"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 25. April 2017

[Rezension] Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 werden (Heike Abidi)

Heike Abidi: Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 werden 

Ein Buch, mit dem Heike Abidi so etwas wie eine quirlig-sympathische Handreichung für die Teenager von morgen, also den ganz bald 13-Jährigen, verfasst hat. 

Temperamentvoll, aber auch mit deutlichen Worten der Selbstbestimmtheit geht die Autorin zu Werke und trifft damit den Zahn der Zeit.


~ Rezension ~

Jetzt also mal Butter bei die Fische!

Henriette hat eine große Leidenschaft: das Bloggen. Doch im Gegensatz zu vielen ihrer Altersgenossinnen gibt Henriette weder Beautytipps noch kommentiert sie die Lebensläufe der gerade angesagten Stars und Sternchen. Nein, der Teenager hat eine andere Mission, die einen klaren wissenschaftlichen Fokus hat. Sie nimmt nämlich das Erwachsenwerden genaustens unter die Lupe. Denn das erachtet sie als weitaus sinnvoller als ihre Meinung zum neusten Modetrend abzugeben, dessen Halbwertzeit ohnehin äußerst mager ausfällt.

In Alles, was Mädchen wissen sollten, bevor sie 13 werden vereint Autorin Heike Abidi auf bewährt unterhaltsame Art die Genres Jugendbuch und Ratgeber. Humor- und verständnisvoll spricht sie dabei nicht nur jungen Mädchen, sondern auch deren Eltern aus der Seele. 

Die Protagonistin und angehende Wissenschaftsjournalistin Henriette gewährt Einblicke in das Alltagsleben von Mädchen, denen sich die Tür des Teenagerseins gerade öffnet. Dass Henriette hierbei auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, versteht sich doch von selbst, oder? Ob lästiger Zoff mit den Geschwistern, Schmetterlinge im Bauch oder gekonntes Ins-Fettnäpfchen-Treten  Heike Abidi verleiht ihrer Hauptfigur eine Stimme, mit der sie reflektiert und aufschlussreich, aber nicht minder fidel aus dem Nähkästchen plaudert.

Einen absoluten Mehrwert erfährt das Buch meiner Meinung nach von dem raffiniert geschlagenen Bogen zwischen Fiktion und Realität. Denn die von Henriette aufgegriffenen Episoden und getroffenen Aussagen schaffen nicht nur Identifikationspotenzial, sondern sind wertvolle Wegweiser fürs reale Leben. Immer wieder streut die Autorin beispielsweise Links zu Internetseiten ein, die Aufklärung- und Informationsplattformen zu Themen wie Mobbing oder Berufsberatung bieten. 


Beschwingt und herrlich bildhaft spricht Heike Abidi ihr Leserpublikum direkt an und kreiert damit eine generationsübergreifende Nähe. Denn zum einen fühlen sich die Teenies absolut verstanden, zum anderen bleiben auch die Eltern nicht außen vor. Im Gegenteil. Gemeinsam wird der Weg der Selbstfindung der nun gar nicht mehr so Kleinen beschritten.

Henriette wird zu einem Charakter mit authentischen "Best Friend Forever"-Facetten. Die Botschaft des Buchs: "Erwachsen wird niemand von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, der manchmal ein Hürdenlauf ist; der einen aber ebenso über sich hinauswachsen lässt."

FZIT: Aufschlussreich. Heiter. Dokumentarisch.


Dienstag, 2. August 2016

[Rezension] Paris, du und ich (Adriana Popescu)

Adriana Popescu: Paris, du und ich

Wenn es jemand schafft, Ernest Hemingway, One Direction und Yoda nahezu in einem Atem- oder, besser gesagt, Schriftzug hervorragend unterhaltsam und dabei doch tatsächlich logisch aneinanderzureihen, dann wohl (einzig) Adriana Popescu. Aber nicht nur ihr Hang zu köstlichen Vergleichen und Anekdoten weisen ihr neustes Buch als echtes Muss aus. 

Was Paris, du und ich für mich zu einem sehr besonderen Popescu-Roman macht, ist die Tatsache, dass er in erster Linie natürlich für Leser im Teenageralter geschrieben ist, aber dennoch auch — oder vielleicht gerade — Leser jenseits der Abiprüfungen und des Gap Years anspricht. Das Gefühl, sofort etwas für die Erfüllung der eigenen Wünsche, Visionen und Träume tun zu wollen, ensteht beim Lesen wie von selbst. Einmal ganz zu schweigen von der herzallerliebsten Ausgestaltung der Buchseiten. Aber blättert am besten selbst durch den hübschen Roman...

Unter uns, ich glaube ja, Adriana Popescus Superkraft besteht darin, Lieblingsbücher zu schreiben. Ich könnte dankbarer nicht sein, die Reise von Emma und Vincent von Beginn an begleitet haben zu dürfen. Chapeau!!! 


~ Rezension ~

Wenn das Leben bunte Socken trägt

Die sechzehnjährige Emma ist bis über beide Ohren in ihren Alain, den französischen Austauschschüler, verknallt. Wie galant er ist. Wie klassisch schick er sich gibt. Und dann erst noch der süße Akzent. Als Alain zurück nach Paris muss, plant Emma bereits das herzerwärmende Wiedersehen. Gesagt, getan. In den Herbstferien macht sie sich auf nach Paris, die Stadt der Liebe und der großen Schriftsteller. Dass sie dort dann allerdings statt Wolke Sieben ein Tränenmeer erwartet, droht die Ferien in einem Fiasko münden zu lassen. Hätte das Schicksal Emma da nicht plötzlich Vincent, den Junge mit dem schiefen Lächeln und dem aufgeweckten Humor, dem ausgefallenen Modegeschmack und der Käsephobie an die Seite gestellt. Doch warum legt sich immer wieder dieser dunkle, nachdenkliche Schatten über Vincents Augen, wenn er glaubt, dass Emma es nicht sieht? 

