"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 15. Dezember 2015

[Schreibzeugkiste] Hinter den Kulissen eines Romanes lesend

Buchblogger zu sein, hat viele schöne Seiten. So viele, dass sich darüber vermutlich selbst einige Seiten oder gar ganze Bücher füllen ließen. Die Begeisterung fürs gedruckte Wort, fürs Lesen, fürs Geschichtenerzählen miteinander zu teilen, ist für mich eine der besonders hübsch illustrierten und kolorierten Seiten dessen. 

Und noch etwas. Etwas ganz Großes. Und wirklich Unbezahlbares. Etwas, das sich nicht rezensieren, tweeten oder fotografieren lässt.

Wenn ich als Leser zu Sherlock Holmes werden darf

Es ist Vertrauen. Das Vertrauen, das ich seitens Autoren erfahre, die mir – weit vor Veröffentlichung – einen Einblick in ihre Skripte gewähren. Mich dort auf Spurensuche gehen lassen und dann nach meinem Eindruck, meiner Meinung fragen. Ganz ehrlich, das sind Erfahrungen, für die ich wohl nie oft genug danke sagen kann. Denn wie häufig kommt man als Bücherwurm schon die Gelegenheit, ein Buch – vielleicht sogar sein neues Lieblingsbuch – von klein auf wachsen zu sehen? 

Normalerweise treffen wir doch auf die Bücher, nachdem sie die Generalprobe erfolgreich absolviert haben und fein in Szene gesetzt aus der Maske kommen, bereit für den Auftritt im Rampenlicht der Büchertheken.
Aber die ersten, vielleicht noch unsicheren Schritte, die mehr oder weniger ernsthaften Kinderkrankheiten und das gute Zureden hinter den Kulissen bekommen wir üblicherweise nicht mit. Umso großartiger und unvergesslicher sind für mich die Stunden, die ich mit Charakteren, von denen ich spüre, dass sie das Zeug dazu haben, die Welt und die Leserherzen gleichermaßen zu erobern, vorab verbringen darf. Ich meine, hey, ich bin weder Literaturagent noch Verlagsscout oder Lektor. Aus diesem Grund ist es für mich keinesfalls an der Tagesordnung, mich von zukünftigen Publikationen umgeben zu wissen. Ich bin lediglich Leserin. Eine von vielen. Vielen hundert, tausend oder zehntausend. Mit diesem Bewusstsein im Kopf und Herzen fühle ich mich umso geehrter, eben diese grandiose Erfahrung an der Seite eines Schriftstellers, dessen Arbeit und Persönlichkeit ich schätze, machen zu dürfen.

Wir alle kennen dieses Gefühl, wenn wir uns die Euphorie packt, weil wir uns in eine Idee verliebt haben. Seien dies nun die schillernd bis verrückten Vorstellungen einer Urlaubsplanung, eine Veränderung im Job oder eben eine Romanidee. Und ebenso kennen die meisten von uns sicher auch diese knirschende Unsicherheit und das penetrante Hadern, wenn es darum geht, der Vorstellungskraft Taten folgen zu lassen. Denn: Was, wenn … oder vielleicht sollte ich ja noch einmal darüber schlafen … oder ... ach, nein … oder doch?

Wenn mir also ein Autor von seinen Ideen, Plänen, Zweifeln erzählt und mir dann gar sein Buchbaby anvertraut, noch bevor es krabbeln, sitzen, geschweige denn laufen kann, ist das für mich einfach nur ein Ritterschlag. Das mag für den einen oder anderen möglicherweise etwas überspitzt klingen, entspricht jedoch voll und ganz meiner Überzeugung.

In diesem Sinne: Ein großes respektvolles Dankeschön an all die Autoren, die mit uns (bloggenden) Lesern auch ihre ungeschliffene, unlektorierte und eventuell noch nicht coverbildtaugliche Seite teilen. Chapeau! Denn wie sang bereits eine nicht völlig unbekannte Boyband vor einigen Jahren? "Don't need make-up to cover up. Being the way that you are is enough." Passt, wie ich finde. 


Dienstag, 7. Mai 2013

[Rezension] Mittsommersehnsucht (Elfie Ligensa)


Elfie Ligensa: Mittsommersehnsucht 

Dank vorablesen.de durfte ich auf eine Reise ins malerische Norwegen gehen und damit auf den Spuren eigener Urlaubserlebnisse wandeln. Das hat mir riesig Freude bereitet, denn durch jene eigenen Erinnerungen empfand ich während des Lesens diese sehr spezielle Vertrautheit. Orte und Begebenheiten nahmen für mich daher gleich doppelt intensive Form und Farbe an.
Die Geschichte selbst besticht zwar nicht durch unergründliche Tiefen, dafür kommt die Liebe zu Skandinavien umso leuchtender zur Geltung. Für Norwegenfans definitiv empfehlenswert! 


~ Rezension ~

Wenn das Schicksal seine Finger im Spiel hat …

Der Liebe wegen zieht es die deutsche Ärztin Andrea Sandberg nach Norwegen. Sie setzt mit ihrem Schritt alles auf eine Karte und wird dabei von Jonas, ihrem Verlobten, zutiefst enttäuscht. Doch so schnell lassen Andrea die norwegischen Reize nun nicht mehr los und unverhofft begibt sie sich auf eine Reise, die ihren Glauben an das Gute und Ehrliche, aber ebenso an das Mystische und Sagenhafte wiedererwecken soll.
Rasch stellt sich der jungen Ärztin erneut die Gewissensfrage, ihrem Herzen oder dem rationalen Verstand zu folgen, wobei sie auf herzliche Freundschaften, ungeahnte Leidenschaft und eiskalt berechnende Kriminalität stößt.

Mittsommersehnsucht ist ein Roman, der seinem Titel alle Ehre macht. Die klaren Assoziationen mit hoffnungsvoller Liebe, berührender Verbundenheit und grenzenloser Enttäuschung stehen deutlich im Fokus. Dieser Rahmen wird allerdings durch liebevolle Geschichten zu Land und Leuten sowie detailgetreue Beschreibungen der beeindruckenden Landschaft ergänzt. Damit gelingt es Elfie Ligensa beidem gerecht zu werden – der Sehnsucht nach einer kuscheligen Liebesgeschichte, über die sich ein Schatten wirft, und der Sehnsucht nach der unvergesslichen Reise in den hohen Norden.

