"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Mittwoch, 18. Juni 2014

[Rezension] Röhrenjeans und Schulterpolster (M. Seidensticker)

Maya Seidensticker: we love fashion — Röhrenjeans und Schulterpolster 

Ich muss schon sagen, eine Modeschule in der Nachbarschaft ist keine alltägliche Institution. Doch jetzt eröffnete tatsächlich die Fashion School Bernstein inmitten des Brandenburger Grüns ... Zumindest wenn es nach Autorin Maya Seidensticker, die sich stets darum bemüht, ein Stück weit Kind zu bleiben, geht. Eine hübsche Kulisse, die reichlich Stoff — zum Nähen und Geschichtenerzählen — gewährt. 
Ein Dank auch an den Loewe Verlag für das bereits vor der offiziellen Erscheinung zugesandte Rezensionsexemplars!

Bildquelle: Loewe Verlag


~ Rezension ~

Modischer Chic à la Neonleggins reloaded

Mit großer Ambition sieht die fünfzehnjährige Lucy ihrem Schulwechsel entgegen. Denn sie ist Anwärterin auf einen der begehrten Plätze an der Fashion School Bernstein mitten im brandenburgischen Idyll. Dort hätte Lucy endlich die Gelegenheit, sich ganz ihrer Liebe zur Mode zu widmen. Bis es so weit ist, muss sie sich allerdings einer Aufnahmeprüfung stellen, die es in sich hat. Die Aufregung steigt. Als Lucy mitten in den Vorbereitungen dann auch noch gemeinsam mit ihrer Schwester Hanna auf ein Familiengeheimnis stößt, das unglaublich scheint, heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wer würde den Teenagern schon glauben, tatsächlich in der Zeit reisen und damit die schrille Mode der 1980er Jahre hautnah miterleben zu können? Wer würde sie nicht für verrückt erklären?

Mit Röhrenjeans und Schulterpolster schrieb Maya Seidensticker, ein Pseudonym des Autorenduos Heike Abidi und Tanja Janz, den quirlig bunten Auftakt zu ihrer Reihe we love fashion.

Was beim Lesen dieser ersten Geschichte rund um die aufgeweckten Schwestern Lucy und Hanna sowie deren Freunde auffällt, ist die kreative Detailgenauigkeit, mit der sämtliche Beschreibungen ausgeschmückt worden sind. Die Autorin besticht mit einem überzeugenden Auge für neckische Kleinigkeiten  insbesondere in Hinblick auf die Mode der 1980er Jahre. Wie flippige Accessoires reihen sich unvergessener Chic, charakteristischer Zungenschlag und Rückblicke auf geschichtsträchtige Kulissen aneinander. Ein sehr angenehmes Mischungsverhältnis.

Dass Maya Seidensticker nicht nur Freude am Schreiben der Geschichte, sondern auch an der Recherche zum Buch gehabt haben muss, ist ein Gefühl, das ihre Zeilen transportieren. Ein Eindruck, den ich besonders mochte.

Die Figuren verkörpern einen illustren Querschnitt durch die Bank eines Internats, das Extravaganz ausstrahlt. Die dabei aufgegriffene Klischeehaftigkeit untermalt bildhaft die geschaffene Atmosphäre. Die Charaktere selbst werden (noch) nicht in aller Tiefe ausgeleuchtet, was solides Entfaltungspotenzial für die Folgebände zulässt. Nichtsdestotrotz werden die Grundfeste einzelner Stärken und Schwächen bereits adäquat gezeichnet.

Dadurch dass die Autorin Eckpfeiler wie Freundschaft und Zusammenhalt betont, wird die Stärke eines Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen. Anderseits spart Maya Seidensticker Faktoren wie Missgunst und Konkurrenzempfinden nicht aus, wodurch ein reales Gleichgewicht zwischenmenschlicher Interaktion kreiert wird. 
Einzig mit der sich zum Ende abzeichnenden Entwicklung der Handlung konnte ich mich hinsichtlich der moralischen Konsequenz nicht vollends anfreunden, aber das ist wohl ein persönliches Empfinden.

In der Summe ein Buch mit Pfiff, das die Zielgruppe  Leser(innen) ab 12 Jahren  auf Zeitreise in eine quietschfidele Modeära nimmt, in der Glitzer ebenso unverzichtbar und straßentauglich war wie das schrille Gymnastikoutfit. 

FZIT: Bunt. Leichtfüßig. Kulissenreich.



Freitag, 13. Juni 2014

[Buchpost] Neonfarbenes Zeitreisen

Autorin Maya Seidensticker, ein Pseudonym hinter dem sich das Duo Heike Abidi und Tanja Jenz verbirgt, startet in diesem Sommer mit ihrer Buchreihe we love fashion für Mädchen ab 12 Jahren im Loewe Verlag durch. 

Mich erreichte nun Band 1 Röhrenjeans und Schulterpolster,  in dem es die Schwestern Lucy und Hanna von der Modeschule Bernstein auf direktem Wege in die 1980er Jahre zurückverschlägt. Kreischende Farben, schrilles Glitzern und eine modische Herausforderung, die sich gewaschen hat, erwartet die Leser an der Seite der jugendlichen Protagonisten.

