"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 29. September 2015

[Rezension] Bis du wieder atmen kannst (Jessica Winter)

Jessica Winter: Bis du wieder atmen kannst

Hand aufs Herz: Dieses Buch war für mich doch schon eine kleine Überraschung. Natürlich habe ich rein gar nichts gegen eine "klassische Liebesgeschichte mit ihren jugendlichen Ecken und Kanten". Aber die von Jessica Winter präsentierte Tiefe und herzzerreißende Beschwerlichkeit, mit denen sie ihre Charaktere und Leser konfrontiert, ist das absolute i-Tüpfelchen. 

Danke schön, liebe Jessica Winter, dass du mir dein Erstlingswerk anvertraut hast! Sehr zu schätzen weiß ich diese großzügige Geste.

Cover: Jessica Winter


~ Rezension ~

Vertrauen ist wie Sauerstoff. Beides ist essentiell.

Julia und Jeremy könnten verschiedener kaum sein. Sie, die introvertierte und dennoch schlagfertige Unscheinbare. Er, einer der glanzvollen Sportstars der Highschool aus gutem Hause. Wann immer sich die beiden über den Weg laufen, besteht ihr Zusammentreffen aus einem wortreichen Schlagabtausch  zumeist auf Kosten Julias Erscheinung. Doch diese Sticheleien können ihr nur wenig anhaben. Ihre Welt wird täglich aufs Neue erschüttert, auf viel brutalere Art und Weise. Aber das muss unter allen Umständen ein Geheimnis bleiben. Sonst droht der Abgrund. Als Jeremy nun eines Tages zufällig einen winzigen Blick hinter Julias Fassade erhascht, versetzt es seinem Herzen einen Stich. Kann das, was er ahnt und was ihn fortan nicht mehr loslässt, wirklich wahr sein?

Bis du wieder atmen kannst von Jessica Winter erzählt eine ergreifende Geschichte, die gleichermaßen stark wie zerbrechlich anmutet. Ein Debüt, das weit mehr macht, als an der Oberfläche zu kratzen.

Jessica Winter porträtiert zwei heranwachsende Protagonisten, die sich größten emotionalen Eruptionen ausgesetzt sehen. Ungeachtet dessen, dass Julia und Jeremy kaum etwas voneinander wissen, sind sie mutig genug, sich in vorsichtigen Schritten einander anzunähern. Den Weg, den sie einschlagen, zeichnet die Autorin fernab allzu großer typischer Highschoolklischees. Dafür ist der Hintergrund der gemeinsamen Reise viel zu tiefgründig, ernsthaft und schockierend.

Die Geschichte, die Jessica Winter mit ihren Lesern teilt, kann ohne Weiteres als Minenfeld beschrieben werden. Eine Entschärfung der prekären Umstände ist dringend von Nöten, birgt jedoch die Gefahr in sich, die Beteiligten endgültig zu zerreißen. Energisch und zugleich mit großem Fingerspitzengefühl geht die Autorin zu Werke, als sie ihre Figuren in das Krisengebiet aus Selbstzweifel und Erschütterung, Wut und Entschlossenheit schickt. 

Die Intensivität, die konsequent zwischen den Zeilen dieses Debütromans mitschwingt, hat mich nachdrücklich beeindruckt. Allein das diffuse Licht der Hoffnung, welches zwischen den Trümmern einer geschundenen Seele hindurchschimmert, belegt, dass diese Geschichte so viel mehr in sich trägt, als es das Buchcover auf den ersten Blick vermuten lässt. In diesem Zusammenhang gilt demzufolge Gleiches für Jeremy und jeden Leser: Jede Oberfläche ist es wert, durchbrochen zu werden.

Insgesamt sollte unbedingt festgehalten werden, dass die unschlagbare Stärke dieses Romans seine Gedankentiefe ist. Die zarte Freundschaft (und potentielle Liebe) zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu überzeugen, obwohl, nein, gerade weil sie auf einem Fundament baut, das aus Bruchstein besteht.

FZIT: Brachial. Unerwartet. Ergreifend.


Dienstag, 9. Juni 2015

[Rezension] Auf das Leben! (Annika Bühnemann)

Annika Bühnemann: Auf das Leben!

Nach Auf die Freundschaft! folgt nun der zweite Band, in dem Claudia und ihre Mädels das Leben samt Leiden und Lieben für sich entdecken. Und auch dieses Mal heißt's: Unkompliziert ist anders.
Gewohnt kurzweilig und zugleich mit einem, wie ich finde, größerem Tiefgang denn je, spricht die Autorin ihre Leser an. Der eine oder andere von euch wird vielleicht ähnlich empfinden.

Auf diesem Wege schicke ich ein Dankeschön an Annika Bühnemann, die mir großzügig eines ihrer Buchbabys anvertraut hat!

Cover: Annika Bühnemann


~ Rezension ~

Ein Quartett, das auf das Ass im Ärmel des Lebens setzt.

