"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Montag, 2. Juni 2014

[Rezension] This Is Not A Love Story (Holly Bourne)

Holly Bourne: This Is Not A Love Story 


Warnhinweis? Drohung? Offensichtlicher Widerspruch und damit Stilmittel? Vielleicht auch von allem etwas?

Ich jedenfalls finde die Wahl für den deutschen Titel zu Holly Bournes Erstlingswerk, This Is Not A Love Story, äußerst clever. Denn — Überraschung! — selbstverständlich handelt es sich bei dem Buch um eine Liebesgeschichte. Um eine überaus gefühlsbetonte sogar. Allerdings ebenfalls um eine, die dank ein, zwei feiner Besonderheiten in ihrem Genre eine eigene kleine Nische zu besetzen weiß.

Ein herzliches Dankeschön vor allem an Katha von Textverliebt. für die Bekanntmachung mit Penny (die Marmite und Bananenmilch ebenso mag wie ich) und Noah (dessen Musikerdasein allein schon für Sympathiepunkte sorgt)! 


~ Rezension ~

Ein Blick, der alles in den Schatten stellt.

Penny ist in ihrem Freundeskreis für ihren perfektionierten Zynismus bekannt. Sie verkörpert auch nicht gerade das, was einen Teenager in ihrem Alter ausmacht, sodass selbst ihre Freundinnen eine liebe Not mit ihr haben. 
Als die vier Mädchen eines Abends dann ein Konzert besuchen und Penny inmitten der Menge zusammenbricht, bahnt sich eine Entwicklung an, die zu einer unberechenbar bedrohlichen Spirale unbändiger Gefühle werden soll. Denn, ob sie es nun wahrhaben möchte oder nicht, Pennys Gedanken drehen sich fortan nur noch um Noah, den heiß begehrten Gitarristen dieser Band mit dem wohl schrecklichsten Namen der Musikgeschichte. Mit aller Macht versucht sich Penny gegen das Unvermeidbare zu wehren. Schließlich gibt es die wahre Liebe im echten Leben nicht! Und schon gar nicht auf den ersten Blick! Oder vielleicht doch? Und wenn ja, um welchen Preis?

Mit ihrem Debüt, This Is Not A Love Story, schafft Holly Bourne ein Stück Jugendlektüre, dessen Gesamtpaket sich durch eine leuchtende Mischung aus elektrifizierenden Emotionen und brennender Brisanz auszeichnet

Die als magnetisch beschriebene Wirkung der beiden Hauptcharaktere aufeinander wird, wie ich es empfunden habe, nicht nur durch schicksalsbehaftete Gegebenheiten heraufbeschworen, sondern vor allem auch durch ihre konträren Persönlichkeiten unterstrichen. Auf diese Weise wirken Penny und Noah tatsächlich wie die Pole zweier Magnete, die einander ergänzen. Auf der einen Seite Penny, deren rationale und bisweilen überaus sarkastische Schale nicht leicht zu knacken ist. Auf der anderen Seite Noah, dessen gepflegtes Bad-Boy-Image ein einfühlsames Inneres ideal kaschiert. Ein Duo, das polarisiert.

Ich mag Ironie und Sarkasmus mehr als nur ein bisschen, musste jedoch beim ausgereizten Zynismus, den die Autorin Penny zugesteht, gelegentlich schlucken. Eine Unnahbarkeit, die sich glücklicherweise im Verlaufe des Buches und besonders dank des Miteinanders von Penny und Noah legte. Im Umkehrschluss gelingt es Holly Bourne demzufolge, dem Wachsen ihrer Protagonistin eine angenehme Portion an Authentizität zu verleihen.

Der ausgefeilte dramaturgische Spannungsbogen, der kreiert wird, entfaltet sich auf zwei Ebenen. Einerseits auf der zwischenmenschlichen. Andererseits auf der einer höheren Macht. Ein dynamisches Geflecht, das dafür sorgt, dass sowohl das fluffige Rosarot als auch das eisig Abgeklärte entsprechend mitklingen. Das bewusste Spiel mit Klischees und das skeptische Beleuchten dieser durch die Charaktere selbst ist eine Nuance, die mich darüber hinaus rundum einfing. 

