"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 23. Dezember 2014

[Rezension] Wir sind doch Schwestern (Anne Gesthuysen)

Anne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern

Für einen absoluten Familienmenschen wie mich ist dieses Werk eine Fundgrube herrlicher Unterhaltung und etwaiger Parallelen. Detailgetreue Recherche, eigene Familienhistorie und eine markige Portion à la "Es hätte sich durchaus genau so ereignen können" drapiert die Autorin zu einem literarischen Dekor, welches das heimische Bücherregal doch gern schmückt.


~ Rezension ~

Drei Leben, die gelebt wurden.

Familienfeste sind stets etwas Besonderes. Doch das Zusammentreffen der Schwestern Gertrud, Paula und Katty, um den 100. Geburtstag Gertruds gebührend zu feiern, bewegt in jeder Hinsicht. Rührende Anekdoten, zischende Zwistigkeiten und herzliche Momente prägen die Erinnerungen der drei Frauen, die so verschieden und sich dabei dennoch sehr ähnlich sind. Die Meilensteine ihres gemeinsamen Lebens lassen sie zu Ehren Gertruds noch einmal Revue passieren, wobei Heimlichkeiten und Schmerz ebenso zum Vorschein kommen wie feinster Humor und großer Optimismus. Inwieweit die Schwestern in der Gegenwart noch immer von den Geistern der Vergangenheit gelenkt werden, sollen sie jetzt erst richtig bemerken.

Die erfüllten Leben ihrer rüstigen Großtanten nahm Anne Gesthuysen zum Vorbild, um mit Wir sind doch Schwestern einen warmherzig charmanten Roman zu schreiben, der die Grundfeste einer Familie samt aller Ecken und Kanten ausleuchtet.

Mithilfe der drei liebenswürdigen, wenngleich von Zeit zu Zeit eigensinnigen Schwestern als Reisebegleitung, lädt die Autorin zu einer Zeitreise ein, die Höhen und Tiefen mit Liebe zum Detail ausstaffiert. Dabei spielen die harschen Kriegsjahre nicht weniger eine Rolle als die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit oder heftige persönliche Konflikte. Doch neben all dem Schmerz stellt Anne Gesthuysen mit Behändigkeit den flirrenden Humor der drei Damen heraus, was mir besonders zugesagt hat.

Der rotierende Perspektivwechsel sowie die Zeitsprünge zwischen Einst und Jetzt erhalten die Dynamik der Geschichte und erlauben einen hohen Grad an Individualität. Die Nuancen der drei Persönlichkeiten werden dem Leser vor Augen geführt und unterhalten mittels eines ausgewogenen Verhältnis aus Schalkhaftigkeit, Würde und Ernsthaftigkeit.

Die Art und Weise, mit welcher die Autorin die Zugehörigkeit zu einer Familie, deren Zusammenhalt in Freud und Leid sowie die Wertigkeit der Familie als Fels in der Brandung aufzeigt, finde ich durchweg gelungen. Eine Einladung an den Leser, nicht nur mit den drei Schwestern zu lachen, zu lieben und zu leiden, sondern sich darüber hinaus auf die eigenen Wurzeln zu besinnen.

Ein Roman, der die Bande zwischen Schwestern, die zum Teil drei Jahrhunderte miterlebten, fester knüpft. Eine Erzählung, die aufflammende Emotionen und gereifte Lebensweisheit miteinander zu vereinbaren weiß. Eine Geschichte, die dazu anhält, Erinnerungen aufleben zu lassen. 

FZIT: Feinfühlend. Eindringlich. Schwelgend.


Donnerstag, 18. Dezember 2014

[Rezension] Die Achse meiner Welt (Dani Atkins)

Dani Atkins: Die Achse meiner Welt 

Da Dani Atkins' Debütroman auf meiner Lesewunschliste stand, kam es mir mehr als entgegen, dass mir das Buch nun in der Bibliothek über den Weg lief. Sehr gut. Immerhin wollte ich mir liebend gern selbst ein Bild von dem Werk machen, über das die (halbe) Buchbloggerwelt ausführlich zu berichten weiß.
Herausstellen möchte ich an dieser Stelle gerne, ohne den großen Gedanken hinter der Geschichte vorwegzunehmen, dass mich vor allem die Problematik, welche die Handlung sozusagen umklammert und die sich nach dem letzten Kapitel erschließt, hat schlucken lassen.