Hinter den Freundinnen Claudia, Karin, Hannah und Maria liegen einige Turbulenzen. Doch auch die Gegenwart hat es in sich: angeknackste Herzen, fehlende Selbstverwirklichung, unvollendete Familienplanung — jede der vier Frauen hat ihr Päckchen zu tragen. Und dass das Roulette des Lebens sogar ihre innige Freundschaft auf eine harte Probe stellt, macht es nicht einfacher, die richtige Entscheidung zu treffen. Kopf oder Herz? Vernunft oder Risiko? Gemeinsam oder Alleingang? Ganz gleich, was kommen mag, am Ende zählt nur eines: Auf das Leben!

Auf das Leben! von Annika Bühnemann ist ein überaus kurzweiliger Roman, der positive Quirligkeit mit tiefschichtiger Komplexität vereint. Eine Gratwanderung, die unterhält.

Die bereits aus dem Vorgängerband, Auf die Freundschaft!, bekannten Charaktere dürfen abermals die Glanzmomente des Lebens auskosten, werden aber im nächsten Atemzug mit Gewissensfragen geradezu bombardiert. Die Mischung aus Ausgelassenheit und Ernsthaftigkeit modelliert Annika Bühnemann äußerst ansprechend. Die Protagonistinnen dürfen sich einerseits den Gedanken hingeben, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen; müssen aber anderseits auf die harte Tour lernen, dass es grobe Schnitzer gibt, die höchstwahrscheinlich alles verändern dauerhaft.

Als besonders polarisierend ist wohl Marias Entscheidungsweg einzuschätzen. Ihr unerfüllter Kinderwunsch führt zu einer Persönlichkeitsveränderung, die nicht unwesentlich ist. Mit Sicherheit hat die Autorin hier einen Handlungsstrang geschaffen, der zum Nachdenken anregt. Ein Faktor, der dem Buch weiteren Auftrieb gibt. Inwieweit Maria als Figur Sympathieträger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich empfand ihre chronische Kurzsichtigkeit mitunter als relativ zermürbend.


Dass das Leben kein Wunschkonzert ist, bringt Annika Bühnemann im Verlaufe ihres Werkes sehr erkennbar auf den Punkt. Dass es sich aber dennoch lohnt, nach vorne zu schauen, in sich zu vertrauen und eigene Passionen ernst zu nehmen, unterstreicht sie gleichermaßen. Sie selbst geht als Autorin eines selbst verlegten Buchs diesbezüglich auch gleich mit bestem Beispiel voran. Sehr authentisch!


Die Handlung wird kapitelweise aus den vier verschiedenen Blickwinkeln der Freundinnen wiedergegeben, was für eine stimmungsvolle Abwechslung und ein dynamisches Voranschreiten der Geschichte sorgt. Feine stereotype Spitzen, die konsequent gesetzt sind, gehören ebenso zum Repertoire des Romans wie die universelle Botschaft, hin und wieder mutig(er) zu sein.


Alles in allem ein Buch, das phasenweise durchaus an die eine oder andere kultige Fernsehserie erinnern mag und dennoch mit ganz eigenen Nuancen aufzuwarten weiß.

FZIT: Unterhaltend. Hinterfragend. Erlebend.


Donnerstag, 8. Januar 2015

[Kreativplausch] Schneeweißchen & Rosenrot schreiben jetzt selbst

Zu sehen und zu erleben, wie es Indie-Autoren gelingt, mit ihren Werken zu begeistern, ist für mich stets eine besondere Freude. Denn sie sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass pfiffige Ideen und/oder feinste Wortakrobatik und/oder liebgewonnene Publikumsnähe nicht einzig von einem den Rücken stärkenden Verlag abhängen.

Dieses Mal habe ich Rose Snow zu einem Kreativplausch ins Boot holen können. Gemeinsam schipperten wir also ein wenig über den Teich der blühenden Fantasie. Doch bevor ich euch unseren Dialog wiedergeben möchte, erst noch ein paar Worte zur Autorin. 

Rose Snow ist das Alter Ego der aus Österreich stammenden Freundinnen Carmen und Ulli, die ihre Passion fürs Schreiben seit jeher miteinander teilen. Schon während der gemeinsamen Schulzeit schlummerte die bunte Vorstellung, die Schriftstellerei für sich zu erobern, in den beiden.

Nun hat sich ein lang gehegter Traum für die zwei wahrhaftig erfüllt: Als Indie-Autorin(nen) veröffentlichten sie im vergangenen Sommer ihren Debütroman, Was sich liebt, das rächt sich nicht, dessen Fortsetzung, Racheengel küsst man nicht, bereits Ende 2014 auf dem Fuß folgte. Und das soll erst der Anfang gewesen sein. Chapeau!


Cover: © Rose Snow

Rose Snows Werke sind ihres Zeichens Liebesromane, die Kuriosität, etwaige emotionale Schräglagen und schillernde Charaktere miteinander in Einklang bringen. Hört sich nach einem spannenden Unterfangen, oder? Und überhaupt: Wie sieht das kreative Schaffen Rose Snows hinter den Kulissen aus? Hmmm, da muss ich doch gleich einmal etwas genauer nachhaken ...

Viel Spaß beim Eintauchen in die ulkigste und sympathischste Rachehölle, die das Bücherregal momentan zu bieten hat! 




~ Kreativplausch ~


Hallo liebe Rose Snow,

herzlich willkommen zum heutigen Kreativplausch sage ich! Ebenso wie ein Danke für die sofortige Zusage, mit von der Partie zu sein. Große Freude meinerseits. Das sei festgehalten.

