"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Donnerstag, 8. Januar 2015

[Kreativplausch] Schneeweißchen & Rosenrot schreiben jetzt selbst

Zu sehen und zu erleben, wie es Indie-Autoren gelingt, mit ihren Werken zu begeistern, ist für mich stets eine besondere Freude. Denn sie sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass pfiffige Ideen und/oder feinste Wortakrobatik und/oder liebgewonnene Publikumsnähe nicht einzig von einem den Rücken stärkenden Verlag abhängen.

Dieses Mal habe ich Rose Snow zu einem Kreativplausch ins Boot holen können. Gemeinsam schipperten wir also ein wenig über den Teich der blühenden Fantasie. Doch bevor ich euch unseren Dialog wiedergeben möchte, erst noch ein paar Worte zur Autorin. 

Rose Snow ist das Alter Ego der aus Österreich stammenden Freundinnen Carmen und Ulli, die ihre Passion fürs Schreiben seit jeher miteinander teilen. Schon während der gemeinsamen Schulzeit schlummerte die bunte Vorstellung, die Schriftstellerei für sich zu erobern, in den beiden.

Nun hat sich ein lang gehegter Traum für die zwei wahrhaftig erfüllt: Als Indie-Autorin(nen) veröffentlichten sie im vergangenen Sommer ihren Debütroman, Was sich liebt, das rächt sich nicht, dessen Fortsetzung, Racheengel küsst man nicht, bereits Ende 2014 auf dem Fuß folgte. Und das soll erst der Anfang gewesen sein. Chapeau!


Cover: © Rose Snow

Rose Snows Werke sind ihres Zeichens Liebesromane, die Kuriosität, etwaige emotionale Schräglagen und schillernde Charaktere miteinander in Einklang bringen. Hört sich nach einem spannenden Unterfangen, oder? Und überhaupt: Wie sieht das kreative Schaffen Rose Snows hinter den Kulissen aus? Hmmm, da muss ich doch gleich einmal etwas genauer nachhaken ...

Viel Spaß beim Eintauchen in die ulkigste und sympathischste Rachehölle, die das Bücherregal momentan zu bieten hat! 




~ Kreativplausch ~


Hallo liebe Rose Snow,

herzlich willkommen zum heutigen Kreativplausch sage ich! Ebenso wie ein Danke für die sofortige Zusage, mit von der Partie zu sein. Große Freude meinerseits. Das sei festgehalten.

Liebe Kora, wir sagen danke und freuen uns riesig, hier zu sein. 




Rose Snow ist ein durchaus märchenhaft klingendes Pseudonym, das den Einfallsreichtum gleich zweier sich seit der Kindheit kennender Autorinnen miteinander verknüpft. Mich erinnerte der Name von Beginn an ein wenig an die Mischung aus Schneewittchen und Schneeweißchen und Rosenrot. Ist diese (naheliegende) Assoziation zur Welt der Gebrüder Grimm bei der Namenswahl tatsächlich beabsichtigt gewesen oder hattet ihr jene Anlehnung eher überhaupt nicht im Sinn?

Oh doch, die Anlehnung ist durchaus beabsichtigt!  Allerdings würden wir uns mit fremden Federn schmücken, wenn wir behaupteten, die Idee stamme von uns. Die Wahrheit ist, dass uns zwei Teilnehmerinnen eines Autoren-Workshops unabhängig voneinander als „Schneeweißchen und Rosenrot“ betitelt haben – was sicherlich dem Umstand geschuldet war, dass Ulli an dem Tag eine weiße Bluse und Carmen ein rotes Oberteil trug. Das passte wie die Faust aufs Auge und wir fanden die Bezeichnung so sympathisch und treffend, dass daraus wenig später unser Pseudonym entstand.




Apropos Märchen, für welche zwei Märchenfiguren, schließlich seid ihr zu zweit, schlägt Rose Snows Herz besonders – ganz gleich ob dem Volksmärchen oder Disney entspringend?

Als hoffnungslose Romantikerinnen lieben wir beide Cinderella und freuen uns schon wie die kleinen Kinder auf die diesjährige Neuverfilmung von Disney. Passend zum „Schnee“ in unserem Namen haben wir aber auch Eiskönigin Elsa und ihre Schwester Anna in unser Herz geschlossen ... nicht nur weil Elsa ein paar wirklich coole Zaubertricks auf Lager hat, sondern weil sie beide liebenswerte und starke junge Frauen sind – so wie wir uns selbst auch gerne sehen würden. 




Wer die Rose-Snow-Romane kennt, weiß, dass sie sich wie aus einem Guss modelliert lesen. Wie gelingt jene Nahtlosigkeit, obwohl die Geschichte nicht einmal kapitelweise aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt wird? (Was die Arbeitsaufteilung vermutlich erleichtern würde.) Wie dürfen wir uns das gemeinsame Feilen an einem Buch vorstellen?

Erstmal freut es uns sehr, dass wir die angesprochene Nahtlosigkeit anscheinend gut hinbekommen. Das liegt sicherlich an unserer inneren Einstellung: In den Jahren unserer Zusammenarbeit haben wir gelernt, unsere ... nennen wir es mal „Eitelkeiten“ gegenüber einem von uns geschriebenen Text komplett über Bord zu werfen. In unseren Köpfen gibt es nicht mehr „deinen Teil“ und „meinen Teil“ – alles was wir schreiben wird zu „unserer Geschichte“.
Viele Schriftsteller empfinden es ja so, dass die meiste Arbeit am Schreiben in die Überarbeitung fließt. Und dem können wir durchaus zustimmen.  Am Anfang wird gemeinsam geplottet, das macht Spaß, hier werden Ideen geboren und verworfen, Charaktere ersonnen und viele, viele Wendungen in den Handlungsbogen eingebaut. Sobald der Plot steht, gehen wir tiefer in die Szenen, erstellen eine Szenenliste, umreißen grob, was darin vorkommen soll – und dann geht es schon los. Jeder schreibt die Szenen, zu denen er sich am meisten hingezogen fühlt – und hierbei haben wir echt Glück. Wir sind uns schon wegen so mancher Dinge in die Haare gekommen, aber wir haben uns noch nie um eine Szene gestritten.  In der Überarbeitungsphase wird dann alles endgültig miteinander „vermanscht“ wie man in Österreich so schön sagt. Spätestens dann können wir selbst kaum noch sagen, welcher Satz vom wem stammt. Was zu dem schönen Ergebnis führt, dass wir ganz am Ende beide die Mami vom selben Kind sind. 




Nachdem Was sich liebt, das rächt sich nicht im Sommer 2014 mit viel Wohlwollen von den Lesern aufgenommen wurde, erschien – ebenfalls im Selbstverlag – nur wenige Monate später Racheengel küsst man nicht. Wer die Protagonisten für diesen zweiten Roman werden würden, entschieden die Leser. Mit wie viel Spannung, Erwartung und Vorahnung habt ihr dem Voting entgegengesehen? Immerhin hat Rose Snow an dieser nicht unbedeutenden Stelle, das Zepter aus der Hand gegeben.

Es war irre spannend. Natürlich war dieser Schritt gründlich überlegt, und wir hätten es nicht gemacht, wenn wir uns nicht sicher gewesen wären, dass wir mit JEDEM Ergebnis leben (und arbeiten) können. Die Geschichte von Maya und Holger bot noch so viel Potential, ebenso wie das weitere Leben jedes unserer Nebendarsteller. Allerdings hatten wir die kleine Hoffnung, mit Gérard und Rachel weitermachen zu dürfen. Und aus irgendeinem verrückten Grund ging es der Mehrheit unserer Leser offenbar ähnlich. 
Im dritten Band der Reihe wollen wir nun genau da weiterschreiben, wo wir in Band 2 aufgehört haben - zusätzlich aber auch die Charaktere von Band 1 wieder ins Boot holen. Schon allein darüber nachzudenken erfüllt uns mit einer prickelnden Vorfreude. 




Weil wir schon einmal beim Thema sind: Wie viel bedeutet euch der direkte Austausch mit und Kontakt zu euren Lesern? Gibt es vielleicht sogar so etwas wie einen Rose-Snow-und-ihre-Leser-Moment, der auf ewig ins Autoren-Poesiealbum gehört?

