"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Donnerstag, 7. Mai 2015

[Rezension] Alex Cross: Cold (James Patterson)

James Patterson: Alex Cross: Cold 

James Pattersons Thriller lese ich aufgrund ihrer sich stakkatoartig aufschaukelnden Brisanz sehr gern. Besonders mag ich eben auch Alex Cross, der als souveräner Polizist und gelegentlich liebenswert überforderter Familienvater auftritt. 
Neben all seiner fiktiven Dramaturgie punktet dieses Buch nun abermals ebenso durch eine Realitätsnähe, die nicht abwegig ist. 


~ Rezension ~

Gefahr: Unsichtbar und dennoch da.

Alex Cross, seines Zeichens Polizeipsychologe und Profiler mit Herz und Verstand, wird mit einer Entführung konfrontiert, die eine gesamte Nation in Atem hält: Zoe und Ethan, die Kinder des Präsidenten, werden gekidnappt. Was der Entführer fordert? Nichts. Er will nur, dass das Präsidentenpaar Schmerz erfährt. Gleichzeitig erschüttert eine bittere Anschlagserie Washington und rüttelt an den Fundamenten aus Moral und Macht. Stehen die beiden Katastrophen in Zusammenhang zueinander? Alex und sein Team befinden sich auf einem Weg in eine Sackgasse, während die Uhr unerbittlich tickt und das Schicksal der beiden Kinder und einer ganzen Stadt besiegelt scheint. Doch eine Minimalchance gibt es noch. Die fordert jedoch eine Grenzüberschreitung, die Alex nie billigen wollte.

Cold aus der Feder von James Patterson ist ein weiterer Thriller der packenden Alex-Cross-Reihe, der sich durch eine dramaturgische Zuspitzung, die sehr persönlich wird, charakterisiert wird.

Gewohnt überzeugend entwickelt sich auch dieser Fall des Alex Cross'. Der Protagonist steht einmal mehr sowohl als präzise arbeitender Ermittler als auch als Oberhaupt einer aufgeweckten Familie im Mittelpunkt dramatischen Geschehens. Die Hingabe für den Dienst der Vereinigten Staaten kommt hierbei gleichermaßen zur Geltung wie Zweifel an er eigenen Entscheidungsgewalt. Während Alex Cross beruflich über das Limit hinausgeht, sorgen privat seine couragierte Nana, seine Frau Bree und die Kinder dafür, dass der ganz normale Familienwahnsinn ihn auf Trab hält. Damit zeichnet James Patterson zum wiederholten Male das überzeugende Porträt eines Mannes nach, der mitten im Leben steht.

Der Autor schafft zwei separate Handlungsstränge — die Entführung und die Anschlagsserie —, an denen mit hoher Intensität gestrickt wird. Der Spannungsbogen jedes Einzelnen wird potenziert, indem die Möglichkeit einer Schnittmenge heraufbeschworen wird. Der Leser fühlt sich auf diese Weise direkt in die Ermittlungsarbeit hineinkatapultiert.

Für mich beeindruckend ist in diesem Buch vor allem der realistische Grundtenor. Auf der einen Seite der lodernde, grenzenlose Hass auf die USA seitens Al Ayla, einer sich radikal formierenden Terrororgaisation. Auf der anderen Seite die persönliche Schicksale Einzelner, die eine Bandbreite zwischen Angst und Machtlosigkeit, Willkür und Rache ausreizt. In eine temporeiche, sich aufschaukelnde Handlung flicht James Patterson somit real existierende Argumente, denen die Vereinigten Staaten in die Augen blicken. Das Weiße Haus gerät mächtig unter Beschuss — sprichwörtlich und tatsächlich.

Die Stilistik dieses Thrillers entspricht ganz dem Profil eines klassischen Pattersons. Die kurzen, die Handlung rasch vorantreibenden Kapitel werden wie die Patronen einer geladenen Waffe abgefeuert. Kleine Zeit- und Szenensprünge sowie Überraschungsmomente sind inklusive und unterstreichen dabei den unausweichlichen Showdown.

Insgesamt ein Roman, der einen neuerlichen Fall des Alex Cross' auf gekonnt brisante Art in das Fahndungsraster der Leser lotst. Menschlichkeit und Unmenschlichkeit liegen manches Mal schockierend nah beieinander und lassen schlucken.