Mit Paris, du und ich teilt Autorin Adriana Popescu den nun zweiten Jugendroman mit ihren Lesern. Und, das sei vorab verraten, dabei handelt es sich um ein Buch, in das man sich zu Recht, wie ich finde, mit jeder Seite ein bisschen mehr verliebt.

Das Protagonistenduo, Emma Teichner und Vincent Elfer, verleiht dem Roman eine Dynamik, die dem ohnehin schon spannenden Paris eine Liebenswürdigkeit der Extraklasse schenkt — vergleichbar mit der Schokoglasur auf dem Éclair. Emma als Büchernerd mit einem großen Traum und Liebeskummer im Gepäck und Vincent als charmanter Witzbold mit der Lizenz zum Reiseführer par excellence ergänzen sich großartig. Gemeinsam erobern sie nicht nur Paris, sondern sehr gewiss auch Leserherzen im Sturm. 
Hinzu gesellt sich die Figur des Concierge Jean-Luc, der eine unglaublich wichtige Botschafterrolle einnimmt. Genau jene Figur macht, wie ich glaube, dieses Jugendbuch zu einem Juwel, das eben nicht nur Teenager anspricht. Jean-Luc ist es, der Emma und Vincent und letztlich uns Leser dazu anhält, dem eigenen Herzschlag zu folgen.

Adriana Popescu gelingt es abermals auf ihre ganz eigene charakteristische Weise, Akzente und Ausrufezeichen zu setzen, die aus dem Leben gegriffen sind. Sie vereint wie keine Zweite flotten Witz, pfiffige Originalität und bezaubernde Leichtigkeit mit nachhallender Tiefsinnigkeit. 
Ihre Charaktere bieten ungemeines Identifikationspotential. Die Kulisse des imposanten Paris wird mit einer Vertrautheit unterlegt, die fasziniert. Der Handlungsbogen wird verziert mit allerlei süßen und auch energischen Applikationen, die bemerkenswert sind. Was wäre das Buch zudem ohne die Persönlichkeit Adriana Popescus, die unaufdringlich, aber markant die einzelnen Kapitel formvollendet? Antwort: Es wäre vermutlich wie ein Macaron ohne Cremefüllung.

Es sind vor allem die vielen kleinen, unverhofften und zum Teil auch holprig anmutenden Pinselstriche, die das Kunstwerk Leben zu dem Bild machen, in das wir gern eintauchen. Diese Botschaft versteht die Autorin konsequent zu übermitteln. Rasch wird das Rendezvous mit Paris zu einer emotionalen Revue samt klopfender Herzen, tropfnassem Haar und "unverliebenswerten" Helden.

Die Geschichte von Emma und Vincent verdient einen Platz in jedem Bücherregal und Herzen. Denn es handelt sich dabei um einen wunderbaren Freund in Gestalt eines Romans. Dies hätten das Buch und seine Hauptfigur Vincent dann wohl gemeinsam: Sie gehören beide zu einer schützenswerten Art.

FZIT: Lebhaft. Inspirierend. Liebenswert. 


Dienstag, 7. Juni 2016

[Rezension] Pop Girl (Tallia Storm)

Tallia Storm: Pop Girl 

Tallia Storm ist Soulsängerin, Bloggerin der Huffington Post Teen und Gesicht verschiedener TEDxTeen-Veranstaltungen. 2012 veränderte eine folgenreiche Begegnung am Frühstücksbuffet im Familienurlaub für Tallia alles. 

Ebenjene beinahe irreale Begebenheit verwandelte der Teenager in einen aufgeweckten Jugendroman mit autobiographischer Nuance. Als Fan dieses Genres konnte ich einfach nicht widerstehen und MUSSTE diese glitzernde Lektüre ins Rampenlicht meines Bücherregals holen. 


~ Rezension ~

Das Leben ist ein Wirbelsturm 

Da ist die Erfüllung ihres allergrößten Traumes zum Greifen nah und dann zerplatzt diese einmalige Chance doch wie eine Seifenblase: Die dreizehnjährige Storm Hall ist am Boden zerstört, als sie, anstatt einen Solopart des Schulchors bei einer nationalen Radioausstrahlung singen zu dürfen, mit ihrer Familie in den (eigentlich lang ersehnten) Urlaub nach Hawaii fliegen muss. Wie kann das Leben nur ein dermaßen ungerechtes Timing haben? Aber Storm ist fest entschlossen, das halbwegs Beste aus ihrer persönlichen Katastrophe zu machen. Schließlich verschlägt es sie nicht jeden Tag dorthin, wo Sonne, Meer und Bongobeats die Ferien versüßen...

Mit ihrem temperamentvollen Debütroman, Pop Girl, hat die aus Schottland stammende Singer/Songwriterin Tallia Storm ein mit ganz besonderer Note versehenes Jugendbuch geschrieben.

Das Fabelhafte an dieser locker-flockigen fiktiven Geschichte ist ihre absolut greifbare Authentizität. Diese rührt, so unglaublich es klingen mag, aus Tallia Storms eigenem Leben. Denn sie selbst wurde durch einen irren Zufall mit gerade einmal 13 Jahren von Elton John angesprochen, ob sie nicht in seinem Konzertvorprogramm singen möchte? Seitdem hat sich für das talentierte Stimmwunder vieles verändert.

Mit dieser eigenen Erfahrung im Gepäck schickt Tallia Storm ihre Protagonistin Storm Hall auf eine aufregende Reise von Glasgow nach Hawaii, die voller Witz, Dynamik und vor allem Musikalität steckt. Die hochdosierte Achterbahnfahrt der Gefühle, die Storm im Laufe des Urlaubs erlebt, sprudelt nur so vor Enthusiasmus. Es gelingt der Autorin spielerisch, die Liebe zur Musik in ein schwungvolles und vor allem passioniertes Porträt zu fassen.

