"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}

Dienstag, 18. November 2014

[Rezension] Versehentlich verliebt (Adriana Popescu)

Adriana Popescu: Versehentlich verliebt (2014)

Irgendwann in einer Zeit zwischen Hermine Granger und Sheldon Cooper hat sich das Nerdsein nicht nur zu etwas Salonfähigem gemausert, sondern ist sogar zu einem gewissen Coolnessfaktor geworden, der sympathisch ist. Und in ebenjene Reihe der beliebten "Vorzeigenerds" passen Pippa und Lukas ... und in gewisser Weise auch deren Autorin Adriana Popescu. 
Als ich Pippa vor zwei Jahren am Stuttgarter Flughafen erstmals begegnet bin, war ich entzückt. Als es dann hieß, die Protagonistin des ursprünglich selbst verlegten Romans habe den Sprung zum Piper Verlag geschafft und würde dort in einer Neuauflage glänzen dürfen, war ich sofort begeistert. Denn einen besseren Beweis für die großartige Arbeit, die aus dem Indieautorsein hervorgehen kann, gibt es wohl kaum.
Und ja, für mich ist Versehentlich verliebt so etwas wie das Tatsächlich ... Liebe des Bücherregals: Alle Jahre wieder, und vor allem immer wieder gern.
Ein Dankeschön an Adriana Popescu für eine bestechend gute und vor allem gelungen neu aufgelegte Geschichte sowie an den Piper Verlag für die Zusendung eines druckfrischen Exemplars des Romans!

Cover: Piper Verlag


~ Rezension ~

Das wohl unterhaltsamste Weihnachtsmärchen wider Willen: Grinch mit Herz trifft auf Nerd mit Charme.

Es ist Heiligabend. Doch anstatt mit ihrer Familie in Berlin beim Weihnachtsessen zu sitzen, steckt Pippa Wunsch auf dem Stuttgarter Flughafen fest. Die weißen Flocken haben jeglichen Flugverkehr zum Erliegen gebracht. Vollkommen melancholisch und noch immer ihrer längst verflossenen Liebe Benny nachtrauernd, gibt sich Pippa dem Weihnachtsgroll hin. Bis sie – einem Gepäckwagen und einer Flasche Cola sei Dank – auf einen gut aussehenden, verschmitzt lächelnden Nerd trifft, den sie ganz eindeutig als einen Tobias identifiziert. Mit jedem pointiert gesetzten Filmzitat und jedem charmanten Wimpernschlag rutscht Pippa völlig unverhofft ihrem ganz eigenen royalen Weihnachten entgegen. Wenn da nur nicht der Gedanke an morgen wäre ...

Mit ihrem Roman Versehentlich verliebt gewinnt Autorin Adriana Popescu zugleich die Herzen zahlreicher Festtagsliebhaber, Nerdfans und Romantiker. Dank wärmender Schrulligkeit verwandelt sie anonyme Flughafenhallen in ein weihnachtlich leuchtendes Hobbiton.

Da wären sie also: Pippa, die zwar sämtliche Star-Wars-Galaxien wie ihre Westentasche kennt, aber im wahren Leben oft ein wenig Angst vor der eigenen Courage hat. Ihre Trümpfe sind allerdings Ironie spitzer als jede Tannennadel, Behaarlichkeit glitzernder als Lametta und Eigentümlichkeit süßer als eine Zuckerstange. Und Lukas. Der bebrillte Cordjackenträger mit den strahlend blauen Augen, der zwar ist viel umhergereist, jedoch noch nicht ganz angekommen ist. Ein im Herzen Kind gebliebenes Duo, dessen Schicksalsbeauftragter eine Sonderschicht einlegen muss.
Für mich stimmt die possierliche Mischung aus liebenswürdig und originell gestalteten Charakteren, einer großen Portion Humor sowie reichlich kreativen Wendungen innerhalb der Handlung gänzlich. Die Symbiose der beiden Protagonisten mixt Drolligkeit und Coolness zu einem locker-leichten (Weihnachts-) Punsch.