~ Rezension ~

Alles auf Anfang! Wenn es doch nur so einfach wäre.

Als Rachel achtzehn Jahre alt ist, glaubt sie, dass ihr und ihren Freunden die Welt offen steht. Voller Tatendrang und großer Träume treffen sich die sieben Teenager ein letztes Mal, bevor sie Studium und Reisefieber in alle Himmelsrichtungen verschlagen soll. Doch dann geschieht ein unfassbares Unglück, das Rachels Leben in eine neue, schmerzhafte Zeitrechnung katapultiert. Fünf Jahre später, zur Hochzeit ihrer besten Freundin, beschließt Rachel, sich der Vergangenheit zu stellen. Allerdings ahnt sie nicht, dass diese Zeitreise ihr die gleichermaßen einmalige wie absurde Möglichkeit gibt, eine längst verpasste Chance nicht länger ungenutzt zu lassen.

Die Achse meiner Welt aus der Feder von Dani Atkins fängt eine Welt ein, deren Fragilität genauso groß ist wie die Sehnsucht nach dem einen Moment, von dem man wünschte, ihn ungeschehen machen zu können.

Als großes, mehrdimensionales Plus dieses Romans muss die Idee gelten, die einen Rahmen zeichnet, der voller Verblüffung, Verwirrung und Verzweiflung steckt. Nicht wenige kennen den Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu wollen, um eine Entscheidung, eine Reaktion oder einen Fehler ungeschehen zu machen. Ein hypothetisches Szenario, dem sich die Autorin auf interessante, ausgeklügelte Weise widmet. Ebenso wie sie den Preis dafür, dessen Höhe unberechenbar bleibt, beleuchtet und in einem Finale münden lässt, welches nicht ohne ist.

Der Leser kann Protagonistin Rachel auf einer (unergründlichen) Gratwanderung zwischen dem Hier und Jetzt und dem Was-wäre-wenn begleiten. Auf dieser Reise muss Rachel erkennen, dass sich die Dämonen der Vergangenheit auch in ihre Gegenwart schleichen und damit ihre Zukunft gefährden. Die heraufbeschworene Ratlosigkeit und empfundene Beklemmung der Hauptfigur ist förmlich greifbar und springt durchaus auf den Leser über. Als besonders gelungen habe ich es empfunden, dass ich während des Lesens stets darüber gegrübelt habe, was nun tatsächlich dem Sein und was eher dem Schein entspricht. Ein Aspekt, der dem gezogenen Spannungsbogen sehr zuträglich ist.

Die Profile der Figuren und deren Werdegänge entsprechen gängigen Rollenbildern, die nicht zwangsläufig überraschend sind. Dennoch ergänzen sie das zerbrochene und erst wieder zusammenzusetzende Mosaik passabel.

Zur kreierten Atmosphäre kann gesagt werden, dass diese vor allem durch das massive Fragezeichen, das wie ein Damoklesschwert über der einen Wirklichkeit schwebt, charakterisiert wird. Daher steht mehr als eine alleinige zwischenmenschliche Emotionalität im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um die großmaßstäbigere Suche nach der besseren Hälfte (des Lebens).

Insgesamt ein Roman, der Herz und Verstand auf besondere Weise anspricht und fordert. Denn nicht alles von dem, was Dani Atkins zu erzählen hat, beruht auf Fiktion. Im Gegenteil. Das Fundament ihrer Geschichte ist realer, als einem lieb ist.

FZIT: Menschlich. Zurückspulend. Erlebend.


Dienstag, 16. Dezember 2014

[Rezension] Key to see® (Mira Mühlenhof)

Mira Mühlenhof: Key to see 

Uns allen ist wohl der Ausspruch "die gleiche Wellenlänge haben" und das dazugehörige Gefühl bekannt. Doch woher rührt ein solches Empfinden? Und welche Ursache hat es, dass wir mit manchen Menschen vielleicht partout nicht jene gemeinsame Ebene finden (können)? 
Mit ihrem Erkenntnissen als Key to see®-Coach im Gepäck nimmt Mira Mühlenhof die Leser ihres Buchs auf eine kleine, aber vielsagende Selbstfindungsreise, die a) bestätigend und/oder b) wegweisend sein kann.
Danke schön dem Verlag für das Angebot und die Bereitsstellung eines Rezensionsexemplars!