Ja, den gibt es. Oder besser gesagt: Ja, DIE gibt es. Oft merken die Leser ja gar nicht, dass sie uns so einen besonderen Moment geschenkt haben, weil sie nicht sehen können, wie wir mit glänzenden Augen und einem dümmlichen Dauergrinsen vor dem Laptop sitzen. Eine Leserin hat sich mal so unbändig über ihre Teilnahme an unserer Leserunde gefreut, dass wir ihre E-Mail gleich mehrmals hintereinander lesen mussten. Eine andere Leserin (sie ist ein Fan der allerersten Stunde und kannte schon unseren Racheplan-Blog als wir noch nicht mal Rose Snow hießen) nahm gemeinsam mit ihrer Freundin eine 6-stündige Busfahrt quer durch Deutschland auf sich, nur um uns auf der Frankfurter Buchmesse zu treffen. Das sind Momente, die einfach unbezahlbar sind. Und die wir uns nie hätten träumen lassen.




Das polarisierende Motto, unter dem eure (momentan erschienen) Werke stehen, lautet Rache trifft Liebe. Dies im Hinterkopf habend, was ist die skurrilste Racheengel-Mission, auf die ihr (während der Recherche zu den Büchern) bisher gestoßen seid?

Da fallen uns spontan gleich drei Missionen ein. Die skurrilste davon ist so verrückt, dass sie uns keiner glauben will, wenn wir sie erzählen. Dabei spielt einen Packung Pralinen eine tragende Rolle. Die rachsüchtige Person verkochte die gekaufte Schokolade mit allerlei Widerwärtigkeiten (wie bspw. faulen Eiern, ranzigem Fisch, Schamhaaren und Zehennägeln – um nur einige zu nennen), füllte die Kreation des Grauens in Pralinenförmchen, arrangierte die abgekühlten Pralinen wieder hübsch in der Verpackung, ließ das ganze neu verschweißen und schickte es an die verhasste Person. Wir bezweifeln, dass irgendjemand so eine Behandlung verdient hat, aber Rachel wäre von der kriminellen Kreativität definitiv beeindruckt.




Herzensangelegenheiten, wenn auch nicht in reinstem Rosarot, sind ganz euer Metier. Wenn nun die Möglichkeit bestünde, Racheengel küsst man nicht mit einem Titellied zu versehen, welches würdet ihr aus welchem Grund wählen?

Hach, wir wissen genau, was Gérard sagen würde, wenn wir ihn das nun fragen würden: Eindeutig Elvis Presley – „Devil in Disguise“. Rachel sieht aus wie ein Engel, bewegt sich wie ein Engel, spricht wie ein Engel – aber wer sie näher kennenlernt, weiß: Sie kann ganz schön teuflisch sein 




Wenn ihr selbst die Chance hättet, in die Rolle eines Buch- oder Filmcharakters zu schlüpfen, welche Figur wäre das?

Puh, das ist eine ganz schön knifflige Frage. Die meisten Charaktere aus Buch und Film haben ja ein ziemlich aufreibendes Leben, das meist von großem Herzschmerz, wendungsreicher Dramatik oder lebensbedrohender Gefahr begleitet wird. Da gefällt uns unser „langweiliges“ Autorenleben bisher eigentlich ganz gut.  Zeitreisen in die eigene Vergangenheit wären allerdings sicher cool (wie aus dem Film: „Alles eine Frage der Zeit“), und sei es nur, um endlich mal so schlagfertig zu sein, wie unsere eigenen Charaktere. *g* Und was uns auch richtig gut gefallen würde: die Macht über unsere eigenen Träume zu haben (wie Liv aus „Silber“ von Kerstin Gier).




Was macht das Schreiben für euch so spannend? Was brachte euch letztlich dazu, nicht mehr nur für euch selbst, sondern als Rose Snow für ein breites öffentliches Publikum Ideen in Romane zu verwandeln?

Wenn wir so nachdenken, haben wir das letzte Mal während des Chemieunterrichts in der Schule „nur für uns“ geschrieben, um der Langeweile zu entgehen. Seit wir erwachsen sind und uns gegenseitig mit der Idee ein Buch zu schreiben infiziert haben, treibt uns der Wunsch an, gelesen zu werden. Einer unserer schönsten Tagträume sieht so aus: Wir sitzen im Park oder im Bus und neben uns liest jemand eines UNSERER Bücher, versunken in einer Welt, die wir erschaffen haben. Andere Menschen mit unseren Gedanken zu erreichen, sie zum Lachen oder zum Weinen zu bringen, dass ist es, was wir wollen und was uns glücklich macht.




Ihr stammt beide aus Österreich. Wohin und mit welchem originellen Rahmenprogramm versehen würdet ihr am liebsten einmal zu einer Lesung in eure Heimat einladen?

Unseren ersten schriftstellerischen Erfolg durften wir 2010 in München feiern: Damals wurde unsere Kurzgeschichte „Frauenfußball“ (übrigens die Grundlage für unseren ersten Roman) bei der Münchner Menülesung prämiert und von dem Sprecher und Schauspieler Johannes Steck gelesen. Untermalt wurde das ganze mit lateinamerikanischer Musik von der Band „Cesar’s Salad“ - und war insgesamt eine ziemlich coole Angelegenheit. Unsere Traumlesung sollte ebenfalls all das beinhalten, was wir an dem Abend so toll fanden: Gutes Essen, tolle Musik, ein Johannes Steck als Gérard gemeinsam mit uns auf der Bühne. Wenn dann noch Kerstin Gier als Überraschungsgast dazukäme, wäre es perfekt – und dürfte von uns aus gerne an jedem Ort der Welt stattfinden.




Stellt euch vor, ihr bekämt die Aufgabe, eine Zeitkapsel zu füllen. Welche drei Dinge dürften keinesfalls fehlen, weil ihr euch wünscht, dass sie auch, nachdem Jahrzehnte verstrichen sind, noch immer mehr als eine bloße Erinnerung sind?

Hmmm ... also ganz sicher einpacken würden wir einen USB-Stick mit ganz vielen Fotos und Videos unserer Familien. Und natürlich unser allerallererstes Manuskript (ein noch unveröffentlichter Fantasyroman, in dem sehr viel Herzblut von uns beiden drinsteckt), das uns immer daran erinnern wird, woher wir kommen und wie alles begonnen hat. Als dritten und letzten Teil vielleicht noch einen Brief an uns selbst, in dem wir festhalten, wie wir uns heute fühlen, wofür wir dankbar sind und welche Ziele wir im Leben noch erreichen wollen. Da gibt es noch so viele Träume ... es wäre sicher spannend zu sehen, welche davon in Erfüllung gegangen sind, wohin sie uns geführt haben und welche wir noch als wichtig erachten nach all der langen Zeit.




Danke schön für das Lüften des einen oder anderen Rose-Snow-Geheimnisses! Es war mir ein Vergnügen. Für all eure kommenden Projekte wünsche ich euch eine große Portion Schaffenskraft und Freude!

Wir wünschen Dir dasselbe, liebe Kora und danken Dir herzlich für die tollen Fragen!





Ich hoffe, euch hat diese kleine Stippvisite in Rose Snows Kreativeschmiede ebenso viel Spaß gemacht wie mir. Die Liebe zum Wort verbindet. Ich glaube, das wurde einmal mehr deutlich. Was meint ihr?


Dienstag, 9. September 2014

[Kreativplausch] Sprudelnde Neugier als Zoomfaktor

Das Talent, ohne die Hilfe von Worten kleine Welten mit Sogkraft zu erschaffen, ist nicht jedem gegeben. Ich rede von Welten, die faszinierenden Atollen mitten im Meer gleichen. Bildlich gesprochen. Apropos "bildlich gesprochen", damit wären wir auch direkt beim Thema. Denn hier und jetzt dreht sich alles um Bilder. Genauer gesagt: um Fotos.

Die junge, in Berlin lebende Fotografin Claudia Günther hat ebenjene Gabe, Welten zu kreieren. Wenn sie sich ihre Kamera greift und zu einem Streifzug aufbricht, landet sie nicht selten dort, wohin schon längst niemand mehr schaut. 