Die Charaktere — allen voran die sechsköpfige Familie Hall — verleiht der Handlung eine erfrischende und aus dem Leben gegriffenen Plastizität. Was mich, neben den sympathischen, aber keineswegs unchaotischen Figuren nachdrücklich angesprochen hat, ist die ungezwungene Leichtigkeit und die lebhafte Bildhaftigkeit Tallia Storms, die Geschichte zu transportieren. Ich hatte während des Lesens das angenehmen Gefühl, als würde Tallia/Storm die Geschichte erzählen im Sinne von "in einem tatsächlichen Gespräch schildern". Von peinlichen Anekdoten bis hin zur vibrierender Euphorie ist alles inklusive. Als englischsprachige Lektüre auch für deutsche Leser der Zielgruppe mehr als geeignet.

"Seid jederzeit und ohne Wenn und Aber bereit, euren Traum zu leben!", lautet wohl die hübsch unterhaltend verpackte Botschaft dieses (außen und innen) glitzernden Jugendbuchs. Unverhofft kommt oft. Aber noch viel wichtiger ist es, seinen eigenen Weg voller Überzeugung und Passion zu gehen. Halleluja!

FZIT: Quirlig. Glanzvoll. Hitverdächtig. 


Dienstag, 5. April 2016

[Rezension] Die Nacht brennt (Sarah Butler)

Sarah Butler: Die Nacht brennt 

Für Geschichten, die ihre Spuren hinterlassen, brenne ich. Wie passend erscheint da doch nicht nur Titel, sondern auch Inhalt dieses Romans. Er handelt von Verlust, Schmerz, Ausweglosigkeit. Ein Gesamtpaket an Emotionen, das a) überwältigen kann und b) bewältigt werden will. Zweifelsohne ein Brandherd mit Konfliktpotenzial.

Danke dem Knaur Verlag für die gestellte Rezensionsanfrage und dem damit verbundenen Leseexemplar des Buchs!

Cover: Knaur


~ Rezension ~

Und plötzlich loderte da nur noch Wut

Stick und Mac sehnen das Ende ihrer Schulzeit herbei. Gemeinsam wollen sie endlich ihre Heimatstadt Manchester hinter sich lassen und zu einem Roadtrip nach Spanien aufbrechen. Die Freiheit ruft! Aber dann, am Abend vor ihrer Abreise, ändert sich mit einem Schlag alles. Mac wird Opfer einer tödlichen Messerstecherei und Stick bleibt wie gelähmt zurück. Er verliert jegliche Perspektive und droht ins Bodenlose zu stürzen. Bis er auf J, das Mädchen mit den bunten Haaren, trifft. Zusammen sind sie weniger allein, doch Sticks Zorn verraucht nur schwerlich...

Die Nacht brennt von der Britin Sarah Butler erzählt auf nahbare und aus dem Leben gegriffene Weise die Geschichte zweier Jungen, die zu allem entschlossen waren und dann alles verloren.

Weshalb musste Mac bloß in diesem bescheuerten Hula Kostüm durch die Straßen ziehen? Diese Frage stellt sich Stick immer wieder. Hätte sein bester Freund nicht einmal weniger extrovertiert, überschwänglich, auffällig sein können? Dieser verdammte Idiot hatte seinen Spaß und er, Stick, wusste nun nicht wohin mit seiner Trauer, Verzweiflung, Wut.

Sarah Butlers Jugendroman fokussiert die diffizile, aber ebenso wichtige Thematik der Trauerarbeit (bei Jugendlichen). Dabei bleibt sie konsequent auf Augenhöhe der Zielgruppe des Leserpublikums. Schockstarre, Verleugnung, Entsetzen, Rachegedanken, Aussichtslosigkeit — all jene dunklen Facetten durchlebt der Leser gemeinsam mit Stick. Die verbitterte Suche nach einem Ventil wird Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Ein Gefühl, das, wie ich finde, Nachvollziehbarkeit schürt.

Nicht minder spiegeln sich die jugendlichen Züge in der grob geschnitzten Rhetorik und in den teils doch oberflächlich gehaltenen Denk- und Handlungsweisen der Hauptfigur wider. Rebellion und Verletzlichkeit liefern sich ein stetes Ringen. Zum einen will Stick stark und entschlossen sein, zum anderen weiß er nicht, wohin mit seinen verkorksten Gefühlen.

Obgleich ich Sticks Empfindungen bis zu einem gewissen Grad sehr wohl erfassen kann und sich der Gesamttenor des Buchs angemessen aufgewühlt gestaltet, hatte ich dennoch meine Mühe, mich den Figuren und ihrem Schicksal durchweg verbunden zu fühlen. Die blinde Aggression Sticks wird mir auf Dauer doch etwas zu mächtig. 

Ein Roman für vornehmlich heranwachsende Leser, der eine intensive Geschichte von der Suche nach dem Sinn des Lebens und vor allem dem des Todes in den brenzligen Mittelpunkt rückt.

FZIT: Aufwühlend. Rebellierend. Brennend.


Dienstag, 15. März 2016

[Buchpost] Feuriges Trio à la "Drama, Baby!"

Dank des Dreigestirns an neuer Lektüre, das mich in jüngster Vergangenheit erreicht hat, schaue ich einem abwechslungsreichen Lesevergnügen entgegen. 

Mit Willkommen in der Bürohölle!,  das von Heike Abidi und Anja Koeseling herausgegeben worden ist, werden mit Sicherheit erneut aus dem Leben gegriffene Anekdoten serviert, die amüsant bis abstrus anmuten. Ally Taylors Dreisam, nun auch von Knaur publiziert, macht hingegen durch knisternd-brisante Herzensangelegenheiten auf sich aufmerksam. Und bei Die Nacht brennt von Sarah Butler handelt es sich um einen Roman für junge Erwachsene, der die Thematik der Trauerbewältigung in ein ganz eigenes Licht rückt.

Ihr seht, ein fulminantes Trio zwischen Höllenfeuer und brennender Sehnsucht, das es durchaus in sich hat. Lasset die Lesefestspiele beginnen und "make it count"!