Liebe Kora, wir sagen danke und freuen uns riesig, hier zu sein. 




Rose Snow ist ein durchaus märchenhaft klingendes Pseudonym, das den Einfallsreichtum gleich zweier sich seit der Kindheit kennender Autorinnen miteinander verknüpft. Mich erinnerte der Name von Beginn an ein wenig an die Mischung aus Schneewittchen und Schneeweißchen und Rosenrot. Ist diese (naheliegende) Assoziation zur Welt der Gebrüder Grimm bei der Namenswahl tatsächlich beabsichtigt gewesen oder hattet ihr jene Anlehnung eher überhaupt nicht im Sinn?

Oh doch, die Anlehnung ist durchaus beabsichtigt!  Allerdings würden wir uns mit fremden Federn schmücken, wenn wir behaupteten, die Idee stamme von uns. Die Wahrheit ist, dass uns zwei Teilnehmerinnen eines Autoren-Workshops unabhängig voneinander als „Schneeweißchen und Rosenrot“ betitelt haben – was sicherlich dem Umstand geschuldet war, dass Ulli an dem Tag eine weiße Bluse und Carmen ein rotes Oberteil trug. Das passte wie die Faust aufs Auge und wir fanden die Bezeichnung so sympathisch und treffend, dass daraus wenig später unser Pseudonym entstand.




Apropos Märchen, für welche zwei Märchenfiguren, schließlich seid ihr zu zweit, schlägt Rose Snows Herz besonders – ganz gleich ob dem Volksmärchen oder Disney entspringend?

Als hoffnungslose Romantikerinnen lieben wir beide Cinderella und freuen uns schon wie die kleinen Kinder auf die diesjährige Neuverfilmung von Disney. Passend zum „Schnee“ in unserem Namen haben wir aber auch Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna in unser Herz geschlossen ... nicht nur weil Elsa ein paar wirklich coole Zaubertricks auf Lager hat, sondern weil sie beide liebenswerte und starke junge Frauen sind – so wie wir uns selbst auch gerne sehen würden. 




Wer die Rose-Snow-Romane kennt, weiß, dass sie sich wie aus einem Guss modelliert lesen. Wie gelingt jene Nahtlosigkeit, obwohl die Geschichte nicht einmal kapitelweise aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt wird? (Was die Arbeitsaufteilung vermutlich erleichtern würde.) Wie dürfen wir uns das gemeinsame Feilen an einem Buch vorstellen?

Erstmal freut es uns sehr, dass wir die angesprochene Nahtlosigkeit anscheinend gut hinbekommen. Das liegt sicherlich an unserer inneren Einstellung: In den Jahren unserer Zusammenarbeit haben wir gelernt, unsere ... nennen wir es mal „Eitelkeiten“ gegenüber einem von uns geschriebenen Text komplett über Bord zu werfen. In unseren Köpfen gibt es nicht mehr „deinen Teil“ und „meinen Teil“ – alles was wir schreiben wird zu „unserer Geschichte“.
Viele Schriftsteller empfinden es ja so, dass die meiste Arbeit am Schreiben in die Überarbeitung fließt. Und dem können wir durchaus zustimmen.  Am Anfang wird gemeinsam geplottet, das macht Spaß, hier werden Ideen geboren und verworfen, Charaktere ersonnen und viele, viele Wendungen in den Handlungsbogen eingebaut. Sobald der Plot steht, gehen wir tiefer in die Szenen, erstellen eine Szenenliste, umreißen grob, was darin vorkommen soll – und dann geht es schon los. Jeder schreibt die Szenen, zu denen er sich am meisten hingezogen fühlt – und hierbei haben wir echt Glück. Wir sind uns schon wegen so mancher Dinge in die Haare gekommen, aber wir haben uns noch nie um eine Szene gestritten.  In der Überarbeitungsphase wird dann alles endgültig miteinander „vermanscht“ wie man in Österreich so schön sagt. Spätestens dann können wir selbst kaum noch sagen, welcher Satz vom wem stammt. Was zu dem schönen Ergebnis führt, dass wir ganz am Ende beide die Mami vom selben Kind sind. 




Nachdem Was sich liebt, das rächt sich nicht im Sommer 2014 mit viel Wohlwollen von den Lesern aufgenommen wurde, erschien – ebenfalls im Selbstverlag – nur wenige Monate später Racheengel küsst man nicht. Wer die Protagonisten für diesen zweiten Roman werden würden, entschieden die Leser. Mit wie viel Spannung, Erwartung und Vorahnung habt ihr dem Voting entgegengesehen? Immerhin hat Rose Snow an dieser nicht unbedeutenden Stelle, das Zepter aus der Hand gegeben.

Es war irre spannend. Natürlich war dieser Schritt gründlich überlegt, und wir hätten es nicht gemacht, wenn wir uns nicht sicher gewesen wären, dass wir mit JEDEM Ergebnis leben (und arbeiten) können. Die Geschichte von Maya und Holger bot noch so viel Potential, ebenso wie das weitere Leben jedes unserer Nebendarsteller. Allerdings hatten wir die kleine Hoffnung, mit Gérard und Rachel weitermachen zu dürfen. Und aus irgendeinem verrückten Grund ging es der Mehrheit unserer Leser offenbar ähnlich. 
Im dritten Band der Reihe wollen wir nun genau da weiterschreiben, wo wir in Band 2 aufgehört haben - zusätzlich aber auch die Charaktere von Band 1 wieder ins Boot holen. Schon allein darüber nachzudenken erfüllt uns mit einer prickelnden Vorfreude. 




