"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Dienstag, 22. November 2016

[Rezension] {♫♫} Immer noch Mensch (Tim Bendzko)

Tim Bendzko: Immer noch Mensch 

Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass ich seltenst der Veröffentlichung eines Musikalbums derartig entgegengefiebert habe wie der von Immer noch Mensch. Nachdem Tim Bendzkos ersten beiden Alben, Wenn Worte meine Sprache wären und Am seidenen Faden, mit Leichtigkeit die meistgehörtesten meiner Sammlung sind, konnte ich diesen musikalischen Nachschub in Form der signierten Special Edition (die, nebenbei gesagt, doch wahrlich hübsch daherkommt) daher kaum bis gar nicht erwarten...

Was kann ich sagen? Nun, ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Album auf Anhieb vielleicht sogar noch ein bisschen mehr in den Bann würde ziehen können als seine Vorgänger. (So ziemlich ein Ding der Unmöglichkeit!) Das über eineinhalb Jahre lange Warten nach dem vorerst letzten Konzertbesuch hat sich definitiv gelohnt. 

Ich weiß gar nicht so recht, was mich am meisten beeindruckt? Aber für mich als ultimativer Fan von Sprache und Wortmalereien und ambitionierter Gedankenjongleur ganz vorn mit von der Partie ist zweifellos die für meinen Geschmack geniale Kombination der aussagekräftigen Texte mit Melodien, die unter die Haut gehen. 

P.S.: Nicht oft hatte ich bereits im Vorfeld einer Tour einer derartig klare Überzeugung davon, wie wunderbar die Interpretationen auf der Bühne wirken werden...


~ Rezension ~

Ein Resonanzkörper menschlicher Empfindungen

Es gibt Musik, die sich gern hören lässt. Und es gibt Musik, die wir fühlen — durch und durch und bei jedem Hören aufs Neue und ein wenig mehr. Zu zweiter Gruppe gehört Immer noch Mensch. Ein Album, das eine Auswahl an Liedern vereint, die Tim Bendzko als Singer/Songwriter und Produzent selbst als Pralinen bezeichnet und den Hörern dementsprechend kredenzt. Beinahe scheint es, als bringe Beste Version, so der erste Titel auf dem Album, das mögliche Resümee zum Gesamtwerk bereits ausdrucksstark auf den Punkt. 

Tim Bendzkos drittes Album Immer noch Mensch steckt voller unaufdringlicher Aufrichtigkeit und emotionalem Mehrwert. Es schlägt Saiten an, von denen sich du und ich angesprochen, verstanden und beflügelt fühlen.

Eine Stärke Tim Bendzkos ist es seit jeher, seinen Stücken eine vom ersten Ton an verständliche, aber dennoch tiefenwirksame Bedeutung zu geben. Dieses Vermögen verfeinert er auf Immer noch Mensch. Präzise Eloquenz, die hohe Intensität an gefühlsbetonten Werten und lebensechte Dynamik charakterisieren das Album. Teils gerade heraus, zeitweise clever zwischen den Zeilen verpackt spiegeln die Texte ein einnehmendes Kaleidoskop nur allzu menschlicher Befindlichkeiten, Einsichten und Möglichkeiten wider.

Die einen mögen die deutliche Nachdenklichkeit des Albums vielleicht als durchaus schwermütig einstufen. Ich hingegen empfinde die aufgefächerte Analytik und Beobachtungsgabe vielmehr als absolut auf den Kopf getroffenen Nagel. 

Ob angegraute Melancholie oder wabernder Weltschmerz, ob offensive Zuversicht oder beharrliche Leichtfüßigkeit — jedes einzelne Lied gleicht gewissermaßen einer Offenbarung, deren Identifikationspotenzial (mich) sehr berührt. Die Harmonie zwischen den mit großem Wahrheitsgehalt ausstaffierten Textzeilen und deren musikalischer Untermalung ist mehr als nur gelungen. Eine Liebe zum Detail, die beim Hören spürbar wird. Ganz ehrlich: Für mich persönlich gibt es nur sehr, sehr wenige Künstler, die es schaffen, mich in diesem großartigen Umfang mit ihrer Musik zu begeistern.

Leise, authentische Töne, die laut nachhallen, einfühlsame Reflexion und munterer Enthusiasmus für ein Leben mit all seinen Etappen machen die Mischung aus, mit der Tim Bendzko "Lebensweisheiten" teilt, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Im Gegenteil. Mit Zeilen wie Kann man das noch reparieren?, Was du jetzt bräuchtest, ist'n bisschen Phantasie und der Schleier fällt und Ich sing' nicht für den Applaus, gehört zu werden, reicht mir aus spricht der Berliner vermutlich tausenden Menschen aus der Seele. Denn bei all dem Tohuwabohu, das uns täglich umgibt, ist und bleibt es essentiell (wenngleich nicht immer einfach) sich selbst treu zu bleiben.

Immer noch Mensch ist viel mehr als eine gekonnt arrangierte Zusammenstellung von 11 Liedern mit Charakter, die in einem Keller auf dem Land eingespielt worden sind. Es ist Sprachrohr, Katalysator und Spiegelbild in einem und vom Feinsten!

FZIT: Glaubwürdig. Menschlich. Zeitlos.


Dienstag, 25. Oktober 2016

[Neu im Regal] Auf die beste Version lohnt sich das Warten!

Huuuiii! Weshalb sich der 21. Oktober in diesem Jahr für mich angefühlt hat, als wären Weihnachten, mein Geburtstag und sämtliche Feiertage auf diesen einen Termin gefallen, hat einen ganz plausiblen Grund: die Veröffentlichung von Tim Bendzkos drittem Album Immer noch Mensch

Wer mich ein klein wenig näher kennt, weiß, dass ich großer Fan der inhaltsvollem Musik Tim Bendzkos bin. Ich liebe einfach gute Texte mit Tiefgang und raffinierte Wortspiele. Und für meinen Geschmack findet der Singer-Songwriter aus Berlin eben immer die richtigen Worte. 

Dass nun die handsignierte Special-Edition von Immer Noch Mensch inklusive Fotobuch und Poster vorbestellt werden musste, erklärt sich folglich von selbst, nicht wahr?! Hach ja, und wie hübsch sie ist. Nicht nur ihre Optik, sondern auch ihre inneren Werte sind sowas von entzückend.


Dienstag, 20. September 2016

[Rezension] {♫♫} The Woman I Am (Kellie Pickler)

Kellie Pickler: The Woman I Am 

Zugegeben, in Deutschland ist Musik, die angehaucht oder gar geprägt von Countryschmiss ist, nicht unbedingt massenkompatibel. Eine Tatsache, die Nashville, die Wiege der Countrymusik, manchmal noch ein kleines Stückchen weiter in die Ferne rücken lässt ...

Wie gut, dass die musikalischen Werke von Künstlern wie Kellie Pickler nun dennoch nicht "aus der Welt" sind. Seit geraumer Zeit läuft bei mir in guter Regelmäßigkeit eben auch ein komplettes Album der Singer-Songwriterin rauf und runter. Und das gebe ich aus Überzeugung nicht mehr her. (It's a Little Bit Gypsy, and Buzzin' too.)


~ Rezension ~

Charisma à la Country

Vom gebrochenen Herzen, dem selbstbewusst und trinkfest getrotzt wird, über die Hommage an die resolute Urgroßmutter, Selma Drye, bis hin zu Liebeserklärungen für die Ewigkeit reicht das Repertoire, mit dem Kellie Pickler auf ihrem aktuellen Album glänzt. Damit bleibt sie nicht nur dem Genre der Countrymusik, sondern vor allem sich selbst treu. Denn sowohl die Texte als auch deren Interpretationen stecken voller Pickler'scher Persönlichkeit, die eben genauso übermütig wie nachdenklich und gleichermaßen witzig wie reflektiert ist.

Mit ihrem vierten Album The Woman I Am unterstreicht Kellie Pickler ihre Klasse als unverfälschte Countrystimme, die ihre Fans zu begeistern weiß.

Kellie Pickler ist eine Künstlerin, die Authentizität ausstrahlt. Countrymusik ist ihr Genre und das stellt sie mit diesem abwechslungsreichen Album unmissverständlich unter Beweis. Mal ausgelassen flippig, mal introvertiert und verletzlich zeigt sich die Sängerin. Eine Bandbreite, die sowohl künstlerisch als auch emotional überzeugt.

Unüberhörbar ist, dass Kellie Picklers Stimme wie die Faust aufs Auge zu ausgefeilten Countryklängen, die Explosivität und Bedächtigkeit vereinen, passt. Zweifellos markant. Ob freche kraftvolle Uptempo-Nummer oder weiche melancholische Ballade der ehemaligen American Idol Teilnehmerin steht alles hervorragend zu Gesicht. Erfrischend sympathisch und das mag ich. Sehr.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Kyle Jacobs, schrieb die Sängerin The Woman I am und Bonnie And Clyde. Zwei Lieder, die stellvertretend für die Vielfalt und Präsenz Kellie Picklers stehen. Denn neben Verspieltheit und Überschwang, zählen gleichsam das Verarbeiten von Enttäuschung und heilende Wunden zum Ich der Künstlerin. Und genau das bringt sie zum Ausdruck.

Keine Frage, das Album greift verstärkt den klassischen Grundtenor handgemachter Countrymusik auf. Unverkennbar. Und ebenjenes Gefühl ist es, was Kellie Pickler liebt und lebt und daher auch an ihre Fans weitergeben möchte. Eine Intention, die gelingt. Gleichzeitig fügt sie den zwölf Tracks zeitlos modernes Flair und, was noch viel bedeutsamer ist, Herz und Seele bei. 

In der Summe ein rundum gelungenes, dynamisches Musikalbum, das zum einen dem Image der Countryklänge im besten Nashville-Stil gerecht wird; und das zum anderen Kellie Pickler ungekünstelt porträtiert. Absolut empfehlenswert für Fans dieses Genres. Eine Zugabe muss unbedingt her!

FZIT: Elanvoll. Kernig. Echt. 


Dienstag, 12. Juli 2016

[Kiwiana] Musik, die um die Welt geht

Zu den großen kulturellen Erben Neuseelands zählt zweifelsohne der Haka. Der von den Maori überlieferte und noch immer aufgeführte Tanz. Während der Haka früher auch zur Einschüchterung der Gegner im Kampf getanzt wurde, ist er heute eine Tradition, die der Unterhaltung dient. Die All Blacks, die Rugby-Nationalmannschaft des Landes, tanzt den Haka beispielsweise vor jedem Spiel auf dem Feld. Sehr eindrucksvoll. Ich selbst habe einen Haka einmal im Rahmen einer Schulaufführung erlebt. Und selbst die Kraft und Ernsthaftigkeit der Kinder und Jugendlichen vermittelte ein Gefühl, das Ehrfurcht kreierte. Es verwundert also kaum, dass sich in früheren Zeiten die Maori-Krieger durchaus Respekt verschafft haben, indem sie voller Inbrunst ihren Gegnern gegenübertraten. 

Keine unbekannten Größen

Neben diesem Stück Maori-Kultur erobern heute natürlich noch ganz andere Rhythmen aus NZ die Herzen nationalen und internationalen Publikums. Das momentan imposanteste musikalische Aushängeschild des Landes ist offensichtlich Lorde, die die gesamte Musikwelt erst verblüfft, dann für sich gewonnen hat. Aber auch andere Stimmen des Landes sind nicht zu verachten. Dabei reicht das Repertoire von unkonventionell unbeschwert über eingängig tanzbar bis zu geerdet tiefsinnig. Wie es sich gehört, ist demzufolge für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Inwieweit sich zu all jenen Klängen nun Haka tanzen lässt, das bleibt allerdings dem Selbstversuch eines jeden überlassen.

♫♫ Hier nun eine kleine Auswahl der Stimmen Neuseelands ♫♫







Neben Lorde hat es auch Gin Wigmore von Zeit zu Zeit bereits in unser Unterhaltungsprogamm hierzulande geschafft, was ich nur befürworten kann. Aber auch Stan Walker, der übrigens in Hamilton zur Schule gegangen ist, ließe sich gut und gern irgendwo zwischen Bruno Mars und Justin Timberlake einordnen. Vom Duo Flight of the Conchords fühlten sich meine Hamiltoner Nachbarn bestens unterhalten und Broods sind Geschwister aus Nelson, die auch bereits in den US-Charts vertreten waren. 

Eine Hommage an die Muttersprache

Der aktuellste Chartstürmer des Landes auf iTunes ist übrigens, passend zur diesjährigen Maori Language Week, das Lied Maimoatia, welches die Wertschätzung und die aktive Pflege der Sprache der Maori in den Mittelpunkt rückt. Beispielhaft, wie ich finde.



In diesem Sinne: Auf die Ohren, fertig, los!



Dienstag, 19. April 2016

[Rezension] {♫♫} Kehr Wieder (Bec Lavelle)

Bec Lavelle: Kehr Wieder 

Keine Frage, als ich hörte, Bec Lavelle würde nach sechs Jahren Pause ein neues Album herausbringen, wusste ich, es würde großartig werden. Nicht ohne Grund hatte die Sängerin (mich) u.a. bereits damals als "Stimme" der beliebten TV-Serie McLeod's Daughters und später als Teilnehmerin bei The Voice of Germany begeistern können. 

Doch es wurde mehr als großartig. Es ist schlichtweg ein Dauerbrenner. Und das ist ruhig wörtlich zu nehmen. Denn habe ich erst einmal "Play" gedrückt, ist die Dauerschleife vorprogrammiert. Okay, einmal höre ich's noch ... und noch einmal ... 
(Damit reiht sich dieses Album mit Leichtigkeit in die Kollektion meiner absoluten Lieblingsalben ein und ist neben Tim Bendzkos Am seidenen Faden und Nick Howards Stay Who You Are in exquisiter Gesellschaft.)

Vielleicht kennt ihr das auch: Es gibt Musik, die kann man immer und immer und immer wieder hören, ohne derer überdrüssig zu werden. Kehr Wieder ist zweifellos eines dieser Werke. Prädikat "Besonders wertvoll!"


~ Rezension ~

Musik, der ein Zauber innewohnt 

Entschlossenheit, Melancholie, Besonnenheit, Schmerz — das sind nur einige der Gefühle, die Bec Lavelle in den 11 Tracks ihres dritten Albums transportiert. Während der deutsche Titel "Kehr Wieder" eine Ode an Bec Lavelles Wahlheimat Deutschland ist, singt das Stimmwunder aus Australien ihre zu weiten Teilen balladisch gehaltenen Lieder in Englisch. Neben einer Vielzahl gekonnt in Szene gesetzten selbst geschriebenen Solostücken finden sich auf dem Album ebenfalls ein Cover des Klassikers River sowie zwei wunderbare Duette mit den Robertson Brothers bzw. mit James Blundell wieder. 

Mit Kehr Wieder unterstreicht Bec Lavelle ihre Klasse Singer/Songwriterin und sorgt für ein Potpourri an eingängigen Pop/Folk-Tönen, die voller Sanftmut und Kraft zugleich stecken. Für Fans, die Textlastigkeit und Emotionalität von Musikstücken schätzen, wie geschrieben. Was ich darüber hinaus ebenfalls hervorragend gelungen finde, ist die Gesamtkomposition aus (einmaliger) stimmlicher Wärme, inhaltlicher Präsenz und melodiöser Harmonie. Ein (Akustik-) Album, das in vielerlei Hinsicht voller Souveränität und Zerbrechlichkeit steckt.

Bec Lavelle berührt mit ihrer handgeschriebenen Musik, ohne aufdringlich oder überdimensional zu wirken. Im Gegenteil. Gerade eine gewisse Zurückgenommenheit und ein angenehmes Verhältnis zwischen Gesang und instrumentaler Begleitung sorgen für eine besondere, sehr eingängige Atmosphäre. Mit diesem Album beweist die Sängerin, dass auch ruhige, hier und da nachdenklich anmutende Töne absolutes Ohrwurmpozential haben. Wehmut und Beharrlichkeit, Reflexion und Dynamik schließen einander nicht gegenseitig aus. Sie machen das Leben und die Musik schlichtweg facettenreicher.

Dass Bec Lavelle als Indie-Künstlerin längst nicht nur in Down Under überzeugt, freut mich persönlich riesig. Denn ihre Stimme muss einfach weltweit gehört werden! Kehr Wieder mag ein Album sein, das nicht von einem großen Label unterstützt wird. Aber es ist ein Werk, das von einer bemerkenswerten Künstlerin geschrieben und eingesungen worden ist. 

Musik, die, wie selbstverständlich, unter die Haut und zu Herzen geht. Eine Sogwirkung, die beeindruckt. Für mich ganz klar eine der musikalischen Neuerscheinungen des Jahres 2016.

FZIT: Unwiderstehlich. Tiefenwirksam. Umarmend.


Sonntag, 20. März 2016

[Live-Erlebnis] Helden in neuem Gewand

Es gibt Abende, auf die freuen wir uns in über-überdurchschnittlichem Maße. Genau so erging es mir mit dem Unplugged Konzert, das Revolverheld kürzlich, am vergangenen Donnerstag, in Berlin gab. Seit Jahren bereits wollte ich die Band unbedingt einmal live spielen sehen — und endlich standen die Sterne gut. Das Gesamtpaket Revolverheld in Akustikversion, ein perfekt zugeschnittenes Geschenk für mich. 

*Interlude* 


Doch dann ereilte Frontmann Johannes Strate zum eigentlichen Tourauftakt am 11. März in Emden eine üble Grippe und die ersten vier Konzerte der "Revolverheld — MTV Unplugged in 3 Akten" Tour mussten kurzerhand verschoben werden. Und irgendwie begann natürlich auch für Berlin, ursprünglich Station sechs der Tour, das Zittern... 

Aber getreu dem Motto "Das kann uns keiner nehmen!" war Johannes bis zum 17. März, seinem Geburtstag, wieder bereit, gemeinsam mit Band und Orchesterbegleitung die Bühne, wenn auch anfangs noch mit leicht nasaler Sprechstimme, zu erobern. Doch bevor heldenhaft gerockt werden sollte, begrüßte der Singer-Songwriter Greg Holden das (un)geduldig wartende Publikum. Markante Stimme, tiefsinnige Texte, schlichte Gitarrenbegleitung waren sein Rezept dafür, im Gehörgang zu bleiben.

Die Bands deiner Jugend haben sich längst schon aufgelöst und die anderen machen komischen Elektro  nicht aber Revolverheld  

Wie du und ich bahnte sich Revolverheld, durch einen Seiteneingang hereinspazierend, den Weg durch die Fans auf die Mittelbühne. Hier stand ein beeindruckendes Repertoire an Instrumenten bereit, das zum Glühen gebracht werden wollte. Und das eben in schönster akustischer Version. Was bisher nur dem kleinen Kreis der bei der Aufzeichnung des MTV Unplugged Konzertes anwesenden Zuschauern vergönnt gewesen ist, wird nun also im Rahmen der Tour zum Erlebnis für Tausende Fans. 

Neben Revolverheld gesellten sich zudem einige auf den Tickets als Special Guests angekündigte Künstler auf die Bühnen. Folge? Geniale musikalische Highlights, wie ich finde. Dass nun auch ausgerechnet meine persönlichen Lieblingsduette von besagter MTV-Aufzeichnung dargeboten wurden, war ein zusätzliches Highlight par excellence. Da waren sie also tatsächlich: Annett Lousian und ein gerade erst aus Salzburg eingeflogener Mark Forster!!! Aber nicht weniger Stimmung verbreiteten die Gastauftritte von Das Bo (der sich dann doch von der Idylle der Mecklenburger Seeplatte hatte lösen können und diese gegen den tobenden Kessel Max-Schmeling-Halle hatte eintauschen wollen, so die Ankündigung von Sänger Johannes) und Greg Holden


Sie machen für uns das Licht an

Was neben den aufwendig und abwechslungsreich auf die Bühne gebrachten musikalischen Wertigkeiten auffiel, war eine vermutlich nicht weniger passende Illumination der Show. Während sich das Bühnenbild durch angenehme Reduziertheit auszeichnete, wurde offensichtlich viel Liebe zum Detail in das Spiel mit dem Licht gesteckt. Wandlungsfähig und stimmungsvoll.

Apropos Spiel, trotz seiner nun mittlerweile "seriösen" 36 Jahre bewies Johannes Strate auf sympathische Weise, dass er das mit der Seriosität doch lieber den anderen überlassen möchte. Das herrlich ungezwungene Geplänkel mit seinen Bandkollegen, Schokoladenzielwerfen und modische Analysen — Schließlich kann nicht jeder ein Gewand, das nicht spannt tragen. Jakob kann.  — sorgten einfach für gute Laune. Und spätestens als die Frage "Hallo, hallo, bist du auch so gelangweilt, genervt und gestresst von der Enge der Stadt?" durch die Halle schallte und ein Chor aus Zuschauern enthusiastisch mit "Hinter Hamburg, Berlin oder Köln hört der Regen auf, Straßen zu füllen" einstimmte, hatten die Jungs wohl die große Mehrheit der Fans absolut um den Finger gewickelt.

Das geht raus an alle Spinner

Neben Charisma und Witz überzeugt Revolverheld nach wie vor ebenfalls insbesondere als Botschafter der zwischenmenschlichen Nuancen. So auch dieses Mal. Sie plädieren dafür, viel öfter bewusst im Hier und Jetzt zu verweilen! 

Mit diesem Unplugged Konzert haben sie es (für mich) sehr einfach gemacht, ebenjener Empfehlung mit Freude zu folgen! Und auch wenn ich sonst manchmal vielleicht nicht weiß, was ich will oder mich ungern festlege, an diesem Abend steht fest: "Lass uns [mit Revolverheld] gehen, lass uns gehen, lass uns gehen!" Denn obgleich sich die Band vollkommen beabsichtigt selbst gewissermaßen den Stecker zieht, heißt das nicht, dass die musikalisch mitreißenden Trümpfe auf Sparlampe leuchten. Im Gegenteil!



Dienstag, 30. September 2014

[Live-Erlebnis] Für die Bühne geboren. VOM FEINSTEN!

Bereits auf Platte verewigt konnte mich Nick Howards Musik binnen weniger Augenblicke für sich gewinnen. Nun stand in der vergangenen Woche der Auftakt seiner Untouchable Tour 2014 durch Europa ins Haus. Ein, wie ich schnell wusste, Pflichttermin für mich. Denn dass Nick Howard ein Vollblutmusiker ist, dem vor allem die Liveauftritte am Herzen liegen, war mir schon öfter zu Ohren gekommen. Zeit, sich selbst davon zu überzeugen, nicht wahr?!

An einem von kühlen Regenschauern begleiteten Herbstabend lud der sympathische Künstler, dessen stets präsentes breites, herzliches und zufriedenes Lachen übers ganze Gesicht reicht,  in die Kulturbrauerei nach Berlin. 
Die wolkenverhangene oder gar verregnete Laune war mit Betreten der Location augenblicklich verschwunden. Diesen eventuellen Trübsinn sollte das Publikum, ebenfalls wie sämtliche Sorgen des Alltags, vor der Tür lassen! So die charmante, aber bestimmte Ansage des Sängers. 

Im Vorprogramm zum Konzert spielte der New Yorker Singer-Songwriter Matt Simons. Als Weggefährte Nick Howards ließ es sich Matt Simons nicht nehmen, dem Publikum eine Auswahl seiner profunden Lieder zu präsentieren. Dabei stach er vor allem durch eine in sich ruhende Musikalität hervor, die ich mochte.

Als Nick Howard und seine Band schließlich die Bühne betraten, welche in der Zwischenzeit mit reichlich Luftballons den letzten dekorativen Schliff bekommen hatte, stand einem herrlich ausgelassenen Abend rein gar nicht mehr im Wege. Mit wie viel positiver Energie der Singer-Songwriter aus Großbritannien zu Werke ging, sollte sich schnell herausstellen. Denn bereits nach wenigen Griffen riss die erste Saite einer seiner Gitarre. Nur gut, dass die Crew eine ansehnliche Auswahl an Instrumenten für diesen Abend in petto hatte.

Mit einer erfrischenden Mischung aus ansteckender Begeisterung und handgemachter Musik führte Nick Howard sein Publikum durch den Abend. Die gewählte Setlist überzeugte dabei durch ein abwechslungsreich zusammengesetztes Potpourri seiner eigenen Stücke. Den Anfang machte gleich eines meiner Lieblingslieder, Plane Crash. (Wobei ich im Grunde überhaupt nicht den einen Favoriten habe, weil mich eben so ziemlich jedes Lied auf eigene Weise anspricht. Echter und sehr geschätzter Luxus!) Hinzu kam eine illuster interpretierte Neuauflage großer internationaler Hits anderer Künstler, die das Publikum gleichermaßen zum Mitsingen und Tanzen animierte. Ganz dem Motto Dancing As One entsprechend. 

Apropos mitsingen, zu einem meiner persönlichen Highlights, weil es das Miteinander des Abends nicht besser hätte symbolisieren können, kam es, als Nick Howard abseits des Mikrofons Falling For You anstimmte. Denn als hätte er einen Schalter umgelegt, übernahm die textsichere Fangemeinde, darunter ein paar eingeschworene Nick Naks, den Part der Background-Sänger. Ohne Weiteres überstimmte dieser Chor den sichtlich verzückten Musiker auf der Bühne.

Nicht nur unterstrich Nick Howard mit diesem Tourauftakt, dass er Musiker mit Herz und Seele ist, sondern auch, wie wichtig ihm die Nähe zu seinen Fans und deren beständige Loyalität ist. Dabei ließ er durchblicken, wie sehr ihm diese Fanbase an einem beruflichen Scheideweg vor wenigen Jahren den Rücken gestärkt hat. Und das bis heute tut. 
Mit spontanem Witz, leuchtenden Augen und nicht zuletzt mit markant warmer Stimme und spritzig-euphorischer Darbietung gelang es dem bodenständigen Musiker gemeinsam mit seiner Band für eine musikalische Unterhaltung zu sorgen, die einfach nur Spaß gemacht hat. Wie ein singender und Gitarre spielender Superhero sorgte Nick Howard für eine lebendige Leichtigkeit, die unzerbrechlich — sprich Unbreakable — war. 

Bleibt am Ende mein persönliches Fazit: Life Is Great und Nick Howards Konzerte sind sehr berechtigterweise bestes Beispiel dafür. Manche Künstler sind eben für die Bühne geboren. Eindeutig: Nick Howard in seiner absoluten Komfortzone! Daher: Eine Zugabe — jederzeit!!!


Dienstag, 16. September 2014

[Rezension] {♫♫} Living In Stereo (Nick Howard)

Nick Howard: Living In Stereo 

Nachdem Nick Howards Album Stay Who You Are vor einiger Zeit binnen eines einzigen Durchlaufs zu einem meiner Dauerfavoriten geworden ist, wollte [nein, konnte (!!!)] ich mir dessen Nachfolger selbstverständlich keinesfalls entgehen lassen.
Obgleich die von mir sehr gemochten Folkeinflüsse auf diesem Album zugunsten erfrischender Popkultur deutlich dezimiert worden sind, kann ich nur Gutes — anderes, aber rundum Positives — über diese Platte sagen. 
Ein Album, dessen leger-temperamentvoll ausgestaltetes Gesamtpaket ein Geschenk ist und bei mir nicht selten im Repeat-Modus spielt.


~ Rezension ~

Ein Gitarrenkoffer voller Charme

Den Eindrücken und dem Esprit langer Reisen widmet Nick Howard auf seinem 2014 erschienenen Album 12 Lieder, die sich durch kernige Lebensphilosophie ebenso auszeichnen wie durch angenehme Leichtfüßigkeit. Ganz den Erlebnissen als Musiker auf Tour entsprechend. Hierbei wird das gebrochenen Herz mit Galgenhumor genommen, von der Liebe zum Leben gesungen oder Seelenverwandtschaft mit dem Bildnis des Klebestifts gleichgesetzt. Die Unbeschwertheit eines aus dem (Gitarren-) Koffer lebenden Künstlers fängt der britische Musiker geradezu demonstrativ behände ein.

Mit Living In Stereo erfüllt sich Nick Howard einen gehegten Wunsch: Er möchte eine neue, aufgewecktere und einfach nur entspannte Seite von sich als Singer/Songwriter zeigen. Ein Anliegen, das mit diesem dynamisch daherkommenden Album gelungen sein dürfte.

Obwohl oder gerade weil Nick Howard sich deutlich hörbar aus seinen bisher abgesteckten musikalischen Terrain herauslehnt, bleibt er sich auch auf seinem vierten Album treu. Denn bei aller Experimentierfreude mit selbst geschriebenem Text und Ton werden gewohnte stimmliche Qualitäten und inhaltliche Steckenpferde aufs Neue solide herausgestellt.

Wenngleich sich unter die 12 Tracks eine Mehrheit aus quirligen Uptempo-Nummern mischt, bleibt ein ausdrucksvoller Grundtenor, der Nick Howard und sein Können charakterisiert. Denn auch die (zahlenmäßig reduzierteren) Titel im Balladenformat sprechen für sich. Ein clever und sympathisch in Szene gesetztes Gesamtpaket, wie ich finde. 

Eine Intention, die dem Sänger wichtig ist, liegt darin, mit dieser Zusammenstellung an Musikstücken eine Wundertüte gefüllt mit Lebensfreude an den Hörer heranzutragen. Und ziemlich genau so gestaltet es sich, wenn das Album eingelegt und auf Play gedrückt wird. Dank einer Vielzahl bezeichnender Kleinigkeiten und eines durchaus "britischem" Sounds, bringt die Musik auf diesem Album Abwechslung und Spritzigkeit mit sich. Es hat den Eindruck, als würde die Musik stets ein Stück über dem Boden schweben, ohne dabei die grundlegende Bodenhaftung zu verlieren. Für meinen Geschmack sehr ansprechend.

In der Summe ein Album, dessen Beschwingtheit und gute Laune ansteckend sind. Musikalische Behändigkeit, die ins Ohr geht und dort auch bleibt.

FZIT: Positiv. Mannigfaltig. Aufgeweckt.


Freitag, 25. Juli 2014

[Rezension] {♫♫} Stay Who You Are (Nick Howard)

Nick Howard: Stay Who You Are

Ich kann es jetzt schwerlich anders oder präziser sagen als: 

Dieses Musikalbum war "Liebe auf den ersten Ton"! 

Zugeschnittener auf mich könnte ein gutes Bündel eingängiger, eindrucksvoller Musik kaum sein. Die Gesamtkomposition stimmt einfach durchweg. Definitiv ein Album, das zusätzlichen Glanz in meine Musiksammlung bringt. Ich bin — und werde es mit Sicherheit lange Zeit bleiben — in höchstem Maße begeistert!


~ Rezension ~

Ein musikalisches Schmuckstück

Die Botschaft Stay Who You Are (Bleib, wie du bist) könnte schöner und betonter kaum verpackt sein. Ein Dutzend Mal singt Nick Howard auf diesem Album davon, den eigenen Weg zu finden. Dabei klingt der Charme eines Neuanfangs ebenso an wie die Unbezwingbarkeit von Willensstärke und das Festhalten an dem, was wirklich wichtig ist. In die Zukunft kann niemand schauen, aber mit etwas Überzeugung, Hartnäckigkeit und Übermut können wir einiges erreichen. Nicht zuletzt ist der in Brighton geborene Singer/Songwriter, der lange an der Verwirklichung seines Traums gearbeitet hat, selbst das beste Beispiel dafür.

Nick Howards Stay Who You Are ist ein Album, dessen Inhalt schwer wiegt. Denn nicht nur die Kunst des Musikmachens wird hervorragend präsentiert, sondern es wird Atmosphäre der besonderen Art geschaffen — mal flirrend unbedarft, oft gesetzt bis nachdenklich. 

Ich persönlich bin großer Fan der ruhigen, tiefgängigen Töne. Außerdem mag ich es, wenn die Stimme eines Sängers aus der instrumentalen Begleitung heraussticht. Weniger ist für ich mehr, Akustikgitarre genügt vollkommen.
Dass mich Nick Howards Album also voll und ganz für sich einnehmen konnte, ist letzten Endes keine allzu riesige Überraschung. Denn der Sänger überzeugt genau durch diese Dinge.

Das Charisma, das in seiner Stimme liegt, ist einfach unüberhörbar. Eine  besondere Stimmfarbe, aber auch das intensive Gefühl, welches Nick Howard in seinen Gesang legt, sind nicht alltäglich. Sehr geerdet und animierend zugleich.

Die Lieder des Albums hat der Sänger selbst zu überwiegenden Teilen (mit-) geschrieben, sodass sie ein Stück weit eine sehr persönliche Intention transportieren. Leise, ausdrucksvolle und gar einen Hauch von Melancholie in sich tragende Passagen zeichnen sich als klares Steckenpferd Nick Howards aus. Stete Begleiter hierbei sind Piano, Violine und die von ihm selbst gespielte Akustikgitarre. Allerdings kommt trotz der Gediegenheit kein Schwermut auf, vielmehr Inspiration zum In-sich-Gehen. Doch auch das Unkomplizierte, das Tanzbare hat der Musiker in petto.

Auffällig ist, und das macht das Album für mich umso hörenswerter, der leicht anklingende Stil- und Epochenmix, der sich in der Musik wiederfindet. Denn dass sowohl die Beatles als auch John Mayer und Coldplay zu Nick Howards Inspirationen zählen, wird auf eine eigene sympathische und kreative Weise deutlich. Abwechslungsreich und unverkennbar mischen sich Chic und Lebensgefühl sehr verschiedener Lebensphasen, Orte und Jahrzehnte in die Tracks.

Insgesamt ein Album, dessen Titel Programm ist und dessen Künstler dank warmer Stimme und beständiger Liebe zur Musik für Lieder sorgt, die mal Ohrwurmcharakter haben und mal zum Sinnieren einladen. 

FZIT: Ausdrucksstark. Natürlich. Hochwertig. 


Freitag, 27. Juni 2014

[Rezension] {♫♫} Storyline (Hunter Hayes)

Hunter Hayes: Storyline 

Nachdem mich das erste Album aus der musikalischen Feder von Hunter Hayes auf Anhieb rundum begeistert hatte, blickte ich der Veröffentlichung des Nachfolgers umso gespannter entgegen. Allein der Titel lässt schließlich schlussfolgern, dass es wie für mich gemacht sein könnte.
Und tatsächlich! Storyline möchte ich keinesfalls mehr missen wollen. Denn es strahlt jene ziemlich einmalige Atmosphäre aus, die ich schwerlich in Worte fassen kann. Heruntergebrochen würde ich es so sagen: Man glaubt dem Sänger jede einzelne Zeile. Eine triftige Emotionalität, die ich bisher bei nur wenigen Künstlern allein beim Hören ihrer Alben wahrgenommen habe. Beeindruckend!


~ Rezension ~

Geschichten, die das Leben komponiert.

Vom Suchen und Finden singt Hunter Hayes, ebenso vom Verlieren und Gewinnen. Aber besonders auch vom Anderssein und der Erkenntnis, das dies eine Bereicherung ist. Das Leben ist eine vielschichtige und unvorhersehbare Geschichte, in der wir die Protagonisten sind. Zwischen Hochgefühl und emotionalem Desaster, zwischen Intuition und rationaler Kopfentscheidung gibt es allerhand Nuancen, die uns prägen, stärken und wachsen lassen.

Mit Storyline, seinem zweiten Erfolgsalbum, hat Hunter Hayes einen markanten Soundtrack passend zur Achterbahn des Lebens veröffentlicht. Seine Botschaft könnte dabei deutlicher und persönlicher kaum sein: "You're not invisible."

In jedem einzelnen der 14 Tracks steckt eine Menge Herz und Seele. Dabei gelingt es dem jungen Singer/Songwriter den richtigen Ton zu treffen, wenn es darum geht, die Balance zwischen erfrischenden Gute-Laune-Nummern und nachdenklich stimmenden Passagen zu finden.

Welch eine Herzensangelegenheit die Musik für Hunter Hayes ist, wird spätestens mit dem Titel Invisible deutlich. Ein Lied, das nicht nur zum Aushängeschild einer Anti-Mobbing-Kampagne, sondern ebenfalls Pate der We Are Not Invisible Tour wurde. Da ihn seine eigene Liebe zur Musik selbst zu einem Außenseiter machte, weiß der heute laut umjubelte Künstler, wovon er singt. Eine Authentizität, die seiner Musik insgesamt eine feine Note verleiht, die das Besondere spüren lässt.

Großartig finde ich an diesem Album, dass jedes Lied auf sehr eigene Weise berührt. Das Zusammenwirken von Inhalt, instrumentaler Ausgestaltung und gefühlsechter Aufrichtigkeit sprüht nur so an Intensität. Die Mischung des rockigen Country-Pop ist äußerst gelungen und unterstreicht die immense Musikalität Hunter Hayes'.

Ob Endgültigkeit oder Neubeginn, Ernüchterung oder Entschlossenheit — die auf dem Album tangierten Empfindungen sprechen an. Mal melancholisch, mal risikobereit, doch vor allem höchst passioniert kommt dieses Musikalbum daher. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl wird kreiert, das berührt!

FZIT: Betonend. Ehrlich. Bestärkend.


Mittwoch, 21. Mai 2014

[Neuzugänge] Von einer bunten Botschaft & gesungenen Geschichten ...

Passend zur Jahreszeit durfte ich nun ein hübsches Kinderbuch, das voller herrlicher Illustrationen steckt, in Empfang nehmen: Tigsto und die Helden des Gartens von Birgit Stocker.
Doch nicht nur die niedliche Geschichte allein ist einen Blick wert. Besonders erwähnenswert ist vor allem das Druckverfahren, in welchem dieses Buch entstanden ist: das Cradle-to-Cradle-Verfahren. Hierbei werden einzig Komponenten zusammengefügt, die umweltfreundlich und ökologisch abbaubar sind. Dazu zählt auch die Verwendung nicht giftiger Tinten. Ein Aspekt, der bei dem Produkt "bunt illustriertes Kinderbuch" stets einen besonderen Stellenwert haben sollte.
Ich freue mich wirklich sehr, dass sich der Tigsto Verlag dazu entschlossen hat, nicht nur Geschichten für Kinder zu veröffentlichen, sondern sich dabei ebenso der ganzheitlichen Verantwortung bewusst ist. Für mich etwas, das selbstverständlich sein bzw. werden sollte.

Ferner ist vor Kurzem ein Musikalbum erschienen, auf das die Vorfreude meinerseits ungemein groß war: Storyline von Hunter Hayes. Offen gesagt gab es bisher nur wenige Künstler, deren nächsten Album ich mit derartiger Spannung entgegengesehen habe, weil es mir der erste Streich bereits rundum angetan hatte.
Jetzt steht dem Vorhaben nichts mehr im Wege, die 14 neuen Lieder voller Persönlichkeit (alias 14 gesungene Geschichten) rauf und runter zu hören. Denn, ja, manche Musik kann ich tatsächlich immer und vor allem immer wieder hören!


Montag, 28. April 2014

[Rezension] {♫♫} Hunter Hayes (Encore) (Hunter Hayes)

Hunter Hayes: Hunter Hayes (Encore) 

Da mir Musik, die nicht unbedingt den Anspruch haben muss, (hierzulande) mainstream zu sein, besonders zusagt, kam mir Singer/Songwriter Hunter Hayes mit seinem ersten groß produzierten Album sehr gelegen.
Viel spricht für ein Lied, das einen nach dem ersten Hören nicht mehr loslässt. Dann kommt eins zum anderen und schon hat einen der Strudel mitgerissen. Ziemlich genau so erging es mir mit der Musik von Hunter Hayes. Ein Zufall hier, ein Klick dort und schon wusste ich, dass seine Musik bei mir genau den Zahn der Zeit trifft. 
Hunter Hayes ist wohl das, was wir landläufig als Vollblutmusiker mit Herz und Seele bezeichnen. Ebenjenes Gefühl der verschworenen Einheit zwischen Mensch und Metier materialisiert der in Louisiana geborene Sänger, dessen Liebe zur Musik bereits im Alter von zwei Jahren begann. Eine Hingabe, die ihn nicht immer zum beliebtesten Jungen in der Schule machte, die er aber bis heute als das definiert, was ihn zu dem macht, der er sein darf.
(Hatte ich erwähnt, dass ich Künstler mit Profil mag? Na, spätestens jetzt wisst ihr's.)


~ Rezension ~

Eine Zugabe mit Charakter

Er singt von Sturmwarnungen. Er intoniert den Wunsch, derjenige zu sein, dem das Herz gebrochen wird. Er bestätigt die kleinen Unvollkommenheiten, die einen Menschen ausmachen. Er  singt davon, dass den leichten Weg jeder gehen kann. Verrückt ist angesagt. 
Auf seinem Album, das nicht ohne Grund den Untertitel (Encore), also Zugabe, trägt, gewährt Hunter Hayes Einblick in die verschiedenen emotionalen und divers interpretierten Seiten seiner Welt. Im Vergleich zur Erstveröffentlichung enthält dieses 2013 erschienene Album eine Reihe zusätzlicher Tracks, die weitere Kapitel eines musikalischen Tagebuchs öffnen. 

Hunter Hayes trumpft mit seinem Album Hunter Hayes (Encore) mit dem auf, was er richtig gut kann: Musik machen. Doch nicht irgendwie, sondern mit Passion, Inhalt und enormer Instrumentalität. Jede einzelne Komponente für sich, wäre allein schon ein Geschenk. Doch hier stimmt das Gesamtpaket, das sich hören lassen kann.

Dem Genre der Countrymusik kann man gegenüberstehen, wie man möchte, solange man Musikern wie Hunter Hayes dabei eine faire Chance gibt. Denn er beweist, dass sich teils poetische, teils beschwingte Lagerfeueratmosphäre, raspelnde Rockklänge und tanzbare Popmusik keinesfalls ausschließen. Vielmehr ergänzen sie sich perfekt, wenn man das Händchen dafür hat.

Es gibt zwei Dinge, die mich an dem Album besonders beeindruckt haben. 

Zum einen ist es die Tatsache, dass Hunter Hayes nicht nur die Lieder der gesamten Trackliste (mit-) geschrieben, sondern ebenso sämtliche 30+ Instrumente, die zu hören sind, selbst eingespielt hat. Hierbei kamen Akustik- und E-Gitarre ebenso zum Einsatz wie Schlagzeug, Mandoline und Banjo um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Damit ist es ihm definitiv gelungen, zu zeigen, was alles möglich ist, wenn man den Willen hat, seinen Traum zu leben.

Zum anderen ist es eben das Talent, (persönliche) Geschichten zu erzählen, die dennoch eine Allgemeingültigkeit haben, dass sich eine Vielzahl der Hörer selbst an irgendeiner Stelle wiederfindet. Jene Intention wirkt dabei alles andere als künstlich gezwungen. Das ist wohl in erster Linie der Liebe des Künstlers zur Musik zuzuschreiben. Ihm gelingt es, Botschaft und Emotion derart miteinander zu vereinen, dass ein "Wie-du-und-ich-Gefühl" transportiert wird.
Jedes Lied nimmt auf eine ganz eigene Kurzreise mit. Ob ein drei Minuten andauernder Roadtrip entlang der Küste, bei dem man das Radio laut aufdrehen möchte, oder der Eindruck, einen Moment allein in einer Bar mit Piano zu versacken das Stück (typisch amerikanisches) Lebensgefühl, das ankommt, macht dieses Album zu dem, was es ist. Und zwar zu einem Soundtrack des Lebens.

Von griffigem Uptempo bis zur berührenden Ballade reicht das Repertoire, mit welchem Hunter Hayes aufwartet. Damit stellt er abermals und in jeder Hinsicht sein Fingerspitzengefühl fürs Treffen der richtigen Töne unter Beweis.

Alles in allem ein Musikalbum, das sowohl alltagstauglich als auch für besondere Augenblicke gemacht ist, von einem Sänger/Songwriter, dessen Herz und Können in jeder Strophe hörbar sind. Definitiv mehr als Countrymusik im herkömmlichen Sinne und zweifellos nicht mein letztes Album von Hunter Hayes.

FZIT: Griffig. Echt. Gekonnt.



P.S.:

Für diejenigen, die eine Hörprobe samt Storm Warning mögen 






Mittwoch, 16. April 2014

[Rezension] Lieblingsgefühle (Adriana Popescu)

Adriana Popescu: Lieblingsgefühle 

Als ich im vergangenen Sommer Teil 1 der Geschichte um Layla und Tristan gelesen habe, war eines sofort klar: Die Fortsetzung wird sehnlichst erwartet. So sehr wie selten ein Buch zuvor, um die Umstände auf den Punkt zu bringen. Unter uns, weshalb hätte es mir diesbezüglich auch anders gehen sollen als all den anderen angetanen Lesern?

Nun ist es so weit, Lieblingsgefühle ist gedruckt ... und von mir gelesen worden. Was soll ich sagen? Ich könnte viel, viel, viel zu diesem Roman erzählen. Oder ich könnte zufrieden schweigen, weil mir die passenden Worte vielleicht fehlen. Ich habe versucht, einen Mittelweg zu finden. Das vorab.
Talentierte Schriftsteller gibt es. (Vielleicht mehr als uns manchmal bewusst ist.) Adriana Popescu gehört für mich zweifellos dazu. Sie zeichnet Konturen, die ansprechen, wehtun oder erfüllen. Sie setzt den emotionalen Weichzeichner an den richtigen Stellen an und gleichfalls den scharfkantigen Schnitt. Sie ist sozusagen Präzisionsschützin, deren Munition — die Worte — Geschichten erzählt, die nachhallen.

Danke schön für all die kleinen und großen Lieblings(lese)gefühle, die sehr besonders und gleichsam spektakulär sind. Weit vor dem ersten Kapitel beginnend und über das letzte Kapitel hinaus!

[Bildquelle: Piper Verlag]


~ Rezension ~

Das Gefühl, das einen Moment zu dem einen Moment macht

Layla ist zurück von ihrer Weltreise, zu der Tristan sie ermutigt hatte. Und trotz der Distanz teilten die beiden über neun Monate hinweg viele Lieblingsmomente miteinander. Denn was für die einen nur das Motiv eines Fotos ist, repräsentiert für Layla und Tristan eine Erinnerung für die Ewigkeit. Doch anstatt nun das Wiedersehen in Stuttgart vollends auskosten und Pläne für eine gemeinsame Zukunft schmieden zu können, überkommen Layla plötzlich ganz andere Gefühle. Glücksgefühle, keine Frage. Denn seit ihrer ersten eigenen Ausstellung reißt sich die Branche um sie. Eine völlig neue Welt eröffnet sich ihr. Eine aufregende Welt. Doch ist es wirklich ihre Welt? Eines ist deutlich, Tristans Welt ist eine andere. Daraus macht er keinen Hehl. Genau das zerreißt Layla förmlich. War es nicht Tristan, der sie überhaupt erst dazu ermutigt hat, der Fotografie als Kunst eine Chance zu geben? Plötzlich muss Layla sich entscheiden: Lebt sie ihre Liebe oder ihren ersehnten Kindheitstraum?

Mit Lieblingsgefühle, der Fortsetzung zu Lieblingsmomente, trifft Adriana Popescu abermals den Nerv der Zeit und vor allem das Herz ihrer Leser.

Das Protagonistenpaar Layla und Tristan wird auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt, die es in sich hat. Sie heben gemeinsam ab und dürfen träumen. Sie werden ausgebremst und drohen ins Eis einzubrechen – bildlich gesprochen. Mit großen Gefühlen wartet die Autorin auf, doch ebenso mit kleinen Gesten und wichtigen Worten, die verzücken, entsetzen und zittern lassen.
Dem dramaturgischen Spannungsbogen wird gehörig an Würze verliehen, indem zwei neue Gegenspieler ins Geschehen eingebracht werden: Stella Frey und David Stiller. Beide haben ihre Beweggründe. Beide wollen ihr Ziel erreichen. Beide bringen die Gefühlswelt des eingespielten Doppels Layla und Tristan ins Wanken. Zu sehr vielleicht?

Neben der detailreich geflochtenen Handlung möchte ich ein großes Augenmerk vor allem auch auf die Nuancen lenken, die zwischen den Zeilen mitschwingen. Denn diese sprechen nicht minder an. Adriana Popescu nimmt an dieser Stelle die Rolle einer ausdrucksvollen und aufrichtigen Botschafterin ein: Wer abspringt und aufprallt, hat demjenigen, der nie abspringt, nicht nur Schrammen, sondern auch erfüllte Momente und Lieblingsgefühle voraus!
Was mich dabei sogar noch weitaus mehr beeindruckte, ist, Adriana Popescu klingt hierbei alles andere als romantisch verklärt. Sie klingt einfach nur vertraut, ermutigend und lebensnah. Wie gewohnt liegt ein wunderbarer Fokus des Romans auf bittersüßen Gewissensfragen, tiefster Hingabe und fabulöser Entschlusskraft.

Anhand der Kulissenbeschreibung spürt der Leser, wie sehr die Autorin ihrem Stuttgart verbunden ist und bleibt. Fundiert und mit fiktionaler Rüsche verziert wachsen einem beim Lesen die verschiedenen Locations an Herz.

Die Autorin schenkt jedem ihrer Leser ganz individuelle Lieblingsgefühle, weil sie indirekt direkt anspricht. Die Geschichten rund um die Lebensträume von Layla, Tristan, Thomas Pegram & Co. können gut und gern als Spiegelbild der eigenen Wünsche und Vorstellungen gesehen werden. Denn das Gute an den Romanen von Adriana Popescu ist, ihre Geschichten sind alles andere als lebensfremd.
Eine Bereicherung der Geschichte stellen einmal mehr die auf die Akzente der Geschichte abgestimmten einladenden Liedtexte von Thomas Pegram dar. Die künstlerische Harmonie zwischen Autorin und Musiker könnte besser und inspirierender kaum sein.

In der Summe ein Roman, der durch eine Kost an reichhaltigen, Augen und Herzen öffnenden Episoden ins Schwarze trifft. Eine Gesamtkomposition, welche diese Wirkung hat, das Buch nicht mehr hergeben zu wollen – mit der Konsequenz, sich dem finalen Schlussstrich unaufhaltsam zu nähern.

F★ZIT: Intensiv. Intuitiv. Impressiv.