"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 9. Juni 2015

[Rezension] Auf das Leben! (Annika Bühnemann)

Annika Bühnemann: Auf das Leben!

Nach Auf die Freundschaft! folgt nun der zweite Band, in dem Claudia und ihre Mädels das Leben samt Leiden und Lieben für sich entdecken. Und auch dieses Mal heißt's: Unkompliziert ist anders.
Gewohnt kurzweilig und zugleich mit einem, wie ich finde, größerem Tiefgang denn je, spricht die Autorin ihre Leser an. Der eine oder andere von euch wird vielleicht ähnlich empfinden.

Auf diesem Wege schicke ich ein Dankeschön an Annika Bühnemann, die mir großzügig eines ihrer Buchbabys anvertraut hat!

Cover: Annika Bühnemann


~ Rezension ~

Ein Quartett, das auf das Ass im Ärmel des Lebens setzt.

Hinter den Freundinnen Claudia, Karin, Hannah und Maria liegen einige Turbulenzen. Doch auch die Gegenwart hat es in sich: angeknackste Herzen, fehlende Selbstverwirklichung, unvollendete Familienplanung — jede der vier Frauen hat ihr Päckchen zu tragen. Und dass das Roulette des Lebens sogar ihre innige Freundschaft auf eine harte Probe stellt, macht es nicht einfacher, die richtige Entscheidung zu treffen. Kopf oder Herz? Vernunft oder Risiko? Gemeinsam oder Alleingang? Ganz gleich, was kommen mag, am Ende zählt nur eines: Auf das Leben!

Auf das Leben! von Annika Bühnemann ist ein überaus kurzweiliger Roman, der positive Quirligkeit mit tiefschichtiger Komplexität vereint. Eine Gratwanderung, die unterhält.

Die bereits aus dem Vorgängerband, Auf die Freundschaft!, bekannten Charaktere dürfen abermals die Glanzmomente des Lebens auskosten, werden aber im nächsten Atemzug mit Gewissensfragen geradezu bombardiert. Die Mischung aus Ausgelassenheit und Ernsthaftigkeit modelliert Annika Bühnemann äußerst ansprechend. Die Protagonistinnen dürfen sich einerseits den Gedanken hingeben, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen; müssen aber anderseits auf die harte Tour lernen, dass es grobe Schnitzer gibt, die höchstwahrscheinlich alles verändern — dauerhaft.

Als besonders polarisierend ist wohl Marias Entscheidungsweg einzuschätzen. Ihr unerfüllter Kinderwunsch führt zu einer Persönlichkeitsveränderung, die nicht unwesentlich ist. Mit Sicherheit hat die Autorin hier einen Handlungsstrang geschaffen, der zum Nachdenken anregt. Ein Faktor, der dem Buch weiteren Auftrieb gibt. Inwieweit Maria als Figur Sympathieträger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich empfand ihre chronische Kurzsichtigkeit mitunter als relativ zermürbend.


Dass das Leben kein Wunschkonzert ist, bringt Annika Bühnemann im Verlaufe ihres Werkes sehr erkennbar auf den Punkt. Dass es sich aber dennoch lohnt, nach vorne zu schauen, in sich zu vertrauen und eigene Passionen ernst zu nehmen, unterstreicht sie gleichermaßen. Sie selbst geht als Autorin eines selbst verlegten Buchs diesbezüglich auch gleich mit bestem Beispiel voran. Sehr authentisch!


Die Handlung wird kapitelweise aus den vier verschiedenen Blickwinkeln der Freundinnen wiedergegeben, was für eine stimmungsvolle Abwechslung und ein dynamisches Voranschreiten der Geschichte sorgt. Feine stereotype Spitzen, die konsequent gesetzt sind, gehören ebenso zum Repertoire des Romans wie die universelle Botschaft, hin und wieder mutig(er) zu sein.


Alles in allem ein Buch, das phasenweise durchaus an die eine oder andere kultige Fernsehserie erinnern mag und dennoch mit ganz eigenen Nuancen aufzuwarten weiß.

F★ZIT: Unterhaltend. Hinterfragend. Erlebend.


Donnerstag, 6. November 2014

[Rezension] Drei Geschichten über die Liebe (S.Saxx, A.Bühnemann, F.Lamberti)

Sarah Saxx, Annika Bühnemann, Frieda Lamberti: 
Hoffnung — Vertrauen — Vergebung: Drei Geschichten über die Liebe 

Für Fans der Weihnachtszeit (wie ich einer bin) wie gemacht: Drei Geschichten, drei folgenreiche Entscheidungen, drei Bescherungen mit ungewissem Ausgang. Sarah Saxx, Annika Bühnemann und Frieda Lamberti haben sich für ein literarisches Weihnachtsmedley zusammengetan, dessen Nuancen gleichsam schmerzlich wie sehnsuchtsvoll daherkommen.