Denn die Favoriten der reiselustigen Fotografin sind Kulissen, deren Verfall auf den ersten Blick Tristesse suggerieren. Die sich auf den zweiten Blick, für den Claudia Günther sich Zeit nimmt, allerdings als wirkliches Schmuckstück entpuppen. Modrige Katakomben und verlassene Fabrikgelände haben es der Wahlberlinerin angetan. Wenn sie sogenannte Lost Places aufspüren und einfangen kann, ist sie genau in ihrem Element. Was die einen als beklemmend oder waghalsig definieren, findet die Fotografin selbst absolut spannend und sehenswert. 
Doch nicht weniger atmosphärisch kommen, wie ich denke, ihre Naturaufnahmen und Fotografien prestigeträchtiger Bauwerke daher. Die Perspektiven, die sich in jenen Bildern zeigen, beweisen, wie vielseitig sich die Welt um uns herum gestaltet. Nur nehmen sich die Wenigsten von uns die Muße, genauer hinzuschauen und das Schöne im Detail auf sich wirken zu lassen.

Dass Claudia Günther gerade diese weit verbreitete Hast zum Anlass nimmt, um mit ihren Fotos einen Gegenpol zu schaffen, mag ich besonders. Sie macht unsichtbar Geglaubtes wieder sichtbar und lädt zum Verweilen ein. Eine Mission, bei der sie übrigens jeder ein Stück weit begleiten kann. Denn auf ihrem Blog Claudia Günther – Fotografie lässt sie jeden Freund des außergewöhnlichen Fotos an ihrer Leidenschaft teilhaben. Zudem gastiert seit Mitte Juli 2014 (bis voraussichtlich einschließlich Oktober 2014) ihre erste Ausstellung mit dem Titel „Vergessenes“ im Restaurant Jelänger Jelieber in Berlin (Kaskelstraße 49, Berlin-Lichtenberg).

Hier einmal einige meiner Favoriten aus Claudias ausdrucksvollen Bilderkollektion.




 
© Claudia Günther - Fotografie

Ihre Galerie offenbart noch eine Vielzahl anderer solcher Hingucker. Schaut am besten selbst einmal vorbei!


Besonders freue ich mich, dass sich Claudia als kreativer Geist für einen kleinen Kreativplausch bereiterklärt hat.



~ Kreativplausch ~


Liebe Claudia,

dankeschön, dass du uns im Zuge dieses kleinen Kreativplauschs an deiner Passion für das eingefangene Motiv und gerahmte Bild teilhaben lässt. Ich bin gespannt, was du zu erzählen hast.

Liebe Kora, vielen Dank für die Einladung…


Mit welchem Bild, mit welchem Motiv oder mit welcher Symbolik, um gleich einmal in das Feld der Fotografie einzusteigen, assoziierst du für dich ganz persönlich Kreativität?

Da beginnst du ja gleich mit einer schwierigen Frage… Mit der Kreativität ist das so eine Sache… Entweder hat man sie gerade – oder eben nicht. Zu meinem Glück kann ich sagen, dass sich meine ganz persönliche Kreativität stets zu Wort meldet, sobald ich durch die quietschende Eingangstür meines „nächsten Objektes“ klettere. Meistens habe ich dann auch gleich mit einer regelrechten Flut an wunderschönen potentiellen Motiven zu kämpfen, sodass meine „Kreativität“ sich erst einmal sammeln muss... (-;


Welches sind aus deiner Sicht die Eigenschaften, die einen Fotografen ausmachen? Inwiefern verändert sich die Wahrnehmung der eigenen (Um-) Welt, wenn man häufiger durch eine Kamera schaut?

Die wichtigste Eigenschaft ist wohl die Neugier. Und bzgl. meiner Vorliebe für „alte Häuser“ darf da die Abenteuerlust nicht fehlen. Und wenn man dann noch einen Blick für schöne Perspektiven und Kompositionen hat und besondere Lichteinfälle wahrnimmt, dann empfinde ich das als eine viel wertvollere Eigenschaft, als zu wissen, wie man alle 300 Knöpfe am Fotoapparat bedienen kann. Sicherlich ist ein technisches Know-how eine erforderliche und erleichternde Grundlage, dennoch wird man ohne den Blick für das gewisse Etwas den schönsten Schmetterling vorm Sonnenuntergang nur bedingt atmosphärisch einfangen können. Das trainiert automatisch auch die Wahrnehmung. Viel mehr nimmt man vom Alltag mit, der einen stets umgibt. Details, denen nur Wenige Beachtung schenken, fokussieren mit der Zeit die eigene Wahrnehmung. Das ist natürlich in Zusammenhang mit dem jeweiligen fotografischen Schwerpunkt zu sehen. Ich zum Beispiel scanne stets und ständig das Stadtbild nach verlassenen Häusern ab – ob zu Hause oder im Urlaub.


Deine Reise als Fotografin führt dich in vielen Fällen, weil du dich mit großer Vorliebe den sogenannten Lost Places widmest, in die entlegensten Ecken. Das ist dann der vollkommene Gegensatz zum Rummel der Großstadt, in der du lebst. Wann und wie hat sich dein Hang zum versteckten Motiv, das in der Stille wartet, entwickelt? Was reizt dich an diesen Kulissen besonders?

Prinzipiell habe ich mich schon seit meiner Kindheit sehr gern in alten Häusern aufgehalten. In meinem Heimatort, gab es früher ein altes Schloss – natürlich verlassen. Mehrmals habe ich dieses nach der Schule besucht – später auch mit der Kamera. Das war ungefähr vor zehn Jahren. Dann kamen Ruinen in den umliegenden Nachbarorten. Mich begeistert dabei vor allem das Entlegene. Meist handelt es sich um Orte, denen sonst niemand Beachtung schenkt – im Gegenteil: 95% der Menschen sehen diese Orte als „Schandflecke“. Dabei übersehen sie deren historischen Wert, was früher dort einmal stattgefunden hat und warum das heute nicht mehr so ist. Oft sind es Gebäude, denen man ihre Schönheit erst auf den zweiten Blick ansieht – nämlich im Inneren. Das müssen nicht immer dreckige Fabrikhallen oder Industrieruinen sein. Ich habe wunderschöne verlassene Theater- oder Ballsäle, Konzerthallen und Kinos gesehen, die der Großteil niemals betreten würde. Man muss sich mal vorstellen, was die alle verpassen… (-;


Welches sind – abgesehen von deiner Kamera – die drei wichtigsten Utensilien, die du bei deinen Streifzügen zu den Lost Places im Gepäck hast?

Taschenlampe, -messer und Stativ.


Dass alte Bunker, im Wald stehende Ruinen oder ehemalige Fabrikanlagen auch ohne gewollte Arrangements in Szene gesetzt werden können, unterstreichst du mit deinen Fotos nur zu gut. Ich persönlich finde, dass es dir gelingt, das Geheimnisvolle oder auch das Unerwartete dieser Orte richtig gelungen zu fokussieren. Was ist die größte Herausforderung beim Einfangen einer solchen Kulisse?

Vielen Dank, es freut mich, dass dir meine Bilder gefallen. Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich das Licht. Oftmals sind Fenster und Türen der Gebäude versiegelt, es gibt dann nur den indirekten Lichteinfall, z.B. durch Löcher in Decke. Man muss dann damit zufrieden sein, was man eben in diesem Moment hat und das Beste daraus machen. Oder man wartet acht Stunden auf den perfekten Lichteinfall – wenn man die Zeit dafür hat…
Ansonsten sind ja mit den Gebäuden selbst alle erforderlichen Gegebenheiten für ein schönes Foto vorhanden. (-:


Beeindruckend sind ebenso deine Aufnahmen der verbliebenen Architekturen in Griechenland, Italien oder China. Was waren deine ersten Gedanken, als du vor der Chinesischen Mauer standest? Inwieweit trägt die Ausstrahlung eines solchen Motivs dazu bei, dessen Foto zu beeinflussen. Gehst du eher intuitiv vor oder hast du immer genaue Vorstellungen von dem, wie du was am optimalsten fotografierst?