Die Protagonistin wird als starke und zugleich sensible Frau gezeigt, deren Lebensweg eine plötzliche Wendung nimmt. Dabei spielt eine Vielzahl von Zufällen, die sich manchmal wie Perlen an einer Kette aneinanderreihen, eine intensive Rolle.
Die Autorin kreierte eine dynamische Handlung, die trotz gelegentlicher Vorhersehbarkeit bestens unterhält. Hierbei gewinnen besonders die Komponenten Herzschmerz, Schicksalshaftigkeit und Glück im Unglück an Kraft.

Mir hat die gesamte Komposition aus wendungsreichen Entscheidungen, skandinavischem Charme und Eigentümlichkeit der gezeichneten Figuren sehr gefallen. Besonders mochte ich die authentische Faszination von der Magie Norwegens, vor welcher der Roman sprüht und die umgehend auf den Leser überspringt. Dazu zählen neben den ausführlichen Naturbeschreibungen auch die Trollgeschichten und die aufgegriffene Lebensweise der einheimischen Samen.

Meines Erachtens nach spiegelt dieses Buch ein Lebensgefühl wider, von dem wir uns im alltäglichen Einerlei ruhig mehr gönnen sollten. Ein Roman, der entzückt, Neugier weckt und ein Land in einem unwiderstehlichen Licht erstrahlen lässt.

F★ZITGefühlvoll. Ambitioniert. Einladend. 


Montag, 21. Januar 2013

[Rezension] Das fremde Haus (Sophie Hannah)

Sophie Hannah: Das fremde Haus 

Diesen im Januar 2013 erschienenen Thriller durfte ich im Rahmen der Teilnahme an der Lesejury von Bastei Lübbe bereits als gebundenes Skript (allerdings noch ohne endgültiges Format) im Dezember 2012/ Januar 2013 testlesen. An dieser Stelle geht ein Dank an den Verlag!
Die Geschichte ist keinesfalls leichte Kost und vor allem die Wandelbarkeit oder, besser gesagt, die Unberechenbarkeit der Figuren verlieh dem als Psychothriller ausgewiesenen Werk die Aura von Zweifelhaftem und unterschwellig Bedrohlichem. Das Buch so bei Nacht und Nebel zu lesen, ist alles andere als behaglich.


~ Rezension ~

Der Schein trügt

Die Ehe von Connie und Kit Bowskill ist trotz der äußeren harmonisch scheinenden Fassade alles andere als idyllisch. Doch das Brodeln unter der Oberfläche konnten die beiden bisher recht gut kaschieren. Bis zu jener verhängnisvollen Nacht, in der Connie bei einem virtuellen Hausrundgang für ein paar Sekunden eine blutüberstömte, leblose Frau entdeckt, die anschließend von der Bildfläche verschwunden ist. Auf der Suche nach der Wahrheit und vor allem nach dem Täter offenbart sich ein tiefer Schlund aus Misstrauen, Besessenheit und Groll.

Die britische Autorin Sophie Hannah erweckt mit Das fremde Haus eine Kulisse zum Leben, die voller Geheimnisse, Abgründe und Wirrungen steckt.
Die Zutaten für einen Psychothriller sind gegeben und ziehen in einen Kreislauf aus Irrungen, Scheinheiligkeiten und bizarren Handlungssträngen.

Die angespannte, undurchdringliche Stimmung unter den Protagonisten überträgt sich mit fortlaufender Geschichte zunehmend auf den Leser. Zwischen Wahrheit, Fiktion und Hirngespinst lässt sich immer schwieriger unterscheiden. Ein Gefühl, welches den Grundtenor eines Werkes des Genres Psychothriller bestens widerspiegelt.

Die Figuren selbst umfassen ein breites Ensemble aus neurotischen, intriganten und auch schwer zu interpretierenden Charakteren. Ihre Wandelbarkeit stellt sich im Laufe der Handlung heraus und führt entsprechend der Ermittlungen zu stets neuen Erkenntnissen.
Peu à peu setzt sich ein Bild zusammen, welches anfangs nur durch eine Milchglasscheibe zu sehen war.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und komplex, wenngleich die Sprünge in Ort und Zeit der Handlung sowie die Gedankengängen der Protagonisten kombiniert mit den verstrickten persönlichen Geschichten jeder einzelnen Figur durchaus für ein Knäul aus Fragezeichen sorgen können. 
Diese Verstrickung kann einerseits den Lesefluss etwas holprig gestalten, anderseits unterstreicht sie in diesem Falle die absurden Entwicklungen innerhalb der Geschichte recht treffend. Bei mir wechselten sich genau jene Empfindungen während des Lesens regelmäßig ab. 
Ein Gefühl der Zerrissenheit, weil die Zahnrädchen nicht reibungslos ineinandergriffen. Was also den Lesekomfort nicht zwangsläufig fördert, betont dagegen die inhaltliche Beklommenheit. Dessen sollte sich der Leser bewusst sein.

Alles in allem ein Buch mit Potential, das nicht alltäglich daherkommt und auf die Wachsamkeit des Lesers setzt.

F★ZIT: Konträr. Undurchsichtig. Analytisch.


Donnerstag, 27. Dezember 2012

[Rezension] Das grüne nicht nur vegetarische Kochbuch (D. v. Cramm)

Dagmar von Cramm: Das grüne nicht nur vegetarische Kochbuch 

Zu diesem heiß begehrten Buch kam ich dank (m)einer Glücksfee, die mir ein Exemplar zum Testlesen und -kochen im Rahmen einer interaktiven Leserunde auf LovelyBooks hat zukommen lassen. Super!
Da ich aus privaten Interesse für Themen à la "Wie grün ist grün?", "Minimierung des ökologischen Fußabdrucks" oder auch "Wie lässt sich ein überzeugender Einklang zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Komponenten des Alltagslebens finden?" aufgeschlossen bin, kam mir dieses besondere Kochbuch wie gerufen. Ums auf den Punkt zu bringen: Besser ging's nicht! Enttäuscht wurde ich beim Schmökern und Entdecken von facettenreichen Rezepten dann auch nicht, was mich persönlich wenig überraschte ...


