"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Freitag, 31. Januar 2014

[Live-Erlebnis] Superstar lädt zu stilvollem Date voller Swing

Dass der Abend in der Berliner o2 World Unterhaltung auf Weltklasseniveau versprechen würde, hatte ich im Vorfeld bereits geahnt. Keine wirklich schwierige Prognose, wenn einer der ganz Großen in der Stadt vorbeischaut. 

Doch dass die Stunden mit Michael Bublé derart sensationell gut werden sollten, dass ich doch zu der Erkenntnis kam, mit meiner Vorliebe für Jazz & Co. tatsächlich ein paar Jahrzehnte zu spät geboren worden zu sein, spricht wohl für sich selbst. 
Daher: Ein Hoch auf Michael Bublé, der als "moderner Frank Sinatra" auch heute — ungeachtet der gegenwärtigen Trends zu Elektrobeats aller Art — sensationell swingt bis die Schuhsohle qualmt. 

It's a Beautiful Day when Michael Bublé is in town ...

Auf seiner Welttournee machte der Kanadier, der seit Jahren gleichermaßen reihenweise Awards wie Sympathiepunkte einheimst, Halt in Berlin. Mit im Gepäck hatte er die nicht minder hervorragend auftrumpfenden Jungs von Naturally 7, die als Vorband für Stimmung sorgten.

So zugeknöpft elegant Michael Bublé in Smoking und Fliege die Bühne eroberte, so wenig verschlossen sein Auftritt. Denn gleich zu Beginn stellte er klar, dass er es nicht möge, hier von einem Konzert oder einer Show zu sprechen. Nein, nein, vielmehr handle es sich um ein Date. Ein Date zwischen ihm und den 10.000+ Besuchern im Publikum. Und wie es sich für einen solchen Anlass gehöre, finge der Abend entsprechend ruhig (und schüchtern) an und könne sich zu dem entwickeln, wohin Dates eben im besten aller (hemmungslosesten) Fälle führten ... So weit, so gut, so vielversprechend.

Und es wurde noch besser.

Nicht nur ist Michael Bublé ein grandioser Sänger, charmanter Witzbold und, wie er selbst sagte, hoffnungsloser Romantiker, sondern äußerst publikumsnah. Er ist sozusagen ein personifizierter Publikumsmagnet, der sich Zeit für jene Begegnungen mit den Fans nimmt. Dieser Abend steht eben im Zeichen eines Dates. Da gehört eine solche Tuchfühlung schließlich dazu, nicht wahr? 
Dieses Miteinander erzeugte im Saal eine Atmosphäre, die (mir) unter die Haut und zu Herzen ging. 

Ob gefühlvolle Ballade, schwungvoller Gute-Laune-Hit oder Swing-Klassiker — der Sänger glänzte auf ganzer Linie und das Publikum ließ ihn genau das wissen.

Begleitet wurde Bublé von seiner "Tourfamilie", (s)einer wunderbaren Liveband, die er als Team Bublé ausführlich vorstellte und samt Geburtstagsständchen mit dem Publikum für einen "seiner Brüder" abrundete. Ergänzt wurde das Ensemble durch eine einheimische Gruppe an Streichern. Hand in Hand — also Ton in Ton — harmonisierte die gemeinsame Darbietung.

Im gleichen Umfang stimmig kamen die Bühnenbilder daher. Einige der als Gesamtpaket passendsten, die ich je gesehen hab. Zum einen ließen sie die goldenen Zeiten des Swings klassisch aufleben, zum anderen luden sie unmissverständlich zum Träumen ein. Wahre Hingucker.

Wenngleich der Abend in Berlin nur einer von vielen Zwischenstopps war, gelang des Michael Bublé dennoch, dem Publikum den Eindruck zu vermitteln, eben nicht nur eines von vielen zu sein. Die Dankbarkeit seinen Fans gegenüber betonte er ebenso wie die Hingabe zur Lebendigkeit des Jazz'. Eine Musikrichtung, die, wenn man es genau betrachtet, schon längst als angestaubt gelten könnte. Immerhin stammt sie aus dem vergangenen Jahrtausend. 

Mit Anekdoten zu seiner musikalischen Laufbahn — ja, auch Ansätze eines Rappers waren dabei  —, ganz persönlichen Empfindungen und herrlich eindeutig zweideutigen Einwürfen (der Gentleman  deutet an und genießt) wickelt der Sänger zwischen den Gesangseinlagen das Publikum um den Finger wie kein anderer.