Die chinesische Mauer ist wohl nicht nur für mich von großer Bedeutung. Jeder, der einmal darauf stand, wird dieses Erlebnis nie vergessen. Umso schwieriger ist es, die Ausstrahlung eines derartig bedeutenden Monuments würdevoll einzufangen. In den seltenen Fällen gelingt es wirklich, auch nur einen Bruchteil dieser Wirkung aufzunehmen. Gerade dann ist es wichtig, die Kamera auch mal wegzulegen und den Moment nicht nur durch den Sucher zu genießen. Ich muss zugeben, das fällt mir oft schwer, aber daran arbeite ich… (-:
Ansonsten habe ich meist bereits zuvor ein ungefähres Bild vor Augen, wie das Foto aussehen soll, das ich aufnehmen möchte. Ich sehe ein Motiv und suche dann für mich auch gleich die passende Perspektive und Komposition dazu. Oftmals ist es allerdings auch so, dass gerade die spontanen und unbedachten Schnappschüsse zu Hause beim Bilder sortieren für Überraschungen sorgen – vielleicht gerade aus dem Grund, weil man sich im Vorfeld nicht so viele Gedanken über das „perfekte Foto“ gemacht hat…


Wenn du dir drei Orte aussuchen dürftest, um dort Momentaufnahmen einzufangen, wohin würde es dich aus welchen Gründen unbedingt ziehen? Hinter welchen Orten steht ein großes Muss?

Auf meiner To-Do-Liste stehen auf jeden Fall in die Ruinen von Angkor! Die Verbindung der Geschichte mit den kulturellen Hinterlassenschaften reizen mich sehr. Die verwilderten Ruinen, wie sie von großen Bäumen überwuchert und vom Urwald zurückerobert werden… – das ist ein tolles Motiv! Dann würde ich zu gern das alte Kino in Rüdersdorf noch einmal besuchen. Da war ich schon früher zweimal – nur leider nicht mit der richtigen Ausrüstung. Es gab einen großen Saal mit wunderschöner hoher Stuckdecke und kleinen Architekturdetails. Leider wurde das Kino vor einigen Jahren abgerissen – aber wenn ich mir tatsächlich drei Orte aussuchen dürfte (wie in deiner Frage), dann wäre das auf Platz zwei. Sehr gern würde ich auch mal die Stadt Detroit sehen. Durch die boomende Automobilindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es dort einen großen urbanen Aufschwung. Mittlerweile stehen dort Gebäude jeglicher Art leer und sind verlassen – eine richtige Geisterstadt...


Wenn du nicht gerade durch die Lande ziehst, um zu fotografieren, womit beschäftigst du dich an deinen Ruhetagen ohne Kamera am liebsten?

Oftmals mit der Suche nach neuen verlassenen Orten. Die Recherche nimmt nämlich mehr Zeit in Anspruch als das Fotografieren an sich.



Und wie schaust du dir Fotos im Allgemeinen selbst an? Beispielsweise die Urlaubsbilder von Freunden oder Plakatierungen in der Stadt. Blendest du dann diesen „professionalisierten“ Blick automatisch aus oder achtest du schon auf Details, die ein Laie eher am Rande streift?

Jeder Mensch fotografiert auf seine Art und Weise. Je nachdem, worin sein Schwerpunkt liegt. Sicherlich achte ich auf Details, Perspektiven und Kompositionen. Allerdings viel mehr bei meinen eigenen Bildern als bei denen der anderen. Da bin ich sehr penibel. Man entwickelt automatisch mit der Zeit einen Blick für Kleinigkeiten, die anderen Menschen sonst nicht gleich auffallen würden.



Weil wir gerade beim Thema „Fotoschau“ sind. Du hast seit Mitte Juli 2014 deine erste eigene Fotoausstellung (im Restaurant Jelänger Jelieber, Kaskelstraße 49, Berlin-Lichtenberg). Gratulation dazu! Was macht es so besonders, die eigenen Fotos nun nicht nur von Familie und Freunden, sondern auch von vollkommen Fremden begutachtet zu wissen?

Vielen lieben Dank. Es ist natürlich ein großes Ereignis für mich. Bisher sahen nur wenige ausgewählte Personen meine Fotos – nun jeder, der im Jelänger Jelieber einen Kaffee trinkt. Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl… Aber es macht mich auch sehr glücklich. Vor allem, da ich weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt. Nicht nur das Fotografieren an sich, sondern auch die Konzeption der gesamten Ausstellung, die Anordnung und die Organisation. Im Vorfeld habe ich dafür viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden erhalten – so sind zum Beispiel alle Rahmen in Handarbeit selbst angefertigt, lackiert und geschliffen worden. Dafür bin ich allen sehr dankbar.



Danke dir für diese netten, interessanten und mitunter durchaus fotogenen Einblicke in dein Wirken hinter der Kamera! Dir auch in Zukunft reichlich viel Freude am Fotografieren und Entdecken kleiner und großer Schätze!

Vielen Dank, liebe Kora.



Ich hoffe, euch hat dieser Kreativplausch, über den ich mich aufgrund des für meine Verhältnisse "etwas anderen Metiers" sehr gefreut habe, mindestens ebenso viel Spaß bereitet wie mir.


Freitag, 22. August 2014

[Kreativplausch] Ein Duo, das seinen Lesern sagt: "Make it count!"

Sie sind für nicht wenige Leser das deutsche Autorinnen-Doppel im Bereich Love StoriesWeshalb? Weil, wenn sie zusammen an einem Projekt, an einer Idee arbeiten, nur extravagant Originelles herauskommen kann. Von ihren Lesern werden sie das A-Team genannt. Sie sind die Gründerinnen der (fiktiven) Küstenstadt Oceanside an der US-Ostküste. Dort weht nicht nur eine frische Brise Seeluft, sondern vor allem ein gehöriges Lüftchen Drama. 


Sie sind Ally Taylor (Anne Freytag) und Carrie Price (Adriana Popescu)



Nachdem im letzten Frühjahr ihre ersten beiden "Make it count"-Romane, Gefühlsgewitter und Gefühlsbeben, großen Anklang gefunden haben, folgt nun der zweite Streich. Im August 2014 ist es also so weit: Der Rummelplatz am Pier lädt erneut zu einer Fahrt entlang der Gefühlsachterbahn ein. Wer ist mit von der Partie?

Mit Dreisam von Ally Taylor und Sommersturm aus der Feder von Carrie Price, erscheinen zwei brandneue, nicht weniger intensive Romane. Diese reißen die Protagonisten und die Leser abermals in einen Strudel aus großen Gefühlen, handfesten Konflikten und Entscheidungen, die Courage verlangen. 
Wie die Weißer-Gartenzaun-gepflegter-Pool-und-getrimmter-Rasen-Idylle des beschaulichen Ocensides doch täuschen kann? Dahin ist die Sonne-Strand-Surfboard-Atmosphäre. Sogar der hiesige Radiosender, OSCB, warnt offiziell und inständig vor dem aufziehenden Sturm. Es sieht gar nicht gut aus. Am besten ihr schnappt euch die Romane, sucht euch ein gemütlich(er)es Plätzchen und taucht ab, bis sich das Unwetter gelegt hat ...

Mir war nun die Freude vergönnt, mit den beiden Autorinnen, erneut ins Gespräch zu kommen. Danke schön dafür! Welch Vergnügen es doch wieder war. 
Ally und Carrie, die bekanntlich nicht auf den Mund gefallen sind, brauchten nichts weiter zu tun, als ein paar Aussagen zu vervollständigen. Was dabei herausgekommen ist ... Seht selbst!




Hi lovelies!

We can't wait to meet you in Oceanside this summer.

We hope you're gonna have a crazily awesome holiday at the sea.

Don't forget to pop in at Joe's Burger or at the Café de Paris. We love it there.

Ally & Carrie

xxx





Liebe Anne alias Ally, liebe Adriana alias Carrie,

danke für die Einladung ins Shell Shack nach Clearwater Bay! Wohl eines der nettesten und vor allem appetitlichsten Plätzchen für einen neuen kleinen Kreativplausch mit euch.

Dieses Mal gibt’s keine Fragen für euch, sondern zu komplettierenden Aussagen. Auf geht’s! Was fällt euch zu Folgendem ein?