~ Rezension ~

Das clevere Schlemmen

Dieses Kochbuch bietet grünen nicht nur vegetarischen Genuss rund ums Jahr. Schließlich widmete Dagmar von Cramm jeder der vier Jahreszeiten ein eigenes umfangreiches Kapitel, das zahlreiche abwechslungsreiche Rezeptideen sowohl für den Gelegenheitskoch als auch für den Routinier am Herd bereithält. 
Die vorgestellten Rezepte reichen von der leichten Vorspeise über den pikanten Hauptgang bis hin zum fruchtigen Dessert, sodass in jeder Saison für jeden Geschmack etwas aus dem Kochtopf gezaubert werden kann. Zusätzlich gibt eine Vielzahl bunter Illustrationen dem Leser/ Koch eine Vorstellung darüber, welche Form die zubereitete Speise vorzugsweise annehmen könnte.

Als Ernährungsexpertin kreierte die Autorin mit Das grüne nicht nur vegetarische Kochbuch einen hilfreichen Ratgeber, der auf die Wichtigkeit einer sinnvollen und nachhaltigen Zubereitung von Gerichten aufmerksam macht und plausibel das Logische vor Augen führt, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger in die Ecke zu drängen.
In einer schnelllebigen Konsumgesellschaft wie der unseren kommt der bewusste Genuss oft viel zu kurz. Das muss jedoch nicht sein! Darauf und ebenso auf die Tatsache, dass das Gute und Gesunde unserer täglichen Ernährung über das Gemüse vom Wochenmarkt hinausgeht, weist von Cramm geschickt hin.

Tipps zum grünen Einkaufen bereichern dieses Kochbuch gleichermaßen wie ernährungsphysiologische Erläuterungen, Einblicke in die Statistiken unserer Ernähungsgewohnheiten und Hinweise zum Minimieren unseres „ökologischen Fußabdrucks“ im Ressort „Küche“.

Die vorgestellten Rezepte – von der Tomaten-Frittata bis zu den Wildbirnen mit Radicchio – verfügen über eine nachvollziehbare Anleitung samt Produkttipps, Serviervariationen und Nährwertangaben.
Besonders hat mir die kreative Vielfalt der Gerichte gefallen, die zum Experimentieren und Probieren einlädt. Dabei werden traditionelle Rezepte, die seit Generationen begeistern, ebenso vorgestellt wie modern-spritzige Gänge.

Dieses Kochbuch mit dem etwas anderen Grundsatz gehört in die Hände eines jeden (Hobby-) Gourmets, der nicht nur sich und seinen Lieben, sondern auch unserem Planeten etwas Gutes tun möchte. Denn in diesem Werk wird der momentan hochaktuelle Nachhaltigkeitsgedanke auf die gleiche Weise betont wie das Bedürfnis nach intensiven Gaumenfreuden.

F★ZIT: Geschmackvoll. Illustrativ. Aktuell.


Freitag, 21. Dezember 2012

[Rezension] African Tango (Stephan Sarek)

Stephan Sarek: African Tango – Truthuhnparadies Vol. 2 

Dank einer netten Anfrage seitens des fhl Verlags, ob ich nicht Lust und Laune hätte, an einer auf LovelyBooks stattfindenden Leserunde zu dem neuen Buch von Stephan Sarek teilzunehmen, wurde ich auf diesem Roman aufmerksam. Und ob!! Ganz klare Sache, natürlich sagte ich zu! Eine Entscheidung, die ich keinesfalls bereuen sollte.
Ich habe selten ein derart an Kuriositäten und möglichen Unmöglichkeiten überschäumendes Buch gelesen. Sehr gewitzt und nicht zu empfehlen, sollte schriller Humor nicht zu den persönlichen Vorlieben zählen. Bei mir bleibt diese konfuse Geschichte, die nach Fortsetzung schreit, mit Sicherheit in Erinnerung! Danke für dieses Lesevergnügen an Autor und Verlag!


~ Rezension ~

Wie wahrscheinlich ist es, dass Truthühner Tango tanzen?

Auf der Flucht vor der Polizei müssen Maria und Björn dem Prenzlauer Berg den Rücken kehren und stattdessen mit sich umgehend neu geschaffenen Identitäten untertauchen. Als wäre diese Situation allein nicht schon prekär genug, kommen sie ohne jegliche Vorwarnung in den Genuss des Elternseins – wird ihnen kurzerhand ein afrikanisches Baby in Obhut gegeben, das eine Vorliebe für Tangomusik hat. Doch wer sind die leiblichen Eltern des Kleinen und weshalb um Himmels willen landete Michael Jackson mit einem Raumschiff mitten in Berlin? Für Maria und Björn beginnt eine verquickte, turbulente Spurensuche …

Mit African Tango, dem Nachfolger von Das Truthuhnparadies knüpft Stephan Sarek nahtlos an die skurrilen Erlebnisse Maria und Björns an. Auch dieses Mal entführt der Autor den Leser an die Seite des jungen, chaotischen und sehr ungleichen Paars, dessen Alltagsabenteuer schräger sind als der Schiefe Turm von Pisa.

Humor, Absurdität und jauchzende Unbedarftheit machen diesen Roman zu einem Stück Unterhaltung, in dem sich Wahnsinn, Schicksal und Situationskomik die Klinke in die Hand geben.
Die herrlich abgedrehten Charaktere laufen in Teil 2 der Reihe ein weiteres Mal zu bestechender Hochform auf, wobei sich erst durch das Verweben der einzelnen Handlungsstränge miteinander das komplette Kaleidoskop an unvergleichlichem Aberwitz ergibt.
Zusätzlich spielen hierbei die Vorliebe fürs Über- und Außerirdische ebenso eine tragende Hauptrolle wie die verzweifelte Suche nach der eigenen Identität und die Leidenschaft fürs Tangotanzen. Ein Potpourri, das mächtig für Unterhaltung sorgt.

