"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Sonntag, 20. März 2016

[Live-Erlebnis] Helden in neuem Gewand

Es gibt Abende, auf die freuen wir uns in über-überdurchschnittlichem Maße. Genau so erging es mir mit dem Unplugged Konzert, das Revolverheld kürzlich, am vergangenen Donnerstag, in Berlin gab. Seit Jahren bereits wollte ich die Band unbedingt einmal live spielen sehen — und endlich standen die Sterne gut. Das Gesamtpaket Revolverheld in Akustikversion, ein perfekt zugeschnittenes Geschenk für mich. 

*Interlude* 


Doch dann ereilte Frontmann Johannes Strate zum eigentlichen Tourauftakt am 11. März in Emden eine üble Grippe und die ersten vier Konzerte der "Revolverheld — MTV Unplugged in 3 Akten" Tour mussten kurzerhand verschoben werden. Und irgendwie begann natürlich auch für Berlin, ursprünglich Station sechs der Tour, das Zittern... 

Aber getreu dem Motto "Das kann uns keiner nehmen!" war Johannes bis zum 17. März, seinem Geburtstag, wieder bereit, gemeinsam mit Band und Orchesterbegleitung die Bühne, wenn auch anfangs noch mit leicht nasaler Sprechstimme, zu erobern. Doch bevor heldenhaft gerockt werden sollte, begrüßte der Singer-Songwriter Greg Holden das (un)geduldig wartende Publikum. Markante Stimme, tiefsinnige Texte, schlichte Gitarrenbegleitung waren sein Rezept dafür, im Gehörgang zu bleiben.

Die Bands deiner Jugend haben sich längst schon aufgelöst und die anderen machen komischen Elektro — nicht aber Revolverheld  

Wie du und ich bahnte sich Revolverheld, durch einen Seiteneingang hereinspazierend, den Weg durch die Fans auf die Mittelbühne. Hier stand ein beeindruckendes Repertoire an Instrumenten bereit, das zum Glühen gebracht werden wollte. Und das eben in schönster akustischer Version. Was bisher nur dem kleinen Kreis der bei der Aufzeichnung des MTV Unplugged Konzertes anwesenden Zuschauern vergönnt gewesen ist, wird nun also im Rahmen der Tour zum Erlebnis für Tausende Fans. 

Neben Revolverheld gesellten sich zudem einige auf den Tickets als Special Guests angekündigte Künstler auf die Bühnen. Folge? Geniale musikalische Highlights, wie ich finde. Dass nun auch ausgerechnet meine persönlichen Lieblingsduette von besagter MTV-Aufzeichnung dargeboten wurden, war ein zusätzliches Highlight par excellence. Da waren sie also tatsächlich: Annett Lousian und ein gerade erst aus Salzburg eingeflogener Mark Forster!!! Aber nicht weniger Stimmung verbreiteten die Gastauftritte von Das Bo (der sich dann doch von der Idylle der Mecklenburger Seeplatte hatte lösen können und diese gegen den tobenden Kessel Max-Schmeling-Halle hatte eintauschen wollen, so die Ankündigung von Sänger Johannes) und Greg Holden. 


Sie machen für uns das Licht an

Was neben den aufwendig und abwechslungsreich auf die Bühne gebrachten musikalischen Wertigkeiten auffiel, war eine vermutlich nicht weniger passende Illumination der Show. Während sich das Bühnenbild durch angenehme Reduziertheit auszeichnete, wurde offensichtlich viel Liebe zum Detail in das Spiel mit dem Licht gesteckt. Wandlungsfähig und stimmungsvoll.

Apropos Spiel, trotz seiner nun mittlerweile "seriösen" 36 Jahre bewies Johannes Strate auf sympathische Weise, dass er das mit der Seriosität doch lieber den anderen überlassen möchte. Das herrlich ungezwungene Geplänkel mit seinen Bandkollegen, Schokoladenzielwerfen und modische Analysen — Schließlich kann nicht jeder ein Gewand, das nicht spannt tragen. Jakob kann.  — sorgten einfach für gute Laune. Und spätestens als die Frage "Hallo, hallo, bist du auch so gelangweilt, genervt und gestresst von der Enge der Stadt?" durch die Halle schallte und ein Chor aus Zuschauern enthusiastisch mit "Hinter Hamburg, Berlin oder Köln hört der Regen auf, Straßen zu füllen" einstimmte, hatten die Jungs wohl die große Mehrheit der Fans absolut um den Finger gewickelt.

Das geht raus an alle Spinner

Neben Charisma und Witz überzeugt Revolverheld nach wie vor ebenfalls insbesondere als Botschafter der zwischenmenschlichen Nuancen. So auch dieses Mal. Sie plädieren dafür, viel öfter bewusst im Hier und Jetzt zu verweilen! 

Mit diesem Unplugged Konzert haben sie es (für mich) sehr einfach gemacht, ebenjener Empfehlung mit Freude zu folgen! Und auch wenn ich sonst manchmal vielleicht nicht weiß, was ich will oder mich ungern festlege, an diesem Abend steht fest: "Lass uns [mit Revolverheld] gehen, lass uns gehen, lass uns gehen!" Denn obgleich sich die Band vollkommen beabsichtigt selbst gewissermaßen den Stecker zieht, heißt das nicht, dass die musikalisch mitreißenden Trümpfe auf Sparlampe leuchten. Im Gegenteil!



Montag, 20. Januar 2014

[Rezension] {♫♫} Immer in Bewegung (Revolverheld)

Revolverheld: Immer in Bewegung 

Einen meiner persönlichen Garanten für die "Play"-Dauerschleife stellt das jüngste Album der Band Revolverheld dar.
Gepflegter deutschsprachiger Pop-Rock mit einem kräftigen Schuss Textlastigkeit und Emotionalität versehen erklingt, sobald der erste Track zu spielen beginnt. Eine Intensivität, die gehalten wird, und die für meinen Geschmack einen sehr guten und vor allem auch glaubwürdigen, lebensnahen Ton trifft.


~ Rezension ~

Eine Zeitreise, die rockt.

Ganz und gar dem Titel des Albums entsprechend nehmen Revolverheld mit auf eine musikalische Reise, auf der bewegte Zeiten im Melodien gekleidet werden. Einem eingesungenen Geschichtsbuch gleicht dieses Album: Von jugendlicher Unbeschwertheit über Freundschaften, die sich verändert haben und dabei gewachsen sind, bis hin zum schmerzlichen Schlussstrich reicht das Repertoire. Das Vergängliche wie der „Sommer in Schweden“ und das Beständige, nämlich die „Worte die bleiben“, stellen während jener Reise stete Begleiter einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Mit ihrem aktuellen Album Immer in Bewegung gelingt der norddeutschen Band Revolverheld ein hitverdächtiger Wurf. Denn in einem exzellenten Zusammenspiel werden mal die rauen Rockerherzen, mal die poetischen Feinfühler angesprochen.

Die von der Band selbst geschriebenen Liedtexte sind punktgenau abgeschmeckt. Sie zeugen dabei sowohl von ehrlicher Beobachtungsgabe als auch vom allzu menschlichen Sehnen nach dem lebendigen Gleichgewicht.
Einer Aufforderung gleich kommt dieses Album daher. Denn Revolverheld fordern mit ihren Texten dazu auf, sein Leben zu leben – samt der schönsten, berührendsten Momente und der Melancholie des Verflossenen. Schließlich machen diese Augenblicke das Leben zu dem, was es ist.

Johannes Strate verleit den Worten der Band eine kraftvolle Stimme, die über einen deutlichen Wiedererkennungswert verfügt. Von nordischer Unterkühltheit keine Spur. Im Gegenteil, souveräne Wärme mit den notwendigen Ecken und Kanten versehen wird zu Gehör gebracht.

Die instrumentalen Seiten der 12 Tracks reichen von robustem Gitarrenrock bis zur durch Percussionrhythmen hervorgerufenen Leichtigkeit. Der charakteristische Klang typischer „Küstenmelodien“ schimmert unaufdringlich kontinuierlich durch und sorgt für einen angenehmen Nordwind zwischen den Noten.

Revolverheld schaffen es, poetischen und nachdrücklichen Tiefgang in ein Gewand aus Offensive, Nachdenklichkeit und Ausgeglichenheit zu hüllen. Die aufrichtigen und kreativen Texte kommen an. Bei mir als Fan von Wortspielen und deutschsprachiger Vielseitigkeit sowieso.

Ihrem dynamisch-markanten Pop-Rock-Stil bleibt die Band treu, wobei ihre Musik kein bisschen angestaubt wirkt. Vielmehr tosen Aufbruch und Fernweh, Romantik und Erkenntnis, Unendlichkeit und Endgültigkeit hochwertig aufbereitet durch die Gehörgänge eines jeden, der sich für das vierte Revolverheldalbum entscheidet.

F★ZIT: Handgemacht. Bodenständig. Überzeugend.  


P.S.: Wer das Video zur aktuellen Singleauskopplung Ich lass für dich das Licht an noch nicht gesehen hat oder nicht genug davon bekommen kann, der klicke augenblicklich HIER.