"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Donnerstag, 16. Oktober 2014

[Buchpost] Welchen Wochentag lie(b)st du?

Es ist so weit! Und ich bin sehr gespannt.

Anne Sonntags Roman Eigentlich Liebe ist im handlichen Buchformat beim Piper Verlag erschienen. Bislang konnte mich die Autorin mit dem Erzählstil ihrer Anne-Freytag- und Ally-Taylor-Geschichten absprechen und für sich gewinnen.

Nun werde ich mich also ins teils feierliche, teils tragische Herzensgewühl einer anstehenden Hochzeitsfeier werfen. Hanna, Clara und Vero sitzen mit einem schrägen Grinsen, Taschentüchern und Sektflöten im Wohnzimmer. Das wird was geben. Ich ziehe mich besser mal warm an ...


Dienstag, 14. Oktober 2014

[Rezension] Scheinwelt (Michael Linnemann)

Michael Linnemann: Scheinwelt

Nachdem mich Michael Linnemann selbst auf das Erscheinen seines neusten Buchs aufmerksam gemacht hatte (ein Dankeschön dafür!), blieb mir — schon allein rein genretechnisch — kaum etwas anderes übrig, als mich in eine kriminalistische Scheinwelt zu begeben. Mit der sich wieder einmal bestätigten Erkenntnis, dass nicht alles, was glänzt, Gold ist. Denn dem Autor ist ein Krimi am Puls der Zeit gelungen, der aufhorchen lässt. 

Cover: M. Linnemam


~ Rezension ~

Heiliger Schein oder scheinheilig?

Gestern übertrafen sich die aufstrebende BKA-Beamtin Jennifer Dachs und ihr Kollege Lukas Moll noch gegenseitig mit nicht ernst gemeinten Spitzen. Heute sieht sich Jennifer mit der gewaltsamen Entführung Lukas' konfrontiert. Als neuer Partner wird ihr Arnold Schleiser zugewiesen. Ein Kollege, dessen Steckenpferd Täterprofile sind, der sich aber selbst kaum in die Karten schauen lässt. Schnell steht das Team vor einem großen Rätsel. Denn die mehr als offensichtliche Spur deutet auf einen verurteilten Raubmörder hin. Kann es tatsächlich sein, dass die Polizei bei dessen Festnahme die Wahrscheinlichkeit eines Komplizen zu rigoros ausgeschlossen hat? Jennifer und Arnold begeben sich auf erneute Spurensuche, wobei der dreiste Entführer ihnen stets einen Schritt vorauszueilen scheint. Bald schon heißt es schließlich: Alles oder nichts!

Michael Linnemanns Krimi Scheinwelt bildet den Beginn einer neuen einschneidenden Krimi-Reihe des Autors. Dabei werden Fährten zu geschickt gelegten Fallstricken und Fallstricke zu unerwartet viel versprechenden Fährten.

Mit Jennifer Dachs und Arnold Schleiser erweckt der Autor ein Ermittlerduo zum Leben, das sich durch seine Gegensätze ergänzt und dem dennoch nie eine vollkommene Überwindung vorhandener Distanzen gelingt. Denn neben der beruflichen Höchstleistung, die in jener bisher brenzligsten Situation in Jennifers Karriere gefordert wird, sorgen jeweilige persönliche Ballaste dafür, eine professionelle Abgeklärtheit aufrechtzuerhalten.

Das von Michael Linnemann kreierte Verbrechen besticht durch eine Reichhaltigkeit an ausgeklügelten Details, gewiefter Doppeldeutigkeit und nicht selten vorhandenen Wirrungen. Ich als Leser fühlte mich mehr als angesprochen, mich selbst auf Spurensuche zu begeben.
Die Entwicklung der Handlung gleicht einem Hindernislauf, während dem sich einige unerwartete Falltüren ebenso auftun wie ein paar Strickleitern, die unverhofften Aufstieg ermöglichen. Der gezogene Spannungsbogen unterstreicht die Dringlichkeit des zu lösenden Falls und gipfelt in einer Offenbarung, die zum einen schockiert, zum anderen nachdenklich stimmt.

Der Stil der erzählten Geschichte spiegelt die Dynamik und das Ping-Pong-Match der einander (mehr oder wenig zielkonkret) zugespielten Informationen gut wider. Ohne großartige rhetorische Schnörkel, stattdessen mit inhaltlicher Raffinesse, die weite Bögen schlägt, begegnet der Autor seinem Leser.

In der Summe ein Krimi, der durch die besondere Formatierung einer kompakten Wahrscheinlichkeitsrechnung charakterisiert wird. Zündstoff bilden dabei sowohl die gelösten als auch die ungelösten Fragen, die schnurstracks auf eine Fortsetzung zusteuern.