Die Beständigkeit des Durchgedrehten und die Gabe, selbst aussichtslose Situationen durch präzisen Galgenhumor weniger trist erscheinen zu lassen, machen dieses Buch für mich so besonders. Es genügt selbst ein wenig bildliche Vorstellungskraft seitens des Lesers und schon ist mindestens der Schmunzelalarm abonniert.

Da Sarek die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt, entstehen die unterschiedlichsten Blitzlichter, die sich anschließend – durch das (zufällige) Kreuzen ihrer Wege – als ein Feuerwerk des Unwahrscheinlichen offenbaren.
Der Schreibstil ist eingängig und damit entsprechend der Handlung unterhaltend und leserfreundlich, wenngleich nicht allzu tiefsinnig. Gefallen hat mir, als Freund des ungewöhnlichen Humors, vor allem die sich in den Dialogen und Gedankengängen herauskristallisierende Unbeholfenheit, Verwirrtheit und Improvisationsmoral der Figuren.

All denjenigen, die hin und wieder gern das verrückte (Trut-) Huhn in sich entdecken und/ oder für Slapstick im literarischen Format eine Vorliebe haben, kann African Tango überaus empfohlen werden.

F★ZIT: Grotesk. Ausdrucksvoll. Ulkig.


Montag, 19. November 2012

[Rezension] Da war'n es nur noch drei (Ina Bruhn)


Ina Bruhn: Disconnected 1 … Da war’n es nur noch drei 

Zu diesem Jugendbuch, das den Anfang einer (interaktiven) Reihe darstellt, kam ich durch eine Leserunde bei LovelyBooks.
Ein dänischer Jugendkrimi, dessen Ausgang noch vollends ungewiss ist, wird dem Leser präsentiert. Neben all der Brisanz fällt vor allem die Lässigkeit der Teenager ins Auge, die allerdings auch als Lebensunerfahrenheit gewertet werden kann. Hinzu kommen eine Portion Hightech, typischer Jungenhumor und das unerklärliche Verschwinden eines der Protagonisten.


~ Rezension ~

Zwischen Realität und World Wide Web

Nach den Sommerferien erkennen Mateus und Nick ihren besten Freund Jonathan kaum wieder. Aus dem einstigen Musterschüler und verantwortungsbewussten Freund ist ein desinteressierter, arroganter Junge geworden, der nichts und niemanden mehr für schätzenswert hält.
Als Matheus und Nick dann eines Tages dubiose Nachrichten eines ihnen fremden Ikarus’ via Facebook erhalten, die auf das neue Doppelleben ihres Freundes anspielen, wird die Lage immer mysteriöser. Sind die Zeitungsartikel, an denen Jonathan arbeitet, doch nur Fassade und es steckt viel mehr dahinter? Jonathans spurloses Verschwinden ist wohl der beste Beweis dafür.

Da war’n es nur noch drei (erschienen im KOSMOS Verlag) ist der Beginn einer sechsteiligen Jugendbuchreihe, die das plötzliche Verschwinden Jonathans und die dunklen Verstrickungen um seine Suche thematisieren.
In diesem ersten Buch, das von der dänischen Autorin Ina Bruhn geschrieben wurde, werden die undurchsichtigen Geschehnisse durch den Ich-Erzähler Matheus zum Leben erweckt.
Die Problematik, die in diesem Teil besonders herausgestellt wird, ist die des Drogenkonsums. Die Definition „Genussmittel“ wird von den jugendlichen Charakteren weit interpretiert und dementsprechend gelebt.
Der Schreibstil ist durch Kürze und Übersichtlichkeit geprägt, wobei eine Vielzahl von Dialogen die Handlung voranbringt.
Das komplett offene Ende des Buches empfand ich als sehr gelungen, betrachtet man die Tatsache, dass noch fünf weitere Bücher erscheinen, bis das Geheimnis um Jonathan, Ikarus & Co. endgültig gelüftet wird.

Alles in allem spiegelt das Buch für mich eine Art Wolf im Schafspelz wider: Eine undurchdringliche Handlung, die Bedrohung und Ungewissheit in sich birgt, umhüllt von der leichten Naivität jugendlicher Spürnasen. Die Neugier ist geweckt und die Suche beginnt …

F★ZIT: Undurchsichtig. Jugendlich. Herb.



Montag, 29. Oktober 2012

[Buchpost] Geheime Familienbekenntnisse

Wie wundervoll ist das denn? Für die Buchbotschafter darf ich ein Buch lesen und rezensieren, das mich schon beim Stöbern in der Leseprobe eingefangen hat. 
Allein das Cover finde ich richtig gelungen. Wenn ich meinen Kompass beim Buchkauf nach Covern ausrichten würde, hätte ich einen schnurgeraden Weg zu diesem Buch gefunden. Eindeutig! Und auch die Aufmachung sowie die Handlung strahlen etwas aus, das ich noch nicht komplett in Worte kleiden kann. Manchmal kann man dieses Gefühl nicht erklären, es flirrt schlicht und ergreifend durch die Luft und erfüllt einen mit (Vor-) Freude. Kennt ihr bestimmt auch, nehme ich an. 
Vorerst würde ich meinen Eindruck als erfrischend anders mit Tendenz zum skurril Geheimnisvollem bezeichnen.

So, nun genug der Geheimniskrämerei. Bei dem Jugendbuch, in das ich Eintauchen darf, handelt es sich um Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern von Natalie Standiford, das im November 2012 deutschlandweit im CARLSEN Verlag erscheinen wird. 
Ich bin schon jetzt ganz hin und weg. Bleibt dieser Eindruck zu bestätigen und alles ist bestens.