Dienstag, 8. März 2016

[Rezension] Mein bester letzter Sommer (Anne Freytag)

Anne Freytag: Mein bester letzter Sommer 

Ohne den geringsten Zweifel hat dieses Buch, lange vor seiner Veröffentlichung, zu den Romanen gehört, die ich lesen MUSSTE. Weshalb? Weil ich in ganzer Größe bekennender Anne-Feytag-Fan bin. Sie ist eine der Schriftstellerinnen, deren Wortzaubereien mich immer wieder aufs Neue zum Staunen bringen. Außerdem liebe ich diese Art von Geschichten, in denen  Glückseligkeit und Tragik unmittelbar miteinander verflochten sind. Mein bester letzter Sommer klingt also wie für mich gemacht, oder?

Liebe Anne, liebes Heyne fliegt Team, danke schön dafür, dass ich vor dem offiziellen Startschuss bereits mit #teskar einen besten letzten Sommer (mitten im Februar) auskosten durfte. Mein Herz sprang vor Freude, schlug höher, brach.

P.S.: Das Cover ist ein echter Hit. Eine Klass für sich!

Cover: Heyne fliegt


~ Rezension ~

Herzschlagmomente im Hier und Jetzt und für die Ewigkeit

Die siebzehnjährige Tessa weiß eines mit Sicherheit: Ihre Zeit ist begrenzt. Sehr begrenzt. Die Ärzte haben alles getan, was sie konnten. Tessa hat sich schweren Herzens Ha! Wie makaber. Wie kann ihr Herz trotz seines unheilbaren Lochs schwerer sein als das vieler anderer Menschen?— damit abgefunden. Damit, dass sie nie studieren, sich nie verlieben oder nie die Welt bereisen wird. Aber dann stolpert rein zufällig Oskar in ihr Leben und stellt dieses noch einmal gehörig auf den Kopf. Na klar, das Timing könnte weiß Gott besser sein und Tessa hat immense Angst davor, dass ihre Krankheit nun auch noch Oskars Herz brechen wird. Doch er kann sie davon überzeugen, noch eine (gemeinsame) beste letzte Zeit erleben zu wollen...

Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag ist eine Premiere. Denn es ist das erste Jugendbuch der fulminant mit Worten und Emotionen jonglierenden Autorin. Obgleich die Grundidee hinter der Geschichte keinesfalls neu ist, ist es das feinfühlig und auf gewisse Weise unerschrocken geschnürte Gesamtpaket, das Herzen wie Gelato zum Schmelzen bringt.

Es ist zweifellos gewagt, ein Buch zu schreiben, dessen Ende dem Leser bereits mit dem Blick auf den Titel seinen (höchstwahrscheinlichen) Ausgang verrät. Doch in Anne Freytags Fall ist die Reise hin zum letzen Kapitel das Ziel. Die schüchterne Tessa und der verständnisvolle Oskar werden für einen (letzten) Sommer zum zu allem entschlossenen Team Teskar. In einem gelben Volvo brechen sie Richtung Italien auf. Ihr Weg ist geprägt von kleinen Träumen, an allen Nervenenden kitzelnder Neugier und wie Säure brennenden Ängsten. 

Jede Etappe dieses Roadtrips birgt sowohl diese gewisse Ungewissheit als auch eine ungewisse Gewissheit in sich. Denn jeder Tag, nein, jeder Herzschlag könnte der letzte sein. Es gelingt Anne Freytag auf unnachahmliche Art, ebenjenes packende Gefühl in die einzelnen Kapitel zu legen. Der Spannungsbogen, auf dem die beiden Protagonisten balancieren, kommt wie ein bunter und dennoch vergänglicher Regenbogen, der einen endgültigen Abgrund für einige Zeit vergessen macht, daher.

Die einzelne Charaktere werden mit Nachdruck gezeichnet. Und so ungewöhnlich ihre Geschichte sein mag, sie sind nicht nur das Mädchen und der Junge, die auf unfaire Art viel zu schnell oder eben gar nicht erwachsen werden müssen bzw. dürfen. Tessa und Oskar sind nebenbei auch einfach nur echt — Ecken und Kanten inklusive. 
Was mich allerdings noch ein Stückchen mehr beeindruckt, ist die fulminante Gesamtatmosphäre, welche von der Autorin geschaffen wird. Das Gefühl der Beklemmung, jeder wundervolle Augenblick von und mit Tessa und Oskar könnte tatsächlich der letzte sein, schwingt auf ergreifende Weise stets mit. Der Gedanke Liebes Leben, schenke Teskar bitte noch einen weiteren Tag zusammen kommt unwillkürlich auf und bleibt hängen — trotz des Buchtitels. Denn manchmal geschehen vielleicht doch Wunder und aus einem Sommer könnte noch ein Herbst werden...

Dieser Jugendroman ist eine Hommage an das Leben. Nicht an irgendein Leben, sondern an unseres. Er ist ein weises und wortgewandtes Plädoyer, das Anne Freytag an ihre Leser heranträgt, jeden einzelnen Tag zu einem liebens- und lebenswerten zu machen. Denn dann können wir immer sagen: Ja, liebes Leben, du warst freudevoll. Es war mir ein Vergnügen.

FZIT: Ergreifend. Erfüllt. Endgültig.


Dienstag, 23. Februar 2016

[Buchpost] Rockende Steppschuhe im Rampenlicht

So unterschiedlich mein neuster literarischer Nachschub auch sein mag  Kinderbuch versus Jugendbuch, aus der Feder einer erfahrenen Autorin stammend versus Debütroman, deutschsprachig versus englische Originalausgabe —, so verbindet Heike Abidis Dancing Girls (Band 1) und Pop  Girl von Tallia Storm doch ganz offensichtlich ein wesentlicher Baustein: die Liebe der aufgeweckten, talentierten Protagonistinnen zur Bühne.

Ich bin, auch abseits der Buchdeckel, Fan von guter Musik UND des Tanzens. Denn beide Elemente transportieren schlicht und ergreifend Bedeutungsvolles und Berührendes. Zwei absolut perfekte Gründe von so einigen, mich nun schon bald Pirouetten drehend und Karaoke singend meiner neusten Lektüre zu widmen.


Dienstag, 9. Februar 2016

[Buchpost] Im Volvo nach Italien {Team #teskar}

Ich hebe ab! Also, ich fliege. Mit Heyne. Und mit Anne Freytag.

