerke, freundschaftliche Verbundenheiten und tolle Begegnungen wir durchs Bloggen hineinwachsen. Autoren und Verlage, gleichgesinnte Bücherwürmer und Blogger, Fans und Follower — ein Miteinander, das Spaß macht. Danke euch allen!

Okay, wie es sich für einen Jahresrückblick auf einem Buchblog gehört, kann ich euch natürlich nicht ins neue Jahr schicken, ohne ein paar meiner absoluten Buchhighlights noch einmal ins rechte Licht zu rücken. Ihr wisst ja, wie das so ist, nicht wahr? Lange Rede, kurzer Sinn, hier nun in loser Reihenfolge einige Buchperlen meines Schmuckkästchens (samt Verlinkung zu den jeweiligen Rezensionen)

Adriana Popescu: Lieblingsgefühle
Mit diesem Roman verbindet mich einiges mehr als das "reine Lesen". Vielmehr repräsentiert er so etwas wie das Ticket zu einer Reise, die in vielerlei Hinsicht über ein Heute-Gelesen-und-morgen-Weiterempfohlen hinauswirkt.

Anne Freytag: Renate Hoffmann
Ein Roman, der zwar nicht "mainstream" sein mag, mich dafür umso mehr begeistert hat. Wenn ich sage, dieses Buch ist wie für mich gemacht, dann stimmt das zu 434%. Eine "Andersartigkeit", die ich liebe.

Derek Hough: Taking The Lead — Lessons From A Life In Motion
Jeder hat so Bücher, die ihn lange Zeit begleiten. Dieses hier hat sich im Nu zu einem meiner ewigen und wohl gehüteten Buchschätze gemausert. Ein inhaltliches Schwergewicht, das mit keiner größeren Persönlichkeit in jedem einzelnen Kapitel daherkommen könnte.

Ellen DeGeneres: Seriously ... I'm Kidding
Humor, Liebe zum Leben und filigrane Skurrilität vom Feinsten. Ein Buch, dessen enormer Unterhaltungswert mehr als lebhaft zwischen den Zeilen herumtollt. Für mich Lektüre exakt nach meinem Geschmack.

Huntley Fitzpatrick: Mein Sommer nebenan
Ein Jugendbuch, dessen gesamtes Erscheinungsbild und Wirkungsgefüge mich nachdrücklich angesprochen hat. Tatsächlich wurde ich als Leser von der vielschichtigen Welt der Figuren förmlich absorbiert.

Rachel Cohn & David Levithan: Dash & Lily's Book of Dares
Eines jener Jugendbücher, dessen Protagonisten mich ab der ersten Seite sofort um den Finger gewickelt haben. Beinahe zu schön, um wahr zu sein, doch schlicht und ergreifend eine Hommage an die Freundschaft.

Shawn Johnson: Winning Balance
Ein Buch voller lebensbejahender Botschaften und reflektierter Episoden aus dem Leben einer Hochleistungssportlerin. Der lebendige Erzählstil sorgte dafür, dass ich das Buch nicht aus den Händen legen konnte und wollte.


Des Weiteren fällt die Verfilmung von John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter ebenso in meine Highlight-Rubrik. 
Als ich im letzten Jahr den Roman gelesen habe, war ich schon mehr als begeistert und berührt. Die Geschichte jetzt in bewegten Bildern zu erleben, war noch einmal ein ziemlich besonderes und emotional nachdrückliches Erlebnis. Dass die verfilmte Adaption eines Romans ein völlig anderes Medium ist als das Original zwischen zwei Buchdeckeln, dessen bin ich mir immer bewusst. Daher vergleiche ich beides auch nie wirklich bis ins kleinste Detail, weil ich eben weiß, dass die Prioritäten und Möglichkeiten der Umsetzung vollkommen verschieden sind. An diesem Beispiel nun allerdings zu sehen, mit welch formidablen Fingerspitzengefühl der Romanvorlage schauspielerisches Leben eingehaucht worden ist, ist phänomenal. Ein großer Pluspunkt, und der Film rückte schnurstracks in die Gruppe meiner Lieblingsfilme. Jetzt nicht wirklich die Überraschung. 