Mittwoch, 24. Oktober 2012

[Rezension] Die Tigerfrau (Téa Obreht)


Téa Obreht: Die Tigerfrau 

Eine fiktive Geschichte, deren Handlung sowohl Wurzeln in realen Bedrohungen als auch sagenumwobenen Mythen hat. Dank LovelyBooks durfte ich die unerschrockene Protagonistin auf einer Reise durch die Fremde und gleichzeitig eine Reise zu sich selbst begleiten. 
Als einprägsam empfand ich dabei vor allem die verschiedenen Ebenen des Erzählens - Perspektiven, die neugierig machen.


~ Rezension ~

Auf den Spuren des Tigers …

Natalia ist eine junge Ärztin, die sich in ihrer kriegserschütterten Heimat aufopfernd für das Wohl der Kinder engagiert. Ihre Fürsorge und Disziplin stehen der ihres Großvaters, der einst einer der meist gelobten Ärzte des Landes war, in nichts nach.
Nun erreicht Natalia die traurige Nachricht vom Tod ihres geliebten Großvaters. Damit beginnt für Natalia eine Reise in dessen bewegte Vergangenheit. Dabei vermischen sich nicht selten bittere Realität und sagenhafte Erzählungen miteinander.

Dieses Buch wird durch die Gabe der Autorin bestimmt, wortgewandt und absolut bildhaft Geschichten zeichnen zu können. Mich berührte beim Lesen einfach die sanfte, weiche Sprache, die zugleich eine überzeugende Tiefgründigkeit und Ernsthaftigkeit verkörperte.

Téa Obreht schuf starke Charaktere, deren Faszination vor allem von einem Mantel der Undurchdringlichkeit ausgeht. Etwas sehr Geheimnisvolles strahlen die einzelnen Figuren aus, sodass man sich ihnen kaum entziehen kann.

Besonders mochte ich auch das Verflechten der einzelnen sagenhaften Begebenheiten miteinander, sodass sich letzten Endes ein Bild ergab, das einem Hologramm gleicht. Je nach Blickwinkel ist ein Teil der Geschichte ganz eindeutig oder auch beinahe völlig verschleiert.

Alles in allem ist Die Tigerfrau ein toller Debütroman, der unglaubliche, zerbrechliche und in Erinnerung bleibende Elemente zu einem literarischen Mosaik zusammenfügt.

F★ZIT: Einfühlsam. Tiefgreifend. Entdeckend. 


Mittwoch, 17. Oktober 2012

[Rezension] Totenzimmer (Susanne Staun)


Susanne Staun: Totenzimmer 

Der Thriller der dänischen Autorin Susanne Staun erschien am 24. August 2012 bei uns in Deutschland. Ich durfte ihn - ein Dank an vorablesen.de - bereits im Vorfeld lesen. 
Ich würde meinen, den Leser erwartet spannende Handlung, die dominiert wird von einer sehr eigenwilligen Hauptfigur. So außergewöhnlich der Fall ist, so speziell sind auch die Charaktere.


~ Rezension ~

Lauf um dein Leben!

Als die Rechtsmedizinerin Dr. Maria Krause aus dem Schlaf geklingelt und zu einem Tatort gebeten wird, ahnt sie noch nicht, dass dies erst der Beginn eines persönlichen Alptraumes ist. Plötzlich sieht sich Maria mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Denn sie hat ein Geheimnis, welches niemand hinter der Fassade aus Professionalität und kühler Distanz vermuten würde.
Als ein zweites junges Mädchen brutal zugerichtet aufgefunden wird und auch hier nur ein winziges, unglaublich scheinendes Indiz auf den Täter hinweist, beginnt die Jagd nach dem rätselhaften Mörder. Doch ist Maria bereit, dabei ihr dunkelstes Geheimnis zu offenbaren, um der Mordserie ein Ende zu bereiten?

Susanne Staun schrieb mit Totenzimmer einen Thriller, der mit seelischen Abgründen, dunklen Fantasien und einem steigenden Spannungsbogen aufwartet.
Die Protagonistin wird als unnahbare, starke und gleichzeitig auch unglaublich zerbrechliche Frau gezeigt, deren Moral und Vorlieben fragwürdig erscheinen. Um ehrlich zu sein, ist sie für mich ganz und gar kein Sympathieträger. Doch mit zunehmender Handlung lernt der Leser den Kern unter ihrer harten Schale kennen, wenn auch nicht zu verstehen.
Die Mordserie, welche die Autorin zeichnet ist geprägt von unglaublicher Brutalität, Besessenheit und Widerwertigkeit. Echte Erschütterung ergreift den Leser.

Die Handlung wird sowohl aus der Sicht der Rechtsmedizinerin als auch durch die Tagebuchaufzeichnungen eines psychopathischen Mörders wiedergegeben. Eine Erzählweise, die auf fesselnde Weise die Spannung zuspitzt. Eine Wendung kurz vor Schluss sowie das etwas offene Ende tragen ebenso zu einem wirklich abgerundeten Thriller bei, dessen Inhalte packen, erschüttern, den Atem stocken lassen.

Auch wenn ich zu Beginn des Buches nicht vollkommen überzeugt war, was wohl vor allem an dem Charakter der Hauptfigur lag, so wandelte sich mein Eindruck mit den zunehmenden Ermittlungen (auf eigene Faust).

Insgesamt ein Buch, dessen Handlung in die Tiefe geht und dem Leser einen Schauer über den Rücken jagt.

F★ZIT: Brutal. Makaber. Besessen.


Dienstag, 16. Oktober 2012

[Rezension] Mygnia - Die Entdeckung (Karl Olsberg)


Karl Olsberg: Mygnia – Die Entdeckung 

Über LovelyBooks kam ich als Testleser zu dem Vergnügen, in diese nicht alltägliche Handlung hineinzutauchen. Besonderes Highlight ist dabei natürlich das handsignierte Exemplar des Buches!
Gerade in Zeiten, in denen die Physik besonders durch ein paar charmant-chaotische Seriencharaktere wieder an Popularität gewinnt, stellt Mygnia ein wissenschaftlich angehauchtes Pendant für die Literaturbegeisterten unter uns dar.