FZIT: Ausgetüftelt. Komplex. Beängstigend.


Sonntag, 12. Oktober 2014

Donnerstag, 9. Oktober 2014

[Neu im Regal] Bin dann mal weg, mit dem Jungen an der frischen Luft.

Seitdem mich bereits vor Jahren Ich bin dann mal weg begeistern konnte, war ich auch von der Autorenseite, die in Multitalent Hape Kerkeling schlummert, mehr als angetan. 
Als mir nun vor einigen Monaten zu Ohren kam, dass er in diesem Herbst ein neues Buch, das dieses Mal gespickt von humorigen, bittersüßen und traumatischen Kindheitserinnerungen stecken soll, veröffentlichen würde, wusste ich eines auf der Stelle: Ein Lesemuss für mich! 

Nun ist es so weit und ich halte das von Piper verlegte Buch mit dem andeutungsvollen Titel Der Junge muss an die frische Luft in Händen. Ich kann es offen gestanden kaum erwarten, sofort mit dem Jungen an die frische Luft zu gehen ...


Dienstag, 7. Oktober 2014

[Rezension] Souvenirs (David Foenkinos)

David Foenkinos: Souvenirs

Der Eindruck, dass es sich bei jenem Buch um eine Liebeserklärung an das Leben mit all seinen leuchtenden und auch tristen Facetten handelt, ergriff mich umgehend und lässt mich auch im Nachhinein nicht los.
Greifbar und dennoch unerreichbar. Erreichbar und dennoch nicht greifbar. Ein sehr spezielles Lebens- und Lesegefühl stellt sich während des Abtauchens in diesen Roman ein. Man muss es selbst entdeckt haben!


~ Rezension ~

Wenn das Nähkästchen zur Schatztruhe wird.

Er, der verträumte, als Nachtportier arbeitende Held dieser Geschichte, hat einen sehnlichen Wunsch: eine erfolgreiche Karriere als Schriftsteller. Doch bevor er seine festen Ambitionen in die Tat umsetzen kann, bringen ihn familiäre Schicksalsschläge vom Kurs ab. Allerdings steckt in jedem Rückschlag eine neue Chance. So führt eine zufällige Begegnung mit einer jungen Frau dazu, seinen Vorstellungen neue Prioritäten zu geben. Allerdings segelt er fortan nicht nur auf den seichten Wogen des Lebens.

Mit Souvenirs brachte David Foenkinos eine Hommage an ein erfülltes, bewegtes und vor allem erinnerungswürdiges Leben zu Papier. Die am längsten überdauernden Souvenirs des Seins  Erinnerungen  hebt er mit diesem Werk auf eine Empore, die im feinsten Glanz erstrahlt.

Die Erzählung umfasst als Grundhandlung das Leben des Protagonisten, wird allerdings immer wieder durch Anekdoten, sprich Erinnerungen, von Menschen, die seinen Weg mehr oder minder geprägt haben, abgerundet. So darf der Leser beispielsweise gern in die Erinnerungen eines Alois Alzheimer oder eines Francis Scott Fitzgerald abtauchen.

Eine Atmosphäre, die ein charakteristisches französisches Lebensgefühl transportiert, schwingt zwischen den Zeilen stets mit. Dazu gehören die Seichtigkeit poetischer Wortmalereien und verhaltene Momente der Bedächtigkeit, pulsierendes Prickeln und gewahrte Kontenance. Eine Mischung, die mir sehr gefallen hat und die sich trotz ihrer durchgängigen Ernsthaftigkeit angenehm schwungvoll zeigte.

Dass sich in diesem Buch individuelle Erinnerungen voller Schmerz, Wonne oder Erkenntnisreichtum als Souvenirs herauskristallisieren und sich gegen jegliches materielle Souvenir behaupten können, ist eine originelle Idee, die vom Autor feinfühlig und analytisch umgesetzt worden ist.

Unser aller Leben verstreicht oft genug, ohne dass wir innehalten und verweilen. David Foenkinos gelingt es, hier ein deutliches Signal zu setzen, welches diesem Trend entgegenwirkt. Momente des Glücks oder auch des Zweifelns haben uns im Augenblick ihrer Gegenwart geprägt, demnach sind sie es würdig, dass wir uns ihrer auch im Nachhinein entsinnen. Die Protagonisten dieses Romans gehen diesbezüglich mit einem guten Beispiel voran. Auf dass ihnen viele Leser folgen mögen!

F★ZIT: Hintergründig. Kraftvoll. Anstiftend. 