Nach lodernden Flammen und herzigem Beschuss aus Konfettikanonen sorgte definitiv der Abgang des Künstlers für einen absoluten Herzschlagmoment: Michael Bublé entledigte sich ganz selbstverständlich seines Mikrofons und seiner In-Ears und sang nur von schlichten Pianoklängen begleitet Song For You für sein Publikum. Eine friedvolle Faszination für einen Entertainer, der an diesem Abend Herz, Seele und Stimme auf einem Silbertablett serviert hatte, hing spürbar in der Luft. Sagenhaft! Doch kaum waren die letzten Silben verklungen, schlug einem zufrieden lächelnden Sänger eine Welle tosenden Applauses entgegen. Punktlandung. Nicht die erste des Abends, jedoch (bedauerlicherweise) die letzte. 

Bleibt festzuhalten, dass mehr nicht geht und Michael Bublé mit jeder Berechtigung die Herzen der heutigen Jazzfans mit Freude erfüllt und für breite Lächeln in ihren Gesichtern sorgt ... Dass meine Begeisterung also überdauernd ist, muss ich wohl nicht hinzufügen, oder?



Mittwoch, 29. Januar 2014

[Rezension] Und dennoch ist es Liebe (Jodi Picoult)

Jodi Picoult: Und dennoch ist es Liebe 

Sie, Jodi Picoult, beherrscht die Klaviatur der großen Gefühle unnachahmlich gut. Würde dieses Buch musikalisch vertont werden, käme es einem Rondo gleich. Denn emotional hochwertige Motive geben sich sozusagen wiederkehrend die Klinke in die Hand.
Eine Familiengeschichte, welche die Facetten des Miteinanders in jeglicher Schattierung ausleuchtet, wobei die dunklen Ecken besonders düster scheinen. Anderseits schüren jene Abgründe einen außergewöhnlichen Kampfgeist, dessen Färbung beispielhaft wirkt.


~ Rezension ~

Wenn deine Vergangenheit deine Zukunft zu zerstören droht.

Als sie fünf Jahre alt ist, wird Paige von ihrer Mutter verlassen. Mit achtzehn Jahren bricht ihr Herz entzwei. Acht Jahre später steht die junge Frau erneut vor den Trümmern ihrer familiären Existenz. Wie viel Leid kann sie ertragen, bevor sie endgültig zusammenbricht? 
Viele beneiden Paige um ihren erfolgreichen Ehemann Nicholas, ihr niedliches Baby und ihr eigenes Talent, tiefe Emotionen in ihren eigenen Zeichnungen einzufangen. Doch Paige selbst fühlt sich weder ihrer Mutterrolle noch den Anforderungen an eine Arztgattin gewachsen. Immer häufiger wird sie vom Gedanken getrieben, ihre eigene Mutter endlich finden zu müssen. Denn nur dann, so glaubt sie, könne sie selbst die fehlende innere Balance finden. Allerdings müsste sie dafür die Liebe ihres Lebens und ihren kleinen Sohn zurücklassen. Ist dieser Preis nicht zu hoch?

In Und dennoch ist es Liebe greift Jodi Picoult eine hohe Emotionalität auf. Vertrauen, das verloren gegangen ist, Zerrissenheit, die zu schmerzhaft scheint, Absolution, die hart erkämpft werden muss – mit der gewohnten Empathie und dem nötigen Auge für Scharfsinn ist jener Roman ausstaffiert.

Mit Paige charakterisiert Jodi Picoult eine Protagonistin, deren Leben einer wahren Achterbahnfahrt gleicht: von der Mutter ohne Abschied zurückgelassen, aufgefangen von der großen Liebe, heimgesucht von postnatalen Depressionen.
Wie sehr die Vergangenheit unser Sein oder eben Nichtsein in der Gegenwart und Zukunft prägt, zeigt die Autorin mit großer Präzision. Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann letzten Endes seinen Platz in dieser Welt finden.

Aufgrund der wechselnden Erzählperspektive zwischen Paige und Nicholas wird dem Leser ein umfassender, profunder Einblick in das sich zusammenbrauende Gefühlschaos gegeben. Hierbei beeindruckte mich insbesondere die kraftvolle Präsenz jener inneren Konflikte.