~ Rezension ~

Wenn sich eine fremde Welt öffnet … 

Alex Mars schreibt als Journalist für die Abenteuer Universum und ist, um das Magazin vor dem endgültigen Sinkflug in der Gunst der Leser zu bewahren, auf der Suche nach einer besonders fesselnden Geschichte. Bei seinen Recherchen stößt er auf den Systemausfall einess Teilchendetektors am CERN in Genf. Augenzeugen berichten von regenbogenfarbenen Lichterscheinungen, der kleine Lukas sogar von der Ankunft eines Aliens.
Ereignisse, die den Wissenschaftlern die Haare zu Berge stehen lassen, Alex jedoch zum Nachforschen animieren. Gemeinsam mit Maja, Lukas’ Mutter, durchlebt er wenig später die Hölle auf Erden und wagt den Schritt, der offenbar kein Zurück gewährt.

Mygnia – Die Entdeckung ist ein moderner Roman, der reale Physik und Science-Fiction, den Wunsch der Menschheit nach der Entdeckung fremder Welten und die Angst vor dem Unerklärlichen auf eine sehr spezielle, definitiv unterhaltende Art miteinander verbindet.

Ein sympathischer Protagonist, der das Herz am rechten Fleck trägt, prägt die Handlung ebenso wie all die anderen, facettenreichen (irdischen und überirdischen) Charaktere. Die Beschreibungen mit Ecken, Kanten und Gefühlsechtheit haben mir das Lesen besonders vergnüglich gestaltet. Zu erleben, welche unbekannten Wesen außerhalb unserer Sphäre leben mögen, war eine nicht weniger interessante Leseerfahrung.
Olsberg gelingt es die schwierige Wissenschaft geschickt in eine clevere, vielschichtige Handlung, die der wirklichen Welt gar eine Art Spiegel vorhält, einzuflechten.

Das Portal zwischen Erde und Mygnia wurde geöffnet. Und nun – höchste Geheimhaltung oder Medienspektakel? Das absolut offene Ende des Romans lässt nicht nur Raum zu Spekulationen, sondern lädt den Leser unter www.mygnia.de direkt zum Schaffen einer fantastischen Welt ein.  

F★ZIT: Rätselhaft. Überirdisch. Forschend.


Montag, 8. Oktober 2012

[Rezension] Die Landkarte der Liebe (Lucy Clarke)

Lucy Clarke: Die Landkarte der Liebe 

Dank vorablesen.de hatte ich die Gelegenheit, diesen Roman, der heute, am 08. Oktober 2012, im Piper Verlag erscheint, noch vor dessenVeröffentlichung zu lesen.
So federleicht Titel und Cover daherkommen, genauso verletzlich und gleichermaßen verletzend stellt sich die Reise der Greene-Schwestern dar. Die köchelnde Emotionalität, die geschilderte Verworrenheit und auch die reizvollen Reisebeschreibungen setzen das Puzzle für mich perfekt zusammen.
Wie bedeutsam das ungesagte Wort sein kann oder wie sehr Gesagtes treffen kann, ist eine Tatsache, der wir uns stets bewusst sein sollten.


~ Rezension ~

Manche Wege sind unergründlich …

Katie Greene hat ihren Weg gefunden  so glaubt sie  und blickt nach dem Tod ihrer Mutter nun besseren Zeiten entgegen. Ihre Gedanken kreisen um einen soliden Job und die Planung ihrer Hochzeit.
Doch dann geschieht das Unfassbare: Eines Nachts teilt ihr die Polizei mit, dass ihre jüngere Schwester Mia, die sich mit ihrem besten Freund Finn auf einer Weltreise befand, auf Bali Selbstmord begangen hat. 
Katie ist geschockt und klammert sich fortan an Mias Tagebuch, das in ihrem Reisegepäck gefunden wurde. Die Wahrheit muss eine andere sein! Sie beschließt, auf den Spuren ihrer Schwester zu wandeln, um die Eigenwilligkeit Mias und das bittere Ende ihrer Reise annähernd zu verstehen. Dabei tun sich düstere Geheimnisse auf, die alles verändern.

Die Landkarte der Liebe ist der erste Roman der britischen Autorin Lucy Clarke. Ein Debüt, welches die starke und einfühlsame Geschichte zweier vollkommen unterschiedlicher Schwestern, sie sich über die Jahre hinweg voneinander entfernt haben, in den Fokus rückt.

Der Autorin gelingt mit diesem Buch ein bemerkenswerter Spagat zwischen einem beflügelnden Reisebericht und der Offenbarung zerrütteter Seelen.
Gemeinsam mit den Charakteren begibt sich der Leser auf eine ungewisse Reise, die durch Zielstrebigkeit und dennoch Verlorenheit, flirrendem Lebensmut und zugleich dunkler Verzweiflung, tiefer Liebe und brodelndem Hass geprägt ist.

Mir hat es besonders der Reichtum an detaillierten Beschreibungen angetan – egal, ob Gedankengang, Geruch, Landschaftsbild oder Geschmack. Die Szenen spielten sich direkt und lebhaft vor meinem geistigen Auge ab. Zerrissenheit, Bitterkeit und Sehnsucht sind schlichtweg greifbar.
Die große Stärke dieses Werkes besteht deutlich darin, dass es eine echte Lebensweisheit und Moral in sich birgt. Die Handlung berührt  umso mehr noch, wenn man selbst Geschwister hat.

Lucy Clarke bringt das einmalig Schöne, aber auch die Ecken und Kanten einer Geschwisterbeziehung präzise auf den Punkt, wobei strahlende Erinnerungen und stechende Missverständnisse in die Waagschale geworfen werden. Wie schwer ist es, dabei die Balance auszutarieren?

F★ZITPrickelnd. Unabwendbar. Fortwährend.


Freitag, 28. September 2012

[Buchpost] Bunt gemischt

Vor einigen Tagen bekam ich von Soli die gute Nachricht, für ihren Blog Solitary's Büchercke das Kinderbuch Die Kleine Dame und der rote Prinz von Stefanie Taschinski rezensieren zu dürfen. Dieser Einladung komme ich natürlich gern nach. Danke!

