"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Samstag, 30. Juli 2016

[Schreibzeugkiste] Ein Freund, ein guter Freund...

In Anlehnung an den internationalen Tag der Freundschaft — Sollte nicht jeder Tag ein solcher sein? — hier ein kleiner Auszug aus meinem momentanen Herzensmanuskript Contemporary. 

Außerdem natürlich in diesem Zusammenhang unbedingt auch ein großes Dankeschön an all meine wunderbaren Freunde, die ich an meiner Seite und in meinem Herzen wissen darf! Und an all die großartigen Autoren dort draußen, deren Protagonisten für uns Leser zu unvergesslichen (fiktiven) Freunden werden.

So, jetzt aber, Bühne frei und auf die Freundschaft!


[...] Sie konnte gar nicht genug davon bekommen, in die Feinheiten und Verrücktheiten des Möglichen einzutauchen. Wobei besonders das Kratzen am auf den ersten Blick Unmöglichen noch viel großartiger war. Dieses Außer-Rand-und-Band-Sein war purer Genuss. Nichts und niemand engte sie ein. Für ein paar Stunden gab es keine Barrieren, keine Limits, keine Bedenken. Jede Herausforderung war eine Köstlichkeit, und Rose griff ausgiebig zu – Nachschlag inklusive. Oft feilte sie mit Devon bis in die frühen Morgenstunden an einer Choreografie. Anschließend stellte sie sich erschöpft, aber glücklich unter die Dusche und machte sich dann auf den Weg zur Schule.

Devon war das sie ideal ergänzende Gegenstück. Er war filigraner Techniker und kreativer Kopf in einem, beharrlich und energisch. Rose ihrerseits bestach durch Konsequenz, Eleganz und Einfühlungsvermögen. Wenn sie sich zur Musik bewegte, glich das getanzter Poesie. Es schwebte eine Atmosphäre durch die Luft, die greifbar war. Die beiden Arm in Arm auf der Tanzfläche konnten eine Stimmung kreieren, die Raum und Zeit vergessen ließ. Mal verkörperten sie die totalen Gegensätze, mal die innigste Einheit. Selbst ein Blinzeln wäre zu viel gewesen, weil man Angst haben musste, etwas Einmaliges zu verpassen. Sie waren ein unschlagbares, wagemutiges Team, das sich wortlos verstand. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne und träumten von Größerem. Devon war es, der Rose die Augen geöffnet und ihr gezeigt hatte, dass Tanzen mehr ist, als ein Mittel, sich und den eigenen Gefühle Ausdruck zu verleihen. Er rückte ihre Perspektive ins rechte Licht. Er war der Erste, der sie und ihr Talent anspornte. Dank Devon konnte sich Rose vorstellen, noch einen Schritt weiterzugehen. [...]

© Kora Kutschbach, 2016

P.S.: Was meint ihr? Lasst es mich gern wissen!


Sonntag, 14. Februar 2016

[Schreibzeugkiste] {Spezial} Es sollten immer #Herzenstage sein

Passend zu den an diesem Wochenende zu Recht eifrigst gefeierten Herzenstagen UND zum Valentinstag hier ein kleiner Auszug aus einem meiner aktuellen Herzensprojekte mit dem Titel Contemporary. Denn ich finde, das ist, obwohl im Grunde jeder Tag ein Herzenstag sein sollte, ein wunderbarer Zeitpunkt, um kleine Herzensfreunden miteinander zu teilen. Was denkt ihr? ♡

Alles unredigiert.

Alles aus meiner kleiner Schreibwerkstatt.

Alles Liebe,
Kora


[...]

Sie, Rose Garden, hätte nie geglaubt, dass ihr das jemals passieren würde. Das alles. Weder das eine noch das andere. Schließlich war sie pragmatisch veranlagt und glaubte schon längst nicht mehr an Dinge, von denen viele junge Frauen in ihrem Alter träumten. Dazu zählte eben auch die Liebe. Die Liebe, die einen Hals über Kopf erfasst, über beide Ohren erfüllt und das eigene Leben erst komplett macht. Liebe, die Traumfabriken in Hollywood in den schillerndsten Farben ausmalen, um die Kinokassen klingeln zu lassen. Liebe, der verklärte Romantiker hinterherjagen wie der Beagle dem Hasen. Ebenjene Suche nach Mr. Right, ebendieses Warten auf den Blitz, der einen möglicherweise, eventuell, vielleicht irgendwann einmal trifft, tat sie mit einem nüchternen Lächeln ab. Wozu sich in eine Sache hineinsteigern, die letztlich für Traumtänzer und nicht für Realisten wie sie gemacht war?

Doch – so unglaublich es klingen mochte –, vor dreizehneinhalb Monaten war ihr genau diese Liebe begegnet. Genauer genommen war er, Jo, ihr begegnet. Oder besser: wieder begegnet. Denn die beiden kannten sich praktisch schon ein halbes Leben lang. Schließlich waren sie gemeinsam zur Schule gegangen. Hatten sich allerdings anschließend mehr oder weniger aus den Augen verloren. Hatten nur sehr sporadisch, und dann eher flüchtig, den Kontakt aufgefrischt. Als mehr konnten die Handvoll Kurznachrichten in all den Jahren wohl kaum verbucht werden.

Dann sind sie sich aber eines morgens durch einen absurden Zufall – oder, wie Jo es zu nennen pflegte, den Wink des Schicksals – in der U-Bahn wieder über den Weg gelaufen. Binnen fünf Minuten hatten sie sich derart in ein Gespräch vertieft, dass Jo seine Station verpasst und im selben Atemzug sein Herz an die Frau mit den geheimnisvoll moosgrün schimmernden Augen verloren hatte. Rose erging es nicht anders. Auch für sie verschwamm all das Übrige: Der ältere Herr im Trenchcoat, der wie jeden Morgen eine Station nach ihr einstieg. Der energisch Kaugummi kauende Teenager mit Stöpseln in den Ohren, obwohl er mit seiner Musik das gesamte Abteil beschallte. Die Frau mit strenger Hochsteckfrisur, auffällig geschminkten Lippen und perfekt manikürten Fingernägeln, die ihre Aktentasche angespannt umklammerte. Sie hatte all jene Menschen längst ausgeblendet. Diese Menschen, die, wären sie nur ein wenig aufmerksamer gewesen, Zeugen etwas ganz Besonderen hätten werden können. 