Ein Dankeschön an Annika Bühnemann, die mir die Anthologie als Vorbote der Adventszeit geschenkt hat!

Cover: annikabuehnemann.de


~ Rezension ~

Über das größte Geschenk, das du dir selbst machen kannst ...

Fabians Verwandlung in einen Workaholic tut seiner Beziehung zu Sophie überhaupt nicht gut. Während er sich kopfüber in die Arbeit stürzt, verzweifelt sie an seiner Ignoranz ihrer Gefühle gegenüber. Auch wenn es weht tut, setzt Sophie schließlich kurz vor Weihnachten alles auf eine Karte. Aber kann ein winziger Schimmer Hoffnung die Schatten eines dunklen Geheimnisses überstrahlen?
Als Malermeisterin Carolin den Auftrag annimmt, eine Millionenvilla zu renovieren, ahnt sie nicht, dass Raphael, der Assistent ihres Auftraggebers, ihr den Kopf verdrehen wird. Nach kurzem Zögern, beschließt Carolin, ihrer Liebe eine Chance zu geben. Doch bereits wenig später wird ihr Vertrauen in eine Zukunft mit Raphael herb erschüttert.
Patrizia und Nikolas führen ein schillerndes Leben im politischen Rampenlicht. Stets gilt es den Schein zu wahren, echte Emotionen sind hier fehl am Platz. Als Patrizia wenige Tage vor dem Weihnachtsfest dann allerdings knallhart mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, muss sie sich entscheiden: Verdrängung oder Vergebung.

Mit ihrer Anthologie Hoffnung — Vertrauen — Vergebung: Drei Geschichten über die Liebe erzählen die Autorinnen Sarah Saxx, Annika Bühnemann und Frieda Lamberti Weihnachtsgeschichten der emotional aufwühlenden Art.

Drei Paare erleben die Weihnachtszeit auf sehr besondere Weise. Denn während die Autorinnen zwar einen Rahmen aus romantischem Schneegestöber und köstlicher Weihnachtsbäckerei kreieren, gerät die Fassade des Besinnlichen darüber hinaus gehörig ins Wanken. Sarah Saxx, Annika Bühnemann und Frieda Lamberti schmücken für ihre Leser einen Weihnachtsbaum mit glitzernden Tränen, gebrochenen Lebkuchenherzen und bittersüßen Erinnerungen.

In die festliche Kulisse der Adventszeit werden real greifbare Sorgen, nagende Gewissensfragen und schmerzhafte Wahrheiten eingebettet. Ein Fundament, welches den Spannungsbögen der drei Kurzromane die nötige Essenz Dramatik verleiht. Gleichzeitig flechten die Autorinnen bedeutungsvolle Botschaften in ihre Handlungen ein. Bei aller Verzweiflung, Enttäuschung und Verbitterung stellen sie Hoffnung, Vertrauen und Vergebung als Halt gebende Gegenpole heraus — in der Fiktion wie in der Realität. Ein, wie ich finde, Geschenk an uns Leser.

Mit behänder Leichtigkeit verweben die Autorinnen geschickt Festtagsstimmung mit knirschender Brisanz. Trotz der zu lösenden Konfliktlastigkeit lesen sich die Romane mit angenehmer Leichtfüßigkeit. Denn die Rhetorik folgt dem Muster einer unverschnörkelten Echtheit. Die endgültig packende Tiefenschärfe bleibt hingegen, vor allem zu den jeweiligen Enden hin, ein wenig in der Schwebe. Dies bietet dem Leser wiederum eine dankbare Steilvorlage für fortführendes Gedankenspiel.

In der Summe eine Anthologie, in der eine wohlige Weihnachtsromantik wie auch die Macht von (Fehl-) Entscheidungen zu gleichberechtigten Schlüsselfaktoren werden, deren Zweige sich zu einem literarisch-unterhaltsamen Adventskranz verflechten.

F★ZIT: Folgenreich. Nachdenklich. Festlich.


Freitag, 17. Januar 2014

[Buchpost] Ein Überraschungspaket trudelt ein

Als die Autorin Annika Bühnemann Ende des vergangenen Jahres ein Preisausschreiben initiierte, hatte ich umgehend das Gefühl, mitmachen zu wollen. Immerhin dufte hierbei geschrieben werden.

Also verfasste ich eine kleine Episode, die Anlehnung an Annikas eigenen Roman fand, so die Bedingung des Preisausschreibens. Ich nannte meine Kurzgeschichte Auf die Freundschaft – Ein magischer Moment und schickte sie ein.