Weil wir schon einmal beim Thema sind: Wie viel bedeutet euch der direkte Austausch mit und Kontakt zu euren Lesern? Gibt es vielleicht sogar so etwas wie einen Rose-Snow-und-ihre-Leser-Moment, der auf ewig ins Autoren-Poesiealbum gehört?

Ja, den gibt es. Oder besser gesagt: Ja, DIE gibt es. Oft merken die Leser ja gar nicht, dass sie uns so einen besonderen Moment geschenkt haben, weil sie nicht sehen können, wie wir mit glänzenden Augen und einem dümmlichen Dauergrinsen vor dem Laptop sitzen. Eine Leserin hat sich mal so unbändig über ihre Teilnahme an unserer Leserunde gefreut, dass wir ihre E-Mail gleich mehrmals hintereinander lesen mussten. Eine andere Leserin (sie ist ein Fan der allerersten Stunde und kannte schon unseren Racheplan-Blog als wir noch nicht mal Rose Snow hießen) nahm gemeinsam mit ihrer Freundin eine 6-stündige Busfahrt quer durch Deutschland auf sich, nur um uns auf der Frankfurter Buchmesse zu treffen. Das sind Momente, die einfach unbezahlbar sind. Und die wir uns nie hätten träumen lassen.




Das polarisierende Motto, unter dem eure (momentan erschienen) Werke stehen, lautet Rache trifft Liebe. Dies im Hinterkopf habend, was ist die skurrilste Racheengel-Mission, auf die ihr (während der Recherche zu den Büchern) bisher gestoßen seid?

Da fallen uns spontan gleich drei Missionen ein. Die skurrilste davon ist so verrückt, dass sie uns keiner glauben will, wenn wir sie erzählen. Dabei spielt einen Packung Pralinen eine tragende Rolle. Die rachsüchtige Person verkochte die gekaufte Schokolade mit allerlei Widerwärtigkeiten (wie bspw. faulen Eiern, ranzigem Fisch, Schamhaaren und Zehennägeln – um nur einige zu nennen), füllte die Kreation des Grauens in Pralinenförmchen, arrangierte die abgekühlten Pralinen wieder hübsch in der Verpackung, ließ das ganze neu verschweißen und schickte es an die verhasste Person. Wir bezweifeln, dass irgendjemand so eine Behandlung verdient hat, aber Rachel wäre von der kriminellen Kreativität definitiv beeindruckt.




Herzensangelegenheiten, wenn auch nicht in reinstem Rosarot, sind ganz euer Metier. Wenn nun die Möglichkeit bestünde, Racheengel küsst man nicht mit einem Titellied zu versehen, welches würdet ihr aus welchem Grund wählen?

Hach, wir wissen genau, was Gérard sagen würde, wenn wir ihn das nun fragen würden: Eindeutig Elvis Presley – „Devil in Disguise“. Rachel sieht aus wie ein Engel, bewegt sich wie ein Engel, spricht wie ein Engel – aber wer sie näher kennenlernt, weiß: Sie kann ganz schön teuflisch sein 




Wenn ihr selbst die Chance hättet, in die Rolle eines Buch- oder Filmcharakters zu schlüpfen, welche Figur wäre das?

Puh, das ist eine ganz schön knifflige Frage. Die meisten Charaktere aus Buch und Film haben ja ein ziemlich aufreibendes Leben, das meist von großem Herzschmerz, wendungsreicher Dramatik oder lebensbedrohender Gefahr begleitet wird. Da gefällt uns unser „langweiliges“ Autorenleben bisher eigentlich ganz gut.  Zeitreisen in die eigene Vergangenheit wären allerdings sicher cool (wie aus dem Film: „Alles eine Frage der Zeit“), und sei es nur, um endlich mal so schlagfertig zu sein, wie unsere eigenen Charaktere. *g* Und was uns auch richtig gut gefallen würde: die Macht über unsere eigenen Träume zu haben (wie Liv aus „Silber“ von Kerstin Gier).




Was macht das Schreiben für euch so spannend? Was brachte euch letztlich dazu, nicht mehr nur für euch selbst, sondern als Rose Snow für ein breites öffentliches Publikum Ideen in Romane zu verwandeln?

Wenn wir so nachdenken, haben wir das letzte Mal während des Chemieunterrichts in der Schule „nur für uns“ geschrieben, um der Langeweile zu entgehen. Seit wir erwachsen sind und uns gegenseitig mit der Idee ein Buch zu schreiben infiziert haben, treibt uns der Wunsch an, gelesen zu werden. Einer unserer schönsten Tagträume sieht so aus: Wir sitzen im Park oder im Bus und neben uns liest jemand eines UNSERER Bücher, versunken in einer Welt, die wir erschaffen haben. Andere Menschen mit unseren Gedanken zu erreichen, sie zum Lachen oder zum Weinen zu bringen, dass ist es, was wir wollen und was uns glücklich macht.