Nun erreichte mich dieses herrlich gestaltete Kinderbuch, das ein wenig Magie gemischt mit ehrlicher Moral kindgerecht versprüht. Ich freue mich auf das Buch und das zu Gast sein auf Solis Blog. 

Des Weiteren trudelte überraschend ein Päckchen bei mir ein, welches den Absender KiBuLo trug. Damit habe ich nun überhaupt nicht gerechnet. ... Gespannt auf den Inhalt öffnete ich die Post. Welches Buch förderte ich wohl zutage?

Genau, es handelt sich um Hilfe, ich habe Teenitus! von Clemens und Valerie Hagen. Genial! Das Tochter-Vater-Gespann verspricht ein bereichernde Einblicke in das Chaos, dem sich Eltern von Teenagern zu stellen haben, während die Teenies selbst nicht weniger über ihre Eltern den Kopf schütteln. Ich habe bei diesem Buch ein recht gutes Gefühl!


Donnerstag, 27. September 2012

[Buchpost] Auf dem Karussell des Lebens

Jetzt erreichte mich der Roman Durch den Wind von Annika Reich, zu dem ich an einer von LovelyBooks durchgeführten Leserunde teilnehmen darf. 

Da die Autorin genauso auf die Leserunde hinfiebert wie wir Leser, wird sie diese auch aktiv begleiten. Was immer ein besonders Schmankerl ist. Im Zuge dessen bekamen wir, denen das Losglück hold war, nicht nur einfach das Werk, nein, es wird durch eine Widmung und Signatur zusätzlich aufgewertet. Ist das nicht schön? 

Der Roman selbst verspricht ein tiefsinniges Stück Lebensweisheit zu vermitteln und dabei warmherzigen Charme zu versprühen. Ich lasse mich überraschen. Doch allein schon das Titelbild gefällt mir richtig gut und ich finde, es spiegelt das heitere Auf und wolkige Ab, welches sowohl uns Lesern als auch den vier Protagonistinnen offenbart wird, auf den Punkt gebracht wider. Wenn das kein gutes Omen ist?


[Rezension] Zurück auf Glück (Patricia Marx)


Patricia Marx: Zurück auf Glück 

Durch vorablesen.de wurde ich mit einem Testleseexemplar dieses durch viel Außergewöhnlichkeit punktenden Romans von Patricia Marx bedacht.  Das im Insel Verlag publizierte Buch hält so mache Überraschung - sowohl inhaltlich als auch layouttechnisch - für den Leser parat. 
Während des Lesens fühlte ich mich einem steten Hin und Her an Gedanken und Eindrücken ausgesetzt, die irgendwie auch nie wirklich zu einer soliden Feststellung gelangten. Das schwankende Schiff des Glücks lässt in diesem Fall wohl keine Eindeutigkeit zu ...


~ Rezension ~

Eine Frage des Geschmacks

In New York kreuzen sich die Wege von Imogene Gilfeather und Wally Yez. Während sie geradlinig an ihrer glänzenden Karriere als Dessous-Designerin arbeitet, ist es um ihn geschehen und er möchte – koste es, was es wolle – ihr Herz erobern.
Damit beginnt ein Tanz auf dem Vulkan, denn sowohl Imogene als auch Wally sind Persönlichkeiten, deren Eigenwilligkeit nicht zu unterschätzen ist. Ob sie jemals zueinander finden oder sich vielmehr selbst im Wege stehen, bleibt zu klären.

Zurück auf Glück ist alles – nur kein Roman im herkömmlichen Sinne. Patricia Marx setzt ganz eigene Standards, die aufmerken lassen. Der Autorin gelingt es, durch hervorragend gestiftete Irrungen und Wirrungen zu unterhalten.

Zu allererst fällt die unkonventionelle Aufteilung der Handlung in sogenannte "Kapitelchen" ins Auge. Diese bestehen nicht selten aus nur einer Aussage oder gar einem einzelnen Wort.
Zum anderen sticht die eigentümliche Einzigartigkeit der Charaktere hervor. Zu denen darf man die Autorin selbst übrigens auch zählen. Denn immer wieder wird sie in die schrägen Handlungssprünge eingebunden. Die Wirkung einer gespaltenen Persönlichkeit zu begegnen, wird dabei schlichtweg und sehr bewusst erzielt. Ein Effekt, der offensichtlich ein wesentliches Gestaltungsmittel des Romans ist.
Apropos "schräg", die Absurdität, das Konfuse und eine kraftvoll inszenierte Ironie prägen den gesamten Stil dieses Buches. Abstruse Gedankengänge und -sprünge prasseln wie ein Donnerwetter auf den Leser ein. Dabei wird ganz Alltägliches, das uns wohl allen bekannt ist, im Handumdrehen auf die Spitze des Möglichen und Unmöglichen getrieben.

Ich bin ein Fan von ironischem Humor. Ein Grund, weshalb ich dieses Buch äußerst unterhaltend fand. Doch das Mysterium des nicht gänzlich Greifbaren bleibt auch bei mir im Nachhinein bestehen. Es bleibt die Erkenntnis, dass ich noch nie zuvor einen derartigen Roman in Händen hielt.

Unvergleichlich ist das Buch ohne Zweifel. Bleibt die Frage, ob unvergleichlich brillant oder unvergleichlich abgedreht? Wahrscheinlich ist es eine würzige Mischung aus beidem: brillant abgedreht.

F★ZITGrotesk. Amüsant. Spitzfindig.


Dienstag, 25. September 2012

[Rezension] Das Konzert (Eva Breunig)

Eva Breunig: Das Konzert 

Eine Leserunde bei LovelyBooks brachte mir dieses im SCM Hänssler Verlag erschienene Jugendbuch ein, das ich sehr gern gelesen habe. 
Auch wenn der Glaube an Gott einen Eckpfeiler der Handlung darstellt, ist das Buch selbstverständlich auch für Leser ohne kirchlichen Hintergrund zu empfehlen. Der jugendliche Blickwinkel findet in diesem Werk rundum Gehör - Diplomatie und Einfühlungsvermögen sind gefragt, auch wenn keine weltpolitischen Belange diskutiert werden müssen.
Alles in allem fühlte ich mich in die Kulisse hineinversetzt und wäre nun interessiert daran, die lebhaft beschrieben Liedtexte auch einmal als Akustikversion tatsächlich zu hören.