Im Grunde hatte ich an dieser Aktion teilgenommen, weil ich das Engagement, welches Annika an den Tag legt(e), als sehr unterstützenswert empfand UND weil ich das Schreiben liebe. Natürlich, auch das.

Dass ich tatsächlich den zweiten Platz belegen würde, war dann die unerwartete Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Vielen herzlichen Dank der Jury!!!

Mittlerweile trudelte auch mein Gewinn, das Super-Duper-Freundschaftsüberraschungspaket, bei mir ein. Wollt ihr wissen, was ich auspacken durfte?

Nun gut, da hätten wir eine Flasche Hugo (das perlende Lieblingsgetränk der Romanfiguren), eine eigens von Annika kreierte Mischung Freundschaftstee (ich bin immenser Teefan!), dann eine Tafel Freundschaftsschokolade sowie ein Lesezeichen und einen Gutschein für eines der bald erscheinenden Werke der Autorin. Obendrein noch liebe handgeschriebene Zeilen von Annika. Tausend Dank!!! Ich werde sehr gewiss Freude mit diesem wunderbaren und über alle Maßen originellen Freundschaftspaket haben! Muss ich erwähnen, dass ich das mit Liebe zum Detail ausstaffierte Design richtig erfrischend finde?

Also dann, lasst uns anstoßen! Eben mit Hugo oder wahlweise mit einer Tasse Tee. Auf die Freundschaft!



Samstag, 4. Januar 2014

[Ich schreibe] "Ein magischer Moment"

Annika Bühnemann, Autorin des unterhaltsamen Romans Auf die Freundschaft, rief im vergangenen November zu einem Preisausschreiben auf, das meine Aufmerksamkeit sofort gewann. Es ging darum, die aus dem Roman bekannten Figuren in einer kleinen Episode entsprechend in Szene zu setzen.

Nun läutete sie das neue Jahr mit der Bekanntgabe der drei ersten Plätze ein. Ich schließe mich hier an und zeige euch [denjenigen, die ihn lesen möchten] einfach einmal meinen (mit dem zweiten Platz belohnten) Beitrag. Denn so ziemlich mit einem Schlag hatte ich jene magische Eingebung, die sich schlichtweg logisch anfühlte. Diese wiederum auf nur maximal drei Seiten auf den Punkt zu bringen, war dann die zugegebenermaßen größere Herausforderung.

Herzlichen Dank Annika Bühnemann für eine solch schöne Idee! Herzlichen Glückwunsch der Gewinnerin und ein Dankeschön allen Teilnehmern und Juroren! Denn ohne all die an den Tag gelegte Kreativität und Muße eurerseits wäre Annikas Aktion nur halb so lebendig gewesen.



Hier nun also mein Beitrag zum Preisausschreiben:



Auf die Freundschaft – Ein magischer Moment
Kora Kutschbach

Es würde ein Mädelsabend werden, den sie nie – Hannah hatte es mehrfach vehement betont – niemals vergessen würden. Und sie hatte, dem unablässigen Nachbohren ihrer drei Freundinnen zum Trotz, bis zum jetzigen Moment, in dem das Taxi die vier Frauen vor ihrem Lieblingsrestaurant abholte, geschwiegen wie ein Goldfisch. Sie hatte die Lippen versiegelt gehalten.
Die Idee zu jenem, wie sie selbst fand, Abend der Kategorie „Extraklasse“ war ihr kurz nach dem Showdown gekommen, der sich zwischen Claudia und ihrem Ach-so-reumütigen-einst-vom-Staat-angetrauten Ken abgespielt hatte. Nicht nur die beinahe von Claudia gewetzten Filetiermesser, sondern eben auch der in der Luft liegende und zum Schneiden dicke Reizfaktor aus Stress, Entrüstung und grollenden Rachegedanken, die nur sachte verebbten, hatten Hannah zu folgendem Schluss kommen lassen: Die vier Freundinnen – allen voran Claudia – hatten eine Auszeit bitter nötig. Da kam es ihr äußerst gelegen, dass ihr ein Anwaltskollege – zwar nicht gänzlich ohne Hintergedanken, aber immerhin – doch glatt vier Karten der heiß begehrten Mind-blowing Magic Show spendiert hatte. Eine wahnsinnig gute Show voller Illusionen und Knalleffekte, die Claudia, Karin, Maria und Hannah mit Sicherheit in eine andere Sphäre katapultieren würde. Wann, wenn nicht eingetaucht in eine Kulisse wie diese, könnte wohl offenkundiger behauptet werden, alle Probleme würden wie von Zauberhand ausradiert?
Als Hannah dann während der Taxifahrt durch die mit gleißendem Abendlicht gefluteten Straßen das wohl gehütete Geheimnis lüftete, blickte sie in Gesichter, die dem des Gemäldes Der Schrei von Edvard Munch haargenau glichen. Allerdings war der Gesichtsausdruck ihrer drei Begleiterinnen in vollem Umfang der schier sprachlos machenden Begeisterung zuzuschreiben. Nicht einem blanken Entsetzen. Karin schluckte heftig. Marias tellergroßen Augen wurden von einem hektischen Blinzeln geziert. Claudia klappte der Mund auf und zu.
Schließlich fand sie dann doch als erste die Worte wieder: „Hannah, du verrücktes Huhn, ich … ich weiß gar nicht, was ich sagen soll? Du … du bist genial.“
„Weiß ich doch!“, entgegnete Hannah verschmitzt selbstbewusst, „Ehrlich, ihr müsstet euch sehen, Mädels. Zu ulkig. Stellt euch vor, ich hätte uns Karten für die Chippendales organisiert, dann wärt ihr aus der Gesichtslähmung gar nicht mehr herausgekommen.“
„Quatsch, Mind-blowing Magic ist eine Million Mal besser“, schaltete sich jetzt Karin ein, „ich liebe dieses Quäntchen Zauberei, das uns alles um uns herum vergessen lässt.“
Gesagt, getan. Treffender hätte Karin es wohl kaum prophezeien können. Die vier Freundinnen saßen, wenngleich es wenig ladylike wirkte, mit offenen Mündern und in die Stuhlpolster gekrallten Fingern in der ersten Reihe der Show. Sie kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Claudia hatte in der Zwischenzeit die Haltung eines professionellen Skispringers kurz vorm Erreichen des Schanzenendes eingenommen. Fasziniert folgte sie dem Geschehen auf der Bühne. Bis ...
„Lady. … Lady? Ja, Sie!“
Jetzt fühlte Claudia sich tatsächlich angesprochen und von zwei stahlblauen, mystisch wirkenden Augen förmlich durchbohrt. Sie schluckte, stand – wie von einem Puppenspieler geleitet auf –, zupfte sich ihren Blazer zurecht, warf ihr Haar in den Nacken und lächelte ihrem Gegenüber freundlich zu.
„Dürfte ich Sie vielleicht mit zu mir auf die Bühne bitten?“, fragte Dylan, ihr charismatischer Gastgeber des Abends, mit bestechend sympathischem britischen Akzent.
„Ja, natürlich. Gern.“ Mehr Worte kamen Claudia nicht über die Lippen. Schwebte sie?
„Lady, mit wem habe ich das Vergnügen?“, hakte Dylan interessiert nach.
„Mein Name ist Claudia.“
„Sie meinen Claudia wie Claudia Schiffer? Dann darf ich mich heute Abend wahrhaftig wie der große David Copperfield fühlen.“ Ein erheitertes Raunen ging durch den Saal. Claudia lächelte noch ein wenig breiter, während ihre Freundinnen ihr eifrig zuwinkten. Träumte sie?
„So, liebe Claudia, ich habe mir in den Kopf gesetzt, diesen Abend für Sie zu einem unvergesslichen zu machen“, holte Dylan vielsagend aus. „Wie wäre es, wenn wir gemeinsam ein Experiment wagen würden? Was meinen Sie?“
„Ja. Sehr gern“, entgegnete Claudia noch immer etwas perplex.
„Perfekt.“
Daraufhin bat Dylan Claudia, sich eine ihrer Jugendsünden bildlich wieder in Erinnerung zu rufen. Ooo-kay, dachte sie leicht irritiert. Claudia musste jedoch gar nicht lange überlegen. Augenblicklich schweiften ihre Gedanken zu diesem vermaledeiten Tattoo, das seit ihrer Verlobung mit Ken den Ansatz ihres großen Zehs am linken Bein zierte. Damals hatte sie wahrhaftig an die ewige Liebe geglaubt und sich Kens Namenszug in Form eines Zehenrings in die Haut stechen lassen. Lächerlich. Und spätestens seit ihrer Trennung eine Schmach bei jeder Pediküre, wenn die Kosmetikerin sie auf diesen originellen Liebesbeweis ansprach.
Jedenfalls wusste Claudia nicht erst seit heute, dass dieses Tattoo ebenso penetrant lästig war wie Kens ausufernden Märchenstunden. Vor ihrem geistigen Auge erschien nun also ihr tätowierter Zeh. Dylan bat sie jetzt das Bild in ihrem Kopf auf ein Blatt Papier zu skizzieren, es zu signieren und das Blatt anschließend in ein Kuvert zu stecken. Während das Kuvert von einer hübschen Assistentin in Gewahrsam genommen wurde, baute sich Dylan vor Claudia auf und schaute ihr tief in die Augen.
„Claudia, bitte stellen Sie sich jetzt vor, wie die von Ihnen aufgezeichnete Jugendsünde ihr Leben verändert hat!“
Ruhe im Saal. Claudia glaubte, jeder einzelne Zuschauer hätte ihren hämmernden Herzschlag hören können.
„Denken Sie nun fest daran, wie es gewesen wäre, hätten Sie damals rechtzeitig die Notbremse gezogen!“
Claudia schaute Dylan in die Augen. Mit höchster Konzentration. Während der Magier weiterhin gebannt in Claudias Augen sah, begann er allmählich sich seiner eigenen Schuhe und dann der Strümpfe zu entledigen. Anschließend ging er langsam in die Hocke und legte seine Hände auf ihre auberginefarbenen Pumps. Claudias Blick war auf Dylans Hände fixiert. Ihre Kinnlade klappte nach unten. Ganz unwillkürlich. Doch dann besann sie sich, dass nicht nur der Scheinwerfer, sondern mindestens 3.000 Augenpaare auf sie gerichtet waren. Abrupt schloss sie ihren Mund, konnte es allerdings nicht lassen, sich nervös auf die Unterlippe zu beißen.
Sekunden später stand Dylan erneut lächelnd vor Claudia und forderte sie auf, das Geheimnis um ihre nun „verblichene Jugendsünde“ zu lüften. Die Assistentin reichte ihr das Kuvert und Claudia förderte das Blatt Papier mit ihren nicht gerade preisverdächtigen Zeichenkünsten zutage. Nichtsdestotrotz waren ein Fuß samt Körperbemalung ansatzweise klar zu erahnen. Mit etwas Fantasie allemal.
Nun meinte der Magier, Claudia solle bitte einmal ihre Pumps, dann ihre Nylonstrümpfe ausziehen und dem Publikum das Original der Sünde präsentieren. Gespannt folgte sie in Windeseile den Anweisungen. Dann stockte ihr der Atem. Schockschwerenot. Das Tattoo war verschwunden. Nicht mehr da. Weg! Claudia hatte alle Mühe, dass sie jetzt nur nicht in Schnappatmung verfiel. Unfassbar. Wie in Stein gemeißelt stand sie auf der Bühne und starrte auf ihren Fuß.
Was sie seit Ewigkeiten mehr oder weniger erfolgreich versucht hatte, war Dylan binnen Sekunden gelungen. Er hatte Ken aus Claudias Leben ausradiert. Endgültig. Ohne großes Tamtam. Schlichtweg nicht zu glauben. Claudia fehlten die Worte, während es ihre Freundinnen nicht mehr auf den Stühlen hielt. Sie johlten, pfiffen und klatschten in die Hände als stünden leibhaftig die Chippendales vor ihnen auf der Bühne. Nein, das hier war besser. Viel besser. Phänomenal.