Ihr stammt beide aus Österreich. Wohin und mit welchem originellen Rahmenprogramm versehen würdet ihr am liebsten einmal zu einer Lesung in eure Heimat einladen?

Unseren ersten schriftstellerischen Erfolg durften wir 2010 in München feiern: Damals wurde unsere Kurzgeschichte „Frauenfußball“ (übrigens die Grundlage für unseren ersten Roman) bei der Münchner Menülesung prämiert und von dem Sprecher und Schauspieler Johannes Steck gelesen. Untermalt wurde das ganze mit lateinamerikanischer Musik von der Band „Cesar’s Salad“ - und war insgesamt eine ziemlich coole Angelegenheit. Unsere Traumlesung sollte ebenfalls all das beinhalten, was wir an dem Abend so toll fanden: Gutes Essen, tolle Musik, ein Johannes Steck als Gérard gemeinsam mit uns auf der Bühne. Wenn dann noch Kerstin Gier als Überraschungsgast dazukäme, wäre es perfekt – und dürfte von uns aus gerne an jedem Ort der Welt stattfinden.




Stellt euch vor, ihr bekämt die Aufgabe, eine Zeitkapsel zu füllen. Welche drei Dinge dürften keinesfalls fehlen, weil ihr euch wünscht, dass sie auch, nachdem Jahrzehnte verstrichen sind, noch immer mehr als eine bloße Erinnerung sind?

Hmmm ... also ganz sicher einpacken würden wir einen USB-Stick mit ganz vielen Fotos und Videos unserer Familien. Und natürlich unser allerallererstes Manuskript (ein noch unveröffentlichter Fantasyroman, in dem sehr viel Herzblut von uns beiden drinsteckt), das uns immer daran erinnern wird, woher wir kommen und wie alles begonnen hat. Als dritten und letzten Teil vielleicht noch einen Brief an uns selbst, in dem wir festhalten, wie wir uns heute fühlen, wofür wir dankbar sind und welche Ziele wir im Leben noch erreichen wollen. Da gibt es noch so viele Träume ... es wäre sicher spannend zu sehen, welche davon in Erfüllung gegangen sind, wohin sie uns geführt haben und welche wir noch als wichtig erachten nach all der langen Zeit.




Danke schön für das Lüften des einen oder anderen Rose-Snow-Geheimnisses! Es war mir ein Vergnügen. Für all eure kommenden Projekte wünsche ich euch eine große Portion Schaffenskraft und Freude!

Wir wünschen Dir dasselbe, liebe Kora und danken Dir herzlich für die tollen Fragen!





Ich hoffe, euch hat diese kleine Stippvisite in Rose Snows Kreativeschmiede ebenso viel Spaß gemacht wie mir. Die Liebe zum Wort verbindet. Ich glaube, das wurde einmal mehr deutlich. Was meint ihr?


Dienstag, 9. Dezember 2014

[Rezension] Racheengel küsst man nicht (Rose Snow)

Rose Snow: Racheengel küsst man nicht 

Nachdem ich bereits den Debütroman aus Rose Snows Feder gelesen habe, folgte nun also Teil zwei ihrer kurios-unterhaltsam anmutenden Reihe. 
Richtig publikumsnah zeigten sich die beiden Autorinnen, welche sich hinter dem leicht märchenhaften Pseudonym verbergen, in der Hinsicht, dass sie ihren Lesern die Entscheidung überließen, an welche bereits bekannten Nebencharaktere nun die Hauptrollen im neuen Roman gehen sollten. Welche Konstellation würde sich wohl als Wunschduo herausstellen? ... Et voilà, die Wahl fiel auf Racheengel Rachel und Gérad, der etwas von einem eigensinnigen Grinch hat.
Ein Dankeschön an Rose Snow für das signierte Exemplar ihres Romans!!!

Cover: Rose Snow


~ Rezension ~

Auf einer Mission, die über Sein oder Nichtsein entscheidet ...

Über Rachel bricht die Katastrophe schlechthin herein: Ihre Racheagentur wird mutwillig sabotiert, denn an Zufälle hat sie noch nie geglaubt. Als sich ihr Verdacht bestätigt und sie den Verräter sogar in den Reihen ihrer Mitarbeiter findet, schwant Rachel Böses. Ein Machtspiel mit ungewissem Ausgang entfacht. Wer sitzt am längeren Hebel? Trotz aller Aussichtslosigkeit bricht Rachel zu einer Mission auf, welche die Agentur und damit ihre Existenz und ihren Stolz retten soll. Doch allein kann selbst Rachel nicht gegen diese denunzierenden Windmühlen der Tücke kämpfen. Eine missliche Lage, in der ausgerechnet Womanizer Gérad Rachel eine Hand reicht. Aber wie uneigennützig ist seine Hilfe wirklich?

Rose Snow verfasste mit Racheengel küsst man nicht eine spritzige und nicht selten spitzzüngige Fortsetzung zu ihrem wenige Monate zuvor erschienen Debüt.