Cover: Knaur


~ Rezension ~

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip der Menschenkenntnis

Wir sind wir. Aber wer genau ist denn dieses Wir? Gut, die einen streben unermüdlich nach Ansehen und Erfolg, während für andere eher das Bedürfnis nach Geborgenheit im Vordergrund steht. Wiederum andere scheinen flatterhaft, dabei sind sie doch nur auf der Suche nach Raffinesse und Abenteuer. Die Interpretation von Persönlichkeitsmustern liegt stets im Auge des Betrachters. Dennoch, unser individuelles Denken und Handeln basiert auf einem inneren Antrieb, der uns selbst oft gar nicht vollkommen offensichtlich, dafür umso selbstverständlicher ist. Hier kommt nun der "Key to see®" ins Spiel. Denn diese Selbstbeobachtung stellt Weichen, die ein Miteinander in völlig neue Richtungen lenken können.

Ihrem Buch gab Journalistin und Persönlichkeitscoach Mira Mühlenhof den (aufschlussreichen) Titel Key to see®. Gleichzeitig ist dies eine von der Autorin entwickelte Methode, die zu einer tieferen Selbsteinschätzung im Konkreten und optimierten Menschenkenntnis im Allgemeinen führen soll. 

Die Key to see®-Methode ist ein Instrument, dessen Klaviatur die verschiedenen Facetten menschlicher Ecken und Kanten zu entdecken, zu analysieren und zu lenken weiß. Die ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen kann einerseits befreiend, andererseits beängstigend sein. Doch für Mira Mühlenhof ist jene "Konfrontation" mit der, wie sie es nennt, uns antreibenden Maschine essentieller Bestandteil eines zufriedeneren Lebens. Ebenjenen Prozess der Selbstfindung und Akzeptanz beschreibt sie anschaulich anhand ihres eigenen (nicht immer leichtfüßigen) Werdegangs.

Nicht ungewöhnlich ist, dass manche Formulierungen auf den ersten Blick möglicherweise an Sterndeutung oder esoterische Wundermalerei erinnern. Doch mittels schrittweiser Erörterungen und einem gleichsam breit aufgestellten Bataillon an aus dem Leben gegriffenen Erfahrungswerten, Beispielen und Beobachtungen gelingt es der Autorin, unvermittelt eine glaubwürdige Nähe zum Leser zu schaffen.
Für mich ist die stringente persönliche Note, welche Mira Mühlenhof schonungslos reflektiert in die einzelnen Kapitel einfließen lässt, ein großes Plus des Buchs. Nicht allumfassend, aber oft genug hatte ich das Gefühl, nachvollziehen zu können.

Die Tonalität, mit der die Reihe der zehn unterschiedlichen inneren Maschinen und deren Motorenöle erläutert werden, ist sowohl professionell, leicht resolut als auch anspornend. Mira Mühlenhof gewährt Einblicke und ermutigt damit jeden Einzelnen, in sich selbst hineinzuhören.

Akzeptanz, Verständnis und Empathie sind drei der großen Attribute, die der Inhalt dieses Buchs herausstellen und fördern möchte. Jeder von uns hat seinen eigenen (Dick-) Kopf. Natürlich. Das liegt in der Natur der Dinge und ist gut so. Aber mit ein wenig gezielter Beobachtung und Übung entdecken wir, weshalb wir und unser Gegenüber gerade so ticken, wie wir es tun.

Insgesamt wird dem Leser hier ein kleiner innovativer Werkzeugkasten an die Hand gegeben, mit dem er lernen kann, was es (wirklich) bedeutet, er selbst zu sein.

FZIT: Eintauchend. Gemeinschaftlich. Spiegelnd.


Sonntag, 14. Dezember 2014

[Sonntagsbrunch] Am 14. Dezember 2014


Ein Tässchen Gemütlichkeit gefällig?!


~ eingefangen im Café (Deutschland) ~


Donnerstag, 11. Dezember 2014

[Kiwiana] Weihnachten in Flip-Flops

Picknickkorb und angeheizter Barbecue, Sonnenhut und Christmas cracker (Knallbonbon): Um nur einige der essentiellen Utensilien eines neuseeländischen Weihnachten zu nennen. 