Zoom! Es hatte Rose erwischt. Das wusste sie. Wenngleich ihr auch dieses Klischee alles andere als schmeckte, so wusste sie es sofort: Jo war nicht irgendeiner, nicht ein anderer oder ein Nächster. Sondern er war der Eine. Und zum ersten Mal in ihrem Leben kämpfte sie nicht unwillkürlich gegen das Offensichtliche an. Dieses Mal würde sie ihre Gefühle zulassen. Von Stunde null an. Ganz so, als würde sie tanzen. Heruntergeschluckte Gefühle machten die Welt nicht schöner und einen selbst nicht glücklicher. Wenn Rose eines gelernt hatte, dann das. Auf die harte, bis heute nicht verheilte Tour hatte sie das erfahren. Ein Grund mehr, es zu wagen. Schließlich sollte all das, was hinter ihr lag, nicht umsonst gewesen sein.

Wie konnte es also sein, dass nun, nach nur einem gemeinsamen Jahr, alles wieder vorbei war? Dass ihr nach dieser viel zu kurzen Zeit alles wieder genommen worden war? 

[...]


© Kora Kutschbach, 2016



Dienstag, 15. Dezember 2015

[Schreibzeugkiste] Hinter den Kulissen eines Romanes lesend

Buchblogger zu sein, hat viele schöne Seiten. So viele, dass sich darüber vermutlich selbst einige Seiten oder gar ganze Bücher füllen ließen. Die Begeisterung fürs gedruckte Wort, fürs Lesen, fürs Geschichtenerzählen miteinander zu teilen, ist für mich eine der besonders hübsch illustrierten und kolorierten Seiten dessen. 

Und noch etwas. Etwas ganz Großes. Und wirklich Unbezahlbares. Etwas, das sich nicht rezensieren, tweeten oder fotografieren lässt.

Wenn ich als Leser zu Sherlock Holmes werden darf

Es ist Vertrauen. Das Vertrauen, das ich seitens Autoren erfahre, die mir – weit vor Veröffentlichung – einen Einblick in ihre Skripte gewähren. Mich dort auf Spurensuche gehen lassen und dann nach meinem Eindruck, meiner Meinung fragen. Ganz ehrlich, das sind Erfahrungen, für die ich wohl nie oft genug danke sagen kann. Denn wie häufig kommt man als Bücherwurm schon die Gelegenheit, ein Buch – vielleicht sogar sein neues Lieblingsbuch – von klein auf wachsen zu sehen? 

Normalerweise treffen wir doch auf die Bücher, nachdem sie die Generalprobe erfolgreich absolviert haben und fein in Szene gesetzt aus der Maske kommen, bereit für den Auftritt im Rampenlicht der Büchertheken.
Aber die ersten, vielleicht noch unsicheren Schritte, die mehr oder weniger ernsthaften Kinderkrankheiten und das gute Zureden hinter den Kulissen bekommen wir üblicherweise nicht mit. Umso großartiger und unvergesslicher sind für mich die Stunden, die ich mit Charakteren, von denen ich spüre, dass sie das Zeug dazu haben, die Welt und die Leserherzen gleichermaßen zu erobern, vorab verbringen darf. Ich meine, hey, ich bin weder Literaturagent noch Verlagsscout oder Lektor. Aus diesem Grund ist es für mich keinesfalls an der Tagesordnung, mich von zukünftigen Publikationen umgeben zu wissen. Ich bin lediglich Leserin. Eine von vielen. Vielen hundert, tausend oder zehntausend. Mit diesem Bewusstsein im Kopf und Herzen fühle ich mich umso geehrter, eben diese grandiose Erfahrung an der Seite eines Schriftstellers, dessen Arbeit und Persönlichkeit ich schätze, machen zu dürfen.

Wir alle kennen dieses Gefühl, wenn wir uns die Euphorie packt, weil wir uns in eine Idee verliebt haben. Seien dies nun die schillernd bis verrückten Vorstellungen einer Urlaubsplanung, eine Veränderung im Job oder eben eine Romanidee. Und ebenso kennen die meisten von uns sicher auch diese knirschende Unsicherheit und das penetrante Hadern, wenn es darum geht, der Vorstellungskraft Taten folgen zu lassen. Denn: Was, wenn … oder vielleicht sollte ich ja noch einmal darüber schlafen … oder ... ach, nein … oder doch?

Wenn mir also ein Autor von seinen Ideen, Plänen, Zweifeln erzählt und mir dann gar sein Buchbaby anvertraut, noch bevor es krabbeln, sitzen, geschweige denn laufen kann, ist das für mich einfach nur ein Ritterschlag. Das mag für den einen oder anderen möglicherweise etwas überspitzt klingen, entspricht jedoch voll und ganz meiner Überzeugung.

In diesem Sinne: Ein großes respektvolles Dankeschön an all die Autoren, die mit uns (bloggenden) Lesern auch ihre ungeschliffene, unlektorierte und eventuell noch nicht coverbildtaugliche Seite teilen. Chapeau! Denn wie sang bereits eine nicht völlig unbekannte Boyband vor einigen Jahren? "Don't need make-up to cover up. Being the way that you are is enough." Passt, wie ich finde. 


Dienstag, 24. November 2015

[Schreibzeugkiste] Wie der Klassiker eines Spoilers für Entzücken sorgt

Wie durch ein Wunder strandet für immer der Deine in Safe Haven ...

... und schon ist es um uns geschehen. 💙

Herzensangelegenheiten sind unbestreitbar etwas sehr Schönes, um nicht zu sagen etwas Essentielles! Es ist demzufolge keine Überraschung, dass es eine Vielzahl begeisterter bis rührselig angehauchter LeserInnen gibt, die sich dem Bann des Hoffnungsvollen bis hoffnungslos Romantischen nicht entziehen können. (Und an diesem Punkt möchte ich mich gar nicht ausnehmen. Nur fürs Protokoll.) 

Noch lebendiger werden diese Geschichten dann, wenn sie von Könnern des Faches auf die Leinwand gebracht werden. Wenn der (Buch-) Zauber dabei noch immer nicht verfliegt, muss es wohl Liebe sein, oder?

Als ich beispielsweise Ben Sherwoods The Death and Life of Charlie St. Cloud (Wie durch ein Wunder) zu ersten Mal gelesen habe, war ich augenblicklich begeistert. Ich bin seither Fan des Buches. Etwa zwei Jahre später las ich es dann nochmals. Und als ich von der Verfilmung des Werkes erfuhr, blieb mir nichts anderes übrig, als mir die DVD ebenfalls zuzulegen. (Okay, die Rollenbesetzung war nun nicht gerade von Nachteil. Doch dies soll hier nichts zur Sache tun.)

Aber woran liegt es nun, dass wir uns als Leser/Zuschauer stets auf Neue vom doch irgendwie schon Offensichtlichen mitreißen lassen? Ich meine, hey, man muss nur einen Blick auf die DVD-Cover und Filmposter werfen, um zu wissen, wohin der Weg führt. Selbst Josh Duhamel, Hauptdarsteller in Safe Haven, merkte in einem Interview scherzhaft die "Originalität" des Plakates zu seinem Film an, in dem er an der Seite von Julianne Hough spielt.