Über Recht oder Unrecht kann wohl kaum geurteilt werden. Vielmehr lässt sich vielleicht in Ansätzen über ein Was-wäre-wenn-Szenario grübeln. Einen Fingerzeig, den die Autorin mit detailreicher und unerschütterlicher Gabe des Geschichtenerzählens gibt.

Der Spannungsbogen der Handlung wird stringent aufgebaut und beibehalten. Kleine Hoffnungsschimmer, bittersüße Erkenntnisse und aufbrausende Entschlossenheit wechseln sich im Takt der Kapitel ab und überlassen den finalen Abschluss der Vorstellung der Leser.

Vertrauen und Verrat, Einfühlungsvermögen und Selbstaufgabe, immerwährende Liebe und brodelnder Zorn – sie liegen oftmals nur einen Herzschlag voneinander entfernt. Die Außergewöhnlichkeit einer Eltern-Kind-Beziehung wird in ähnlich prägnanten Zügen dargestellt wie der Weg zur Selbstfindung. Ein Roman voller Aussagekraft.

F★ZIT: Gefühlsbetont. Unaufhaltsam. Nachklingend.


P.S.: Als winziger Schönheitsfehler sei die Schreibung des Namens der Protagonistin im Klappentext erwähnt. Denn sie heißt Paige, nicht Page.


Montag, 27. Januar 2014

[Live-Erlebnis] Wie ein Wohnzimmer voller Gäste

Als ich im vergangenen Sommer durch eine Radiomeldung auf Elif, eine junge Sängerin und Texterin aus Berlin, aufmerksam wurde, war für mich klar, mir erst Album und dann ebenfalls Konzertticket zu sichern. 

Gesagt, getan.

Im Januar 2014 ist es nun so weit: Elif auf ihrer ersten Tour. Im Zuge derer macht(e) sie sowohl in Berlin als auch in acht weiteren deutschen Städten Halt. Nach ihrem Debütalbum benannt macht die Unter meiner Haut Tour ihrem Titel zweifelsohne alle Ehre und geht mit Esprit und Emotion unter ebenjene. 

Nächster Stopp: Lido in Berlin

Die Kulisse dieses Abends bildete Elifs Wohnzimmer. Ach nein, aber beinahe. Denn irgendwie versprühte die Bühne, auf der die Sängerin im Verlaufe des Abends eine Punktlandung vollführen würde, warmes Wohnzimmerflair. Das lag wohl nicht zuletzt am ausrollten Teppich, gemütlichen Schirmlampen und handgemachter Dekoration — alles von der Künstlerin selbst zusammengetragen und zum Gesamtbild arrangiert.

Bevor Elif nun während ihres ausverkauften Konzerts mit dem Publikum auf Tuchfühlung ging, eröffnete die stimmgewaltige Sängerin und Liedermacherin Alina den Abend gebührend und entlockte dem Publikum ganz eigene Zugabe-Rufe.

Dann erschien Elif, griff sich das Mikrofon und begrüßte das Publikum ihrer Heimatstadt mit musikalischer Großherzigkeit. Es dauerte nicht wirklich lang und schon erfuhr die Sängerin kräftige Unterstützung von den Fans. Sämtliche Facetten der Begeisterungsstürme wehten Elif entgegen. Kein Wunder. Denn mit ihrer sympathischen, unverkrampften und sichtlich gerührten Art begegnete sie ihrem Publikum — ja, ihrem Publikum oder mit Elifs Worten "... endlich spiele ich nicht nur den Support und ich kann hier oben so viel erzählen, wie ich will ..." — auf Augenhöhe.

Dementsprechend ließ Elif es sich nicht nehmen, sowohl die persönlichen Geschichten hinter ihren Liedern zu erläutern als auch zu unterstreichen, wie bedeutsam ihre erste eigene Tour für sie sei. 
"Davon hab ich geträumt, seit ich 14 war", sind ihre Worte, die sie an eine lauthals mitsingende Fangemeinde richtet. Nicht minder scheute sie vor der Betonung, dass das Musikbusiness nicht immer nur aus dem Sinn fürs Künsterlische bestünde. Es kann gleichermaßen ein ziemlich hartes Brot sein. Recht hat sie!