FZIT: Rasant. Konfliktgeladen. Zielgenau.


Donnerstag, 12. März 2015

[Rezension] Das persische Café (Marsha Mehran)

Marsha Mehran: Das persische Café 

Ein Buch, das einer Hommage an die exquisiten und heilsamen Köstlichkeiten der persischen Kochkunst gleichkommt. Eingebettet in die nicht minder einladende Kulisse Irlands treffen hier Welten aufeinander, deren Annäherung (geschweige denn Verschmelzung) ein gewisses Maß an Ausdauer bedarf. 

Wie wichtig es ist, sich einen weltgewandten Blick zu bewahren, betont Marsha Mehran in ihrem international erfolgreichen Debüt.


~ Rezension ~

Genuss, der wächst.

Die drei persischen Schwestern Marjan, Bahar und Layla ziehen in ein kleines irisches Dorf, in dem die gesellschaftliche Ordnung sich den Interessen des zu allem entschlossenen Geschäftsmanns Thomas McGuire zu unterwerfen hat. Dass die Schwestern ausgerechnet hier ein Café eröffnen und den Dorfbewohnern die kulinarischen Genüsse ihrer Heimat schmackhaft machen wollen, ist Thomas augenblicklich ein Dorn im Auge. Konsequent sät er Misstrauen gegenüber den Frauen. Allzu schnell lassen sich die Schwestern jedoch nicht einschüchtern. Bis sich eines Tages die Ereignisse überschlagen und ihre zurückgelassen gehoffte Vergangenheit bitter aufkocht.

In Das persische Café kombiniert Marsha Mehran mit beachtlicher Bildhaftigkeit die Liebe zur Kochkunst mit der tragischen Historie iranischer Regimeflüchtlinge und der verträumten Kulisse Irlands.

Die drei Protagonistinnen vereinen Trauma und Hoffnung, Furcht und Entschlossenheit, Verletzlichkeit und Stärke. In ihrer Kindheit und Jugend wurden sie Opfer der Revolution. In Irland schöpfen sie neuen Mut, endlich frei sie selbst sein zu dürfen. Wenngleich die kulinarischen Raffinessen der persischen Küche und das Geschick der Schwestern, diese auf unwiderstehliche Art zuzubereiten, im Mittelpunkt des Romans stehen, so flicht Marsha Mehran auf gleichermaßen andeutungsvolle wie unmissverständliche Weise Reflexionen politischer Umbrüche und persönlicher Tyrannei ein. Eine besonders wertgebende Komponente, wie ich finde.

Auf den ersten Blick ist das eindeutige Sympathieverhältnis zu den Charakteren ausgemacht. Kulturelle und emotionale Kontraste treffen aufeinander wie Öl auf Wasser. Doch peu à peu wird die Moral zur wegweisenden Note. Obgleich die eine oder andere Wandlung in einem akuten Zeitraffer erfolgt, nehmen diese Entwicklungen der eigentlichen Botschaft nichts an Würze.

Apropos Würze, als absolutes Plus dieses Werks ist die enorme Kraft der bildhaften Erzählung in Kombination mit der Präsentation exotischer Gaumenfreude hervorzuheben. Marsha Mehran verleiht den Aromen ihrer Heimat Flügel und trägt sie in die Bücherregale (und Küchen) der Leser. Zu Beginn eines jeden Kapitels steht ein Rezept und die aromatische Wirkung eines Gerichts aus der persischen Küche, welches auf rundum passendem Wege Eingang in die Handlung findet. Eine offen ausgesprochene Einladung, über das Leseerlebnis hinaus, neue deliziöse Horizonte für sich zu entdecken.

Insgesamt ein Roman, der sowohl die Narben gesellschaftlich geduldeter Unterdrückung als auch die heilsame Kraft einer geteilten Passion fokussiert. Ein Mischungsverhältnis, welches die Harmonie von heiß und kalt, wie sie in der persischen Küche gepflegt wird, eingängig verkörpert.

FZIT: Appetitlich. Mehrschichtig. Eloquent. 


