"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Donnerstag, 19. März 2015

[Schreibzeugkiste] Buchblog: Kompetenzlieferung frei Haus?!

Buchblogger blühen auf, wann immer sie über ihre Leidenschaft, das Lesen, berichten. Einfallsreich, vielseitig und engagiert widmen sie sich der Ausgestaltung ihrer Beiträge. Ihr Blog ist die Bühne, auf der sie tanzen können, wie es ihnen beliebt. 

Was zumeist als kleine Idee à la "Ich teile einfach mal meine Passion für Literatur" beginnt, nimmt schon bald einen nicht zu unterschätzenden, aber gern gegebenen Teil der Freizeit eines Buchbloggers ein. Denn wer mag schon halbe Sachen? Durch viel Liebe zum Detail, pfiffige Stilblüten und erfrischende Kollaborationen entstehen vielerorts Literaturblogs, die Potential haben, Leserscharen und gleichgesinnte Bücherwürmer zu begeistern.

Buchblog: Sprungbrett unterschätzter Kompetenzen?

Es ist unbestreitbar: Das Bloggen kann Türen öffnen. Klar, natürlich nicht immer die "Vom Hobbyschreiber zum ernst genommenen Profiblogger"-Pforte. Im Gegenteil, die wenigsten Blogger können wohl von der Arbeit, die sie in ihr virtuelles Reich stecken, ihren Broterwerb bestreiten. Aber das Bloggersein kann auch an anderer und vielleicht auf den ersten Blick eher indirekten Stelle eine echte Bereicherung sein. 
Die Aussagen "Ich bin (Buch-) Blogger" oder "Mein Interesse gilt dem Bloggen" werten beispielsweise einen Lebenslauf tatsächlich ungemein auf. Und werden als solche Bereicherung erkannt. So meine eigene positive Erfahrung. Denn die meisten Blogger zeichnen sich durch eine Vielzahl an Eigenschaften und Fähigkeiten aus, die in (professioneller) Zusammenarbeit und in der Berufswelt sehr geschätzt werden. Sie sind in häufigen Fällen wohl couragiert und innovativ, kreativ und diszipliniert, wortgewandt und verantwortungsbewusst. Um nur an der Oberfläche zu kratzen. 

Ein großes Plus, das in jüngerer Vergangenheit auch für — auf die Sparte der Buchblogger bezogen — Verlage und Autoren immer vielversprechender geworden ist. Eine Einladung zur Zusammenarbeit sozusagen. Die Stimmen der Blogger werden geschätzt. Weil sie eben unverfälscht, individuell und zumeist auch merklich kompetent daherkommen. Eine Entwicklung, die ich persönlich mag. Denn jenes gegenseitig entgegengebrachte Vertrauen und das wechselseitig ausgewogene Geben ist ein schöner Zug.

Dass ein Blog, wenn er denn qualitativ ansprechend geführt wird, nicht mal eben schnell nebenbei aus dem Boden zu stampfen und zu betreuen ist, sollte im Grunde jedem bewusst sein. Diese Wahrnehmung wird durch die Tatsache gestützt, dass Blogger immer öfter gezielt in die (Marketing-) Arbeit der Buchbranche integriert werden. In den meisten Fällen zwar (noch) unentgeltlich, aber oft zumindest mit dem Vorteil des großzügigen Netzwerkens ausgestattet.

Als Underdog durch die Hintertür zum Prestige?

Natürlich, es wäre schon ein sehr willkommener Gedanke, mit dem, was man liebt — sprich mit dem Bloggen — den Lebensunterhalt zu bestreiten. Der eine oder andere Vlogger (Videoblogger auf YouTube) dient hier vielleicht als Vorbild. Doch bei der Dichte an Bloggern in einer Nische, die bisher noch nicht die Popularität von Food- oder Lifestyleblogs erreicht hat, nicht zwangsläufig ein Leichtes. Alles andere als das. 
Dennoch sollte man als engagierter Buchblogger keinesfalls verzagen! Denn unsere Daseinsberechtigung bestätigt sich täglich. Nicht ohne Grund gehören Plattformen für Blogger (wie das Bloggerportal von Random House), journalistische Messeakkreditierungen für unsere Zunft oder auch die Möglichkeit, als gefragte Kolumnisten für Online- und Printmedien zu schreiben, zu wertgebenden Zugpferden.

Es ist auch nicht immer leicht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Gerade weil das Medium Blog so einfach zu bedienen scheint. Aber, wie bereits gesagt, nur weil sich ein Blog binnen zehn Minuten anlegen lässt, heißt das nicht, dass eine kontinuierliche Pflege dessen ein lockerer Pausenfüller ist. Umso schöner und bestätigender ist es daher, wenn Autoren, Verlage, Zeitungen & Co. einen Blick dafür entwickeln, welche Blogger "das Zeug dazu haben", mitunter eben über die Grenzen des Bloggens hinaus zu scheinen. Ein Rückenwind, der wertvoll und möglicherweise ein weiterer Schritt in eine auf den verschiedenen Ebenen rentable Richtung ist. Bis dahin kann ich nur empfehlen, den eigenen Blog — ganz gleich wie klein oder groß er sein mag — mit Herz und Seele, Expertise und Originalität zu füllen und ihn an den richtigen Stellen, eben auch im Lebenslauf, hervorzuheben. Nachteilig kann dies keinesfalls sein. 

