Abdel Sellou: Einfach
Freunde
Der Charakter des unerschrockenen, spontanen und humorvollen Krankenpflegers (wider Willen) Driss sorgte vor etwa einem Jahr bei uns in Deutschland im Kinohit "Ziemlich beste Freunde" bereits für Begeisterung. Ich selbst fand den Film einfach nur prächtig!
Doch welches Schicksal steckt hinter der Figur? Der "reale Driss", Abdel Sellou, schreibt in seinem Buch über die harte Schale und den weichen Kern seines Ichs. Dabei nimmt er sich selbst nicht zu ernst, seine Verantwortung gegenüber Philippe di Borgo dafür umso mehr. Seine eigene Metamorphose malt er auf anschauliche und unvergessliche Weise aus. Welch wunderbar gewieftes und mitreißendes Buch!
~ Rezension ~
Die
Geschichte einer unglaublichen Verbundenheit
Die
ungewöhnliche Freundschaft von Philippe Pozzo di Borgo und Abdel
Sellou ist vielen durch den internationalen Filmerfolg Ziemlich
beste Freunde bekannt.
Mit
diesem Buch meldet sich nun Abdel Sellou persönlich zu Wort und
gewährt Einblick in sein Leben. Dabei tun sich Kulissen auf, die der
Film nicht ansatzweise tangiert.
Ehrlich
und trotzig zugleich stellt sich Abdel Sellou hierbei seiner
Vergangenheit, die von Gaunereien und Überheblichkeiten geprägt ist. Dann trifft er auf Philippe, den Tetraplegiker, für den Abdel
fortan die Stütze seines Lebens ist: Ein Wendepunkt, den der aus
Algier stammende Draufgänger als solchen erst viel später wirklich
erkennt. Heute weiß er jeden einzelnen Tag im Hause di Borgo zu schätzen.
Einfach Freunde ist die Hommage an
eine einzigartige Freundschaft, deren Beständigkeit in gegenseitigem
Geben und Nehmen wurzelt, auch wenn es für den Außenstehenden auf
den ersten Blick anders wirken mag.
Sellou
erzählt unverblümt und mit reichlich Wortwitz versehen, wie ihn
sein Weg an der Seite Philippe di Borgos zu einem rechtschaffenen
Menschen gemacht hat.
Der
Tiefgang dieser einmaligen Geschichte berührt, während ihr Charme
den Leser einwickelt, die große Portion Humor amüsiert und die
Aufrichtigkeit inspiriert.
Ohne
ein Blatt vor den Mund zu nehmen, lädt der Autor den Leser ein, seine
wahre Welt einmal kennen zu lernen. Dabei zieht Sellou stets
Parallelen zum Welterfolg Ziemlich
beste Freunde. Die Handlung
des Filmes zu relativieren, zu bestätigen und vor allem zu ergänzen, ist ihm sehr wichtig. Besonders die Stärke Philippes, die ihn vom
ungelernten Intensivpfleger zu einem verlässlichen Familienmenschen
gemacht hat, liegt Sellou am Herzen.
Die
Wiedergabe schräger Dialoge, kurioser Begebenheiten und schmerzender
Tiefpunkte macht dieses Buch zu einem leuchtenden Glanzstück.
Intensive Emotionen haben mich ebenso erreicht wie der ironische
Humor, der definitiv als ein Katalysator der Freundschaft zu werten
ist.
Was
mir besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die beeindruckende
Einheit, welche die beiden Protagonisten trotz und gerade wegen ihrer
vollkommenen Verschiedenheit bilden. Sie sind das beste Beispiel
dafür, dass wahre, lebenslange Freundschaft nicht von
Äußerlichkeiten bestimmt ist. Vielmehr zeichnet sich eine solche
Verbundenheit durch Vertrauen, Loyalität und Mut zum Wagnis aus.
Ein
Erfahrungsbericht, der zu Herzen geht. Nicht umsonst sprang dieses
Werk auf die Spiegel-Bestsellerliste und begeistert, berührt und
motiviert mich und zahlreiche andere Leser weit über die letzte Seite hinaus.
F★ZIT: Aufrichtig.
Intensiv. Außergewöhnlich.