Die Autorin hat, ganz dem Wunsch ihrer Leser nachkommend, Rachel und Gérad zu den Protagonisten ihres Romans gemacht. Zwei toughe Charaktere, die sich erst gar nicht bemühen, mit ihrer Geringschätzung füreinander hinter den Berg zu halten. In der Summe ergeben die beiden ein Pulverfass, das jederzeit detonieren könnte.
Das Miteinander von Rachel und Gérad ist geprägt von verbalen Spitzen gepaart mit andeutungsvollen Zweideutigkeiten. Aus der Not könnte sich demzufolge tatsächlich eine Tugend entwickeln und die zwei könnten zu einem unschlagbaren Team avancieren, würden sie sich a) gelegentlich auf die Zunge beißen und b) ab und an über den eigenen Schatten springen. Rose Snows Akzente liegen somit auf einem heiklen Hürdenlauf der zwischenmenschlichen Art.

In gewohnt schlichter, aber eingängiger Tonalität und Stilistik sowie mit teils wenig zimperlicher, teils knisternder Attitüde versehen kommt der Roman daher. Besonders gelungen fand ich die spürbare Kontinuität, mit der die Handlung an Schwung gewinnt. Die beiden Protagonisten finden sich demzufolge in einem pikanten Doppel wider Willen wieder, das den Leser unterhält.

Rose Snow leuchtet in ihrer Geschichte das Porträt des stolzen Dickkopfs aus, der sich sowohl mit einer rauen Realität als auch einer durchschimmernden Herzensangelegenheit konfrontiert sieht. Eine Mischung, die das Kleid der Unterhaltungslektüre bestickt mit leichten Applikationen einer Selbstfindungsreise rundum hübsch ausfüllt.

Summa summarum handelt es sich um einen munteren Roman, dessen Charaktere durch ihre eckigen Profile zwar aneinander geraten, sich dabei jedoch ebenso miteinander in ein Gefühlschaos mit knirschendem Profil katapultieren.

FZIT: Forsch. Herausfordernd. Zielstrebig.


Dienstag, 2. September 2014

[Rezension] Was sich liebt, das rächt sich nicht (Rose Snow)

Rose Snow: Was sich liebt, das rächt sich nicht 

Da ich nicht nur Bücher großer Namen, sondern vor allem auch die ambitionierter Self-Publisher gern lese, fiel die Buchvorstellung Rose Snows in einer E-Mail an mich direkt auf offene Ohren. Denn die "Kleinen" haben meiner Meinung nach nicht weniger Aufmerksamkeit verdient als unsere bereits etablierten Bestseller-Lieblinge.
Rose Snow ist das Pseudonym, unter dem ein schreibendes Duo aus Österreich seine Geschichten in unsere Bücherregale katapultieren möchte. Die Daumen für dieses Vorhaben sind gedrückt!
Danke an Rose Snow für diesen Fingerzeig, der mich erreichte!

Buchcover: Rose Snow


~ Rezension ~

Auf höllisch gute Nachbarschaft!

Maya ist fest entschlossen, die jüngste Vergangenheit hinter sich zu lassen. Damit schwört sie, nach der Enttäuschung mit Ex-Freund Jan, auch der Männerwelt ab. Bis, ja, bis sie im Hausflur ihres neuen Domizils Holger begegnet. Seine blaublauen Augen haben etwas Hypnotisierendes. Wäre da nur nicht diese alberne Hausordnung der peniblen Vermieterin, die jegliche Herzensangelegenheiten zwischen den Bewohnern des Hauses untersagt. Eine bittere Pille, die Maya allerdings schlucken muss, um die Probezeit für ihre Traumwohnung zu überstehen. Leichter gesagt als getan. Denn absurd abgedrehte, sie Spießruten laufen lassende Mitmieter, unter ihnen die mysteriöse Lady Grazie, und ein Geheimnis Holgers stellen Mayas Geduld auf eine herbe Probe. Doch Revanche ist bekanntlich süß. Dumm nur, dass die akribisch geplante Rache ohne Vorwarnung aus dem Ruder läuft ...

Bei Was sich liebt, das rächt sich nicht handelt es sich um den für Gute-Laune-Leseunterhaltung sorgenden Debütroman Rose Snows

Kennzeichnend für diese quirlige Zwischen-Liebe-und-Rache-Geschichte sind eindeutig die Charaktere. Diese kommen alles andere als Otto Normal von nebenan daher. Vielmehr verkörpern sie Skurrilität und Aberwitz, während sie ihre jeweilige Rolle in der kuriosen Verwechslungsgeschichte passgenau erfüllen. Die Mischung aus Exzentrik, Blauäugigkeit (in jeglicher Hinsicht) sowie eigenwilliger Entschlossenheit wurde von der Autorin gut abgeschmeckt und sorgt für die Inszenierung eines illustren Figurenensembles.

Der Unterhaltungswert des Romans liegt in der Kombination aus Alltäglichem — sei es ein Umzug, Spitzfindigkeiten unter Nachbarn oder Eifersucht — und Überspitzung, die mit gängiger Klischeehaftigkeit aufpoliert worden ist. Die feine Komplexität der Missverständnisse, mit welcher die Autorin zu Werke geht, hat mir besonders zugesagt. Ein kurzweiliges Konstrukt, das von drolligen Fallstricken zusammengehalten wird, entsteht. Jenes Geflecht kann allerdings hin und wieder auch für kleine Irritationen sorgen und fordert somit die Aufmerksamkeit der Leser.