Fakt ist, dass wenn es ein Buch gibt, auf dessen Erscheinung ich mich in diesem Frühling supercalifragilistikexpialigetisch freue, dann ist es mit 110%iger Gewissheit Anne Freytags Mein bester letzter Sommer. Denn zum einen liebe ich die schlichtweg bewundernswerte Kunst der Autorin, echte Emotionen und bleibende Aha-Effekte in Worte zu kleiden, seit ich mein erstes Buch von ihr gelesen habe. Zum anderen bin ich mir eben jene 110 Prozent sicher, dass die sehr besondere Geschichte von Tessa und Oskar wie für mich geschrieben ist.

Wie immens gewaltig meine Freude nun also darüber ist, bereits im Vorfeld der offiziellen Veröffentlichung am 8. März 2016 (!) mein Leseexemplar in Händen halten zu dürfen, könnt ihr euch also eventuell ansatzweise ausmalen. 

WAHNSINN!!!

Danke Heyne fliegt, danke Anne Freytag! Ihr seid die Besten.


P.S.: Haltet ab sofort unbedingt überall in eurer sozial vernetzten Komfortzone Ausschau nach #teskar und lasst euch von der Liebe zum Leben packen!


Dienstag, 12. Januar 2016

[Rezension] Ein anderes Paradies (Chelsey Philpot)

Chelsey Philpot: Ein anderes Paradies 

Unbeschwert, schillernd, entschlossen. Welcher Teenager möchte wohl nicht so sein? In ihrem Debüt zeichnet die Amerikanerin Chelsey Philpot den offenkundig zweischneidigen Weg eines Mädchens nach, das genau solch eine Aura ausstrahlt. Doch wie lange leuchtet dieser Stern noch, wenn jenes eine alles überschattende Geheimnis an die Oberfläche dringt?

Danke dem Carlsen Verlag für das mir freundlich zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Cover: Carlsen Verlag


~ Rezension ~

Von der Transparenz des Glücks

Als Charlotte in ihrem Internat eher zufällig in den elitären Dunstkreis der glamourösen Familie Buchanan gerät, ändert sich ihr Leben schlagartig. Julia Buchanan wird zu Charottes bester Freundin, deren Bruder Sebastian zu ihrer großen Liebe. Plötzlich eröffnet sich dem Teenager eine Welt voller ausschweifender Partys, Rebellion und offensichtlicher Dekadenz. Ein Leben, das fernab von Charlottes eigener Realität liegt. Aber das neue (scheinbare) Glück perlt wie Champagner und ist unwiderstehlich. Bis Charlotte eines Tages einen Blick hinter die Fassade des riesigen Anwesens und der strahlenden Gesichter erhaschen kann. Die Vergangenheit können selbst die Buchanans nicht ungeschehen machen ...

Ein anderes Paradies von Chelsey Philpot ist ein Jugendbuch, in dem der von den Schönen und Reichen ausgehende Sog in den Mittelpunkt rückt. Ein Erstlingswerk, in dem Grenzen verschwimmen, aber nicht ausradiert werden.

Charlotte Ryder und Julia Buchanan trennen eigentlich Welten. Während Charlotte bescheiden, engagiert und zielorientiert ist, zieht Julia durch ihre selbstbewusste und zugleich geheimnisvoll distanzierte Art die Blicke auf sich. Chelsey Philpot kreiert ein Protagonistenduo, das für Gesprächsstoff sorgt. Die Dominanz Julias ist in der Freundschaft der beiden Teenager federführend. Charlottes Intention ist hingegen in erster Linie davon geprägt, unbedingt dazugehören zu wollen. Dass die Buchanans Charlotte sowohl mit ihrem Charme als auch mit ihrer bis dato fein kaschierten Familienhistorie überrollen, wird rasch deutlich und zu einem der Eckpfeiler der Handlung.

Der Autorin gelingt es auf eingängige Weise, ein wankendes und mit schmückenden Klischees versehenes Kraftfeld zu schaffen. Zum einen werden entlang des Weges Vertrauen und Liebe gefunden. Zum anderen wird Loyalität ausgereizt und Verantwortungsgefühl oktroyiert. Die einen wachsen ins Leben hinein, die anderen schlichtweg in eine Rolle. Der Grat dazwischen ist manchmal ziemlich schmal. Eine, wie ich finde, sehr gut herausgestellte Entwicklung, der wir uns früher oder später alle zu stellen haben.

Kleine markante Eigenheiten geben der Geschichte ihren ganz eigenen Wert. Hierzu zählen beispielsweise die Vorliebe der Familie Buchanan für die französische Sprache oder immer wieder zwischen den einzelnen Kapiteln eingeschobene Passagen, welche dem Handlungsverlauf zusätzlichen Hintergrund verleihen. Dennoch muss ich gestehen, dass ich bis zum Grande Finale nicht den endgültigen Zugang zum Roman gefunden habe. Die konsequent tiefgründig betonte Oberflächlichkeit mag daran nicht völlig unschuldig gewesen sein.

Insgesamt ein Jugendroman, welcher dem Sprichwort "Jeder ist seines Glückes Schmied" ein zeitgemäßes Gewand gibt, das insbesondere bei jungen Lesern in Mode sein dürfte.

FZIT: Aufbegehrend. Zwiegespalten. Triftig. 


Dienstag, 5. Januar 2016

[Rezension] Solange du bleibst (Jessica Winter)

Jessica Winter: Solange du bleibst 

Nachdem mich bereits Jessica Winters Erstlingswerk von sich überzeugt hatte, blieb mir nun wohl kaum etwas anderes übrig, als auch die geradezu angeteaserte Fortsetzung zu lesen. Oder? 
Mit einer Verlagerung der Krisenherde kommt dieser Roman daher, macht aber nicht weniger auf sich aufmerksam. 

Herzlichen Dank, liebe Jessica, für das mir freundlich überlassene Rezensionsexemplar!

