"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Sonntag, 31. August 2014

Donnerstag, 28. August 2014

[Rezension] Make it count: Sommersturm (Carrie Price)

Carrie Price: Make it count: Sommersturm

Es ist, wie es ist. Ich kann es nicht anders sagen: Die Geschichten, die Carrie Price (Adriana Popescu) erzählt, sprühen nur so vor Persönlichkeit. Ihr gelingt es immer wieder, einer Reise, deren Ziel offensichtlich scheint, eine Route zu verleihen, die mit einer Vielzahl an liebevollen Details ausgeschmückt ist. Es ist beinahe so, als würde sich entlang besagter Route ein Souvenirlädchen am anderen befinden. Zwischen Oceanside und Clearwater Bay gibt's da nicht nur Segeltuch und Muschelketten, sondern Schmuckkästchen voller Emotionen und Poesiealben voller Erinnerungen und Träume ... 
Ein Dankeschön an dieser Stelle an Carrie Price für die allumfassende Einladung zu diesem Herzschlag-Segeltörn!

Cover: ad.


~ Rezension ~

Eine Sturmflut an brausenden Emotionen

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie, Jennifer Main, die Tochter aus angesehenem Hause, die ihre Rolle perfektioniert hat und jegliche Rebellion herunterschluckt. Er, Patrick Steel, der saisonal eingestellte Mitarbeiter, mit dem ramponierten Image, der nur das eine Ziel fest vor Augen hat. Doch in Oceanside prallen Jen und Patricks Welten aufeinander ... und scheinen überraschend gut miteinander zu harmonieren. Wären da nicht die emotionalen Altlasten der Vergangenheit, die eine gemeinsame Zukunft vergiften! Ein gefundenes Fressen für das verletzte Ego Kevin Bennetts, Sohn aus feinem Haus, der seine Ehre angekratzt sieht. Ein Machtspiel mit ungleichen Mitteln, das Herzen zu brechen droht, beginnt, während sich ein dunkler Sturm über dem Küstenstädtchen zusammenbraut.

Make it count: Sommersturm ist ein neuerlicher Love Stories Roman, den Autorin Carrie Price verfasst hat. Eine Geschichte, die abermals dem Drehbuch für ein lebhaft ausstaffiertes Kopfkino gleicht.

Die Rolle des Erzählers teilen sich die beiden Protagonisten Jen und Patrick. Ein Duo, das sich trotz oberflächlicher Unterschiede unglaublich ähnlich ist. Denn, obgleich sie selbst zwischen magnetischen Anziehungskraft und offenkundigem Klischeedenken hin- und hergerissen sind, verbindet sie dieser eine Sommer fortan für immer. Jen kennt die vielen Gesichter Patricks und die Geschichten hinter seinen Narben, Pat den Herzenswunsch der Frau mit den traurigen Augen. Dennoch spricht eines klar gegen eine gemeinsame Zweisamkeit: die Logik.
Ergänzt wird das Ensemble durch eine gute Handvoll markanter Figuren, die das Gespür, zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können, fordert. Hinzu kommen "Gastauftritte" einiger etablierter MIC-Charaktere. Das Gefühl, inmitten einer dynamischen Dramaserie zu stecken, wird damit umso authentischer.

Die Geschichte um die Ja-Nein-Vielleicht-Liebe zwischen Jen und Patrick entwickelt sich binnen weniger Seite zu einem Pageturner. Denn geschickt eingestreute Andeutungen und nebulöse Erinnerungsfetzen schieben die Handlung voran und türmen sie zu einer bedrohlich grollenden Sturmfront auf. Darüber hinaus empfand ich vor allem die emotionalen Nebenschauplätze als äußerst bereichernd. Ist es möglich, gleichzeitig festzuhalten und dabei loszulassen?

Das Thema der selbstbestimmten Freiheit ist einer der Anker dieses Romans. Ein Schwerpunkt, der trotz der teilweisen "Leichtigkeit des Genres" einen nur allzu lebensnahen Kurs einschlägt. Im Allgemeinen finde ich es bemerkenswert, wie es Carrie Price gelingt, sowohl die Rolle der Unterhaltungskünstlerin als auch die der Botschafterin einzunehmen. 

Bestechend gut kommt ebenso der Erzählstil der Autorin zur Geltung. Wie die große Schiffsglocke zieht er die Aufmerksamkeit auf sich: Nicht selten trifft sie mit wenigen Worten beides, den richtigen Ton und ins Herz. Die Sprache ist, dem Genre entsprechend, überschaubar und jugendlich frisch gehalten. Für die Ausformulierung der Dialoge gilt: "In der Kürze liegt die Würze". Eine Tatsache, die der fulminanten Bildhaftigkeit allerdings nicht den kleinsten Abbruch tut. Denn ob knisterndes Miteinander oder handfeste Auseinandersetzung, innere Zerrissenheit oder vehemente Entschlossenheit  Carrie Price hat alle Taue stets fest im Griff.

In der Summe ein Roman, der trotz der genreeigenen Charakteristika ein eigenständiges Profil entwickelt. Maximaler Detailreichtum und ehrliche Gefühle teilen sich eine Kajüte mit stilechten Stereotypen und filmreifen Akzenten. Ob Kreuzfahrt ins Glück oder Schiffbruch auf hoher See? Die Kompassnadel rotiert ...

FZIT: Anziehend. Suchend. Tosend.


Sonntag, 24. August 2014

Freitag, 22. August 2014

[Kreativplausch] Ein Duo, das seinen Lesern sagt: "Make it count!"

Sie sind für nicht wenige Leser das deutsche Autorinnen-Doppel im Bereich Love StoriesWeshalb? Weil, wenn sie zusammen an einem Projekt, an einer Idee arbeiten, nur extravagant Originelles herauskommen kann. Von ihren Lesern werden sie das A-Team genannt. Sie sind die Gründerinnen der (fiktiven) Küstenstadt Oceanside an der US-Ostküste. Dort weht nicht nur eine frische Brise Seeluft, sondern vor allem ein gehöriges Lüftchen Drama. 


Sie sind Ally Taylor (Anne Freytag) und Carrie Price (Adriana Popescu)



Nachdem im letzten Frühjahr ihre ersten beiden "Make it count"-Romane, Gefühlsgewitter und Gefühlsbeben, großen Anklang gefunden haben, folgt nun der zweite Streich. Im August 2014 ist es also so weit: Der Rummelplatz am Pier lädt erneut zu einer Fahrt entlang der Gefühlsachterbahn ein. Wer ist mit von der Partie?

Mit Dreisam von Ally Taylor und Sommersturm aus der Feder von Carrie Price, erscheinen zwei brandneue, nicht weniger intensive Romane. Diese reißen die Protagonisten und die Leser abermals in einen Strudel aus großen Gefühlen, handfesten Konflikten und Entscheidungen, die Courage verlangen. 
Wie die Weißer-Gartenzaun-gepflegter-Pool-und-getrimmter-Rasen-Idylle des beschaulichen Ocensides doch täuschen kann? Dahin ist die Sonne-Strand-Surfboard-Atmosphäre. Sogar der hiesige Radiosender, OSCB, warnt offiziell und inständig vor dem aufziehenden Sturm. Es sieht gar nicht gut aus. Am besten ihr schnappt euch die Romane, sucht euch ein gemütlich(er)es Plätzchen und taucht ab, bis sich das Unwetter gelegt hat ...

Mir war nun die Freude vergönnt, mit den beiden Autorinnen, erneut ins Gespräch zu kommen. Danke schön dafür! Welch Vergnügen es doch wieder war. 
Ally und Carrie, die bekanntlich nicht auf den Mund gefallen sind, brauchten nichts weiter zu tun, als ein paar Aussagen zu vervollständigen. Was dabei herausgekommen ist ... Seht selbst!




Hi lovelies!

We can't wait to meet you in Oceanside this summer.

We hope you're gonna have a crazily awesome holiday at the sea.

Don't forget to pop in at Joe's Burger or at the Café de Paris. We love it there.

Ally & Carrie

xxx





Liebe Anne alias Ally, liebe Adriana alias Carrie,

danke für die Einladung ins Shell Shack nach Clearwater Bay! Wohl eines der nettesten und vor allem appetitlichsten Plätzchen für einen neuen kleinen Kreativplausch mit euch.

Dieses Mal gibt’s keine Fragen für euch, sondern zu komplettierenden Aussagen. Auf geht’s! Was fällt euch zu Folgendem ein?


Der Titel meines Buchs …

... lautet „Dreisam“ und soll in ein kleines bisschen in die Irre führen und Fragen aufwerfen. Wenn er das tut, dann freue ich mich. Es geht um drei Menschen und um Beziehungen. Und sie sind einsam. Oder doch dreisam?

... lautet „Sommersturm“ ist könnte wohl kaum passender sein. Also die Schwimmwesten bitte nicht vergessen.


Ohne Carrie wäre ...

... mein Leben viel weniger bunt, lustig, laut. Wir mussten uns finden. Freundschaftlich gesehen ist sie mein Deckel. Oder mein Topf. Wie auch immer. Das gilt übrigens auch oder erst recht für Adriana.

Ohne Ally wäre …

... nicht nur Oceanside verdammt öde, sondern auch mein Leben außerhalb der Buchseiten. Sie ist mehr als nur meine Schreibpartnerin. Es wäre wie Oceanside ohne Sonne, ohne Pier, ohne Strand, ohne gutes Essen und ohne das Lachen. Unvorstellbar!


Musikalische Begleitung, die ich während meiner Aufenthalte in Oceanside nicht missen wollte, …

... "Fleur Blanche" von Orsten, "First Light" von My Morning Jacket und "A September Song – Original Remix" von Simon Herron. Bei diesen Liedern habe ich mich regelrecht in den Rausch geschrieben. Zumindest sind das drei davon. Ich hatte eine Playlist und die kann man am Ende des Buches genauer unter die Lupe nehmen.

... war der Song "The River" von Sam Garrett. Ich kann nicht mal sagen wieso, aber ich fand dieses Lied so herrlich motivierend, da flogen die Finger nur so über die Tasten und es lief wie am Schnürchen.


Das Schreiben dieses Buchs hat mich gelehrt, …

... dass das Schreiben manchmal wirklich ein hartes Stück Arbeit ist. Ich habe noch nie so kämpfen müssen. Aber das Gefühl, dass es fertig ist, lässt mich jetzt auf Wolken gehen.

... dass man manchmal durchhalten muss. So wie Patrick und auch Jen. Aufgeben ist keine Option, weil man nie wissen kann, wie nah man am Ziel war. Immer weitermachen, auch wenn alles wehtut.


Meine Protagonisten in drei Worten:

Hin- und hergerissen

Verletzlich, mutig, hoffnungsvoll.


Mein persönliches Lieblingsplätzchen in Oceanside und Umgebung ist …

... Puh, das ist schier unmöglich. Ich liebe KTs Dach, ich liebe das Bootshaus. Aber auch das Pier und die Angestelltenunterkünfte im Pinienwald... Von Clearwater Bays Attraktionen ganz zu schweigen...

... Ich mag nach wie vor den Pier unheimlich gerne. Wobei ich mich jetzt auch gerne am Yachthafen aufhalte - zumindest in meinem Kopf. In Clearwater Bay ist es, ohne Zweifel, das Shell Shack.


Ein gewaltiger Sommersturm fegt für ein Wochenende über das Küstenstädtchen hinweg. Es herrscht Katastrophenalarm. Dreisam würde ich in einer solchen Ausnahmesituation vorzugsweise mit ...

... Carrie und Adriana ausharren, weil sie immer weiß, was zu tun ist, wenn ich es nicht tue und umgekehrt. Außerdem würden wir so lachen, dass wir den Sturm gar nicht wirklich mitbekommen würden ... 

... Ally und Anne ausharren, weil es dann auf jeden Fall sehr lustig wird und kein Sturm der Welt kann uns die Laune verhageln.


Die Herausforderung an immer neuen Liebesgeschichten ist für mich, ...

... dass es nicht endlose Wiederholungen sind. Dass jede wirklich eine eigene Handlung hat und kein trauriger Abklatsch des Vorgängers ist. Ich möchte, dass die Protagonisten echt sind. Ich will, dass man die Liebe spürt. Das ist nicht einfach, aber es ist grandios, wenn es dann klappt.

... jeder neuen Figur ihre ganz eigene Liebesgeschichte zu schenken. Jede Figur ist anders, also würde jede Figur auch anders reagieren. Würde sich Jen auch in Jared verlieben können? Ich glaube nicht. Lynn würde vermutlich auch nicht Patricks Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ich denke, das ist die größte Herausforderung für mich. Jedem Charakter die passende und für ihn richtige Liebesgeschichte zu finden und zu schreiben.


Mein idealer Tag in Oceanside ... 

... beginnt mit einem Sprung in den Pool, gefolgt von einem frischen Butter-Croissant im Café de Paris in Clearwater Bay und wird abgerundet durch einen tollen Film beim Kino am Pier mit Freunden, ein paar Pizzen und eiskaltem Bier.

... beginnt mit einem Spaziergang am Strand, wenn die Sonne gerade aufgeht, gefolgt von einem Kaffee am Pier, dann Lunch bei Joe’s Burger und wird abgerundet mit einem Tanz mit Patrick am Yachthafen. The usual eben.


In ein Goody Bag voller Souvenirs aus Oceanside gehören zweifelsohne ...

... eine der vielen Postkarten, etwas Sand und ein paar Muscheln. Aber Oceanside muss man erleben. Man muss eintauchen. Einen Sea-Breeze trinken, im La Mer essen oder auf einen Snack zu Joe’s Burger (die Süßkartoffel-Pommes sind fantastisch). Man muss den Sonnenuntergang sehen und den Duft der Pinienwälder einatmen. Man muss sich verzaubern lassen...

... die Postkarten, die es am Pier zu kaufen gibt, das Welcome to Oceanceside-Shirt und einige Muscheln, die man am Strand finden kann. Ganz uneigennützig würde ich Gefühlsbeben und Sommersturm noch dazu legen.


Der finale Satz meines Buchs …

... Zumindest der erste davon.

... Und in genau diesem Moment ist es das auch.



Allerbesten Dank für diese illustren und stilechten Einblicke, ihr beiden! Wenn wir jetzt mal nicht noch neugieriger auf die neuen Gesichter in Oceanside und ihr emotionales Wildwasser-Rafting geworden sind?!

In diesem Sinne: Ahoi Ally! Ahoi Carrie!


Montag, 18. August 2014

[Rezension] Sieben Minuten nach Mitternacht (P. Ness & S. Dowd)

Patrick Ness & Siobhan Dowd: Sieben Minuten nach Mitternacht 

Ein Roman, der Jung und Alt miteinander vereint. Vereint, weil er gemeinsame Momente großer Zerreißproben ebenso fokussiert wie den Rückhalt, den wir in den traurigsten Augenblicken des Lebens finden.
Mit ihrem Werk schaffen Patrick Ness und Siobhan Dowd ein mit dem Deutschen Jugendliteratur Preis ausgezeichnetes Sprachrohr. Eines, das die Angst vor dem Endgültigen vergegenwärtigt und damit die Dankbarkeit für die Zeit vor jener Endgültigkeit umso stärker herauskristallisiert.


~ Rezension ~

Das unerbittliche Ticken der Uhr des Lebens ...

Jede Nacht geschieht es. Immer wieder. Um sieben Minuten nach Mitternacht. Was Conor erst nicht glauben kann, ist nur zu real: Vor seinem Zimmerfenster steht ein Monster. Ein echtes schauderhaftes Monster, das zu ihm spricht. Was will dieses Monster? Was immer es sein mag, es kann niemals so schlimm sein, wie der grässliche Albtraum, der Conor sein Monaten plagt und der ihn jedes Mal zu Tode erschreckt. Nein, vor einem Monster hat Conor schon lange keine Angst mehr! Dort draußen, bei Tageslicht, gibt es außerdem ganz andere Dinge, vor denen er sich fürchtet. Trotzdem, warum kommt dieses knarrende alte Monster jede Nacht und dringt in seinen Verstand ein?

Sieben Minuten nach Mitternacht von Patrick Ness und Siobhan Dowd erzählt eine berührende und ehrliche Geschichte für die ganze Familie, die Innerstes nach außen kehrt und ein Stück Unsterblichkeit in sich trägt. 

Protagonist Conor O'Malley ist ein tapferer Junge, der ein Geheimnis mit sich trägt. Außerdem bereitet ihm seine Mum große Bauchschmerzen, denn sie ist krank. Sehr krank. Eine Wahrheit, die Conor zwar erkennt, sie allerdings unter keinen Umständen akzeptieren möchte und kann. Mit aller Macht klammert er sich an die Hoffnung, dass alles wieder gut wird, und an die Worte seiner Mum, die im versichert, nicht zu gehen.

Mit dem Porträt Conors schafft das Autorenduo einen Charakter, der das Abbild einer Realität ist, die schmerzhafter kaum sein könnte. Conors Geschichte bietet damit hohes Identifikationspotential und spendet Trost.
Die unausweichliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex "Akzeptanz von Krankheit und Tod" wird auf unverblümte und zugleich behutsame Weise an die Leser herangetragen. Die allgegenwärtige Angst vor dem Ungewissen, dem Verlust, dem Alleinsein wird hierbei ebenso herausgestellt wie die Bestärkung, sich einander anzuvertrauen. Den Autoren gelingt damit eine aufrichtige und vor allem generationsübergreifende Sensibilisierung. Eine Komplexität, die mittels großem Fingerspitzengefühl transportiert wird.

Die Geschichte selbst beinhaltet sowohl klare Offensichtlichkeit als auch zwischen den Zeilen Befindliches. Damit verschwimmen, wie auch in Conors Kopf, die Linien zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Zwei Welten, mit denen jeder im Kampf gegen eine Krankheit brutal konfrontiert wird. Ein weiterer Aspekt, der die Ehrlichkeit dieses Buchs hervorhebt.

Hinzu kommen die in Grau- und Schwarztönen gehaltenen Illustrationen von Jim Kay. Diese fangen die Verwirrung, das Sträuben und letztlich auch die Reflexion des Unausweichlichen im Allgemeinen und Conors Blick auf seine Welt im Speziellen ein.

Dass Autorin Siobhan Dowd 2007 selbst den eisernen Kampf gegen den Krebs verlor und Patrick Ness sich ihren Anfängen zu diesem Roman annahm und das Werk in ein ausdrucksvolles Buch verwandelte, kann gar nicht hoch genug angerechnet werden. Denn damit ist, wie ich finde, ein beeindruckender Roman entstanden, dessen Schmerz und Willenskraft realer kaum sein könnten.

Insgesamt ein Buch, dessen Botschaft unter die Haut geht und trotz des traurigen, ernsthaften Grundtenors Mut macht und Kraft gibt: Mut, an das zu glauben, was einem Hoffnung gibt. Kraft weiterzumachen, wenn dieser Glaube erschüttert wurde.

FZIT: Offenbarend. Tröstlich. Symbolhaft.


Sonntag, 17. August 2014

Freitag, 15. August 2014

[Rezension] Taking the Lead (Derek Hough)

Derek Hough: Taking the Lead — Lessons from a Life in Motion 

Ich freue mich auf viele Bücher. Doch auf dieses habe ich mich zugegebenermaßen noch ein Quäntchen mehr gefreut. Weshalb? Weil ich über alle Maßen gespannt war, was Derek Hough, der ein im wahrsten Sinne des Wortes bewegtes Leben führt, zu erzählen hat.
Knapp 190 Seiten später kann ich feststellen, dass es sich hierbei in der Tat um ein Buch handelt, das mich noch lange begleiten wird. Denn es ist, über die persönlichen Anekdoten hinaus, randvoll an cleverer, inspirierender Neugier aufs Leben. Ich bin und bleibe begeistert!


~ Rezension ~

Wenn Motivation den Takt angibt.

Als viertes und sehr quirliges von fünf Kindern verbrachte Derek Hough in Utah die ersten zehn Jahre seines Lebens. Bewegungsdrang und Waghalsigkeit bestimmten nicht selten seine Unternehmungen und es dauerte nicht lang, bis er seine Schwestern ins Tanzstudio begleitete. (Dass er dort in Gesellschaft von vielen anderen Mädchen war, kam ihm nur allzu entgegen. Natürlich.) Schnell wurden Dereks Tanztalent entdeckt und seine Qualitäten als Entertainer gefördert. Doch dass hinter jener lustigen Fassade ein kleiner Junge ein tiefes Trauma zu verarbeiten hatte, über das er mit seinen Eltern erst Jahrzehnte später sprechen konnte, ahnte niemand. Als Derek als Elfjähriger die Chance auf eine Tanzausbildung in England bekam, zögerte er keine Minute. Nur seine Eltern mussten überzeugt werden, ihren Sohn ziehen zu lassen. Aus drei Monaten Austauschschülersein wurden nahezu zehn Jahre. Und aus dem aufgedrehten, disziplinierten, aber von schmerzhaftem  Mobbing verfolgten Jungen wurde einer der vielseitigsten Tänzer und Choreographen der Gegenwart, der 2013 mit einem Emmy in der Kategorie "Outstanding Choreography" ausgezeichnet wurde.

Kaum ein Titel könnte die Choreographie und Philosophie, nach der Derek Hough tanzt und lebt, bildlicher auf den Punkt bringen als Taking the Lead — Lessons from a Life in Motion. Zufriedenheit resultiert aus Selbstreflektion, so die Grundessenz des Buchs, das voller Botschaft und Unterhaltung steckt.

Derek Hough erzählt, und es fühlt sich an, als würde er die Leser dabei an die Hand nehmen, auf die Tanzfläche (des Lebens) führen und mit ihnen nicht nur seine Passion zum Tanzen teilen, sondern ihnen ein aufrichtiges Stück Lebensfreude schenken.

Wer den Tänzer und Choreographen aus dem TV-Format Dancing With The Stars kennt, wird rasch erkennen, dass sich seine positive und herzliche Präsenz nicht allein auf sein Wirken vor der Kamera beschränkt. Wem Derek Hough bisher noch über den Weg getanzt ist, wird durch dieses Buch nicht weniger zu begeistern sein können.

Es sind nicht nur die Episoden, die Derek Hough betrachtet. Es ist vielmehr die Art, mit der er diese zu erzählen weiß. Ehrlich, selbstkritisch und mit der für ihn bezeichnenden Portion Esprit und Bescheidenheit reflektiert er sich, sein Leben und die Lektionen, die er daraus gezogen hat. Damit avancieren seine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse von einem coolen Soloauftritt zu einer lebhaften Gruppenperformance. Eine ansteckende Dynamik, die ich als exemplarisch empfinde.

Der Autor lässt seine Rebellion als Scheidungskind, sein einstiges, anstrengendes Streben nach Perfektion sowie all die erlebte Ernüchterung dabei ebenso Revue passieren wie die Erfülltheit und das Glück, die ihm Adrenalinrausch und die Suche nach stets neuen Herausforderungen bringen.

Dass es Derek Hough längst nicht mehr darum geht, seine Schwächen zu kaschieren, verleiht sowohl ihm als Person als auch diesem Buch viel Sympathisches. Es entsteht das Gefühl, als würden Autor und Leser gemeinsam lernen, das Leben voller Zuversicht zu sehen. 

Neben den eigenen Blicken zurück und nach vorn sowie den Leading Lessons, welche kapitelweise Ansporn und Mut geben, kommen ebenfalls eine Reihe Weggefährten des Tänzers zu Wort. Darunter seine Schwester Julianne, seine "zweiten Eltern" und Tanzpartnerinnen wie Amy Purdy, Nicole Scherzinger und Jennifer Grey. Die Wertschätzung eines Mannes, dessen Disziplin, Talent und Bodenständigkeit beispielhaft sind, werden deutlich und klingen dabei keinesfalls wie flache Loblieder, sondern unterstreichen die Menschlichkeit eines Freundes.

Insgesamt ein Buch, dessen Stärke darin liegt, dass jedes einzelne Kapitel gefüllt ist mit Passion und Lebensfreude, Nahbarkeit und Demut. Ein Wegbegleiter, der sprichwörtlich animiert, sich an Pirouetten und Flickflacks heranzuwagen. Das, was Derek Hough als eine der größten Gaben nachgesagt wird, stellt er unter Beweis: Er berührt Menschen.

FZIT: Begeisternd. Ermutigend. Charmant.