Darf ich jetzt schon sagen, dass ich begeistert war?

Präsenz zeigte die Sängerin, deren feinsinnigen Ballanden gleichermaßen berühren wie ihre kantigen, selbstbewussten Stücke, auf ganzer Linie. Zu dem gesungenen Wort kamen extrovertierte Tanzeinlagen, die wiederum ansprechen und für zufriedene Gesichter vor der Bühne sorgten.

Elif und ihre Band bildeten eine Einheit, die mitriss. Doch spätestens als sie Feuer einsang und sich Andreas Bourani zu ihr gesellte, war das Eis geschmolzen (die -12°C herrschten eben ausschließlich draußen vor der Clubtür) und die Herzen im Raum schlugen nur noch im Takt der handgemachten Musik Elifs. Das Duett — eine Überraschung, die, dem erfreuten Raunen des Publikums nach zu urteilen, vollends gelungen war.

Dass dieser musikalisch bestechend unterhaltsame Abend viel zu schnell ein Ende fand, muss ich, glaube ich, nicht hervorheben, oder?

Elif nahm ihre Fans buchstäblich bei der Hand, teilte mit ihnen genauso wie mit ihren eigenen Eltern im Publikum ganz große Emotionen und besondere Momente. Mal sanft und nachdenklich, mal außer Rand und Band — im Draufblick ein Konzert, dem noch zahlreiche folgen dürfen. Denn wie viel Herz, Seele und Temperament in Elif und in ihrer Arbeit stecken, war förmlich greifbar. Mehr davon würde nicht nur ihren (Zu-) Hörern zusagen, sondern der gesamten deutschen Musikbranche mit Sicherheit guttun.


Sonntag, 26. Januar 2014

[Sonntagsbrunch] Am 26. Januar 2014


Der Sonne entgegen.


~ eingefangen beim Blick aus dem Fenster (Deutschland) ~


Freitag, 24. Januar 2014

[Buchpost] Auf der Reise zum Saum des Himmels

Da Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke für mich wahrlich zu den Großen gehört, freue ich mich über das jetzt im Oetinger Verlag (neu) erschienene Buch Drachenreiter wirklich. 

Nicht viel geht über sprühende Fantasie, die bereits Generationen von jungen Lesern begeistert. Hinzu kommen abermals die feinen Illustrationen der Autorin, welche die Geschichte auf magische Weise unterstreichen.

Das wird gut. Ich hab's im Gefühl.


Mittwoch, 22. Januar 2014

[Neu im Regal] Moderne Wunder von wunderbarer Qualität


Seit ich im vergangenen Jahr mehr oder minder durch einen glücklichen Zufall auf Sina Trinkwalders Buch Wunder muss man selber machen gestoßen bin, verfolge ich die Geschichte einer der wohl ambitioniertesten Unternehmerinnen Deutschlands mit großer Begeisterung. 

Denn mit ihrem Unternehmen manomama, dem ersten Social Business der Textilbranche, setzt Sina Trinkwalder Zeichen. Sie hat den Beweis angetreten, dass es sehr wohl möglich ist, nicht nur von (ökologischer, sozialer und ökonomischer) Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern diese tatsächlich mit Überzeugung und vehementer Konsequenz zu leben. 

Für mich persönlich zählt manomama zu der Crème de la Crème der Best Practice Beispiele aus der realen Welt. Dass der Weg nicht steinig ist, wäre vermessen zu sagen. Doch dass er sich über alle Maßen lohnt, das unterstreichen Sina Trinkwalder  und ihr Team seit der ersten Stunde. Hier wird weder Seemannsgarn noch Stroh zu Gold gesponnen. Hier wird schlichtweg ehrlicher Handarbeit Herz und heimische Qualität verliehen.

Diese Gründe spielen nun mit meiner absoluten Vorliebe für Stofftaschen (ich mag aus vielerlei Gründen schlichtweg keine Plastikbeutel!) hervorragend  zusammen. Denn manomama hat nicht nur hochwertige und vor allem maßgeschneiderte Bekleidung im Repertoire, sondern eben auch Stofftaschen. Also dachte ich mir: "Muss ich haben!" Gedacht, getan. Bestellung getätigt und wenige Tage später in Empfang genommen. Perfekt!

Weshalb ich euch dies nun erzähle? 