Cover: Jessica Winter


~ Rezension ~

Wenn die Ungewissheit zu deinem größten Widersacher wird

Während Julia all ihren Mut zusammennimmt, um sich von den Fesseln der Vergangenheit zu lösen, spürt Jeremy die drosselnde Schlinge um den eigenen Hals herum immer fester werden. Den beiden Jugendlichen sollten gemeinsam alle Türen offen stehen, aber das Leben hat einen anderen Plan. So grausam es scheint. Doch verstehen Jules und Jeremy tatsächlich die Tragweite ihrer heute getroffenen Entscheidung? Mit einem weiteren herben Schlag liegt der Traum einer gemeinsamen Zukunft nun endgültig in Scherben vor ihnen. Dabei hatten sie sich doch geschworen, beieinander zu bleiben. 

Jessica Winters Solange du bleibst ist die dramaturgisch intensiv gemauerte Fortsetzung ihres Debütromans Bis du wieder atmen kannst. Nahtlos knüpft die Autorin an dem den Lesern offerierten Cliffhanger an und katapultiert abermals in einen Strudel emotionsgeladener Brisanz.

Julia Carter springt über ihren Schatten und erfährt dabei, dass Geborgenheit, Vertrauen und Liebe eine geschundene Seele heilen können. Jeremy Houser wird mit einem Kapitel seines Lebens konfrontiert, das sich als Büchse der Pandora entpuppt. Eines ist sicher, Jessica Winter zieht in ihrem Buch jegliche Register, wenn es darum geht, die Stärken und Schwächen — kurzum die Menschlichkeit — ihrer Protagonisten in den Vordergrund zu rücken. Nicht minder bedeutsame Rollen nehmen allerdings auch die unterstützenden Charaktere der Geschichte ein. Die einen überzeugen durch ihre ungebrochene Loyalität. Andere lassen aufgrund ihrer Abgeklärtheit schaudern.

Dieser Jugendroman ist alles andere als leichte Kost. Es gelingt ihm zu rühren, zu polarisieren, zu manifestieren. Ein Repertoire, das mich beeindruckt. Die Tiefgründigkeit, mit welcher die Autorin den Weg ihrer Figuren versieht, ist exemplarisch. Und obgleich mich im Verlaufe der Kapitel die Denk- und Handlungsweise Jeremys zunehmend irritierte, repräsentiert er damit tiefenscharf eine Seite der Medaille. 

Die Verschmelzung aus hoffnungsfrohem Glauben an die Liebe und lähmender (Un-)Gewissheit stellt sich als großes Plus des Romans dar. Bittersüße Details schillern dabei ebenso wie marternder Starrsinn. Resignation wird zum Dämon, Verbundenheit zum Rettungsanker. Jessica Winter hat ihre Stimme und Stilistik gefunden und verleiht damit dem Genre, in dem sie zuhause ist, eine eigene einprägsame Note. 

Ein Roman, dessen Spannungsbogen durch seine präzise in den Mittelpunkt gestellte Problematik bis zum buchstäblichen Schluss auf hohem Niveau gehalten wird. Zugegeben, zwischenzeitlich hatte ich mir gar eine andere Entwicklung ausgemalt, doch das eigentliche Finale sorgt für ein Crescendo, das bleibt.

FZIT: Nachdrücklich. Intensiv. Echt.


Dienstag, 1. Dezember 2015

[Buchpost] Gefühlsbeben im Paradies

Einmal mehr, und das auch noch in der wunderbaren Adventszeit, erreichte ich brillante Buchpost. Allein die beiden Titel versprechen einiges an aufbrausenden Wogen, Drama, Rebellion und Herzklopfen eingebettet in eine Kulisse mit dem gewissen Etwas!

Make it count: Gefühlsbeben von Carrie Price erscheint nach dem Erfolg im Selbstverlag nun in Neuauflage und mit Rüschchen versehen bei Knaur. Ich könnte mich nicht mehr über diese gedruckte Tatsache freuen!!! 

Und auch Chelsey Philpots Ein anderes Paradies passt nicht weniger in meine stetig wachsende Sammlung an Jugendbüchern, deren Ecken und Kanten Profil geben. Ich bin gespannt.

Falls ihr mich sucht: Ich sitze dann also mit meiner Lektüre draußen am Pier. Ist schließlich das perfekte Plätzchen ...


Freitag, 21. August 2015

[Rezension] Stolperherz (Britta Sabbag)

Britta Sabbag: Stolperherz 

Als moralische Unterstützung mit einer echt angesagten Band einmal auf Tournee gehen ... und zwar im Tourbus. 

Was für die meisten von uns mit höchster Wahrscheinlichkeit vermutlich nie eintreffen wird, durfte Autorin Britta Sabbag vor Jahren selbst erleben. Ein zweifellos prägendes Erlebnis, das sie nun als Inspiration für ihren ersten Jugendroman genutzt hat. Genial, wie ich finde.


~ Rezension ~

Wenn ein Herz Luftsprünge macht ...

Gerade als Sannys Leben ohnehin schon auf den Kopf gestellt wird, passiert etwas noch viel Unglaublicheres. Der sich sonst als unscheinbar fühlende Teenager wird von Greg, dem coolsten Bassisten aller Zeiten, eingeladen, ihn und seine Band Crystal auf Tour zu begleiten. Wow. Der Sommer ihres Lebens rückt in greifbare Nähe. Wäre da nicht Sunnys Mutter Lisa, die ihre Tochter unbedingt zur Kur an die See schicken will. Denn Sanny leidet seit Jahren unter akuten Herzproblemen und eine OP steht kurz bevor. Aber davon möchte Sanny jetzt nichts mehr wissen. Daher fasst sie einen Entschluss: Tour statt Kur. Dazu klügelt sie einen Plan aus, der auf mehr als wackligen Beinen steht.

Mit Stolperherz ist Autorin Britta Sabbag ein aufgewecktes Debüt im Genre Jugendliteratur gelungen, das sich nicht nur sehen lassen kann, sondern gar den Wunsch einer Zugabe aufkommen lässt.