Den humorigen Grundtenor ausfüllend, kommt die Geschichte im Ganzen angenehm locker, dynamisch und leichtfüßig daher. Rapide Stimmungswechsel der Figuren sorgen gleichermaßen für Amüsement wie die Verquickung von Umständen und Begegnungen, die den Leser erst schmunzeln, dann über ein Wie-hätte-ich-wohl-reagiert grübeln lassen.

Die von Rose Snow ausgefeilte Idee der Racheagentur bildet den Kern einer Handlung, deren Fäden sich auf den unterschiedlichsten Ebene miteinander verknoten. Ein Hauch von Romantik wird mit einem humorvollen Quäntchen Nervenkitzel versehen. Eine beschwingte Liebeskomödie mit kleinen Nuancen individuell empfundenen Desasters entwickelt sich. Was sich liebt, das hätte ein Happy End verdient. Doch der Weg dorthin führt über die glühenden Kohlen der Hölle, an denen es sich leicht verbrennen lässt ...

In der Summe eine Debütgeschichte, die durch herzliche Verrücktheit auf sich aufmerksam macht. Mal lieblich roasrot, mal teuflisch feuerrot. 

FZIT: Spaßig. Agil. Unverzagt.


Donnerstag, 28. August 2014

[Rezension] Make it count: Sommersturm (Carrie Price)

Carrie Price: Make it count: Sommersturm

Es ist, wie es ist. Ich kann es nicht anders sagen: Die Geschichten, die Carrie Price (Adriana Popescu) erzählt, sprühen nur so vor Persönlichkeit. Ihr gelingt es immer wieder, einer Reise, deren Ziel offensichtlich scheint, eine Route zu verleihen, die mit einer Vielzahl an liebevollen Details ausgeschmückt ist. Es ist beinahe so, als würde sich entlang besagter Route ein Souvenirlädchen am anderen befinden. Zwischen Oceanside und Clearwater Bay gibt's da nicht nur Segeltuch und Muschelketten, sondern Schmuckkästchen voller Emotionen und Poesiealben voller Erinnerungen und Träume ... 
Ein Dankeschön an dieser Stelle an Carrie Price für die allumfassende Einladung zu diesem Herzschlag-Segeltörn!

Cover: ad.


~ Rezension ~

Eine Sturmflut an brausenden Emotionen

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie, Jennifer Main, die Tochter aus angesehenem Hause, die ihre Rolle perfektioniert hat und jegliche Rebellion herunterschluckt. Er, Patrick Steel, der saisonal eingestellte Mitarbeiter, mit dem ramponierten Image, der nur das eine Ziel fest vor Augen hat. Doch in Oceanside prallen Jen und Patricks Welten aufeinander ... und scheinen überraschend gut miteinander zu harmonieren. Wären da nicht die emotionalen Altlasten der Vergangenheit, die eine gemeinsame Zukunft vergiften! Ein gefundenes Fressen für das verletzte Ego Kevin Bennetts, Sohn aus feinem Haus, der seine Ehre angekratzt sieht. Ein Machtspiel mit ungleichen Mitteln, das Herzen zu brechen droht, beginnt, während sich ein dunkler Sturm über dem Küstenstädtchen zusammenbraut.

Make it count: Sommersturm ist ein neuerlicher Love Stories Roman, den Autorin Carrie Price verfasst hat. Eine Geschichte, die abermals dem Drehbuch für ein lebhaft ausstaffiertes Kopfkino gleicht.

Die Rolle des Erzählers teilen sich die beiden Protagonisten Jen und Patrick. Ein Duo, das sich trotz oberflächlicher Unterschiede unglaublich ähnlich ist. Denn, obgleich sie selbst zwischen magnetischen Anziehungskraft und offenkundigem Klischeedenken hin- und hergerissen sind, verbindet sie dieser eine Sommer fortan für immer. Jen kennt die vielen Gesichter Patricks und die Geschichten hinter seinen Narben, Pat den Herzenswunsch der Frau mit den traurigen Augen. Dennoch spricht eines klar gegen eine gemeinsame Zweisamkeit: die Logik.
Ergänzt wird das Ensemble durch eine gute Handvoll markanter Figuren, die das Gespür, zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können, fordert. Hinzu kommen "Gastauftritte" einiger etablierter MIC-Charaktere. Das Gefühl, inmitten einer dynamischen Dramaserie zu stecken, wird damit umso authentischer.

Die Geschichte um die Ja-Nein-Vielleicht-Liebe zwischen Jen und Patrick entwickelt sich binnen weniger Seite zu einem Pageturner. Denn geschickt eingestreute Andeutungen und nebulöse Erinnerungsfetzen schieben die Handlung voran und türmen sie zu einer bedrohlich grollenden Sturmfront auf. Darüber hinaus empfand ich vor allem die emotionalen Nebenschauplätze als äußerst bereichernd. Ist es möglich, gleichzeitig festzuhalten und dabei loszulassen?

Das Thema der selbstbestimmten Freiheit ist einer der Anker dieses Romans. Ein Schwerpunkt, der trotz der teilweisen "Leichtigkeit des Genres" einen nur allzu lebensnahen Kurs einschlägt. Im Allgemeinen finde ich es bemerkenswert, wie es Carrie Price gelingt, sowohl die Rolle der Unterhaltungskünstlerin als auch die der Botschafterin einzunehmen. 