Nun, a) möchte ich unterstreichen, dass Sina Trinkwalders Buch nicht nur lesenswert, sondern durchweg inspirierend ist, b) glaube ich, manomama ist ein "modernes Wunder", über das gesprochen werden muss und c) wollte ich zeigen, wie einfach es im Grunde ist, selbst einen kleinen (und dabei echt stilsicheren) Beitrag zum nachsichtigeren Umgang mit unseren natürlichen, personellen und finanziellen Ressourcen zu leisten.



Montag, 20. Januar 2014

[Rezension] {♫♫} Immer in Bewegung (Revolverheld)

Revolverheld: Immer in Bewegung 

Einen meiner persönlichen Garanten für die "Play"-Dauerschleife stellt das jüngste Album der Band Revolverheld dar.
Gepflegter deutschsprachiger Pop-Rock mit einem kräftigen Schuss Textlastigkeit und Emotionalität versehen erklingt, sobald der erste Track zu spielen beginnt. Eine Intensivität, die gehalten wird, und die für meinen Geschmack einen sehr guten und vor allem auch glaubwürdigen, lebensnahen Ton trifft.


~ Rezension ~

Eine Zeitreise, die rockt.

Ganz und gar dem Titel des Albums entsprechend nehmen Revolverheld mit auf eine musikalische Reise, auf der bewegte Zeiten im Melodien gekleidet werden. Einem eingesungenen Geschichtsbuch gleicht dieses Album: Von jugendlicher Unbeschwertheit über Freundschaften, die sich verändert haben und dabei gewachsen sind, bis hin zum schmerzlichen Schlussstrich reicht das Repertoire. Das Vergängliche wie der „Sommer in Schweden“ und das Beständige, nämlich die „Worte die bleiben“, stellen während jener Reise stete Begleiter einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Mit ihrem aktuellen Album Immer in Bewegung gelingt der norddeutschen Band Revolverheld ein hitverdächtiger Wurf. Denn in einem exzellenten Zusammenspiel werden mal die rauen Rockerherzen, mal die poetischen Feinfühler angesprochen.

Die von der Band selbst geschriebenen Liedtexte sind punktgenau abgeschmeckt. Sie zeugen dabei sowohl von ehrlicher Beobachtungsgabe als auch vom allzu menschlichen Sehnen nach dem lebendigen Gleichgewicht.
Einer Aufforderung gleich kommt dieses Album daher. Denn Revolverheld fordern mit ihren Texten dazu auf, sein Leben zu leben – samt der schönsten, berührendsten Momente und der Melancholie des Verflossenen. Schließlich machen diese Augenblicke das Leben zu dem, was es ist.

Johannes Strate verleit den Worten der Band eine kraftvolle Stimme, die über einen deutlichen Wiedererkennungswert verfügt. Von nordischer Unterkühltheit keine Spur. Im Gegenteil, souveräne Wärme mit den notwendigen Ecken und Kanten versehen wird zu Gehör gebracht.

Die instrumentalen Seiten der 12 Tracks reichen von robustem Gitarrenrock bis zur durch Percussionrhythmen hervorgerufenen Leichtigkeit. Der charakteristische Klang typischer „Küstenmelodien“ schimmert unaufdringlich kontinuierlich durch und sorgt für einen angenehmen Nordwind zwischen den Noten.

Revolverheld schaffen es, poetischen und nachdrücklichen Tiefgang in ein Gewand aus Offensive, Nachdenklichkeit und Ausgeglichenheit zu hüllen. Die aufrichtigen und kreativen Texte kommen an. Bei mir als Fan von Wortspielen und deutschsprachiger Vielseitigkeit sowieso.

Ihrem dynamisch-markanten Pop-Rock-Stil bleibt die Band treu, wobei ihre Musik kein bisschen angestaubt wirkt. Vielmehr tosen Aufbruch und Fernweh, Romantik und Erkenntnis, Unendlichkeit und Endgültigkeit hochwertig aufbereitet durch die Gehörgänge eines jeden, der sich für das vierte Revolverheldalbum entscheidet.

F★ZIT: Handgemacht. Bodenständig. Überzeugend.  


P.S.: Wer das Video zur aktuellen Singleauskopplung Ich lass für dich das Licht an noch nicht gesehen hat oder nicht genug davon bekommen kann, der klicke augenblicklich HIER.