Doch wahrscheinlich ist es genau dieser herzerwärmende Ausblick auf ein (hoffentlich nicht allzu kitschiges) Bilderbuch-Happy-End, der zieht, wenn es darum geht, den nächsten Kinobesuch oder Filmeabend mit Herzschmerzgarantie und Taschentuchalarm zu planen. Aller Vorhersehbarheit zum Trotz bleibt das Publikum gespannt.

Spoiler, die zum Seufzen verleiten 🎬

In gleichem Maße, in dem mir die Darstellungen der Filmposter als Einzelbilder zusagen, lassen sie mich schmunzeln, wenn ich sie als eines von vielen Covern betrachte. Ein ulkiges Déjà-vu blitzt auf, wenn die Covergeschwister zum Familientreffen laden: ein verliebtes Paar im glitzernden Sonnenlicht oder wahlweise gern auch im strömenden Regen. 
Setzen die Macher nun auf Altbewährtes? Mangelt es an Einfallsreichtum? Würden mögliche Alternativen der gewünschten Magie der großen Liebesgeschichte den Todesstoß versetzen? 

Näheres wissen wir nicht. Allerdings bleibt festzustellen, dass wir es gern hinnehmen, wenn uns von Filmplakten und DVD-Covern die romantischsten Spoiler entgegenlächeln. Denn seien wir ehrlich: Irgendwie gehört ein solcher Teaser zum Bis-ans-Ende-der-Welt-und-darüber-hinaus-Gesamtpaket. Der cholerische Widersacher mit pulsierender Halsschalgader gehört an dieser Stelle verbannt. Es genügt schließlich, wenn er im dramaturgischen Spannungsbogen immer wieder seine Finger im Spiel und damit das neu gefundene Glück so gut wie auf dem Gewissen hat. Oder?


Dienstag, 1. September 2015

[Schreibzeugkiste] Roadmovie-Lektüre. Oder: Wohin des Weges?

Ein Gefühl von Unabhängigkeit mischt sich mit einem Hauch von Verwegenem und wird durch eine frische Brise Entdeckertum erst so richtig vorangetrieben.

Wer bereits einmal zu einem Roadtrip aufgebrochen ist (oder zumindest schon ausgiebig davon geträumt hat, dies zu tun/zu wagen), kennt dieses heitere Kribbeln, neugierige Flirren und ehrliche Lächeln auf den Lippen, wenn das Neue, das noch Unbekannte zu einer fabulösen Konstanten wird, die einen begleitet.

Für mich persönlich werden in diesem Zusammenhang immer sofort die Erinnerungen ans Trampen und "Road Tripping" in Neuseeland wach. Erlebnisse, die oft unvorhergesehen und dafür wahrscheinlich auch intensiver waren als manch anderer Moment.

Ansteckendes Reisefieber — eine willkommene Diagnose  

Glücklicherweise ist das Schreiben von einladenden Romanen im Roadmovie-Stil nun international echt angesagt. Irgendwie wenig verwunderlich. Schließlich ist das Weltenbummeln eine zeit- und grenzenlose Thematik, die immer wieder aufs Neue Spielraum für groß- und andersartige Geschichten bietet. Für mich, mit einem Faible für genau solche Lektüre, ist das also ein, wie sagt man so schön, gefundenes Fressen. Was folgt, ist eine kleine Auswahl an Romanen, die durchaus das Zeug zu einem waschechten Roadmovie hätten ...

Ob Britta Sabbag mit ihrem Stolperherz und Adriana Popescus Ein Sommer und vier Tage oder Amy & Roger's Epic Detour von Morgan Matson und Eine Woche, ein Ende und der Anfang von allem aus der Feder von Nina LaCour — was diese Bücher und all ihre Geschwister gemein haben, ist ihre raffinierte Art und Weise, ihre (jungen) Leser zum Träumen mit offenen Augen einzuladen. Sie mögen die unterschiedlichsten Charaktere, Lebensumstände und Settings fokussieren, doch ihre gemeinsame großartige Botschaft ist eindeutig: 

Lest ... träumt ... reist SELBST! 

Und ebenjenes Gefühl der angenehm offensiv unterschwelligen Aufforderung ist es, was ich an Büchern mit diesem Augenmerk so mag. Sie stiften — ungeachtet ihrer unterschiedlichen Handlungsstränge — geradezu an, die eigene Begeisterungsfähigkeit fürs Reisen, Entdecken, Erleben zu schüren. Immerhin lernt man bei einer solchen Unternehmung nicht nur Land und Leute, sondern vor allem auch sich selbst noch ein wenig mehr kennen. Umso lohnenswerter scheint es, sich in den VW-Bus, auf die Vespa oder in die Familienkutsche zu schwingen und, dem Herzschlag folgend, den Moment zu genießen.

Mit dieser Erkenntnis im Sinn kann ich als (reiselustiger) Leser nur all den Autoren herzlich danken, die ihre eigenen Vorstellungen vom oder Erinnerungen ans Auskosten einer persönlichen Reisefreiheit in eingängige Geschichten betten. Was gibt es Schöneres, als dass der eigene Roman zur Inspirationsquelle für den einen oder anderen Leser wird? Bitte immer wieder gern mehr davon.

In diesem Sinne: Rom, L.A. oder Marseille? Kanada, Australien oder Irland? Wohin darf die nächste (Lese-) Reise gehen?

Sonntag, 19. Juli 2015

[Schreibzeugkiste] Sonntags ein Stück "Contemporary"

[...]

"Sie liebte Sonntage wie diesen. Die Sonne war gerade aufgegangen und durchflutete das Zimmer mit goldenem Licht. Musikalische Klänge der 1960er Jahre – einer lang vergangenen Ära – erfüllten ihre Wohnung unterm Dach mit Lebendigkeit. Und wie die Noten der Musik sprangen Rose und Jo, zwei Pingpongbällen gleich, über die Dielen und tanzten ausgelassen Rock'n'Roll. 
Jo war Musiker, kein geborener Tänzer. Aber dennoch ergänzte er Rose nach bestem Wissen und Gewissen auf ihrer eigens auserkorenen Tanzfläche perfekt. Rose sog diese Augenblicke in sich auf und hütete die Erinnerungen daran wie einen Schatz. Jo wiederum liebte das feurige Leuchten in Roses Augen, wenn sie sich wie ein Kreisel um ihn drehte. 
Sie strahlte dann all diese Zufriedenheit aus, die jegliche Unsicherheit wegfegte. Während des Tanzens öffnete Rose die Türen zu ihrer wirklichen Welt. Sie ließ sich fallen und er durfte sie auffangen. Das Glühen auf ihren Wangen war echt und bezaubernd schön. Nichts im Vergleich zu dem zarten und zugleich unnatürlichen Rosa, das sie sich mit pudrigem Rouge lieblos ins Gesicht klatschte, wenn sie aus reinem Pflichtgefühl ihre Mutter besuchte. Es war ein Zauber. Es genügten ein paar Töne, ein kurzer Rhythmus und schon ging die Musik in Rose über und schlängelte sich wie eine kitzelnde Laolawelle durch ihren Körper. Eine Euphorie, mit der sie ansteckte. Wenn sie tanzte, verliebte sich Jo jedes Mal aus Neue in Rose. Gerade warf sie ihr Bein schwungvoll elegant in die Luft und –"

[...]