Bestechend gut kommt ebenso der Erzählstil der Autorin zur Geltung. Wie die große Schiffsglocke zieht er die Aufmerksamkeit auf sich: Nicht selten trifft sie mit wenigen Worten beides, den richtigen Ton und ins Herz. Die Sprache ist, dem Genre entsprechend, überschaubar und jugendlich frisch gehalten. Für die Ausformulierung der Dialoge gilt: "In der Kürze liegt die Würze". Eine Tatsache, die der fulminanten Bildhaftigkeit allerdings nicht den kleinsten Abbruch tut. Denn ob knisterndes Miteinander oder handfeste Auseinandersetzung, innere Zerrissenheit oder vehemente Entschlossenheit  Carrie Price hat alle Taue stets fest im Griff.

In der Summe ein Roman, der trotz der genreeigenen Charakteristika ein eigenständiges Profil entwickelt. Maximaler Detailreichtum und ehrliche Gefühle teilen sich eine Kajüte mit stilechten Stereotypen und filmreifen Akzenten. Ob Kreuzfahrt ins Glück oder Schiffbruch auf hoher See? Die Kompassnadel rotiert ...

FZIT: Anziehend. Suchend. Tosend.


Freitag, 28. Dezember 2012

[Rezension] Versehentlich verliebt (Adriana Popescu)


Adriana Popescu: Versehentlich verliebt (2012)

Ich lese richtig gern Romane, die zu Herzen gehen und dabei auch zum Schmunzeln bringen. Dieses Buch von Adriana Popescu gehört für mich zu exakt dieser Kategorie Roman! Locker-leicht, quirlig und kuschelig!
Ein besonderer Dank gilt dabei der Autorin selbst, die mir ein Rezensionsexemplar im eBook-Format zur Verfügung gestellt hat. Eine bessere Feiertagslektüre hätte ich mir zum Ende des Jahres kaum wünschen können! Herzlichen Dank, liebe Adriana!


~ Rezension ~

Flugzeuge im Bauch

Es ist Heiligabend und anstatt mit ihrer Familie in Berlin beim Weihnachtsessen zu sitzen, steckt Pippa Wunsch auf dem Stuttgarter Flughafen fest. Die weißen Flocken haben jeglichen Flugverkehr zum Erliegen gebracht. Vollkommen melancholisch und an ihre längst verflossene große Liebe, die mittlerweile frisch verlobt den Vaterfreuden entgegensieht, denkend gibt sich Pippa dem Weihnachtsgroll hin. Bis sie – einer Flasche Cola sei Dank – auf einen gut aussehenden, verschmitzt lächelnden Nerd, den sie ganz klar für einen Tobias hält, trifft. Mit jedem charmanten Wimpernschlag mehr entwickelt sich Pippas Weihnachten zu einer unerwarteten Turbulenz im großen Hollywoodstil – zumindest besteht doch erst einmal die Möglichkeit dazu.

Mit ihrem zweiten Roman Versehentlich verliebt trifft die Indie-Autorin Adriana Popescu in die Herzen aller Weihnachtsfans und in das aller Romantiker. Wenngleich der Leser schnell erahnen kann, wie der Hase möglicherweise läuft, so ist der Weg hin zu einem eventuell gegebenen Happy End alles andere als eintönig und berechenbar. Im Gegenteil, situationskomisch ausgefeilte Schnörkel tragen die Handlung in höchst amüsante Spähren.

Für mich hat die possierliche Mischung aus liebenswürdig und originell gestalteten Charakteren, einer großen Portion Humor sowie den kreativen Wendungen innerhalb der Handlung gänzlich gestimmt. Die Symbiose der beiden Protagonisten mixt Drolligkeit und Coolness zu einem locker-flockigen (Weihnachts-) Punsch.

Der Autorin gelingt es, die relativ alltägliche Kulisse eines Flughafens zum Ort eines Funken sprühenden und weihnachtlich chaotischen Geschehens zu machen. Das Aufeinandertreffen zweier sympathischer und zugleich sehr spezieller Protagonisten wird zu einer Begegnung, die mehr als einen frechen Schlagabtausch verspricht.

Eine Vielzahl cleverer Ideen lässt die Entwicklung der Geschichte sprudeln wie einen fruchtigen Champagner. Ferner verleihen eine Affinität zu real existierenden TV- und Musiklegenden, eine Schippe Selbstironie sowie Amors Pfeil dem Roman eine zuckersüße und gelegentlich etwas kitschige Glasur an Aktualität, Witz und Herzklopfen.

Definitiv ein Buch, das herzallerliebst unterhält und dabei bestätigt, dass die Liebe oft dort auf uns wartet, wo wir sie am wenigsten vermuten. Versehentlich verliebt – eine Geschichte, in die sich gewiss viele Träumende Hals über Kopf verlieben. Gegen eine Fortsetzung hätte ich übrigens auch nichts einzuwenden, denn Pippa hätte bestimmt noch viel mehr Verrücktheiten zu berichten.

F★ZIT: Vergnüglich. Findig. Schlagfertig.


Als Zugabe gibt's gleich noch den Trailer zum Buch: