"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Mittwoch, 16. Juli 2014

[Rezension] The Grimm Legacy (Polly Shulman)

Polly Shulman: The Grimm Legacy 
[deutscher Titel: Die geheime Sammlung]

Fantasy ist eines der Genres, die ich immer wieder gern und wohl dosiert in meine Lektüre einstreue. Daher musste ich auch gar nicht lang überlegen, als Polly Shulmans Buch meinen Weg kreuzte. 
Eine Geschichte, die sich sofort nach dem anhörte, was ich persönlich unter einladender Fantasy verstehe. Außerdem tat nicht weniger die entsprechende Prise an Affinität zu den uns allen bekannten Märchen ihr Übriges. Plus die Tatsache, dass es sich hierbei um ein englischsprachiges Original handelt. Endlich mal wieder. Diverse Punkte also, die dafür sprachen, dieses Buch aus dem Regal zu nehmen.


~ Rezension ~

Einst lebte Elizabeth glücklich mit ihren Eltern. Dann starb ihre Mutter viel zu früh. Heute bestimmen Stiefmutter und Stiefschwestern das Leben des Teenagers und dessen Vaters. Die Parallelen zwischen Elizabeth und Aschenputtel sind verblüffend. Nur handelt es sich hier um das wahre Leben, nicht um ein Märchen.
Elizabeth hat sich mit ihrer Außenseiterrolle arrangiert, bis ihr Weg sie eines Tages zum New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze führt. Hier begegnen ihr nicht nur echte Freunde, sondern auch unglaubliche Wahrheiten und magische Phänomene, die dem Mädchen zeigen, dass die Brüder Grimm ihren Sprung in die Gegenwart geschafft haben. Doch ebenso wie das Fantastische wird auch eine dunkle Bedrohung plötzlich sehr real.

The Grimm Legacy von Polly Shulman nimmt auf eine fantasiereiche Reise, die dem Leben etwas Märchenhaftes verleiht und ein ungewöhnliches Abenteuer mit einem großen Rätsel versieht.

Polly Shulman schickt mit ihren Protagonisten, allen voran Elizabeth, eine Reihe cleverer, mutiger und gleichermaßen dickköpfiger Charaktere in eine Welt, in der Magie verzaubert. Entschlossenheit zeichnet die Figuren hierbei ebenso aus wie das Quäntchen Misstrauen. Denn trotz der wachsenden Bande zwischen Elizabeth und Aaaron, Anjali und Marc schwelt diese nagende Ungewissheit im Hinterkopf. Im Repositorium geht nämlich viel zu viel Unerklärliches vor sich. In diesem Zusammenhang gelingt es der Autorin, die Szenen sowohl mit drolligem Humor als auch mit allzu menschlichen Unsicherheiten zu untermalen.

Als einmalig einladend empfand ich die Kulisse dieses Buches: das Repositorium. Mit großer Liebe zum Detail und dem Händchen für magische Nuancen ging die Autorin hier ans Werk. Dabei verknüpft sie das Moderne mit dem längst Vergangenen. Die Geschichten der Brüder Grimm finden auf diese Weise Eingang in einen Kontext, der zum ausgiebigen Eintauchen einlädt.

Im Mittelpunkt steht das große Rätsel und die Lösung dessen. Dieser Fokus wird durch eine Vielzahl origineller Sequenzen und geschickt gestrickter Irrungen und Wirrungen unterstrichen. Hierbei dienen die mehr oder weniger durchsichtigen Hintergründe und Absichten der einzelnen Figuren als gelungene Sprungschanze. Aufgrund einer mitreißenden und durchaus adäquaten Dynamik der Geschichte, ist eine stringente Tiefenschärfe allerdings zweitrangig. In Hinblick auf die lesende Zielgruppe — 10 Jahre + als Altersempfehlung — absolut in Ordnung.

Der gewählte Erzähstil ist gekennzeichnet durch Lockerheit. Ebenso präzise bis zackig kommt die Dialogführung daher. Eine Rhetorik, die bei besagter Zielgruppe schnell Anklang finden dürfte und die von Zeit zu Zeit mit klassischen Komponenten der Märchenerzählung versehen worden ist.

In der Summe ein Buch, das Freunde von Fantasy gut unterhält. Während einige Geheimnisse gelüftet werden, schimmern andere über die letzte Buchseite hinaus. Ferner stellen Freundschaft, Vertrauen und Loyalität Eckpfeiler der Geschichte dar, deren Aussagekraft einen besonderen Stellenwert hat. Eine wirklich willkommene Botschaft obendrein.

FZIT: Abenteuerlich. Prüfend. Verzaubernd. 