© 2015-16 Kora Kutschbach

P.S.: Ein klein wenig mehr zu meinem Schreibprojekt namens "Contemporary" gibt es übrigens noch zu lesen.

Dienstag, 19. Mai 2015

[Schreibzeugkiste] Der emotionale Wert eines Wegbegleiters

Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass mich ein Buch, das ich gerade lese, auf einer Skala von eins bis zehn überdimensional, sprich 10***, beeindruckt. Wer kennt dieses Gefühl nicht? Es gibt Bücher, an denen stimmt — heruntergebrochen auf die eigene subjektive Wahrnehmung — schlichtweg ALLES. 

Empfinden noch andere, im besten Fall viele andere Leser ganz ähnlich, wird ebenjenes Buch zu einem Kassenschlager und platziert sich auf den Bestsellerlisten des Landes. Leser, Autor und nicht zuletzt Verleger sind glücklich und eine folgende Fortsetzung der Autorenkarriere ist so gut wie gewiss. Aber die Plätze auf genau diesen Bestsellerlisten sind heiß begehrt und bei Weitem nicht jedem gutem bis exzellenten Schriftsteller ist es vergönnt, einen solchen fulminanten Verkaufsplatz zu belegen. Doch was sagt das Innehaben oder Verpassen einer derartigen Platzierung tatsächlich über die Qualität und die Wirkung eines Buchs aus?

Natürlich, in den meisten Fällen unterlegen die Verkaufszahlen, dass ein Autor vieles richtig gemacht haben muss. Das soll keinesfalls in Abrede gestellt werden: Ehre, wem Ehre gebührt! Ganz klar. Allerdings tummeln sich unter jenen Spitzenreitern ab und an durchaus auch Werke, bei denen vermutlich eher das Phänomen der Gruppendynamik den Ausschlag gegeben hat. Aber das ist vollkommen okay.

Innere Werte nach außen kehren

Was hingegen weniger okay ist, ist die Tatsache, dass Autoren von Zeit zu Zeit und im Zuge einer stetig wachsenden Konkurrenzsituation der Branche häufig auf ihr bisheriges Erreichen oder Nicht-Erreichen nennenswerter Marktwerte reduziert werden. Marktwirtschaftlich ist das verständlich. Jedoch verkaufen Autoren nicht nur ein x-beliebiges Produkt. Sie pflegen ein Handwerk. Sie sind Künstler. Sie kreieren Emotionen. Sie vermitteln Lebensgefühl. Sie materialisieren Träume. Sie schenken uns Wegbegleiter. Kurz gesagt: Autoren sind vieles. Nur eben nicht auf blanke schwarze oder vielleicht auch nur graue Zahlen zu reduzieren. Denn nur, weil es ein Autor (dieses Mal) nicht auf die Bestsellerliste geschafft hat, heißt es nicht, dass seine Arbeit weniger wertvoll ist.

Wenn es einem Autor mit seinem Werk gelingt, selbst nur eine Handvoll Leser zu berühren, ist das ein Erfolg. Zugegeben, kein kommerzieller. Aber ein persönlicher! Was sagt uns eine Bestsellerliste schließlich über die zwischenmenschlichen Saiten aus, die ein Buch anschlägt? Es ist der Arbeit eines Autoren gegenüber nicht fair, dass seine Qualitäten als Mentor, Motivator und/oder Unterhaltungskünstler weniger geschätzt werden, nur weil die Summe der Endabrechnung "nicht stimmt". Spätestens hier sollten wir uns die Frage stellen: Was stimmt mit unserer Weltsicht eigentlich nicht mehr?

Dass ein Buch wenig(er) Vorbestellungen hat, seltener über den Ladentisch geht und folglich in weniger heimischen Buchregalen landet, hat nicht immer nur etwas mit dem Können des Autors zu tun. Diverse Faktoren bedingen den monetären Erfolg eines Buchs. Und noch etwas: Es ist wohl nicht gerade produktiv, als Verleger, Manager & Co. die eigenen Schützlinge stets an das über ihrem Kopf schwebende Damoklesschwert, das über Sein oder Nichtsein entscheidet, zu erinnern und damit zusätzlichen Selbstzweifel zu schüren.

Eine Herzensangelegenheit

Das Schreiben, Lesen, Geschichtenerzählen ist ein kreatives "Business", in dem immateriell geprägten Attributen wie Begeisterung, Motivation, Lebenshunger eine weitaus höhere Wertigkeit zugestanden werden sollte, als es gegenwärtig der Fall ist. Wenn mich ein Schriftsteller auf eine einzigartige Weise zu berühren und mein Leben gar positiv zu verändern weiß, dann ist es mir als Leser mit Verlaub gesagt schnurzpiepegal, ob und wie lange der Autor auf dieser oder jener Bestenliste gestanden hat. Für mich zählt dann das ohnehin unbezahlbare Gefühl, welches das Buch XY bei mir hervorgerufen hat. 

Daher: Weshalb eigentlich nicht zunehmend auf "best feeling", statt auf "best selling" achten und Wert legen?!


Donnerstag, 22. Januar 2015

[Schreibzeugkiste] Ein Stück "Contemporary" zum Kosten

Wie ihr möglicherweise wisst, schreibe ich neben Buchbesprechungen, Reiseberichten und anderen Blogartikeln für mein Leben gern und ausschweifend ebenso fiktive Texte. Und da dies der Fall ist, dachte ich mir: Hey, weshalb diese Passion nicht in den ohnehin buchstabenlastigen Blog einbinden? Klingt plausibel, oder? Falls ihr also Lust habt, könnt ihr hier einen klitzekleinen Auszug aus einem romanähnlichen Werk (?) lesen, an dem ich momentan hinter den Kulissen tüftle.

Allzu viel möchte ich vorerst noch gar nicht verraten. Aber wie im Titel eventuell bereits andeutet, spielt das Tanzen und die Liebe zu dieser Lebenskunst eine nicht unwichtige Rolle im Fortgang der Handlung und damit im Leben von Protagonistin Rose.

Lasst mich ruhig wissen, was ihr meint! (Eintagsfliege? Fortsetzung? ...) Würde mich nämlich schon interessieren. Ganz gleich, wie euer erster Eindruck ausfällt: Danke schön fürs Zeitnehmen und Lesen meiner Zeilen. Das ist, so sehe ich es, bei all der Vielzahl entzückend kreativer Arbeiten, die uns tagtäglich umgeben, keine Selbstverständlichkeit.