Ebenso sind die verschiedensten mehr oder minder philosophischen Grundgedanken, welche das Sein oder Nichtsein von Liebe betrachten, eine Kernkomponente dieses Romans. Intermezzi, denen Holly Bourne einen Hauch von harscher Gefühlskälte beigemischt hat, die als Gegenspieler gut fungieren und die mich unwillkürlich an ein wenig Science Fiction im weiteren Sinne erinnert haben. 

Eine Atmosphäre, die zwar ohne Zweifel nach dem obligatorischen Mehr verlangt, andererseits jedoch nicht weniger auf das Unausweichliche zusteuert, bestimmt mit Nachdruck den Fortlauf der Kapitel. Dabei jongliert die Autorin mit Herz- und Kopfentscheidungen, die letzten Endes einen klirrenden Showdown im soliden Was-wäre-wenn-Szenario andeuten.

In der Summe ein Jugendbuch, dessen bittere Süße intensiver wohl kaum schmecken könnte. In einem Augenblick ungläubig realisierte nüchterne Wirklichkeit, einen Stromschlag später bereits Funken sprühende Realität  — oder eben umgekehrt

FZIT: Brachial. Knisternd. Einnehmend.



Montag, 18. Februar 2013

[Rezension] Breathe - Gefangen unter Glas (Sarah Crossan)


Sarah Crossan: Breathe – Gefangen unter Glas

Eine Dystopie aus dem Hause dtv ganz nach meinem Geschmack! Schon allein die Grundthematik - der Kampf um Ressourcen und der Schutz der Umwelt - kommt meinem persönlichen Interesse sehr entgegen. Ergänzt wird dies durch eine starke Umsetzung dank dem tollen intensiven Stil der Autorin, der für mich sowohl wohlschmeckende Vorzüglichkeit als auch notwendige Dringlichkeit miteinander verknüpft.
Ich bin riesig froh, dass ich die Gelegenheit hatte, dieses Buch noch vor der offiziellen Erscheinung am 01. März 2013 zu lesen. Ein einzigartiges Erlebnis! 


~ Rezension ~

Atme mit Bedacht, denn die Luft wird dünn!

Sie wurden in eine Welt hineingeboren, in der Sauerstoff keine Selbstverständlichkeit, sondern eine kostbare Rarität ist. Das Monopol um diese lebenswichtige Ressource spaltet die Bevölkerung in der Kuppel – eine Glasglocke, die vor dem tödlichen sauerstoffarmen Raum außerhalb abschirmt – in eine Zweiklassengesellschaft. Diese bittere Erfahrung müssen auch die besten Freunde Bea, eine Second, und Quinn, ein privilegierter Premium, sowie die Rebellin Alina machen. 
Unter gewöhnlichen Umständen hätten die drei Teenager nie zusammengefunden. Doch in ihrer Welt ist rein gar nichts gewöhnlich. Daher besteht ihre minimale Chance im Kampf um Gerechtigkeit und das Überleben nur darin, sich gemeinsam der unfassbaren Wahrheit und der unausweichlichen Schlacht gegen die Regierung zu stellen. Doch haben sie tatsächlich den längeren Atem?

Breathe – Gefangen unter Glas ist für eine Dystopie, die bewegt, mitfiebern sowie die Luft anhalten lässt und uns einen gesellschaftskritischen Spiegel vor Augen führt. In Zeiten, in denen der Mensch den Planeten Erde durch Raubbau der Ressourcen ausbeutet, scheint das Horrorszenario von Breathe gar nicht allzu abstrus zu sein.

Sarah Crossan gelingt mit diesem Jugendbuch der glanzvolle Auftakt einer Buchreihe, in der die Menschen bereits in den Kampf ums Überleben hineingeboren werden. Der Wettlauf um die einstige Banalität „Sauerstoff“ wird tödlicher Ernst. Eine unglaubliche Vorstellung, die durch große Ausdruckskraft, viel Liebe zum Detail und entsprechender Action vor dem geistigen Auge Gestalt annimmt.