Obgleich der Leser erahnen kann, wohin die Reise möglicherweise geht, verläuft das Miteinander von Pippa und Lukas alles andere als eintönig und berechenbar. Im Gegenteil, situationskomisch ausgefeilte Schnörkel tragen die Handlung durch sehr amüsante Galaxien. Eine Vielzahl cleverer Ideen lässt die Entwicklung der Geschichte sprudeln wie einen fruchtigen Champagner. Ferner verleihen eine erfrischende Affinität für diverse Film- und Fernsehproduktionen, eine Schippe Selbstironie sowie Amors Pfeil dem Roman eine zuckersüße und gelegentlich etwas kitschige Glasur aus Realitätssinn, Witz und Herzklopfen.

Als weitere (unüberhörbare) Bereicherung sind, wie ich finde, zweifelohne die maßgeschneidert auf die Handlung zugeschnittenen Songtexte aus der kreativen Feder Thomas Pegrams zu sehen. Musikalische Nuancen, die einzunehmen wissen.

Zweifelsfrei ein Buch, das herzallerliebst unterhält und dabei betont, dass die Liebe oft dort auf uns wartet, wo wir sie am wenigsten vermuten. Eine Geschichte, in die sich der Leser Hals über Kopf verlieben kann — und zwar alles andere als versehentlich.

F★ZIT: Verschroben. Vergnüglich. Vertraut.


Sonntag, 16. November 2014

[Sonntagsbrunch] Am 16. November 2014


Winter am Horizont ...


~ eingefangen im Müritz Nationalpark (Deutschland) ~


Donnerstag, 13. November 2014

[Buchpost] Verliebt in ein Weihnachten zwischen Himmel und Erde

Zwischen Winter und Himmel heißt der Debütroman der Schwedin Elin Bengtsson, den der Oetinger Verlag veröffentlicht und den ich nun in Händen halten darf. 
Hinter einem schlicht gehaltenen, aber (mich) umso mehr ansprechenden Cover verbirgt sich die Geschichte zweier Brüder, die das Leben bereits in jungen Jahren mit einer Schwere konfrontiert, deren Endgültigkeit sich als unausweichlich offenbart. Inwieweit es mir gelingt, an der Seite von Martin und Andreas Antworten auf das wirklich Wichtige im Leben zu finden, darauf bin ich gespannt ... 

Des Weiteren erreichte mich ein niedlicher und gleichsam überraschender Vorbote der Weihnachtszeit: Heike Abidis Kinderbuch Und immer wieder Weihnachten, hübsch eingepackt und verschickt vom Coppenrath Verlag. Ein Buch, mit dem die Autorin den wahren Zauber der Weihnacht für die gesamte Familie zum Glitzern bringen möchte. Dafür bin ich zu haben!

Als drittes Buch fand außerdem die Neuauflage von Adriana Popescus Versehentlich verliebt, der ich seit geraumer Zeit entgegengefiebert habe, den Weg in mein Bücherregal. Da ich seit Pippas erstem eingeschneiten Weihnachtsfest im Dezember 2012 Fan dieser verrückten Nudel bin, "muss" ich mich natürlich mit ihr und Auf-den-ersten-Blick-Hobbit Lukas ebenso ins neu in Szene gesetzte Schneegestöber am Stuttgarter Flughafen begeben. Bazinga!


Dienstag, 11. November 2014

[Rezension] Wolfs letzter Tag (Oliver Bantle)

Oliver Bantle: Wolfs letzter Tag 

Das Leben ist eine Reise. Bis zum letzten Tag. An genau diesem noch einmal mit gutem Gewissen zurückschauen zu können, davon erzählt Oliver Bantle in seinem Buch. Vielleicht mit einem etwas differenzierten Blick lassen sich Erfahrungen und Erlebnisse im Alter betrachten, schließlich wachsen wir mit den Jahren. Doch sollte dabei nie das Verständnis für die Jugend und ihre ganz eigenen Entscheidungen außer Acht gelassen werden. Denn nur diese komplettieren das Bild.
Ein generationsübergreifender, wachsamer Roman, der die Wertigkeit des Lebens  über den endgültigen Abschied hinaus    sichtbar macht.

Danke schön an den Tigerbaum Verlag für ein zur Verfügung gestelltes Exemplar dieses Lebenskunst-Romans!