Sanny ist der Auffassung, das wohl unmutigste Mädchen der Welt zu sein. Viel zu behütet fühlt sie sich zuhause. Gar unsichtbar scheint sie in der Schule zu sein. Damit erfüllt die fünfzehnjährige Sanny die besten Voraussetzungen, zu einer Protagonistin zu werden, die im Verlaufe der Geschichte lernt, über sich hinauszuwachsen. Und genau dies geschieht. Britta Sabbag schenkt ihrer sympathischen Hauptfigur Flügel. Erwartungsgemäß läuft nicht alles glatt und Sanny wünscht sich nicht selten, im Erdboden zu versinken. Aber gerade dies verleiht ihrem Charakter große Lebensechtheit. Aus der Reihe der Nebenfiguren sticht für mich ganz klar Flocke, der chronisch nervende, aber dennoch liebenswerte Kumpel an Sannys Seite hervor. Er verkörpert einen super Nicht-mit-ihm-aber-auch-nicht-ohne-ihn-Wegbegleiter.

Mir gefällt nachdrücklich besonders gut, auf welche Weise es der Autorin gelingt, die Welt mit den Augen von Teenagern zu sehen. Eigensinnigkeit, die Sehnsucht nach Freiheit, Herzklopfen  all diese Komponenten vereint dieses Buch in einer angenehmen Dosierung. Dabei sorgen ein wenig Übermut und die Liebe zur Musik für eine schwungvolle Dynamik. Die auf den Punkt gebrachte und toll verpackte Botschaft Britta Sabbags lautet: Trau dich auf Reisen zu gehen und zu dir selbst zu finden!

Drollig, leichtfüßig und abenteuerlustig wird die Handlung Kapitel für Kapitel — also, von Gig zu Gig  vorangetrieben. Während des Lesens kommt somit das Empfinden auf, tatsächlich selbst die Tournee von Crystal zu begleiten. Für jeden Konzertfan des wahren Lebens ein sicherlich großes Plus, das Begeisterung weckt und mehr als ein Roadie-Gefühl beschert.

Alles in allem lädt dieses Jugendbuch zu einem Roadtrip ein, der mehr ist, als er anfangs scheint. Aus einem Sommer voller Musik wird ein Sommer, in dem Herzen heilen ... oder auch komplett brechen können.  


FZIT: Echt. Spontan. Mutig.


Freitag, 14. August 2015

[Rezension] Eine Woche, ein Ende und der Anfang von allem (Nina LaCour)

Nina LaCour: Eine Woche, ein Ende und der Anfang von allem

Da mein Herz für gute "Roadmovie-Lektüre" schlägt, war ich überaus verzückt, als ich vom Carlsen Verlag die Einladung bekam, das neuste Jugendbuch von Nina LaCour zu lesen. Danke schön dafür!

Schon allein das Cover finde ich klasse. Es verspricht Frische, Erlebnis und Flair. Nichts ist gegen einen derartig feinen ersten Eindruck einzuwenden, oder?

Wie mir nun die Woche mit Bev, Colby, Alexa und Meg, in der Umbrüche unvermeidlich waren, bekommen ist? Nun ja, lest selbst. 

Cover: Carlsen


~ Rezension ~

Kann sich etwas Richtiges falsch anfühlen?

Nach der Highschool soll für die besten Freunde Bev und Colby das große, unwiderstehliche Abenteuer beginnen: Gemeinsam möchten sie für ein Jahr durch Europa reisen, während ihre ehemaligen Mitschüler am College im Vorlesungssaal sitzen. Ein Jahr, in dem vieles passieren kann. Doch bevor die beiden Abfliegen gehen sie noch mit Bevs Girlband, The Disenchantments, auf Tour. Ein Roadtrip, der die Wende bringen und Colbys Welt aus den Angeln reißen soll. Denn noch während der Tour offenbart ihm Bev, dass sie keinesfalls plant, mit ihm nach Europa zu reisen. Colby ist geschockt und seine Vorstellung einer glücklichen, vielleicht sogar beiderseits verliebten Zukunft mit Bev zerplatzt wie eine Seifenblase. Weshalb hat Bev ihm nur so verdammt lange nichts von ihren eigenen Collegeplänen erzählt? Welche Geheimnisse hat sie noch vor ihm?

In ihrem Jugendbuch Eine Woche, ein Ende und der Anfang von allem erzählt Nina LaCour lebhaft die Geschichte einer tief verwurzelten Freundschaft, die plötzlich an einem Scheideweg angekommen ist.

Bev und Colby sind seit ihrem neunten Lebensjahr beste Freunde, die Seite an Seite durch dick und dünn gegangen sind — bis zu diesem Sommer. Die Wellenlänge der beiden scheint mit einem Mal sehr unterschiedlich. Ungewissheit, Enttäuschung und Verlustangst dehnen das beständige Band ihrer Freundschaft plötzlich bis zum Zerreißen aus. Nina LaCour gelingt es, ein emotionales Spannungsverhältnis zwischen ihren Protagonisten zu kreieren, das anspricht. Lebenshunger und Liebeskummer mischen sich unter Abenteuerlust und Sprachlosigkeit. Damit fängt die Autorin die Phase des Erwachsenwerdens am Puls der Zeit ein.

Als Setting für ein sich mehr und mehr zuspitzendes Gefühlschaos bietet sich die gewählte Bandtour und der damit verbundene Roadtrip durch die USA ideal an. Das ekstatische Gefühl von Selbstbestimmung vibriert zwischen den Zeilen und macht es dem Leser leicht, Bev, Colby und ihren Freunden nicht von der Seite weichen zu wollen. Besonders gut gefällt mir an diesem Jugendroman, dass die Leichtigkeit des Seins mit einer deutlichen Prise Melancholie und Nachdenklichkeit versehen ist. Damit macht Nina LaCour deutlich, dass das Leben eben oft eine emotionale Achterbahn- oder eben VW-Busfahrt sein kann.