Die drei Protagonisten – Bea, Quinn und Alina – repräsentieren die Generation an willensstarken, zu allem entschlossenen Bürgern, welche die Vormachtstellung der Regierung in Gefahr bringen könnten. Trotz ihres jungen Alters zeichnen sich die drei durch Reife und Disziplin, Loyalität und Biss aus. Charakterstärken, die ihnen zum einen abverlangt werden, mit denen sie zum anderen ihre Ohnmacht gegenüber dem System kaschieren müssen.

Die von der Autorin geschaffene Welt reflektiert famos ausgearbeitet die beiden Kontraste des Lebens: auf der einen Seite das blühende, obgleich korrupte und auf Scheinheiligkeiten basierende Sein unter der Kuppel; auf der anderen Seite die todgeweihte Trostlosigkeit, in welcher Mut (zur Verzweiflung), Wille und Freundschaft zählen.

Mich hat dieses Buch von A bis Z in Atem gehalten, was dem einwandfreien Zusammenspiel verschiedenster Komponenten zuzuschreiben ist.
Zum Ersten der temporeiche, ausdrucksstarke und zugleich jugendlich frische Erzählstil der Sarah Crossan. Die Geschichte im steten Wechsel aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptfiguren wiederzugeben, ist ein kluger Schachzug, der dem Buch Dynamik und Explosivität verleiht.
Ferner unterstreichen das breit gestreute Spektrum an Persönlichkeiten und Bestrebungen den sich zuspitzenden Spannungsbogen.
Des Weiteren sorgen eine filigran ausgestaltete Kulisse sowie eine stets mitschwingende Ungewissheit und Überraschungsmomente, die erschüttern, aber auch zu Herzen gehen, für das besondere Lesevergnügen.

Atemberaubende Dramaturgie, echte Gefühle und knallharte Konfrontation stützen diesen Endzeit-Roman ebenso wie Einfallsreichtum, Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen und Figuren, die über sich hinaus wachsen. Ein stimmiges Gesamtpaket, das auf dem Silbertablett seinen Sprung in unsere Bücherregale schafft. Ohne mit dem erhobenen Finger zu belehren, appelliert Sarah Crossan dennoch an Verstand und Herz.

Eine großartige Mischung an schneidender Brisanz, tiefer Menschlichkeit und mustergültiger Tonalität.

F★ZITMitreißend. Fundiert. Elektrisierend.


Freitag, 15. Februar 2013

[Buchpost] Tief durchatmen!

DAMIT hätte ich niemals gerechnet! "Wie bitte?" war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, als ich die Mail aus dem Hause dtv - Das junge Buch lese. "Unheimlich genial!" folgte diesem Gedankengang gleich im Anschluss. 

Hatte der Verlag doch dazu aufgerufen, bei der Wahl des passenden Buchtrailers ihres neusten Coups - die Dystopie Breathe - Gefangen unter Glas der irischen Autorin Sarah Crossan - mitzuhelfen. Unter allen fleißigen Stimmgebern, wurden dann 20 glückliche Gewinner eines Vorableseexemplars (ab dem 01. März 2013 wird das Buch im Handel erhältlich sein) ausgelost. Und ich darf mich zu diesem elitären Kreis zählen. Umwerfend! Ebenso erfreut es mich zu sehen, dass einiger meiner lieb gewonnenen Blogger-Freunde mit von der Partie sein werden. Fabelhaft! 

Uns Leser erwartet nun eine Geschichte, die den erbitterten Kampf um die essentielle Ressource des menschlichen Lebens, den Sauerstoff, beschreibt. In der Realität unvorstellbar, doch ein Gedanke, der in Zeiten der Ausbeutung natürlicher Rohstoffe durch uns Menschen durchaus in gewisser Hinsicht seine Berechtigung hat! Ich atme tief durch und tauche hinein in die Kuppel von Breathe.