Ich begebe mich dann mal auf Zeitreise ...


Montag, 6. Mai 2013

[Rezension] Ich blogg dich weg! (Agnes Hammer)

Agnes Hammer: Ich blogg dich weg! 

Hierbei handelt es sich um ein Buch, das klar Stellung bezieht. Stellung zu einer Problematik, die unsere Gesellschaft betrifft und ohne Zweifel aufgrund akuter Aktualität nach Aufklärung, Prävention und Handlungsbedarf ruft.
Die Autorin widmet sich der ungeschminkten Erschütterung, die Mobbing, ob on- oder offline, mit sich bringt. Dabei urteilt sie nicht einseitig, sondern analysiert mit Fingerspitzengefühl.
Eine Geschichte, deren Fiktion oftmals und vielerorts der Realität zu nahe kommt. Zeit, Courage zu zeigen, denn das ist wirklich cool! Höchste Zeit, genau das den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln!


~ Rezension ~

Wenn aus einem vermeintlichen Scherz bitterer Ernst wird ...

Mit ihrer Ausstrahlung und ihrem musikalischen Talent hat es Julie bisher weit gebracht. Sie singt in einer eigenen Band, die sich regionaler Beliebtheit erfreut. Als Julies Bruder Noah die Band für ein Austauschjahr verlässt, beginnt die Suche nach einem neuen Schlagzeuger. Zeitgleich beginnt auch die Hölle über Julie hereinzubrechen. Schlagartig erhält sie anonyme Drohungen per E-Mail, die nach und nach eine virtuelle Welle des Zorns lostreten. Jene Hetzkampagne schlägt bald gar in reale Gewalt um und raubt Julie brutal jegliche Unbeschwertheit.

Dem wichtigen und bedauerlicherweise stets mehr in den Fokus rückenden Thema „(Cyber-) Mobbing“ verleiht Agnes Hammer mit Ich blogg dich weg! eine deutlich Stellung beziehende Stimme, die Zeichen setzt.

Das Grundgerüst der Geschichte ist rasch erzählt: Beliebtes Mädchen wird Opfer gemeiner Verleumdungen auf diversen Online-Plattformen und wie ein Lauffeuer schlägt die anonymisierte Gewalt in reale Ausgrenzung und tätliche Übergriffe um. Doch die Feinheit des Buches steckt in den vielschichtig betrachteten Perspektiven, welche die Autorin präsentiert.
Die Erzählungen werden aus Sicht sämtlicher Beteiligter – Opfer, beistehende Familie und Freunde, Täter, Mitläufer, Zivilcourage zeigende Beobachter – wiedergegeben. Dadurch entwickelt sich ein Strudel aus Verstrickungen, der das entstehende Herzklopfen, die wachsende Wehrlosigkeit und die Überhand nehmende Woge der Gewalt vom Abstrakten ins Greifbare wandelt. Ein Effekt, der mich als Leser im Hier und Jetzt abholte.

Die exemplarische Darbietung an Gefühlen, welche die Lawine des Mobbings mit sich bringt, ist ein weiterer Faktor, den ich als sehr gelungen dargeboten empfand. Scham, Machtlosigkeit und Auslieferung, Mut, Geborgenheit und Offenbarung, Eifersucht, Missgunst und Hass – mit all jenen Komponenten staffiert Agnes Hammer ihre individuell gestalteten Charaktere aus.

Dass all unsere Entscheidungen und Handlungen Verantwortung bedürfen und Konsequenzen nach sich ziehen, wird ebenso betont wie die dringliche Aufforderung, sich nicht allein einer sich zusammenraufenden Übermacht stellen zu wollen. Was jedoch im offen gestalteten Ende nicht gesondert betrachtet wird, sind die späteren Folgen, denen sich Opfer und Täter zu stellen haben.

Sprachlich orientiert sich das Buch offenkundig am lockeren und umgangssprachlichen Gebrauch der heutigen Generation an Teenagern, wodurch Glaubwürdigkeit transportiert wird. Einzig der mitschwingenden Respektlosigkeit gegenüber den Lehrern, die ich heraushörte, stehe ich zwiegespalten gegenüber. Diese passt zwar zum Grundton der Geschichte, entspricht allerdings nicht meinem persönlichen Verständnis vom Umgangston mit Respektpersonen.

Ein Werk, das definitiv als Pflichtlektüre Einzug in die Lehrpläne unserer Schulen halten sollte! Denn die inhaltliche Botschaft ist zu bedeutsam, um nicht gelesen und ausgiebig reflektiert zu werden. Dass die dringende Notwendigkeit besteht, sich mit der Problematik „Ausgrenzung und Mobbing“ auseinanderzusetzen, steht außer Frage und wird uns in trauriger Regelmäßigkeit vor Augen geführt.

F★ZITStark. Exemplarisch. Treffend.