~ Contemporary ~ 
© Kora Kutschbach

[...] "Wer brauchte Worte, wenn es all jene fließenden, ausdrucksvollen Bewegungen gab?
Sie hatte seit jeher diese Magie gefühlt, die entstand, wann immer sie Rhythmus, grenzenlose Kreativität und tiefe Emotion miteinander in Einklang bringen konnte. Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte. Es war, als würde Rose sämtliche sie zurückhaltende Ketten sprengen und in eine andere Dimension – in ihre Welt – eintauchen. Was auf der Bühne leichtfüßig und verzaubernd aussah, setzte unheimliche Disziplin, Ausdauer und Schmerzunempfindlichkeit voraus.

Doch auch jene schweißtreibenden, für Blessuren und gedehnte Sprunggelenke sorgenden Stunden harten Trainings liebte Rose. Denn für sie vervollständigten erst diese atemlos machenden Einheiten das Mosaik. Sie konnte gar nicht genug davon bekommen, in die Feinheiten und Verrücktheiten des Möglichen einzutauchen. Wobei besonders das Kratzen am auf den ersten Blick Unmöglichen noch viel großartiger war. Dieses Außer-Rand-und-Band-Sein war purer Genuss. Nichts und niemand engte sie ein. Für ein paar Stunden gab es keine Barrieren, keine Limits, keine Bedenken. Jede Herausforderung war eine Köstlichkeit, und Rose griff ausgiebig zu – Nachschlag inklusive. 

Dann kam alles anders. Von jetzt auf gleich änderte sich das Leben brutal. Um sich selbst nicht zu verlieren, tat Rose das, was sie damals für das einzig Richtige hielt: Sie verschloss all die wundervollen Erinnerungen und Gefühle in einem Vakuum und sperrte sie weg. Ebenso wie ihre Tanzschuhe. So weh es tat."  [...] 


Donnerstag, 25. September 2014

[Schreibzeugkiste] Klein, aber (möglicherweise doch) richtig oho.

Die Welt der (Buch-) Blogger ist groß. Um nicht zu sagen RIESIG. Damit geht eine immense Auswahl für uns Blogleser einher. Logisch. Ein "Kurz mal stöbern" ist nicht selten nur in der Theorie machbar. Denn herrlich bunte und interessant und/oder witzig und/oder inspirierend und/oder einladend ... (die Reihe ist beliebig fortzusetzen) geschriebene Beiträge locken. Und fesseln!

Es gibt viele, viele Blogs. Ein gehöriger Teil davon besticht durch eine Persönlichkeit, die einlädt, doch ein Weilchen (eventuell gar als Abonnent) zu verweilen. Einige jener Blogs haben sich zu Recht bereits einen echten Namen gemacht, denn sie überzeugen sowohl durch Expertise als auch durch Unterhaltungswert. Andere dieser gelungenen Blogs haben vielleicht weniger sich offensiv bekennende Abonnenten und noch keine vierstellige Followerzahl in sozialen Netzwerken und können dennoch begeistern.

Ich selbst verfolge das Wirken von Bloggern beider Kategorien. Denn ich höre schließlich auch mit großer Freude Musik von Künstlern, die (hierzulande bzw. in meinem persönlichen Umfeld) weniger angesagt sind. Oder ich lese mit Vergnügen Bücher von kleineren Autoren. Klein(er) nicht zwangläufig auf die Körpergröße bezogen, sondern im Sinne von "weniger bekannt", versteht sich.

Weshalb ich das heute derart explizit betone? Weil ich finde, dass es nicht verkehrt sein kann, auf die Qualität, Beständigkeit und Aussagekraft der Blogs hinzuweisen, die auf den ersten Blick nicht in der Hitliste erscheinen. Dieser Gedanke soll keinesfalls die tolle Arbeit der "Großen" reduzieren. Sie sind — ganz gleich, welcher Branche angehörig — unsere Leuchttürme. Was ich sagen möchte, ist, dass es in jedem Metier gute, sehr gute und weniger gute Beispiele gibt. Weniger Leser, Fans und Follower zu haben, ist nicht zwangsläufig der Indikator für die Klasse geleisteter Arbeit.

Musiker, die in Bars und Clubs anstatt in Stadien spielen, oder Autoren, die sich selbst verlegen, oder Blogger ohne einen Twitter-Account und große Gewinnspelankündigungen sind nicht automatisch weniger talentiert als ihre Kollegen. Nur eben weniger bekannt. Aber andererseits kann der Status "Geheimtipp" doch auch etwas Schönes haben.

Ich persönlich achte nicht großartig auf die bestehende Fangemeinde eines Bloggers, Sängers, Schriftstellers. Die Hauptsache für mich ist, dass ich mich angesprochen fühle. Wenn ich einer von ganz vielen Fans bin, dann ist das in Ordnung. Wenn ich einer von wenigeren Fans bin, dann ist nicht minder okay.

Es wird sie immer und überall geben: Die Guten, die wirklich etwas auf dem Kasten haben und die dafür wertgeschätzt werden. Die halb so Guten, denen das durchaus bewusst ist, die aber dennoch mit dabei sind. Die Unterschätzten, die von Insiderkreisen Anerkennung erfahren. Die Überbewerteten, die es wissen, sich zu positionieren. Letztlich ist das Ganze auch stets eine Geschmacksfrage und liegt im Auge des Betrachters ...

Lange Rede, kurzer Sinn: Dass der erste Blick auf die Fanzahlen im Allgemeinen weniger ausschlaggebend dafür sein sollte, ob wir als Anhänger bleiben oder doch lieber weiterziehen, ist die Quintessenz, auf die ich hinweisen möchte. Wir sollten einzig auf unser Bauchgefühl hören. Denn, ja, auch die "Kleinen" können manches Mal ziemlich oho sein.


Montag, 4. August 2014

[Schreibzeugkiste] Der Krabbelgruppe entwachsen?!

Sieh sich das einer an, mit einem kleinen Blick auf den Kalender offenbart sich Folgendes: 2 Jahre Creativity First sind (so gut wie) um. Donnerwetter. Das heißt, es liegen bereits hunderte Tage und Beiräge sowie zahlreiche Ideen gebloggter Lese- und Schreibfreude hinter mir und euch. 

Ich könnte nun mit ein paar Statistiken aufwarten. (Ich mag Statistiken im Allgemeinen überaus. Aber möchte sie an dieser Stelle doch lieber außen vorlassen, da ich das Zwischenmenschliche, um das es mir geht, nicht in eine Reihe Zahlen oder eine nett anzuschauende Graphik packen möchte.)
Ich könnte jetzt vieles Großartiges anmerken. Ihr wisst schon, in etwa so, wie in den Danksagungen bei Preisverleihungen. Doch vermutlich würde es mir dann ähnlich ergehen wie den Rednern dort. Zeit und Raum sind zu knapp gesteckt für langatmige Ausführungen. Ich würde einen Großteil der herzlichen Menschen, die mir stets zur Blogger-Seite stehen, aus Versehen glatt unerwähnt lassen. Und spätestens nach dem fünften "Danke. Hey, das ist toll" würde deutlich, wie es wirklich um meinen Wortschatz steht.

Aus diesem Grund möchte ich ein einziges großes DANKESCHÖN an euch alle — Teil- oder Vollzeitleser und Abonnenten, Blog-Kollegen und Freunde, Fürsprecher und Motivationscoaches, Autoren und Verlage — richten! Wenn ihr euch zu mindestens einer dieser Kategorie zugehörig fühlt, seid genau ihr gemeint. Mich als kleinen Krümel der Bloggersphäre in eurem Kreise zu wissen, ist etwas sehr Schönes.


Als kleines mit Zuckerguss verziertes Häppchen zum Anlass des Posts habe ich dann noch das hier für euch: 

"My great kiwi adventure has begun on the 1st April when I flew from Berlin (Germany) with several stopovers to Auckland (New Zealand).
After almost 30 hours on a plane the feeling after my arrival in the ‘City of Sails’ was pretty special. And even my missing suitcase couldn’t really stop my happiness." [...]

Ihr wisst nicht, was das ist. Nun, das sind meine ersten öffentlich geteilten Zeilen als Blogger. Verfasst anno 2009. In Neuseeland. Weshalb ich ausgerechnet diese jetzt herausgekramt habe? 

Ziemlich einfach. 

Meine Zeit und Erlebnisse in Neuseeland haben mich geprägt und vieles bewirkt. Unter anderem haben sie mich zu einem Reiseblogger gemacht. Erstmalig habe ich "meine Geschichten" und Erlebnisse mit sprichwörtlich aller Welt geteilt ... und Resonanz darauf bekommen. Seit damals schon darf ich erfahren, wie viel Gemeinschaftssinn das Bloggen bringen kann. Einfach wunderbar.
Zum anderen fielen mir in jener Zeit reichlich Bücher in die Hände und es kam erstmals der Gedanke auf, ebenfalls über diese Passion zu bloggen. Zugegeben, ich ließ diesen Ansatz dann noch für ein geraumes Weilchen ruhen. Bis zum 5. August 2012. Seither heißt's nun eben auch Creativity First. Eine andere Reise, die in vielerlei Hinsicht mächtig allumfassend, bereichernd und facettenreich ist.


Montag, 21. Juli 2014

[Schreibzeugkiste] Das "Schwarze Loch" der Bloggersphäre

Für (Literatur-) Blogger und Autoren versteht es sich von selbst, gern und viel zu schreiben. Daher wird in häufigen Fällen nicht nur eifrig auf dem eigenen Blog gepostet oder am nächsten Manuskript getüftelt. Es wird gleichsam äußerst aktiv und engagiert über die sich bietende Vielfalt der sozialen Netzwerke mit Lesern, Fans und Followern kommuniziert. Das bringt Begeisterung!

Das ist Teil einer großen, beinahe schon ein wenig zelebrierten Digital-Native-Kultur, von der sich eben auch die bloggenden Zeitgenossen umgeben und eingenommen sehen. Es hat wirklich etwas faszinierend Praktisches (nahezu) in Echtzeit einem Gedankenaustausch nachkommen zu können. Nie gestaltete sich Kommunikation bequemer. Ein "Gefällt mir" auf einer Fanseite oder das Abo eines Blogs genügt, und schon erwarten einen wöchentlich, täglich oder gar stündlich Updates zu jeglichen Lieblingsthemen.

Doch kann es passieren, dass sich beispielsweise ein Blogger, dem das Schreiben, Posten und Vernetztsein für gewöhnlich viel Freude bereitet, plötzlich in Zugzwang gebracht sieht?

Durchaus.

Denn frische Posts auf allen Brettern, die die virtuelle Welt bedeuten, werden von den treuen Lesern förmlich erwartet. Erwartet im Sinne von "gewünscht". Im Laufe eines Bloggerjahres im Grunde kein Problem, denn es gibt genügend zu erzählen und demzufolge auch zu lesen, liken und teilen. Allerdings — und das soll tatsächlich vorkommen — verabschieden sich auch die eifrigsten Schreiberlinge gelegentlich in eine kleine oder gar mittelgroße Auszeit. So weit, so gut.

Jedoch kann das als erholsam ausgemalte "Willkommen im Off" auch schnell zur kritischen Größe eines Bloggers werden und damit die Regeneration erheblich stören. Weshalb? Weil sich das Leben abseits des WWW unerwartet anfühlen kann wie ein Schwarzes Loch: Zwei, drei Tage nichts gepostet, schon darin verschwunden. Schließlich gibt es eine Menge Blogs, die sich nicht nur als souveräne "Urlaubsvertretung" gut machen ... Die Vorhersage Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen würde dem einen oder anderen vielleicht noch schmecken, aber dieses fiese Schwarze Loch vor Augen. Welch Szenario! 

Dieses schlechte Gewissen, welches das vermeintliche Nichtstun verursacht, kann schon an einem Blogger nagen. Sollte es aber nicht! Denn trotz der gewissen Verantwortung des Leser gegenüber, spricht längst nichts gegen eine Auszeit, ein Durchatmen. Im Gegenteil. Selbst die angenehmsten Dinge unserer täglichen Beschäftigung dürfen ab und an durch andere schöne Dinge — sprich durch das echte Leben —  abgefangen werden. 
Außerdem kann eine kleine Distanz zu Blog, Social Media & Co. neuen Wind in Form frischer Ideen und Projekte bringen. Und diese sind in den meisten Fällen dann recht willkommene Souvenirs für die Leser. Von einem kleinen "Ich bin dann mal weg" hat demzufolge jeder etwas. So soll das sein.

Und wenn hierbei etwas im Schwarzen Loch verschwinden sollte, dann die Befürchtung des Leser- bzw. Fanschwunds, denke ich. Denn diejenigen unter den Lesern, die einem Blogger um dessen Beiträge und Originalität willen folgen und nicht wegen der reinen Frequenz an Posts, freuen sich immer über Nachschub — ob nach zwei Tagen oder zwei Wochen ... oder gar zwei Monaten. 

