"Wer bereits als Kind die Welt zwischen den Zeilen für sich entdeckt, geht auch später gern als Abenteurer durchs Leben." {Creativity First}
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Donnerstag, 4. September 2014

[Rezension] Sehnsucht nach Zimtsternen (Katrin Koppold)

Katrin Koppold: Sehnsucht nach Zimsternen 

Sehnsucht nach Zimtsternen - EBookNachdem ich bereits Helgas und Fees Geschichte kenne, durfte ich mir nun natürlich keinesfalls den dritten Band der Sternschnuppen-Reihe und damit Lillys Porträt entgehen lassen. Denn inzwischen fühle ich mich beinahe schon selbst ein klein wenig wie ein Mitglied der liebenswert-chaotischen Familie Baum.
Bisher bestach die Autorin durch zwei Vorgängerbände, die mich trotz oder gerade wegen variierender Grundstimmungen jeweils für sich gewinnen konnten. Umso gespannter war ich auf die Begegnung mit Lilly.
Nicht vergessen möchte ich das Dankeschön an Katrin Koppold für die nette Bereitstellung einer eBook-Ausgabe ihres Buchs!

Bild: katrinkoppold.de


~ Rezension ~

Die herbe Süße des eigenen Traums

Lilly liebt Märchen, solange sie denken kann. Die schönsten Kindheitserinnerungen verbindet sie mit den gemeinsamen Märchenstunden in Familie. Doch mittlerweile steht Lilly mitten im Leben. In einem Leben, das es momentan alles andere als märchenhaft mit ihr meint: Zuerst trennt sich ihr Mann Torsten überraschend von ihr. Dann muss sie sich der unbequemen Wahrheit stellen, dass ihr Vater längst nicht über die Trennung von ihrer Mutter hinweggekommen ist. Und schließlich steht auch noch das Wiedersehen mit Anton, ihrer unglücklichen Jugendliebe, bevor. Lilly fühlt sich vollends überfordert. Einziger Lichtblick: der attraktive neue Nachbar. Kaum sieht Lilly allerdings Licht am Ende des Tunnels, bricht die Welt erneut über ihr zusammen. Der Moment für den Ritter in schimmernder Rüstung ist endgültig gekommen! Ein Ritter, der Lilly die geliebten Zimststerne backt.

Bei Sehnsucht nach Zimtsternen von Katrin Koppold handelt es sich um den dritten Teil der Sternschnuppen-Reihe. Dieser kommt im Gewand eines liebevoll geschriebenen Romans, dessen Zuckerguss der Hauch von Märchen ist, daher.

In diesem Teil wird die Geschichte der dritten Schwester aus dem Hause Baum erzählt. Lilly ist eine Protagonistin, die, ungeachtet aller Unebenheiten des Lebens, den Mädchentraum vom Happy End à la Brüder Grimm partout nicht loslassen möchte. Sie hat es perfektioniert, sich von Unannehmlichkeiten zu distanzieren. Zugleich ist sie nach wie vor die nette, nicht rebellierende Tochter, Schwester und Frau. Bis sich die Schatten der Vergangenheit nicht mehr aussperren lassen und Lilly wie einen Fluch einhüllen. Eine gefühlsbetonte Zuspitzung der Ereignisse und Verkettung verschiedener Schicksalsstränge werden von Katrin Koppold in gewohnt nahbarer Weise kreiert.
Lilly zur Seite gestellt wird ein Reigen prägnanter Charaktere: Vom nerdig-legeren Nachbarn über die berechnende Schwiegermutter bis hin zum Womanizer-Mitbewohner erfüllt jede der Figuren ihr Rollenbild — mal mit köstlichen Klischees, mal mit würzigem Überraschungsmoment verziert.

Was mich einmal mehr begeistert hat, ist die Atmosphäre, die Katrin Koppold mit dem von ihr angeschlagenen Ton geschaffen hat. Ihr gelingt es, eine glaubwürdige Balance zwischen lieblichen "Und wenn sie nicht gestorben sind, ..." und der ernsthaften Seite des Strebens nach Glück zu schildern. Selbstverwirklichung, Schicksalsschläge und Selbstreflektion werden zu den Strähnen, aus denen die Autorin einen ansehnlichen Rapunzelzopf flicht. 

Dynamisch und zugleich mit Bedacht wurde der Handlungsverlauf gestaltet. Während die Nuancen Blauäugigkeit und Selbstmitleid Lillys in den einen Passagen überwiegen, werden sie an anderer Stelle durch Entschlossenheit und Wagemut der Protagonistin ersetzt. Hinzu kommt der ganz normale Wahnsinn in der Familie Baum, der für reichlich Zündstoff sorgt und dem charakteristischen Zimt in den Zimtsternen entspricht.

Die Emotionalität der Geschichte ergibt sich aus der Summe vieler einzelner einschneidender Erlebnisse und Lebensphasen. Eine gewisse Hin- und Hergerissenheit wird geschaffen. Distanz und Nähe, Schockstarre und Lebenshunger, Vergangenheit und Zukunft — ein Potpourri aus Gegenspielern, die den Weg Lillys und ihrer Begleiter prägen.