Ach ja, Musik durfte in diesem Jahr selbstverständlich auch nicht fehlen! Demzufolge bin ich wahrlich dankbar für so manche unvergessen bleibenden Konzertabende, aber auch für all die Künstler, die mich mit ihrer Musik abseits der Bühne zu begeistern wussten. Einige der Lieder, die aus verschiedenen Gründen und dank eines kontinuierlichen Dauerhörens auf meinem "Mixtape 2014" keinesfalls fehlen dürften, sind Folgende:


Unbreakable von Nick Howard


I Want Crazy von Hunter Hayes


Wake Me Up In Nashville von Sam Palladio


Thinking Out Loud von Ed Sheeran


Ohne zurück zu sehen von Tim Bendzko



Und auch das Interagieren auf Twitter sorgte bei mir manches Mal für Staunen. Besonders als ich dort ein paar favorisierte Tweets und Retweets von Persönlichkeiten/Künstlern (Nick Howard, Shawn Johnsons Body Department, Sam Palladio, Michael Kessler, Monique Coleman, Bec Lavelle, Clare Bowen, Amy Purdy, Hannah Trigwell), die in meinem Verständnis durchaus namhaft sind und Inspiration liefern, entdeckte. Hach ja, die unbegrenzten Möglichkeiten der sozialen Medien ...





Ich hoffe, ihr hattet 
(auf allen Ebenen eures Wirken) ein ähnlich grenzenlos bereicherndes Jahr 2014. Literarische Highlights natürlich inklusive. Für welches Buch oder Leseerlebnis seid ihr besonders dankbar? Da gibt es doch bestimmt das eine oder andere zu nennen ...


Hier noch eines meines Lieblingszitate: 

"Every time you say, "I can't do that," "I don't have what it takes," "It's too late," or "I'm not good enough," you're keeping yourself from living your truth." 

— Derek Hough

In diesem Sinne: Lasst euer Jahr nun ganz nach eurem Geschmack ausklingen! Wir lesen uns dann 2015 wieder. Es würde mich riesig freuen, wenn ihr dann noch immer neugierig auf Neues und die (schreibend ausgelebte) Kreativität liebend mit von der Partie wärt. 

Bis dahin: Macht's gut und feiert einen bunten, gesunden und vielversprechenden Jahreswechsel!!!


Dienstag, 23. Dezember 2014

[Rezension] Wir sind doch Schwestern (Anne Gesthuysen)

Anne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern

Für einen absoluten Familienmenschen wie mich ist dieses Werk eine Fundgrube herrlicher Unterhaltung und etwaiger Parallelen. Detailgetreue Recherche, eigene Familienhistorie und eine markige Portion à la "Es hätte sich durchaus genau so ereignen können" drapiert die Autorin zu einem literarischen Dekor, welches das heimische Bücherregal doch gern schmückt.


~ Rezension ~

Drei Leben, die gelebt wurden.

Familienfeste sind stets etwas Besonderes. Doch das Zusammentreffen der Schwestern Gertrud, Paula und Katty, um den 100. Geburtstag Gertruds gebührend zu feiern, bewegt in jeder Hinsicht. Rührende Anekdoten, zischende Zwistigkeiten und herzliche Momente prägen die Erinnerungen der drei Frauen, die so verschieden und sich dabei dennoch sehr ähnlich sind. Die Meilensteine ihres gemeinsamen Lebens lassen sie zu Ehren Gertruds noch einmal Revue passieren, wobei Heimlichkeiten und Schmerz ebenso zum Vorschein kommen wie feinster Humor und großer Optimismus. Inwieweit die Schwestern in der Gegenwart noch immer von den Geistern der Vergangenheit gelenkt werden, sollen sie jetzt erst richtig bemerken.

Die erfüllten Leben ihrer rüstigen Großtanten nahm Anne Gesthuysen zum Vorbild, um mit Wir sind doch Schwestern einen warmherzig charmanten Roman zu schreiben, der die Grundfeste einer Familie samt aller Ecken und Kanten ausleuchtet.

Mithilfe der drei liebenswürdigen, wenngleich von Zeit zu Zeit eigensinnigen Schwestern als Reisebegleitung, lädt die Autorin zu einer Zeitreise ein, die Höhen und Tiefen mit Liebe zum Detail ausstaffiert. Dabei spielen die harschen Kriegsjahre nicht weniger eine Rolle als die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit oder heftige persönliche Konflikte. Doch neben all dem Schmerz stellt Anne Gesthuysen mit Behändigkeit den flirrenden Humor der drei Damen heraus, was mir besonders zugesagt hat.

Der rotierende Perspektivwechsel sowie die Zeitsprünge zwischen Einst und Jetzt erhalten die Dynamik der Geschichte und erlauben einen hohen Grad an Individualität. Die Nuancen der drei Persönlichkeiten werden dem Leser vor Augen geführt und unterhalten mittels eines ausgewogenen Verhältnis aus Schalkhaftigkeit, Würde und Ernsthaftigkeit.

Die Art und Weise, mit welcher die Autorin die Zugehörigkeit zu einer Familie, deren Zusammenhalt in Freud und Leid sowie die Wertigkeit der Familie als Fels in der Brandung aufzeigt, finde ich durchweg gelungen. Eine Einladung an den Leser, nicht nur mit den drei Schwestern zu lachen, zu lieben und zu leiden, sondern sich darüber hinaus auf die eigenen Wurzeln zu besinnen.