Denn während wir es uns bei Temperaturen, die idealerweise im schneesicheren Bereich liegen sollten, in den vier Wänden bei Kerzenschein und Kartoffelsalat gut gehen lassen, spielt am entgegengesetzten Ende der Welt eine andere (Weihnachts-) Musik.

Wie ist es denn nun so, ein Weihnachtsfest im Sommer zu verbringen?

Nun, es ist anders. Anders schön. Ungewohnt, aber wirklich toll. Denn, hey, ich hatte nichts dagegen, mich einmal nicht eingepackt in unzähligen Schichten aus Pullover, Cardigan und Mantel ins vorweihnachtliche Getümmel zu stürzen. Dennoch: Eine kleine Umstellung war's schon, bei bestem Sommerflair Weihnachtsmusik zu hören und den Baum zu schmücken.

Obgleich mir ein, zwei kleine "deutsche Gepflogenheiten und Traditionen" vielleicht doch gefehlt haben, haben die Kiwis mit ihrem Sinn fürs Festliche dieses "Vermissen" alle Male und doppelt und dreifach wettgemacht.

Beispielsweise empfand ich die Santa Parades (Weihnachtsparaden), die in der Vorweihnachtszeit in den großen Städten des Landes stattfinden, als echtes Highlight. Eigenhändig geschmückte Wagen ziehen mit Musik wie beim Karneval durch die Stadt und sorgen für gute Laune. Außerdem lässt es sich Santa Claus natürlich nicht nehmen, selbst mit von der Partie zu sein. Und zwar trotz seiner Vollzeitbeschäftigung zu dieser Zeit des Jahres.

Der Tannenbaum stammt in häufigen Fällen von einer der lokalen Christmas tree farms (Weihnachtsbaumfarmen), wo die Familien ihre Bäume selbst schlagen können. Geschmückt werden diese dann nicht selten schon Wochen vor dem Fest, und im Laufe der Zeit sammeln sich unter dem Baum dann bereits die eingepackten Geschenke an, die schließlich (nach ausgeprägter Geduldsprobe insbesondere für den Nachwuchs des Hauses) am Morgen des 25. Dezembers geöffnet werden.
Für Santa, der in der Nacht noch die Stockings (Weihnachtsstrümpfe) füllt, wird selbstverständlich auch der obligatorische Snack aus Milch und Keksen bereitgestellt. Schließlich hat der Gute einen beständigen Appetit. 

Apropos Kekse, das in unseren Breiten beliebte Plätzchenbacken ist in NZ kein sonderlich ausgeprägter Renner. Stattdessen wird schon etwa in der ersten Novemberhälfte der Christmas cake (Weihnachtskuchen), der eine ordentliche Portion an Trockenfrückten, Mandeln und Nüssen beinhalten kann, vorbereitet. Ach ja, und Schoko- und Kramellfondant haben wir auch selbst gemacht.
Der klassische "Weihnachtsbraten" ist in NZ übrigens oftmals der Truthahn. Dieser findet seinen Weg auf den Grill und wird anschließend goldbraun und knusprig serviert. 

Was ich an der deutschen Adventszeit so mag, sind unter anderem die beleuchteten Fenster und Gärten, die einem an den kurzen Tagen der kalten Jahreszeit Gemütlichkeit vermitteln. Diesen "Dekorationskult" betreiben die Kiwis in diesem Sinne und Ausmaß nicht. Okay, Hauptstraßen und Einkaufszentren und einige wenige Gärten fallen durch Lichterglanz und Glitter auf, aber ansonsten ist diese Art des strahlenden Deko nicht wirklich ein Thema. Irgendwie auch einleuchtend. Schließlich ist Sommer. Sprich: Die Tage sind sonnig, warm und lang. Stimmungsaufhellende Kerzen und Räuchermännchen sind a) nicht nötig und würden b) auch gar nicht ins Bild der Poolparty passen, nicht wahr?

Besonders hat es mir im Übrigen einmal mehr die stets präsente Gastlichkeit der Neuseeländer angetan: Pot Luck Dinner (Mitbringeparty), Weihnachtssingen und die Kirchenmesse an Heiligabend sind allesamt Zusammenkünfte, bei denen Freude und Geselligkeit miteinander geteilt werden. Uneingeschränkt.

In diesem Sinne: Euch allen eine fröhliche und sorgenfreie Weihnachtszeit!


Dienstag, 9. Dezember 2014

[Rezension] Racheengel küsst man nicht (Rose Snow)

Rose Snow: Racheengel küsst man nicht 

Nachdem ich bereits den Debütroman aus Rose Snows Feder gelesen habe, folgte nun also Teil zwei ihrer kurios-unterhaltsam anmutenden Reihe. 
Richtig publikumsnah zeigten sich die beiden Autorinnen, welche sich hinter dem leicht märchenhaften Pseudonym verbergen, in der Hinsicht, dass sie ihren Lesern die Entscheidung überließen, an welche bereits bekannten Nebencharaktere nun die Hauptrollen im neuen Roman gehen sollten. Welche Konstellation würde sich wohl als Wunschduo herausstellen? ... Et voilà, die Wahl fiel auf Racheengel Rachel und Gérad, der etwas von einem eigensinnigen Grinch hat.
Ein Dankeschön an Rose Snow für das signierte Exemplar ihres Romans!!!

Cover: Rose Snow


~ Rezension ~

Auf einer Mission, die über Sein oder Nichtsein entscheidet ...

Über Rachel bricht die Katastrophe schlechthin herein: Ihre Racheagentur wird mutwillig sabotiert, denn an Zufälle hat sie noch nie geglaubt. Als sich ihr Verdacht bestätigt und sie den Verräter sogar in den Reihen ihrer Mitarbeiter findet, schwant Rachel Böses. Ein Machtspiel mit ungewissem Ausgang entfacht. Wer sitzt am längeren Hebel? Trotz aller Aussichtslosigkeit bricht Rachel zu einer Mission auf, welche die Agentur und damit ihre Existenz und ihren Stolz retten soll. Doch allein kann selbst Rachel nicht gegen diese denunzierenden Windmühlen der Tücke kämpfen. Eine missliche Lage, in der ausgerechnet Womanizer Gérad Rachel eine Hand reicht. Aber wie uneigennützig ist seine Hilfe wirklich?

Rose Snow verfasste mit Racheengel küsst man nicht eine spritzige und nicht selten spitzzüngige Fortsetzung zu ihrem wenige Monate zuvor erschienen Debüt.

Die Autorin hat, ganz dem Wunsch ihrer Leser nachkommend, Rachel und Gérad zu den Protagonisten ihres Romans gemacht. Zwei toughe Charaktere, die sich erst gar nicht bemühen, mit ihrer Geringschätzung füreinander hinter den Berg zu halten. In der Summe ergeben die beiden ein Pulverfass, das jederzeit detonieren könnte.
Das Miteinander von Rachel und Gérad ist geprägt von verbalen Spitzen gepaart mit andeutungsvollen Zweideutigkeiten. Aus der Not könnte sich demzufolge tatsächlich eine Tugend entwickeln und die zwei könnten zu einem unschlagbaren Team avancieren, würden sie sich a) gelegentlich auf die Zunge beißen und b) ab und an über den eigenen Schatten springen. Rose Snows Akzente liegen somit auf einem heiklen Hürdenlauf der zwischenmenschlichen Art.

In gewohnt schlichter, aber eingängiger Tonalität und Stilistik sowie mit teils wenig zimperlicher, teils knisternder Attitüde versehen kommt der Roman daher. Besonders gelungen fand ich die spürbare Kontinuität, mit der die Handlung an Schwung gewinnt. Die beiden Protagonisten finden sich demzufolge in einem pikanten Doppel wider Willen wieder, das den Leser unterhält.

Rose Snow leuchtet in ihrer Geschichte das Porträt des stolzen Dickkopfs aus, der sich sowohl mit einer rauen Realität als auch einer durchschimmernden Herzensangelegenheit konfrontiert sieht. Eine Mischung, die das Kleid der Unterhaltungslektüre bestickt mit leichten Applikationen einer Selbstfindungsreise rundum hübsch ausfüllt.

Summa summarum handelt es sich um einen munteren Roman, dessen Charaktere durch ihre eckigen Profile zwar aneinander geraten, sich dabei jedoch ebenso miteinander in ein Gefühlschaos mit knirschendem Profil katapultieren.

FZIT: Forsch. Herausfordernd. Zielstrebig.


Sonntag, 7. Dezember 2014

[Sonntagsbrunch] Am 07. Dezember 2014


Scherenschnitt in weiß-blau.


~ eingefangen beim Blick nach oben (Deutschland) ~