Der Titel meines Buchs …

... lautet „Dreisam“ und soll in ein kleines bisschen in die Irre führen und Fragen aufwerfen. Wenn er das tut, dann freue ich mich. Es geht um drei Menschen und um Beziehungen. Und sie sind einsam. Oder doch dreisam?

... lautet „Sommersturm“ ist könnte wohl kaum passender sein. Also die Schwimmwesten bitte nicht vergessen.


Ohne Carrie wäre ...

... mein Leben viel weniger bunt, lustig, laut. Wir mussten uns finden. Freundschaftlich gesehen ist sie mein Deckel. Oder mein Topf. Wie auch immer. Das gilt übrigens auch oder erst recht für Adriana.

Ohne Ally wäre …

... nicht nur Oceanside verdammt öde, sondern auch mein Leben außerhalb der Buchseiten. Sie ist mehr als nur meine Schreibpartnerin. Es wäre wie Oceanside ohne Sonne, ohne Pier, ohne Strand, ohne gutes Essen und ohne das Lachen. Unvorstellbar!


Musikalische Begleitung, die ich während meiner Aufenthalte in Oceanside nicht missen wollte, …

... "Fleur Blanche" von Orsten, "First Light" von My Morning Jacket und "A September Song – Original Remix" von Simon Herron. Bei diesen Liedern habe ich mich regelrecht in den Rausch geschrieben. Zumindest sind das drei davon. Ich hatte eine Playlist und die kann man am Ende des Buches genauer unter die Lupe nehmen.

... war der Song "The River" von Sam Garrett. Ich kann nicht mal sagen wieso, aber ich fand dieses Lied so herrlich motivierend, da flogen die Finger nur so über die Tasten und es lief wie am Schnürchen.


Das Schreiben dieses Buchs hat mich gelehrt, …

... dass das Schreiben manchmal wirklich ein hartes Stück Arbeit ist. Ich habe noch nie so kämpfen müssen. Aber das Gefühl, dass es fertig ist, lässt mich jetzt auf Wolken gehen.

... dass man manchmal durchhalten muss. So wie Patrick und auch Jen. Aufgeben ist keine Option, weil man nie wissen kann, wie nah man am Ziel war. Immer weitermachen, auch wenn alles wehtut.


Meine Protagonisten in drei Worten:

Hin- und hergerissen

Verletzlich, mutig, hoffnungsvoll.


Mein persönliches Lieblingsplätzchen in Oceanside und Umgebung ist …

... Puh, das ist schier unmöglich. Ich liebe KTs Dach, ich liebe das Bootshaus. Aber auch das Pier und die Angestelltenunterkünfte im Pinienwald... Von Clearwater Bays Attraktionen ganz zu schweigen...

... Ich mag nach wie vor den Pier unheimlich gerne. Wobei ich mich jetzt auch gerne am Yachthafen aufhalte - zumindest in meinem Kopf. In Clearwater Bay ist es, ohne Zweifel, das Shell Shack.


Ein gewaltiger Sommersturm fegt für ein Wochenende über das Küstenstädtchen hinweg. Es herrscht Katastrophenalarm. Dreisam würde ich in einer solchen Ausnahmesituation vorzugsweise mit ...

... Carrie und Adriana ausharren, weil sie immer weiß, was zu tun ist, wenn ich es nicht tue und umgekehrt. Außerdem würden wir so lachen, dass wir den Sturm gar nicht wirklich mitbekommen würden ... 

... Ally und Anne ausharren, weil es dann auf jeden Fall sehr lustig wird und kein Sturm der Welt kann uns die Laune verhageln.


Die Herausforderung an immer neuen Liebesgeschichten ist für mich, ...

... dass es nicht endlose Wiederholungen sind. Dass jede wirklich eine eigene Handlung hat und kein trauriger Abklatsch des Vorgängers ist. Ich möchte, dass die Protagonisten echt sind. Ich will, dass man die Liebe spürt. Das ist nicht einfach, aber es ist grandios, wenn es dann klappt.

... jeder neuen Figur ihre ganz eigene Liebesgeschichte zu schenken. Jede Figur ist anders, also würde jede Figur auch anders reagieren. Würde sich Jen auch in Jared verlieben können? Ich glaube nicht. Lynn würde vermutlich auch nicht Patricks Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ich denke, das ist die größte Herausforderung für mich. Jedem Charakter die passende und für ihn richtige Liebesgeschichte zu finden und zu schreiben.


Mein idealer Tag in Oceanside ... 

... beginnt mit einem Sprung in den Pool, gefolgt von einem frischen Butter-Croissant im Café de Paris in Clearwater Bay und wird abgerundet durch einen tollen Film beim Kino am Pier mit Freunden, ein paar Pizzen und eiskaltem Bier.

... beginnt mit einem Spaziergang am Strand, wenn die Sonne gerade aufgeht, gefolgt von einem Kaffee am Pier, dann Lunch bei Joe’s Burger und wird abgerundet mit einem Tanz mit Patrick am Yachthafen. The usual eben.


In ein Goody Bag voller Souvenirs aus Oceanside gehören zweifelsohne ...

... eine der vielen Postkarten, etwas Sand und ein paar Muscheln. Aber Oceanside muss man erleben. Man muss eintauchen. Einen Sea-Breeze trinken, im La Mer essen oder auf einen Snack zu Joe’s Burger (die Süßkartoffel-Pommes sind fantastisch). Man muss den Sonnenuntergang sehen und den Duft der Pinienwälder einatmen. Man muss sich verzaubern lassen...

... die Postkarten, die es am Pier zu kaufen gibt, das Welcome to Oceanceside-Shirt und einige Muscheln, die man am Strand finden kann. Ganz uneigennützig würde ich Gefühlsbeben und Sommersturm noch dazu legen.


Der finale Satz meines Buchs …

... Zumindest der erste davon.

... Und in genau diesem Moment ist es das auch.



Allerbesten Dank für diese illustren und stilechten Einblicke, ihr beiden! Wenn wir jetzt mal nicht noch neugieriger auf die neuen Gesichter in Oceanside und ihr emotionales Wildwasser-Rafting geworden sind?!

In diesem Sinne: Ahoi Ally! Ahoi Carrie!


Montag, 17. März 2014

[Kreativplausch] Mit Ally und Carrie am Pier von Oceanside

Dass das Schreiben von Büchern längst nicht mehr nur im stillen Kämmerlein erfolgt, beweist das Autorenduo Ally Taylor und Carrie Price in absolut bestechender Art und Weise. 

Zwei Frauen, die der "Szene" bisher zweifelsohne gefehlt haben. Zwei starke Persönlichkeiten, die einen Hang zu Kaffeespezialitäten haben. Zwei Schriftstellerinnen, die den meisten von uns bisher (noch) besser bekannt sein dürften als Anne Freytag und Adriana Popescu. 

Beide werden zu Recht jeweils für ihre eloquente Gegenwartslektüre geschätzt und haben mit ihren bisherigen Werken die Gunst der Leser nahezu spielerisch für sich gewinnen können. 
Sowohl Adriana Popescu als auch Anne Freytag haben ihre Leserschar, die stetig wächst, bis dato durch Romane überzeugen können, deren Kombination aus markigen Charakteren, Charisma und Geschichten voller Ausdruckskraft überaus bezeichnend ist.


         
Anne Freytag aka Ally Taylor

+

Adriana Popescu aka Carrie Price
                                       __________________________________________________________________________________

= make it count

                                                                             
Kürzlich, genauer gesagt zu Jahresbeginn, gaben die beiden nun ihren nächsten Coup bekannt und entfachten damit einen wahren (Begeisterungs-) Sturm auf ihren Fanseiten: Als Ally Taylor und Carrie Price würden sie sich einem gemeinsamen Projekt widmen. 
Dieses steht unter dem bedeutungsvollen Titel Make It Count (kurz mic) und umfasst separat voneinander erzählte Geschichten der heranwachsenden Generation im einladenden Oceanside an der amerikanischen Westküste. Dass Liebe und Leid dabei wie Pech und Schwefel aneinanderkleben, gilt als unverzichtbare Voraussetzung, nicht wahr?!