Ein Roman, der die Bande zwischen Schwestern, die zum Teil drei Jahrhunderte miterlebten, fester knüpft. Eine Erzählung, die aufflammende Emotionen und gereifte Lebensweisheit miteinander zu vereinbaren weiß. Eine Geschichte, die dazu anhält, Erinnerungen aufleben zu lassen. 

FZIT: Feinfühlend. Eindringlich. Schwelgend.


Donnerstag, 18. Dezember 2014

[Rezension] Die Achse meiner Welt (Dani Atkins)

Dani Atkins: Die Achse meiner Welt 

Da Dani Atkins' Debütroman auf meiner Lesewunschliste stand, kam es mir mehr als entgegen, dass mir das Buch nun in der Bibliothek über den Weg lief. Sehr gut. Immerhin wollte ich mir liebend gern selbst ein Bild von dem Werk machen, über das die (halbe) Buchbloggerwelt ausführlich zu berichten weiß.
Herausstellen möchte ich an dieser Stelle gerne, ohne den großen Gedanken hinter der Geschichte vorwegzunehmen, dass mich vor allem die Problematik, welche die Handlung sozusagen umklammert und die sich nach dem letzten Kapitel erschließt, hat schlucken lassen.


~ Rezension ~

Alles auf Anfang! Wenn es doch nur so einfach wäre.

Als Rachel achtzehn Jahre alt ist, glaubt sie, dass ihr und ihren Freunden die Welt offen steht. Voller Tatendrang und großer Träume treffen sich die sieben Teenager ein letztes Mal, bevor sie Studium und Reisefieber in alle Himmelsrichtungen verschlagen soll. Doch dann geschieht ein unfassbares Unglück, das Rachels Leben in eine neue, schmerzhafte Zeitrechnung katapultiert. Fünf Jahre später, zur Hochzeit ihrer besten Freundin, beschließt Rachel, sich der Vergangenheit zu stellen. Allerdings ahnt sie nicht, dass diese Zeitreise ihr die gleichermaßen einmalige wie absurde Möglichkeit gibt, eine längst verpasste Chance nicht länger ungenutzt zu lassen.

Die Achse meiner Welt aus der Feder von Dani Atkins fängt eine Welt ein, deren Fragilität genauso groß ist wie die Sehnsucht nach dem einen Moment, von dem man wünschte, ihn ungeschehen machen zu können.

Als großes, mehrdimensionales Plus dieses Romans muss die Idee gelten, die einen Rahmen zeichnet, der voller Verblüffung, Verwirrung und Verzweiflung steckt. Nicht wenige kennen den Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu wollen, um eine Entscheidung, eine Reaktion oder einen Fehler ungeschehen zu machen. Ein hypothetisches Szenario, dem sich die Autorin auf interessante, ausgeklügelte Weise widmet. Ebenso wie sie den Preis dafür, dessen Höhe unberechenbar bleibt, beleuchtet und in einem Finale münden lässt, welches nicht ohne ist.

Der Leser kann Protagonistin Rachel auf einer (unergründlichen) Gratwanderung zwischen dem Hier und Jetzt und dem Was-wäre-wenn begleiten. Auf dieser Reise muss Rachel erkennen, dass sich die Dämonen der Vergangenheit auch in ihre Gegenwart schleichen und damit ihre Zukunft gefährden. Die heraufbeschworene Ratlosigkeit und empfundene Beklemmung der Hauptfigur ist förmlich greifbar und springt durchaus auf den Leser über. Als besonders gelungen habe ich es empfunden, dass ich während des Lesens stets darüber gegrübelt habe, was nun tatsächlich dem Sein und was eher dem Schein entspricht. Ein Aspekt, der dem gezogenen Spannungsbogen sehr zuträglich ist.

Die Profile der Figuren und deren Werdegänge entsprechen gängigen Rollenbildern, die nicht zwangsläufig überraschend sind. Dennoch ergänzen sie das zerbrochene und erst wieder zusammenzusetzende Mosaik passabel.

Zur kreierten Atmosphäre kann gesagt werden, dass diese vor allem durch das massive Fragezeichen, das wie ein Damoklesschwert über der einen Wirklichkeit schwebt, charakterisiert wird. Daher steht mehr als eine alleinige zwischenmenschliche Emotionalität im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um die großmaßstäbigere Suche nach der besseren Hälfte (des Lebens).

Insgesamt ein Roman, der Herz und Verstand auf besondere Weise anspricht und fordert. Denn nicht alles von dem, was Dani Atkins zu erzählen hat, beruht auf Fiktion. Im Gegenteil. Das Fundament ihrer Geschichte ist realer, als einem lieb ist.

FZIT: Menschlich. Zurückspulend. Erlebend.