Cover: Tigerbaum Verlag


~ Rezension ~

Eine letzte Reise im Leben

Wolf hatte ein langes erfülltes Leben, das ihn durch zufriedene, aber auch durch harte Zeiten geführt hat. Er war über Jahre hinweg der respektierte Anführer seines Rudels. Nun ist es jedoch an der Zeit, zu einer letzten Wanderung aufzubrechen. Allein. Ins Moor. Dorthin, wo es die Wölfe am Ende ihres Lebens zieht. Doch gerade der Weg seinem letzten Abend entgegen, birgt noch einmal so manche erstaunliche Erkenntnis für Wolf, der glaubte, schon vieles erlebt zu haben.

Oliver Bantle erzählt in seinem Lebenskunst-Roman Wolfs letzter Tag von dem Resümee eines Lebens und den Werten, die über den letzten Atemzug hinweg Bestand haben.

Wolf ist der vierbeinige Protagonist, dessen reflektierter Werdegang als Spiegelbild zur menschlichen Natur gesehen werden kann. Im Winter seines Lebens lässt er das eigene Sein Revue passieren  begleitet von langjährigen Weggefährten und Erinnerungen, die mal die schönsten, mal äußerst wehmütig sind.

In eine auf den ersten Blick schlicht gehaltene, aber inhaltlich umso tiefgründigere Erzählung, bettet Oliver Bantle eine wertvolle Reihe aufschlussreicher Gedanken und Dialogen ein. Dass auf eindeutige Elemente der Fabel zurückgegriffen wird, um eine zwischen den Zeilen befindliche und zugleich dennoch unmissverständliche Botschaft zu unterstreichen, empfand ich als besonders zuträglich. Ein kleines Alleinstellungsmerkmal, das dem Werk zugutekommt.

Hinter Wolf liegt ein ereignisreiches Leben. Jetzt, auf den letzten Metern, hat er die Gelegenheit, ohne Scheu einen Blick zurückzuwerfen. Dabei vermischen sich noch einmal die Erinnerung an kindliche Naivität und selbstkritische Betrachtung, Läuterung und Sehnsucht nach dem auf ewig ungeklärt Bleibenden. Eine gewisse Ruhelosigkeit verknüpft sich hierbei mit einer Gelassenheit, welche auf der Akzeptanz der Endlichkeit basiert. Ein Potpourri an Emotionen, Gedankenspielen und Fragen, das jedem Leser selbst — auch mitten im Leben stehend — nicht fremd sein dürfte.

In einer Familie, Gemeinschaft, Gesellschaft sollte jedem Einzelnen auch das Für- und Miteinander am Herzen liegen. Denn daraus resultiert eine omnipräsente Ausgewogenheit, die charakter- und persönlichkeitsprägend ist. Gemeinsam werden Zufriedenheit und Stolz geschaffen, die sowohl das Festhalten als auch das Loslassen einfacher machen.

Insgesamt ein Roman, der subtil zum Innehalten auffordert ebenso wie dazu, Herzensangelegenheiten zum Mittelpunkt des Lebens zu machen, bevor es zu spät ist. Eine Geschichte, die zeigt, dass das Eingeständnis von Ecken und Kanten keine Schwäche ist und dass das Andenken an ein ausgeschöpftes Leben über den letzten Herzschlag hinaus von Bedeutung ist.

FZIT: Reflektierend. Animierend. Geerdet.

Sonntag, 9. November 2014

Donnerstag, 6. November 2014

[Rezension] Drei Geschichten über die Liebe (S.Saxx, A.Bühnemann, F.Lamberti)

Sarah Saxx, Annika Bühnemann, Frieda Lamberti: 
Hoffnung — Vertrauen — Vergebung: Drei Geschichten über die Liebe 

Für Fans der Weihnachtszeit (wie ich einer bin) wie gemacht: Drei Geschichten, drei folgenreiche Entscheidungen, drei Bescherungen mit ungewissem Ausgang. Sarah Saxx, Annika Bühnemann und Frieda Lamberti haben sich für ein literarisches Weihnachtsmedley zusammengetan, dessen Nuancen gleichsam schmerzlich wie sehnsuchtsvoll daherkommen.

Ein Dankeschön an Annika Bühnemann, die mir die Anthologie als Vorbote der Adventszeit geschenkt hat!

Cover: annikabuehnemann.de


~ Rezension ~

Über das größte Geschenk, das du dir selbst machen kannst ...