~ Rezension ~

Musikalische Glaubensbekenntnisse der jungen Generation

Das Teenie-Star-Finale haben Seven for Heaven über die Bühne gebracht und erreichten dabei glorreich den zweiten Platz. Nur Rib, der raue Einzelgänger, überflügelte die Band um die kreative, harmonieliebende Texterin Tina.
Dass Tina und Rib ein Geheimnis miteinander verbindet, das unbedingt unentdeckt bleiben muss, ahnt kurz nach dem Finale niemand. Doch ein, zwei unbedachte Bemerkungen und spitze Provokationen später kommt eine Lawine ins Rollen, welche Tinas Freundschaft zu den Bandkollegen nahezu ins Aus katapultiert. Allerdings ist Tina nicht die Einzige, die Geheimnisse hütet.

Das Konzert ist der vierte Teil einer dynamisch daherkommenden Buchreihe rund um Tina und Rib. Eva Breunig kombiniert dabei aktuelle Trends und Vorlieben der jungen Generation mit manifestierten Glaubensbekenntnissen.

Ein Leichtigkeit ausstrahlender Schreibstil, der von Dialogen, die Akzente setzen, geprägt ist,  führt wie ein roter Faden durch das Buch. Hinzu kommen eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, die allesamt die verschiedenen Facetten des Jugendlichseins widerspiegeln: rebellisch und vernünftig, ausgeflippt und bescheiden.

Insgesamt fiel mir beim Lesen auch immer wieder der durch und durch optimistische Grundtenor der Handlung auf. Die Protagonistin Tina spielt dabei eine tragende Rolle. Auf welch konträre Weise Konflikte gelöst werden können, zeigt die Autorin an vielerlei Stellen auf. Am Ende steht die Erkenntnis, das der Glaube – an sich selbst und an Gott – eine wichtige Stütze ist.
Die Frage nach Moral und Wertvorstellung wird in den Fokus gerückt, wobei Vernunft und Rücksichtnahme, Vergebung und Gottesglaube für den Leser die Quintessenz bilden.

Ob religiös oder nicht, die Kernbotschaft des Buches wird deutlich herausgestellt und zielgruppenspezifisch verpackt. Die Mischung aus modernem Hype und gewissenhaft gepflegten Traditionen empfand ich als gekonnt miteinander verflochten.

Eine Fortsetzung der Reihe wäre basierend auf noch so einigen offenen Fragen absolut nachvollziehbar und bei Fans der Geschichte mit Sicherheit willkommen.

F★ZITZielstrebig. Besonnen. Glaubhaft.


Freitag, 21. September 2012

[Rezension] Carlotta - Film ab im Internat! (Dagmar Hoßfeld)


Dagmar Hoßfeld: Carlotta - Film ab im Internat! 

Dank der Buchbotschafter durfte ich nun Bekanntschaft mit Carlotta und ihren quirligen und nicht auf den Mund gefallenen Freunden des Internats Prinzensee machen. Ich muss sagen, dass bereits das Cover einen farbenfroh positiven Eindruck auf mich machte, den die Geschichte dann nur festigen konnte.
Dieses Ende September 2012 im CARLSEN Verlag erscheinende Jugendbuch spricht besonders die Zielgruppe der Mädchen im jungen Teenageralter an und sorgt eindeutig für flippig gute Leseunterhaltung.


~ Rezension ~

Als Teenie turbulent hinein ins (Schul-) Leben ...

Carlotta steckt mitten in der siebten Klasse und im dritten Jahr auf dem Internat Prinzensee. Als sich eine Filmcrew ankündigt, um auf dem Internatsgelände einen Teil einer momentan absolut angesagten TV-Serie zu drehen, herrscht Ausnahmezustand.
Manu und Sofie, Carlottas Freundinnen, wollen unbedingt am Casting für die Komparsenrollen teilnehmen und überreden Carlotta es ihnen gleich zu tun. Dabei würde diese sich viel lieber ungestört ihrer ausgefeilten Gummibärchenfotografie widmen. Doch dann kommt alles anders als erwartet und Carlotta steckt mitten in einem Tohuwabohu, das unbeirrt seinen Lauf nimmt.

Der dritte Band der Carlotta-Reihe kommt äußerst sympathisch daher. Dagmar Hoßfeld erzählt eine Geschichte, welche vor allem Mädchen in Carlottas Alter vollends ansprechen dürfte.
Erfrischend ausgestaltete Charaktere, eine wundervoll malerisch beschriebene Kulisse sowie realistische Einblicke in das Internatsleben verleihen der Handlung eine gehörige Portion Schwung. Gleichzeitig werden – neben all der ansteckenden Lockerheit – auch die speziellen Eigenheiten des allmählichen Erwachsenwerdens geschickt aufgegriffen.
Ein besonders nettes Merkmal der Protagonisten, das mir unweigerlich ins Auge fiel, ist wohl die Affinität zum Verzehr von Süßigkeiten und Knabbereien. Eine Leidenschaft, welche die Figuren gewiss mit vielen Lesern teilen dürften.
Des Weiteren punktet dieses Buch bei mir durch kreativ betitelte Kapitelüberschriften, eine authentische Widergabe jugendlicher Befindlichkeiten sowie der vermittelten Bedeutsamkeit von Freundschaft, Einfühlungsvermögen und Selbstbewusstsein.

Carlotta:Film ab im Internat! präsentiert sich in einem herrlich bunten Gewand aus Realitätstreue und Idealvorstellungen, Vorbildwirkung und Aufklärung, Frohsinn und Zielstrebigkeit.

F★ZITAbwechslungsreich. Erklärend. Sprudelnd.