Bei den ersten Auskopplungen handelt es sich nun um Gefühlsgewitter (Ally Taylor) und Gefühlsbeben (Carrie Price). Diese leben von Charakteren, die zum einen vom konsequenten Erwachsensein noch ein Stück weit entfernt sind und zum anderen aufgrund persönlicher Schicksale teilweise viel zu schnell erwachsen werden mussten. Konfliktpotential ist demnach für Katie und Dillen sowie Lynn und Jared auf ganzer Linie vorprogrammiert.

Ally und Carrie kreieren mit mic nicht nur eine Achterbahn der Gefühle, sondern einen allumfassenden Rummelplatz inmitten des Oceanside-Stadions, der uns Leser willkommen heißt. 
Bildlich gesprochen erwartet die Figuren wie auch die Leser: Traute Zweisamkeit im Riesenrad und aufbrausende Fahrten in der Wildwasserbahn, Vertrauensbeweise am Free Fall Tower und Krawalle an der Schießbude ... 



© Freytag Literatur

(Hat Freytag Literatur mit diesem exklusiven Design nicht ganze Arbeit geleistet? 
Großartig, oder?!)


Und jetzt kommt schnell mit!

Seht die folgende Notiz als stilechte Einladung:


Hi y'all!

Let's meet down by the waterfront. We'll bring some coffee and snacks.

Don't miss out on this Oceanside experience! 
We'll count on you!


A & C
xx



Nicht's wie los, Anne und Adriana samt Alter Egos erwarten uns (so ultimativ kurz vor der Veröffentlichung ihrer Romane) mit Popcorn, Hot Dog und Zuckerwatte am Pier zu einem netten Gespräch! Es wird quirlig ... 




~ Kreativplausch ~

Liebe Adriana, liebe Anne,

viele bis so ziemlich alle eure Fans dürften seit Anfang des Jahres noch einmal mächtig die Ohren gespitzt haben. Denn da habt ihr bekannt gegeben, euch als Autorinnen ein brandneues, nicht weniger bequemes Gewand überzuwerfen. Kurzum: anderes Genre, neue Namen, erweiterte Zielgruppe, neue Dramen.
Dass ihr euch mitten im absoluten Endspurt – und das ist partout keine Übertreibung (!) – eures gemeinsamen Projekts Make It Count (mic) jetzt sofort die Zeit für einen exklusiven Kreativplausch nehmt, ist fabelhaft und mit Sicherheit ein riesiges Geschenk an eure Leser. Danke schön!


Dass ihr Romane schreibt, die es in sich haben und die den Fans im Nu ans Herz wachsen, dafür seid ihr bekannt – um nicht zu sagen berühmt berüchtigt. Das Genre New Adult Literatur ist nun allerdings bewusst gewähltes Neuland für euch. Wie Kolumbus habt ihr den amerikanischen Kontinent für euch entdeckt. Dort steht New Adult längst hoch im Kurs. Was macht für euch persönlich den besonderen Reiz aus, sich in diesem Genre auszuprobieren? Welche eurer (bisher vielleicht) verborgenen Seiten erwarten uns?

Adriana: Wer meine Bücher kennt, der weiß wohl wie ich mich in Stuttgart fühle und wie gerne ich meine Figuren in meiner Wahlheimat ins turbulente Gefühlschaos schubse. Allerdings sind mir da natürlich Grenzen gesteckt. Ich weiß, was man in Stuttgart erleben kann, was im Bereich des Möglichen ist. In Oceanside haben wir diese Grenzen nicht. Wir können uns etwas weiter in die Fiktion trauen, die Stadt und ihre Möglichkeiten unserer Fantasie anpassen. Das bietet eine sehr große Spielwiese auf der wir uns austoben können. Das empfand ich zur Abwechslung als sehr befreiend. Das Genre lässt ebenfalls mehr Luft für große Gefühle, das Kribbeln. Einfach mal ein bisschen larger than life. Die Jungs können ein bisschen perfekter sein, die Mädchen ein bisschen hübscher, die Abenteuer ein bisschen aufregender sein.

Anne: Ganz genauso sehe ich es auch. Mehr Freiheiten und neue Perspektiven. Und ich liiiiebe es einfach, knisternde Geschichten zu schreiben. Vor allem, wenn die Erotik dabei etwas bedeutet. Also, wenn es zum Beispiel die erste Liebe ist, oder dieser EINE Mensch, der einen besser macht, der einen besser versteht als alle anderen. Zu dem man sich nicht nur körperlich hingezogen fühlt, sondern zu dessen gesamtem Wesen, seinen Gedanken, den Blicken, der Art, wie er spricht und sich bewegt. Ich glaube, das ist besonders einfach, wenn man über junge Menschen schreibt, weil da alles so absolut ist. Der Glaube an die eine wahre große Liebe und dass die wahre Liebe alles überwinden kann. Vielleicht, weil man ihnen noch nicht wehgetan hat. Na jedenfalls, bedeutet der Sex etwas. Er ist mal schüchtern und mal fordernd, aber er ist nie leer. Das gefällt mir bei New Adult Literatur ganz besonders. Die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Heimat der cineastischen und schönsten Liebesgeschichten schien dabei der perfekte Schauplatz für die MIC-Romane.


Mit Ally Taylor (Anne Freytag) und Carrie Price (Adriana Popescu) erscheinen zwei neue, sehr US-amerikanische Autorinnen auf der Bühne der New Adult Schriftsteller. Pseudonyme, die unter anderem für Authentizität stehen. Dabei spielt ihr unverblümt mit Klischeehaftigkeiten. Welches sind wohl die größten Stereotype, die die beiden in ihren Charakteren vereinen?

Adriana: Ich stelle mir Carrie wie eine junge Sarah Jessica Parker vor. Vermutlich lebt sie in NY und schreibt auf ihrem Laptop im Starbucks am Times Square oder so. Sie trinkt Crazy Candy Choca Mocha decaf extra large mit doppelt Schaum mit Schikane und Beleuchtung und liebt ihre Marc Jacobs Tasche mehr als ihr Leben. Schaut gerne Serien auf DVD und ist verliebt in Joe Bennett aus Lipstick Jungle. Komisch, so unähnlich sind wir uns wohl doch nicht.

Anne: Ally ist natürlich Carries allerbeste Freundin. Sie arbeitet bei einem angesagten Magazin und scheucht Praktikanten durch die Gegend. Sie hat Stil und eine eigene Meinung, trägt immer Nagellack und steht totaaaal auf Kenzo-Stoffe. Gerade hat sie sich wieder drei Kissenbezüge daraus machen lassen. Am liebsten mag sie Unikate und für die gibt sie gut und gerne auch einige Dollar aus. Sie liebt Filme und Serien, trinkt ihren Espresso schwarz und bitter (so wie das Leben ;-) ) und ist mit einem Kerl zusammen, der ihre gepflegten Füße liebt und jeden Abend massiert. Sarkasmus ist ihr zweiter Name und Klischees sind nur Teil ihrer fiktionalen Welt.


Wer sind für euch Persönlichkeiten aus Literatur, Film und/oder Fernsehen, die ihr mit der amerikanischen Unterhaltungskultur unmittelbar in Verbindung bringt? Was macht sie für euch zu den Glanzlichtern der Branche?

Adriana: Ich war und bin ein großer TV-Junkie, wie alle wissen dürften. Ich habe von den großen 80er-Jahre-Soaps bis zu den aktuellen Serien wohl alles gesehen. Joan Collins im Denver Clan als Alexis ist die wohl schillerndste Figur der TV-Ära. Ich habe es geliebt, sie als Biest in stylischen Klamotten erleben zu dürfen. Natürlich habe ich alle Folgen gesehen, habe Charaktere verflucht, andere geliebt und war traurig, als alles vorbei war. Später dann Beverly Hills 90210, das Traumpaar Dylan und Brenda, die West Beverly High, das Peach Pit. Ich mag sowas ja ausgesprochen gerne. Sex and the City, Carrie Bradshaw, die natürlich aus als Namenspatin für mein Pseudonym herhalten musste. Lipstick Jungle, der großartige Joe Bennett ... die Liste ist endlos! Wenn ich mich aber für eine Figur entscheiden müsste: es wäre Aaron Spelling, der so viele wunderbare TV-Serien geprägt hat. Vielleicht hätten wir ihn zu einer Serie von Make it count überreden können.

Anne: Puh. Ich liebe Filme und Serien und bin keine Leseratte – was viele komisch finden, da ich gerne scheibe. Aber meine Leseliste 2013 umfasste vielleicht 5 Bücher. Ich nutze meine Zeit lieber zum Schreiben. Die Liste meiner Lieblingsfilme ist dafür echt laaaaaang. Zu lang. Bei Serien ist es nicht viel besser. Sex and the City. Damages. 24. Game of Thrones. Aber auch Beverly Hills 90210, Grey’s Anatomy und Vampire Diaries. Breaking Bad. Homeland...UND UND UND. Ich bin den Drehbuchautoren und den Schauspielern unheimlich dankbar. Aber die ersteren kenne ich oft gar nicht. Sie bleiben im Verborgenen. Meine Helden sind tatsächlich andere... (Ich liebe ja Georg Schramm, aber das ist ein anderes Thema. ;-) )


Die Titel eurer Romane lassen mit Gefühlsgewitter und Gefühlsbeben bereits im Vorfeld einige Schlüsse zu. Doch neben emotionalen Höhen und Untiefen der heranwachsenden Generation spiegelt sich auch die entschlossene Botschaft Make It Count in den Handlungen wider. Worin bestand für euch die größte Herausforderung, den Spagat zwischen juvenilem Erfahrungsschatz und der Nuance an Lebensweisheit zu vollführen?

Adriana: Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass vor allem junge und junggebliebene Leser auf solche Lebensweisheiten stehen. Wenn man jung ist, fällt es leichter ein „Carpe Diem“ oder „Make it count“ aufzunehmen. Ich mag mich irren, aber mein Ordner in der Schule war vollgekritzelt mit solchen Zitaten, die mich angespornt und motiviert haben. Make it count sollte natürlich für alle Generationen gelten, weil es sich immer lohnt einen Lieblingsmoment einzufangen. Ich glaube nicht, dass man ein jüngeres Zielpublikum anders behandeln sollte, damit begeht man den großen Fehler und unterschätzt die Leser. Mein 17-jähriges Ich hätte sich den Spruch Make it count auf jeden Fall in den Ordner geschrieben.

Anne: Ja, meines auch. Und ich denke, dass die Grundprobleme des Lebens dieselben bleiben. Die Inhalte sind nur anders. Ich denke, das was uns Menschen bewegt, sind immer dieselben Dinge: Liebe, Familie, Freundschaft, Zweifel, Angst..... die Liste ist endlos. Bei den Jüngeren ist das vielleicht ‚naiver’ oder ‚absoluter’, weil alles schwarz oder weiß ist, aber Liebe bleibt Liebe, Verletzungen tun weh und Missverständnisse zerstören Dinge, die hätten klappen können, wenn nicht Angst und Stolz im Weg gestanden hätten. Das alles ist doch altersunabhängig. Und wer erinnert sich nicht an die großen Gefühle, die erste Liebe? Gefühle sind eine Sprache, die Menschen instinktiv verstehen. Tränen, den Knoten im Magen, den Kloß im Hals. Außerdem bekomme ich oft die weisesten Einsichten durch meine beiden Nichten (4 und 6), weil die ungefiltert zeigen, was sie empfinden. Ich denke nicht wirklich, dass Erwachsensein und Lebensweisheit immer Hand in Hand gehen. Zumindest nicht zwangsläufig.


Mit Oceanside kreiert ihr eine fiktive Kulisse, die euren Geschichten den wohl idealen Rahmen gibt: eine beschauliche Nachbarschaft nebst rauer See und vor allem nicht wenige knisternde Geheimnisse. Wie müssen wir uns den Aufbau dieses Städtchens vorstellen, wenn sozusagen zwei Bürgermeisterinnen das Zepter in der Hand halten? Worauf seid ihr hinsichtlich der geschaffenen Szenerie besonders stolz?

Adriana: Ich hoffe Ally stimmt mir zu, wenn ich sage der Pier bildet das Herzstück des Städtchens. Ich könnte Stunden dort verbringen, auf den Ozean schauen und träumen. Ich mag auch die schönen Herrenhäuser, die an Südstaaten-Sagen erinnern. Das Stadion ist ebenfalls unser großer Stolz. Obwohl Oceanside beschaulich ist, gibt es auch Viertel, die nicht so schön sind. Wir sammeln Spenden um diese aufzubessern ... ;)

Anne: Da stimme ich Carrie unumwunden zu. Wir teilen das Zepter gerne, teilen die ganze Verantwortung und feiern jeden Erfolg gemeinsam mit einem frischen Eistee am Pier. Wir versuchen wirklich alles, um den weniger gut gestellten Mitgliedern unserer Gemeinde zu helfen, aber die Mittel sind begrenzt. Alles, was in unserer Macht steht geschieht. Aber diese Korruption... ;-) Ich jogge morgens am Strand und genieße das Rauschen der Wellen. Am liebsten bin ich am Steg meines Herrenhauses oder gehe auf meinem Anwesen spazieren. Diese Ruhe fernab der Hektik und des Alltags ist unbezahlbar. Abends betrachte ich gerne den schier endlosen Horizont. Aber am meisten bewegt es mich in Oceanside die Sommergewitter anrollen zu sehen. Dieser Anblick ist gigantisch. Wie ein Beben, das meinen Körper erschüttert.


Die Make-It-Count-Reihe erinnert (mich) in manchen Zügen an die guten alten TV-Zeiten von Dawson’s Creek, O.C. California & Co. Wie sehr prägte euch das Bild solcher Kultserien zu ihren damaligen Spitzenzeiten? Und nehmen wir an, eure Romane würden verfilmt werden. Unter uns, welcher Cast an Schauspielern würde euer Herz erwärmen?

Adriana: Ich glaube meine Teenie-Zeit war sehr von eben solchen Serien geprägt. Beverly Hills 90210, Party of five, Willkommen im Leben, Dawson’s Creek ... ich habe sie alle geliebt! Wenn ich meine beiden Figuren besetzen dürfte: es wäre wohl der junge Jared Leto, allerdings mit einem Kurzhaarschnitt. Lynn könnte ich mir eine junge Natalie Portman vorstellen – natürlich weiß ich, dass sie nie in Serien mitgespielt hat. Aber man darf ja träumen!

Anne: O ja, diese Kultserien habe ich auch alle angesehen und geliebt. Schon ne Weile her. Hm. Was den Cast angeht, das ist fast albern. Es sind tatsächlich die beiden, die auf meinem Cover zu sehen sind. Anna hat mir das Bild gezeigt und da war es klar. DAS sind die beiden. Und ich habe keine Ahnung wer sie sind. In meiner Welt sind es Katie und Dillen.


Stellt euch vor, ihr hättet als Teenie und junger Erwachsener in einem Ort wie Oceanside gelebt. Welche Rolle hättet ihr wohl in der Gemeinschaft eingenommen? Ambitionierte Cheerleaderin, ehrgeizige Schülersprecherin, toughe Surferin, … Wir sind ganz Ohr!

Adriana: Ich wäre in Oceanside vermutlich die Ulknudel gewesen. So wie auch während meiner Schulzeit in Speyer. Natürlich hätte ich einen schöneren Teint vom ganzen Rumhängen am Strand und am Pier. In der Schule wäre ich der Klassenclown. Cheerleader? Ich? Niemals!

Anne: Ich denke ich wäre eine Mischung aus Misfit und Ms. Sarcasm gewesen. Immer einen Spruch auf den Lippen, heimlich (und unsterblich) verliebt in den intelligenten Jungen mit dem undurchdringlichen Blick. Viel zu uncool, um echt cool zu sein, aber auch zu aufgedreht für die Mauerblümchen-Rolle. So eine Midi-Rebellin? Eine Lynn vielleicht?


Was ich äußerst beeindruckend finde, ist das eng gesteckte Zeitfenster, in dem ihr an den Romanen gearbeitet habt. Das zeugt von äußerster Disziplin, immenser Motivation und einem enormen Input an Ideen auf Abruf. Worin liegen für euch in einem derartigen Hochleistungsschreiben die ärgsten Knackpunkte? Welche Variablen sind dabei die verlässlichsten Konstanten, welche die unberechenbaren Unsicherheiten?