Alles in allem ein Werk, das es versteht, das Märchenhafte in die Realität zu überliefern. Mit Fingerspitzengefühl und Know-how hat Katrin Koppold das Rezept für einen gelungenen Roman abgeschmeckt.

FZIT: Verspielt. Bittersüß. Hellwach.


Freitag, 30. August 2013

[Rezension] Aussicht auf Sternschnuppen (Katrin Koppold)

Katrin Koppold: Aussicht auf Sternschnuppen 

Ich bin ein riesiger Fan von schrägem Humor. Insbesondere Ironie (und Sarkasmus) haben es mir angetan. Fragt mich nicht warum. Ich weiß nur, dass meine Schwäche für das Stilmittel der Ironie schon seit meiner Schulzeit besteht ... und dank eines gewissen eigentümlichen Serien-Physikers noch immer ein Hoch erlebt.
Genau jener besondere Witz zeichnet auch das Debüt von Katrin Koppold aus und bescherte mir somit ein paar famose Stunden an der Seite der ungleichen Weggefährten Helga und Nils. Mit einem unverkennbaren Zungenschlag, ulkiger Überspitzung und sanftmütigem Anlehnungsbedürfnis ist jener Roman ausgestattet und lässt nicht erst am Ende den Ruf "Bitte mehr davon!" lauter werden.


~ Rezension ~

Eine Reise ohne Gepäck, dafür mit viel Temperament

Durch einen Zufall, dessen Ursprung zugegebenermaßen eine gewisse Neugier war, stößt Helga auf eine eindeutig zweideutige SMS, die ihr Freund Giuseppe von einer leidenschaftlichen Italienerin erhalten hat. Als Giuseppe dann auch noch zu einer „Geschäftsreise“ gen Süden aufbricht, fällt Helga einen impulsiven Entschluss: Sie muss Giuseppe folgen – koste es, was es wolle. Nur hat sie dabei die Rechnung ohne Nils Schöneberger gemacht, der sich nicht nur als kettenrauchender, lederjackentragender Womanizer und Held einer Fernsehserie, sondern eben auch als Helgas aufsässige Reisebegleitung entpuppt. Doch was erst dem Biss in den sauren Apfel gleicht, offenbart sich wenig später als einzige Chance für Helga, Giuseppe auf die Schliche zu kommen.

Bei Aussicht auf Sternschnuppen handelt es sich um das wunderbar schmissige Debüt der Schriftstellerin Katrin Koppold. Ihr gelang es auf Anhieb, einen Roman zu veröffentlichen, der ein temperamentvolles Eigenleben zu führen scheint.

Mit Helga Baum und Nils Schöneberger steckt die Autorin zwei Protagonisten, deren Charaktere sich durch Kontrastreichtum und dennoch ungeahnter Deckungsgleichheit auszeichnen, in einen Smart und schickt sie damit in ein explosives Rennen. Beide sind sehr eigen: Helga ist die personifizierte zynische Akkuratesse, während Nils das Klischee eines Lebemanns, der sich seiner Wirkung bewusst ist, vollends erfüllt. Somit kreierte Katrin Koppold ein Duo, zwischen dem die Funken fliegen – in jegliche Richtung. Ergänzung findet diese schräge Zweckgemeinschaft durch eine Reihe betont eigenständiger Figuren, die immer wieder zu Wort kommen.

Besonders charakteristisch für diese Geschichte ist der unverblümte, schnippische und zugleich liebenswerte Schlagabtausch zwischen den beiden Hauptfiguren. Eine Erzählweise, die Lebendigkeit beweist und mich bestens unterhalten hat. Der Trumpf der Autorin liegt ohne Zweifel in einer Eloquenz, die einerseits charmant klischeehaft, anderseits erkenntnisreich anmutet.

Des Weiteren dürfte dieser Roman bei vielen reiselustigen Italienliebhabern eine Punktlandung hinlegen. Denn Katrin Koppold verpackt in ihren Zeilen das herrlich unverfälschte und durch lieblichen Detailreichtum bestechende Stückchen einer Reise in den Süden. Ein Gefühl des exklusiven Dabeiseins empfand ich während des Lesens – besser hätte es kaum sein können.

Dass die Figuren im Verlaufe der Handlung eine Wandlung durchleben, ist deutlich spürbar. Eine Tatsache, die den Roman wiederum zum Träger einer Botschaft macht: Das Unerwartete bereichert unser Leben. Lass dich darauf ein, wenngleich es schwerfällt dies auf den ersten Blick zu erkennen!
Während im ersten Teil der Geschichte Ironie und Spott den Grundtenor bestimmen, dominieren Selbstreflexion und Entschlossenheit den zweiten Teil. Eine Mischung, mithilfe derer Katrin Koppold eine emotionale Bandbreite geschaffen hat, die meinen Geschmack traf.

Alles in allem ein runder Roman ausgestattet mit Humor, der sich zwischen drolliger Situationskomik und zischender Ironie einpendelt, subtiler Romantik und unverhüllter Lebensweisheit. Eine Geschichte, die dem Leser eine Ahnung gibt und dennoch Überraschungsmomente sternschnuppengleich in den Himmel schießt.

F★ZIT: Schlagfertig. Originell. Gewitzt.