Denn, wenngleich das Kreative viel Spaß bereitet und sich sowohl Verfasser als auch Leser stets an neuen Einfällen erfreuen, zeichnet es sich vor allem durch Individualität aus. Im Umkehrschluss bedeutet dies, kreative Köpfe liefern eben keine Ware, bei der die Module in der Mentalität eines Fließbandmassenprodukts zusammengesetzt werden. Auszeit ist daher inklusive. Denn, wie gesagt, wir Blogger haben eine Verantwortung — ebenso uns selbst gegenüber.



Montag, 7. Juli 2014

[Schreibzeugkiste] Leserherzen gewinnen

* Nachfolgende Eindrücke basieren auf subjektiven Beobachtungen und gelten keinem expliziten Beispiel

Perspektive #1:

Leser gewinnen 

Aber natürlich. Jeder Blogger möchte, dass seine Zeilen möglichst auf (viele) wache Augen und offene Ohren treffen. Schließlich ist geteilte Freude nach wie vor doppelte Freude und der Austausch zwischen (Blog-) Autor und Leser ein essentieller Bestandteil der bestehenden Bloggerspähre. 
Doch wie gelingt es — neben erfrischenden Inhalten verpackt in lesenswerten Beiträgen, die mit einem hübschen Zuckerguss an Persönlichkeit abgerundet werden — Leser anzusprechen, zu überzeugen, sprich: für sich zu gewinnen?

Womit auch schon das Zauberwort, um das es sich heute einmal drehen soll, genannt worden wäre. Auf den ersten Blick wirkt es recht beiläufig. Auf den zweiten prangt es wie eine Leuchtreklame weit oben über allem: Gewinnen.

Perspektive #2:

Leser gewinnen

Denn wenn etwas die Blicke nahezu magnetisch auf sich zieht, dann ist es die Einladung zu einem Gewinnspiel. (Buchblog-) Leser gewinnen nämlich für ihr Leben gern. So ziemlich die meisten von uns gewinnen gern, oder? Ein unverbindliches Glücksspiel, bei dem am Ende ein neues Buch fürs heimische Bücherregal winkt, das doch schon viel zu lange und mit einem sehnlichen Ausrufezeichen versehen auf der eigenen Wunschliste steht, macht etwas her.

So weit, so gut. Denn gegen ein nettes kleines (oder etwas größeres), den Einfallsreichtum der Teilnehmer kitzelndes Gewinnspiel hat wohl niemand etwas einzuwenden. Ein Dankeschön an die Leser. Stets willkommen, keine Frage. Denn, wie bereits erwähnt, auch bei Verlosungen jeder Art wird beiderseitig für Freude gesorgt.


Doch dann gibt es dieses kleine schwergewichtige Aber, das mich immer wieder ins Grübeln bringt. Wer weiß? Vielleicht geht es dem einen oder anderen ganz ähnlich.

Dieses Aber bezieht sich auf ausgerichtete Gewinnspiele, die wie längst erwartete Sommerregengüsse auf uns (potentielle) Blogleser niederprasseln. Verlosungen, deren Intention in einer Wenn-dann-Schleife wurzelt. Ohne Zweifel, es ist legitim, Leser maßvoll und geschickt "zu ihrem Glück zu zwingen" und ihre Aufmerksamkeit und Gunst durch Gewinnspiele & Co. zu erobern. Vermutlich ist es sogar äußerst clever ... 

Für mich stellt sich dabei jedoch die kleine Frage nach der tatsächlichen und langfristigen Ambition des Lesers (alias Abonnenten). 
Wird mein Blog nun gemocht und gelesen, regelmäßig besucht, kommentiert und bestenfalls gar weiterempfohlen, weil ich Gewinnspiele zu meinem Aushängeschild mache? Oder weil meine geteilten Inhalte interessant, wissenswert, unterhaltsam (und gelegentlich mit der Aussicht auf einen Gewinn verziert) sind?

Jeder Blogger hat da eine eigene Devise. Diese sollte ihm zugestanden werden. Letzten Endes ist es mit Blogs wohl ähnlich wie mit Büchern, Filmen oder Musik. Die einen sprechen die Masse an. Die anderen sind für "Insider" gemacht. Weder das eine noch das andere sollte dabei allerdings automatisch auf Qualität und Herzblut im Fundament der Arbeit schließen lassen. Einzelfallbetrachtungen sind empfehlenswert.


Wenn Blogger nun also Leser gewinnen, weil Leser gern gewinnen, dann ist das in Ordnung. 

Nichtsdestotrotz bleibe ich einem Weg treu, der eben nur sehr gelegentlich Gewinnspiele einschließt. Mit ziemlicher Sicherheit schlage ich mit jener Entscheidung bewusst eine größere Reichweite und damit auch eine schnell wachsende Leserschar aus. Für die einen mag das verdammt unklug sein. Für mich ist es so etwas wie ein persönliches Credo, mit dem ich meine Vorsätze — als Blogger und ebenso als Leser — einfach nur unterstreiche. Wie gesagt: Jedem das Seine.


Mittwoch, 25. Juni 2014

[Schreibzeugkiste] Rezensionen gut und individuell abgeschmeckt

Als Buchblogger gehört das Schreiben von Rezensionen sozusagen zum "Kerngeschäft" des Auftritts. In diesen Buchbesprechungen geben wir Leser (Kritiker) eine subjektive Meinung zu einem Buch ab. Je nach Rahmen und Hintergrund geschieht das geprägt von unterschiedlichen Schwerpunkten und verschieden ausgefeilter Stilistik (= Eigenheit). 

Ich persönlich schreibe Buchrezensionen, weil es für mich einer der Wege ist, die Freude am Lesen zu teilen und vielleicht hin und wieder einen Stein des Anstoßes zu geben. Ein wenig Inspiration zu streuen, darauf liegt mein Fokus. 
Über die Zeit kristallisiert sich dabei natürlich eine Art eigener Stil heraus. Ich beispielsweise schreibe gern darüber, was zwischen den Zeilen steht (bzw. was ich glaube, dort entdeckt zu haben). Dabei vernachlässige ich, das ist mir bewusst, die Ansprüche des professionellen Journalismus'. Vielmehr kommt es mir darauf an, die emotionale Ebene ins Scheinwerferlicht zu stellen. Weshalb? Weil es genau das ist, was mich interessiert, wenn ich in Rezensionen stöbere. Weil es das ist, was mich als Leser eines Buches erreicht (oder auch nicht). Weil es das ist, was ich mit individuellen Argumenten begründen kann.

Rezensionen sollen (im besten Fall) natürlich als Empfehlung für potentielle Leser dienen. Dabei dürfen sie auch gern dem Autoren selbst ein Feedback geben. Denn es gibt wohl nicht Tolleres für einen Schriftsteller, als direkt und ohne Umwege Reaktionen seines Publikums zu erhalten! Dies soll natürlich nicht heißen, dass alles in ein rosaroten Tüll gehüllt werden muss, aber wenn mir etwas besonders gefallen hat, zögere ich nicht, das auch auszusprechen.