Fabians Verwandlung in einen Workaholic tut seiner Beziehung zu Sophie überhaupt nicht gut. Während er sich kopfüber in die Arbeit stürzt, verzweifelt sie an seiner Ignoranz ihrer Gefühle gegenüber. Auch wenn es weht tut, setzt Sophie schließlich kurz vor Weihnachten alles auf eine Karte. Aber kann ein winziger Schimmer Hoffnung die Schatten eines dunklen Geheimnisses überstrahlen?
Als Malermeisterin Carolin den Auftrag annimmt, eine Millionenvilla zu renovieren, ahnt sie nicht, dass Raphael, der Assistent ihres Auftraggebers, ihr den Kopf verdrehen wird. Nach kurzem Zögern, beschließt Carolin, ihrer Liebe eine Chance zu geben. Doch bereits wenig später wird ihr Vertrauen in eine Zukunft mit Raphael herb erschüttert.
Patrizia und Nikolas führen ein schillerndes Leben im politischen Rampenlicht. Stets gilt es den Schein zu wahren, echte Emotionen sind hier fehl am Platz. Als Patrizia wenige Tage vor dem Weihnachtsfest dann allerdings knallhart mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, muss sie sich entscheiden: Verdrängung oder Vergebung.

Mit ihrer Anthologie Hoffnung — Vertrauen — Vergebung: Drei Geschichten über die Liebe erzählen die Autorinnen Sarah Saxx, Annika Bühnemann und Frieda Lamberti Weihnachtsgeschichten der emotional aufwühlenden Art.

Drei Paare erleben die Weihnachtszeit auf sehr besondere Weise. Denn während die Autorinnen zwar einen Rahmen aus romantischem Schneegestöber und köstlicher Weihnachtsbäckerei kreieren, gerät die Fassade des Besinnlichen darüber hinaus gehörig ins Wanken. Sarah Saxx, Annika Bühnemann und Frieda Lamberti schmücken für ihre Leser einen Weihnachtsbaum mit glitzernden Tränen, gebrochenen Lebkuchenherzen und bittersüßen Erinnerungen.

In die festliche Kulisse der Adventszeit werden real greifbare Sorgen, nagende Gewissensfragen und schmerzhafte Wahrheiten eingebettet. Ein Fundament, welches den Spannungsbögen der drei Kurzromane die nötige Essenz Dramatik verleiht. Gleichzeitig flechten die Autorinnen bedeutungsvolle Botschaften in ihre Handlungen ein. Bei aller Verzweiflung, Enttäuschung und Verbitterung stellen sie Hoffnung, Vertrauen und Vergebung als Halt gebende Gegenpole heraus — in der Fiktion wie in der Realität. Ein, wie ich finde, Geschenk an uns Leser.

Mit behänder Leichtigkeit verweben die Autorinnen geschickt Festtagsstimmung mit knirschender Brisanz. Trotz der zu lösenden Konfliktlastigkeit lesen sich die Romane mit angenehmer Leichtfüßigkeit. Denn die Rhetorik folgt dem Muster einer unverschnörkelten Echtheit. Die endgültig packende Tiefenschärfe bleibt hingegen, vor allem zu den jeweiligen Enden hin, ein wenig in der Schwebe. Dies bietet dem Leser wiederum eine dankbare Steilvorlage für fortführendes Gedankenspiel.

In der Summe eine Anthologie, in der eine wohlige Weihnachtsromantik wie auch die Macht von (Fehl-) Entscheidungen zu gleichberechtigten Schlüsselfaktoren werden, deren Zweige sich zu einem literarisch-unterhaltsamen Adventskranz verflechten.

FZIT: Folgenreich. Nachdenklich. Festlich.


Dienstag, 4. November 2014

[Rezension] #rausmitderdicken (Sophia Bennett)

Sophia Bennett: #rausmitderdicken 

Dieses Buch von Sophia Bennett kombiniert zwei aktuelle, vielschichtige Themen miteinander, denen bereits für sich allein genügend Raum zur Entfaltung zugestanden werden könnte und deren Verflechtung umso mehr polarisiert: das Format der Castingshow und (Cyber-) Mobbing. 
Während Ersteres sowohl der Talentförderung als auch der skurrilen Selbstdarstellung dienen kann, haftet Letzerem eine Ernsthaftigkeit an, über deren Ursprung und Konsequenzen gesprochen werden muss. Mit dieser in eine ansprechende Handlung verpackten Botschaft, trägt die Autorin ihren Teil zu einer altersgruppengerechten Aufklärung bei.
Dem Chicken House Verlag sei an dieser Stelle ein Dankeschön für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars ausgesprochen!