Der persönlich definierte Erfolg stellt sich dann auf die eine oder andere (unverhoffte) Weise bestimmt ein. "Wenn nicht heute, dann beim nächsten Mal" — um abschließend Biathlet Erik Lesser zu zitieren, der dies in einem Interview zur möglichen WM-Goldmedaille der Herrenstaffel 2015 im finnischen Kontiolahti meinte. (P.S.: Der WM-Titel folgte keine Stunde später.)


Montag, 7. April 2014

[Schreibzeugkiste] David und Goliath in der Ideenschmiede


Es folgt ein individueller Eindruck, dem ich mich nicht gänzlich entziehen kann:

Sie stecken viel Herzblut, großen Einfallsreichtum, wertvolle Botschaften und einen nicht zu unterschätzenden Fond an Zeit in ihre Geschichten. Geschichten, die einfach gelesen, gehört und weitergetragen werden müssen. Und zwar aus einem überzeugenden Beweggrund: Ihre Autoren wissen, was es heißt, gute Geschichten zu kreieren und zu erzählen. 

Das "Problem" (der "Makel"): Sie sind Autoren, die (noch) nicht das leuchtende Aushängeschild eines Verlags sind bzw. selbigen zumindest als Paten (alias Vertragspartner) nennen können. Eine Formalität, die unglücklicherweise nicht eben nur dies, sondern eine ziemlich entscheidende Variable in der Gesamtgleichung ist.

So wundervoll es wäre, würde es in erster Linie tatsächlich auf die inneren Werte ankommen, so unsensibel und kommerziell ist die Realität. Denn obgleich die Ambition, die mühevolle Kleinstarbeit und das Talent hinter einem fertigen Indie-Buch in der Summe nicht weniger schätzenswert sind als die hinter einem Verlagsprodukt, ist das Feedback im Allgemeinen klar geteilt. 
Während das eine Buch (nahezu) sämtliche Aufmerksamkeit auf sich zieht und Schulterklopfer mit sich bringt, bleiben für das zweite Exemplar vorwiegend "mitleidige" Blicke. Und das oftmals noch nicht einmal hinsichtlich der eben genannten "inneren Werte", sondern aufgrund seiner Herkunft. Was demnach in anderem Kontext klar als Diskriminierung zu bezeichnen ist, gehört in der Buchbranche (bzw. im künstlerischen Wirkungsgefüge generell) zum herkömmlichen Miteinander.

Um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wird in einer anderen Sparte und einem anderen Format beispielsweise äußerst effektiv auf sog. Blind Auditions zurückgegriffen. Hier zählt dann nicht, wer du bist oder woher du kommst, sondern was du kannst.
Denn im Grunde steckt hinter einem schiefen Blick oder einer in Falten gelegten Stirn eines "Kritikers" in vielen Fällen wohl Ahnungslosigkeit/Unwissenheit. Schließlich kann ein im Prozess des Self-Publishings erschienenes Buch richtig beeindrucken und bewegen. Ebenso kann ein unter der Schirmherrschaft eines Verlags veröffentlichtes Werk den Leser durchaus ernüchert zurücklassen.

Natürlich, in unserer heutigen Zeit, in der Buchneuerscheinungen im Wochentakt den Markt einnehmen, muss selektiert werden. Hierbei geben Bücher, die in namhaften Verlagen erscheinen, eine Richtschnur vor. Sie signalisieren Qualität. Immerhin hat es der besagte Autor "bis dahin geschafft". Das muss doch etwas heißen! Keine Frage, einen Vertrag für eine Buchveröffentlichung zu unterzeichnen, ist ein großer, sehr verdienter Schritt. 
Dennoch heißt das im Umkehrschluss keineswegs, dass Autoren ohne Verlag im Rücken, weniger hart arbeiten würden oder weniger spannende Geschichten zu erzählen hätten. Ganz im Gegenteil! Daher empfinde ich es als nicht gerechtfertigt, sie mit einem vorzugsweise mitleidigen Lächeln oder einem lapidaren "Nett" zu bedenken oder sie gar als nicht konkurrenzwürdig anzusehen. 

In meinen Augen haben Self-Publisher oder kleine Verlage nicht keine Chance (verdient), sondern sie haben lediglich andere Möglichkeiten. Natürlich sollten jene Möglichkeiten nicht der Freibrief sein, auf Teufel komm raus zu veröffentlichen.
Doch bei (sehr) guter Arbeit sollte der Mindestlohn für Eigeninitiative ergreifende Autoren sein, ihnen wenigstens Respekt ihrem Wirken gegenüber zu zollen. Ihnen allein aus Prinzip den Rücken zuzukehren oder sie gar durch ungerechtfertigt schlechtere Bewertungen zu sabotieren, sollte gegen unser aller Gefühl für Fairness sowie gegen einen gewissen Ehrenkodex verstoßen. Samthandschuhe sind nicht gewollt, eben aber die Chance auf eine Begegnung auf Augenhöhe.

Unterm Strich dürfte es mir als Leser herzlich egal sein, ob mein Lieblingsbuch nun aus der Feder eines Self-Publishers oder eines Autoren mit etabliertem Verlag als Rückendeckung stammt: Denn Lieblingsbuch ist nun einmal Lieblingsbuch.