Adriana: Wir hatten schon etwas früher mit dem Grundgerüst begonnen, haben ein paar Infos, Ideen und Charaktere gesammelt. Somit ist die Zeit, mit der wir uns mit Make it count beschäftigen gar nicht so kurz, wie man vermuten könnte. Dennoch war klar, wir müssen am Ball bleiben. Ally – ich meine Anne – war mir eine große Hilfe, meine Konstante, hat mich motiviert nicht vom Pier ins Meer zu hüpfen, sondern Lynn und Jared ihre Geschichte zu schenken. Ein Geschichte, die auch qualitativ auf einem guten Niveau liegt. Das war uns beiden wichtig. Wir wollten nicht einfach etwas hinschmieren, es war immer Zeit für Überarbeitungen, Testleser und Lektorat. Das war uns wichtig.
Und die unberechenbaren Unsicherheiten waren meine Figuren. Oft wollten sie nicht so wie ich, haben sich quer gestellt und manchmal musste ich mit dem Teppichmesser drohen! Aber es ist ja zum Glück alles gut gegangen!

Anne: Außerdem darf man nicht vergessen, dass es zu zweit echt viel einfacher ist/ sein kann, weil wir beide drin sind, beide wissen, worum es geht, wie wir und gegenseitig helfen und motivieren können. Wir konnten gegenseitig lesen (und das schon während des Schreibens). Wir haben stundenlang (und damit meine ich wirklich ganz echt STUNDENLANG) telefoniert und geplottet und gegrübelt. Aber mit zwei Hirnen denkt es sich eben besser. Carrie hatte oft den zündenden Gedanken, der mich dann wieder zurück auf in die Bahn geworfen hat. Ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis. Unberechenbare Unsicherheiten? Viele neue Ideen für viele weitere MIC-Plots, die so spannend waren, dass ich immer mal wieder dachte: ‚Mensch, ich will jetzt mit der neuen Geschichte anfangen...’ (Habe ich aber nicht. Mayors Ally und Carrie haben es unter Strafe gestellt. Und mit denen ist nicht zu spaßen...) Alles in allem muss ich sagen, dass Ally sich in Oceanside und im New Adult Genre tatsächlich sehr sehr wohlfühlt... Sex & Drama en masse. Was will man mehr? :-)


Ihr seid beide Autorinnen, die eine unheimlich starke Präsenz zeigen. Ihr mischt euch sozusagen direkt unter eure Leser. Schon im laufenden Schreibprozess wendet ihr euch mit Vorschauen, Nachfragen und Beiträgen an die Fans. Ihr kommuniziert sehr sympathisch auf Augenhöhe. Was bedeutet euch jener unmittelbare Austausch mit euren Lesern? Bestätigt er? Erhöht er den Druck? Bringt er gar neue Ideen?

Adriana: Es erhöht den Druck. Und spornt enorm an. Der rege Austausch mit den Lesern zeigt mir ziemlich deutlich, was gut ankam, wo man vielleicht noch etwas verbessern kann. Aber man will sie natürlich nicht enttäuschen. Natürlich kenne ich nicht alle Leser persönlich, aber manchmal fühlt es sich so an. Deswegen würde ich nichts abgeben, nichts veröffentlichen hinter dem ich nicht stehe. Und wann immer ich gedacht habe: Das packst du nie! war zum Glück immer Ally da.

Anne: Das ging mir ganz genauso. Wenn Carrie geschrieben hat: Die neue Stelle ist klasse, dann ist mir ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Wir haben einander bestätigt und kritisiert, an Texten gefeilt und einander geholfen. Was die Leser angeht: Ich bin immer wieder baff, wie viel Rückmeldung kommt. Es ist so toll, wenn man nicht in einen leeren Raum schreit, sondern, wenn ein Echo kommt. Und wenn das Echo dann auch noch gut ist, dann ist das wie... hm... wie ein Drogentrip? (So stelle ich mir das zumindest vor, ich bin da der Anti-Experte. Ich finde Apfelmost schon ziemlich stark.) Auf jeden Fall ist es genauso wie Adriana/Carrie sagt. Es ist herrlich und man möchte auf keinen Fall enttäuschen.


Euer beider Schreibstil ist von filigraner Leichtigkeit und einem beeindruckenden Gewicht an Bildhaftigkeit gekennzeichnet. Wie leicht oder schwer fiel euch die Zeitreise zurück ins Erwachsenwerden? Mit welchem Hintergedanken seid ihr ans Werk gegangen: Habt ihr euch einen lang gehegten Traum erfüllt? Wart ihr auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? Handelte es sich um die Verkettung glücklicher Blitzideen? Lasst hören!

Adriana: Ich denke Anne und ich haben sehr viel miteinander gesprochen, wir haben Ideen ausgetauscht, über Figuren gesprochen und haben schnell gemerkt, dass wir auf der gleichen Welle surfen. Und da wir junggeblieben sind – wie man wohl auch bei unseren zahlreichen Posts merkt – war der Schritt zurück ans College oder die Highschool gar nicht so schrecklich schwer. Ich muss schließlich immer noch meinen Ausweis vorzeigen, wenn ich Alkohol kaufe. Der einzige Hintergedanke für mich war: dann schreiben wir zusammen mal was!

Anne: HAHAHAHAHA. Ja, so auch hier. Ich denke, wir haben etwas ziemlich Alters- und Zeitloses in uns. Bei Renate Hoffmann hat ein Leser in einer Rezension geschrieben, dass er vermutet, dass es sich um viele autobiografische Elemente handelt. Ein anderer meinte, ich wäre alt. Und auch bei 434 Tage vermutete manch ein Leser Parallelen zum eigenen Leben. Aber ich versichere, das ist alles nur Fantasie. Ich hatte noch nie den Wunsch zu sterben, noch war ich verheiratet, und habe folglich auch nie meinen Mann betrogen (nein, auch nicht den Freund!!). Ich würde sagen, es ist (einer der wunderbarsten) Bestandteile unseres Berufs, abdriften zu können... in neue Welten. Und das Driften zu Katie und Dillen war nicht allzu schwierig. Die Chemie hat gestimmt. Und Carrie und ich sind ja jung(geblieben).


Wenngleich wir dieses Gespräch liebend gern noch auf eine unbestimmte Anzahl an Fragen ausdehnen könnten, nun vorerst eine letzte: Unabhängig voneinander schreibt ihr Romane, die im mic-Kosmos spielen. Ein Gedanke der mir dabei sofort in den Sinn kam, als ich davon hörte, ist der des Crossovers. Wie steht ihr dieser Option – vollkommen unverbindlich natürlich – gegenüber?

Adriana: Du meinst, dass ihre Charaktere auch mal bei mir vorkommen und vice versa? Ausgeschlossen ist nichts. Aber Ally kennt ihre Figuren so viel besser als ich das tun könnte. Es soll kein Mischmasch werden, die Figuren sollen sich treu bleiben. In Szenen als Nebenfiguren aufzutauchen ist aber gewünscht, geplant und bereits geschehen. Make it count bietet sich für ein Crossover ja geradezu an!

Anne: Und manche unserer Nebenfiguren werden vielleicht einmal zu Hauptfiguren und die sind mit Figuren der anderen Geschichten befreundet. Wie im Leben eben. Da steht bei Facebook ja auch: 3 gemeinsame Freunde. Make it count und die Charaktere sind aus dem Leben gegriffen. Gut, sie leben in den USA und sie sind nicht real. Zumindest im herkömmlichen Sinne. Denn in unseren Köpfen wurden sie lebendig.


Ihr glaubt gar nicht, was es für ein Vergnügen war, mit euch zu plaudern. Es hat mich ungemein gefreut, dass ihr mir und damit uns allen Rede und Antwort zu ein paar brennenden – seien wir ehrlich: ein paar essentiellen – Fragen gestanden habt. Ein großes Dankeschön dafür!

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch, euch für euer New Adult Debüt alles Gute zu wünschen. Ally & Carrie, make it count!!!