Cover: Chicken House


~ Rezenison ~

Wenn ein herrlicher Traum zum realen Albtraum wird ...

Sasha und Rose, Nell und Jodie sind Freundinnen, die eines perfektioniert haben: das Albernsein und Singen in den eigenen vier Wänden. Wobei Rose, das weiß Sasha als beste Freundin, im Grunde so viel mehr drauf hat. Denn ihre Seele ist Musik. Als Sashas iPhone eines Tages abhanden kommt und wenig später ein Video von den singenden Mädchen im Internet landet, wird das Leben der Freundinnen komplett auf den Kopf gestellt. Denn ihre eigene kleine Komposition wird wider Erwarten ein Hit und katapultiert die Teenager hinein in den größten Online-Band-Wettbewerb des Landes. Sie werden sogar zu den heimlichen Favoriten, und die Jury sagt ihnen eine schillernde Zukunft voraus. Allerdings nur als Trio. Daraufhin trifft Sasha schweren Herzens eine Entscheidung, die der Beginn einer ausufernden Hetzjagd sein soll, die keine Skrupel kennt.

In ihrem Jugendbuch #rausmitderdicken vertieft Sophia Bennett einen Themenkomplex, der gerade die heranwachsenden Generationen der Digital Natives fokussiert. Dabei spielt der Traum vom Scheinwerferlicht ebenso eine tragende Rolle wie die dringende Notwendigkeit eines rundum verantwortungsbewussten Handelns in der On- und Offline-Welt.

Auf die inneren Werte und Talente kommt es an. Davon sind Sophia Bennetts Protagonistinnen überzeugt. Bis, ja, bis ihnen die Chance ihres Lebens etwas anderes beweist. Denn als Teilnehmerinnen eines auf Erfolg getrimmten Castingformats werden sie viel zu schnell mit den knallharten Tatsachen der Musikbranche konfrontiert. Vielerorts bedeutet das, in eine Schablone passen zu müssen. Individualität muss einer Massenkompatibilität weichen. Doch was geschieht, wenn das neu modellierte öffentliche Bild einzig eine Verzerrung der Realität darstellt?

Der Autorin gelingt es in ihrer Geschichte, die Begeisterung für die Plattform "Castingshow" gleichermaßen herauszustellen wie die Überforderung und die Verlustangst, die mit solch einer Chance einhergehen. Eine authentische Achterbahn der Gefühle, die den Leser vom außenstehenden Beobachter zum direkt Angesprochenen macht.
Hinzu gesellt sich die Komponente der "Macht des Internets". Auch hier lotet Sophia Bennett die verschiedenen Seiten aus. Soziale Netzwerke schaffen Nähe und das Gefühl von Vertrautheit, doch im Schatten der Anonymität bleiben Verantwortungsbewusstsein und Respekt füreinander nicht selten auf der Strecke. Genau diese Problematik fächert die Autorin anschaulich und vor allem zielgruppengerecht auf. Wie sie auf diese Weise einen Weg findet, ihren (jungen) Lesern auf Augenhöhe zu begegnen, empfinde ich als äußerst positiv.

Die Geschichte wird in einem unkomplizierten, jugendlich frischen Stil erzählt und lässt eine fürs Erwachsenwerden charakteristische Naivität (insbesondere bei Sasha) gelegentlich durchblitzten. Während endgültige, großflächige Tiefenschärfe weniger in den Mittelpunkt rückt, leuchten Werte wie Loyalität, Freundschaft und die Kraft zum Verzeihen umso markanter.

Insgesamt ein Werk, das es versteht, zwei Welten miteinander zu verknüpfen: Das reale, einzigartige Ich mit Stärken und Schwächen sowie das öffentlich wahrgenommene, makellose, jedoch austauschbare Abbild dessen. Originalität und Individualität sind Ecken und Kanten, die jeden Einzelnen von uns ausmachen. Verändern sollten wir uns nur dann, wenn wir dazu bereit sind.

FZIT: Echt. Ehrlich. Erschreckend.