Donnerstag, 4. April 2013

[Rezension] The Fault in Our Stars (John Green)

John Green: The Fault in Our Stars

Dieses Buch in bewegtem Bild auf Leinwand gebracht könnte mich kaum mehr berühren, als es das Buch getan hat! Ein erstklassiger Roman, der die Leichtigkeit des Seins, juvenile Ambitionen und niederschmetternde Schicksalsschläge auf einfühlsame, hauchzarte und dennoch den Hals zuschnürende Weise vermittelt.
Eine Geschichte, die mich in ihren Bann zog und mich mit den Figuren lachen und weinen, federleicht schweben und nach Luft ringen ließ. 
Ein Werk, das aufzeigt, wie wertvoll, wie verlockend und wie grauenvoll ungerecht das Leben sein kann. Ein Wink des Schicksals, welcher den Rat gibt, ein Rad zu schlagen, auch wenn sich die Sterne augenscheinlich gegen einen verschworen haben.


~ Rezension ~

Auf Messers Schneide zwischen Leben und Tod

Mit ihren gerade einmal sechzehn Jahren kann Hazel bereits auf einen langen Leidensweg zurückblicken, denn schon vor Jahren erkrankte sie an Schilddrüsenkrebs, der mittlerweile ebenso ihre Lunge befallen hat. Aus Liebe zu ihren Eltern wohnt sie regelmäßig der lokalen Selbsthilfegruppe bei – ein Trauerspiel, das dennoch Kraft spenden soll. Als Hazel dort eines Tages völlig unverhofft auf den charismatischen Augustus Waters trifft, beginnt sie das Leben mit anderen Augen und ihr Schicksal in anderen Relationen zu sehen. Eine unvorhergesehene Verbindung zwischen den beiden Teenagern wird zum stärksten Halt im Kampf um jeden neuen Tag.

The Fault in Our Stars ist ein Drama, dessen Tragik nicht schwerer wiegen und dessen Lebenskraft nicht deutlicher herausstechen könnte. Mit dem Blick für sowohl unheimlich große Realitätsnähe als auch für ansteckende Verträumtheit brachte John Green eine Geschichte zu Papier, die einem Orkan gleicht.

Der Spagat zwischen todernster Zerbrechlichkeit und jugendlichem Lebenshunger ist definitiv gelungen. Charakterstarke Protagonisten, bittersüße Erinnerungen und aufblitzende Hoffnungsschimmer vereinen sich zu einer kraftvollen Geschichte, deren Höhen und Tiefen mitreißen. Gänsehautgarantie!

Hazel und Augustus werden als Figuren gezeichnet, die Identifikationspotential bieten. Sie sind Helden, die sich mit ihrem Schicksal arrangieren und gleichzeitig durch einen unheimlichen Zusammenhalt allen Widrigkeiten trotzen.

Mir haben die zu Herzen gehende Poesie und die trotzige Ironie zwischen den Zeilen, welche der scharfen Brutalität jeder unsäglichen Diagnose entgegenstehen, wunderbar gefallen. Unglaublich fokussierte Lebensweisheiten werden an den Leser herangetragen, die einerseits ermutigen, anderseits ernüchtern. Freud und Leid könnten nicht enger beieinander liegen.

John Green leuchtet mit dieser Geschichte die emotionale Gratwanderung eines Krebspatienten aus, wobei er stets Fingerspitzengefühl beweist. Auch wenn Schmerz und Ungewissheit stete Begleiter sind, so gilt es die Momente der Hoffnung, des Lebenseifers und der Unbeschwertheit umso intensiver wahrzunehmen.

Dieses Buch entspricht einem Kaleidoskop an Gefühlen – Verbundenheit und Einsamkeit, Entschlossenheit und Resignation, Liebe und Verbitterung –, das schattierter kaum einzufangen ist. Dem zufriedenen Lächeln folgt unmittelbar ein schmerzhafter Schluchzer. Als Leser erlebt man die emotionale Achterbahn nach der Diagnose „Krebs“ hautnah und uneingeschränkt mit. Dass, obgleich die Welt der Betroffenen aus den Angeln gehoben wird, Selbstverwirklichung vor der Selbstaufgabe stehen sollte, unterstreicht Hazels Geschichte.

Die Erkenntnis Hazels, dass Krebsbücher doof wären, trifft auf jenes Werk ganz und gar nicht zu. Vielmehr reflektiert diese Aussage die filigrane Selbstironie der Geschichte, die eines der Stilmittel ist, welches auffordert, den Genuss des Lebens tatsächlich auszukosten! Das Leben ist kein Wunschkonzert, doch manchmal lässt sich eine Melodie neu komponieren.

F★ZITBeeindruckend. Unverhohlen. Herzerweichend.