Mittwoch, 4. Dezember 2013

[Blogtour] Auf die Freundschaft!

In diesem Jahr gelang es Annika Bühnemann mit Auf die Freundschaft, ihrem lebhaften Debütroman, auf Anhieb, einer Vielzahl von Leser(innen) ein paar quietschfidele Lesestunden zu bereiten. Ein Senkrechtstart, der den früheren Ambitionen der Autorin, Popstar zu werden, recht nahe kommt.

Und wie es sich für einen schreibenden Popstar nun einmal gehört, gebührt ihm ebenso eine zünftige Tour, richtig? Richtig!

So kam es, dass ihr als Leser in den vergangenen Tagen bereits Teil einer BLOGTOUR werden konntet. Annika Bühnemann hat uns allen bereits einen kunterbunten Einblick in ihre Freude am Schreiben gegeben und uns exklusiv hinter die Kulissen von Auf die Freundschaft schauen lassen. 


Hier nun ein Blick auf die Protagonistinnen, mit denen sich Annika Bühnemann während ihrer Arbeitszeit als Autorin vergnügen durfte:

Wer sind die vier Frauen, deren Leben mit Claudias Umzug nach Deutschland vollends auf den Kopf gestellt wird?

Da wäre zum einen eben Claudia: Mutter eines Sohnes im besten Teenageralter und Ehefrau eines (offensichtlich) chronischen Fremdgängers. Zu gern hätte sie an das perfekte Familienglück geglaubt, sieht jetzt allerdings eine Chance im Neustart ohne Ehemann. Doch so gänzlich ohne Mann an ihrer Seite fühlt sich Claudia dann auch nicht rundum behaglich ...