Freitag, 11. Juli 2014

[Rezension] Liebesschmarrn und Erdbeerblues (A. Schwarzhuber)

Angelika Schwarzhuber: Liebesschmarrn und Erdbeerblues

Für Fans von kaiserlichem Schmarrn und Drolligkeit, die ein Dirndl ohne Mühe ausfüllt, dürfte dieser heitere Roman gerade gelegen kommen. Angelika Schwarzhuber beleuchtet das Unikat der bairischen Lebenskultur auf hübsch verzierte Weise. Lokalpatriotismus der besonderen Art wird uns Lesern beschwingt ans Herz gelegt.
Ein Roman, der diesseits und jenseits des Weißwurstäquators für ein wenig liebenswerte Völkerverständigung sorgen dürfte. 


~ Rezension ~

Die Herausforderung: das richtige Wort im richtigen Augenblick

Lene glaubte sich in einer zufriedenen Beziehung mit ihrem Michi. Doch dieses Empfinden wird jäh zerstört, als der vermeintliche Traumprinz ihr eines Tages gesteht: I hob mi fei sakrisch in di valiabt. Lene ist geschockt. Weshalb kann Michi ihr nicht einfach Ich liebe dich sagen? Oder liegt es letztlich gar nicht an Michi speziell, sondern an der bairischen Sprache im Allgemeinen, die schlichtweg nicht ohne Umschweife zu Herzen gehen kann? Lene trennt sich sich kurzerhand von Michi und widmet sich ihrer neuen Theorie. Dass sie sich damit nicht nur Freunde macht, erfährt Lene schnell. An vorderster Front ihrer Widersacher: der Sprachwissenschaftler Karl Huber. Was für ein Grantler. Doch auch vor potentiellen Herzbuben, die ihr das Gegenteil ihrer Theorie beweisen wollen, kann Lene sich plötzlich kaum retten. Allmählich ist guter Rat teuer.

Angelika Schwarzhubers Liebesschmarrn und Erdbeerblues ist ein illustrer blau-weißer Kompass auf der Suche nach dem greifbaren und vor allem dem für alle verständlich zum Ausdruck gebrachten Glück.

Im Grunde kommt Protagonistin Lene resolut und beherzt daher. Allerdings lassen sie kürzlich erlebte (Sprach-) Eskapaden zweifeln. An der Männerwelt, der bairischen Empathie, an sich selbst. Die Autorin zeigt eine Figur, die Irrungen und Wirrungen des Lebens versucht zu meistern, wobei allerdings köstlich verpackte Zwickmühlen stets aufs Neue für Umwege oder Sackgassen sorgen. Nicht ganz unschuldig daran ist das behände in die Handlung eingeflochtene Potpourri an markanten Charakteren. Figuren, die zu Lenes mehr oder minder amüsierten Wegbegleitern werden.

Mit ihrer Geschichte gelingt es Angelika Schwarzhuber auf schmackhafte Weise in die bairische Lebenskultur einzutauchen. Mit einem Augenzwinkern verbindet die Autorin Tradition mit (linguistischer) Eigenheit und einem guten Schuss Stereotypenhaftigkeit. Geschickt agiert sie auf dem Schachbrett aus weiß-blauen Rauten und versäumt es nicht, den Leser Zug um Zug zu unterhalten. Wohl dosierte Überspitzungen gehören hier schlichtweg zum guten Ton.

Wenngleich sich die Entwicklungen mancher Handlungsstränge für mich als "mit dem Zeitraffer versehen" lasen, tat dies dem spritzigen Gesamtpaket keinen großen Abbruch. Vielmehr sorgten hier die Reihe feiner bairisches Details für Applikationen, die im Verlaufe des Romans zu nicht missen wollenden Gefährten wurden.

Gleichzeitig tragen ein ungezwungener Erzählstil, den ein gepflegter Bayrisch-Crashkurs garniert, und die eine oder andere Lebensweisheit ihren Teil dazu bei, dass  Angelika Schwarzhuber zur Ehrenbotschafterin bairischer Lebensfreude wird.

Insgesamt ein Roman, der, wie es der Titel bereits anklingen lässt, ein wenig von allem parat hält: Herzklopfen und Unsinn, Gaumenfreuden und die knifflige Suche nach der großen Erfüllung. Mit Situationskomik und Selbstreflektion staffiert die Autorin einen Weg aus, der weder rosarot noch mausgrau anmutet, sondern durch weiß-blaue Originalität punktet.

FZIT: Lieblich. Forschend. Verspielt.