Ausgefeilt bringt die Autorin viele kleine originelle Details zum Leuchten. Die Charaktere überzeugen durch unterschiedlichste Facetten, die Kulisse durch einen authentischen Charme des wenig Pompösen, die Tonalität durch eine Mischung aus jovialer Beschwingtheit und wachsendem Verantwortungsbewusstsein für das große Ganze. Obgleich sich der Roman durchweg sehr kurzweilig liest, habe ich das Gefühl, dass er nach einem fulminanten Start in der zweiten Hälfte einen Gang zurückschaltet. Dennoch bleibt der Spannungsbogen hinsichtlich des tatsächlichen Ausgangs dieses Roadtrips bis zum letzten Tag, was dem letzten Kapitel entspricht, bestehen.

Insgesamt ein Jugendbuch, welches wie gemacht ist für Freunde des Weltenbummelns. Alles hat seine Zeit: das Unbeschwerte, das Verrückte, das Desillusionierte. Nina LaCour lädt zu "einer Woche" voller bittersüßer Erinnerungen ein, die es wert sind, gesammelt zu werden.  

FZIT: Abenteuerlustig. Zerbrechlich. Endlich.


Dienstag, 11. August 2015

[Rezension] Schau mir in die Augen, Audrey (Sophie Kinsella)

Sophie Kinsella: Schau mir in die Augen, Audrey 

Der Hang, Geschichten zu erzählen, in denen eigenwillige, markante Charaktere die erste Geige spielen, ist der britischen Autorin Sophie Kinsella wahrlich nicht abzusprechen. Daher auch kein Wunder, dass sie mich bereits mit ihren unterhaltsamen Romanen hat bei guter Leselaune halten können.

Nun erschien ihr erster Abstecher in das Genre der Jugendliteratur und ich war gespannt. 

cbj audio, herzlichen Dank für das großzügig zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

Wie würde Sophie Kinsella den Bogen in die Gefühlswelt eines Teenagers schlagen können? Und welche Rolle würde bei der Hörbuchversion die preisgekrönte Sprecherin Maria Koschny spielen? Na, lest selbst!

Cover: cbj Verlag


~ Rezension ~

Das Porträt einer liebenswert chaotischen Familie

Seit die vierzehnjährige Audrey vor einigen Monaten in ihrer Schule Opfer schrecklicher Anfeindungen geworden ist, hat sich für ihre gesamte (schräge) Familie das Leben verändert. Denn Audreys Panikattacken und Angst vor menschlicher Nähe erfordern Verständnis und Einfallsreichtum aller Familienmitglieder. Und während andere Teenager in einer Sonnenbrille ein hübsches Accessoire sehen, ist diese für Audrey der wenigstens ein bisschen Selbstsicherheit gebende Schutzwall, der zwischen ihr und der Welt steht. Als das Mädchen allerdings eines Tages Bekanntschaft mit Linus, einem guten Freund ihres Bruders Frank macht, bekommt dieser Wall Löcher. Löcher, durch die Audrey einen Blick auf viele neue Großartigkeiten erhaschen kann. Dies wirft die Frage auf: Was wäre wenn ... sie die Sonnenbrille eines Tages nicht mehr bräuchte?

Mit Schau mir in die Augen, Audrey feiert Bestsellerautorin Sophie Kinsella nun ihr Jugendbuchdebüt. Hervorragend gelesen wird der Roman in der Version des Hörbuchs von Maria Koschny

Die zurückliegenden Monate waren alles andere als leicht für Audrey. Doch die Gespräche mit Dr. Sarah waren schon recht hilfreich. Was allerdings erstaunlicherweise noch viel angenehmer ist, sind die Korrespondenzen mit Linus. Was geht hier vor sich? Sophie Kinsellas Protagonistin befindet sich in so etwas wie einem umgekehrten freien Fall  von der Hölle in den siebten Himmel. Jene besondere Selbstfindungsreise ist eingebettet in ein warmherziges, bisweilen schrulliges Umfeld aus Mitmenschen.

Die Thematik des Anders- und Außenseiterseins geht die Autorin mit einer angenehmen Mischung aus Dringlichkeit und Charme an. Ersteres, weil immer wieder das Leben nach einer schwerwiegenden Mobbingattacke beleuchtet wird. Wie findet man das Vertrauen in sich und andere Menschen wieder, das einem so jäh entrissen worden ist? Letzteres, indem pfiffige Überspitzungen und drollige Klischees gerade in den Zeichnungen der Charaktere die entsprechende Lockerheit entgegensetzen. 
Weitere Schwerpunkte des Erwachsenwerden, zum denen klopfende Herzen, knallende Türen und kuriose Marotten gehören, flicht Sophie Kinsella auf schwungvolle, amüsante und manchmal nachdenkliche Art und Weise in ihre Geschichte ein. Daraus ergibt sich für mich ein rundum sympathisches Gesamtpaket.

Eine mal legerere, mal tiefschürfend nachhallende Tonalität geht stilistisch Hand in Hand mit der typischen Unterhaltsamkeit à la Kinsella. Das sich Hauptfigur Audrey ihre Welt mittels eines Videotagebuchs erschließt, kommt als bei heutigen Teenagern total beliebtes Medium ergänzend hinzu. Clever und auf Augenhöhe.

Ein absolut unschlagbares Plus dieses Hörbuchs ist die unnachahmlich lebhafte Vortragsweise durch Synchronsprecherin Maria Koschny. Die Individualität der einzelnen Figuren unterlegt sie mit beinahe überschäumender Intensität. Mich persönlich begeistert diese Interpretation rundum.

Summa summarum kommt Sophie Kinsella hier mit einem ersten Jugendbuch daher, dessen Gesamtheit äußerst anspricht. Die Balance zwischen den Höhen und Tiefen des Teenagerseins wird gefunden und durch das Ensemble an einzigartigen Charakteren wirklich schön und feinsinnig und gelegentlich auch stereotyp "gelebt". 

FZIT: Gewinnend. Temperamentvoll. Herzig.


P.S.: Hier ein ausführliches und, wie ich finde, tolles Interview zum Buch, das Jojo Moyes mit Sophie Kinsella geführt hat