Sonntag, 5. Oktober 2014

Donnerstag, 2. Oktober 2014

[Rezension] Glücksdrachenzeit (Katrin Zipse)

Katrin Zipse: Glücksdrachenzeit 

Ein Roman, in dem eine Menge Herz und Schmerz stecken. Eine Geschichte, die einiges mehr ist als die Einladung zu einem abenteuerlichen Roadtrip nach Südfrankreich. Vielmehr ist Glücksdrachenzeit, so sehe ich das, eine zeitlos gute Lektüre, die Grenzen verschwimmen lässt, Hände reicht, Wahrheiten erkennen lässt, Glücksmomente schenkt. Kurzum: Ein Buch, das den Wert unserer eigenen Erinnerungen, Wünsche und Träume in ein neues Licht zu tauchen vermag.


~ Rezension ~

Eine Reise voller Licht und Schatten. C'est la vie. 

Die fünfzehnjährige Nellie kann es nicht fassen: Ihr Bruder Kolja ist auf und davon, nach Avignon. Doch ohne ihn hält sie es zuhause nicht aus. Denn Kolja war immer Nellies Ein und Alles. Daher fasst sie den Entschluss gemeinsam mit Familienhund Jackson nach Südfrankreich zu trampen, um Kolja zurückzuholen. Ein Vorhaben, das Nellie und Jackson schneller in Bedrängnis bringt, als ihnen lieb ist. Bis wie aus dem Nichts die freundliche, obgleich mächtig eigentümliche Miss Wedlock in ihrem altersschwachen Oldtimer auftaucht. Eine Fügung des Schicksals, die für den trampenden Teenager zu einem echten Fingerzeig werden soll. Außerdem gibt es da noch Elias  den Jungen mit dem Herzen aus Gold und der Vergangenheit getränkt in Schatten. Gemeinsam macht sich das Quartett auf den Weg in den Süden, um so viel mehr zu finden als Kolja.

Katrin Zipses ausdrucksstarker Debütroman Glücksdrachenzeit erzählt eine berührende und zugleich lebhafte Geschichte vom Verlieren und Vermissen, vom Suchen und Finden, vom Akzeptieren und Nach-vorn-Schauen.

Mit Nellie als mal zu allem entschlossene, mal allzu blauäugige Protagonistin erweckt Katrin Zipse einen Charakter zum Leben, dessen Reise nicht nur Spannung, sondern ebenfalls die aufrichtige Jagd nach einem kleinen Stückchen Vollkommenheit — nach der unantastbaren Glücksdrachenzeit — ausmacht.
Um Nellie herum fächert sich die Handlung um ein kleines, aber umso feineres Ensemble vielschichtiger Figuren auf, deren jeweilige Einzelschicksale das Leben mit anderen Augen sehen lassen.

Beeindruckend finde ich die Balance zwischen bitterer Scharfkantigkeit und süßer Sehnsucht nach Freiheit, welche die Autorin kreiert. Mittels ihrer Erzählung konfrontiert Katrin Zipse auf geschickte, feinfühlige Weise mit Themen wie Verlust, Trauerarbeit und Einsamkeit. Andererseits leuchten die von ihr geschaffenen Augenblicke der Unbedarftheit und Abenteuerlust wie das wegweisende Feuer, das ein Drache speit.

Nicht weniger einnehmend ist der Spannungsbogen des Romans. Was als Roadtrip mit Ziel beginnt, entwickelt sich zu einem brenzligen Wettlauf gegen gefährliche Wahrheiten und unsichtbare Ängste, die sich als Geiselnehmer entpuppen. Temporeich und nichtsdestotrotz tiefschichtig kommt der Handlungsverlauf daher.

Ebenso eine Erwähnung wert sind sowohl die erfrischende junge, aber keinesfalls oberflächliche Erzählweise der Geschichte als auch die unkonventionell ausgestalteten Umfänge der einzelnen Kapitel. Letztere sind nicht selten nur wenige Zeilen oder gar nur einen Satz lang. Gedankensprünge, Perspektivwechsel und die Hervorhebung einzelner wertgebender Emotionen werden damit besonders eingekreist.

Katrin Zipse gelingt es, das Fundament eines leichtfüßigem, unbedarften Roadtrips als Teenagerabenteuer mit einer Tonalität zu versehen, die aufhorchen lässt. In eine einladende Kulisse pflegt sie weniger angenehme Momente der Selbstreflektion ein, die wehtun können, aber unerlässlich sind. Das bunte, ausgelassene Filmfestival von Avignon wird somit zum Schauplatz einer lebensnahen Auseinandersetzung und Selbstfindung.

Insgesamt ein gehaltvoller Roman, der Leser allen Alters ansprechen sollte. Eine Geschichte voller Impulse, die dafür sprechen, dem Leben gegenüber dankbar(er) zu sein.

FZIT: Festhaltend. Entdeckend. Loslassend.