Claudia zur Seite stehen ihre besten Freundinnen: Hannah — resolute Anwältin, kein Kind von Traurigkeit, was die Suche nach ihren Partnern betrifft, und mit einer gehörigen Portion Zynismus ausgestattet. Karin — stets auf Harmonie bedachte Mutter einer ganzen Rasselbande, eher konservativer Natur und kein großer Fan von Hannahs Lebensphilosophie. Maria — eine herzliche Südländerin, glücklich verheiratet und vom vehementen Wunsch einer eigenen Familie, der sich einfach nicht erfüllen will, beinahe in die Verzweiflung getrieben.

Doch nun wird es Zeit, dass die Hauptfiguren des viel besprochenen Romans einmal selbst zu Wort kommen, meint ihr nicht?

Aus genau diesem Grund gibt es jetzt für euch ein paar verbale Schmankerln aus dem reichlich mit humorigen Anekdoten und triftigen Lebensweisheiten befüllten Nähkästchen Claudias und ihrer Mädels. 

Fühlt euch nun herzlich eingeladen in Erinnerungen an die Reise der vier Frauen zu schwelgen oder anderseits so richtig neugierig zu werden auf dieses herrlich herzliche Quartett! Denn wenn etwas versprochen werden kann, dann eine Achterbahnfahrt an Gefühlen, die ein Anschnallen ratsam macht.


☆


Auf die Freundschaft à la Claudia & Hannah, Karin & Maria

Ein Auszug aus dem Tagebuch der Freundinnen könnte sich wie folgt lesen ...


Am Anfang stand die berechtigte Frage:

„Habt ihr überhaupt keine Selbstachtung?“ 

(Karin, S. 23)


Natürlich, doch Frau ist durchaus gewillt, Opfer zu bringen:

"Ich atmete ein letztes Mal für diesen Abend tief ein, sog allen Sauerstoff der Umgebung in meine Lungen, hielt kurz inne und pustete alle Luft wieder hinaus aus meinem Körper. Als meine Lungen leer waren, konnte ich den Reißver schluss schließen. Dr. Wantisek würde einen Winkelschlei fer brauchen, wenn er nachher mein Kleid wieder öffnen wollte."

(Claudia, S. 27)


Denn:

"Ich konnte mir Dr. Wantisek auch gut als Bürgermeis ter vorstellen. Oder als Bundeskanzler. Oder als Weltpräsident. Ein Weltpräsident mit einer adretten Frau in einem en gen roten Kleid, in dem man nicht atmen konnte."

(Claudia, S. 35)


Wie kam es allerdings, dass dieser Einsatz mit einem Anblick wie dem Folgenden "belohnt" wurde?

"Der Direktor des Gymnasiums stand in einer roten Unterhose vor mir, mit einer Weihnachtsmütze als Auswölbung. Außerdem trug er einen roten Weihnachtsmannmantel und auf dem Kopf eine entsprechende Mütze." 

(Claudia, S. 61)


Tja, ...

"Auf der „Haben“-Seite stand definitiv, dass er ein toller Mann war, der meinen Musikgeschmack teilte und genug erlebt hatte, um nicht zu viel von einer Frau zu erwarten, aber noch nicht genug, um ein Leben lang verbittert zu sein." 

(Claudia, S. 72)


Nun dann, ...

"Natürlich wusste ich im Prinzip genau, was mir fehlte, aber ich wollte es nicht wahr haben: Ein bisschen mehr Twilight und weniger Brockhaus. Ich wollte Funken sprü hen sehen, sich verzehrende Körper in ekstatischen Bewe gungen, Abenteuer, Liebe." 

(Claudia, S. 72)


Doch es stimmte wohl, ...

„Liebe macht immer alles kompliziert.“ 

(Hannah, S. 24)


Und ...

„Wenn es Liebe ist, dann weißt du es. Du spürst diese Verbindung zwischen dir und ihm wie ein unsichtbares Band, das euch verbindet, egal, wie weit ihr voneinander entfernt seid. Du würdest alles aufgeben für ihn, mit der Gewissheit, dass er für dich das Gleiche tun würde und du hast das Gefühl, nicht ohne ihn leben zu können. Er ist die Luft, die du atmest und der Grund, warum du existierst.“ 

(Maria, S. 65)


Unter uns, es fühlte sich gut an und ich sah es förmlich vor mir:

„Zehn!“
Nächstes Jahr würde sich viel ändern.
„Neun!“
Ich würde eine öffentliche, feste Beziehung mit Lutz führen.
„Acht!“
Vielleicht könnten wir im Laufe des Jahres bei ihm ein ziehen.
„Sieben!“
Und wenn das klappte, vielleicht würden wir uns ein ei genes Haus kaufen.
„Sechs!“
Ein Haus mit Kamin und Garten.
„Fünf!“
Ein Haus mit Kamin und kleinem Garten, dafür aber ei ner großen Terrasse für mich und die Mädels für die lauen Sommernächten bei einem Glas Hugo.
„Vier!“
Es würde ein gutes Jahr werden.
„Drei!“
Maria würde bestimmt schwanger werden.
„Zwei!“
Hannah und Karin würden ihr Leben vermutlich genau wie jetzt aussehen lassen.
„Eins!“
Und ich würde einen tollen Mann an meiner Seite ha ben und einen neuen Lebensabschnitt beginnen.
„Frohes neues Jahr!“

(Claudia, S. 71)



So weit, so gut. Doch mal ehrlich, ...


"Ob Mutter Teresa auch mal eine Midlife-Crisis gehabt hatte? Hatte sie auch mal einer Freundin zugeraunt: 'Stell dir vor, was gewesen wäre, wenn ich damals mit diesem Mann aus gegangen wäre?"

(Claudia, S. 142)


Wie dem auch sei. Meine Gedanken kreisten in diesem Moment nur um diese eine Frage:

"Wie viel bekam man eigentlich für Mord und galt ich in meinem Zustand als zurechnungsfähig? Vielleicht sollte ich Hannah mal fragen." 

(Claudia, S. 162)


Man mochte es kaum glauben, doch ...

"Es klang wie in einem schlechten Film, in dem man der Protagonistin zurufen will: Tu es nicht, er ist es nicht wert! Aber mir rief niemand etwas zu." 

(Claudia, S. 91)


(M)eine Welt brach zusammen:

"Dort, wo mein Herz noch vor ein paar Stunden gewesen war, klaffte ein schwarzes, schmerzendes Loch, das ich mit Kaffee zu füllen versuchte."

(Claudia, S. 173/174)


Jetzt galt es einen kühlen Kopf zu bewahren und Pläne der Revanche zu schmieden. Eindeutig zweideutig, wie wir Mädels es liebten:

„Der Burger wird gebraten“, schrieb ich als Rundmail und grinste breit.
„Ich mag mein Fleisch am liebsten blutig“, antwortete Hannah.“

(S. 182)


Aber "psst", denn ...

„Du musst den Menschen nur sagen, dass es ein Ge heimnis ist. Dann verraten sie es auf jeden Fall jeman dem.“

(S. 195)


Doch uns gelang es, das durchzuziehen, was wir uns vorgenommen hatten. 
Wir konnten eben aufeinander zählen! Denn wir wussten es alle:

„Freundschaft ist so etwas wie Liebe mit Verstand. Von Sabine Sauer.“

„Auf die Freundschaft!“

(S. 210)



☆


Mehr Wissenswertes und Amüsantes zu Auf die Freundschaft gibt es natürlich auch bei den anderen Gastgebern dieser BLOGTOUR rund um Annika Bühnemanns Debüt. Schaut doch einfach einmal vorbei bei:

Kerstin — Gastgeberin vom 01.12.12

Nina — Gastgeberin am 02.12.12

Liesa — Gastgeberin vom 03.12.12 



          



Gewinnspiel*

Solltet ihr euch nun angesprochen fühlen, mit den vier liebenswert chaotischen Freundinnen unbedingt ein paar Stunden verbringen zu wollen, dann habt ihr JETZT die Möglichkeit in den Lostopf für EINES von vier Exemplaren des Buches, welche die Autorin spendiert, zu hüpfen.


                       


Kommentiert dazu unter diesem Blogbeitrag einfach die folgende Frage (und vergesst bitte nicht, eine Kontaktmöglichkeit zu hinterlassen, sodass ihr im Gewinnfall benachrichtigt werden könnt):

Was ist für euch und euren Freundeskreis eine typische Gepflogenheit, eine nicht mehr zu missen wollende Tradition, ein Muss, bei euren Zusammenkünften? 

Die im Anschluss an die BLOGTOUR ausgelosten Gewinner werden von Annika Bühnemann via Videobotschaft auf ihrer Facebook-Seite bekanntgegeben.


In diesem Sinne: 

Auf die Freundschaft & euch viel Glück für die Teilnahme am Gewinnspiel!





* Kleingedrucktes:

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Versand des Buches erfolgt durch die Autorin Annika Bühnemann. Der Gewinner/die Gewinnerin wird offiziell in einer Videobotschaft der Autorin auf Facebook bekanntgegeben und wird über die im Blogkommentar hinterlegte Kontaktadresse benachrichtigt. Eure Adresse, die ich in Erfahrung bringe und anschließend an Annika Bühnemann weiterleiten werde, wird zu keinem anderen Zweck verwendet als dem Versand des gewonnenen Buches. Ihr müsst mindestens 18 Jahre alt sein, um an der Verlosung teilnehmen zu können, andernfalls benötige ich eine Einverständniserklärung eurer Eltern per E-Mail. Um an dem Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr nicht zwangsläufig Leser meines Blogs sein, allerdings ist ein ehrliches Interesse an dem Buch sehr wünschenswert.