Ich mag die unterschiedlichen Stilistiken, in denen Rezensionen verfasst werden. Denn sich anhand von Richtlinien entlanghangeln zu müssen, sagt mir nicht wirklich zu. Orientierung ist gut und schön, aber in diesem Falle mag ich es lieber individuell und kreativ. Rezension ist demnach nicht gleich Rezension. Das ist gut. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten.

Klar, ein generelles Statement wie Das Buch hat mir super gefallen ist nett. Es deutet eine Richtung an. Okay, in der Kürze liegt die Würze, doch an Stellen wie diesen könnte ich einen Nachschlag vertragen. Manchmal gibt es ihn, manchmal nicht.
Das Gegenteil sind wiederum Rezensionen, die einen überhäufen mit Details. Wieso bitte? In Ordnung, ich sagte, ich mag Begründungen, doch Spoiler en masse sind nicht unbedingt die feinfühligste Art, seine Meinung kundzutun. 

Das Patentrezept für die ideale Rezension gibt es (meines Erachtens nach) nicht. Glücklicherweise. Denn das macht das Ganze so spannend. Es gibt Bücher, die mir gefallen, und Bücher, die vielleicht nicht ganz meinen Nerv treffen. Gleiches gilt für Rezensionen. Eine Geschmackssache eben, die jedem zugestanden werden sollte.
Was sich mir hingegen weniger bis gar nicht erschließt, sind mehr als offensichtlich an den Haaren herbeigezogene Rundumschläge. Respekt der Arbeit anderer gegenüber sollte man erwarten können. Ich muss, wie gesagt, nicht in deren Fanlager wechseln, aber gelegentlich ist Schweigen vielleicht doch Gold ... 

Wie gesagt: Für mich gibt es kein Richtig oder Falsch beim Rezensieren. Höchstens ein Ansprechend oder ein Aha, okay. Ich weiß nicht, wie es euch geht? Aber ich mag es, wenn ich das Gefühl habe, sowohl das Buch als auch den Rezensenten nach dem Lesen der Buchbesprechung ein wenig "besser zu kennen".


Freitag, 9. Mai 2014

[Schreibzeugkiste] Schnorchel oder Sauerstoffflasche?

Das ist ein Buch, das mich die Nacht zum Tag hat machen lassen. 

Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen.

Wann wird es die Fortsetzung geben? Im nächsten halben Jahr noch, nicht wahr?

Solche und sehr ähnliche Lesermeinungen sind wohl die allerschönsten Komplimente für die Arbeit eines Autors. Eine Anerkennung, die unbezahlbar wertvoll ist. Resümees, die Bestätigung und Ansporn zugleich sind.

Doch da jede Medaille bekanntlich zwei Seiten hat, kommt auch im Zuge jener lobenden Begeisterungsstürme eine Gefühlsregung auf, die es nicht zu unterschätzen gilt:

Denn sosehr nach wenigen Stunden verschlungene Bücher (in den meisten Fälle) wohl für das Talent des Autors sprechen, stellt sich nicht weniger die Frage, ob dies gleichzusetzen ist, mit dem umfassenden Genuss eines literarischen Werkes?

Mich überkommt diesbezüglich manches Mal ein gewisser innerer Zwiespalt, der sich wie folgt abzeichnet:

Ich lese ein Buch, bei dem schlichtweg alles stimmt. Und dementsprechend schmilzt die Zahl der zu lesenden Seiten wie Limonenparfait im Sonnenschein. Nur noch ein Kapitel! Okay, eins noch! Jetzt aber! Halt, nur noch zehn Seiten bis zum Ende?! Das kann nicht sein!

Anderseits drängt sich der Gedanke dran auf, wie viele unzählige Stunden der Recherche, Tage des Plottens, Wochen des Schreibens und Monate der täglichen/nächtlichen Treffen mit seinen Protagonisten ein Autor in diese Seiten zwischen den Buchdeckeln gesteckt hat. 
Arbeit, die vom Leser und der Öffentlichkeit als solche oftmals gar nicht erkannt und deklariert, geschweige denn gebührend wertgeschätzt wird. Das geschieht nicht zwangsläufig mit Vorsatz. Es ist vielleicht vielmehr eine Selbstverständlichkeit, ins Bücherregal zu greifen und sich ein absolutes Juwelchen zu angeln. Doch denken wir kurz darüber nach, gelangen wir zu der Erkenntnis: So selbstverständlich ist das gar nicht.

Dass sich das Medium Buch in gewissen Kreisen noch immer hartnäckig gegen all seine zusehends wachsenden digitalen Konkurrenten und medialen Gegenspieler behaupten kann, sollte Grund genug sein, vor Autoren, die uns mit ihren Werken begeistern, ansprechen, mitreißen, den Hut zu ziehen!
Dass mache ich natürlich, indem ich den Autoren wissen lasse, wie sehr ich einem weiteren Werk aus seiner Feder entgegenfiebere. (Und dass er sich doch bitte mit einer nächsten Veröffentlichung sputen möge!) Klar, das ist absolut verständlich. Sehr menschlich. Und Zeugnis großer Fanbekundung. 
Allerdings sollten wir Leser hierbei eben nicht erfolgreich verdrängen, dass sich Bücher — aller wachsenden Möglichkeiten zum Trotz — nicht über Nacht schreiben und verlegen lassen. Nur weil mein Lieblingsautor von Superhelden und deren Power schreibt, verfügt er selbst (höchstwahrscheinlich) nicht über entsprechende Superkräfte. Soll heißen, auch ein kreativer Kopf qualmt gelegentlich und braucht eine Regeneration. Bei aller Liebe zum geschriebenen Wort und zu den vor Euphorie strotzenden Lesern.

Vermutlich gibt es wohl kaum ein einziges Richtig, was unser Leseverhalten betrifft. Was Genusslesen für jeden Einzelnen bedeutet, dafür gibt es mit Sicherheit mehr als eine Handvoll individueller Definitionen. Gut so! Richtig so! Jeder muss für sich selbst entscheiden: Bin ich Gourmet oder "Fastfoodfan"?

Nichtsdestotrotz sollten wir uns eventuell von Zeit zu Zeit selbst fragen, wie wir persönlich der schriftstellerischen Leistung hinter einem Buch, das uns richtig gut gefällt, gerecht werden können. 

Ab und an lohnt es sich gegebenenfalls, ein Buch, von dem es mich wehmütig stimmt, die letzte Seite zu beenden, noch ein wenig Revue passieren zu lassen. Denn zwischen Schnorcheln und Tauchen gibt es schon gehörige Unterschiede. Und während ich auf Tauchstation gehe, kann der Autor ein klitzekleines Weilchen auf seiner Luftmatratze die kreative Seele baumeln lassen, bevor erneut der Turbo umso überzeugender gezündet wird.