[Bildrechte: Annika Bühnemann]


Donnerstag, 22. August 2013

[Rezension] Auf die Freundschaft (Annika Bühnemann)

Annika Bühnemann: Auf die Freundschaft 

Was gibt es Passenderes als im Monat August einen erfrischenden Roman zu lesen, der kurzweilige Unterhaltung garantiert? 
Als mich Annika Bühnemann in einer sehr netten, alles andere als aufdringlichen E-Mail auf ihr Debüt aufmerksam gemacht hat, musste ich nicht lange überlegen, um zu der Entscheidung zu kommen, "Auf die Freundschaft" lesen zu wollen. Immerhin spricht für mich nichts gegen eine aufgeweckte, sympathische Lektüre, deren Effekt in mit guten Schmunzlern gespickten Lesestunden besteht. Ziemlich mein Metier, also her mit dem eBook und vielen Dank an die Autorin!


~ Rezension ~

Frauenpower ohne Wenn und Aber

Claudia lebt mit ihrer kleinen Familie in den USA, seit es sie vor Jahrzehnten dorthin verschlagen hat. Doch dieses Glück hat ein jähes Ende, als sie ihren Ehemann Ken in flagranti erwischt – zum wiederholten Mal. Daraufhin macht Claudia kurzen Prozess und zieht mit ihrem Sohn Mike zurück nach Deutschland. Dort findet sie Halt bei Karin, Hannah und Maria, Freundinnen voller Elan und Kraft, aber ebenso ausgestattet mit ganz eigenen Lastern und Lasten. Gemeinsam marschieren die vier Frauen durch dick und dünn. Und besonders dick kommt es, als eines Tages Ken bei Claudia aufschlägt und hoch und heilig schwört, sie gegen nichts und niemanden in der Welt eintauschen zu wollen. Nun ist guter Rat teuer, denn Claudia muss sich entscheiden.

Mit Auf die Freundschaft debütierte Annika Bühnemann als Schriftstellerin und ihr gelang damit ein Einstand mit hohem Unterhaltungswert, der sich sehen lassen kann.

Aufgefallen ist mir sofort der beschwingte, unkomplizierte und sehr nahbare Erzählstil der Autorin, mit welchem sie ihre quirlige, humorvolle und wendungsreiche Geschichte versehen hat. Nicht auf leisen Sohlen, sondern unmittelbar auf den Punkt gebracht, mit einem guten Schuss Situationskomik abgeschmeckt und energiegeladen erzählt Annika Bühnemann die Geschichte ihrer lebenserfahrenen, anlehnungsbedürftigen und zugleich resoluten Protagonistin.

Dadurch dass der Hauptfigur drei weitere recht unterschiedliche und zugleich deutlich stereotype Charaktere an die Seite gestellt werden, die der Handlung Esprit, Witz und eine gewisse Dramaturgie verleihen, werden verschiedene Handlungsstränge angeschnitten. Dass jede der Frauen ihre eigene kleine Welt zu verteidigen und aufrechtzuerhalten hat und damit jeweils die Unvorhersehbarkeit des sich entwickelnden Spannungsbogens zu eigenen Teilen beeinflusst, bereicherte den gesamten Werdegang meines Erachtens nach sehr akzentuiert.

Die Ausgangslage der Geschichte fordert eine unübersehbare Klischeehaftigkeit nahezu. Diese wurde von der Autorin angenehm aufgefächert und mit Spritzigkeit in die Geschichte eingebracht, wobei eine deutliche Sprache gesprochen wird und Erwartungen an einen humorigen Unterhaltungsroman erfüllt werden. Ausufernde Tiefenschärfe oder umschweifende Schnörkel werden nicht angestrebt. Vielmehr werden Werte wie Aufrichtigkeit, Loyalität und unerschütterlicher Zusammenhalt mit einem Augenzwinkern im Nachklang explizit herausgestellt.

Alles in allem ein Roman, der zu unterhalten weiß. Dynamische Gefühls- und Szenenwechsel, eine ausgeklügelte Bandbreite an Figuren sowie eine Vielfalt an Wendungen sorgen für die Frische, die dem oftmals genüsslich beschriebenen Glas Hugo gleichkommt.

F★ZIT: Gewitzt. Sprudelnd. Wirklichkeitsnah.